Harry Potter und der Feuerkelch Special - Seite 2


Eine der ehrwürdigsten Traditionen in der Welt der Zauberer ist das Trimagische Turnier. Der Wettkampf birgt derartige Gefahren, dass er seit über 100 Jahren nicht mehr ausgetragen wurde. Der magische Feuerkelch wählt drei Champions aus – je einen aus den größten europäischen Zaubererschulen. Sie bekommen die glorreiche Chance, den begehrten Trimagischen Pokal zu gewinnen. Doch wer vom Kelch ausgewählt wurde, kann nicht mehr aussteigen.

Wenn sich die Champions den drei gefährlichen Phasen des Turniers stellen, können sie sich nur auf ihren Verstand und auf ihren Zauberstab verlassen. Wer eine Aufgabe erfolgreich absolviert, bekommt Hinweise für die nächste: Ohne sie kann kein Champion überleben – vom Sieg ganz zu schweigen. Harry Potter und seine Mitschüler staunen nicht schlecht, als die Schüler der anderen Schulen vor dem Trimagischen Turnier durch die Flure von Hogwarts strömen: die anmutigen und schlagfertigen Mädchen der Beauxbatons-Akademie für Zauberei unter Führung der majestätischen Madame Maxime und die stoischen jungen Männer des Durmstrang-Instituts mit ihrem rätselhaften Direktor Igor Karkaroff.

Als Ersten wählt der Feuerkelch den Champion aus, der Durmstrang vertritt: der bulgarische Quidditch-Superstar Viktor Krum, attraktiv, stoisch und schweigsam. Lange suchte man nach einem bulgarischen Schauspieler, der sowohl vom Aussehen als auch von seinen sportlichen Fähigkeiten den Anforderungen entsprach. Die Filmemacher entschieden sich für den Newcomer Stanislav Ianevski.  „Viktor Krum ist der beste Quidditch-Sucher der Welt – die Fans und die anderen Spieler beten ihn an“, sagt Ianevski, der Krum mit dem beliebten englischen Manchester-United-Fußballstar Wayne Rooney vergleicht. 

„Stan entspricht der Rolle nicht nur vom Aussehen her – ein grüblerischer dunkler Typ, attraktiv und sportlich – vor allem aber kann er auch spielen“, sagt Newell über Ianevski, der zuvor noch nie als Schauspieler aufgetreten ist. Als Vertreterin der Beauxbatons-Akademie wählt der Kelch die schöne und verführerische Fleur Delacour. Diese Rolle übernimmt die französische Schauspielerin Clémence Poésy („Gunpowder, Treason & Plot“, „Bienvenue chez les Rozes“). „Fleur ist sehr elegant und anmutig, steht aber mit beiden Beinen fest auf der Erde“, kommentiert Poésy. „Clémence verkörpert die typisch französische Haltung und Würde“, sagt Newell. „Gleichzeitig ist sie aber genau wie Fleur sehr stark und entschlussfreudig.“

„Clémence bringt als Schauspielerin eine Menge Talent mit“, berichtet Heyman. „Es gelingt ihr, die innere Kraft, Würde und Kühnheit auszudrücken, die von der Beauxbatons-Favoritin im Trimagischen Turnier verlangt wird.“ Unter den Hogwarts-Schülern herrscht einhellige Begeisterung, als der Kelch den dritten Trimagischen Champion benennt: den Hufflepuff-Favoriten Cedric Diggory. „Cedric verkörpert all das, was man von einem Hogwarts-Champion erwartet“, sagt Newell. „Robert Pattinson ist diese Rolle praktisch auf den Leib geschrieben; er ist ein typischer Engländer mit dem attraktiven, gut geschnittenen Gesicht eines Privatschulzöglings.“
„Cedric bringt den rechten Kampfgeist mit, ist aber ein sympathischer Typ, der fair spielt und sich an die Regeln hält“, sagt Pattinson („The Ring“).
„Er ist die Verkörperung des typischen Helden, der am Schluss das Mädchen bekommt – in diesem Fall ist es mein Mädchen!“, fügt Radcliffe hinzu. „Aber letztlich kommen Cedric und Harry gut miteinander aus, weil sie sich achten und beide auf Fairness Wert legen.“


Die Eröffnung des Trimagischen Turniers


Die Dreharbeiten zu „Harry Potter und der Feuerkelch“ begannen im späten Frühling 2004 in den Leavesden Studios im englischen Hertfordshire. Nach den Aufnahmen im Studio und an Originalschauplätzen wie der Oxford University, Virginia Water in Surrey, Ashridge in Hertfordshire und Glen Nevis in Schottland fiel die letzte Klappe im März 2005.

