Die Zeit Die Bleibt

Der Fotograf Romain (30) ist gut aussehend und erfolgreich. Gerade steht er im Begriff, die nächste Karrierestufe zu erklimmen, als sein Arzt ihm eröffnet, dass er schwer krank ist. Wegen eines Tumors in seinem Kopf bleiben ihm nur noch wenige Wochen zu leben. Der Schock sitzt tief, doch schon bald trifft Romain eine mutige Entscheidung: Statt sein Heil in einer Therapie zu suchen, die wenig aussichtsreich ist, konzentriert er sich ganz auf die Zeit, die ihm noch bleibt. Er will seine letzten Tage in Würde verbringen und die verbleibende Kraft ganz den wenigen Menschen und Dingen zuwenden, die ihm wirklich wichtig sind. So gewinnt er binnen kurzem nicht nur ein anderes Verhältnis zu seiner Arbeit, der Fotografie, sondern auch zu den Menschen, die er liebt. Insbesondere die Beziehung zu seiner wunderbaren Großmutter, der er sich rückhaltlos anvertraut, erhält für Romain auf einmal eine neue Dimension: Da sie beide auf ihre Art dem Tod nahe sind, fühlen der junge Mann und die alte Dame sich verbundener als je zuvor. Anderen Nahestehenden verrät Romain nichts von seiner Erkrankung, teils um sich, teils um sie zu schonen. Dennoch geraten die Begegnungen mit seinen Eltern, seiner Schwester und seinem Lover Sasha zu einer intensiven und zärtlichen emotionalen Reise, die Romain Schritt für Schritt einer Aussöhnung mit sich selbst und seinem Schicksal nahe bringt.







LAURA: Du weißt, ich schlafe nackt.

ROMAIN: Das macht nichts. Ich schaue auch nicht hin.

Dialog aus ”Die Zeit die bleibt”







STAB



FRANÇOIS OZON (Regie und Drehbuch)


François Ozon wurde 1967 in Paris geboren. Nach seinem Magister-Abschluss in Filmwissenschaften an der Pariser Universität begann er 1990 ein Studium in der Regieklasse an der berühmten französischen Filmschule La Femis. Parallel dazu realisierte er diverse Kurzfilme in den Formaten Super-8, Video, 16 mm and 35 mm. Viele dieser Produktionen wurden in die Wettbewerbs-Sektionen internationaler Filmfestivals eingeladen. Mit dem Kurzfilm Action Vérité (Truth or Dare) im Jahr 1994 startete Ozon die erfolgreiche Kooperation mit der Pariser Produktionsfirma Fidélité Productions. Deren gemeinsames Projekt, der Kurzfilm Une Robe d'été (A Summer Dress), gewann wenig später den Preis "Léopard de Demain" beim Filmfestival in Locarno 1996. Ozons erster Langfilm Sitcom wurde kurz nach Fertigstellung gleich in die bedeutende Wettbewerbsauswahl für die Sektion "La Semaine Internationale de la critique" (International Week of Film Critic) beim Filmfestival in Cannes 1998 aufgenommen.

Die Zeit die bleibt ist Ozons achter abendfüllender Spielfilm. Einem größeren Publikum in Deutschland wurde Ozon im Jahr 2000 bekannt mit dem Kammerspiel Tropfen auf heiße Steine, das er nach einem unverfilmten Drehbuch von Rainer Werner Fassbinder inszeniert hatte. Mit dem schwarzhumorigen Kriminal-Musical 8 Frauen, dessen Schauspielerinnen-Riege u.a. aus Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart, Fanny Ardant und Ludivine Sagnier mit dem Europäischen Filmpreis 2002 und dem Silberner Bären bei der Berlinale 2002 ausgezeichnet wurde, erreichte Ozon im Filmkunstgenre fast so etwas wie einen Blockbuster-Status. Der zwei Jahre später herausgebrachte Psychothriller Swimming Pool mit Charlotte Rampling und Ludivine Sagnier sorgte wegen seiner freizügigen Szenen für Aufsehen. Mit dem originell erzählten Ehedrama 5x2 feierte Ozon 2004 einen weiteren Erfolg.


Filmographie


1988 Photo de famille / Kurzfilm, Les doigts dans la ventre / Kurzfilm

1990 Mes parents un jour d’été / Kurzfilm

1991 Une goutte de sang / Kurzfilm, Le trou madame / Kurzfilm

Peau contre peau / Kurzfilm

Deux plus un / Kurzfilm

1992 Thomas reconstitué / Kurzfilm

1993 Victor / Kurzfilm

1994 Une rose entre nous / Kurzfilm

Action vérité (Truth or Dare) / Kurzfilm

1995 Der kleine Tod (La petite mort) / Kurzfilm

1995 Jospin s’éclaire / Kurzfilm

1996 Sommerkleid (Une robe d’été) / Kurzfilm

L’homme idéal / Kurzfilm

1997 Scènes de lit / Kurzfilm

1998 Besuch am Meer (Regarde la mer) / Kurzfilm

X 2000 / Kurzfilm

Sitcom

Les amants criminels (Criminal Lovers)

1999 Tropfen auf heiße Steine (Gouttes d’eau sur pierres brûlants)

2000 Unter dem Sand (Sous le sable)

2001 8 Frauen (8 Femmes)

2003 Swimming Pool

2004 5 x 2

2005 Die Zeit die bleibt (Les temps qui reste)

INTERVIEW MIT FRANÇOIS OZON


Warum hat es Sie gereizt, von den letzten Schritten im Leben eines jungen Mannes bis hin zu seinem Tod zu erzählen?

Den Ausgangspunkt bildete das Projekt einer Trilogie über die Trauer, die mit UNTER DEM SAND begonnen wurde, einem „trockenen Melodram“, das sich mit der Frage auseinandersetzte, wie man mit dem Tod eines anderen umgeht. DIE ZEIT DIE BLEIBT stellt hingegen die Frage nach dem Umgang mit dem eigenen Tod. Und das dritte Tableau, das ich vielleicht eines Tages realisieren werde, wird vom Tod eines Kindes handeln.


Warum diese Verweigerung eines Heldentums?

Vielleicht, um die romantische Vorstellung vom Tod, durch den man geläutert wird, zu entmystifizieren. Wenn Romain zu einer gewissen Form von Heldentum findet, dann nur auf großen Umwegen, die letztlich sehr persönlich sind und nur seine eigene Entwicklung betreffen. Er sorgt sich mehr um das, was er hinterlassen wird, als um das Verlangen, mit seinen Mitmenschen in Frieden zu leben. Romain ist eine recht egozentrische und grausame Figur. Sein Hinscheiden wird bei den Menschen seiner Umgebung einen umso gewaltigeren Schmerz auslösen, als sie nicht darauf vorbereitet sind. Aber sollte Romain am Ende denn nicht das Recht haben, sich selbst aussuchen zu können, wie er sterben möchte? Er entscheidet sich dafür, seine Einsamkeit in Kauf zu nehmen und nur sich selbst Rechenschaft zu liefern. Er kann sich über seinen Tod nur mit seiner Großmutter austauschen, deren Alter diese Annäherung möglich macht. Die Szene zwischen Romain und seiner Großmutter ist für mich übrigens das Herzstück des ganzen Films.


Wenn man seinem Tod ins Antlitz blickt, dann sieht man sich selbst auch als Kind wieder...

Man sagt ja oft, dass alte Menschen wieder zu Kindern werden. Ich habe da zwangsläufig an WILDE ERDBEEREN von Ingmar Bergman zurückdenken müssen, es jedoch vorgezogen, mich auf ganz einfache Augenblicke zu beschränken, denen weder etwas Außergewöhnliches noch irgendeine besondere Bedeutung anhaftet. Bilder aus der Kindheit, die einem ganz spontan in den Sinn kommen. Mir ging es um bestimmte Momente, um Blicke, fast ohne Worte, also um eine bestimmte Atmosphäre und um Empfindungen. Vielleicht helfen diese Bilder aus der Kindheit, von denen Romain verfolgt wird, ihm ja dabei, das Kind in sich selbst zu akzeptieren und somit den Stab weiter zu reichen.


Warum ist Romain Fotograf?

Eingangs ist sein Verhältnis zur Fotografie ein recht oberflächliches. Er arbeitet in der Modebranche, und da geht es nur ums Einfangen und ums Abbilden. Im Hinblick auf den angekündigten Tod erlangt die Fotografie jedoch eine neue Dimension. Plötzlich bekommt Romains Handwerk einen ganz anderen Sinn. Ganz so, als wäre das vorausgeplant gewesen, als wäre es kein reiner Zufall, dass er ausgerechnet diesen Beruf gewählt hat. Genau wie mit dem Kino, so kann auch das Verhältnis zur Fotografie bisweilen krankhafte Züge annehmen. Das Aufnehmen von Bildern, das Entwickeln, Aufbewahren und Sammeln hilft einem dabei, sich gegen den Lauf der Zeit zur Wehr zu setzen, sie anzuhalten.


DIE ZEIT DIE BLEIBT ist ein sehr streng wirkender Film. Wie verlief die Arbeit am Schnitt?

