Goyas Geister Filmtipp

Ein Raum im innersten Kreis der spanischen Inquisition. Nur Kerzen spenden Licht zwischen den schweren Mauern. Stiche machen die Runde. Darstellungen, die das Elend der Bevölkerung zeigen und sich derbe Späße mit dem Klerus und der Krone erlauben. Urheber ist ein gewisser Francisco Goya. Wer ein solches Bild Spaniens in der Welt verbreitet, muss bestraft werden, fordert die Runde, doch Pater Lorenzo (Javier Bardem) sieht dies anders. Wortgewandt überzeugt er den Großinquisitor (Michael Lonsdale), dass Goya nur die Welt wieder gibt, wie sie ist, und dass es folglich die Welt ist, die verändert werden muss. Eine Welt, die ihre Furcht vor Gott verloren hat, weil die Inquisition nicht mehr stark genug ist. Mit ihm an der Spitze, so Pater Lorenzo, würde die Gottesfurcht rasch zurück kehren.

Pater Lorenzos Worte haben ihren Zweck erfüllt, und so beginnt er mit der Ausbildung seiner Familiares, Spione im Dienste der Inquisition, die nach versteckten Hinweisen suchen, ob jemand vom rechten Glauben abweicht. Eine solche Person könnte Inés Bilbatua (Natalie Portman) sein, die in der Taverne angeekelt von einem Spanferkel das Gesicht verzieht und verzichtet. Ist sie in Wirklichkeit nicht eine Jüdin, die heimlich ihre Religion praktiziert?! Eine Befragung durch die Inquisition, zu der sie vorgeladen wird, soll Klarheit bringen. Obwohl sie abstreitet, heimlich jüdische Riten auszuüben und lediglich erklärt, dass sie Schweinefleisch einfach nicht mag, wird Inés in den Kerkern der Inquisition einem intensiven Verhör unterzogen. Ein göttlicher Test soll klären, ob sie tatsächlich die Wahrheit spricht. Doch dieser „Test" ist nichts anderes als eine brutale Folter, bei der sie nackt an ihren hinter dem Rücken zusammen gebundenen Handgelenken so lange nach oben gezogen wird, bis sie alles gesteht, was auch immer man ihr zur Last legt, nur damit diese unerträglichen Schmerzen endlich aufhören.

Der viel beschäftigte Hofmaler Francisco Goya (Stellan Skarsgård), dem die hübsche Inés erst kürzlich Model gesessen hat, bekommt derweil den Auftrag, ein Portrait des Mannes anzufertigen, der ihre Verhaftung indirekt veranlasst hat: Pater Lorenzo. Deshalb bittet der reiche Kaufmann Tomás Bilbatua (José Luis Gómez) den Maler inständig, ein gutes Wort für seine Tochter bei Pater Lorenzo einzulegen, damit Inés bald aus dem Gefängnis frei kommt. Um seiner Bitte Ausdruck zu verleihen, stellt Bilbatua der Kirche zudem eine nicht unerhebliche Spende für die Renovierung eines Gotteshauses in Aussicht.

Pater Lorenzo, der in Goyas Atelier bereits das Porträt der schönen Inés bewundern durfte und von ihren jugendlichen Reizen mehr als angetan ist, verspricht dem Maler zumindest einen Besuch im Kerker, um zu sehen, was er für Inés tun kann. Doch diese hat bereits offiziell gestanden, heimlich jüdische Rituale zu praktizieren, deshalb lässt sich eine Bestrafung nun nicht mehr abwenden.

Dies berichtet Pater Lorenzo auch der Familie Bilbatua, bei der er kurz darauf zusammen mit Goya zu Gast ist. Bilbatua und seine Frau Marà­a Isabel (Mabel Rivera) sind schockiert und entsetzt zugleich. Niemals würde ihre Tochter etwas derartiges tun, das sei schlichtweg unmöglich! Folglich muss Inés zu diesem Geständnis gezwungen worden sein. Am Tisch entspinnt sich ein hitziger Disput über die Verhörmethoden der Kirche und die Aussagekraft unter Folter entstandener Geständnisse. Pater Lorenzo argumentiert, wer die Wahrheit sagt, bekäme auch von Gott die Kraft verliehen, selbst unter größten Schmerzen bei seiner Aussage zu bleiben. Aber er ist der einzige im Raum, der diese Ansicht vertritt. Und Bilbatua ist nicht bereit, dem stets milde lächelnden Geistlichen Recht zu geben. Stattdessen setzt er zum drastischen Gegenbeweis an: Pater Lorenzo wird solange am Kronleuchter aufgehängt, bis er mit seiner Unterschrift ein Schriftstück besiegelt, in dem er zugibt, das Kind eines Schimpansen und eines Orang-Utans zu sein.

Um zu verhindern, dass dieses Dokument jemals veröffentlicht wird, setzt sich Lorenzo nun doch für Inés ein. Aber der Großinquisitor lässt nicht mit sich reden. Er nimmt zwar die großzügige Spende des reichen Kaufmannes gern an, aber eine Freilassung von Inés würde das Eingeständnis bedeuten, dass die Kirche nicht an die Aussagekraft ihrer eigenen Verhörmethoden glaubt. Inés entgeht zwar der Todesstrafe, aber sie bleibt weiterhin in den grausamen Verließen der Kirche gefangen. Nicht einmal der spanische König (Randy Quaid), an den sich Bilbatua in seiner Verzweiflung wendet, kann sich über dieses Urteil hinwegsetzen. Als den Kirchenoberen schließlich Pater Lorenzos absurdes Geständnis bekannt wird, veranlassen sie seine Exkommunikation und die öffentliche Verbrennung seines von Goya soeben fertiggestellten Portraits. Aber zu diesem Zeitpunkt ist Lorenzo längst über alle Berge...

15 Jahre später

Die Truppen Napoléons sind in Spanien eingefallen. Napoléon ersetzt König Carlos durch seinen Bruder. Mit der neuen Macht kommen auch neue Machthaber ins Land. Die Inquisition wird abgeschafft und deren Opfer befreit. Darunter auch Inés, halb verhungert und in einem erbarmungswürdigen Zustand irrt sie durch die Straßen Madrids. Das elterliche Haus steht leer, geplündert. Ihre Familie ist tot. Mit letzter Kraft schleppt sie sich in Goyas Atelier. Der inzwischen taube Maler erkennt sie zunächst nicht einmal, nimmt sich dann aber doch ihrer an. Denn von ihr erfährt Goya schier unglaubliches: Inés hat im Gefängnis vor Jahren eine Tochter zur Welt gebracht, die man ihr allerdings sofort nach der Geburt entrissen hat. Goya verspricht, Inés bei der Suche nach ihrem Kind zu helfen.

Der Maler wendet sich an den obersten Minister des neuen Regimes, der gerade dabei ist, gegen den ehemaligen Großinquisitor und seine geistlichen Brüder vor Gericht zu ziehen. Und die Überraschung könnte nicht größer sein. Oberster Verfechter der Grundsätze der französischen Revolution in Madrid ist kein geringerer als der damals nach Frankreich geflüchtete Lorenzo. Der ehemalige Mönch ist inzwischen dreifacher Familienvater und sichtlich hocherfreut, Goya wieder zu sehen. Er gibt sogleich ein neues Gemälde in Auftrag, diesmal zusammen mit seiner kompletten Familie. Geld spiele nun keine Rolle mehr. Ja, selbstverständlich erinnere er sich auch noch an die hübsche Inés, fügt Lorenzo lächelnd an. Wie es ihr denn gehe, will er von Goya wissen. Als er der stark gealterten und völlig verwahrlosten Inés jedoch gegenübersteht, wird Lorenzos Lächeln dünner. Behauptet sie doch, ein Kind im Kerker zur Welt gebracht zu haben, das man ihr weggenommen habe. Schnell erringt Lorenzo seine Fassung wieder und komplimentiert die sichtlich verwirrte Frau aus seinem Büro. Nachdem er Goya zugesichert hat, sich um alles zu kümmern, lässt er Inés auf direktem Weg ins Irrenhaus einliefern. Keiner soll ihn jetzt noch mit seinen Schandtaten vor 16 Jahren in Verbindung bringen können.

Heimlich forscht Lorenzo weiter nach der vermeintlichen Tochter. Bald erfährt er, dass das Mädchen, das in einem kirchlichen Waisenhaus aufgewachsen ist, Alicia heißt, heute 15 Jahre alt ist und wieder in Madrid lebt. Nachdem er sie gefunden hat, bietet er ihr Geld für einen Neuanfang in Amerika, einzige Bedingung: sie soll sofort die Stadt verlassen. Doch Lorenzos Plan geht nicht auf, denn Alicia lehnt sein Angebot ab und flieht.

Auch Goya hat Alicia (Natalie Portman) inzwischen gefunden. Während er im Park das alltägliche Leben der Madrileños portraitiert, entdeckt er sie eher zufällig aufgrund ihrer auffälligen Ähnlichkeit mit der jungen Inés. Während Goya nun alles daran setzt, Mutter und Tochter wieder miteinander zu vereinen, gibt Lorenzo die Zwangsdeportation von Alicia in Auftrag. Derweil verbreitet sich die Nachricht von der Niederlage Napoléons. Lorenzo muss erneut fliehen, und noch einmal kommt es zu einem schicksalhaften Wiedersehen zwischen ihm, Goya und Inés...

 

Produktionsnotizen

Die Vorgeschichte

Bereits vor 50 Jahren, als Milos Forman in der Tschechoslowakei an der Filmhochschule studierte, kam ihm der Gedanke, einen Film über den großen spanischen Maler Francisco Goya zu machen. „Eigentlich war Goya gar nicht der Ausgangspunkt", erinnert sich Forman, „es begann mit einem Buch über die spanische Inquisition, das ich während meines Studiums gelesen hatte. Es ging um einen Vorfall, bei dem jemand fälschlicherweise eines Verbrechens bezichtigt wurde, was ich als den Ausgangpunkt einer starken Geschichte betrachtete. Immerhin gab es eine ganze Reihe von Parallelen zwischen der spanischen Inquisition und der kommunistischen Gesellschaft, in der wir damals lebten. Doch dann vergaß ich die Geschichte."

Gute Ideen aber gehen nicht unter, selbst dann nicht, wenn man vorübergehend nicht an sie denkt. Sie überdauern im Hinterkopf. 30 Jahre später tauchte sie wieder auf, als Forman und der unabhängige Produzent Saul Zaentz in Madrid ihren Film AMADEUS (1984) präsentierten. AMADEUS war nach EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST (1975) beinahe zehn Jahre zuvor die zweite Zusammenarbeit der beiden, die mit Academy Awards belohnt wurde. „Milos und ich wohnten in Madrid in einem Hotel direkt gegenüber dem Prado. Da erzählte mir Milos, dass er noch nie das berühmte Hieronymus Bosch-Triptychon Der Garten der Lüste gesehen hatte, das zu den größten Schätzen des Museums gehört", erinnert sich Zaentz. „Aber der Prado hat noch andere große Kunstwerke inklusive der größten Sammlungen von Gemälden von Goya, die wir uns bei der Gelegenheit ebenfalls ansahen. Wir kannten sie zwar, hatten sie aber noch nie im Original gesehen. Ihnen gegenüber zu stehen war einfach großartig. Das Gemälde eines Hundes beeindruckte uns besonders. Wenn man seine Abbildung in einem Buch sieht, stellt man es sich so groß vor wie eine Kinoleinwand, weil es so wunderbar gemalt ist. Steht man aber davor, stellt sich heraus, dass es nur etwa ein Meter mal einen halben Meter groß ist, aber man ist keineswegs enttäuscht."

Forman war von Goya und seiner Art zu arbeiten fasziniert. „Seine Gemälde überwältigten mich und ich konnte nicht aufhören über ihn nachzudenken", erzählt er. „Ich war überzeugt, dass Goya der erste moderne Maler war, und mehr als je zuvor wollte ich einen Film über ihn machen." Noch während des Museumsbesuches erzählte Forman Zaentz von dem Buch, das er Jahre zuvor gelesen hatte und er begann laut über die Idee nachzudenken einen Film zu machen, der die Inquisition und Goya miteinander verknüpfen würde. „Allerdings brauchten wir für die Idee eine Geschichte, die sie tragen konnte. Eine Geschichte, die wir beide mit Leidenschaft entwickeln und realisieren konnten", sagt der Produzent, der von der Grundidee sehr angetan war.

Über die Zeit diskutierten Zaentz und Forman die Idee immer wieder und fassten sogar einen bestimmten Autor ins Auge, der einen ersten Entwurf der Geschichte schreiben sollte. Allerdings entschieden sie sich dann für einen alten Mitstreiter Formans, den Autoren Jean-Claude Carrière, mit dem er und Zaentz schon zuvor erfolgreich zusammen gearbeitet hatten. „Jean-Claude ist ein Bruder im Geiste", erklärt Forman. Er und Carrière trafen sich zum ersten Male 1966 beim Filmfestival von Sorrento in Italien. Zu diesem Zeitpunkt hatte Forman bereits einige Filme gemacht, darunter DER SCHWARZE PETER (Cerný Petr, 1963) und A BLONDE IN LOVE (Lásky jedné plavovlásky, 1965) und Carrière hatte gemeinsam mit dem spanischem Regisseur Luis Buñuel das Drehbuch zu TAGEBUCH EINER KAMMERZOFE (1964) geschrieben und mit Louis Malle das Skript zu VIVA MARIA (1965) verfasst. Forman und Carrière blieben in Kontakt nachdem Forman die Tschechoslowakei verlassen hatte und arbeiteten später gemeinsam an den Drehbüchern zu TAKING OFF (1971) und VALMONT (1989). „Milos’ Idee beeindruckte mich", erzählt Carrière, „nun ja, es war nicht wirklich eine Idee, es war vielmehr das große Bedürfnis, einen Film über das Spanien zu Goyas Zeit zu machen. Und Goya würde ein natürlicher Teil der Geschichte werden, da es ja um seine Zeit ging - eine sehr turbulente und interessante Zeit übrigens. Das Ende des 18. und der Anfang des 19. Jahrhunderts sind aufgrund der französischen Revolution und dem bevorstehenden Aufstieg Napoléons wahrscheinlich eine der wichtigsten Epochen europäischer Geschichte. Zu jener Zeit war Frankreich das Zentrum Europas und es ist sehr interessant zu sehen, wie sich die Ereignisse dort auf Spanien auswirkten, insbesondere nachdem Napoléon das Land erobert hatte. Zum Ende des 18. Jahrhunderts war Spanien trotz einer gewissen Modernität die wohl rückständigste Nation in Westeuropa. Es war katholisch und konservativ und wurde von einem König regiert, der zur selben Familie gehörte wie der französische König. Die Werke der großen Philosophen des 18. Jahrhunderts und die Aufklärungen hatten in Spanien so gut wie gar keinen Einfluss. Die Inquisition war dort noch in vollem Gange und richtete nach wie vor großen Schaden in der Bevölkerung an."