Das wohl kniffligste Problem des Drehs stellten die drei spannenden und gefährlichen Phasen oder „Aufgaben“ des Trimagischen Turniers dar.
Bei der ersten Aufgabe tritt jeder Champion gegen einen anderen Drachen an. Der Wettkämpfer muss jeweils ein goldenes Ei ergattern, auf dem das gigantische Reptil brütet. Das Schicksal will es, dass Harry dem fürchterlichsten aller Drachen gegenübertritt – dem ungarischen Hornschwanz.
Diese mitreißende Sequenz beginnt in einer Arena, die aus den schottischen Felsen gehauen wurde. Das riesige Set wirkt wie die Mischung aus einem Steinbruch und einer mittelalterlichen Stierkampfarena – es entstand in zwei Teilen in den Leavesden Studios.

„Der Set ist eines der größten der gesamten Filmserie, aber für einen Drachenkampf braucht man eben Platz“, berichtet Produktionsdesigner Stuart Craig – der dreifache Oscar-Preisträger („Der englische Patient“; „Gefährliche Liebschaften“; „Gandhi“) erhielt für seine Leistung in „Harry Potter and the Sorcerer’s Stone“ (Harry Potter und der Stein der Weisen) eine weitere Oscar-Nominierung. „Außerdem haben wir die Action nicht nur auf die Arena beschränkt. Wir wollten die gesamte herrliche Kulisse des schottischen Hochlands mit einbeziehen.“

„Die Drachenjagd geht weit über das Buch hinaus“, erklärt der für die visuellen Effekte verantwortliche Jim Mitchell. „Harry kann sein Geschick auf dem Besen wirklich beweisen, als der Hornschwanz ihn aus der Arena und hoch durch die Berge, über Brücken, Dächer und das Schulgelände jagt.“ Craig und Mitchell entwarfen den grimmigen Hornschwanz gemeinsam: Das übel gelaunte Monster ist mit einem Stachelpanzer bedeckt. „Ich habe den Look des Hornschwanzes ausführlich mit Stuart diskutiert“, sagt Mitchell. „Sollte er vier Beine haben, oder nur zwei und dafür Flügel? Weil man Drachen oft mit Dinosauriern vergleicht, entschlossen wir uns, ihm einen Raptor-artigen Körper mit Fledermausflügeln zu geben. Außerdem lassen wir ihn uralt aussehen, seine Schwingen sind zerfetzt – er soll den Eindruck machen, als ob er schon sehr viele Jahre auf dem Buckel hat.“

Während Mitchell und sein Team den Hornschwanz im Computer animierten, konstruierten und bauten John Richardson, Leiter der Spezialeffekte, und Nick Dudman, verantwortlich für die Monstereffekte und Masken, einen „echten Drachen“, ein 13 Meter langes animatronisch gesteuertes Biest, das mit einem voll funktionsfähigen Flammenwerfer ausgerüstet war. „Der Drache bewegt sich einerseits mit Hilfe der Animatronik, andererseits durch Bühnenarbeiter, die die Flügel per Hand bewegen“, beschreibt Dudman das Monster, das in der Szene auftaucht, in der Hagrid Harry nachts in den Wald führt, um ihn im Vorfeld des Turniers vor den Drachen zu warnen. „Die Bewegungen werden aus Sicherheitsgründen vom Computer gesteuert, denn der Flammenwerfer hat eine Reichweite von zehn Metern. Beim geringsten Patzer würde auf diese Distanz das halbe Stuntteam gegrillt!“

