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Anonymus Trailer und Filmkritik

Originaltitel: Anonymous  |   Mit: Rhys Ifans, David Thewlis, Vanessa Redgrave

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FSK Film: 12 | FSK Trailer: 12 | Länge: 130 Min | Kinostart: 10.11.2011 | DVD/BD: 16.05.2012 (DVD&BD) | ©  Sony Pictures | Drama
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Emmerich legt sich mit Shakespeare an – ein sehenswerter Kampf





Die Meinung zum Film - von

Roland Emmerich, der Master of Disaster schult um. Jetzt will er der Master of Drama werden. Zumindest ist sein neuer Film ganz anders als alles was man von ihm bisher kannte. In ANONYMOUS geht er der These nach, dass William Shakespeare ein Hochstapler war, der kein einziges Theaterstücke selbst geschrieben hat. Der Verdacht ist alles andere als Fantasy und wird seit mehr als hundert Jahren diskutiert. Wenn´s stimmt wäre das ohne Übertreibung die größte Sensation der Literaturgeschichte.

Kein Theater, dass nicht irgendwann Shakespeare aufgeführt hat, kein Schauspieler gilt als groß, wenn er nicht irgendwann mal König Lear, MacBeth oder Hamlet gespielt hat. Da sollte man schon wissen, wer´s eigentlich geschrieben hat. Zumal ein anderer Autor auch das ganze Werk in einem anderen Licht erscheinen lässt. Dabei sind Pseudonyme heutzutage gang und gäbe im Literaturbetrieb. Zahllose Bücher stammen von Autoren, die ihren Namen verändert haben, sei es aus Datenschutz- oder Marketinggründen. Und auch obwohl heute praktisch jeder sein Privatleben Online veröffentlicht, kann man sich im Internetzeitalter nie sicher sein, ob die Informationen stimmen. Alles wird gefälscht. Da hofft man, dass wenigstens die Vergangenheit einigermaßen verlässlich ist. Aber von wegen:

"Behauptung ist nicht Beweis".

In einer knappen Rahmenhandlung führt uns der bekennende Shakespeare-Zweifler Derek Jacobi in bester Theatermanier in die Geschichte ein und erläutert, dass der Film kein Gerichtsverfahren ist, sondern ein großes Spiel, dass keinen Anspruch auf die absolute Wahrheit erhebt.
Gegen Ende des 16.Jahrunderts tobt in Großbritannien - wie ja eigentlich sonst auch - ein Machtkampf um den Thron. Queen Elizabeth (Vanessa Redgrave, "Abbitte") kommt langsam in die Jahre und hat - als angebliche Jungfrau - keinen offiziellen Nachfolger. Umso mehr bemühen sich andere Fraktionen bei Hofe, ihre eigenen Favoriten in Stellung zu bringen. Das mächtigste Wörtchen hat dabei ihr puritanischer Berater William Cecil (David Thewlis,"Harry Potter Und Die Heiligtümer Des Todes"). Das Volk hat dabei nicht mitzureden, die Massen vergnügen sich stattdessen im Theater, wo allerdings gerne auch die Mächtigen verspottet werden. Wer es dabei übertreibt, kann aber schnell im Tower landen. Wie der kleine Bühnenautor Ben Jonson (Sebastian Armesto, "Fluch Der Karibik - Fremde Gezeiten"). Der einflussreiche Earl of Oxorf (Rhys Ifans "Mr.Nice") kauft ihn frei und macht ihm ein Angebot, dass man kaum ablehnen kann. Jonson soll Oxford´s Theaterstücke aufführen und sich selbst als deren Autor ausgeben. Denn offiziell ist das Theater unter der Würde eines Blaublüters. Zudem enthalten Oxfords Stücke immer mal wieder spitze politische Kommentare, die Oxfords bei Hofe viel Ärger machen könnten. Die Dramen, Komödien und Tragödien erweisen sich als Meisterwerke und Kassenschlager. Als Jonson jedoch zu lange zögert, seinen Namen herzugeben, springt der eitle Schauspieler William Shakespeare (Rafe Spall "Hot Fuzz") in die Bresche und reklamiert den Ruhm für sich. Von da an gibt es kein zurück mehr. Aber die Geschichte geht damit überhaupt erst los. Oxford will durch das Theater nämlich das politische Klima auf der Insel verändern und ein gehöriges Wörtchen bei der Thronfolge mitreden.

"Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode!"

Emmerich´s epochale Schnitzeljagd verfügt über mehr Story und faszinierende Charaktere als seine bisherigen Blockbuster zusammen. Darin liegt aber auch eins der wenigen Probleme. Es erfordert volle Aufmerksamkeit, den vielen Intrigen, Affären und Winkelzügen zu folgen. Mehrere Zeitsprünge machen das Verständnis zusätzlich schwierig. Dass die Erzählung dennoch von Anfang bis Ende fesselt und überrascht ist eine Meisterleistung. So großartig Emmerichs Inszenierung ist, alleine hat er das nicht geschafft. Drehbuchautor John Orloff ("Band Of Brothers", "Ein Mutiger Weg") hat sich über 20 Jahre mit dem Thema befasst. Sein Skript platzt fast vor Zitaten, Andeutungen und historischen Querverweisen - ohne wie eine trockene Geschichtsabhandlung zu erscheinen. Das ist schwer oscarverdächtig.
Dabei pfeift der Film auf historische Authentizität, es wird ordentlich verbogen, verschoben, verdreht und spekuliert. "Anonymous" ist eben keine historische Doku. Emmerich und sein Team inszenieren ihr Thema selbst wie eine barocke Tragödie, mit ordentlichem Theaterdonner, großen Gesten, deftigen Charakteren und viel Schwung. Da regnet es schon mal bei einer besonders bewegenden Theateraufführung zur rechten Zeit, Shakespeare lässt sich wie beim Rockkonzert von der Menge tragen, oder die Cecils Söldner brennen Shakespeares Theater nieder. Erlaubt ist,was wirkt. Denn der Film will nicht nur das vielleicht größte Plagiat der Kunstgeschichte aufklären, er ist selbst eine Liebeserklärung an Theater, Poesie und Schauspiel.
Oxford will mit den Mitteln der Kunst Politik machen. In einem "normalen" Blockbuster hätte der damit wohl Erfolg. Hier jedoch muss er für seine Anmaßung dagegen einen hohen Preis zahlen und sogar erkennen, dass seine puritanischen, kunstfeindlichen Gegner auf ihre Art selbst eine Art Theater inszenieren, in dem er nur eine der Figuren ist.

"Ihr werdet nimmer seinesgleichen sehn!"

So untypisch er zunächst erscheint, ist "Anonymous" doch unbestreitbar ein Emmerich-Film, in dem die Technik mal wieder an neue Grenzen getrieben wurde. So kam eine nagelneue Kamera zum Einsatz, durch die auch künstliches Licht weitgehend verzichtet werden konnte. In vielen Szenen erhellen nur Sonnenstrahlen, Kerzen Fackeln und Laternen die Szenerie.
Die Computertechnik, die das Spielbergle bereits ins vielen Filmen ausgereizt hat, ist natürlich auch bestens geeignet, das historische London auferstehen zu lassen. Das gab es zwar schon in anderen Historiendramen, hier sehen die Bilder aber noch überzeugender und grandioser aus, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Alles wirkt wie aus einem Guß.
Untypisch für Emmerich ist jedoch die Leistung seiner Schauspieler. Die waren bei ihm bisher eher Füllmaterial für die digitalen Kulissen. In "Anonymous" sieht man dagegen eine ganze Reihe exzellenter Auftritte. Ganz vorne ist dabei Rhys Ifans. Wer nicht weiß dass er mitspielt, würde es glatt übersehen, denn er verschwindet in der zentralen Rolle des Earl of Oxford, quasi dem wahren "Shakespeare". Daneben glänzt David Thewlis als sein Zuchtmeister und Gegenspieler William Cecil, in dessen Rolle er im Verlauf des Films nebenbei um 40 Jahren altert.
Vanesse Redgrave spielt die gealtere Queen Elizabeth und ihre eigene Tochter Joely Richardson übernimmt in den Rückblenden die Rolle der jungen Königin. Das sorgt für mehr als nur eine äußerliche Ähnlichkeit. Rafe Spall, der Sohn von Timothy Spall ist als Shakespeare zu sehen und spielt ihn als ruhmsüchtigen, halbgebildeten, geldgierigen Trunkenbold und mäßigen Schauspieler, der es jedoch versteht, eine sich bietende Chance zu nutzen.