„Dieser Zeitabschnitt faszinierte mich deshalb so stark, weil er mit all seinen Paradoxen und Veränderungen, die sich in ihm abspielten, jene Zeiten reflektierte, die ich selber durchlebt hatte", berichtet Forman. „Zuerst eine Demokratie, dann das Dritte Reich, dann die Kommunisten, dann wieder eine Demokratie, danach erneut die Kommunisten und jetzt wieder eine Demokratie. Dieser Wechsel ähnelt dem Spanien Anfang des 19. Jahrhunderts. König Carlos repräsentierte die alte Garde, als plötzlich Napoléon das Land besetzte und mit ihm der Fortschritt kam, die Ideale und Werte der französischen Revolution. Aber was ist das? Dies erinnert mich an die Zeit in meinem Leben, als die Sowjets der Tschechoslowakei ‚Freiheit’ brachten. Anstatt den Spaniern wirklich Freiheit zu geben, installiert Napoléon seinen Bruder auf dem spanischem Thron bis er und die Franzosen von Wellington und den Briten vertrieben wurden, die dann aber der repressiven spanischen Monarchie zurück an die Macht verhalfen. Eine fürwahr sehr interessante Zeit!"

Carrière und Forman waren davon überzeugt, dass Goya die ideale Figur war, um mit ihr die Geschichte dieser Zeit zu erzählen. Goya wurde lange vor der französischen Revolution geboren und starb lange nach ihr. „Ich glaube nicht, dass Goya eine bewusste Rolle in der damaligen Politik spielte. Er war nur ein unglaublicher Beobachter, wie ein Journalist", ist Forman überzeugt. „Er kommentierte und zeichnete die Dinge auf, deren Zeuge er wurde. Wie er es im Film ausdrückt: ‚Ich male, was ich sehe’." Carrière fügt hinzu: „Goya malte die Könige und Königinnen Spaniens, ihre Kinder, die ganze Familie und da er in den königlichen Palast eingelassen wurde, auch den Hofstaat und die Menschen, die dort arbeiteten. Aber gleichzeitig kannte er das Leben der normalen Menschen. Er ging durch die Straßen, besuchte Tavernen und hielt diese Szenen in Zeichnungen und Gravuren fest. Viele davon wie die Serien Los Caprichos, zu denen auch der Stich Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer gehört, sowie Desastre de la Guerra sind zu Recht berühmt geworden. Er portraitierte einen Inquisitor oder den Bruder Napoléons ebenso wie einfache Bürger und Soldaten. Goya verstand das Wesen eines jeden."

Forman, Zaentz und Carrière waren sich allerdings bewusst, dass ein reines Goya Biopic oder eine didaktische Darstellung der Inquisition innerhalb der Parameter des Films, der ihnen vorschwebte, nicht funktionieren würde. Sie wollten eine neue, frische Herangehensweise, und so versenkten sie sich immer tiefer in das Projekt und die spanische Geschichte. Sie konzentrierten sich auf die gewählte Periode und lasen alles, was sie über Goya und die Inquisition finden konnten. Um ihr Verständnis von Land und Leuten zu vertiefen, verbrachten Forman und Carrière, der spanisch spricht und das Land gut kennt, zusätzlich mehrere Wochen auf dem spanischen Land.

Das Drehbuch

2003, beinahe 20 Jahre nachdem Forman und Zaentz im Prado zum ersten Mal über die Idee eines Goya-Projekts nachgedacht hatten, wurde es ernst. Forman und Carrière gingen in Formans abseits gelegenem Haus in Connecticut in Klausur und schrieben dort in zehn-Stunden-Tagen eine erste Fassung des Drehbuchs. „Eine Charakteristik Goyas, die Milos und ich gut für die Geschichte verwenden konnten, war sein Einsatz für seine Kunst", erzählt Carrière. „Er malte jeden, egal ob einen Geistlichen der Inquisition oder den Herzog von Wellington, der die Spanier von den Franzosen befreit hatte. Prinzipiell war er apolitisch. Er hatte kein Interesse daran, sich mit Politik auseinanderzusetzen, sich zu engagieren oder die sozialen Umstände zu verbessern. Er wollte bloß malen. Als Gegenstück entschlossen wir uns, Goya einen Charakter gegenüber zu stellen, der nicht nur ein guter Bekannter ist, sondern auch sein Gegenstück was Temperament und philosophische Ansichten angeht. Dieser Charakter sollte intelligent sein, den Wunsch haben, die Welt zu verändern und sich in der politischen Bewegung seiner Zeit engagieren. Und so machten wir Pater Lorenzo zur Hauptfigur unseres Films. Er ist Priester der Inquisition und Inquisitor, der seine Weltsicht radikal ändert und ein Verfechter der französischen Freiheitsideale wird. Zuerst ist Pater Lorenzo ein blinder Anhänger der Inquisition. Er glaubt fest daran, dass der Untergang Spaniens darin begründet liegt, dass die Inquisition zu schwach geworden ist. Sein Ziel ist es, die alte Macht der Inquisition und ihren Einfluss wieder herzustellen, was jedoch unmöglich ist. 16 Jahre später lernen wir einen Lorenzo kennen, der sich komplett verändert hat. Er hat seine Robe abgelegt, ist nach Frankreich geflohen, um schließlich als ein Minister in der Regierung Bonapartes und glühender Verfechter der Prinzipien der französischen Revolution nach Spanien zurückzukehren. Doch tief in seinem Inneren ist er der selbe Mann geblieben, und es ist ihm nicht möglich, seiner Vergangenheit zu entfliehen. Aber er ist kein Bösewicht. Er glaubt, sein Handeln würde dazu führen die Welt zu verbessern, doch in Wirklichkeit führen die Resultate seines Handelns eine Katastrophe herbei."

Die dritte Hauptfigur des Films ist Inés Bilbatua, eine Frau, die zu beiden Männern in einer Beziehung steht. Zuerst ist sie die jugendliche Muse Goyas, die später von Pater Lorenzo und der Inquisition angeklagt wird: „Inés ist ein junges Mädchen aus einer renommierten spanischen Familie. Ihr Vater ist ein reicher Kaufmann und die Familie besteht aus gläubigen Christen", sagt Carrière. „Eines Abends in einer Taverne wird sie von Spionen der Inquisition dabei beobachtet, wie sie es ablehnt, Schweinefleisch zu essen. Daraufhin wird sie verdächtigt, heimlich jüdischen Praktiken zu folgen. Dies ist der Ausgangspunkt unserer Geschichte, denn das unschuldige Mädchen wird vor die Inquisition geladen und ausgefragt, womit der ganze Horror beginnt."

Die Besetzung

Mit Zaentz’ Anleitung und Unterstützung arbeiteten Forman und Carrière intensivst an mehreren Drehbuchfassungen bevor man gleichermaßen mit einer zufrieden war. Nachdem dies erreicht war, kümmerte sich Zaentz um die Finanzierung des Films und gab grünes Licht für den Dreh. Die Drehvorbereitungen begannen mit der gleichzeitigen Suche nach den geeigneten Drehorten und der Besetzung des Films. Regisseur, Produzent und Autor waren bei diesen beiden Dingen einer Meinung. Jeder von ihnen war überzeugt, dass es für die Authentizität des Films unabdingbar war, ihn an Originalschauplätzen in Spanien mit so vielen spanischen Schauspielern und Teammitgliedern wie möglich zu drehen. Alle Filme, die Forman und Zaentz zuvor gemeinsam gemacht hatten, waren an Originalschauplätzen entstanden. Dieser Film würde keine Ausnahme darstellen.

Mit diesen Vorgaben im Hinterkopf wurde die Ausstatterin Patrizia von Brandenstein hinzugezogen, mit der Forman schon des Öfteren zusammen gearbeitet hatte und die für ihre Arbeit an AMADEUS (1984) mit dem Oscar ausgezeichnet worden war. Von Brandenstein hatte bereits einige Jahre zuvor mit einer spanischen Produktionsfirma zusammen gearbeitet, von der sie glaubte, dass sie geeignet sei, die richtigen Drehorte zu finden und die erforderliche Produktionslogistik bereit zu stellen. Auch Produzent Zaentz kannte die Firma, mit der er 1978 an der animierten Version von DER HERR DER RINGE zusammen gearbeitet hatte. Denise O’Dell, die Geschäftsführerin dieser Produktionsfirma namens KanZaman, ist eine in England geborene Produzentin, die seit mehreren Jahren in Spanien lebt und arbeitet. „Als mir Saul von dem Projekt erzählte, war ich begeistert", erinnert sich O’Dell. „Insbesondere nachdem er mir sagte, dass sein Team hauptsächlich aus Spaniern bestehen sollte."

Nachdem KanZaman als Line Producer zugesagt hatte und die Locationsuche angelaufen war, begann die schwierige Aufgabe des Castings. Von Anfang an wollten Forman und Zaentz Javier Bardem für ihren Film, den sie schon in der Rolle Goyas sahen. Bardem, der 2002 für den Oscar in seiner Rolle als der kubanische Poet, Romanautor und Dissident Reinaldo Arenas in Julian Schnabels BEFORE NIGHT FALLS (2000) nominiert war, ist einer der populärsten, charismatischsten und anerkanntesten jungen Schauspieler Spaniens. Gerne erinnert sich Javier Bardem an das erste Treffen mit Forman und Zaentz: „Als Spanier dachte ich, dass ich Goya spielen würde. Das wäre nur natürlich gewesen." Doch Bardem wusste noch nicht, dass sich die Bedeutung Goyas in der Geschichte geändert hatte und nun der fiktionale Charakter des Pater Lorenzos zur zentralen Figur des Films geworden war. „Nach langen Diskussionen hat sich herausgestellt, dass unsere Geschichte nicht funktionieren würde, wäre Goya der Hauptprotagonist geblieben", erinnert sich Zaentz. „Er war ein wichtiger, unverzichtbarer Charakter für die Geschichte, aber eben nicht die Hauptfigur." Folglich wollten Forman und Zaentz, dass Javier Bardem nun Pater Lorenzo spielte. „Einige Tage nach dem Treffen fragte uns Javier, wie wir mit dem Buch voran kämen. Wir sagten ihm, dass sich mit seiner Rolle etwas geändert hätte, dies aber keinen Einfluss auf den Eindruck hätte, den er mit dem Film hinterlassen würde", erzählt Zaentz. „Das machte ihn neugierig. Doch anstatt es ihm zu erklären, schickten wir ihm das Drehbuch, damit er selbst sehen und verstehen konnte, warum wir wollten, dass er nun Pater Lorenzo spielte." Bardem war von Lorenzo begeistert: „Es ist eine sehr viel größere Herausforderung, nicht den Charakter zu spielen, der von einem erwartet wird. Lorenzo ist ein Mann mit festen Glaubensansichten. Ich würde ihn als Fanatiker charakterisieren. Aber er ist kein Bösewicht, kein Verrückter, er ist ein leidenschaftlicher Mann, der gelegentlich unkontrollierbar ist."

Als nächstes musste ein geeigneter Schauspieler für die Rolle des Goya gefunden werden, was allerdings an eine Bedingung verknüpft war. „Ich wollte nicht, dass das Gesicht Goyas schon von woanders her bekannt war", führt der Regisseur aus. „Bei den fiktiven Charakteren Inés und Lorenzo spielt es keine Rolle, wenn sie von bekannten Gesichtern repräsentiert werden, doch Goya erscheint unerwartet aus dem Nichts. Der Zuschauer sollte ihn nicht schon von woanders her erkennen können." Saul Zaentz erinnert sich, wie sie schließlich ihren Darsteller fanden: „Milos und ich befanden uns auf dem Rückflug in die USA und Milos schaute einen der Filme aus der EXORZIST-Reihe, als er zu mir sagte, ‚Da ist unser Goya.’ und ich fragte: ‚Wo?’ Milos zeigte auf den Bildschirm und auf Stellan Skarsgård. ‚Ich kenne ihn’, sagte ich zu Milos. Er spielte eine Rolle in DIE UNERTRÄGLICHE LEICHTIGKEIT DES SEINS (1987), den ich produziert habe. Ich finde er passt hervorragend." Der Schwede Stellan Skarsgård ist vor allem durch seine Rollen in GOOD WILL HUNTING (1997) und BREAKING THE WAVES (1996) bekannt. „Skarsgård gehört zu der Sorte Schauspieler, an die man sich nicht als Schauspieler erinnert, sondern als die Rolle, die er im jeweiligen Film verkörpert", erklärt Zaentz. Skarsgård war hoch erfreut, als man ihm die Rolle anbot. „Natürlich habe ich eine andere physische Erscheinung als Goya", räumt er ein. „Doch wir stellen ja nicht den wirklichen Goya dar, schließlich handelt es sich um eine fiktionale Geschichte."

Für die Rolle der Inés Bilbatua, Goyas jugendlicher Muse, entschied man sich für Natalie Portman, die für Mike Nichols HAUTNAH (2004) mit dem Golden Globe als Beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde und in dieser Kategorie für den Oscar nominiert war. Interessanterweise wünschte sich Milos Forman sie in dieser Rolle ohne genau zu wissen, wer sie war. „Ich kannte Natalie Portman überhaupt nicht", gibt Forman zu. „Ich hatte eine Ausgabe der Vogue oder einem anderen Modemagazin gekauft und las es, um mich abzulenken, als mich das Foto einer jungen Dame auf dem Cover in seinen Bann zog. Es stellte sich heraus, dass es sich um Natalie handelte. Und während ich sie betrachtete, öffnete ich ein Buch über Ein Milchmädchen in Bordeaux, Goyas letztes Bild. Und ich war überrascht, als ich feststellte, dass beide das gleiche Gesicht haben. Also erkundigte ich mich nach dieser Schauspielerin und fand heraus, dass sie sehr populär ist. Dann schaute ich mir HAUTNAH an und war erstaunt, wie gut sie darin ist. Da wusste ich, dass ich sie unbedingt für meinen Film haben wollte. Ihre Bandbreite ist erstaunlich groß, und das war in diesem Fall sehr wichtig. Denn genau genommen spielt sie in GOYAS GEISTER verschiedene Figuren." „Ich war sehr verwundert, als ich herausfand, dass Milos mich deshalb engagieren wollte, weil er ein Foto von mir gesehen hatte, das einem Gesicht in einem Gemälde ähnelt und nicht aufgrund meines Schaffens", wundert sich Portman noch immer. „Als ich nach Paris fuhr, um ihn zu treffen, war ich bereit für die Rolle vorzusprechen oder Testaufnahmen zu machen. Als ich dann das Angebot erhielt, war ich sehr gespannt. Inés lebte in einem Zeitabschnitt, über den ich nichts wusste. Diese Rolle unterschied sich in allem, was ich je zuvor gemacht hatte."