Das Schneiden war eine langwierige und anspruchsvolle Prozedur. Die erste Drehbuchfassung war sehr nüchtern und rein, aber da bekamen es die Produzenten mit der Angst zu tun. Mir wurde klar, dass ich das Drehbuch etwas mehr ausfüttern musste, um potentielle Geldgeber zu überzeugen. Also habe ich manche Szenen und Figuren weiterentwickelt und dann dieses „angereicherte“ Drehbuch verfilmt. Heute jedoch wird mir klar, dass der Film, der letztendlich entstanden ist, eher der ersten Drehbuchfassung ähnelt. Die Arbeit beim Schnitt bestand hauptsächlich darin, mich von all dem zu befreien, was ich „als Zugabe“ gefilmt hatte, mich also all dessen zu entledigen, wodurch die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen, sprich vom Schicksal der Hauptfigur, abgelenkt wurde. Nach und nach habe ich begriffen, dass der Film umso besser funktionierte, je mehr er auf Romain fokussiert war, und dass man dann auf alle Nebenthemen verzichten konnte. Wie bei UNTER DEM SAND, wo ich einer Figur gefolgt bin, ohne sie je aus den Augen zu verlieren. Dieser Film aber wurde gegen alle Widerstände und mit sehr bescheidenen Mitteln gedreht. Ich war also gezwungen, mich direkt auf das Wesentliche zu konzentrieren und recht karg zu filmen. Und mehr als das Material, das dabei herausgekommen ist, gab es nicht zu schneiden.


Normalerweise neigen Sie ja eher dazu, Frauen zu porträtieren!

Melodramen mit männlichen Hauptfiguren sind sehr selten, und wenn, dann geht es zumeist um Kinder oder um alte Leute. Sonst werden die inneren Gefühlswelten der Melodramen fast immer von Frauen dargestellt. Bei diesem Film aber interessierte es mich, einmal den Versuch zu unternehmen, ein echtes männliches Melodram zu gestalten und die Leute zum Weinen zu bringen, indem ich den inneren Leidensweg eines jungen Mannes nachzeichne, was eine gewisse Erotisierung des Darstellers voraussetzte. Es war mir wichtig, dass sich die Zuschauer in Romain „verlieben“ sollten, um dadurch Mitgefühl entwickeln und sein Handeln nachvollziehen zu können. Daher rührte vielleicht auch meine Entscheidung, erneut mit Jeanne Lapoirie als Kamerafrau zusammenzuarbeiten. Mir ging es da um einen weiblichen Blick auf Romain und um ein Licht, das seine Schönheit zur Geltung bringen würde.


Hat sich Ihnen die Entscheidung zugunsten von Melvil Poupaud von Anfang an aufgedrängt?

Mir hat an Melvil immer diese ein wenig entrückt wirkende Präsenz gefallen, die er in seinen Filmen, allen voran in Rohmers CONTE D’ÉTÉ (SOMMER), offenbart. Er ist übrigens der einzige männliche Held im Zyklus der 4 JAHRESZEITEN von Rohmer, und dieser hat ihn dort mit derselben Anmut und derselben Zärtlichkeit gefilmt, die er sonst seinen Frauengestalten zuteil werden lässt.

Ich war ihm schon beim Casting zu meinen früheren Filmen begegnet, doch erst, als er mir eine Einladung zu einer Vorführung seiner Video-Kurzfilme schickte, ist bei mir der Groschen gefallen. Ich war sehr berührt von seinen Filmen, die mich an die Super-8-Filme erinnerten, die ich in meiner Jugend gedreht hatte. Außerdem hat mir an ihm gefallen, dass er sich praktisch von Kindesbeinen an selber filmt und dadurch ein fast natürliches Verhältnis zur Kamera entwickelt hat. Ich dachte mir, dass dieser künstlerische Zugang zum Kino etwas sein könnte, was uns miteinander verbindet. Und tatsächlich hat er dann auch sehr schnell meine Art des Filmens begriffen und akzeptiert. Er hat schon sehr früh am Projekt mitgewirkt und dabei die verschiedenen Phasen bei der Niederschrift des Drehbuchs und beim Schneiden mitbekommen. Ich verspüre in zunehmendem Maße eine Nähe zu solchen Darstellern, die sich voll und ganz auf eine Sache einlassen. Einen Film macht man ja nicht alleine, sondern zu mehreren, und ich brauche die Hilfe der Darsteller, ihr Aufgehen in ihrer Rolle, um das zu finden, wovon ich erzählen will, die Gefühle, die ich vermitteln will. Ich habe keine Lust, gegen sie zu arbeiten, sondern mit ihnen.


Und die Entscheidung für Jeanne Moreau?

Ich habe immer davon geträumt, einmal mit Jeanne Moreau zu drehen. Sie ist diejenige unter den französischen Darstellerinnen, die mir in 8 FRAUEN gefehlt hat, auch wenn sie ja in Gestalt der Dienstmädchenkleidung von Emmanuelle Béart durchaus präsent war – einem Verweis auf das TAGEBUCH EINER KAMMERZOFE von Buñuel. Jeanne Moreau ist eine jener Darstellerinnen, die den Regisseuren immer sehr nahe sind. Genau wie Melvil zeigte auch sie eine große Bereitschaft, an der Vorbereitung des Films mitzuwirken. Sie liebt es, schon früh in den Arbeitsrhythmus bei der Herstellung eines Films mit einbezogen zu werden. Sie widmet sich mit größter Hingabe ihrer Rolle und hat das Bedürfnis, sich voll und ganz einzubringen. Ich glaube, dass sie die Regiearbeit sehr faszinierend findet und viel Respekt davor hat. Sie hat Vieles zur Ausgestaltung ihrer Rolle, zu ihrer Vergangenheit beigetragen. Sie sagte ihre Meinung, kam mit Vorschlägen und sprach von den Büchern, die ihr gefielen. Es war also eine sehr schöne Begegnung, und dieses Band der Zärtlichkeit und des Einverständnisses, das sich zwischen uns entwickelt hat, spiegelt sich im Film in der Beziehung zwischen Romain und seiner Großmutter wider.


Und die Lust, erneut mit Valeria Bruni-Tedeschi zusammenzuarbeiten?

Bei 5x2 sind wir uns wirklich nahe gekommen. Danach hat sie freundschaftlich die Niederschrift des Drehbuchs zu DIE ZEIT DIE BLEIBT mitverfolgt. Als ich mich mit der Figur der Jany befasste, habe ich ein wenig an sie gedacht, allerdings ohne es ihr zu sagen. Als sie dann das Drehbuch las, hat es ihr sofort gefallen. Sie war sehr berührt von der Natürlichkeit ihrer Rolle, von ihrer Naivität und ihrer Schlichtheit. Das erinnerte sie an Shirley Mac Laine in SOME CAME RUNNING.


Und die Wahl des deutschen Schauspielers Christian Sengewald für die Rolle des Sasha, des Geliebten von Romain?

Man sieht ja nicht allzu häufig homosexuelle Paare im Kino. Die Leute fühlen sich da leicht angegriffen oder unangenehm berührt. Ist der Darsteller zu gut aussehend, dann heißt es, das sei ein Klischee, ist er hässlich, dann sagt man, das sei nicht glaubwürdig. Ich wollte, dass Romains Partner etwas Fremdartiges ausstrahlt, dass er eine Schönheit verkörpert, die sich zwar nicht auf Anhieb offenbart, wohl aber zu Romains Tätigkeit als Photograph passt, das heißt zu seiner Vorliebe für Menschen, die irgendwie anders und zugleich körperlich anziehend sind. Ich hatte Christian Sengewald in Deutschland in einem Theaterstück gesehen und war von seiner Präsenz, von der Beschaffenheit seiner Haut und seiner kindlichen Ausstrahlung angetan. Er hatte geradezu etwas Präraffaelitisches an sich. Abgesehen davon trug der Umstand, dass er Ausländer ist, mit zu einer gewissen Naivität der von ihm verkörperten Figur bei, die ja nicht wirklich begreift, dass es Romain sehr schlecht geht.


Und was die Wahl der Musik betriff?

Ich habe nach einer sehr reinen Musik mit einer sakralen Klangfarbe gesucht, wie man sie in den Stücken von Arvo Pärt und Silvestrov findet. Am Anfang hört man praktisch keine Musik – sie dient zunächst nur zur Untermalung von Kindheitserinnerungen. Sie rückt jedoch umso stärker in den Vordergrund, je mehr sich Romain mit der Welt aussöhnt. Der Weg, den Romain beschreitet, ist zwangsläufig mit Anklängen an einen Kreuzweg behaftet. Übrigens wird er ausgerechnet in einer Kirche von Erinnerungen eingeholt, die mit seiner sexuellen Identität zu tun haben. Mir schien es, als müsste sich Romain mit dem Glauben und dem Jenseits auseinandersetzen, mit all den metaphysischen Fragen also, die man sich in seiner Situation wohl stellen mag.


Das ist das erste Mal, dass Sie im Cinemascope-Format gedreht haben...

