Crank Filmtipp

Ein Handy klingelt. Ein Mann liegt stöhnend im Bett, wacht langsam auf. Er sieht auf seine Hände, öffnet und schließt sie mehrmals, als ob er damit ein Taubheitsgefühl abschütteln will. Schwerfällig rappelt er sich auf und taumelt auf der Suche nach der Quelle des Klingelns durch seine Wohnung. Im Wohnzimmer flimmert der Fernseher. Am Bildschirm lehnt eine DVD mit der Aufschrift ‚Fuck You’. Der Mann legt sie in den Player ein. Im Bild erscheint ein fies grinsender Typ mit den Worten: „Hey Chelios, wie geht’s dir?“

Chev Chelios (Jason Statham) geht es genau so, wie es der Gangster Ricky Verona (Jose Pablo Cantillo) in der Videobotschaft vermutet: Er fühlt sich ziemlich Scheiße, kann sich kaum bewegen und nur schwer atmen. Die Aufnahmen zeigen deutlich, wie Chev im Schlaf eine Spritze injiziert wurde. Die Injektionsnadel in die Kamera haltend verkündet Verona zynisch, dass er Chev gerade mit einer chinesischen High-Tech-Droge vergiftet hat und dieser nur noch eine Stunde zu leben hat. Chev flippt total aus und zertrümmert den Fernseher.

Chev ist Auftragskiller und arbeitet für ein Verbrecher-Syndikat an der Westküste. Sein Null-Acht-Fünfzehn-Auftrag von letzter Nacht, den er wie jeden anderen ausführen sollte, lief anders als von seinem Arbeitgeber geplant: Chev verfehlte sein Ziel absichtlich, weil er seinen Job als Killer an den Nagel hängen will. Er möchte mit seiner Freundin Eve (Amy Smart) ein neues Leben anfangen. Doch sein Chef Carlito (Carlos Sanz) hatte andere Pläne für Chev.

Mit dem Gift im Blut und dem dringlichen Wunsch nach Rache steigt Chev in seinen Wagen und rast durch Los Angeles. Erfolglos versucht er, seinen Arzt zu erreichen. Mehr Glück hat er bei seinem Kumpel, dem Transvestiten Kaylo (Effren Ramirez), dem er erklärt, dass er auf der Suche nach Ricky Verona ist. Kaylo soll sich sofort bei Chev melden, wenn ihn jemand in der Stadt gesehen hat. Chevs Herzschlag verlangsamt sich. Vor seinen Augen verschwimmt alles und er fühlt sich schrecklich schlapp. Irgendwie muss er wach bleiben und so besorgt er sich Koks. Auf der Suche nach Verona jagt er weiter durch L.A.. Inzwischen sind ihm die Cops auf den Fersen. Während einer wilden Verfolgungsjagd rast Chev durch ein Shopping-Center. Dort hat er endlich Doc Miles (Dwight Yoakam) an der Strippe. Chev schildert ihm die Symptome seiner Vergiftung und der Arzt erklärt ihm, dass er wohl einen ‚Peking-Cocktail’ intus hat. Um die Wirkung des Gifts zu verlangsamen, muss Chev in Bewegung bleiben, seinen Adrenalinfluss konstant halten. „Wenn du stehen bleibst, stirbst du“, stellt Miles lakonisch fest. „Gib Vollgas!“

Gleichzeitig steigt der Wunsch nach Rache weiter an. Er kann den Bullen entkommen und springt in ein Taxi, um zum Penthouse seines Chefs Carlito zu fahren. Carlito soll ihm helfen, Verona zu finden und ein Gegenmittel für das Gift zu besorgen. Die Wirkung des Koks lässt nach und Nachschub ist nicht vorhanden. Chev muss sich also anderweitig behelfen und raubt kurzerhand sämtliche Energy-Drinks aus einem Supermarkt. Auf dem Weg zum Penthouse versucht Chev seine Freundin Eve anzurufen, doch er erreicht nur ihren Anrufbeantworter. Kaum angekommen stellt Chev Carlito zur Rede, der seelenruhig in seinem Penthouse-Pool schwimmt. Doch Carlito lässt ihn auflaufen und gibt Chev zu verstehen, dass er nur Mittel zum Zweck war. Er sollte den chinesischen Drogenboss Don Kim für ihn erledigen und dann selbst kaltgestellt werden. Und ein Gegenmittel für das Zeug in seinem Blut gebe es nicht.

