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Exklusives Interview mit Moon Bloodgood zum Film FASTER


Im neuen Actionfilm FASTER spielt Moon Bloodgood die Hauptrolle der „Marina”, die nicht nur gegen die Dämonen ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat, sondern auch mit ihrer unbeständigen Beziehung zu „Cop“ (Billy Bob Thornton) – einem ehemaligen Polizisten, dessen Welt durch den Ex-Häftling „Driver“ (Dwayne Johnson) radikal auf den Kopf gestellt wird. Denn der ist unterwegs, um den Tod seines Bruders zu rächen.

Geboren und aufgewachsen in Kalifornien, spielte Bloodgood zuvor in Erfolgen wie Terminator: Die Erlösung, Street Fighter, Barry Levinsons Inside Hollywood und in der beliebten US TV-Serie Journeyman – Der Zeitspringer. Mit ihrem exotischen Aussehen (sie ist niederländisch-irisch-koreanischer Abstammung) ist sie zudem ein oftgesehener Liebling der Männermagazine. Wir sprachen mit Bloodgood am Set von Faster in Los Angeles.

ICH HABE DICH GERADE NOCHMAL IN TERMINATOR GESEHEN UND DU WARST GROßARTIG.
Oh, dankeschön!

HAST DU VIELE ACTIONSZENEN IN DEINEM NEUEN FILM?
Nein, damit hatte ich diesmal rein gar nichts zu tun! Was allerdings eine nette Abwechslung war. Für mich war es aber auch das erste Mal, dass ich eine Drogensüchtige spiele. Natürlich will jeder Schauspieler mal einen Drogensüchtigen spielen (lacht) …

ERZÄHL UNS MEHR ÜBER DEINE ROLLE.
Der Name meiner Figur ist Marina. Ich lebe getrennt von Billy Bobs Charakter – wir nennen ihn „Cop“ – und wir haben einen gemeinsamen Sohn, Tommy (Aedin Mincks)… Das Komplizierte daran ist, dass ich ein Drogenproblem habe… Heroin.

WIE HAST DU DICH AUF DIE ROLLE VORBEREITET?
Nachforschungen. Denn natürlich habe ich noch nie Heroin genommen. Bevor ich zum ersten Mal vorsprach, schaute ich ins Internet, um zu sehen, was Menschen durchmachen, wenn sie high sind… Und auch George (Regisseur George Tillman Jr.; NOTORIOUS) war wirklich großartig! Er hatte all diese zusätzlichen Informationen für mich – über den Status des Bewusstseins, wenn sie auf Entzug sind; was sie fühlen, wenn sie high sind… Dennoch, jeder Schauspieler geht da anders heran. Ich konzentrierte mich darauf auszudrücken, wie es sich anfühlt hoffnungslos zu sein – dieser Bewusstseinszustand, in den du gerätst, wenn du etwas so Schlimmes getan hast, dass du deine Vergangenheit nie wieder loswirst, egal, wie viel Gutes du auch tust.

WAS WAR DIE GRÖßTE HERAUSFORDERUNG FÜR DICH BEI FASTER?
Die Herausforderung bestand darin, es echt wirken zu lassen und nicht wie jemand, der versucht so zu tun, als ob er high wäre – denn das ist ganz schlecht… Das war meine Herausforderung. Es gab da zum Beispiel diese eine total düstere Szene, wo ich völlig still in einer Ecke stehen musste. In diesem Moment hätte ich mit absolut niemandem sprechen können, denn leider gehöre ich nicht zu den Schauspielern, die sich einfach ein- und ausknipsen können, zwischendurch Sachen sagen wie „Hey, was machst du später?“ und dann so eine heftige Szene spielen.

WIE GELINGT ES DIR DANN BEI LANGEN DREHTAGEN KONZENTRIERT ZU BLEIBEN?
Wenn ich ernste Szenen spiele, habe ich gelernt mich von den anderen fernzuhalten und in der Szene drin zu bleiben. Ich kenne andere Schauspieler, die das nicht tun. Vielleicht sind sie in diesem Punkt einfach besser als ich. Wenn es eine unbeschwerte Szene ist, dann bin ich auch gesprächiger. Maggie (FASTER co-Star, Maggie Grace) und ich haben gerade darüber geredet. Manchmal mag ich es auch einfach ein Buch zu lesen oder mit meinem Handy zu spielen, um Energie zu sparen. Ansonsten kann es dir passieren, dass du mit jedem redest und dann völlig müde in die Szene gehst.

WIE IST ES MIT BILLY BOB THORNTON ZU DREHEN?
Oh, ich liebe Billy! (lacht) Ich bin sicher du weißt es schon – Billy ist einfach nur Billy! Und er war großartig! Er hat mir so viele Geschichten erzählt. Und für mich als Schauspielerin, die erst seit sechs Jahren dabei ist, ist das wundervoll. Ich liebte es, ihn Fragen zu seinen Filmen zu stellen – ALL DIE SCHÖNEN PFERDE, SLING BLADE… Er war wirklich süß… sehr nett. Und er ist wahnsinnig lustig, weil er sich nicht darum schert, was andere Leute über ihn denken.