"Last, not least"

Emmerich verlangt seinem Publikum einiges ab. Er beschreibt seinen ungewöhnlichsten Film als "politischen Thriller". Aber "Anonymous" ist noch viel mehr, ein Sittengemälde, ein historischer Krimi, ein Familiendrama, ein Kostümschinken und nicht zuletzt ein Epos über Kunst und Poesie.
Nicht davon klingt so, als ob es die üblichen Emmerich-Fans ansprechen würde. Er muss wohl neue Zuschauer finden. Damit sollte er aber bei diesem mitreißenden Geschichtsbild kein Problem haben.
Einige Kritiker haben den Film als absurd und grotesk bezeichnet und bemängeln angebliche historische Mängel- ein billiges Totschlagsargument. "Anonymous" ist aber nunmal keine Doku. Das waren Shakespeares Werke auch nicht. Oft scheint die Kritik auch allein darauf zu fußen, dass der erfolgreiche Master of Disaster sich an einem literarischen Heiligtum vergreift. Und dass er sie nicht gefragt hat. Vielleicht hätte Emmerich sich hier auch hinter einem anderen Namen verstecken sollen ? Viele Literaturprofessoren und Theatermacher werden den Film in der Luft zerreissen. Sie sollten Emmerich ein Denkmal errichten, weil er das (angebliche) Werk des großen Dramatiker mal wieder ins Gespräch bringt. Emmerich sollte ihnen aber auch dankbar sein. Denn schlimmer als ein Verriß ist schließlich Gleichgültigkeit. So stellen die empörten Literaten sicher, dass "Anonymous" für lange Zeit in Erinnerung bleibt. Aber selbst ohne den ganzen Medienzirkus ist "Anonymous" ein mitreißendes, opulentes Kinoerlebnis.

Marcus Fliegel© Marcus Fliegel
 
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Infos zu "Anonymus"

Die Story zu Anonymus:Angesiedelt in der politischen Schlangengrube des elisabethanischen Englands, spekuliert ANONYMUS über eine Frage, die schon seit vielen Jahrhunderten zahlreiche Wissenschaftler und kluge Köpfe von Mark Twain und Charles Dickens bis hin zu Henry James und Sigmund Freud beschäftigt hat, nämlich: Wer war der Autor der Stücke, die William Shakespeare zugeschrieben werden? Zahlreiche Experten haben darüber diskutiert, Bücher wurden geschrieben und Gelehrte haben ihr ganzes Leben der Aufgabe gewidmet, die Theorien, die die Autorenschaft der berühmtesten Werke der englischen Literatur umgeben, zu bewahren oder zu zerstreuen. ANONYMUS gibt eine mögliche Antwort und konzentriert sich dabei auf eine Zeit, als sich politische Intrigen, verbotene Romanzen am Königlichen Hof und die Machenschaften habgieriger Aristokraten, die die Macht des Throns an sich reißen wollten, an einem der ungewöhnlichsten Orte widerspiegelten: der Londoner Bühne.