Stinksauer verlässt Chev das Penthouse und klaut das Taxi, das auf ihn gewartet hatte. Im Auto ruft er wieder Doc Miles an, der ihm auch nicht helfen kann, weil er noch im Flugzeug auf dem Weg nach L.A. sitzt. Wenigstens gibt er Chev den Rat, sich im Krankenhaus Epinephrin geben zu lassen, eine Art künstliches Adrenalin. Doch zuvor muss Chev noch etwas erledigen: Sein Freund Kaylo hat inzwischen Ricky Veronas Bruder aufgetrieben. Das kommt Chevs Rache an Verona sehr gelegen und er killt ihn. Er ruft Verona vom Handy des Toten an, um ihm zu berichten, dass er gerade seinen Bruder kaltgemacht hat. Chev reißt dem Toten eine Halskette mit einem Medallion vom Hals, die sehr wertvoll für Verona zu sein scheint. Dadurch veranlasst er Verona dazu, dass er ihn nun suchen lässt.

Chevs Amoklauf durch L.A. geht weiter. Er macht sich auf den Weg in das nächstgelegene Krankenhaus, um sich das von Doc Miles empfohlene Epinephrin zu besorgen. Die Polizei ist noch immer an ihm dran, doch egal - in einem verzweifelten Parcours durch das Krankenhaus gelingt es Chev, sich das Mittel zu besorgen und zu injizieren. Mit einer Überdosis im Blut und der einen oder anderen unpassenden Nebenwirkung läuft Chef zur Höchstform auf und gibt einen wilden Ritt auf einem Motorrad durch die Straßen von L.A. zum Besten. Er ist auf dem Weg zu Eve. Sie ahnt weder, dass Chev ein Auftragskiller ist, noch weiß sie, das buchstäblich Chevs letztes Stündchen geschlagen hat. Chev ahnt, dass Verona jetzt ebenfalls auf Rache sinnt – und Eve ist Chevs einzige verwundbare Stelle in seinem Leben. Er muss sie von zuhause wegbringen, bevor Verona sie findet.

Als er Eves Wohnung erreicht, öffnet sie ihm verschlafen und nichts ahnend die Tür. Er versucht sie so ruhig wie möglich zu überreden, sich sofort anzuziehen und mit ihm zu kommen. Sein Puls wird wieder gefährlich langsam -und um sich einen neuen Adrenalinkick zu verpassen, presst er verzweifelt eine Hand auf das heiße Waffeleisen in der Küche. Als er schließlich Eve aus der Wohnung lockt, muss er einige von Veronas Männern außer Gefecht setzen, die inzwischen hinter ihnen her sind. Seine Rettungsaktion bleibt von Eve völlig unbemerkt und es gelingt ihm, sie nach Chinatown in ein Lokal zu bringen. Dort gesteht er ihr schließlich sein Doppelleben. Er sei kein Programmierer für Videospiele, sondern ein Auftragskiller, der seinen letzten Auftrag, den chinesischen Drogenboss Don Kim auszuschalten, absichtlich nicht ausgeführt hat, um zusammen mit ihr ein neues Leben anzufangen. Als er ihr von dem Giftcocktail in seinem Blut erzählt, wird Eve ziemlich sauer und läuft auf die Straße. Sie glaubt, er wolle sie nur verarschen. Chev wird sichtlich schwächer. Da bittet er Eve, an Ort und Stelle um Sex - und zwar hier, jetzt und sofort. Der Adrenalinkick wird ihm sicher wieder auf die Beine helfen! Von zahlreichen Passanten angeschaut, bestaunt und umzingelt, schieben sie eine heiße Nummer mitten auf der Straße in Chinatown. Da klingelt Chevs Handy. Kaylo berichtet, er habe Ricky Verona in Don Kims Schneiderei festgesetzt. Chev lässt von Eve ab, lässt sie fassungslos stehen und fährt sofort hin. Die Passanten gehen weiter ihrer Wege.