„Den Flammenwerfer haben wir sehr lange getestet“, berichtet Richardson. „Dabei musste eine Menge bedacht werden – die Sicherheit der Mitarbeiter am Set steht immer an erster Stelle. Man muss nämlich auch auf Rückzündungen gefasst sein – die Flammen können auch von der Seite kommen.“ Bei Harrys spektakulärem Kampf mit dem Hornschwanz wurde Daniel Radcliffe durch die Gegend geschleudert und baumelte am Dachrand, während sein Alter Ego von dem gnadenlosen Reptil gejagt wurde. „Der Drachenkampf erforderte großen sportlichen Einsatz und hat mir manchen Schrecken eingejagt!“, sagt Radcliffe. „Bei dem Stunt, als Harry vom Dach stürzt, baumelte ich kopfüber in 13 Meter Höhe buchstäblich an meinen Knöcheln. Dann stürzte ich plötzlich runter – mit dem Kopf zuerst. Angst hatte ich keine, weil unser Stuntteam bestens für unsere Sicherheit sorgt. Aber eine Sekunde lang lief doch mein bisheriges Leben wie ein Film vor meinen Augen ab!“

Bei der zweiten Aufgabe geraten die Champions sogar noch in größere Gefahr: Sie müssen ihre Freunde in den Wassertiefen des Schwarzen Sees aufspüren und retten. Was die Aufgabe noch komplizierter macht: Ihnen bleibt nur eine Stunde zur Lösung der Aufgabe, denn Harry fürchtet, dass ihre Freunde sonst nie mehr aus den dunklen Tiefen des Lochs auftauchen. „Im Schwarzen See gibt es Pflanzen, Felsen und Monster, wie man sie sich in einem schottischen Loch vorstellt – sie können dort Hunderte von Jahren existieren, ohne dass jemand sie entdeckt oder stört“, berichtet Stuart Craig über die von ihm entworfene mythische Unterwasserwelt.

Die Filmemacher legen Wert darauf, dass die Filmhelden wie durch einen tiefen und trüben Fluss schwimmen – die in Kinofilmen üblichen Unterwasseraufnahmen im klaren blauen Wasser eines Swimmingpools wollten sie unbedingt vermeiden. „Die größten Probleme der Dreharbeiten ergaben sich durch die Unterwassersequenz“, erzählt Heyman. „Aufnahmen in einem echten Loch verboten sich wegen der Kälte des Wassers. Wir testeten ein Verfahren, das als ,Trocken statt nass‘ bezeichnet wird: Man hängt die Schauspieler an Drähte und bläst sie mit der Windmaschine an, um den Unter-Wasser-Eindruck zu simulieren. Aber das Haar wallte nicht überzeugend genug.“
Im Verlauf von drei Monaten baute das Drehteam eines der größten Unterwasser-Filmbecken Europas: 330 Quadratmeter Grundfläche und sieben Meter Wassertiefe, um die Schauspieler, die Stuntleute, das Taucherteam, das Kamerateam, die Bluescreen und die Kameraausrüstung unterzubringen. „Jeder Wassertropfen wurde alle 90 Minuten gefiltert – es war sicher reiner als Mineralwasser!“, beschreibt Richardson das ausgeklügelte Filtersystem des Beckens.

Richardson baute mit seinem Team eine spezielle Beobachtungsgalerie – Peter MacDonald und sein Team waren von den Schauspielern, den Tauchern und dem Unterwasser-Kamerateam durch eine besonders gesicherte, sechs Zentimeter dicke Glasscheibe getrennt. Die Anweisungen erhielten die Schwimmer durch den Regieassistenten des 2. Drehteams, Jamie Christopher, über ein ausgeklügeltes Funksystem. Eine „Trockenzone“ wurde eingerichtet, in der Radcliffe und seine Schauspielkollegen ihre Atemmasken für kurze Zeit abnehmen konnten, ohne dass sie auftauchen mussten, was durch den Druckausgleich immer Probleme in den Ohren verursacht.