Schauspieler:Vanessa Redgrave, Rhys Ifans, David Thewlis, Joely Richardson, Xavier Samuel, Derek Jacobi, Edward Hogg, Mark Rylance, Julian Bleach, Tony Way, Antje Thiele, Sebastian Reid, Robert Emms

Regie:Roland Emmerich

Produktion:Roland Emmerich, Robert Leger und Larry Franco

Drehbuch:John Orloff

Hintergrund:Angesiedelt in der politischen Schlangengrube des elisabethanischen Englands, spekuliert ANONYMOUS über eine Frage, die schon seit vielen Jahrhunderten zahlreiche Akademiker und kluge Köpfe, von Mark Twain und Charles Dickens bis hin zu Henry James und Sigmund Freud, beschäftigt hat. Wer war der Autor der Stücke, die William Shakespeare zugeschrieben werden? Zahlreiche Experten haben darüber diskutiert, Bücher wurden geschrieben und Gelehrte haben ihr ganzes Leben der Aufgabe gewidmet, die Theorien, die die Autorenschaft der berühmtesten Werke der englischen Literatur umgeben, zu bewahren oder zu zerstreuen. ANONYMOUS gibt eine mögliche Antwort und konzentriert sich dabei auf eine Zeit, als sich politische Intrigen, verbotene Romanzen am Königlichen Hof, und die Machenschaften habgieriger Aristokraten, die die Macht des Throns an sich reißen wollten, an einem der ungewöhnlichsten Orte widerspiegelten: der Londoner Bühne.

Offizielle Websites:
- Film Website
- Facebook-Seite des Films / der Serie




Eure Meinung zu "Anonymus"


Weitere Kommentare zu "Anonymus":

Stefan Stasek Ich fand den Film nicht so gut wie erwartet!

Angélique Duvier Ein wirklich gut gemachter Film, ich habe ihn mir schon zweimal angesehen.Wunderbare Schauspieler,wunderbarer Regisseur,wunderbare Story! Angélique Duvier, Schauspielerin

Andy Ich hab bei Dem Dreh 27 Tage mitgemacht, es war einfach Hammer. Roland, ein echt genialer Regieseur und echt Menschlich, sprich er hat keine scheu sich auch mit den Komparsen ganz gemütlich zu unterhalten. Die Drehtage warten teilweise sehr lang, am schlimmsten fand ich die Regendrehs, weil es war fast immer nachts und das Wasser sehr kalt. Würde mich aber jemand fragen ob ich das noch mal machen würde, zu 100% JA

Coco63 Das Thema des Films als Drama und gleichzeitig Thriller zu verfilmen, einfach fantastisch. Super Einfall den genialen Shakespeare-Darsteller Derek Jacobi in der Anfangs- und Endsequenz zu presentieren. Klasse Film. Weiter so Emmerich!!!

Angelika Wir haben uns heute den Film angesehen. Gigantisch! Das hatten wir nicht erwartet. Spannend von Anfang bis Ende. Reg?eur- und Schauspielerleistung nicht zu ?bieten. Kulissen, Stimmungen. Alles toll.

Somaliapirat Ein paar Anons hier?! Guy Fawkes hat damit ja offensichtlich nichts zu tun *Tab wieder schließen*

J,F. Ich liebe die beiden Elizabeth Filme und die Tudors. Ich kann´s kaum abwarten ins Kino zu gehen!!!

Emil G. Nun, das beste an dem Film wird die Umsetzung der Vergangenheit sein. Auf so etwas steh ich total. Der Rest, und da leg ich mich mit Freuden jetzt schon fest, wird der übliche Emmerich-Kokolores. Hab ich für "2012" schon prophezeit und bin nicht enttäuscht worden... Zweiter großer Pluspunkt von "Anonymus": kein 3D! (War vor ein paar Tagen in FdK - Fremde Gezeiten in der 2D-Vorstellung und hab da eine der "Einweg"-3D-Brillen gefunden. Für mich als Brillenträger eine absolute Zumutung. Nur gut, daß ich mir die 11,50? für FdK4 in 3D gespart habe!)

ich @william er wollte mal was anderes machen,jetzt hatte er endlich die gelegenheit. aber er hat genöhlt dass er nur 34 mio dollar oder sowas zur verfügung hatte xD

diepele Emmerich und Shakespeare? Mehr als ungewöhnlich, ich bin gespannt :)

William Noch ist nicht genau abzusehen, wohin uns dieser Film führen soll. Ein Kammerstück oder elilsabethanischer Verschwörungsthriller? Diesmal muss jedoch Regisseur Emmerich wohl auf seine spektakulären Weltuntergangsszenarien verzichten - oder?