Chev wird bereits von Carlitos Leuten in der Schneiderei erwartet. Kaylos Anruf war eine Falle von Carlito, der Chev ebenfalls ausschalten will. Man versichert ihm, Verona habe nichts damit zu tun. Chev versucht vergeblich, den gefesselten Kaylo zu retten. Er gerät in eine wilde Schießerei, als plötzlich auch noch Eve auftaucht, die ihm gefolgt ist. Chev und Eve gelingt es, mit Eves Auto zu fliehen. Eve glaubt Chev seine verrückte Story inzwischen und versucht sein Adrenalin wieder in Fluss zu bringen – mit einem Blow-Job während der Fahrt – erste Hilfe sozusagen. Doch so schnell wie sie ihn auf Touren gebracht hat, hört sie auch wieder auf, damit er ja nicht hinterher einschläft, wie sonst immer. In diesem Fall wäre das schließlich nicht nur ärgerlich, sondern tödlich. Das wirkt und Chev ist wieder voll da. Er knallt die Verfolger ab. Chevs Handy klingelt wieder. Doc Miles ist endlich dran. Seine Maschine ist inzwischen gelandet und er erwartet Chev in seiner Praxis. Miles hängt Chev an einen Tropf und verpasst ihm synthetisches Ephedrin, doch das kann ihn auch nicht retten. Miles eröffnet Chev, dass er schon längst tot sein müsste. Auch er kann das Gift nicht stoppen. Er kann Chev nur eine weitere Stunde schenken, damit dieser seinen Rachefeldzug vollenden kann. Chev lässt Eve bei Miles in Sicherheit zurück.

Chev hat einen Plan, wie er Ricky Verona und Carlito doch noch kriegen kann. Er ruft Verona an, gibt vor, endlich das Gegenmittel von ihm zu wollen und macht einen Deal: Chev bringt Verona die Halskette des toten Bruders mit und Verona liefert dafür das Gegenmittel. Sie verabreden sich in einem Hotel. Verona informiert inzwischen Carlito von dem Treffen. Chev wirft im Aufzug des Hotel die Superpillen von Doc Miles ein, um sich für seinen letzten großen Auftritt fit zu machen. Auf dem Dach des Hotels sitzen Carlito und Verona einträchtig  zusammen und erwarten den Todgeweihten bereits. Carlito gesteht Chev, dass er einen Sündenbock für den vermeintlich toten Don Kim braucht und will Chev eine weitere Injektion mit dem Peking-Cocktail verpassen.

Plötzlich fällt ein Schuss hinter Chev: Don Kim und seine Leute sind aufgetaucht! Sie wollen sich an Carlito rächen und entfachen eine wilde Schießerei. Ein Hubschrauber landet auf dem Hoteldach. Carlito will damit fliehen, doch Chev lässt ihn nicht entkommen. Er will seinen Freund Kaylo rächen und setzt Carlito die Pistole auf die Brust. Plötzlich ist Verona hinter Chev und rammt ihm die vorbereitete Spritze in den Hals. Kurzerhand knallt Verona selbst Carlito ab und klettert an dessen Stelle in den Hubschrauber, an dem sich Chev festgeklammert hat.   Der Hubschrauber hebt ab zum Showdown über L.A. …

 

 

Das Duo Neveldine / Taylor

 

Für die Autoren und Regisseure Mark Neveldine und Brian Taylor entstand CRANK aus ihrem ganz persönlichen Wunsch, einen nonstop Actionfilm zu machen. „Wir haben A.D.D. (Attenttion Deficit Disorder – Aufmerksamkeitsdefizitstörung), genau wie 70 Millionen andere Amerikaner“, scherzt Neveldine. Taylor fügt hinzu: „Und wir wollten einen Film machen, der genau wie ein Videospiel funktioniert. CRANK ist der ultimative A.D.D. Film. Ein verrückter Film.“

 

CRANK spielt im Laufe eines furiosen Tages in Los Angeles. Der Auftragskiller Chev Chelios (Jason Statham) versucht, seinen Job an den Nagel zu hängen, um ein normales Leben mit seiner Freundin Eve zu führen. Er erwacht nach einem fehlgeschlagenen Job und muss feststellen, dass sein Widersacher Ricky Verona (Jose Pablo Cantillo) ihn mit einer Droge vergiftet hat, die ihn töten wird, sobald er seinen Puls für eine Minute verlangsamt. Um Verona und seine Männer zu überlisten und einen Job zu Ende zu bringen – den chinesischen Gangsterboss Don Kim (Keone Young) auszuschalten – muss Chev sich auf seine körperliche Stärke, die Hilfe seines Freundes Kaylo (Efren Ramirez) und den medizinischen Rat von Doktor Miles (Dwight Yoakam) verlassen, und in Bewegung und somit am Leben zu bleiben.