Weiterhin wurden zwei weitere Rollen mit international bekannten Schauspielern besetzt: Randy Quaid, der kürzlich eine Nebenrolle in dem Oscar gekrönten BROKEBACK MOUNTAIN (2005) von Ang Lee spielte und hier als König Carlos IV. von Spanien zu sehen ist, sowie der herausragende französisch-englische Schauspieler Michael Lonsdale, der die Rolle des Großinquisitors übernahm. Lonsdales beeindruckende Karriere weist solche Filme auf wie Fred Zinnemanns DER SCHAKAL (1973), François Truffauts GERAUBTE KÜSSE (1968), Louis Malles HERZFLIMMERN (1971) oder Steven Spielbergs MÜNCHEN (2005). Andere Schlüsselrollen hingegen wurden mit einigen von Spaniens talentiertesten Schauspielern besetzt, darunter José Luis Gómez, Mabel Rivera (DAS MEER IN MIR, 2004), Raymund Guerra, Blanca Portillo (VOLVER – ZURÜCKKEHREN, 2006) oder Unax Ugalde. Parallel zur Auswahl der Besetzung wurde auch ein aus Spaniern bestehendes Produktionsteam engagiert.

Als Director of Photography wurde Javier Aguirresarobe verpflichtet, der u.a. zwei Filme des spanischen Regisseurs Alejandro Amenábar fotografierte: THE OTHERS (2001) sowie DAS MEER IN MIR (2004). Für seine Kameraarbeit wurde Aguirresarobe sechs Mal mit dem spanischen Filmpreis Goya ausgezeichnet. Für die Ausstatterin und Oscar-Gewinnerin Patrizia von Brandenstein war GOYAS GEISTER bereits die fünfte Zusammenarbeit mit Milos Forman. Von Brandenstein war u.a. auch für die Ausstattung von Harold Ramis THE ICE HARVEST (2005) und Steven Zaillians ALL THE KING’S MEN (2006) verantwortlich. Die Kostüme entwarf die Oscar-Gewinnerin Yvonne Blake (für NIKOLAUS UND ALEXANDRA, 1971), die zuvor an einigen spanischen Produktionen mitgewirkt hatte und für Richard Lesters DIE VIER MUSKETIERE (1975) für den Oscar nominiert war.

Die Dreharbeiten

Die Dreharbeiten zu GOYAS GEISTER begannen am 5. September 2005 mit ersten Aufnahmen in Goyas Atelier. Das Studio hatte von Brandenstein in einem Gebäude eines verlassenen Guts in der Nähe von Madrid in dem Örtchen San Martà­n de la Vega eingebaut. Hier drehte Forman die Szenen, in denen Goya Portraits von Inés und Pater Lorenzo malt. Auch die Szenen, in denen Goya in gewissenhafter Konzentration an seinen Stichen arbeitet, wurden in diesem Atelier gedreht. Szenen, die in einem Irrenhaus und in den Kerkern der Inquisition spielen, wurden ebenfalls in dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Gut gedreht. Das Gelände ermöglichte jeden Kamerawinkel und auch sonst eignete es sich mit seinen ein- und zweigeschossigen Häusern und offenen Flächen hervorragend für die Dreharbeiten. „In seiner besten Zeit lebten 300 Menschen auf dem Gutshof", erzählt Produzent Saul Zaentz. „Für den Film haben wir alles genutzt, was der Ort hergab. Lagerstätten für Getreide oder Gerätschaften wurden unsere Kerker und die beiden Scheunen wurden in eine Verhörkammer beziehungsweise in Kerkerzellen umgebaut."

Die Dreharbeiten in San Martà­n wurden kurz unterbrochen, um Szenen in dem im Herzen Madrids liegenden Retrio Park zu drehen. Danach beendete man den Dreh in San Martà­n und zog weiter in die zwei Stunden weiter nördlich gelegene Stadt Segovia, wo Forman die Invasion Spaniens durch Napoléons Truppen inszenierte. Segovia dient hier als das alte Madrid, da der restaurierte, historische Ortskern mit seinen schmalen Wegen, seinem Autofahrverbot und den romanischen Kirchen dem Aussehen der spanischen Hauptstadt vor 200 Jahren ähnelt. Auf dem Marktplatz entstanden die Szenen, in denen die berittene französische Armee – unterstützt von Mamelucken, einer historischen Kriegerkaste Ägyptens, die Napoléon in sein Heer integriert hatte – in die Stadt einfällt, während sie die spanischen Bürger ‚befreit’, jedoch den Ort in ein allgemeines Chaos stürzt, Frauen vergewaltigt, Geschäfte plündert und wahllos tötet. Forman drehte die Invasion mit zwei Teams zusammen mit seinem langjährigen Produktionsassistenten Michael Hausman. Auf dem Platz mit seiner angrenzenden, strengen romanischen Architektur wurden auch einige Schlüsselszenen gedreht, die vor dem Haus der Bilbatua-Familie spielen.

Zurück in Madrid wurde in den Räumen und Parks einiger königlicher Paläste gedreht, die sich außerhalb der Stadt befinden. Ein jeder dieser Paläste – Vinuelas, El Pardo und La Quinta – ist Teil des nationalen spanischen Erbes, des Patrimonio. In Vinuelas drehte Forman die Sequenz, in der Königin Marà­a Luisa für Goya auf einem Pferd für ein Gemälde posiert, als die Sitzung von der Ankunft König Carlos’ unterbrochen wird, der von einer Jagd zurückkehrt. Die Jagdgesellschaft des Königs wurde in dem hügeligen Park von Vinuelas gedreht, wo es eine freilebende Herde Hirsche gibt. Ebenfalls in Vinuelas wurde eine Szene mit Pater Lorenzo gedreht, jetzt als Minister der von Frankreich eingesetzten Regierung, wie er von einer Gruppe bewaffneter Bauern angepöbelt wird.

Weitere Dreharbeiten fanden in zwei Palästen statt, die sich auf dem nicht weit von Vinuelas inmitten einer bewaldeten Parklandschaft gelegenen königlichen Besitz von Monte de El Pardo befinden. Ein Drehort war das Jagdschlösschen El Pardo. Es stammt aus der Zeit der Habsburger und ist großzügig mit Fresken und Teppichen geschmückt. Das Jagdschlösschen repräsentierte den Königlichen Palast in Madrid, wo Goya als Gast von König Carlos Zeuge wird, wie ein Bote die Nachricht von der Exekution König Louis XVI. von Frankreich durch die Revolutionstruppen überbringt. Weitere Bilder, die in El Pardo gedreht wurden, waren eine Szene, die Napoléon im Gespräch mit seinen Ministern zeigt, und eine Sequenz, in der Inés’ Familie eine Audienz bei König Carlos erhält, in der sie ihn bittet zugunsten Inés Einfluss auf die Inquisition zu nehmen.

In La Quinta, einem weiteren Jagdschlösschen auf dem Gelände von Monte de El Pardo, das in eine vorübergehende Residenz für den spanischen Diktator Francisco Franco umgebaut worden war, wurden mehrere Szenen gedreht, die im Hause und im Büro Lorenzos spielen, nachdem dieser als Minister des von Bonaparte eingesetzten Regimes nach Spanien zurückgekehrt war. In einer sehr dramatischen Sequenz konfrontiert Goya gemeinsam mit einer sich stark veränderten Inés Lorenzo. In einer anderen versucht Goya Lorenzo davon abzubringen, alle bekannten Häretiker Madrids nach Amerika ins Exil zu schicken.

Von hier aus zog das Team in die hügelige Landschaft in der Nähe des Städtchens Ocana, das nahe Toledo gelegen ist. Dort drehte Forman wie Wellington mit seiner Armee von Portugal aus die spanische Grenze überschreitet, die französische Besatzungsmacht zurückschlägt und Spanien befreit. In der gleichen Gegend, aber etwas höher in den Bergen, drehte Forman dann noch eine Jahre früher angesiedelte Szene, in der ein französischer Kommandant sich an seine Truppen wendet, kurz bevor sie gen Spanien marschieren.

Die epische Natur der Geschichte und die für die große Leinwand geschaffenen Effekte in GOYAS GEISTER – riesige Panoramen wechseln mit intimen Szenen voll großer Dramatik, von denen eine jede ihre eigene Intensität ausstrahlt, gepaart mit der Schaffung einer spezifischen historischen Zeit – war für jeden einzelnen Beteiligten an dem Film eine große Herausforderung. Neben Forman selbst war aber wohl niemand so stark in die physischen Aspekte der Produktion eingebunden wie die Ausstatterin Patrizia von Brandenstein. „Es ist ein überwältigendes Angebot und zugleich eine wahnsinnige Herausforderung eine historische Periode mit all ihren Details für einen so anspruchsvollen Regisseur wie Forman wieder aufleben zu lassen", reflektiert von Brandenstein. „Wenn man eine solche Aufgabe angeht, schaut man sich zuerst einmal das Offensichtliche an: Gemälde, Bücher der Zeit, Literatur über die Zeit sowie über Goya, von denen es mehr als genügend gibt. Doch ich mag es, mich mit den Briefen eines Zeitalters auseinanderzusetzen. Die Briefe der Herzogin von Alba, von Königin Marà­a Luisa und dem König sind in englischer Übersetzung zugänglich und sie bieten mir einen Reichtum an Material um damit zu arbeiten. Dann muss man sich natürlich mit den Maltechniken auseinandersetzen, die Goya verwendete. Goyas Bedeutung für die spanische Nation kann nicht überbewertet werden. Er ist einzigartig. Für das Land stellt er eine Art Vaterfigur da."

Diese Einschätzung bestätigt auch der Spanier Javier Bardem: „Die Spanier verehren Goyas Arbeit", sagt Bardem. „Ich glaube, dass Goya der erste Maler ist, dessen Arbeit als eine Art Journalismus fungierte. Er war der erste Künstler, dem es möglich war die Könige, den Reichtum und die Glorie der spanischen Monarchie zu malen, die ihren Beitrag für das Spanien beisteuerten, das wir heute haben. Doch Goya war auch in der Lage das Elend der Straße, den Horror seiner Zeit aus dem gleichen Blickwinkel wiederzugeben wie er auch die Majestäten malte. In jedem seiner Werke wird die Emotionalität spürbar, die er den dargestellten Dingen beigemessen hat." Carmen Ruiloba, die GOYAS GEISTER als historische Beraterin begleitete, erklärt die Signifikanz, die Goya für die Spanier hat: „Einer meiner Universitätsprofessoren sagte immer wieder, Goya sei Teil der Familie. Er sei der Großvater eines jeden Spaniers. Goya ist ein Genie, der mit seiner Kunst direkt das Herz der Menschen anspricht und der in seinen Werken die Zukunft anspricht. Alles was er vor 200 Jahren über Krieg, über wunderschöne Gräfinnen, über den gemeinen Mann in der Straße, über die Armen und Geschundenen sagte, ist heute noch immer gültig. In der akademischen Terminologie ist Goya essentiell für die Kunst. Viele bezeichnen ihn als den ersten modernen Maler. Und in der Tat stellt er die Verbindung zwischen dem Klassizismus und der Moderne dar."

Ein solcher Charakter ist eine Herausforderung für jeden Schauspieler. Stellan Skarsgård arbeitete lange daran, eins zu werden mit Goya. „Ich sage Ihnen, ich habe wirklich lange daran gearbeitet Goya kennen zu lernen. Jeder, der an dem Film mitwirkte, hat daran gearbeitet heraus zu finden, wer und was Goya darstellte und wie er lebte und arbeitete", erzählt Skarsgård. „In den Szenen in seinem Studio wandten wir seine Formel für Stiche so genau an, dass wir selbst welche hätten herstellen können. Wir kannten die Rezepte für die Farbmischungen, die er bevorzugte. Wir waren sogar in der Lage die Skizzenhefte zu kopieren, die er benutzte. Goya stieß in Italien auf diese Hefte und trug seitdem immer eines bei sich, um sofort eine Skizze machen zu können." Die Echtheit und Atmosphäre der Kulissen halfen Skarsgård dabei, Goya als einen lebendigen, atmenden Menschen darzustellen. „Das Ziel aber ist es, die innere Seele des Charakters zu verstehen, den Milos Forman und Jean-Claude Carrière geschaffen haben. Sie haben ihn als jemanden geschrieben, der Mitgefühl für alles entwickelt, das er malt. Gleichzeitig wahrt er Abstand wie es manche Künstler tun. Ihm ist ganz klar nicht daran gelegen, sich den Mächten der Inquisition in den Weg zu stellen, und er respektiert seine junge Muse Inés, obwohl in manchen Szenen sehr deutlich wird, dass er sie liebt. Immer dann wenn er Engel in einer Kirche malt oder das hübsche, liebliche Gesicht einer jungen Frau benötigt, verwendet er ihr Gesicht."

Javier Bardem begegnet dem schwedischen Schauspieler mit großer Ehrfurcht. „Die Beziehung zwischen Goya und meinem Charakter Lorenzo spiegelt die Beziehung von Menschen wieder, die sich zugleich respektieren und fürchten. Goya ist ein freier, unabhängiger Mensch. Lorenzo hingegen stützt sich auf das Dogma, die Ideen und die Machtstrukturen seiner Zeit. Er hat eine Machtbasis in der Gesellschaft, Goya nicht. Dabei zuzusehen wie Stellan, ein Mann aus dem Norden Europas, einen Charakter schafft, der die Seele Spaniens ist, ist schon eine Art von Wunder." Milos Forman schließt sich dem Lob an. „Subtilität ist der Schlüssel. Es ist immer eine Gefahr, Genies wie Goya übergroß darzustellen, doch Stellan arbeitet sehr subtil und ich glaube jedes seiner Worte und jede seiner Gesten."

Schaut man genau hin, so hat ein jeder der Hauptdarsteller, egal ob er nun einen fiktiven oder historischen Charakter spielt, eine ähnliche Aufgabe zu bewältigen: eine Figur aus einem Drehbuch auf der großen Leinwand zum Leben verhelfen. Im Gegensatz zu Stellan Skarsgård verfügten Javier Bardem und Natalie Portman über keinen objektiven Standard, an dem sie sich orientieren konnten. Sie mussten ihre Charaktere aus ihrer Vorstellungskraft heraus entwickeln. Instinktiv gelang es Natalie Portman, sich in ein junges Mädchen wie Inés und in die historische Tragödie, die ihr Leben bestimmt, hinein zu versetzen. „Ich habe einige Bücher über junge Frauen gelesen, die vor der Inquisition aussagen mussten. Es gibt beeindruckende Abschriften von Aussagen, die unter Folter erfolgten und die beinahe identisch sind mit Inés’ Dialogzeilen. ‚Sagt mir, was Ihr hören wollt und was die Wahrheit ist’, bitten sie. Mir ist klar, dass sich der Film ein paar Freiheiten erlaubt, was die zeitliche Einordnung betrifft. Die Inquisition war zu der Zeit, in der der Film spielt, so gut wie vorüber. Dennoch sind solche Dinge tatsächlich passiert."