Während das Becken noch gebaut wurde, machten Radcliffe und seine Kollegen einen Tauchkursus. „Ich bin nicht gerade ein guter Schwimmer, aber zum Glück fand ich das Schwimmen unter Wasser relativ einfach“, berichtet Radcliffe, der seine sechsmonatige Ausbildung in einem Schwimmbad begann, dann in größere Becken wechselte, um schließlich auf die Dreharbeiten in dem gewaltigen Tank vorbereitet zu sein. „Am schwierigsten fand ich, das Tauchen technisch zu bewältigen und dabei auch noch zu spielen. Ich durfte nie vergessen, dass Harry Kiemen hat, also gar nicht atmet. Also hatte ich sorgsam darauf zu achten, dass ich keine Luftblasen ausatmete. Um mich herum konnte ich überhaupt nichts erkennen, ich hörte nur Jamies völlig unwirkliche Stimme. Ein absolut bizarres Erlebnis, aber ich fand es echt toll.“

Stunt Co-ordinator Greg Powell verantwortete das Training und die Sicherheitsmaßnahmen für Radcliffe und die übrigen Schauspieler, die jeweils von vier Tauchern und dem Tauchmeister betreut wurden. „Daniel musste nicht nur schwimmen, spielen, Dialoge sprechen und auf Monster reagieren, die später per Computer hinzugefügt wurden“, berichtet Powell, „sondern er trug dabei auch Schwimmflossen an Händen und Füßen. All das absolvierte er sieben Meter tief unter Wasser in völliger Dunkelheit – bis ihm die Luft ausging und er das Zeichen gab: Einer der Stuntleute schwamm dann zu ihm hin und gab ihm seine Sauerstoffmaske zurück. Eine wirklich unglaubliche Leistung.“ Insgesamt verbrachte Radcliffe innerhalb von drei Drehwochen 41 Stunden und 38 Minuten unter Wasser. Ein Tauchgang dauerte sogar ganze 75 Minuten. „Das war echt cool!“, behauptet er enthusiastisch.

Der für die Effekte zuständige Nick Dudman und sein Team vertäuten Puppendoubles von Ron, Hermine, Cho Chang und Fleurs kleiner Schwester Gabrielle Delacour in den auf dem Grund des Beckens installierten Ruinen, wo Harry sich bemüht, die Fesseln seiner Freunde zu lösen. Dudman erklärt das komplizierte Verfahren: „Von jedem Schauspieler fertigten wir Körperabgüsse an. Den Puppen mussten wir jedes Haar einzeln annähen, die Hautfarbe wurde Schicht für Schicht aufgetragen. Es war nämlich notwendig, ein absolut perfektes Abbild vom Original herzustellen – die entsprechenden Bewegungen mussten so aussehen, als ob sie ganz friedlich waren oder schliefen. Um die Puppen im Wasser in der Schwebe zu halten, bauten wir entsprechende Tanks ein, die Kolben ließen sich je nach Bedarf fluten, um die gewünschte Höhe zu gewährleisten.“

„Dass die Unterwasserszenen gelungen sind, verdanken wir ausschließlich unserem Regisseur des 2. Drehteams, Peter MacDonald“, berichtet Newell anerkennend. „Ohne Peter hätte ich den Film niemals machen können. Seine Geduld und sein Fachwissen bei der Inszenierung dieser umfangreichen Sequenz, die buchstäblich Wochen in Anspruch nahm, sind beispiellos.“

Der für die visuellen Effekte verantwortliche Jim Mitchell schuf mit seinem Team per Computer eine Unterwasserwelt – von den Ruinen, die vielleicht einst zu Hogwarts gehörten, bis zu den bösartigen Wasserdämonen, die man Grindelohs nennt. „Ich erlebe sie als sehr unangenehme, entfernte Cousins der berühmten Kobolde aus Cornwall!“, beschreibt Mitchell die temperamentvollen Monster. Bei der Suche nach seinen Freunden begegnet Harry unter Wasser auch einer Meerjungfrau, und die Filmemacher nahmen sich vor, sie „deutlich von allen bisherigen Meerjungfrauen abzusetzen“, wie Heyman sagt.

„Stuart und ich verpassten der Meerjungfrau einen Schwanz, der sich seitwärts bewegt, denn auf und ab haben sich die Menschen im Meerjungfrauenkostüm immer bewegt“, erklärt Mitchell. „Außerdem ist das Wesen länger als menschenmöglich, und es hat Haare aus Quallen-Tentakeln.“

Bei der dritten und letzten Aufgabe müssen die jungen Zauberer den Weg durch ein dichtes und unheimliches Labyrinth finden. Es besteht aus hohen, breiten Hecken und neblig trüben, dunklen Pfaden. Die Champions betreten das Labyrinth während der Dämmerung. Nichts dient ihnen als Orientierung außer einem gruseligen blauen Licht, das im Zentrum des ausgedehnten Parks leuchtet: Dort wartet der begehrte Trimagische Pokal auf sie.

