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Die Singende Stadt Film Kino Trailer

Länge: 92 Min | Kinostart: 10.02.2011 | ©  RealFiction | 
 
 
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Die Singende Stadt Film Kino Trailer

 
 

Die Singende Stadt Film Kino Trailer: Infos & Links

Die Story zu Die Singende Stadt Film Kino Trailer:
Gesang in endlosen Fluren. Hinter dem Regal mit den Perücken der gefüllte Blutkühlschrank, ein Schwarm Elfen zwitschert durch die Kantine, Pauken, Trompeten, die allgegenwärtige Lautsprecherstimme. Einflüsterungen, große Worte, absurde Dialoge, und jede Geste zählt. Unten dicht bei der Kanalisation gewaltige Hebeapparate, ein jubelnder Chor schwebt herauf: Die Singende Stadt. Der Film nimmt die Stuttgarter Parsifal - Inszenierung des Regisseurs Calixto Bieito zum Anlass und als roten Faden, um in das komplexe Universum eines großen Opernhauses einzutauchen und die Menschen in dieser fremden Welt bei ihrer täglichen Arbeit zu beobachten. Hier treffen Visionen auf die Realität des Machbaren: Jede Oper eine babylonische Anstrengung und ein sinnliches Vergnügen.

Hintergrund:
Der Film nimmt die Stuttgarter Parsifal - Inszenierung des Star-Regisseurs Calixto Bieito zum Anlass und als roten Faden, um in das komplexe Universum eines großen Opernhauses einzutauchen und die Menschen in dieser fremden Welt bei ihrer täglichen Arbeit zu beobachten. So entwickelt sich kein herkömmliches making-of einer Opernproduktion, sondern das Bild eines ebenso hochgradig verfeinerten wie flexiblen Organismus mit erstaunlichen Fähigkeiten, mit gewaltigen Konflikten und deren eleganten oder mitunter komischen Lösungen, und wir ahnen, dass nicht erst die Oper ein Kraftwerk der Gefühle ist, sondern schon das Opernhaus selbst.


 

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Weitere Infos zum Film:

Am Anfang stehen eine prallgefüllte Partitur und eine große, leere Bühne. Von den ersten Überlegungen zur Gestaltung einer Spielzeit an einem Opernhaus bis hin zur Premiere eines Werks vergehen Jahre. Sind die Kernpositionen bestimmt, setzt sich eine gigantische Maschinerie in Gang. Hier setzt der Film an und zeigt den Entstehungsprozess einer Opernproduktion an einem der renommiertesten Häuser dieser Republik.

Bieitos intuitive Art zu arbeiten und die daraus entstehenden Dynamiken innerhalb der unzähligen Abteilungen des Hauses bilden den Kern von Jendreykos Film. Monatelange Überlegungen, Planungen und Zeichnungen, selbst Kernstücke des Bühnenbildes und dessen Peripherie werden durch eine einzelne Entscheidung Bieitos verworfen und müssen grundsätzlich neu gedacht werden. Der Regisseur bestimmt für die Dauer der Produktion den Rhythmus des Hauses, der Film lässt sich mitziehen von den entstehenden Dynamiken und findet seine Momente der Ruhe beim konzentrierten Arbeiten in kleinen Werkstätten und Arbeitsräumen abseits der Probebühnen und Epizentren der Geschehnisse. Ganz wie der Held aus Richard Wagners letzter Oper dringt der Zuschauer in eine ihm unbekannte Welt ein. Er erlebt Erstaunliches, Witziges und Dramatisches, um am Schluss mit neuen Erkenntnissen von seinen Abenteuern zurückzukehren.

Und wenn Parsifal als unwissender Tor nach und nach Bewusstsein erlangt und damit erst zum ganzen Menschen, zum Individuum wird, so erzählt der Film, wie die verschiedensten Individuen in diesem Opernhaus mit all ihren Streitereien und Sorgen, ihren Fertigkeiten und Träumen zu einer handlungsfähigen, schöpferischen Gemeinschaft werden. Der Zuschauer wird Zeuge der Freuden und Krisen, der Banalitäten und Genialitäten, der Gegensätze und Gemeinsamkeiten, die den Arbeitsalltag der Menschen hier prägen und in ihrer Summe einer Inszenierung ihr Gesicht geben. Er entdeckt Berufe, die hier wie seltene Arten gepflegt werden und lernt Menschen kennen, die in der Ausübung ihrer Tätigkeit erblühen.