Es mag merkwürdig erscheinen, dass ich ausgerechnet für ein so intimes Sujet Cinemascope verwendet habe, jedoch ist dies das ideale Format, um Horizonte, liegende Stellungen und letztlich den Tod abzubilden. Ich war dadurch zu anderen Einstellungen, zu einer anderen Bildsprache gezwungen. Beim Breitwandformat hat man oft nur die Möglichkeit, entweder alles sehr dicht zusammenzudrängen oder mit großer Weite zu arbeiten. Halbtotalen funktionieren nicht so recht. Außerdem erreicht man eine sehr geringe Tiefenwirkung. Ich habe jedoch beim Experimentieren mit verschiedenen Blickwinkeln entdeckt, dass man eine dramatische Intensität erreichen kann, die ich mir nicht erwartet hätte. Zum Beispiel bei der Szene im Park, als die Schwester am Telefon ist. Mir wurde es so auch möglich, viel näher an den Darstellern zu sein. Ich bin sehr schnell in ihre Gesichter gedrungen, und ihre Augen gewannen noch mehr an Ausdruckskraft.


Strände sind in Ihren Filmen ein stets wiederkehrender Schauplatz...

Strände ermöglichen es, sich in einer Dimension des Zeitlosen zu bewegen, zu einer abstrakten und reinen Form zu finden. Das sind Dinge, mit denen ich mich bereits in meinen vorangegangenen Filmen auseinandergesetzt hatte, ich wollte jedoch noch einmal auf das Bild des Sonnenuntergangs zurückkommen, das die Zuschauer in 5 x 2 als sehr ironisch empfunden haben. Ich habe das zwar nicht so aufgefasst, aber ich kann verstehen, wenn manche das so gesehen haben. In DIE ZEIT DIE BLEIBT wollte ich hingegen jeglichem Missverständnis zuvorkommen.




JEANNE LAPOIRIE (Kamera)


Die französische Kamerafrau Jeanne Lapoirie ist wegen ihrer originellen und eigenwilligen Bildgestaltung der optische "Gegenpart" für den Filmkünstler François Ozon. Nachdem sie bereits Ozons erste Meisterwerke Tropfen auf heiße Steine und Unter dem Sand fotografiert hatte, sorgte sie durch den Einsatz eines brillanten und nostalgischen Technicolor-Looks bei 8 Frauen mit für den internationalen Erfolg dieses Films. Die in Paris wohnhafte "Director of Photography" hat übrigens auch das Regiedebüt Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr... von Die Zeit die bleibt-Darstellerin Valeria Bruni-Tedeschi in Szene gesetzt.


Filmographie (Auswahl) 


1994 Wilde Herzen (Les roseaux sauvages) / Regie: André Techiné

1996 Diebe der Nacht (Les voleurs) / Regie: André Techiné

1998 Emporte-moi / Regie: Léa Pool

1999 Tropfen auf heiße Steine (Gouttes d' eau sur pierres brulantes) / Regie: François Ozon

2000 Unter dem Sand (Sous le sable) / Regie: François Ozon

Imago (Jours de folie) / Regie: Marie Vermillard

2001 Mit all meiner Liebe (Avec tout mon amour) / Regie: Amalia Escriva

2002 8 Frauen (8 femmes) / Regie: François Ozon

2003 Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr... (Il est plus facile pour un chameau...) / Regie: Valeria Bruni-Tedeschi

Mariées mais pas trop / Regie: Catherine Corsini

2004 Les revenants / Regie: Robin Campillo

2005 Die Zeit die bleibt (Le temps qui reste) / Regie: François Ozon



Olivier Delbosc und MArc Missonier (Produktion)


Die von Olivier Delbosc, Marc Missionier und ihrem Kollegen Eric Jehelmann gegründete unabhängige Pariser Produktions- und Weltvertriebsfirma Fidélité Productions produziert seit dem Jahr 1994 die Arbeiten des damals noch als Geheimtipp gehandelten François Ozon. Delbosc und Missionier haben zusammen Ozons jüngste große Spielfilmerfolge Tropfen auf heiße Steine, Unter dem Sand, 8 Frauen, Swimming Pool, Fünf mal Zwei und jetzt Die Zeit die bleibt auf den Weg gebracht. Neben der Arbeit mit Ozon bewiesen Delbosc und Missionier u.a. mit Deep in the Woods – Allein mit der Angst aus dem Jahr 2000, dass sie auch auf dem Gebiet des Horror- und Splattergenres zu Hause sind. Derzeit arbeiten sie u.a. an der Fertigstellung der Komödie Combien tu m'aimes? unter der Regie von Bertrand Blier mit Monica Bellucci und Edouard Baer in den Hauptrollen.


Filmographie (Auswahl Spielfilme) 


1998 Sitcom / Regie: François Ozon

1999 Tropfen auf heiße Steine (Gouttes d' eau sur pierres brulantes) / Regie: François Ozon

Les amants criminels / Regie: François Ozon

2000 Unter dem Sand (Sous le sable) / Regie: François Ozon, Deep in the Woods - Allein mit der Angst (Promenons-nous dans les bois) / Regie: Lionel Delplanque

2002 Maléfique / Regie: Eric Valette, Das Idol (L' idole) / Regie: Samantha Lang

Bloody Mallory / Regie: Julien Magnat, 8 Frauen (8 femmes) / Regie: François Ozon

Samourais / Regie: Giordano Gederlini

2003 Swimming Pool / Regie: François Ozon

2004 Fünf mal Zwei (5 x 2) / Regie: François Ozon

2005 How much do you love me? (Combien tu m'aimes?) / Regie: Bertrand Blier

L' Avion / Regie: Cédric Kahn, Anthony Zimmer / Regie: Jérôme Salle

Die Zeit die bleibt (Le temps qui reste) / Regie: François Ozon

BESETZUNG



MELVIL POUPAUD (Romain)


Der 1973 in Paris geborene Melvil Poupaud ist nicht nur in seinem Heimatland ein etablierter Filmschauspieler, sondern hat sich mittlerweile auch in Hollywood durch die Mitarbeit in James Ivorys französisch-amerikanischer Komödie Eine Affäre in Paris (2003) an der Seite von Kate Hudson und Naomi Watts einen Namen gemacht. Einem Filmkunst-Publikum ist Poupaud aber vor allem ein Begriff durch seine männliche Hauptrolle in Eric Rohmers wundervollem Melodram Sommer aus dem Jahr 1996, dem dritten Teil seines "Vier Jahreszeiten"-Zyklus. Ein Jahr zuvor war Poupaud in "Tagebuch eines männlichen Verführers" neben Chiara Mastroianni zu sehen. Herausragend war Poupaud auch in einer Nebenrolle in Jean-Jacques Annauds Der Liebhaber.

Wie Regisseur François Ozon, so begeistert sich auch Melvil Poupaud für Kurzfilme und hat bereits selbst einige realisiert.

Filmographie (Schauspiel)


1989 Eine Frau mit 15 (La fille de quinze ans) / Regie: Jacques Doillon

1992 Der Liebhaber (L'amant) / Regie: Jean-Jacques Annaud

1993 Les gens normaux n'ont rien d'exeptionnel / Regie: Laurence Ferreira-Barbosa

1995 Das Tagebuch eines Verführers (Le journal d'un séducteur) / Regie: Danièle Dubroux

Elisa (Élisa) / Regie: Jean Becker

1996 Sommer (Conte d'été) / Regie: Éric Rohmer

Généalogies d'un crime / Regie: Raoul Ruiz


1998 Les Kidnappeurs / Regie: Graham Guit

2000 A raiz coração / Regie: Paolo Rocha

2001 Reines d'un jour / Regie: Marion Vernoux

Schminkent Hotel / Regie: Charles de Meaux

2003 Eine Affäre in Paris (Le divorce) / Regie: James Ivory

2005 Die Zeit die bleibt (Les temps qui reste) / Regie: François Ozon


Filmographie (Regie Kurzfilme)


1984 Qui es-tu Johnny Mac?

1985 Ces jours où les remords vont font vraiment mal au coeur

1988 3 jours

1994 Boulevard Mac Donald

1999 Quelque chose

2001 Rémi

2003 Pronobis

2004 Qui a tué Johnny Mac?

Le Fils

Le Recours

Le Cinema



GESPRÄCH MIT MELVIL POUPAUD


Wie sind Sie François Ozon begegnet?

François Ozon hatte mir bereits vorgeschlagen, mich für Probeaufnahmen zu TROPFEN AUF HEISSE STEINE einzufinden, aber damals hatte ich das abgelehnt. Ich habe derlei immer gehasst, zumal dann, wenn ich weder den Regisseur kenne noch das Drehbuch gelesen habe. Ich dachte mir damals, dass er wohl verärgert über mich sei, doch dann wollte er sich im Zusammenhang mit 5x2 erneut mit mir treffen. Ich war zwar zu jung für die Rolle, aber wir haben uns gut verstanden und Gelegenheit gehabt, nochmals über diese Casting-Geschichte zu reden. Ich habe eine gewisse Affinität zu ihm verspürt, und ab dem Moment habe ich angefangen, mir seine Filme anzuschauen. Mir gefällt seine doch recht atypische Stellung, die er innerhalb des französischen Kinos einnimmt. Er dreht sehr viel und wählt jedes Mal einen anderen Stil, wobei seine Filme aber immer persönlich bleiben. Wir sind uns dann anlässlich einer kleinen Ausstellung wieder begegnet, bei der ich meine Videofilme gezeigt habe. Schließlich teilte er mir eines Tages mit, dass er die Absicht habe, einen Film mit mir zu drehen. Das Drehbuch sei zwar noch nicht fertig, aber er wolle sich mit mir treffen. Also sind wir ein Weilchen beieinander gewesen, dann ging er, um weiter zu schreiben, und als er wiederkam, war das Drehbuch fertig.