„Wir hatten den Ehrgeiz, alle bisherigen Labyrinthe an Größe und Höhe in den Schatten zu stellen“, sagt Craig. „Es verwirrt und verstört – es ist einfach beklemmend!“
Dumbledore ermahnt die Champions, sich in dem lebendigen Labyrinth nicht zu verirren, denn offensichtlich führt es Böses im Schilde. „Diese Warnung kann auch den gegenteiligen Effekt haben“, erklärt Heyman. „Denn das Labyrinth hat eine ungeheure Ausdehnung – die Gefahr, sich darin zu verlieren, ist also einerseits real und fürchterlich. Andererseits handelt es sich um eine lebendige Kreatur, die sich an der Angst mästet: Sie lebt davon, dass die Eindringlinge unsicher werden.“
„Das Labyrinth ist echt gruselig – man kommt sich vor wie auf einem nächtlichen Friedhof“, kommentiert Newell. „Man bekommt es schon mit der Angst zu tun, wenn man sich vorstellt, dass es sich um das denkbar größte Labyrinth überhaupt handelt. Aber außerdem entwickelt es ein boshaftes Eigenleben, und es gelingt ihm, alle Eindringlinge glauben zu lassen, sie würden den Verstand verlieren. Die Wettkämpfer werden also immer verwundbarer, unkonzentrierter und unmenschlicher. Jedes Mal, wenn man sich im Labyrinth furchtbar erschreckt, verliert man eine weitere Schutzschicht – bis man völlig hilflos dasteht.“

Während die Dunkelheit zunimmt und die Wettkämpfer immer tiefer einhüllt, verengt sich das Labyrinth buchstäblich, umschlingt sie und greift sie an. Wie bei dem Drachen und dem Unterwasser-Abenteuer entstand auch das „reale“ Labyrinth in Gemeinschaftsarbeit von John Richardson mit seiner Spezialeffekte-Mannschaft und dem Team für visuelle Effekte unter Leitung von Jimmy Mitchell. Richardson und Co. bauten mehrere Bereiche des Labyrinths, das 7,50 Meter hoch und 12 Meter lang war. Die computergesteuerten hydraulischen Wände waren so angelegt, dass sie sich jeweils einzeln bewegen ließen – aufs Stichwort bauschten sie sich auf und bedrängten die Schauspieler. „Im Innern des Labyrinths befand sich ein schweres Stahlskelett, das die Schauspieler buchstäblich hätte erdrücken können, falls etwas schief lief“, berichtet Richardson. „Wir mussten also verschiedene Sicherheitsvorrichtungen einbauen, damit so etwas nicht passieren konnte… doch wenn man die Angst in den Gesichtern der Schauspieler sieht, dann sieht die ziemlich echt aus!“


Die Tücken der Pubertät


Inmitten der Rätsel und spannenden Abenteuer bietet sich in „Harry Potter und der Feuerkelch“ immer wieder Gelegenheit für Szenen, die die Komik und den Herzschmerz des Erwachsenwerdens zeigen. Denn Harry muss sich nicht nur mit seinem plötzlich auftauchenden unsterblichen Feind herumschlagen, beim Trimagischen Turnier dem Tod ins Auge schauen, sich gegen die Einmischungen einer Reporterin und die massive Ablehnung durch seine Mitschüler wehren – er braucht auch eine Tanzpartnerin für den Weihnachtsball. Doch keine Magie hilft bei der peinlichen Unbeholfenheit, Schüchternheit und den Hormonschüben, die nun einmal die Schrecken der Pubertät ausmachen.