Nach Abschluss der Dreharbeiten in den königlichen Palästen und in Orcana zog das Team in Richtung Norden in die Provinz Aragon weiter. In dem mittelalterlichen Kloster von Veruela wurden Szenen im Inneren der Macht der Inquisition gedreht. Die Außenansicht des Hauptquartiers der Inquisition wurde in der mittelalterlichen Stadt Salamanca gedreht, wo sich die älteste Universität Spaniens und Europas befindet. Dies sind die Orte, an denen Pater Lorenzo zu Beginn des Films ansässig ist. Als Mann des Glaubens ist er Teil der Institution, der er dient und Bardem fiel es schwer, die Motivation eines solchen Menschen zu verstehen. „Das erste, was ich tat, nachdem ich die Rolle bekommen hatte, war so viele Bücher über die Zeit zu lesen wie ich konnte und mit Menschen zu sprechen, die sich mit der Zeit auskannten", erzählt er. „Ich habe auch mit einigen Geistlichen gesprochen, die natürlich nicht in jener Zeit lebten, die aber Lorenzos Motivation nachvollziehen konnten. Das hat mir sehr geholfen. Für einen fiktionalen Film muss man jedoch ab einem gewissen Punkt wieder alles vergessen, was man sich angeeignet hat und einen Charakter schaffen. Ansonsten denkt man nur daran, was die Figur tun sollte oder nicht, und man ist nicht frei eine eigene Figur zu erschaffen." Die größte Herausforderung für Bardem lag darin, Lorenzos widersprüchliche Eigenschaften zu verbinden: den Eiferer der Inquisition in der ersten Hälfte; den eifrigen Verfechter der französischen Revolution in der Zweiten. „Ich habe mir Sorgen gemacht, wie ich die beiden Eigenschaften verbinden kann, doch es gibt Hinweise und eine zugrundeliegende Psychologie, die beide Elemente verbindet. Zu aller erst war wichtig, Lorenzo als normalen Menschen zu zeigen, der seine eigenen Wünsche und Ziele hat, die die Zuschauer nachvollziehen können. Wir wollten ihn nicht als Bösewicht portraitieren. Er ist ein Mensch, der auch unter widrigen Umständen das Beste erreichen will, so wie er es gelernt hat. Ebenso schwierig war es, außerhalb der zeitlichen Kontinuität zu drehen. An dem einen Tag war ich Priester, am anderen der Revolutionär und drei Stunden später wieder der Priester. Aber das ist ja das Tolle am Schauspielen – oder? Man spielt und glaubt, man sei jemand anderes."

Dass der Film eine fiktionale Geschichte erzählt, die jedoch auf historischen Tatsachen basiert, bestimmte die Arbeit eines jeden am Set. Carmen Ruiloba, Angestellte des Prado Museum und eine der historischen Beraterinnen von GOYAS GEISTER, erkannte Formans Herangehensweise an die Historie und wie er diese auf seine Art und Weise für den Film aufbereitet hat. „Forman ist von Goyas Arbeiten durchdrungen. Die Gemälde inspirieren ihn. Einige von ihnen wurden extra für den Film kopiert, beispielsweise Abschaffung der Inquisition, Königin Marà­a Luisa auf Maréchal oder Szene der Inquisition, das in der Königlichen Akademie hängt. Zusätzlich zu den Gemälden integriert Milos auch seine Interpretation dieser geschichtlichen Epoche kunstvoll in den Film. Wenn ich das so sagen darf, arbeitet er wie der große spanische Maler Velasquez. In seinem Gemälde Die Übergabe von Breda aus dem 17. Jahrhundert malte Velasquez etwas, das nie geschah. Mit seinem Bild wollte er die Natur und das Temperament des spanischen Generals Spinola darstellen, der während des 30-jährigen Krieges die niederländische Stadt Breda erobert hatte und die dortige Bevölkerung dennoch menschlich behandelte. Velasquez malte Spinola wie er vor seinem Pferd steht und dem niederländischen Kommandanten, der ihm ergeben den Stadtschlüssel überreicht, anerkennend die Hand auf die Schulter legt. Das ist niemals passiert. Spinola wäre niemals von seinem Pferd gestiegen. Aber Velasquez wollte Spinolas Größe und das darin liegende Konzept von Gnade zeigen, und das hat er gemalt. Milos Bemühungen folgen diesem Konzept. Bestimmte Details sind verändert worden, doch die Wahrheit wurde niemals gebeugt. Einmal wollte er von mir wissen, ob ein Priester, der gerade die Messe liest während französische Soldaten die Kirche stürmen, um das Ende der Inquisition zu verkünden, singen würde während sie ihn niederstrecken. Ich konnte es mir zwar nicht vorstellen, doch für das, was er zum Ausdruck bringen wollte, war es eine perfekte Szene. Milos wollte die Franzosen als Invasoren darstellen, die den natürlichen Ablauf der Dinge zerstörten und dabei Menschen umbrachten. Einen singenden Priester zu ermorden ist ein so fürchterliches Bild, dass der Zuschauer sofort die zugrunde liegende Wahrheit und Realität der Dinge erfasst."

Nachdem die Dreharbeiten in Salamanca abgeschlossen waren, kehrte der Tross nach Madrid zurück. Dort wurde zuerst im Prado gedreht, um danach nach Talamanca weiter zu ziehen, wo die verschiedenen im Film vorkommenden Kneipenszenen gedreht wurden. „Es hat mich sehr glücklich gemacht, dass Milos einen spanischen Kameramann haben wollte", gesteht Javier Aguirresarobe. „Er glaubt, dass Goyas visuelles Universum von einem Kameramann, der aus der selben Kultur wie der Maler kommt, besser verstanden wird. Für mich war es großartig mit einem Regisseur zusammen zu arbeiten, den ich seit seinen frühen, in der Tschechoslowakei entstandenen Filmen bewundere. Milos vertraute mir. Während der Vorbereitungen fragte ich ihn wie er sich die Bildgestaltung vorstellte und welche die wichtigsten Referenzen wären, um sie zu erreichen. Ihn interessierten nur die Gesichtsfarbe der Schauspieler und dass das Negativ gut belichtet würde. ‚Ich möchte, dass Schwarz auch Schwarz ist’ sagt er. Ich stellte rasch fest, dass ich für die Bildgestaltung die Tonalität berücksichtigen müsste, die die klassischen Maler in ihren Bildern erreicht hatten. GOYAS GEISTER ist kein Film mit leuchtenden Farben, sondern ein Film mit glaubwürdigem Licht und Ausdruck. Ich studierte also die klassischen Meister. Ribera zum Beispiel, einen meiner Lieblingsmaler, und begann meine Fantasie mit dem visuellen Geist von warmem Licht, leicht warmen Tönen und dunklen Kontrasten anzureichern."

Dass der Film ausschließlich an Originalschauplätzen gedreht wurde, stellte Aguirresarobe vor einige Herausforderungen, vor allem logistischer Art. „Der komplette Film wurde in einer natürlich Umgebung gedreht. Es gab viele Innenschauplätze, die außergewöhnlich und authentisch waren. Keine einzige Szene wurde in einem Studio gedreht. Unangenehm waren die Drehs in den großen Palästen, die zum spanischen Nationalerbe gehören. Dort arbeiteten wir unter den Adleraugen der Vertreter des Patrimonios, die scharf darauf achteten, dass wir auch ja keinen Schaden in den über 250 Jahre alten Räumen anrichteten. Um den Problemen aus dem Weg zu gehen, errichteten wir für das Licht Gerüste, die wir hinter Vorhängen versteckten. So konnte ich die Szenen auch dort problemlos nach unseren Vorstellungen ausleuchten." Nach Formans Aussage verrichtete Aguirresarobe „eine unglaubliche Arbeit." „Das Witzige daran ist", so Forman weiter, „dass er nur Spanisch und Französisch spricht, aber kein Englisch. So kommunizierten wir in Französisch. Ich glaube, das funktionierte deshalb so gut, weil er vorgeben konnte mich zu verstehen um dann zu tun, was sein Herz begehrte."

Nach Ende der Dreharbeiten in Talamanca bezog das Drehteam für zwei Wochen Quartier in Boadilla, wo zwei wichtige Szenen im königlichen Palast der Stadt gedreht wurden. Im Inneren diente die elegante, formelle Einrichtung als das Heim des wohlhabenden Händlers Bilbatua und seiner Familie. Die Front des Palastes diente als Madrids Plaza Major, auf dem öffentliche Hinrichtungen stattfanden, denen auch im Film eine bedeutende Rolle zukommt. Der königliche Palast von Boadilla war über mehrere Jahre dem Verfall ausgesetzt, bis ihn die Produktion entdeckte und ihn für ihre Zwecke herrichten ließ. „Madrids Plaza Major ist ein eindrucksvoller Ort, an dem sich bis zu 15.000 Menschen versammeln können", erklärt von Brandenstein. „Aber wir konnten nicht am Original drehen. Wir erwogen sogar, den Plaza Major von Salamanca zu verwenden, doch den dortigen Händlern einen Verdienstausfall zu zahlen, wäre genauso teuer gewesen wie einen eigenen Plaza Major neu zu bauen. Milos erkannte sofort, dass man die Fläche vor dem Palast in Boadilla leicht in den Plaza Major im Jahre 1809 verwandelt könnte. Die Architektur des Palastes von Boadilla ähnelt in ihren Grundzügen dem Stil und den Abmessungen des Plaza Major in Madrid zur Zeit unserer Geschichte. Milos sah, dass es möglich sein würde, rechts und links vom Palast in rechten Winkeln Erweiterungen anzubauen, so dass man denkt, man sei auf einem öffentlichen Platz. Wir informierten die Historische Gesellschaft über unsere Pläne und sie gaben ihre Einwilligung. Die Bauten wurden von einer örtlich ansässigen Firma errichtet. Im Inneren richteten wir das Bilbatua-Haus im Stile des späten 18. Jahrhunderts mit den entsprechenden Materialien und Reproduktionen von Goya-Gemälden ein. Im Art Department arbeiteten zwei junge Maler, Colt Hausman und TK, die Fresken an die Decke der Eingangstreppe malten. Es waren Kopien von Fresken, wie man sie in einigen spanischen Kapellen findet."

Im Boadilla Palast wurden die Szenen mit Inés und ihrer Familie gedreht, nachdem sie aufgefordert wurde, sich vor der Inquisition zu rechtfertigen. Weiterhin diente er als Drehort für das spannungsgeladene, formelle Abendessen, zu dem Goya und Lorenzo geladen sind und bei dem die Familie etwas über den Verbleib und den Zustand von Inés zu erfahren sucht. In diesen Szenen spiegeln sowohl die Kostüme als auch das Dekor die elegante Welt der Bilbatuas wider. Die Kostüme wurden von der Oscar-Gewinnerin Yvonne Blake kreiert. „Im Grunde genommen wollte ich nur alles richtig machen", erinnert sich die Kostümbildnerin. „Das bedeutete sich intensivst mit Goyas Arbeiten auseinanderzusetzen. Alles was ich brauchte, fand ich in Goyas Gemälden. Einige Jahre zuvor hatte ich die Kostüme für die Rossini-Oper ‚Der Barbier von Sevilla’ in einem Goyaesquen Stil gemacht, weil ich glaubte, Goya liebte Kostüme. Er zog sich gut an. Er liebte Kleidung. Ich liebe die Art, wie er Farbe und Texturen in seinen Gemälden verwendet, und wir versuchten dies für den Film neu zu erschaffen. In der Tat aber kopierten wir etwa die Hälfte aus den Gemälden. Das Kostüm der Königin etwa ist eine reine Kopie. Aber wir haben auch einige Kostüme aus verschiedenen Gewändern zusammengesetzt. Milos war beeindruckt von dem Gemälde Juan Antonio Llorente. Goya malte den Geistlichen 1810, und Milos stellte sich so Lorenzo vor. Ich schuf ein schwarzes Kostüm, das ähnlich aussah wie in dem Gemälde. Die Medaille aus dem Gemälde entsprach nicht der Zeit des Films und ich ersetzte sie durch das Kreuz der Inquisition. Für die beiden fiktionalen Charaktere, die Natalie Portman spielt, Inés und Alicia, entwarf ich neue Gewänder. Ich versuchte etwas zu finden, was so aussah, als ob Goya es erschaffen hätte. Alle Charaktere durchleben große Veränderungen in ihrem Leben, und die Kostüme sollten dies reflektieren. Inés’ Veränderungen sind sogar sehr radikal. Zu Beginn ist sie eine wohlhabende junge Frau, wunderhübsch, gut gekleidet und elegant. Am Ende trägt sie nichts mehr als Lumpen. Als Alicia trägt Natalie nur ein einziges aber sehr aussagekräftiges Kostüm. Es ist sehr spanisch und es identifiziert sie als eine junge Spanierin, die ihren Körper verkauft. Auch Goya trägt zu Beginn des Films sehr elegante Kleider. Später, nach seiner Krankheit und nachdem er taub wurde, hört er auf, auf sein Äußeres zu achten. Zwischen dem ersten und dem zweiten Teil des Films liegen 16 Jahre. Ich schlug Milos vor, dass wir in der ersten Hälfte überwiegend kräftige Farben verwenden. In der zweiten Hälfte, in der es einigen der Figuren nicht so gut geht, sollte ein Teil der Farben entfernt werden." Forman setze diese Vorschläge später so um.

Mit den Szenen im Hause der Bilbatuas und der öffentlichen Exekution eines angeblichen Ketzers auf dem Plaza Major endeten die Dreharbeiten nach 14 Wochen am 9. Dezember 2005.

 

Francisco Goya

Francisco Goya nimmt in den Herzen der Spanier einen ganz besonderen Platz ein. Er ist ein Held der Kunst, der als Vaterfigur des Landes verehrt wird. In der Kunst nimmt er als Maler und Grafiker eine zentrale Rolle ein, da es ihm wie keinem zweiten Künstler vor oder nach ihm gelingt die Herzen und Seelen der Betrachter seiner Kunstwerke zu erreichen. Francisco Goya y Lucientes (1746-1828) wurde in Fuendetodos geboren, wuchs jedoch in Zaragoza auf. Mit 14 ging er bei José Luzan, einem mit dem Vater befreundeten Künstler, in die Lehre. Nach Reisen durch Italien heiratete er 1773 die Tochter eines spanischen Hofmalers. Im Jahr darauf erhielt er seinen ersten königlichen Auftrag: die Darstellung dekorativer Szenen des täglichen Lebens, die als Vorlage für Wandteppiche dienten. 1799 wurde er zum ersten Hofmaler bestellt, die höchste künstlerische Position am Hofe.