Wie haben Sie auf die Lektüre des Drehbuchs reagiert?

Ich war sehr bewegt. Ich fühlte mich der Figur des Romain sehr nahe. Ich habe auf Anhieb sein Verhalten verstanden, sein Verhältnis gegenüber anderen, gegenüber seiner Familie... Den Wunsch nach einer inneren Verbundenheit mit seinem Vater, den Romain verspürt, habe ich selbst ähnlich erlebt, als ich ein Kind bekommen habe. Die Szene im Auto zum Beispiel hat mich sofort angesprochen, als ich sie gelesen habe. Ich habe mich auf Anhieb mit Romain identifiziert, und dies umso mehr, als ich selbst seit meiner Kindheit oft an den Tod denke. Das Verhältnis zum Tod habe ich immer als etwas sehr Intimes und Privates betrachtet. Romain weigert sich, die anderen mit seinem Tod zu behelligen. Er zieht es vor, ihm ganz allein ins Auge zu sehen. Er verschweigt ihn, als wäre er ein Geheimnis. Dann gab es da noch die Erinnerungsbilder von Romain als Kind. In meinen eigenen Videofilmen habe ich oft Bilder von mir selbst als Kind gedreht, die ich in die Gegenwart verlagert habe. Abgesehen davon haben auch manche Begleitumstände, so die Aussicht, an einem Strand in der Bretagne zu drehen, aber auch die Vorstellung, dass Marie Rivière meine Mutter sein sollte, in mir den Eindruck verstärkt, dass diese Rolle wie für mich geschaffen sei. Ich habe sofort François Ozon angerufen, um ihm zu sagen, dass ich mich sehr darüber freuen würde, die Rolle des Romain zu übernehmen.


Hat Ihnen das nicht Angst gemacht, dass der Film gänzlich auf der Figur des Romain, also auf Ihren Schultern ruht?

Schon, aber vor allem war ich stolz und sehr begeistert. Ich hatte wirklich Lust auf diese Rolle. Sie kam gerade zur rechten Zeit, denn es ist ja noch nicht so lange her, dass ich mich reif genug fühle, um in meiner Erfahrung als Schauspieler ein wenig weiter zu gehen...

François Ozon hat schon mehrere Filme gedreht, aber ich finde sie alle wichtig, ganz besonders vielleicht diesen, dessen Hauptfigur ihm am nächsten steht. Als ich SWIMMING POOL sah, habe ich mir gedacht, dass er sich wohl oder übel in die Rolle von Charlotte Rampling hineinversetzen hat müssen. Hier aber geht es um einen jungen Mann seines Alters, der im Großstadtmilieu von Paris aufgewachsen ist. Ich fand es sehr mutig von ihm, in die Figur des Romain so viele intime Dinge hineingelegt zu haben. Das ist es übrigens, was mir bei der Arbeit als Schauspieler am meisten Spaß macht: Figuren zu verkörpern, in die sich die Regisseure selbst hinein projizieren.


Romain ist einer, der Spuren hinterlassen will. Schon als Photograph...

Ich bin mir da nicht sicher. Man muss nur sehen, mit welcher Auffassung er an seinen Beruf herangeht. Er hält sich nicht für einen Künstler. Er ist ein Modephotograph, der eher den Eindruck erweckt, als wäre ihm dieses Metier ziemlich Wurst. Er neigt nicht zum Größenwahn. Romain verbindet seine Arbeit als Photograph mit keinerlei künstlerischem Anspruch. Für ihn geht es da um völlig belanglose Bilder. Ich habe jedenfalls nicht die Vorstellung gehabt, dass Romain mittels seines Metiers eine besondere Spur hinterlassen wollte.


Wie haben Sie die körperlichen Veränderungen der von Ihnen gespielten Figur bewältigt?

Bei den Vorbereitungen habe ich zunächst genau die entgegen gesetzte Richtung einschlagen müssen: Ozon wollte mich nämlich für den Beginn der Dreharbeiten muskulöser haben, als ich es damals war. Er wusste, dass das, was er körperlich von mir abverlangte, mich noch mehr an die Rolle binden würde. Also habe ich mit einem Coach zusammengearbeitet. Drei Monate lang habe ich täglich meine Muskeln trainiert. Dadurch entwickelt man eine Bereitschaft und eine Konzentration, die es einem erlaubt, sich noch besser in die Rolle einzufinden. Durch das Zunehmen vor den Dreharbeiten war es mir auch möglich, während des Films schneller wieder abzunehmen. Und dadurch, dass man sich aufgrund einer drakonischen Diät ständig ausgehungert fühlt, kommen einem komische Sachen in den Sinn. Man ist manisch aufs Essen fixiert, und dies bewirkt ein recht seltsames Verhältnis zur Umwelt. Während der Dreharbeiten durfte ich praktisch nichts essen. Folglich habe ich nie mit der restlichen Mannschaft Mahlzeiten einnehmen können, und durch diese Isolierung verschmolz ich noch mehr mit meiner Figur.


Hat François Ozon eine besondere Art, seine Schauspieler zu dirigieren?

Ja, und zwar in dem Sinn, dass er nicht viel redet. Er selbst steckt mitten drin in der Handlung. Er sagt nichts über die Psychologie der Figuren. Seine Anweisungen sind sehr konkret. Andererseits zögert er aber überhaupt nicht, einem sofort und ganz direkt alles zu sagen was er denkt, sowohl den technischen Mitarbeitern als auch den Darstellern gegenüber. Diese Spontaneität hat mir Selbstsicherheit verliehen. Ozon überlässt niemals etwas dem Zufall, und selbst wenn er dauernd am Rotieren ist und beim Drehen alles sehr schnell über die Bühne geht, so lässt er doch nicht locker, bis er mindestens zwei Aufnahmen hat, die er für perfekt erachtet.

Ich fühlte mich auch dadurch auf der sicheren Seite, dass ich vor den Dreharbeiten recht viel geprobt hatte. Ich hatte mich am Casting beteiligt, um den anderen Darstellern als Gegenüber zu dienen, und dadurch hatte ich mich sowohl mit dem Text als auch mit meinen Schauspielkollegen vertraut gemacht.

Das körperliche Training, die Proben, der freundschaftliche und enge Kontakt zu Ozon – all das hat dazu beigetragen, dass ich zu Beginn der Dreharbeiten schon mitten im Film, also wirklich bereit war.


Und die Begegnung mit Jeanne Moreau?

Sie ist absolut beeindruckend. Selbst wenn sie nicht Jeanne Moreau hieße, wäre sie eine außergewöhnliche Person. Und wenn sie dann auch noch anfängt, von Welles, Truffaut oder Fassbinder zu erzählen... Wir beide, Ozon und ich, haben sie mit Fragen bombardiert, und sie hat auf alles sehr einfach und offen geantwortet. Die Aufnahmen mit ihr haben zwar nur ein paar Tage lang gedauert, doch dabei ist sehr schnell eine gewisse Nähe entstanden. Ohne dass es dabei zu einem mütterlichen Verhältnis gekommen wäre, hatte ich keinerlei Hemmungen, ihr Fragen zu stellen und von ihrer Erfahrung zu profitieren. Ich habe allerdings auch gespürt, dass sie sich ihrerseits in erster Linie für François Ozon interessierte. Ich glaube, dass sie von seinen hohen Ansprüchen ziemlich überrascht war. Es war wohl schon eine Weile her, dass ihr nicht mehr soviel abverlangt wurde, zumal von einem noch so jungen Regisseur – denn der zögerte nicht im Geringsten, wenn es etwa darum ging, sie um zusätzliche Aufnahmen zu bitten.


Und mit welchen Augen blicken Sie heute auf diese Erfahrung zurück?

Ich habe sehr bald den Eindruck gewonnen, dass ich persönlich einen großen Schritt nach vorne machen würde, wenn ich mich mit einer großen Rolle in einem großen Film von einem großen Regisseur auseinandersetzen würde. Ich hatte immer gehofft, dass einmal in meinem Leben eine so schöne Rolle auf mich zukommen würde. Und dann kam sie tatsächlich, ich habe sie gespielt, und dank dieser Erfahrung fühle ich mich heute vielleicht ein wenig gelassener. Das ist lustig, denn in den Filmen, die ich seit den Aufnahmen zu DIE ZEIT DIE BLEIBT selber gedreht habe, geht es viel um Wandlung und um Wiederauferstehung.