„Zu den wunderbaren Aspekten der Story zählt, dass sich Harry und seine Freunde allmählich für das andere Geschlecht interessieren – mit all der Tollpatschigkeit, die damit verbunden ist“, bemerkt Produzent David Heyman. „Mike Newell hat sehr viel Humor und eine unglaubliche Intuition für komödiantisches Timing – es ist also tragikomisch, mitzuerleben, wie die Teenager versuchen, sich einander zu erklären.“ Harry und seine Mitschüler sind wie angewurzelt, als die wunderhübschen Beauxbatons-Girls und die unglaublich maskulinen jungen Durmstrang-Männer die Flure von Hogwarts bevölkern. „Als die Beauxbatons-Mädchen eintreffen, sind die Hogwarts-Jungen wie vom Donner gerührt“, sagt Newell. „Die Girls wirken derart feminin, dass den Boys – vor allem Ron – die Spucke wegbleibt.“

Jany Temimes Kostüme betonen die Unterschiede der drei Schulen und die Nervosität, die sich daraus ergibt. „Die Beauxbatons-Mädchen sind raffiniert und sehr selbstbewusst – also kleide ich sie in die sinnlichsten und weiblichsten Stoffe, die ich gefunden habe: feine Seide im Blau der französischen Flagge“, erklärt Temime. „Der Stoff passt sich den Körperformen an und bildet einen starken Kontrast zu den strengen Uniformen, die die Hogwarts-Mädchen tragen. Die Durmstrang-Boys strahlen mit ihrer groben, fast primitiv dicken Wollkleidung, schweren Stiefeln und Wollmänteln eine Männlichkeit aus, wie die Mädchen sie noch nie erlebt haben.“ Die Ankunft der Gastschüler und der Beginn des Trimagischen Turniers führt zu einer Veränderung in der Beziehung der besten Freunde Harry, Ron und Hermine. Erstmals kommt es zum Streit zwischen Harry und Ron.

„Ron glaubt, dass Harry seinen Namen in den Kelch getan hat, weil er für den Wettkampf ausgewählt werden wollte“, erklärt Rupert Grint. „Deshalb ist er echt wütend auf Harry und redet nicht mehr mit ihm. Er hat es satt, dass Harry ständig die Aufmerksamkeit auf sich zieht.“ Dazu Radcliffe: „Harry versucht bereits die Kritik von allen Seiten zu verdauen – man unterstellt ihm, er hätte selbst die Hand im Spiel, um für den Wettkampf ausgewählt zu werden. Gleichzeitig fürchtet er den wahren Grund, der zu seiner Auswahl geführt hat – das wächst ihm einfach über den Kopf. Sein Streit mit Ron ist dafür ein gutes Beispiel.“

Gleichzeitig sind Harry und Ron auch mit der Suche nach Tanzpartnerinnen für den Weihnachtsball völlig überfordert. Ron kapiert endlich, dass sich seine Gefühle für Hermine verändern. „Hermine ist sehr überrascht, als Viktor Krum mit ihr gehen will“, sagt Emma Watson. „Und Harry und Ron sind von diesem Umstand erst recht schockiert, vor allem Ron, der gerade erst begreift, dass Hermine ein Mädchen ist!“

„Wir haben immer schon gespürt, dass sich zwischen Ron und Hermine etwas entwickelt, obwohl wir uns beide dessen nicht bewusst waren“, überlegt Grint. „Doch in diesem Film gestehen beide sich das ein. Als Hermine mit Viktor Krum auf dem Weihnachtsball erscheint, kapiert Ron endlich, dass er etwas für sie empfindet.“
„Ron ist völlig fertig, als er Hermine am Arm eines anderen sieht – vor allem, weil der andere sein Idol ist: Viktor Krum“, stellt Heyman fest.

So panisch hat sich Harry in seinem ganzen Leben noch nicht gefühlt, als er dem sanften Charme seiner Hogwarts-Mitschülerin Cho Chang erliegt. „Mir hat an Harry immer gefallen, dass er auf Romantik und all das Zeug absolut mitleiderregend reagiert“, sagt Radcliffe. „Er hat keinen Schimmer, wie er sich in Gegenwart von Mädchen benehmen soll. Damit ist er in guter Gesellschaft all derer, die sich im Gespräch mit Mädchen unbeholfen vorkommen – das dürfte also wohl alle männlichen Wesen dieser Welt einschließen.“