Goyas erste Portraits spiegelten die luftigen Landschaften und schimmernden Pastelltöne seiner Wandteppichvorlagen wider. Unter anderem malte er Portraits von König Carlos IV. von Spanien und Ferdinand VI. Die Themen, die Goya in seinen Arbeiten darstellte, reichten von Festen über den königlichen Hof bis zu der Los Caprichos genannten aus 80 Drucken bestehenden Chronik seiner Zeit. Mit zunehmender Reife und nach dem Verlust seines Gehörs wurden die Themen seiner Werke dunkler. Goya malte nun furchteinflössende und obskure Bilder voller Wahnsinn und Fantasie. Der Stil dieser Schwarzen Gemälde nahm den Expressionismus vorweg, so wie einige seiner früheren Werke die Arbeit des französischen Malers Eduoard Manet beeinflusste. Einige der wichtigsten Gemälde Goyas zeigen die Invasion von Napoléons Armee in Spanien und beschreiben in anschaulichen Details die Grausamkeiten des Krieges.

Den größten Teil seines erwachsenen Lebens verbrachte Goya in Madrid. Nachdem die Franzosen gezwungen waren, Spanien wieder zu verlassen, starb er beinahe blind und taub im selbst auferlegten Exil in Bordeaux. In seiner Biografie „Goya. Der Künstler und seine Zeit" schreibt Robert Hughes, dass in der Kunst niemals zuvor etwas erreicht wurde wie Goyas Druckserie Desastre de la Guerra. „Mit ihnen bezeugte Goya das furchtbare Sterben der Spanier in ihrem Versuch sich gegen Napoléons Armee zu stellen und wurde damit der erste visuelle Kriegsberichterstatter." Hughes bezeichnet Goya als einen Meister in der Darstellung von „Schmerz, Gräueltaten und dem Vergehen an menschlichen Körpern. Doch er war auch ein Meister darin, das Schöne darzustellen. Er liebte alles Sinnliche: den Duft, den eine Orange oder die Achselhöhle eines Mädchens verströmt; den Geruch von Tabak und den Nachgeschmack von Wein; das Spiel des Lichts auf Taft, glatter Seide oder einfacher Baumwolle; das Glühen einer untergehenden Sommersonne oder den stumpfen Schimmer eines aus Walnussholz gefertigten Gewehrkolbens."

Michael Kimmelman, Chefkritiker der New York Times, sieht in Goyas Werken auch noch für die heutige Zeit eine große Relevanz: „Er passt in unsere Zeit. Goya ist der große Satiriker, der sich nicht einschüchtern lässt und alles aufs Korn nimmt, das im Leben und in der Politik als irrational, gewalttätig und absurd erscheint."

 

Die Spanische Inquisition

Die in ganz Europa verbreitete Institution der Inquisition wurde im 13. Jahrhundert von der katholischen Kirche eingeführt und diente dem Zweck, die sich angeblich rasant ausbreitende Ketzerei innerhalb der Bevölkerung zu bekämpfen. Zum ersten Mal setzte der Vatikan die Inquisition als offizielle Politik ein, als Papst Gregor IX. eine mit Dominikanern besetzte Kommission 1231 damit beauftragte, Ketzerei in Frankreich zu untersuchen. Die Strafe für überführte Ketzer war Tod durch Verbrennen. Mit der Zeit jedoch wurde die Inquisition von der geistlichen und politischen Elite dazu instrumentalisiert, ihre Macht zu erhalten und auszubauen. Die Spanische Inquisition wurde 1478 von König Ferdinand V. und Königin Isabella eingeführt. Sie war Teil der spanischen Regierung und hatte nichts mit der päpstlichen Inquisition zu tun. Die erste Aufgabe der Spanischen Inquisition bestand darin, zum Christentum konvertierte Moslems und Juden zu bespitzeln, von denen man annahm, dass sie ihre ‚alte’ Religion heimlich weiter praktizierten. Ferdinand und Isabella ernannten Tomás de Torquemada 1481 zum Großinquisitor. Unter seiner Führung wurde die Spanische Inquisition zum Instrument staatlicher Verfolgung und Einschüchterung. Die Geistlichen, die für die Inquisition arbeiteten, wurden von Laien unterstützt, den Familiares, die innerhalb der Gesellschaft großes Prestige genossen.

Standardmittel der Inquisition war die Folter, um angebliche Ketzer zur Reue zu zwingen. Die Bestrafung reichte von der öffentlichen Zurschaustellung, bei der der Sambenito getragen wurde – eine Weste, die ihren Vorläufer in der mittelalterlichen Sackkleidung hatte – über das Verbrennen des lebendigen oder toten Leibes bis hin zur Strangulation bis zum Tode. Die Bestrafung wurde während öffentlicher Zeremonien durchgeführt, den „auto-da-fes", die den ganzen Tag andauern konnten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Inquisition durch die Ideen der Französischen Revolution, die auch bis Spanien vordrangen, in Frage gestellt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verlor die Inquisition an Macht und nach verschiedenen Aufständen wurde sie 1820 offiziell abgeschafft.

 

Die Besetzung

JAVIER BARDEM (Lorenzo)

Für seine Rolle in DAS MEER IN MIR von Alejandro Amenábar erhielt Javier Bardem 2004 die Coppa Volpi der Internationalen Filmfestspiele in Venedig als Bester Darsteller, den spanischen Filmpreis Goya und eine Nominierung für den Golden Globe. Bereits im Jahr 2000 wurde Bardem als Bester Darsteller in Venedig ausgezeichnet, damals für sein Portrait des kubanischen Dichter und Dissidenten Reinaldo Arenas in Julian Schnabels BEFORE NIGHT FALLS. Für diese Rolle erhielt er außerdem Auszeichnungen als Bester Darsteller der National Society of Film Critics, des Independent Spirit Award und der National Board of Review. Für den Oscar und den Golden Globe wurde er für diese Rolle als Bester Darsteller nominiert. Zu Bardems weiteren Arbeiten gehörten Rollen in John Malkovichs Regiedebüt DER OBRIST UND DIE TÄNZERIN (2002), Fernando León de Aranoas MONTAGS IN DER SONNE (2002), der als Bester Film beim Filmfestival in San Sebastián ausgezeichnet wurde, und 2003 fünf Goyas erhielt, sowie in Michael Manns COLLATERAL (2004).

Javier Bardem wurde am 1. März 1969 in Las Palmas auf Gran Canaria geboren. Seine Mutter, Pilar Bardem, ist eine beliebte Schauspielerin, die seit Mitte der 60er Jahre aktiv ist. Sein Onkel Juan Antonio Bardem war einer der gefeiertsten Regisseure Spaniens, der vom Franco-Regime verhaftet wurde, als sein Film DER TOD EINES RADFAHRERS (1955) den Kritikerpreis in Cannes erhielt. Viele andere Familienmitglieder waren ebenfalls bekannte Schauspieler, so sein Großvater Rafael Bardem und seine Großmutter Matilde Muñoz Sampedro. Javiers Eltern trennten sich als er zwei Jahre alt war. Mit vier Jahren verschaffte ihm seine Mutter eine kleine Rolle in der spanischen Mini-Serie „El Picasso". Als Jugendlicher studierte Bardem an der Kunstschule Escuela de Arte Y Oficios. Gleichzeitig übernahm er kleine Rollen in Fernsehproduktionen. Erst 1990, nachdem ihm der spanische Regisseur Bigas Luna eine Rolle in LAS EDADES DE LULU (1990) gab, begann seine Schauspielerkarriere. Nach einer kleinen Rolle in Pedro Almodóvars HIGH HEELS (1992) macht sich Bardem neben Penélope Cruz einen Namen in JAMON, JAMON (1993), den ebenfalls Bigas Luna inszenierte. Bardem war für diesen Film in San Sebastián als Bester Darsteller nominiert und gewann für seine Rolle verschiedene weitere Auszeichnungen. Aufgrund der großen Popularität, die er durch den Film erlangte, bestand die Gefahr nur noch aufgrund des in JAMON, JAMON dargestellten Typs besetzt zu werden, was er geschickt zu vermeiden wusste. Seither erhält er regelmäßig großes Lob für die Auswahl seiner Rollen, mit denen er ein großes, vielfältiges schauspielerisches Spektrum abdeckt.

Filmografie (Auswahl):

2007 NO COUNTRY FOR OLD MEN

Regie: Ethan Coen, Joel Coen

LOVE IN THE TIME OF CHOLERA (Liebe in den Zeiten der Cholera)

Regie: Mike Newell

THE LAST FACE

Regie: Erin Gignam

2006 GOYA’S GHOSTS (Goyas Geister)

Regie: Milos Forman

2004 MAR ADENTRO (Das Meer in mir)

Regie: Alejandro Amenabar

COLLATERAL (Collateral)

Regie: Michael Mann

2002 THE DANCER UPSTAIRS (Der Obrist und die Tänzerin)

Regie: John Malkovich

LOS LUNES AL SOL (Montags in der Sonne)

Regie: Fernando León de Aranoa

2000 BEFORE NIGHT FALLS (Before Night Falls)

Regie: Julian Schnabel

1997 PERDITA DURANGO (Perdita Durango)

Regie: Alex de la Iglesia

CARNE TREMULA (Live Flesh - Mit Haut und Haar)

Regie: Pedro Almodóvar

1993 JAMON, JAMON (Jamón, Jamón,)

Regie: Bigas Luna

1992 TACONES LEJANOS (High Heels)

Regie: Pedro Almodóvar

1990 LAS EDADES DE LULU, Regie: Bigas Luna

 

NATALIE PORTMAN (Inés/Alicia)

Natalie Portman verleiht ihren Rollen zeitlose Schönheit und Anmut. Im Laufe der Zeit hat sie sich zu einer von Hollywoods talentiertesten und begehrtesten jungen Schauspielerinnen entwickelt. Portman war erst kürzlich in V WIE VENDETTA (2005) der Wachowski-Brüder zu sehen, der von Joel Silver produziert und von James McTeigue inszeniert worden war. Eine weitere, erst kürzlich entstandene Produktion, in der sie mitwirkt, ist FREE ZONE (2005) von Amos Gitai. FREE ZONE wurde in Israel und Jordanien gedreht und erzählt die unwahrscheinliche Geschichte zweier Frauen, die der Zufall zusammenführt. Der Film erlebte seine Uraufführung 2005 beim Filmfestival in Cannes. In der von George Lucas inszenierten und konzipierten zweiten Star Wars-Trilogie spielte Natalie Portman Padmé Amidala an der Seite von Hayden Christensen und Ewan McGregor. Die Trilogie umfasst die Filme: STAR WARS: EPISODE III – DIE RACHE DER SITH (2005), STAR WARS: EPISODE II – ANGRIFF DER KLONKRIEGER (2002) sowie STAR WARS: EPISODE I – DIE DUNKLE BEDROHUNG (1999). Für ihre Rolle in Mike Nichols Leinwandadaption von Patrick Marbers Broadway-Erfolg HAUTNAH (2004) erhielt sie einen Golden Globe als Beste Nebendarstellerin sowie eine Oscar-Nominierung in der gleichen Kategorie. Für HAUTNAH erhielt sie weiterhin Nominierungen als Beste Darstellerin von den London Film Critics, als Beste Nebendarstellerin von den Online Film Critics sowie für den Critics Choice Award und die San Diego Film Critics kürten sie zur Besten Nebendarstellerin.

Ihr Debüt hatte Natalie Portman 1994 in Luc Bessons LEON, DER PROFI, mit dem sie große Aufmerksamkeit auf sich zog, die sie mit ihrer präsenten Rolle in Ted Demmes BEAUTIFUL GIRLS (1996) nachhaltig festigen konnte. Ihre Partner hier waren Timothy Hutton, Uma Thurman, Rosie O'Donnell und Matt Dillon. Zu ihren weiteren Arbeiten gehören Auftritte in Anthony Minghellas oscargekrönter Romanadaption UNTERWEGS NACH COLD MOUNTAIN (2003), wo sie neben Jude Law, Nicole Kidman und Renée Zellweger spielte; Matt Williams' WO DEIN HERZ SCHLÄGT (2000) mit Ashley Judd; Wayne Wangs ÜBERALL, NUR HIER NICHT (1999) in dem Susan Sarandon ihre Partnerin war und wofür sie eine Golden Globe-Nominierung als Beste Nebendarstellerin erhielt; das Woody Allen Musical ALLE SAGEN: I LOVE YOU (1996) mit Julia Roberts, Goldie Hawn, Alan Alda und Drew Barrymore; den Kurzfilm von Tom Tykwer, TRUE (2004), der Teil des Kompilationsfilms PARIS, JE T'AIME (2006) ist; Tim Burtons schwarzer Komödie MARS ATTACKS! (1997) mit Jack Nicholson und Glenn Close sowie Michael Manns HEAT (1996) mit Al Pacino, Robert DeNiro und Val Kilmer.

Portmans erste Rolle für Mike Nichols war die der Nina in seiner Shakespeare-in-the-Park-Produktion von Anton Tschechows „Die Möwe" mit Meryl Streep, Kevin Kline und Philip Seymour Hoffman für das New York Shakespeare Festival. 1997-1998 spielte Natalie Portman am Broadway die Titelrolle in „Das Tagebuch der Anne Frank", wofür sie von USA TODAY für ihre „außerordentliche Darstellung" gelobt wurde. Der Regisseur James Lapine inszenierte das Stück aus einer ungewohnten Perspektive und integrierte neues Material aus der 1995 erschienenen, vollständigen Fassung der Tagebücher der Anne Frank. Natalie Portman steht gerade für MR. MAGORIUM'S WONDER EMPORIUM, das Regiedebüt von Zach Helm, der auch das Drehbuch geschrieben hat, vor der Kamera. Anschließend dreht sie MY BLUEBERRY NIGHTS des Hongkong-Regisseurs Wong Kar-Wai sowie THE OTHER BOLEYN GIRL von Justin Chadwick.

Filmografie (Auswahl):

2007 MR. MAGORIUM'S WONDER EMPORIUM

Regie: Zach Helm

MY BLUEBERRY NIGHTS

Regie: Wong Kar-Wai

THE OTHER BOLEYN GIRL

Regie: Justin Chadwick

2006 GOYA’S GHOSTS (Goyas Geister)

Regie: Milos Forman

2005 V FOR VENDETTA (V wie Vendetta)

Regie: James McTeigue

STAR WARS: EPISODE III – REVENGE OF THE SITH

(Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith)

Regie: Georg Lucas

FREE ZONE

Regie: Amos Gitai

2004 CLOSER (Hautnah)

Regie: Mike Nichols

TRUE (True)

Regie: Tom Tykwer

2003 COLD MOUNTAIN (Unterwegs nach Cold Mountain)

Regie: Anthony Minghella

2002 STAR WARS: EPISODE II – ATTACK OF THE CLONES

(Star Wars: Episode II –Angriff der Klonkrieger)

Regie: Georg Lucas

2000 WO DEIN HERZ SCHLÄGT (Where the Heart Is)

Regie: Matt Williams

1999 STAR WARS: EPISODE I – THE PHANTOM MENACE

(Star Wars: Episode I – Die Dunkle Bedrohung)

Regie: Georg Lucas

ANYWHERE BUT HERE (Überall, nur hier nicht)

Regie: Wayne Wang

1996 BEAUTIFUL GIRLS (Beautiful Girls)

Regie: Ted Demme

EVERYBODY SAYS I LOVE YOU (Alle sagen: I Love You)

Regie: Woody Allen

1995 HEAT (Heat)

Regie: Michael Mann

1994 LEON (Leon, der Profi)

Regie: Luc Besson

 

STELLAN SKARSGÅRD (Goya)

Der schwedische Film-, Bühnen- und Fernsehschauspieler Stellan Skarsgård spielte 1988 in dem von Saul Zaentz produzierten DIE UNERTRÄGLICHE LEICHTIGKEIT DES SEINS von Philip Kaufmann in seiner ersten US-Produktion. 1990 hatte Skarsgård eine kleine Rolle in JAGD AUF ROTER OKTOBER. Aber es war Lars von Triers Film BREAKING THE WAVES (1996) mit dem Stellan Skarsgård an der Seite von Emily Watson seine erste internationale Anerkennung erhielt.