JEANNE MOREAU (Laura)


Die 1928 geborene Jeanne Moreau ist neben Catherine Deneuve die französische Nachkriegs-Leinwandgöttin schlechthin und gilt zudem als "Muse" der Filmemacher der Nouvelle Vague. In dieser für die filmische Kunst so fruchtbaren Periode Ende der Fünfziger bis Ende der Sechziger Jahre hat Moreau mit allen damaligen experimentellen Regiegrößen wie Joseph Losey, Orson Welles, François Truffaut oder Louis Malle zusammengearbeitet. Cineastische Höhepunkte sind dabei sicherlich ihre Hauptrolle in Truffauts Jules und Jim 1961 oder der legendäre Striptease mit Brigitte Bardot in Louis Malles Viva Maria 1965. In Buñuels Gesellschaftssatire Tagebuch einer Kammerzofe verkörperte sie 1964 ein auch sexuell ausgebeutetes Dienstmädchen, das bald den Spieß umdreht. Diese Rolle hat viele Jahre später den Die Zeit die bleibt-Regisseur François Ozon begeistert. Wim Wenders holte sie im Jahr 1991 auf die deutschen Leinwände für sein utopisches Märchen Bis ans Ende der Welt. Im Jahr 2000 erhielt Jeanne Moreau anlässlich der Berlinale einen "Goldenen Bären" für ihr Lebenswerk. Neben ihrem Film-Engagement (dreimal hat sie selbst Regie geführt) konnte man die Moreau auch als gefeierten Bühnenstar bewundern.


Filmographie (Auswahl Schauspielerin):


1952 Es ist Mitternacht, Dr. Schweitzer (Dr Schweitzer) / Regie: André Haguet

1993 Im Schlafsaal der großen Mädchen (Dortoir des grandes) / Regie: Henri Decoin

1954 Wenn es Nacht wird in Paris (Touchez pas au gribisi) / Regie: Jacques Becker

Ein ganzes Leben (Les Hommes En Blanc) / Regie: Ralph Habib

1955 Gas-Oil / Regie: Gilles Grangier

1957 Fahrstuhl zum Schafott (L' ascenseur pour l'échafaud) / Regie: Louis Malle

1958 Die Liebenden (L'Amants) / Regie: Louis Malle

1959 Gefährliche Liebschaften (Les liaisons dangereuses) / Regie: Roger Vadim

1960 Eine Frau ist eine Frau (Une femme est une femme) / Regie: Jean-Luc Godard

Stunden voller Zärtlichkeit (Moderato cantabile) / Regie: Peter Brook

1961 Jules und Jim (Jules et Jim) / Regie: François Truffaut

Die Nacht (La notte) / Regie: Michelangelo Antonioni

1962 Die blonde Sünderin (La baie des anges) / Regie: Jacques Demy

Der Prozess (L'process) / Regie: Orson Welles

Eva / Regie: Joseph Losey

1963 Das Irrlicht (Le feu follet) / Regie: Louis Malle

Heißes Pflaster (Peau de banane) / Regie: Marcel Ophüls

Die Sieger (The Victors) / Regie: Carl Foreman

1964 Tagebuch einer Kammerzofe (Le journal d'une femme de chambre) / Regie: Luis Buñuel

Mata Hari - Agent H. 21 (Mata Hari, Agent H. 21) / Regie: Jean-Louis Richard

Der Zug (Le train) / Regie: John Frankenheimer

1965 Mademoiselle / Regie: Tony Richardson

Viva Maria (Viva Maria!) / Regie: Louis Malle

Der gelbe Rolls-Royce (The yellow Rolls-Royce) / Regie: Anthony Asquith

1966 Das älteste Gewerbe der Welt (Le plus vieux métier du monde) / Regie: Michael Pfleghar, Jean-Luc Godard u.a.

Falstaff (Chimes at Midnight) / Regie: Orson Welles

1967 Die Braut trug Schwarz (La mariée était en noir) / Regie: Tony Richardson

1968 Stunde der Wahrheit (L' histoire immortelle) / Regie: Orson Welles

Der Boss (Comptes à  rebours) / Regie: Roger Pigaut

1971 Die Affaire (Chère Louise) / Regie: Philippe de Broca

1972 Nathalie Granger / Regie: Marguerite Duras

1973 Die Ausgebufften (Les valseuses) / Regie: Bertrand Blier

Jet Set (La race des seigneurs) / Regie: Pierre Granier-Deferre

Ich liebe dich (Je t'aime) / Regie: Pierre Duceppe

1974 Erinnerungen aus Frankreich (Souvenirs d'en France) / Regie: André Téchiné

1975 Der letzte Tycoon (The Last Tycoon) / Regie: Elia Kazan

1976 Monsieur Klein / Regie: Joseph Losey

1982 Tausend Milliarden Dollar (Mille millards de dollars) / Regie: Henri Verneuill

Querelle - Ein Pakt mit dem Teufel (Querelle) / Regie: Rainer Werner Fassbinder

Eine Frau wie ein Fisch (La truite) / Regie: Joseph Losey

1986 Le miraculé / Regie: Jean-Pierre Mocky

1989/90 Nikita / Regie: Luc Besson

1991 Bis ans Ende der Welt / Regie: Wim Wenders

Die Dame, die im Meer spazierte (La vieille qui marchait dans la mer) / Regie: Laurent Heynemann

1992 Die Abwesenheit (L' Absence) / Regie: Peter Handke

1993 The Summer House / Regie: Waris Hussein

1995 101 Nacht - Die Träume des M. Cinema (Les cent et une nuits de Simon Cinéma) / Regie: Agnès Varda

Jenseits der Wolken (Par delà  les nuages) / Regie: Michelangelo Antonioni und Wim Wenders

L' univers de Jacques Demy / Regie: Agnès Varda

1996 The Proprietor / Regie: Ismail Merchant

Katharina die Große (TV) / Regie: Marvin J. Chomsky

Amour et confusion / Regie: Patrick Braoudé

1997 Un amour de sorcière / Regie: René Manzour

I Love You, I Love You Not / Regie: Billy Hopkins

1998 Auf immer und ewig (Ever After: A Cinderella Story) / Regie: Andy Tennant

1999 Balzac (2 Teile, TV) / Regie: Josée Dayan

1999/2000 Les misérables (4 Teile, TV) / Regie: Josée Dayan

2000 Il manoscritto del principe / Regie: Roberto Ando

Für mich gab's nur noch Fassbinder: Die glücklichen Opfer des Rainer Werner F. / Regie: Rosa von Praunheim

2001 Lisa / Regie: Pierre Grimblat

Diese Liebe (Cet amour-là ) / Regie: Josée Dayan

2002 The Will to Resist / Regie: James Newton

2003 Die schrecklichen Eltern (Les parents terribles, TV) / Regie: Josée Dayan

2004 François Truffaut, une autobiographie / Regie: Anne Andreu

2005 Nur für Mozart (in Postproduktion) / Regie: Chris Kraus

13th French Street (in Postproduktion) / Regie: Jean-Pierre Mocky

2005 Die Zeit die bleibt (Les temps qui reste) / Regie: François Ozon


Filmographie (Regie):


1976 Im Scheinwerferlicht (Lumière)

1978 Mädchenjahre (L' adolescente)

1983 Lilian Gish



GESPRÄCH MIT JEANNE MOREAU


Wie sind Sie zum Projekt DIE ZEIT DIE BLEIBT gekommen?

Ich habe die Filme von François Ozon alle gesehen, als sie ins Kino kamen. Persönlich habe ich ihn dann über einen gemeinsamen Freund kennen gelernt, Jean-Claude Moireau, der sein Studiophotograph ist und meine Biographie geschrieben hat. Ich habe mit Ozon manchmal telefoniert und dabei den Eindruck gewonnen, als würde ich ihn kennen, als würde ich in ihm einen Bruder finden. Nun, einen kleinen Bruder zugegebenermaßen. Und auch ihm erging es ähnlich. Er sagte: „Eines Tages müssen wir einmal zusammen einen Film drehen.“ Und dann hat er mich für DIE ZEIT DIE BLEIBT kontaktiert. Er mir die Handlung erzählt, und ich meinte nur: „Ich hoffe, es geht nicht um eine Rolle als Großmutter...“ Er aber: „Doch, doch...“, und ich: „Na gut, weil Sie’s sind!“ Das Drehbuch spielte für mich kaum eine Rolle, denn ich halte Ozon für einen außergewöhnlichen Menschen und Filmemacher, was sich gut zusammenfügt. Ich sage bewusst „Filmemacher“ („Réalisateur“) und nicht „Regisseur“ („Metteur en scène“).


Wie verliefen die Dreharbeiten?

Ich war absolut nicht überrascht über Ozons Rigidität und seine hohen Erwartungen. Gleichzeitig lässt er einem aber auch viele Freiheiten. Wenn man mit jemandem wie ihm zusammenarbeitet, dann ist es absolut unmöglich, nicht sein Bestes zu geben. Man kann nach zwei Takes nicht einfach zu ihm hingehen und sagen: „Gut, das war‘s, Schluss damit!“ Ozon zögert nicht, zusätzliche Aufnahmen zu machen, weil man ihm das, was er haben will, nicht gegeben hat, oder weil man ihm irgendetwas anderes nicht gegeben hat, was er sich gar nicht unbedingt erwartet und wonach er selber noch sucht. Ich stand ihm wirklich zu Diensten. Ozons Universum ist eines, auf das man vorbereitet sein muss. Aber wenn man sich darauf einlässt, dann ist das eine großartige Erfahrung, die Spuren hinterlässt.


Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?

Ich habe überhaupt nichts vorbereitet, mir nichts im Voraus überlegt. Es ist mein Prinzip, stets völlig leer an eine Sache heranzugehen und niemals vorher einen Text zu lernen. Das ist Teil einer Disziplin, die es mir erlaubt, mich frei und aufgeräumt zu fühlen. Je näher dann der Drehtermin rückt, besonders, wenn es schon um die Wahl der Kleider geht oder wenn man in der Maske sitzt, umso mehr macht sich in mir eine Art Alarmzustand breit. Mich interessiert aber nicht so sehr die Figur, als vielmehr der Film selbst. Viele Leute setzen das Lampenfieber mit der Angst gleich, lächerlich zu erscheinen und eine schlechte Wirkung zu erzielen. Für mich ist das wirklich nur eine Art Fieber. Wenn ich spiele, dann bin ich ein Doppelwesen: Die eine Hälfte achtet auf die Entfernung zur Kamera und auf die räumlichen Begrenzungen, um nicht aus dem Blickwinkel zu verschwinden, während die andere mit diesem inneren Feuer zu tun hat, das man als prickelnde Angst erlebt. Das Unbewusste weiß also, wie weit man sich bewegen darf, doch dann kommt die andere Instanz, die einen fragt: „Ist denn auch das Feuer stark genug?“ Und dann fügt sich mit einem Mal alles zusammen. Ich erinnere mich an eine Sequenz, diejenige nämlich, wo sich Romain von Laura verabschiedet, bei der ich zu Ozon gesagt habe: „Nein, das schaffe ich nicht!“ Er aber hat ganz ruhig geantwortet: „Doch, doch, Sie werden das schaffen. Wir machen das noch einmal.“ Und er hatte Recht. Es gibt Momente, da müssen sich die Gefühle an der Oberfläche zeigen, aber auf eine wahrhaftige Art, und nicht dadurch, dass sie durch fremde Gedanken oder durch einen „Metteur en scène“ hervorgerufen werden, der einen durch den Schlamm zieht oder am Set brüllt, dass Ihr Sohn gerade gestorben sei und ähnliche Albernheiten mehr. Wann immer Ozon die Kamera installierte, wusste ich, dass das so richtig war. Ich hatte es mir schon so erwartet: Dorthin wollte er also seinen Blick richten, das wollte er also sehen!


Glauben Sie, dass Sie durch diesen Film in Bereiche vorgestoßen sind, wo Sie noch nie zuvor gewesen sind?

Ganz bestimmt. Das ist übrigens auch immer meine Raison-de-vivre gewesen. Ich gehe nicht gerne irgendwohin, wo ich schon einmal meine Füße hingelenkt habe. Das Leben hält viele Orte bereit, die es zu entdecken gilt. Ich möchte meine Zeit nicht mit Dingen verlieren, die ich schon kenne. Die Situation, in der sich Laura in DIE ZEIT DIE BLEIBT befindet, war mir etwas Neues. Ich bin niemals jemandem gegenübergestanden, der weiß, dass er zum Sterben verurteilt ist, und der gekommen ist, um vor Ihren Augen abzudanken. Ich habe Menschen sehr jung sterben sehen, Leute, die massakriert wurden, aber das hier kannte ich noch nicht.


Wie stellt man es an, einer Figur mit so wenigen Szenen Leben einzuhauchen?

Wir hatten noch mehr Szenen gedreht, aber Ozon hat beim Montieren einige davon wieder herausgeschnitten – und so ist es perfekt! Es sind ja nicht immer die Figuren, die vom Anfang bis zum Ende eines Films präsent sind, die den größten Eindruck hinterlassen. Das ist genauso wie im Leben. Ich kann ohne Weiteres eine kurze Begegnung mit Leuten in einem Café oder am Flughafen haben, die mir dann lange in Erinnerung bleiben, während andere, mit denen ich lange Gespräche geführt habe, überhaupt keine Spur bei mir hinterlassen.

Um einer Figur schnell mehr Gewicht zu verleihen, ist es auch hilfreich, wenn man auf der Leinwand eine gewisse Vergangenheit verkörpert. Selbst als ich noch jung war, habe ich schon den Eindruck einer Gestalt mit Vergangenheit hervorgerufen. Und heute erst recht, da ja wirklich viel Zeit vergangen ist! Mein Gesicht hat sich mit den Jahren gewandelt, ist sich aber doch hinreichend ähnlich geblieben, um bei den Zuschauern Erinnerungen zu wecken.


Der Film erzählt uns auch, dass man zu seiner Kindheit zurückfinden muss, um gut zu sterben...

Ich bin mir aber gar nicht sicher, dass Romain am Ende wirklich stirbt. Er ist eine allegorische Figur. Für mich ist „gut sterben“ gleichbedeutend mit „gut leben“. Denn was ist der Tod denn anderes, wenn nicht der Abschluss des Lebens? Wir befinden uns heute in einer Zeit, in der man die beiden Dinge voneinander trennen möchte: erst lebt man, und dann – wie grauenhaft! – ist man tot! Aber nein, Romain ist nicht tot: Er beschreitet einen Weg, er löst sich auf – und ich sage das ohne irgendein religiöses Gefühl. Es ist genauso blöd zu sagen, dass es kein Leben nach dem Tod gibt, wie wenn einer meint, dass es eines gibt. Der Tod ist das absolute Mysterium, dem man ausgesetzt ist und der das Leben spannend und prickelnd macht. Das Leben ist sehr hart und schmerzhaft. Die Leute reden immer vom Glück, dabei ist das Glück wirklich ein Glücksfall. Worauf es ankommt, das sind die Freuden, die Kunst, sowohl das Kalte als auch das Warme, sowohl den Schatten als auch das Licht richtig aufzunehmen. Jeder Zuschauer wird DIE ZEIT DIE BLEIBT auf seine Weise sehen. Manche werden Angst bekommen, andere ihn verwerfen oder im Gegenteil Dinge darin entdecken, an die sie bisher nicht gedacht haben. Ich finde, dass dieser Film über den Tod hinausgeht. Er strahlt eine große Ruhe aus, zeigt manche Träne, ist aber frei von jeder Sentimentalität.




VALERIA BRUNI-TEDESCHI (Jany)


Die 1964 in Turin geborene französisch-italienische Valeria Bruni-Tedeschi gilt als talentierte und hoch professionelle Schauspielerin und Regisseurin in der europäischen Filmszene. Die Schwester von Model Carla Bruni lernte ihr Handwerk unter den Regiegrößen Patrice Chéreau und Pierre Romans. In Chéreaus Hôtel Paris spielte sich 1987 ihre erste Hauptrolle. In Deutschland wurde sie einem größeren Kinopublikum erstmals bekannt durch ihre Rollen in den Filmen von Mimmo Calopresti Das zweite Mal und Ist Liebe nur ein Wort. Ihr vielfach umjubeltes Regiedebüt präsentierte sie 2003 mit der Komödie Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr… . Zuletzt konnte man Valeria Bruni-Tedeschi, die mühelos die Register von ernstem bis komödiantischem Fach ziehen kann, auf der Leinwand in der Beziehungskomödie Meeresfrüchte sehen. 2004 war sie Mitglied der Berlinale-Jury.


Filmographie


1986 Paulette (Paulette, la pauvre petite milliardaire) / Regie: Claude Confortès

1987 Hôtel de France / Regie: Patrice Chéreau

Die Verliebte (L’Amoureuse) / Regie: Jacques Doillon

1989 Eine Geschichte von Männern und Frauen (Storia di ragazzi e di ragazze) / Regie:

Pupi Avati

Dis-moi oui, dis-moi non / Regie: Noémie Lvovsky

1990 Sommer an der See (La Baule-les-Pins) / Regie: Diane Kurys

Un sale quart d’heure pour l’art / Regie: Eric Bitoun

1991 Fortune Express / Regie: Olivier Schatzky

Der Mann, der seinen Schatten verlor (L’Homme qui a perdu son ombre) Regie: Alain Tanner

1992 Les Aphrorécits / Regie: Caroline Sarrion

Agnes / Regie: Giorgio Milanetti

1993 Verrückt nach Liebe (Les gens normaux n’ont rien d’exceptionnel) Regie: Laurence Ferreira Barbosa

Condannato a nozze / Regie: Giuseppe Piccioni

1994 Die Bartholomäusnacht (La Reine Margot) / Regie: Patrice Chéreau

3000 scénarios contre un virus / Regie: Jean Achache, Richard Berry

Le livre de cristal / Regie: Patricia Plattner

Poisson rouge / Regie: Cédric Klapisch

Montana Blues / Regie: Jean-Pierre Bisson

1995 Vergiss mich (Oublie-moi) / Regie: Noémy Lvovsky

1996 Mein Mann – Für deine Liebe mach ich alles (Mon homme) / Regie: Bertrand Blier

Les Menteurs / Regie: Elie Chouraqui

Le coeur fantôme / Regie: Philippe Garrel

Das Zweite Mal (La Seconda volta) / Regie: Mimmo Calopresti

Nénette et Boni / Regie: Claire Denis

Immer wieder die Frauen (Encore) / Regie: Pascal Bonitzer

1997 Amour et confusions / Regie: Patrick Braoudé

A Casa / Regie: Sharunas Bartas

J’ai horreur de l’amour / Regie: Laurence Ferreira Barbosa

Verrückt nach Liebe (Années lycée: Les Petites, TV) / Regie: Noémy Lvovsky

1998 On a très peu d’amis / Regie: Sylvain Monod

Wer mich liebt, nimmt den Zug (Ceux qui m’aiment prendront le train) Regie: Patrice Chéreau