 

„Mit CRANK wollten wir einen Film machen, wo ein Typ sich die ganze Zeit bewegen muss. Es ist wie bei „Speed“, nur anstelle eines Busses ist es hier ein Typ. Und wenn er langsamer wird, geht er hoch“, so Taylor. „Diese Tatsache gab uns die Möglichkeit vor, die Kamera so zu bewegen, wie wir sie bewegen wollten und die Welt der Hauptfigur so aufs Korn zu nehmen, wie wir es wollten.“

 

Diese Welt ist die düstere Schattenseite von Los Angeles. Neveldine und Taylors ursprüngliche Vision dieses Schauplatzes fesselte Skip Williamson, den Produzenten von Lakeshore Entertainment. Er wurde auf das Duo durch ihre innovativen Werbefilme und seine Freundschaft zu ihrem Agenten Michael Sheresky bei William Morris aufmerksam. „Mir sind Gerüchte über die beiden zu Ohren gekommen“, sagt Williamson, „und nachdem ich mir ihr Demo-Video angesehen hatte wurde mir klar, dass sie wirklich auf einem anderen Level arbeiten. Sie machten alles, von der Kamera bis zum Licht. Und die Art und Weise, wie sie es schafften, jeden bei Laune zu halten, während sie einem gleichzeitig in den Hintern traten, war sehr beeindruckend. Sheresky schickte mir das Drehbuch und nach zwanzig Seiten wusste ich, dass die Kombination ihres Stils und ihrer Art, Geschichten zu erzählen, auf die Sekunde genau richtig war.“

 

Lakeshore begann mit dem Kreativ-Paar zu arbeiten. Sie führten das Drehbuch durch mehrere Fassungen bis zum ersten Drehtag. Produzent Richard Wright kommentiert: „Mark und Brian schrieben das Drehbuch einige Jahre zuvor und sie arbeiteten achtzehn Monate mit uns, um den Film auf die Beine zu stellen. Nun führen sie Regie, arbeiten hinter der Kamera und bringen viele Ideen zur Beleuchtung ein. Das ist ihr Film, und heutzutage ist es ungewöhnlich Regisseure zu haben, die für so vieles am gesamten kreativen Prozess des Films verantwortlich sind.“

 

 

Die Figuren

 

Entscheidend für den Film war, den richtigen Schauspieler für die Rolle des Chev zu besetzen. „Es sollte ein Typ aus L.A. sein“, erinnert sich Taylor. „Wir haben Chev nie als Engländer gesehen. Wir haben uns zahlreiche amerikanische Darsteller angeschaut und versucht, einen Mann zu finden, der diese glaubwürdige Zähigkeit der heißgeliebten Stars aus den 70er Jahren hatte – all die Steve Mc Queens und Roy Scheiders, die finsteren Typen. Und wir haben sie hier drüben nicht, nicht mehr in dieser Art. Aber dann trafen wir Jason, und er ist ein richtiger Kerl.“

 

„Das Drehbuch war total anders als alles, was ich je gelesen hatte“, erinnert sich Statham. „Ich meine, es ist verrückt. Total abgefahren. Es gab so viele großartige Szenen. Es war so voll von Gewalt, Romantik, Komödie und Drama gleichzeitig. Es war wie zehn Filme in einem.“

Taylor glaubte, dass Statham dazu in der Lage war, jedem Aspekt des Films und der Hauptfigur gerecht zu werden: „Er liefert eine schauspielerische Leistung, die uns jedes Mal wieder erstaunt, wenn wir sie sehen. Er tut wirklich alles, was ein Schauspieler in einem Film nur tun kann. Er ist gewalttätig und sehr körperbetont, aber auch zurückhaltend, charmant und weltmännisch.“

 

Produktionsmanager David Rubin teilt Taylors Einschätzung: „Bevor wir mit dem Film anfingen, war Chev das große Fragezeichen. Er musste ein zäher Bursche sein, sollte aber auch viel Herz haben. Er sollte sehr sportlich, aber kein Super-Athlet sein, gewieft, aber nicht zu gerissen und witzig, aber nicht zu komisch. Es war erstaunlich, Jason bei der Arbeit zuzuschauen: wie er schwierige Actionparts so leicht rüber brachte, schwer zu koordinierende Comedy-Elemente in seine Darstellung einbaute. Und dann musste er manchmal in einer Szene all das gleichzeitig tun, das war einfach unglaublich.“

 

Ein Großteil der komischen und romantischen Elemente in CRANK sind das Ergebnis von Chevs Beziehung zu seiner süßen und hilfreichen Freundin Eve, gespielt von Amy Smart. „Eve ist der Gegenpol zur Brutalität des Lebensstils dieses Kerls und zu seiner Persönlichkeit“, erklärt Neveldine.