Stellan Skarsgård wurde in Göteborg geboren und erregte in Schweden als Teenager erste Aufmerksamkeit in einer Fernsehserie. Von 1972 bis 1988 spielte Skarsgård am Königlichen Theater in Stockholm in Stücken von August Strindberg und anderen klassischen Dramatikern. Seine Filmkarriere begann 1980. Für seine Leistung in DEN ENFALDIGE MÖRDAREN (1982) erhielt er den schwedischen Filmpreis und einen Silbernen Bären der Internationalen Filmfestspiele Berlin. In dem schwedischen Oscar-Kandidaten OXEN (1991), einer Regiearbeit des berühmten Kameramannes von Ingmar Bergmann, Sven Nikvist, spielte er die Hauptrolle. Skarsgård hat erst kürzlich die Dreharbeiten zu Gore Verbinskis FLUCH DER KARIBIK 2 (2006) und FLUCH DER KARIBIK 3 (2007) mit Johnny Depp, Orlando Bloom und Keira Knightley in den Hauptrollen abgeschlossen. Zu seinen internationalen Fernseharbeiten gehören Rollen in „Helen of Troy", „Harlan County War" und „Parker Kane".

Stellan Skarsgård ist mit My Skarsgård, einer Ärztin, verheiratet. Sie haben sechs Kinder, wovon zwei, Alexander und Gustave, in die Fußstapfen ihres Vaters getreten sind.

Filmografie (Auswahl):

2007 PIRATES OF THE CARIBBEAN 3 (Fluch der Karibik 3)

Regie: Gore Verbinski

2006 GOYA’S GHOSTS (Goyas Geister)

Regie: Milos Forman

PIRATES OF THE CARIBBEAN 2 (Fluch der Karibik 2)

Regie: Gore Verbinski

2005 DOMINION: A PREQUEL TO THE EXORCIST (Dominion: A Prequel to the Exorcist)

Regie: Paul Schrader

2004 EXORCIST: THE BEGINNING (Exorzist: Der Anfang)

Regie: Renny Harlin

KING ARTHUR (King Arthur)

Regie: Antoine Fuqua

2003 DOGVILLE (Dogville)

Regie: Lars von Trier

2001 TAKING SIDES - DER FALL FURTWÄNGLER

Regie: István Szabó

THE GLASS HOUSE (The Glass House)

Regie: Daniel Sackheim

2000 SIGNS AND WONDERS (Signs and Wonders)

Regie: Jonathan Nossiter

PASSION OF MIND (Tiefe der Sehnsucht)

Regie: Alain Berliner

1999 DEEP BLUE SEA (Deep Blue Sea)

Regie: Renny Harlin

1997 GOOD WILL HUNTING (Good Will Hunting)

Regie: Gus Van Sant

INSOMNIA (Todesschlaf)

Regie: Erik Skjoldbjaerg

1996 BREAKING THE WAVES (Breaking the Waves)

Regie: Lars von Trier

1991 OXEN

Regie: Sven Nykvist

1988 THE UNBEARABLE LIGHTNESS OF BEING (Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins)

Regie: Philip Kaufmann

1982 DEN ENFALDIGE MÖRDAREN

Regie: Hans Alfredson

 

RANDY QUAID (König Carlos)

Mit seinen Leistungen in Hal Ashbys DAS LETZTE KOMMANDO (1973) erspielte sich Randy Quaid nicht nur die Anerkennung des Publikums, sondern verdiente sich auch Nominierungen für den Oscar, den BAFTA Award und den Golden Globe Award. Im vergangenen Jahr trat Quaid in zwei Filmen auf, in Ang Lees preisgekröntem BROKEBACK MOUNTAIN (2006) und Harold Ramis THE ICE HARVEST (2005) sowie in den beiden Fernsehserien „Elvis" und „Category 7: The End of the World".

Quaid ist seit nunmehr 40 Jahren im Filmgeschäft tätig. In dieser Zeit spielte er allein in fünf Filmen des Regisseurs Peter Bogdanovich mit: BEWEGLICHE ZIELE (1968), DIE LETZTE VORSTELLUNG (1971), IS' WAS, DOC? (1972), PAPER MOON (1973) und TEXASVILLE (1990). Zu der Liste seiner zahlreichen anderen Filme gehören auch: Arthur Penns DUELL AM MISSOURI (1976), Hal Ashbys DIESES LAND IST MEIN LAND (1976), Walter Hills LONG RIDERS (1980), Harold Ramis’ DIE SCHRILLEN VIER AUF ACHSE (1983), Robert Altmans FOOL FOR LOVE - VERRÜCKT VOR LIEBE (1985), der von Sam Shepard aufgrund seines Bühnenstücks adaptiert wurde, Bob Balabans PARENTS (1989), für den er eine Nominierung für den Independent Spirit Award erhielt, Tony Scotts TAGE DES DONNERS (1990), Ron Howards SCHLAGZEILEN (1994), Roland Emmerichs INDEPENDENCE DAY (1996), Peter und Bobby Farrellys KINGPIN (1996) ebenso wie Mikael Solomons HARD RAIN (1998). In John Stanfords DIE KÜHE SIND LOS (Home on the Range) übernahm er 2004 die Synchronstimme von Will Finn.

Zwischenzeitlich spielte Randy Quaid weiterhin in zahlenreichen Fernsehproduktionen mit. So war er erst kürzlich als Colonel Tom Parker in James Sadwiths „Elvis" zu sehen, wofür er für den Emmy nominiert wurde. Für sein Portrait von Lyndon Baines Johnson in Peter Werners „LBJ: The Early Years" erhielt er einen Golden Globe Award und eine Emmy-Nominierung. Eine weitere Emmy-Nominierung bekam Quaid für seine Arbeit in John Ermans Fernsehfassung von Tennessee Williams „Endstation Sehnsucht". Quaid spielte in der Anthologie „Gun", die ihn erneut mit Regisseur Robert Altman zusammen brachte, sowie in der Miniserie „Streets of Laredo" von Joseph Sargent. Zu seinen Bühnenerfahrungen zählen Rollen in mehreren Stücken von Sam Shepard, darunter „True West" und „The God of Hell".

2006 GOYA’S GHOSTS (Goyas Geister)

Regie: Milos Forman

BROKEBACK MOUNTAIN (Brokeback Mountain)

Regie: Ang Lee

2005 THE ICE HARVEST (Ice Harvest)

Regie: Harold Ramis

2003 CAROLINA (Carolina)

Regie: Marleen Gorris

2001 NOT ANOTHER TEEN MOVIE (Nicht noch ein Teenie-Film!)

Regie: Joel Gallen

1998 HARD RAIN (Hard Rain)

Regie: Mikael Solomon

1996 INDEPENDENCE DAY (Independence Day)

Regie: Roland Emmerich

KINGPIN (Kingpin)

Regie: Peter und Bobby Farrelly

1994 THE PAPER (Schlagzeilen)

Regie: Ron Howard

1990 TEXASVILLE (Texasville)

Regie: Peter Bogdanovich

QUICK CHANGE (Ein verrückt genialer Coup)

Regie: Howard Franklin und Bill Murray

DAYS OF THUNDER (Tage des Donners)

Regie: Tony Scott

1989 PARENTS (Parents)

Regie: Bob Balaban

1985 FOOL FOR LOVE (Fool For Love - Verrückt vor Liebe)

Regie: Robert Altman

1983 NATIONAL LAMPOON’S VACATION (Die schrillen Vier auf Achse)

Regie: Harold Ramis

1980 THE LONG RIDERS (Long Riders)

Regie: Walter Hill

1978 MIDNIGHT EXPRESS (12 Uhr Nachts - Midnight Express)

Regie: Alan Parker

1976 THE MISSOURI BREAKS (Duell am Missouri)

Regie: Arthur Penn

BOUND FOR GLORY (Dieses Land ist mein Land)

Regie: Hal Ashby

1974 THE APPRENTICESHIP OF DUDDY KRAVITZ (Duddy will hoch hinaus)

Regie: Ted Kotcheff

1973 PAPER MOON (Paper Moon)

Regie: Peter Bogdanovich

THE LAST DETAIL (Das letzte Kommando)

Regie: Hal Ashby

1972 WHAT’S UP, DOC? (Is' was, Doc?)

Regie: Peter Bogdanovich

1971 THE LAST PICTURE SHOW (Die Letzte Vorstellung)

Regie: Peter Bogdanovich

1968 TARGETS (Bewegliche Ziele)

Regie: Peter Bogdanovich

 

MICHAEL LONSDALE (Der Großinquisitor)

Der in Paris geborene Schauspieler Michael Lonsdale, der sowohl in europäischen als auch US-Produktionen mitspielt, dürfte einem breiten Publikum am besten durch seine Rolle als Sir Hugo Drax in dem James Bond-Film MOONRAKER (1979) in Erinnerung sein. Erst vor kurzem war er in Steven Spielbergs MÜNCHEN (2005) zu sehen.

Lonsdale kann eine Filmografie von beeindruckender Länge und Qualität vorweisen zu der Rollen etwa in François Truffauts DIE BRAUT TRUG SCHWARZ (La mariée était en noir, 1968) und GERAUBTE KÜSSE (Baisers volés, 1968), Louis Malles HERZFLIMMERN (Le souffle au coeur, 1971), Luis Bunuels DAS GESPENST DER FREIHEIT (Le fantôme de la liberté, 1974), Fred Zinnemanns DER SCHAKAL (Day of the Jackal, 1973), Joseph Loseys MONSIEUR KLEIN (1976), James Ivorys JEFFERSON IN PARIS (1995) und GROSSSTADTSKLAVEN (Slaves of New York, 1989), Mike Nichols WAS VOM TAGE ÜBRIG BLIEB (Remains of the Day, 1993) und Jean-Jacques Annauds DER NAME DER ROSE (In the Name of the Rose, 1986) gehören.

Zu Lonsdales weiteren Filmen gehören GALILEO (1975), DAS RÄTSEL (Enigma, 1983), Oliver Stones WALL STREET (1987), DIE SCHATTEN DER VERGANGENHEIT (Return of the Soldier, 1982), STAVISKY (1974), NELLY & MONSIEUR ARNAUD (1995), RONIN (1998), FÜNF MAL ZWEI (5x2, 2004) und viele, viele andere. Auch seine Auftritte in französischen Film- und Fernsehproduktionen sind legendär. Er spielte u.a. in Fernsehadaptionen von Stücken von Molière und des amerikanischen Autors Edward Albee. Für das britische Fernsehen hatte Lonsdale neben Sir Alec Guinness eine Rolle in der Miniserie „Smiley’s People" nach dem Roman von John le Carré.

 

JOSE LUIS GOMEZ (Tomas Bilbatua)

José Luis Gómez ist einer von Spaniens umtriebigsten Schauspielern und Regisseure mit einer breiten Erfahrung im spanischen Kino, Theater und Fernsehen. Gómez wurde in Huelva, im Süden Spaniens geboren. Als junger Mann verließ er Spanien um an die Westfälische Schauspielschule (jetzt Schauspielschule Bochum/Folkwang-Hochschule) zu gehen und später bei Jacques Lecoq in Paris zu studieren. Nach Abschluss seiner Ausbildung spielte Gómez in Klassikern von Aristophanes, Kafka und Brecht in Theatern in Polen, Deutschland und Brasilien. Nach dem Tod von Diktator Franco kehrte Gómez nach Spanien zurück, wo er mehrere Spielzeiten über am Centro Dramático Nacional und am Teatro Español, zwei von Spaniens prestigeträchtigsten Theatern, Regie führte. 1975 spielte Gómez eine der Hauptrollen in Ricardo Francos LEBEN UND TOD DES PASCUAL DUARTE (Pascual Duarte, 1976) für die er beim Filmfestival in Cannes mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet wurde.

Zu seinen weiteren Filmen gehören u.a. Gonzalo Suárez’ PARRANDA (1977) und REMANDO AL VIENTO (1988), für den er einen Goya erhielt, Carlos Sauras LOS OJOS VENDADOS (1978) und EL SEPTIMO DIA (2004), Joseph Loseys STRASSE NACH SÜDEN (Les routes du sud, 1978), Jaime Caminos LUCES Y SOMBRAS (1988), Pilar Miros BELTENEBROS (1991), für den er ebenfalls einen Goya errang. 1990 inszenierte Gómez Calderon de la Barcos „Life is a Dream" am Odeon Theater in Paris, wo er an der Bastille-Oper auch bei Bizets „Carmen" Regie führte. 1994 gründete Gómez das Teatro de la Abadia, an dem er das klassische Theater pflegen und die Theaterkünste einem jungen, nachwachsenden Publikum nahe bringen möchte. José Luis Gómez erhielt das deutsche Bundesverdienstkreuz und wurde zum Chevalier des Arts et Lettres der französischen Republik ernannt. Für seine Leistung in Miguel Hermosos LA LUZ PRODIGIOSA (2003) erhielt er seine dritte Goya-Auszeichnung.

 

MABEL RIVERA (Marà­a Isabel Bilbatua)

Mabel Rivera wird regelmäßig für spanische Fernsehproduktionen besetzt. Einem Kinopublikum ist sie seit in ihrer Rolle der Manuela in Alejandro Amenábars DAS MEER IN MIR (Mar Adentro, 2004) ebenfalls bekannt. Eine weitere Kinorolle übernahm sie für den gerade fertig gestellten Film HOTEL TIVOLI von Antón Reixa.

Der Stab

MILOS FORMAN (Regie und Drehbuch)

Der zweifache Oscar-Gewinner Milos Forman – Beste Regie 1975 für EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST und 1984 für AMADEUS – verstand es im Laufe seiner Karriere die besten Bestandteile der europäischen und US-amerikanischen Filmtraditionen unter einen Hut zu vereinen. Er gehört zu jener Handvoll nichtamerikanischer Regisseure, denen internationaler Erfolg zuteil wurde, ohne dass man sie in die Genreschublade steckte oder ihnen der Erfolg aufgrund ihrer Herkunft gelang. Forman findet seine Themen in dem Individualismus, den menschliches Verhalten und Streben ausmacht. Neben ihm gelangten auch drei Schauspieler mit seinen Filmen zu Oscar-Ehren: Jack Nicholson und Louise Fletcher für EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST (1976) sowie F. Murray Abraham für AMADEUS (1984). 1996 erhielt Milos Forman seine dritte Oscar-Nominierung für LARRY FLYNT - DIE NACKTE WAHRHEIT, für den auch Hauptdarsteller Woody Harrelson für den Oscar nominiert wurde.