Ist Liebe nur ein Wort? (La Parola amore esiste) / Regie: Mimmo Calopresti

1999 Farbe der Lüge (Au coeur du mensonge) / Regie: Claude Chabrol

La Balia / Regie: Marco Bellocchio

Rien à  dire / Regie: Vincent Perez

La vie ne me fait pas peur / Regie: Noémie Lvovsky

Liebe in Zeiten der Arbeitslosigkeit (Rien à  faire) / Regie: Marion Vernoux

2000 Les Cendres du paradis / Regie: Dominique Crèvecoeur

Voci / Regie: Franco Giraldi

Scénario sur la drogue / Regie: Emmanuelle Bercot, Diane Bertrand

Drugstore / Regie: Marion Vernoux

2001 Milch der Zärtlichkeit (Le Lait de la tendresse humaine) Regie: Dominique Cabrera

2002 Winter (L’Inverno) / Regie: Nina di Majo

Peau d’ange / Regie: Vincent Perez

Ten Minutes Older: The Cello / Regie: Bernardo Bertolucci, Claire Denis

Ah! Si j’étais riche / Regie: Gérard Bitton, Michel Munz

2003 La Felicità  non costa niente / Regie: Mimmo Calopresti

La Vita come viene / Regie: Stefano Incerti

Les Sentiments / Regie: Noémie Lvovsky

Fünf Mal Zwei (5 x 2) / Regie: François Ozon

2004 Wie im Himmel (As It Is In Heaven) / Regie: Kay Pollak

2005 Meeresfrüchte (Crustacés et coquillages) / Olivier Ducastel, Jacques Martineau

Quartier V.I.P. / Laurent Firode

2005 Die Zeit die bleibt (Les temps qui reste) / Regie: François Ozon


Filmographie (Regie):


2003 Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr… (Il est plus facile pour un chameau...)




DANIEL DUVAL (Romains Vater)


Der zumindest laut Aussage von Die Zeit die bleibt-Regisseur François Ozon "eher auf Rollen aus dem Schurkenmilieu eingeengte" Daniel Duval ist einer der ganz großen französischen Filmkünstler, auch wenn er eher weniger im Rampenlicht der internationalen Festivals oder Filmpremieren steht. Jüngste Leinwand-Engagements hatte der 1944 Geborene vor allem in den Filmen von Michael Haneke, Wolfzeit und dem Erfolg der Filmfestspiele in Cannes 2005, Caché. Dem deutschen Publikum ist Duval aber auch durch seine Mitwirkung im charmanten Arthaus-Überraschungserfolg Gibt es zu Weihnachten Schnee? ein Begriff.


Filmographie (Auswahl Schauspieler)

1985 Un été d'enfer / Regie: Michael Schock

1996 Gibt es zu Weihnachten Schnee? (Y'aura-t-il de la neige à  Noël?) / Regie: Sandrine Veyssett

1997 J'irai au paradis, car l'enfer est ici / Regie: Xavier Durringer

Ich versteh' nicht, was man an mir findet (Je ne vois pas ce qu'on me trouve)/ Regie: Christian Vincent

1998 Si je t'aime ... prends garde à  toi / Regie: Jeanne Labrune

Le vent de la nuit / Regie: Philippe Garrel

2002 Total Kheops / Regie: Alain Beverini

2003 Wolfzeit (Le temps du loup) / Regie: Michael Haneke

Process / Regie: CS Leigh

2004 36 quai des orfévres / Regie: Olivier Marchal

2005 Caché / Regie: Michael Haneke

Die Zeit die bleibt (Les temps qui reste) / François Ozon



Filmographie (Auswahl Regie)


1974 Le Voyage d'Amélie

1976 Im Schatten der Schlösser (L' ombre des châteaux)

1979 Die Aussteigerin (La dérobade)

1984 Die Abrechnung (Un chien écrasé, TV)

1987 Orfleur

MARIE RIVIÈRE (Romains Mutter)


Deutsche Cineasten kennen und lieben die zauberhafte Marie Rivière vor allem durch ihre Auftritte in Filmen des französischen Altmeisters Eric Rohmer. In dessen warmherzigen Kino-Liebesgeschichten Das grüne Leuchten, Vier Abenteuer von Reinette und Mirabelle und vor allem Herbstgeschichte beeindruckte Rivière eine ganze Riege von Fans hochwertiger Filmkunst durch ihr federleichtes, augenzwinkerndes und zugleich sämtliche Emotionen auslotendes Spiel. Ihre bis dato letzte Zusammenarbeit mit Rohmer hatte sie in dem 2001 herausgebrachten Kostümfilm Die Lady und der Herzog.


Filmographie (Auswahl)


1986 Das grüne Leuchten (Le rayon vert) / Regie: Eric Rohmer

Vier Abenteuer von Reinette und Mirabelle (Quatre aventures de Reinette et Mirabelle) / Regie: Eric Rohmer

1995 Muriel fait le désespoir de ses parents / Regie: Philippe Faucon

Sept en attente / Regie: Françoise Etchegaray

1998 Herbstgeschichte (Conte d'automne) / Regie: Eric Rohmer

Schöne Venus (Vénus beauté (institut)) / Regie: Tonie Marshall

2000 Les filles ne savent pas nager / Regie: Anne-Sophie Birot

Marie-Line / Regie: Mehdi Charef

2001 Die Lady und der Herzog (L' anglaise et le duc) / Regie: Eric Rohmer

2005 Die Zeit die bleibt (Le temps qui reste) / Regie: François Ozon




CHRISTIAN SENGEWALD (Sasha)


Die Rolle des jungenhaften Homosexuellen Sasha in dem 2004 gedrehten Drama Die Zeit die bleibt markiert für den 1977 in der Nähe von Halle geborenen Christian Sengewald sein abendfüllendes Leinwanddebüt. Sengewald, der bis dato fast ausschließlich auf den berühmten "Brettern, die die Welt bedeuten" zu Hause war, konnte jedoch erste filmische Erfahrungen in einem 2004 realisierten Kurzfilmprojekt sowie einem TV-Auftritt in einer Folge der bekannten TV-Krimiserie "Wolffs Revier" sammeln. Nach ersten Bühnenengagements ab dem Jahr 2000 am Thalia Theater Halle eroberte der Absolvent der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" im 2004 die deutsche Hauptstadt. Vor allem am Maxim-Gorki-Theater Berlin glänzte er unter der Regie von Bruno Cathomas in dessen Inszenierung "Die Bibel – Eine Sinnsuche in fünf Teilen". 2005 arbeitete er wieder mit Cathomas in dessen Bühnenproduktion "Oskar Wilde. Das Leben ein Traum". Anfang 2005 übernahm er schließlich eine tragende Nebenrolle in der Weltkriegs-Kinogeschichte Polumgla unter der Regie des Russen Artem Antonov.


Filmographie


2004 Überfahrt (Installation) / Regie: Rainer Kirberg

Überfahrt (Kurzfilm) / Regie: raker

Wolffs Revier – Wege zum Ruhm (TV) / Regie: Reinhard Münster

2005 Polumgla / Regie: Artem Antonov

Die Zeit die bleibt (Les temps qui reste) / Regie: François Ozon




GESPRÄCH MIT CHRISTIAN SENGEWALD


Wie ist die Zusammenarbeit mit dem französischen Regisseur François Ozon zustande gekommen?

Im Jahr 2002 habe ich mein Schauspielstudium abgeschlossen und bald darauf ein erstes Engagement in Halle im Thalia Kinder- und Jugendtheater angenommen, wo ein breites Spektrum an Stücken gespielt wird. Die dortige künstlerische Leitung zeigte eine große Affinität zu französischsprachigen Stücken, was in einer alljährlichen Woche der französischen Gegenwartsdramatik gipfelte. 2004 spielten wir das Stück "Das Giraffenkind" als deutsche Erstaufführung. Zu Gast in Halle war damals der Autor Christophe Pellet, der wiederum ein Freund von Ozon ist. Pellet hat diesem nach seiner Rückkehr Fotos von mir gezeigt. Und bald darauf kam ein Anruf von Ozons Pariser Agentur, um mich nach Paris einzuladen. Natürlich war mir François Ozon ein Begriff, aber große Hoffnung auf ein Engagement hatte ich mir nicht gemacht. Wir hatten ein angenehmes Gespräch, und das war's dann auch, dachte ich mir. Als ich aber wieder im Zug zurück nach Deutschland saß, rief mich meine Agentin ganz aufgeregt an und teilte mir begeistert den positiven Entscheid von Ozon mit.