HAT ER DIR IRGENDEINEN RAT GEGEBEN?
Ich erinnere mich daran, dass er darüber geredet hat, dass einige Szenen länger sein sollten. Er machte mir deutlich, wie schwer es ist, eine Szene zusammenzufassen. Wie schwer es ist, eine Szene von Null auf 100 zu bekommen und dann wieder zurück auf Null. Wir redeten auch darüber, wie man eine Szene aufschlüsselt und wie jede Person anders herangeht. Aber vor allem lernt man dadurch, was man siehst, gegenüber dem, was dir jemand sagt. Ich habe ihm zugeschaut. Er ging so respektvoll mit George um, obwohl er selber ein sehr erfahrener Regisseur und Schauspieler ist… Er hat George einfach machen lassen…

ERZÄHL UNS ETWAS MEHR ÜBER REGISSEUR GEORGE TILLMAN.
George ist so entspannt, aber zugleich nimmt er alles sehr ernst – und das liebe ich. Er kam zu mir mit einem Buch. Und er sagte: „Marina, Zusammenbruch von Marina, körperliche Dinge, die passieren würden, wenn sie auf Heroin wäre…“ Er hat so viel nachgeforscht. Und an mich sendet das ein Signal. Nicht, „Ich vertraue dir nicht“, sondern „Ich mache mir genausoviele Gedanken um diese Figu, wie du. Ich hänge mich genauso rein.“ Er ist spitze.

UND SEINE HERANGEHENSWEISE AN DEN FILM ALS GANZES?
Er war großartig. Er hatte verschiedene Ideen für all die verschiedenen Charaktere… Und er machte sich Gedanken über den Subtext: Was treibt die Szene voran? Was leitet jeden einzelnen Charakter? Und was ist ihr Ziel? In meinem Fall: Was bringt Marina dazu, rückfällig zu werden? Solche Sachen eben. Er redete auch über das Visuelle. Er lässt sich vollkommen darauf ein. Hinter der Kamera macht er nicht allzu viele Takes, aber er arbeitet auch nicht viel zu schnell, so dass man denkt: „Warte, ich möchte noch einen machen!“ Er ist cool. Er ist verdammt cool.

LEIDER GAB ES KEINE ACTION SEQUENZEN FÜR DICH…
Also, immerhin durfte ich Billy ohrfeigen (lacht)…

HOFFENTLICH VERDIENT ER ES.
Also ehrlich gesagt, das ist eine heikle Sache… Am Set von JOURNEYMAN habe ich jemandem aus Versehen die Nase gebrochen – und das ist eine wahre Geschichte.
 
WIRKLICH?
Ja, ich habe sie gebrochen. Er war ein Komparse und ich war so… Es war eine fürchterliche Erfahrung. Nun macht es mich jedes Mal nervös, wenn es um das Gesicht geht! Nun ja, ich sollte ihm eine knallen. Und was ich getan habe, war dann eher ihm richtig auf die Seite des Kopfes zu schlagen. Ich hatte irgendwie eine Beziehung zu seiner Rolle aufgebaut und dann passierte etwas Schlimmes! Ich denke, ich werde zu meinen Charakteren (lacht)… Ich meine, als ich diesen Mann (bei JOURNEYMAN) geschlagen habe, wusste ich nicht, dass ich das machen werde! Es war wirklich schlimm…Also ja, ich musste ihn ohrfeigen. Das ist meine einzige Actionszene. (lacht)

DENKST DU, DIESE ROLLE WIRD DIE MEINUNG DER LEUTE VON DIR BEEINFLUSSEN?
Oh Gott, ich hoffe es… Ich möchte schon ernster genommen werden. Ich mache immer diesen Actionkram. Und das ist toll, ich liebe es! Aber ich wollte auch etwas anderes machen… Es war eine tolle Gelegenheit – ein Straßenmädchen zu spielen, das ohne Geld  aufgewachsen ist, mit Drogen in Berührung kam und nun Verantwortung übernehmen muss… Ich bin froh, dass ich mich in dieser Welt bewegen konnte.

WAS HOFFST DU, WIRD DAS PUBLIKUM VON FASTER MITNEHMEN?
Zu allererst, ich liebe Dwayne [Johnson]. Ich hoffe, das Publikum bekommt seine ruhige Intensität zu sehen, von der ich weiß, dass er sie darstellen kann. Er ist ganz offensichtlich derjenige, der den Film pusht… Aber ich hoffe auch, dass wir die Leute überraschen können. Ich möchte, dass sie ins Kino gehen und denken: „OK, das ist ein Actionfilm.“ Und dann sind sie überrascht: „Oh, ich mag diese Charaktere. Sie haben so viel Tiefe.“ Und ich denke, jeder Charakter hat diese Tiefe – es sind nicht einfach diese kleinen Rollen; ihre Rollen sind alle miteinander verflochten… Für mich ist es so: wenn ich einen Film liebe, dann kann ich mich mit etwas identifizieren, etwas lernen und insbesondere etwas fühlen. Ich denke, wir gehen ins Kino um etwas zu fühlen. Ob zur Flucht aus dem Alltag oder zum Lachen, um sich mit anderen zu treffen oder sich nicht alleine zu fühlen – ich hoffe, das werden die Leute mitnehmen… Ich hoffe, wir können ihnen ein wenig von alledem mitgeben.

FASTER startet bundesweit ab dem 17. März 2011. Hier seht ihr den Trailer und alle Infos zum Film.

Das Interview wurde am 1. April 2010 in den CBS Films Radford Studios in Los Angeles geführt.



 


 

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