Als jüngster von drei Söhnen wurde Forman im tschechoslowakischen Caslav, das etwa 70 Kilometer von Prag entfernt liegt, geboren. Als er neun Jahre alt war, wurden seine Eltern von der Gestapo verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht, das sie nicht überlebten. Milos wurde von Verwandten aufgezogen. Während seiner Schulzeit begann er sich für das Theater zu interessieren und begeisterte sich für die Komödien von Charlie Chaplin und Buster Keaton und die Western von John Ford. Forman studierte anschließend am Filminstitut der Prager Universität bei Ivan Passer. Nach seinem Abschluss schrieb er sein erstes Drehbuch und drehte zwei halbdokumentarische Kurzfilme.

1963 inszenierte er seinen ersten Spielfilm, eine autobiographische Geschichte über einen Teenager in einer kleinen tschechischen Stadt, namens DER SCHWARZE PETER (1964). Der Film wurde auf verschiedenen Filmfestivals zu einem großen Erfolg, darunter die in Cannes, Montreal und New York, und führte zu Formans erstem Besuch in den USA. Seine beiden folgenden Filme A BLONDE IN LOVE (1965) und DER FEUERWEHRBALL (1967) verstärkten seine internationale Anerkennung. Als sowjetische Panzer den Prager Frühling im August 1968 unter ihre Ketten nahmen, befand sich Forman gerade in Paris, wo er Verhandlungen über seine erste US-amerikanische Regiearbeit führte. Er kehrte kurz nach Prag zurück und ging dann nach New York um TAKING OFF (1971) zu drehen. Der Film wurde der offizielle US-amerikanische Beitrag beim Festival in Cannes, wo er den Großen Preis der Jury erhielt. Danach übernahm er das Segment über den Zehnkampf in der Dokumentation über die Olympischen Spiele in MÜNCHEN 1972 - 8 BERÜHMTE REGISSEURE SEHEN DIE SPIELE DER XX. OLYMPIADE (1973). Im selben Jahr gaben die Produzenten Michael Douglas und Saul Zaentz dem Regisseur eine Ausgabe von Ken Keseys „One Flew Over the Cuckoo’s Nest" und fragten ihn, ob er die Verfilmung übernehmen wolle. Dem Film gelang es später Oscars in allen fünf Hauptkategorien auf sich zu vereinen – Bester Film, Bestes Drehbuch, Bester Darsteller und Darstellerin sowie Beste Regie für Forman selbst. Der Romanverfilmung schloss Forman die Verfilmung des erfolgreichen Bühnen-Musicals „Hair" an (HAIR, 1979) und überredete James Cagney, der längst keine Filme mehr machte, in der Verfilmung von E. L. Doctorows Roman „Ragtime" als Teil eines Ensembles mitzuwirken (RAGTIME, 1981).

Acht Jahre nach EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST schloss er sich erneut mit Produzent Saul Zaentz zusammen und drehte in seiner Heimat Tschechoslowakei AMADEUS. Der Film erhielt neben dem Regie-Oscar für Forman insgesamt acht Auszeichnungen der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die die Oscars verleiht, einschließlich den für Bester Film. Zu Formans weiteren Filmen gehören auch VALMONT (1989) mit Annette Bening und Colin Firth in den Hauptrollen, LARRY FLYNT - DIE NACKTE WAHRHEIT (1996) und DER MONDMANN (2000) über das Leben des Comedian Andy Kaufman gespielt von Jim Carrey. GOYAS GEISTER ist Formans dritte Zusammenarbeit mit Saul Zaentz.

Filmografie:

2006 GOYA’S GHOSTS (Goyas Geister)

2005 NOMAD (Nomad) – ausführender Produzent

1999 MAN IN THE MOON (Der Mondmann)

1996 THE PEOPLE VS. LARRY FLYNT (Larry Flynt - Die nackte Wahrheit)

1989 VALMONT (Valmont)

1984 AMADEUS (Amadeus)

1981 RAGTIME (Ragtime)

1979 HAIR (Hair)

1975 ONE FLEW OVER THE CUCKOO'S NEST (Einer flog über das Kuckucksnest)

1973 VISIONS OF EIGHT

(München 1972 - 8 berühmte Regisseure sehen die Spiele der XX. Olympiade)

1971 TAKING OFF

1967 HORà, Mà PANENKO (Der Feuerwehrball)

1965 LàSKY JEDNÉ PLAVOVLàSKY (A Blonde In Love)

1963 CERNà PETR (Der Schwarze Peter)

 

SAUL ZAENTZ (Produktion)

Saul Zaentz wurde von der New York Times einmal als einer der wohl letzten großen, unabhängigen Produzenten beschrieben. Und Variety schrieb über ihn, dass er dem Idealbild eines unabhängigen Filmemachers am nächsten käme. Sein Büro hat Saul Zaentz weit entfernt von Hollywood, in Berkley/Kalifornien. Von dort produziert er seine Filme, in die er auch selber investiert. Seine Produktionen tendieren dazu komplex und von epischer Größe zu sein. Zaentz ist von Anfang an in die Entstehung seiner Filme involviert. Das fängt mit dem Rechteerwerb an und zieht sich über die tägliche Anwesenheit am Set bis hin zu einer großen, aktiven Rolle im Schneideraum, im Marketing und während des Vertriebs.

Schon Saul Zaentz’ erste Produktion, EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST (1975) von Milos Forman mit Jack Nicholson in der Hauptrolle, errang die fünf wichtigsten Oscars, darunter den für den Besten Film. Im Anschluss produzierte Zaentz THREE WARRIORS (1978) und den Animationsfilm DER HERR DER RINGE (1978). 1984 gewann AMADEUS, seine zweite Zusammenarbeit mit Milos Forman, acht Oscars, darunter die für Bester Film, Beste Regie und Bester Hauptdarsteller. 1986 arbeitete Saul Zaentz als ausführender Produzent an MOSQUITO COAST. Im Jahr darauf produzierte er DIE UNERTRÄGLICHE LEICHTIGKEIT DES SEINS mit Daniel Day-Lewis, Juliette Binoche und Lena Olin in den Hauptrollen. Der auf dem Roman von Milan Kundera basierende Film wurde von Philip Kaufman inszeniert, fand Anerkennung bei der Kritik und erhielt drei Oscar-Nominierungen. Seine letzte Produktion, der von Anthony Minghella inszenierte DER ENGLISCHE PATIENT (1996), erhielt neun Oscars, darunter die für Bester Film und Beste Regie. Während dieser Oscar-Zeremonie erhielt Saul Zaentz den prestigeträchtigen Irving G. Thalberg Memorial Award For A Consistently High Quality of Motion Picture Production.

Saul Zaentz wurde in New Jersey als Sohn russisch-polnischer Eltern geboren. Während seiner Kindheit entwickelte er jene Leidenschaften, denen er sich noch heute widmet: Lesen, Musik, Sport, Theater und Film. Er hat eine Schwäche für kontrolliertes Glücksspiel, das auch seiner Karriere als Produzent ihren Stempel aufgedrückt hat. Nach seiner Entlassung aus der Armee 1948 ließ sich Zaentz in San Francisco nieder, wo er zuerst im Schallplattenvertrieb tätig war. 1954 kehrte er für ein Jahr an die Ostküste zurück, wo er für das Jazz Label des Impressarios Norman Granz arbeitete und Konzerttouren organisierte, die er auch begleitete. Diese Arbeit brachte ihn mit Duke Ellington, Dave Brubeck, Gerry Mulligan und Stan Getz zusammen. Nach seiner Rückkehr an die Westküste arbeitete Zaentz für Fantasy Records, die erste Plattenfirma, die Dave Brubeck, Lenny Bruce und Creedance Clearwater Revival heraus brachte. Fantasy Records’ erster großer Hit war Vince Guaraldis „Cast Your Fate to the Wind". 1967 kaufte Zaentz gemeinsam mit einer Investorengruppe die Firma und landete ein Jahr später einen riesigen Erfolg, als er Creedance Clearwater Revival unter Vertrag nahm. Im Laufe der Jahre wuchs Fantasy Records zum größten Jazz Label der Welt. 2004 verkaufte Zaentz Fantasy an Concord Records. Die Postproduktionsstudios für Filmschnitt und Tonmischung der Saul Zaentz Film Company wurden aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Neben den eigenen Produktionen wurden dort Filme geschnitten und gemischt wie: DER STOFF, AUS DEM DIE HELDEN SIND (The Right Stuff, 1983), WENN DIE WÖLFE HEULEN (Never Cry Wolf, 1983), KUSS DER SPINNENFRAU (O beijo da Mulher Aranha, 1985), BLUE VELVET (1986), CLUB DER TOTEN DICHTER (Dead Poet’s Society, 1989), ED WOOD (1994), TO DIE FOR (1995), SIEBEN (Seven, 1995), AMY UND DIE WILDGÄNSE (Fly Away Home, 1996), DER TALENTIERTE MR. RIPLEY (The Talented Mr. Ripley, 1999), FORRESTER - GEFUNDEN! (Finding Forrester, 2000), GHOST WORLD (2001), die Neumischungen von DER PATE I, II und III (Godfather I, II and III, 1972/1974/1990), BOOGIE NIGHTS (1997) sowie THE SINGING DETECTIVE (2003).

Filmographie:

2006 GOYA’S GHOSTS (Goyas Geister)

Regie: Milos Forman

1996 THE ENGLISH PATIENT (Der englische Patient)

Regie: Anthony Minghella

1991 AT PLAY IN THE FIELDS OF THE LORD (Ein Pfeil in den Himmel)

Regie: Hector Babenco

1988 THE UNBEARABLE LIGHTNESS OF BEING (Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins)

Regie: Philip Kaufman

1986 MOSQUITO COAST (Mosquito Coast) - ausführender Produzent

Regie: Peter Weir

1984 AMADEUS (Amadeus)

Regie: Milos Forman

1978 THE LORD OF THE RINGS (Der Herr der Ringe)

Regie: Ralph Bakshi

1978 THREE WARRIORS

Regie: Kieth Merrill

1975 ONE FLEW OVER THE CUCKOO'S NEST (Einer flog über das Kuckucksnest)

Regie: Milos Forman

 

JEAN-CLAUDE CARRIERE (Drehbuch)

Der Franzose Jean-Claude Carrière ist ein profilierter und anerkannter Autor für Bühne und Film. Er hat zwei Jahrzehnte mit Luis Buñuel zusammen gearbeitet und währenddessen an den Büchern zu Filmen geschrieben wie: TAGEBUCH EINER KAMMERZOFE (Le journal d'une femme de chambre, 1964), BELLE DE JOUR - SCHÖNE DES TAGES (Belle de jour, 1967), DER DISKRETE CHARME DER BOURGEOISIE (Le charme discret de la bourgeoisie, 1972), DAS GESPENST DER FREIHEIT (Le fantôme de la liberté, 1975), DIESES OBSKURE OBJEKT DER BEGIERDE (Cet obscur objet du désir, 1977). Außer für Buñuel schrieb Carrière auch Drehbücher für Milos Forman, Jacques Deray, Volker Schlöndorff, Louis Malle, Andrzej Wadja und Peter Brook.

Carrière wurde als Sohn eines Bauern in einem kleinen französischen Dorf geboren. Während des 2. Weltkriegs zog er nach Paris, um dort zu studieren. In den späten 50er Jahren veröffentlichte er seinen ersten Roman und begann seine Karriere mit dem Schreiben von Romanfassungen von Jacques-Tati-Filmen. Bevor Carrière seine Zusammenarbeit mit Luis Buñuel begann, schrieb er als Co-Autor Kurzfilme, die er auch produzierte. Darunter den Oscar-Gewinner von 1962 HAPPY ANNIVERSARY. Nach Buñuels Tod arbeitete Carrière mit Peter Brook an einigen aufsehenderregenden Theaterproduktionen: „The Tragedy of Carmen", „The Conference of the Birds" und „The Mahabharata", das 1989 für das britische Fernsehen verfilmt wurde.

Mit Louis Malle arbeitete Jean-Claude Carrière an VIVA MARIA (1965) und DER DIEB VON PARIS (Le voleur, 1967); mit Jean-Luc Godard an RETTE SICH, WER KANN (DAS LEBEN) (Sauve qui peut, 1980) und Volker Schlöndorff an DIE BLECHTROMMEL (1979), DIE FÄLSCHUNG (1981) und EINE LIEBE VON SWANN (1984). Zu seinen weiteren Filmen gehören DIE WIEDERKEHR DES MARTIN GUERRE (Le retour de Martin Guerre, 1982); der von Saul Zaentz produzierte DIE UNERTRÄGLICHE LEICHTIGKEIT DES SEINS (The Unbearable Lightness of Being, 1988), für den er für den Oscar nominiert war; CYRANO DE BERGERAC (1990); Zaentz’ Produktion von EIN PFEIL IN DEN HIMMEL (At Play in the Fields of the Lord, 1991); die Andrzej Wadja-Filme DANTON (1983), DIE DÄMONEN (Les possédés, 1988) und außerdem DER HUSAR AUF DEM DACH (Le hussard sur le toit, 1995); CHINESE BOX (1997), Jonathan Glazers BIRTH (2004) und viele andere mehr. Mit Milos Forman hatte Jean-Claude Carrière zuvor bereits an TAKING OFF (1971) und VALMONT (1989) zusammengearbeitet.

 

PAUL ZAENTZ (Ausführende Produktion)

Paul Zaentz wurde in Passaic, New Jersey geboren. Er besuchte die Wharton School der Universität von Pennsylvania und machte seinen Jura-Abschluss an der Seton Hall Law School. Erste Sporen im Berufsleben verdiente sich Paul Zaentz als Justitiar bei der Zaentz Film Company und bei Fantasy Records, wo er 1976 anfing. 1983 war er für die finanzielle Abwicklung bei AMADEUS (1984) und später bei MOSQUITO COAST (1986) zuständig. Er arbeitete als Associate Producer bei DIE UNERTRÄGLICHE LEICHTIGKEIT DES SEINS (The Unbearable Lightness of Being, 1988) und EIN PFEIL IN DEN HIMMEL (At Play in the Fields of the Lord, 1991). Zaentz war einer der Co-Produzenten von DER ENGLISCHE PATIENT (The English Patient, 1996) sowie Anthony Minghellas DER TALENTIERTE MR. RIPLEY (The Talented Mr. Ripley, 1999). Als Executive Producer hat er gerade David Munroe’s FULL GROWN MEN (2006) mit Alan Cumming, Amy Sedaris und Matt McGrath abgeschlossen.