Wie würden Sie die Beziehung zwischen Ihrer Filmrolle Sasha und der Hauptfigur Romain beschreiben?

Zwischen Romain und Sasha findet eine Beziehung statt, wie sie wohl oft zwischen einem älteren Kreativen und einem jüngeren, begehrenswerteren Mann stattfindet. Der Ältere sucht dabei häufig die notwendige Inspiration, die er im Jüngeren findet, und jener gibt sich zunächst recht naiv in diese Beziehung hinein, die sicherlich nicht auf gleicher Augenhöhe angelegt ist. In dieser Beziehung findet rasch aber eine gewisse Emanzipation statt, und auch Sasha lernt mit der Zeit, zum einen die immanente Abhängigkeit zu realisieren und zum anderen herauszufinden, was er für Romain nicht ist.


Romains Verabschiedung vom Leben ist sehr radikal und gleichzeitig sehr persönlich.

In der Tat muss es einen berühren, wenn jemand wie Romain derart weit geht, um sein Leben abzuschließen, und gleichzeitig in seiner Kontaktverneinung so etwas wie Schuld auf sich lädt. Eigentlich heißt es doch, dass man am Ende des Lebens versucht, Frieden zu finden – mit sich und mit seiner Umwelt. Aber letzteres unternimmt Romain eher nicht. Privat wäre ich selbst dazu nicht in der Lage, ganz bewusst solch einen schmerzlichen Schnitt zu unternehmen. Ich würde wohl eher meinen Freunden davon erzählen und Hilfe und vor allem Trost suchen. Mittlerweile ist es äußerst selten geworden, sich bewusst mit seinem Ende auseinanderzusetzen. In den Zeiten des Wellness-Kults versuchen Menschen, ihr Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Wir optimieren und reduzieren unser Leben auf den Genuss, auf eine gewisse Endlosigkeit hin, so wie es letztlich auch in den Medien kommuniziert wird. Gleichzeitig werden wir immer unfähiger, unseren Tod zu gestalten. Die meisten Menschen verrecken auf irgendeiner anonymen Intensivstation oder in Abhängigkeit von medizinischen Geräten. Die Größe, wie sich beispielsweise viele Naturvölker dem Phänomen Tod freiwillig und würdevoll stellen, geht uns modernen Menschen immer mehr ab.


Im Film haben Sie unter anderem eine sehr intensive und aggressive Liebes- beziehungsweise fast schon Kampfszene mit Ihrem Filmpartner Melvil Poupaud. Wie schwierig waren diese Nahaufnahmen und Close-ups für einen Filmneuling, der doch eher die distanzierte Bühne gewohnt ist?

Ich gebe freimütig zu, dass ich überhaupt keine Erfahrungen in diesem Metier hatte und auch kein Bewusstsein dafür, wie ich im Film aussehe. Da habe ich mich ganz fallen lassen und vor allem François Ozon komplett vertraut. Er ist ein Mensch, dem man unglaublich vertrauen kann. Mit Ozon war es von Anfang an eine ganz angenehme, sympathische Beziehung zwischen Schauspieler und Regisseur. So konnte ich mich ganz intensiv in die Dreharbeiten hineinbegeben, ohne groß über meine Wirkung reflektieren zu müssen. Trotzdem war gerade diese kleine Kampfszene, die wir bestimmt 15 Mal wiederholt hatten, sehr anstrengend. Am anderen Tag hatte ich überall blaue Flecken. Aber François Ozon konnte man überhaupt nicht böse sein, so liebevoll wie er mit seinen Schauspielern umgegangen ist.


DIE ZEIT DIE BLEIBT ist neben einem einmaligen TV-Auftritt in "Wolffs Revier" und einem Experimental-Projekt Ihre erste große filmische Erfahrung gewesen. Definieren Sie sich weiterhin eher als Bühnenschauspieler oder könnte das Medium Film eine neue Heimat werden?

Ich bin zunächst ein Kind der Bühne. Nach meinem Schauspielstudium habe ich in etlichen freien Engagements einige Bühnenerfahrung sammeln können. Dass hat aber nichts mit einer bestimmten Präferenz fürs Theater zu tun, sondern hat sich halt so ergeben. In Zukunft möchte ich aber weitaus mehr als bisher filmisch arbeiten, denn hier wird eine ganz andere Art der Konzentration, eine ganz andere Arbeitsweise erfordert, was für einen Schauspieler durchaus reizvoll ist.


Anfang 2005 haben Sie in Ihrem bislang zweiten Kinofilm mitgespielt, POLUMGLA unter der Regie des Russen Artem Antonov.

Dieses Engagement hat sich ähnlich zufällig entwickelt wie die Zusammenarbeit mit François Ozon. Im Herbst 2004 war ich am Berliner Maxim-Gorki-Theater beschäftigt, wo ein unscheinbarer Aushang vorlag, in dem deutsche Darsteller für ein deutsch-russisches Kriegsdrama vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs gesucht wurden. Alles passierte dann wieder zwischen Tür und Angel: Der Regisseur hat mich in Berlin spielen gesehen, ich kehrte mein karges Russisch heraus, und – zack! – haben wir in Russland im Außendreh bei minus 20 Grad Celsius gedreht. Alles war sehr aufregend: ein junges Team, russisch, chaotisch. Ein großes Abenteuer halt. Ob ich nun weitere Filmengagements wahrnehme, wird sich zeigen. Ich bin hier sehr neugierig, gleichzeitig aber auch sehr entspannt.


    
                                                                                                                           85 Min

Mit DIE ZEIT DIE BLEIBT präsentiert das 1967 geborene französische Regiewunder François Ozon ("Swimming Pool", "8 Frauen") den zweiten Teil einer "Trilogie über die Trauer", die er im Jahr 2000 mit "Unter dem Sand" begonnen hat. Während sich allerdings in "Unter dem Sand" die von Charlotte Rampling gespielte Hauptfigur nicht von ihrem verschollenen Ehemann lösen kann, wird in DIE ZEIT DIE BLEIBT Ozons Protagonist Romain (Melvil Poupaud) damit konfrontiert, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat. Der Modefotograf Romain nutzt diese Zeit auf sehr radikale und ungewöhnliche Weise.


DIE ZEIT DIE BLEIBT ist Ozons achter abendfüllender Spielfilm. Nach dem großen Erfolg seines schwarzhumorigen Kriminal-Musicals "8 Frauen", dessen preisgekrönte Schauspielerinnen-Riege (Europäischer Filmpreis 2002, Silberner Bär 2002) u.a. mit Catherine Deneuve und Isabelle Huppert allein in Deutschland über 1,3 Mio. Zuschauer in die Kinos lockte, sowie „Swimming Pool“ und dem originell erzählten Ehedrama "Fünf mal Zwei" richtet sich der Fokus diesmal auf einen einzelnen Mann, den Ozon selbst als "keinen Helden, sondern einfach nur als menschliches Wesen" beschreibt. DIE ZEIT DIE BLEIBT ist Ozons emotionalster und intimster Film.


Neben dem Hauptdarsteller Melvil Poupaud, bekannt u.a. aus Eric Rohmers "Sommer" und James Ivorys "Eine Affäre in Paris" sowie Valeria Bruni-Tedeschi ("Meeresfrüchte", "Fünf mal Zwei") konnte Ozon auch die legendäre Leinwandikone Jeanne Moreau verpflichten, die bereits unter Regiegrößen wie Fassbinder und Truffaut auftrat und zuletzt in Deutschland mit "Diese Liebe" im Kino zu sehen war. Weitere wichtige Nebenrollen spielen Daniel Duval ("Caché") und Marie Rivière ("Herbstgeschichte"). Der deutsche Jungdarsteller Christian Sengewald, bislang vor allem auf der Bühne zu Hause, feiert als Romains enttäuschter Lebensgefährte Sasha in DIE ZEIT DIE BLEIBT sein Kinodebüt.


Mit von der Partie bei den Dreharbeiten war auch Ozons bewährte Kamerafrau Jeanne Lapoirie, die bereits seine Filme "8 Frauen", "Unter dem Sand" und "Tropfen auf heiße Steine" in Szene setzte und jetzt DIE ZEIT DIE BLEIBT im für das Genre eher untypischen Cinemascope-Format ablichtete. Lapoirie hatte zudem bei dem Regiedebüt von Valeria Bruni-Tedeschi "Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr…" die Kamera gemacht, das im Februar 2004 in Deutschland herauskam. Langjährige Weggefährten der ‚Ozon-Familie’ sind auch bei DIE ZEIT DIE BLEIBT das französische Produzenten-Duo Olivier Delbosc und Marc Missonnier, deren Firma Fidélité Productions mit dem Regisseur seit 1994 zusammenarbeitet.


DIE ZEIT DIE BLEIBT ist eine Produktion von Fidélité Productions in Zusammenarbeit mit den Sendern Studio Canal und Arte Frankreich. Gedreht wurde im Sommer 2004 in Paris und an weiteren französischen Schauplätzen. Der Film kommt im November 2005 in die französischen Kinos und war erstmals beim Filmfestival in Cannes 2005 in der Reihe "Un Certain Regard" zu sehen.



 


 

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