 

Amy Smart genoss die Chance, zum ersten Mal in einem Actionfilm mit zu spielen und war sofort von der Dynamik der Beziehung zwischen Eve und Chev fasziniert. „Ich glaube sie sind der Beziehungstyp ‚Gegensätze ziehen sich an’. Sie fühlt sich zu diesem gefährlichen, mysteriösen, taffen Kerl hingezogen, der richtig gutmütig in seinem Inneren ist. Und umgekehrt ist Chev von ihr angezogen, weil sie sanfter ist und einen sicheren Raum für ihn verkörpert, wo er seinem verrückten Leben entfliehen kann. Außerdem hält sie ihn für einen Programmierer für Videospiele und ahnt nicht, dass er ein Auftragskiller ist. Aber als sie es schließlich erfährt, ist bereits eine so starke Verbundenheit zwischen ihnen, dass es irgendwie aufregend für sie ist.“

 

Statham glaubt, dass die Filmemacher die Rolle nicht besser hätten besetzen können. „Eve repräsentiert alles, was Chev nicht ist – eine reine Seele, eine friedvolle Person – und er ist total verliebt in sie. Sie gibt ihm das Gefühl, dass es da draußen ein anderes Leben gibt, das es wert ist gelebt zu werden. Amy Smart verkörpert all das. Und sie ist beneidenswert hinreißend, lebhaft und liebenswert.“

 

Wenn Eve alles Gute in Chevs Leben repräsentiert, verkörpert die Figur von Ricky Verona, dargestellt von Jose Pablo Cantillo, das dramatische Gegenteil. In der Eröffnungsszene des Films, als Verona Chev vergiftet hat, ist er vollkommen davon überzeugt, dass Chev sterben wird. Aber er überlebt und es endet damit, dass Chev all die Aufmerksamkeit auf sich zieht, nach der Verona sucht. Einen so angelegten Schurken zu spielen war ein Grund für Cantillo, warum er von der Rolle so angetan war. „Man hat es mit diesen beiden Auftragskillern zu tun und Ricky ist die Nummer zwei, die aber die Nummer eins sein möchte. Es geht aber nicht nur um den Wettbewerb, es geht auch um Stil. Ricky leidet ein bisschen unter Größenwahn. Niemand soll ihn gering schätzen. Er tötet, um respektiert zu werden. Und dann kommt da dieser Kerl Chev, der ihn wie einen Menschen zweiter Klasse behandelt.“

 

Zu den weiteren Figuren, die eine große Rolle in Chevs Leben spielen, gehört sein Freund und Informant, der Transvestit Kaylo. Er wird von Efren Ramirez gespielt, der erstmals mit seiner Rolle in Napoleon Dynamite größere Aufmerksamkeit erregte. „Kaylo ist ein dreidimensionaler Charakter“, glaubt Ramirez. „Da steckt so viel in diesem Kerl drin. Er ist eine feinschichtige Persönlichkeit mit vielen Schattenseiten, die im Film alle sichtbar werden, wenn ich Chev dabei helfe, die Bösewichte zu finden.“

 

Die Filmemacher konnten Dwight Yoakam für die Rolle des Doc Miles gewinnen. Er ist der medizinische Fachmann, den Chev konsultiert, damit er ihm dabei hilft, seinen Blutkreislauf von dem Gift zu befreien. Der Schauspieler und Musiker fügt hinzu: „Meine Figur ist eine Art Rock-and-Roll-Arzt mit einem Klientel, das überwiegend aus den zwielichtigen Schichten der Gesellschaft in L.A. stammt, und ich glaube das macht ihn an. Ich habe das Drehbuch gelesen und dachte mir, das könnte eine witzige Rolle in der Welt dieses Films sein. Ich fühle mich sehr geschmeichelt, dass sie mich dafür haben wollten.“