 

DENISE O’DELL (Co-Produktion)

Denise O’Dell wurde in Großbritannien geboren, wo sie bis zu ihrem 17. Lebensjahr lebte. 1967 reiste sie nach Spanien, um dort an einem Film zu arbeiten und beschloss im Laufe der Dreharbeiten, in Spanien zu bleiben und dort in der Filmbranche tätig zu werden. Von Madrid aus unterstützte O’Dell Filme wie DER HERR DER RINGE (The Lord of the Rings, 1978), Stephen Frears THE HIT (1984), DAS BÖSE UNTER DER SONNE (Evil Under the Sun, 1982) und ISHTAR (1987), der in Marokko gedreht wurde. Die Erfahrungen, die sie bei diesem Film sammeln konnte, brachte sie in weitere, in Marokko gedrehte Filme ein wie: JAMES BOND 007: DER HAUCH DES TODES (007: The Living Daylights, 1987), INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG (Indiana Jones and the Last Crusade, 1989) und HIMMEL ÜBER DER WÜSTE (The Sheltering Sky, 1990). Weitere von O’Dell produzierte Filme sind WIE EIN LICHT IN DUNKLER NACHT (Shining Through, 1992), Die STUNDE DER PATRIOTEN (Patriot Games, 1992), DER SOHN DES ROSAROTEN PANTHERS (The Son of the Pink Panther, 1993) und GEHEIMNISSE (Uncovered, 1995).

1993 gründete O’Dell KanZaman. 1996 produzierte O’Dell Michael Hausmans RHINOCEROS HUNTING IN BUDAPEST (1997) gefolgt von ALL THE LITTLE ANIMALS (1998), das Regiedebüt von Jeremy Thomas, mit dem sie befreundet ist. 1999 war sie Co-Produzentin von Jonathan Glazers SEXY BEAST (2000). Weitere Filme, an denen sie mitarbeitete, waren THE RECKONING (2003), THE BRIDGE OF SAN LUIS REY (2004), GOOD WOMAN - EIN SOMMER IN AMALFI (A Good Woman, 2004), SAHARA (2005), Ridley Scotts KÖNIGREICH DER HIMMEL (Kingdom of Heaven, 2005) und BASIC INSTINCT 2 (2006). 2005 gründete O’Dell KanZaman France, um eine Basis für ihre französische Produktionstätigkeit zu haben.

 

MARK ALBELA (Co-Produktion)

Mark Albela wurde in London geboren, wo er bis zu seinem siebten Lebensjahr lebte, als seine Familie nach Cádiz zog. Dort besuchte er die zweisprachige Schule El Centro Inglés und setzte seine Ausbildung am Colegio del la Salle fort. Albela studierte an der Universität von Houston und arbeitete als Produktionshelfer an Steven Spielbergs DAS REICH DER SONNE (Empire of the Sun, 1987). Die Arbeit dauerte ein Jahr. Daran schloss sich ein Job bei INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG (Indiana Jones and the Last Crusade, 1989) an, woraufhin Albela beschloss, dauerhaft in der Unterhaltungsindustrie zu arbeiten. 1993 gründeten Albela und Denise O’Dell gemeinsam KanZaman. Im Alter von 29 Jahren produzierte Albela mit EL ARBOL DEL PENINENTE (2000) seinen ersten Film, der in Spanien von Columbia TriStar herausgebracht wurde. Er war außerdem einer der Co-Produzenten bei Jonathan Glazers SEXY BEAST (2000).

Albela ist Gründer der Dienstleister KanZaman Services und On The Spot, die Produktionen für Film, Fernsehen und Werbung in Spanien und Marokko, dort gemeinsam mit KanZaman Marokko, als Line Producer durchführen. Mit KanZaman Services betreute er die Produktionsdurchführung von drei aufeinander folgenden James Bond-Filmen, die in Spanien gedreht wurden, sowie mehr als 100 Werbespots und Musikvideos. Über KanZaman war er außerdem mit der Produktionsdurchführung von SAHARA (2005), KÖNIGREICH DER HIMMEL (Kingdom of Heaven, 2005) und BASIC INSTINCT 2 (2006) befasst. 2005 gründete er mit O’Dell KanZaman France, um eine Basis für ihre französische Produktionstätigkeit zu haben.

 

JAVIER AGUIRRESAROBE (Kamera)

Javier Aguirresarobe ist einer von Spaniens anerkanntesten Kameramänner, der mit einigen der bekanntesten Filmemachern Spaniens gearbeitet hat. Aguirresarobe war für die Bildgestaltung von THE OTHERS (Los Otros, 2001) sowie DAS MEER IN MIR (Mar Adentro, 2004) verantwortlich und erhielt für beide Filme jeweils einen Goya. Mit Montxo Armendáriz drehte er zwei Filme – OBABA (2005), die Oscar-Einreichung Spaniens 2005, sowie SECRETOS DEL CORAZON (1997). Zu seinen weiteren Arbeiten gehören THE BRIDGE OF SAN LUIS REY (2004), Pedro Almodóvars SPRICH MIT IHR - HABLE CON ELLA (Hable con ella, 2002), Fernando Truebas LA NIÑA DE TUS OJOS (1998), Pilar Miros EL PERRO DEL HORTELANO (1996), Julio Medems TIERRA (1996), Manuel Huergas ANTARTIDA (1995), Imanol Uribes DàAS CONTADOS (1996) Carlos Sauras ¡DISPARA! (1993). Javier Aguirresarobe fotografierte auch die Dokumentation ERIC CLAPTON AND FRIENDS (2003).

 

PATRIZIA VON BRANDENSTEIN (Ausstattung)

Patrizia von Brandenstein gewann für ihre Arbeit an AMADEUS 1984 einen Oscar. Von Brandenstein arbeitet regelmäßig mit Milos Forman zusammen. Sie war Art Director bei seinen Filmen RAGTIME (1981) und Produktionsdesignerin bei LARRY FLYNT - DIE NACKTE WAHRHEIT (The People vs. Larry Flynt, 1996) und DER MONDMANN (Man in the Moon, 1999). Für Mike Nichols war sie Produktionsdesignerin bei SILKWOOD (1983), DIE WAFFEN DER FRAUEN (Working Girl, 1988) und GRÜSSE AUS HOLLYWOOD (Postcards from the Edge, 1990). Vor Kurzem schloss sie ihre Arbeit an Steven Zaillians ALL THE KING’S MEN (2006) ab. Zu ihren neueren Arbeiten gehören noch THE ICE HARVEST (2005) und SHAFT (2000).

Von Brandenstein begann ihre Filmkarriere 1977, als sie die Kostüme für NUR SAMSTAG NACHT (Saturday Night Fever, 1977) entwarf. Als Produktionsdesignerin arbeitete sie erstmals an Peter Yates VIER IRRE TYPEN - WIR SCHAFFEN ALLE, UNS SCHAFFT KEINER (Breaking Away, 1979). Zu ihren frühen Arbeiten gehören LAND MEINES HERZENS (Heartland, 1979), A CHORUS LINE (1985), GESCHENKT IST NOCH ZU TEUER (The Money Pit, 1986) und BILLY BATHGATE (1991). 1988 erhielt Patrizia von Brandenstein eine Oscar-Nominierung für ihre Arbeit an Brian De Palmas THE UNTOUCHABLES - DIE UNBESTECHLICHEN (1987). Zu ihren weiteren Filmen gehören SNEAKERS - DIE LAUTLOSEN (1992), DER SCHEIN-HEILIGE (Leap of Faith, 1992), SIX DEGREES OF SEPARATION (1993), SCHNELLER ALS DER TOD (The Quick and the Dead, 1995), IM SUMPF DES VERBRECHENS (Just Cause, 1995), DAS MERCURY PUZZLE (Mercury Rising, 1998) und EIN EINFACHER PLAN (A Simple Plan, 1998).

 

YVONNE BLAKE (Kostüme)

Yvonne Blake erhielt für ihre Arbeit an Franklin J. Schaffners Film NIKOLAUS UND ALEXANDRA (1971) einen Oscar. Die in Großbritannien geborene Blake, die schon lange die spanische Staatsangehörigkeit besitzt, war ebenfalls für ihre Arbeit an Richard Lesters DIE VIER MUSKETIERE (1975) für einen Oscar nominiert. Sie entwarf auch die Kostüme für die weiteren Richard Lester-Filme DIE DREI MUSKETIERE (1973), ROBIN UND MARIAN (1976) und THE RETURN OF THE MUSKETEERS (1989).

Yvonne Blake begann ihre Laufbahn in England mit der Arbeit an so unterschiedlichen Filmen wie EIN ERFOLGREICHER BLINDGÄNGER (Charlie Bubbles, 1967), PUPPET ON A CHAIN (1972) und JESUS CHRIST SUPERSTAR (1973). Zusätzlich zu ihrer Arbeit in Spanien arbeitete sie auch an DER ADLER IST GELANDET (The Eagle Has Landed, 1976), SUPERMAN (1978), SUPERMAN II (1980), FLUCHT NACH ATHENA (Escape to Athena, 1979), HINTER DEM HORIZONT - DAS ENDE IST NUR DER ANFANG (What Dreams May Come, 1998), AL PACINO'S LOOKING FOR RICHARD (1996), COMPANY BUSINESS (1991) und THE RECKONING (2003). Yvonne Blake, die 1995 einen Goya für CANCION DE CUNA (1994) erhielt, hat erst kürzlich die Kostüme für THE BRIDGE OF SAN LUIS REY (2004) angefertigt.

 

ADAM BOOME (Schnitt)

Adam Boome arbeitete mit Milos Forman bereits an DER MONDMANN (Man in the Moon, 1999). Er schnitt den Kurzfilm PACK MICH! (1995) und den Langfilm SUMO BRUNO (2000) für Lenard Fritz Krawinkel. Boome schnitt und inszenierte zwei Folgen der britischen Serie „Travel Sick". Als Assistent war Boome unter anderem an dem Schnitt von BATMAN FOREVER (1995), TÖDLICHE WEIHNACHTEN (The Long Kiss Goodnight, 1996), ULEE’S GOLD (1997), STADT DER ENGEL (City of Angels, 1998) und WACHGEKÜSST (Living Out Loud, 1998) beteiligt. Für das britische Fernsehen hat Boome die Dokumentationen „I’m Free", „Inside the Comedy Closet" und „Britain’s Top Ten Heists" gemacht.

 


    
                                                                                                                         114 Min

Spanien, 1792. Inés (Natalie Portman), die junge Muse des berühmten Hofmalers Francisco Goya (Stellan Skarsgård), wird vor das Tribunal der Inquisition gezerrt und der Ketzerei beschuldigt. Dank Goyas Fürsprache wendet der finstere Mönch Lorenzo (Javier Bardem), Hauptstreiter der Inquisition, zwar die Todesstrafe ab, doch er gerät selber in Ungnade und muss fliehen. 16 Jahre später - Napoléons Streitkräfte sind inzwischen in Spanien einmarschiert - kommt Inés schließlich aus dem Kerker frei. Auch Lorenzo kehrt zurück, jetzt allerdings als glühender Verfechter der Revolutionsideale und Hauptankläger der alten spanischen Ordnung. Es kommt zum verhängnisvollen Wiedersehen zwischen Goya, Lorenzo und Inés...

Mit seinem Oscar-gekrönten Meisterwerk AMADEUS begeisterte Regielegende Milos Forman ein Millionenpublikum. Jetzt entwirft er erneut ein packendes Historiendrama rund um das Wirken eines großen Künstlers. Javier Bardem als dämonischer Bösewicht, Natalie Portman als wehrloses Opfer und Stellan Skarsgård als der legendäre spanische Maler und Querdenker Goya brillieren in der opulenten Inszenierung, die an Original-Schauplätzen gedreht wurde.

Notiz

Nach seinem Oscar-gekrönten Welterfolg AMADEUS erzählt Regisseur Milos Forman erneut eine tragische und ergreifende Geschichte über einen großen Künstler und seine Epoche. GOYAS GEISTER führt ins Spanien des ausgehenden 18. Jahrhunderts, in die dunkle Zeit der Inquisition. Stellan Skarsgård (DOGVILLE; FLUCH DER KARIBIK 2) spielt Francisco Goya, der im Film zunächst die Rolle des Beobachters und Chronisten einnimmt, dann aber doch seine neutrale Haltung aufgibt und den verzweifelten Versuch unternimmt, ein folgenschweres Unrecht an seiner Muse Inés (Natalie Portman) abzuwenden. Trotz allem verschwindet die junge Frau für 16 Jahre im Kerker, nicht zuletzt aufgrund der Machenschaften des skrupellosen Paters Lorenzo (Javier Bardem), dessen Wirken im Zuge der französischen Revolution Jahre später erneut das Schicksal des Malers und seiner Muse dramatisch beeinflusst.

Javier Bardem, der mit seiner ehrlichen, schnörkellosen und emotional mitreißenden Darstellung des querschnittsgelähmten Ramón Sanpedro in DAS MEER IN MIR ein breites Publikum begeisterte, überzeugt in GOYAS GEISTER mit gleicher Intensität und Hingabe in der Rolle des zwielichtigen Geistlichen. Dieser Pater Lorenzo ist ein Mann, der unbeeindruckt von seiner Umwelt mit rücksichtsloser Konsequenz seine Ziele verfolgt: Sei es die Stärkung der Inquisition in all ihrer Grausamkeit oder die Verteidigung der Ideale der französischen Revolution, zu denen er nach seiner Flucht aus Spanien konvertiert.

Milos Forman zeichnet in GOYAS GEISTER aber nicht nur das Portrait einer Zeit, wie sie Goya in seinen Gemälden, Skizzen und vor allem Stichen, für die Nachwelt fest gehalten hat; er setzt sich auch mit den allzu menschlichen Schwächen von starrem Glauben, Gier nach Macht, brennendem Verlangen und tumber Sturheit auseinander. Dabei beweist der Regisseur erneut, dass er ein Meister darin ist, Details unaufdringlich, dafür aber umso intensiver zu inszenieren und dem Zuschauer ein Gefühl für eine historische Epoche und menschliche Schicksale zu vermitteln.

Neben Javier Bardem und Stellan Skarsgård begeistert vor allem Natalie Portman (STAR WARS, HAUTNAH) in der Rolle der von der Inquisition zu Unrecht angeklagten Inés. Die darstellerischen Glanzleistungen der Hauptdarsteller und die Bildgewalt des Films werden zusätzlich verstärkt durch das einfühlsame Licht von Javier Aguirresarobe (DAS MEER IN MIR, THE OTHERS), einem der renommiertesten Kameramänner Spaniens, und die gedeckten, authentischen Töne des eindrucksvollen Set-Designs der oscarprämierten Ausstatterin Patrizia von Brandenstein (AMADEUS).

 

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