Planung und Inszenierung einer Oper dauern länger als ein Jahr. Wir waren dabei. Wir haben uns diese Zeit genommen, auch um zu verstehen, was diese Maschinerie wirklich antreibt.


Vadim Jendreyko über seinen Film:

Ganz am Schluss, am Abend der Premiere, stehen Menschen auf der Bühne und singen. Es ist der Moment, in welchem dem Publikum im Zuschauerraum die Summe eines monatelangen Prozesses übergeben wird. Und es ist der Moment der Befreiung und des Abschieds für die Schöpfer des Werkes, die das Geschehen mit banger Freude von der Seitenbühne aus beobachten.

Ich kenne diese Momente auch von meiner Arbeit, wenn es gilt, einen neuen Film in die Welt zu entlassen. Was davor liegt, bleibt für Aussenstehende meist im Verborgenen: es sind monate- manchmal auch jahrelange Wege, die zurückgelegt werden, durch alle emotionalen und künstlerischen Jahreszeiten und Wetterlagen.

Das Besondere an der Entstehung einer Oper ist für mich die unvergleichliche menschliche Dichte: es wirken hier unter einem Dach Hunderte von Menschen mit unterschiedlichsten persönlichen und beruflichen Hintergründen zusammen. Es prallen die verschiedensten Temperamente, Kompetenzen und Visionen aufeinander, die mit jeder Inszenierung aufs Neue synchronisiert werden müssen und in ständig wechselnden Kombinationen immer wieder neue Herausforderungen zu meistern haben.

Darin liegt sicher ein grosser Reiz für die, die hier arbeiten. Doch die einzelnen Mitwirkenden haben oft nur sehr begrenzten Einfluss, wenn es um die Zusammenstellung der Teams geht, oder um die Visionen, die es umzusetzen gilt. Viele handwerkliche wie künstlerische Herausforderungen verlangen aber ein hohes Mass an schöpferischem Potential, welches sich nur in einem guten Arbeitsklima entfalten kann und sich nicht per Knopfdruck abrufen lässt.

Wie passt das also zusammen?
Mit diesen Fragen bin ich in die ganz konkreten Arbeitsprozesse bei der Entstehung der Parsifal-Inszenierung eingetaucht. Ich wollte sehen, wie sich aus den vielen Einzelteilen etwas Neues zusammenfügt, was eben mehr ist als die Summe der Bestandteile. Ich wollte beobachten, wie mit Spannungen, Widersprüchen oder Grenzen menschlicher oder materieller Art umgegangen wird und wie Lösungen oder Kompromisse gefunden werden. Gibt es Verlierer und Gewinner in so einem Prozess? Oder sind diese Kategorien zu schmal, um das Wesen dieses Zusammenwirkens zu erfassen? Und ist dieses Haus tatsächlich die Stadt in der Stadt, wie ich sie Freunden oft beschrieben habe, und ein Spiegelbild unserer Gesellschaft? Oder eher ein Refugium für vom Aussterben bedrohte Berufe und Arbeitsweisen?

Während des Drehs sind diese Fragen allerdings oft zurückgetreten vor dem Staunen über so viel versammelte Könnerschaft und Liebe zum Detail. Es war immer wieder ein Genuss, die Leute bei ihrer Kunst zu erleben und zu begleiten, und damit meine ich nicht nur die sogenannt künstlerischen Tätigkeiten. Die Bedingungen waren nicht einfach bei dieser Inszenierung, es herrschte ein grosser Zeitdruck, der Spannungen und Einschränkungen mit sich brachte. Doch am Schluss standen Menschen auf der Bühne und sangen, und all die individuellen Anstrengungen hatten einmal mehr zu einer Form gefunden, die den Zuschauern enthüllt und übergeben wurde. Und die über sich hinaus und auf das vielschichtige, schöpferische und menschliche Potential dieses Opernhauses weist, mitten in der Stadt.

 

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