 

 

Die Technik

 

Insbesondere Statham war von den Fähigkeiten der Debüt-Regisseure von Anfang an beeindruckt. „Ich war sehr am Drehbuch interessiert. Als ich Mark und Brian traf, erklärten sie es mir und zeigten mir ihr Demo-Video. Ich sah, dass sie eine sehr genaue Vorstellung von dem hatten, was sie wollten, und das klang so anders als vieles, was es sonst an Material da draußen gibt.“

Neveldine wollte Actionszenen mit einer Handkamera auf Roller Blades drehen. „Die beiden haben eine großartige ‚freestyle’ Art und Weise, Dinge zu drehen. Mit dieser neuen Generation der HD Kamera gelingt es ihnen – weil die Kameras so klein sind – an Stellen zu drehen, wo man nie auf die Idee käme, eine Kamera zu platzieren“, fügt Statham hinzu. „Ich fahre im Auto und sie stecken mir eine Kamera zwischen die Beine. So etwas habe ich noch nie gesehen. Für mich ist die beste Erfahrung mit Leuten zu arbeiten, die den Film geschrieben haben und auch selbst Regie führen. Ich hätte nie gedacht, dass sie auch noch selbst filmen würden. Ihr Talent ist äußerst vielseitig.“

 

Der Digital Image Techniker Nick Theodorakis sah sofort, dass Neveldine und Taylor Filmemacher waren, die die HD Technologie dazu verwenden wollten, ihren ganz eigenen Look zu erschaffen. „Ich wurde für die Qualitätskontrolle an Bord geholt, um sicher zu stellen, dass der Look des Films ein gewisses Maß an akzeptablen Qualitätsstandards einhielt, das die meisten Filme haben“, erinnert sich Theodorakis. „Ich bemerkte dass der Blick der Regisseure nicht nur zu ihrem Stil, sondern auch zum Drehbuch dieses ungebändigten Films passte. Dieser Look ist fieberhaft und unglaublich dynamisch. Es steckt viel Bewegung darin, aber es geht darüber hinaus. Und es geht in die Richtung der Qualität der Videos, die sie drehen.“

Theodorakis fügt hinzu: „Neveldine und Taylor sind große Video-Fanatiker, was sehr erfrischend ist. Die meiste Zeit, wenn ich mit Leuten in High Definition drehe, tun sie das, weil sie es sich vielleicht nicht leisten können auf Film zu drehen, oder sie sehen es als etwas, das nur wie Film aussehen soll. Jedenfalls sind hier zwei junge Leute, die mit Video aufgewachsen sind und es als eigenständige Kunstform betrachten, was großartig ist. So entsteht etwas, dass vollkommen Crank ist, ein ganz spezieller ‚Neveldine-Taylor-Look’.“

 

Den Film digital zu drehen bedeutete allerdings, dass die Filmemacher mit einigen unvermeidbaren Nachteilen zurecht kommen mussten. Die bevorzugten Kameras am Set, die Sony 950er, hatten ein Verbindungskabel zu einem Speicherlaufwerk, was bedeutete, dass sie zunächst nicht mobil genug für den Kameramann Neveldine war, besonders während der hektischeren Actionsequenzen. Die Lösung dieses Problems wurde die ‚nanocam’ genannt, eine Art Rucksack, der es Neveldine ermöglichte, einen demontierten Teil der Kamera zu halten, während der Rest der Kamera, Laufwerk und Akkugürtel, mit Gurten an seinem Rücken befestigt blieben.

 

Produzent Richard Wright sagt: „Der größte Vorteil dieser Technik ist, dass du das Labor eigentlich am Set mit dabei hast. Unser Digital Image Techniker Nick Theodorakis ist in der Lage, die Blendeneinstellung sofort anzupassen. So kann man bei Innenbeleuchtung anfangen zu drehen, nach draußen in völlig andere Lichtverhältnisse wechseln und die Anpassung beim Rausgehen vornehmen. Das macht die Beleuchtung sehr viel schneller und ermöglicht Einstellungen, die sonst unmöglich oder zumindest sehr schwierig wären. Und wir haben die Möglichkeit, eine Szene sofort anzuschauen.“ Theodorakis merkt noch an, „dass die Verwendung von HD, zusätzlich zu seiner Effizienz, auch noch einen intensiveren Blickwinkel ermöglicht, was bei CRANK zu einem bahnbrechenden Effekt führt.“