Harry nimmt seinen ganzen Mut zusammen und bittet Cho, mit ihm auf den Ball zu gehen – mit bittersüßem Resultat. „Cho mag Harry sehr und sie will ihm nicht wehtun, aber sie hat bereits Cedric Diggorys Einladung angenommen“, sagt die 18-jährige Schauspieldebütantin Katie Leung aus Schottland, die die Rolle der Ravenclaw-Quidditch-Sucherin ergatterte, nachdem ihre Eltern sie überredet hatten, zusammen mit 5000 anderen hoffnungsvollen Mädchen am offenen Casting teilzunehmen. Doch auch zwischen den Erwachsenen spinnen sich zarte Liebesbande: Hagrids Herz blüht auf, als er Madame Maxime erblickt, die traumhaft riesige Beauxbatons-Direktorin – diese Rolle übernimmt die renommierte Bühnendarstellerin Frances de la Tour („The Cherry Orchard“/Der Kirschgarten, „Strike It Rich“/Liebesroulette). Dazu de la Tour: „Madame Maxime ist zwar 2,54 Meter groß, verdrängt aber völlig ihre gigantischen Ausmaße. Sie beschreibt sich selbst als großknochig! Die beiden kommen zwar aus völlig verschiedenen Welten – Maxime ist elegant und vornehm, Hagrid eher von rustikalem Charme – aber sie mag ihn wirklich.“ „Die Liebe hat so ihre Tücken, wenn man ein Riese ist“, stellt Robbie Coltrane fest. „Hagrid kann sein Glück gar nicht fassen, als das Beauxbatons-Team eintrifft und er eine Frau erblickt, die sogar noch größer ist als er!“

Heyman und die Schauspieler würdigen Newells Fähigkeit, dem Film einen unverkennbar britischen Touch zu verleihen. „Mike hat selbst eine Privatschule besucht und weiß genau, was es heißt, im Internat zu leben. Und er hat auch ein präzises Gespür für die jugendliche Anarchie, die man in solchen Schulen oft erlebt“, sagt Heyman. „Es gelingt ihm wunderbar, das Schulleben mit all seinen Unbequemlichkeiten und Peinlichkeiten darzustellen. Wir erleben Hogwarts lebendiger – und britischer – als je zuvor.“
Daniel Radcliffe sieht das ähnlich: „Mike ist Engländer, ein sehr englischer Engländer. Jeden Tag trug er seine Anzugweste, was mir gut gefällt – man erlebt es heute kaum mehr, dass jemand Westen trägt. Er hat ein unglaubliches Charisma und flößt uns großen Respekt ein. Doch er verinnerlicht den britischen Humor total und kann sich bestens in die Internats-Teenager hineinversetzen.“

Newell hatte eine Menge Spaß mit seinen jungen Darstellern – nicht zuletzt auch mit Oliver und James Phelps, die Rons ältere Zwillingsbrüder Fred und George Weasley spielen. Als Fred und George einen Zaubertrank schlucken, um älter zu werden und so den Kelch auszutricksen, damit sie am Turnier teilnehmen können, schießen sie über ihr Ziel hinaus: Zeitweilig verwandeln sie sich in runzelige Greise. Laut Drehbuch sollen sich die Zwillinge gegenseitig die Schuld geben und aufeinander losgehen, aber Newell war bei den ersten Wiederholungen der Szene mit dem Kampfgeist der Phelps-Brüder noch nicht zufrieden.

„Wer von euch beiden will sich mit mir prügeln?“, fragte der Regisseur. Ungläubig und sehr zögerlich meldete sich Oliver. Er kapierte kaum, was geschah, und schon hatte Newell ihn zu Boden gerungen. „Ich wollte meine Ringerkünste eigentlich gar nicht demonstrieren, aber ich ergriff die Gelegenheit, um alle zum Lachen zu bringen – obwohl ich mir dabei eine Zerrung holte, die noch Monate später höllisch wehtat!“, grinst Newell. „Aber manchmal nützt es, mich vor all den Leuten lächerlich zu machen, die mich als Autoritätsperson erleben. Auch ich habe nicht auf alles eine Antwort parat, und die Mitarbeiter geben nur ihr Bestes, wenn sie mich nicht für vollkommen halten.“


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