 

Taylor erklärt: „Ich glaube, wenn die Leute diesen Film anschauen, sehen sie einen Film, der anders als alle anderen Filme ist, die sie je gesehen haben. Und das war unser Ziel. Wenn wir uns diese neue Technologie zu Eigen machen und alle Lernkurven bei der Arbeit durchmachen, können wir damit ganz neue Wege beschreiten.“

 

 

Die Actionszenen

 

Ein weiterer bemerkenswerter Sprung für die Filmemacher von CRANK war, dass sie ihren Star die meisten seiner Stunts selbst machen ließen. Sogar in den größten und gefährlichsten Sequenzen: auf dem Höhepunkt des Films kämpft Chev mit Verona, während er aus einem Hubschrauber hoch über den Straßen von L.A. hängt.

 

„Jason wollte immer rauf in den Hubschrauber“, erinnert sich Taylor. „Wir waren uns nicht sicher, ob wir gesetzlich dazu befugt waren. Aber wir hatten Darren Prescott, den besten Stuntman der Welt an Bord. Er besorgte das richtige Werkzeug und machte es möglich.“

 

Als Stunt Koordinator versuche ich immer, die Darsteller soviel wie möglich in die Action einzubinden, weil ich glaube, das Publikum will die Figuren selbst bei den Stunts sehen“, sagt Prescott. „Und wenn man jemanden wie Jason hat, der es selbst machen will, ist das Gold wert.“ Prescott band Jose und Jason im Hubschrauber an. Auf Grund der vielfachen Bewegungen während ihres Kampfes musste Jason an zwei verschiedenen Drahtseilen mit etwas losen Leinen festgehakt werden. Als Chev schließlich aus dem Hubschrauber fallen und hinunterstürzen musste, verwendete Prescott eine spezielle Vorrichtung, um den Sturz zu simulieren. „Jason musste dieser Vorrichtung sehr vertrauen. Für ihn war das eine große Sache. Und er brachte es jedes Mal fertig. Es war fantastisch.“

 

„Ja, das war ein großartiger Stunt“, erinnert sich Statham, „ich meine, wie bereitet man sich darauf vor, in dreitausend Fuß Höhe seitlich aus einem Hubschrauber zu hängen? Man kann es nicht. Du wirst einfach festgegurtet und dann ab mit dir. Aber ich will meine Sachen selbst machen und bin sehr überzeugt davon. Andernfalls würde ich mich nicht so töricht in diese Lage bringen.“

 

Taylor fügt hinzu, dass gar nichts töricht daran war, wie Jason sich für die Hubschraubersequenz vorbereitete. „Normalerweise würden Schauspieler sich entweder weigern, es zu machen, in ihrem Trailer bleiben und es den Stuntman machen lassen. Oder sie sind einfach komplette Schwachköpfe und tun so „Ach, was soll’s“, und wissen dabei gar nicht, worauf sie sich wirklich einlassen. Aber Jason ging sehr intelligent an die Sache heran, in all diesen Sequenzen. Er wollte ganz genau wissen, was passieren sollte, wie es ablaufen würde und wie die Sicherheitsvorkehrungen waren. Und wir stellten fest: er wollte das alles wissen, weil er einen kompletten dreihundertsechzig Grad Blickwinkel von allem, was geschah, haben wollte. So konnte er dort oben hundertprozentigen körperlichen Einsatz bringen, ohne Zögern und Angst.“

 

Statham erzählt: „Es ist eine große Befriedigung so etwas zu schaffen, es selbst zu erreichen. Es gibt nichts Vergleichbares. Auf der Leinwand wird man sehen, dass ich es bin, der in dreitausend Fuß Höhe einen choreographierten Kampf austrägt. Deine Augen werden ganz glasig vom Adrenalin in deinen Adern. Es ist verdammt Angst einflößend. Aber du überstehst es. Es ist Furcht erregend, aufregend und gleichzeitig gefährlich. Es ist wirklich cool. Was für ein Adrenalinkick.“

 

 

Die Stadt L.A.

 

Ihren Hauptdarsteller über den Wolkenkratzern von Los Angeles baumeln zu lassen, war nur eine von vielen Möglichkeiten, die die Filmemacher nutzen konnten, um die Unterwelt der Stadt auf der Leinwand darzustellen. Der Film sollte ein typischer L.A.-Streifen werden. Die Stadt ist selbst eine Figur im Film. „Deshalb mussten wir auch in L.A. drehen“, erklärt Taylor.

 

Amy Smart stimmt ihrem Regisseur zu: „Ich glaube dieses Drehbuch hat ein ausgeprägtes L.A.-Aroma, man riecht förmlich die Gegenden, wo es dreckig ist und rau zugeht. Das kann man nicht einfach in Vancouver oder sonst irgendwo nachstellen. Man hat ein ganz spezielles Empfinden, ob man nun in Silverlake oder Downtown L.A. oder Chinatown ist.“

 

Chev zu filmen, wie er in einem Krankenhauskittel durch die Straßen von Westwood läuft, eine Sexszene mit Chev und Amy in Chinatown und eine Autojagd in einer echten Shopping Mall zu drehen, hatte seinen Preis. „Das Problem war, dass man bei einem Film wie diesem, der so viele Risiken birgt, nicht zuviel Geld reinstecken kann. Wir haben uns nach anderen Locations für den Film umgesehen. Wir sahen uns Vancouver, Montreal, New Mexico an. Aber jedes Mal gaben uns die Regisseure freundlich, aber unnachgiebig zu verstehen, dass wir es irgendwie hinkriegen müssen, doch in L.A. zu drehen.“

 

Dennoch gab es Zugeständnisse, die Wright für die besten hielt: „Es war den Filmemachern so wichtig, dieses L.A. Flair zu haben, diese exzentrische Stadt mit all diesen unheimlichen Ecken, der irren Architektur und der ewigen Sonne. Weil ihnen das so wichtig war, mussten wir viele Opfer bringen. Aber es zahlte sich aus.“

 

Neveldine und Taylor sind zuversichtlich, dass die Zuschauer das zu schätzen wissen. „Wir wollen, dass die Leute, die sich CRANK anschauen, einfach einsteigen und Spaß haben, uns auf der Reise zu begleiten“, sagt Taylor. „Es soll sich wie der Ritt auf einer Gewehrkugel anfühlen – sie geht einfach los und du fliegst mit, hast Spaß dabei und genießt das Erlebnis. CRANK ist wie ein Videospiel, das zum Leben erwacht ist.“

 


    
                                                                                                                           88 Min

Kaum wach geworden und aufgestanden fühlt sich Chev Chelios bereits extrem unwohl, als er eine ihm bisher unbekannte DVD mit der Aufschrift „Fuck you“ in den Player einlegt.  Auf dem Bildschirm erscheint Gangster Ricky Verona, der ihm per Videobotschaft trocken erklärt und zeigt, wie er ihn im Schlaf mit einer chinesischen High Tech-Droge vergiftet hat.

Chev ist Auftragskiller und arbeitet für ein bedeutendes Syndikat an der Westküste. Sein Null-Acht-Fünfzehn-Auftrag von letzter Nacht, den er wie jeden anderen ausführen sollte, lief anders als von seinem Chef geplant: Chev verfehlte sein Ziel absichtlich, weil er seinen Job als Auftragskiller an den Nagel hängen will. Er möchte mit seiner Freundin Eve ein neues Leben anfangen. Doch seinem Arbeitgeber scheint die Idee gar nicht zu gefallen.

Als Chev endlich seinen Kumpel und Arzt Doc Miles erreicht, ahnt dieser gleich, was in den Adern des Vergifteten fließt und erklärt ihm, dass er noch höchstens eine Stunde leben und auf jeden Fall sterben wird, wenn er seinen Puls auch nur für eine Minute verlangsamt.

Mit Gift im Körper, der ebenfalls in Gefahr schwebenden Freundin im Kopf, dem heißen Wunsch nach Rache und auf der Suche nach einem Gegenmittel, schlägt sich Chev durch Los Angeles und hinterlässt dabei eine Schneise der Verwüstung. Nichts, was sich ihm in den Weg stellt, ist vor ihm sicher.

Die Zeit rennt und Chev muss buchstäblich in Bewegung bleiben, um zu überleben: Der einzige Weg, das Gift aufzuhalten, sind kontinuierliche Adrenalinschübe … 

 

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