Das 32. Filmfestival Max Ophüls Preis ehrt Henry Hübchen

30.12.2010 10:13

Henry Hübchen ist der „größte lebende deutsche Verzweiflungs-Slapstickkünstler“, wie ihn die „Berliner Zeitung“ einmal so treffend genannt hat. Sein Markenzeichen: die Berliner Schnauze, mürrisch und herzerfrischend zugleich . Sein Repertoire reicht vom Kleinganoven über den Romeo bis hin zum Kommissar und dem grüblerischen Melancholiker.

Hübchen war schon zu DDR-Zeiten ein Theaterstar, der mit allen relevanten Preisen ausgezeichnet wurde, und setzte seine Erfolgskarriere auch nach der Wiedervereinigung in der gesamtdeutschen Szene fort.
 
Es sei schade, dass man Theater nicht konservieren könne, sagt er – und wählte daher für seine Filmreihe in Saarbrücken mit der Volksbühne-Produktion DÄMONEN (2000) eine filmische Adaption der Theaterfassung von Dostojewskys gleichnamigem Roman aus. „Ich bin fast genau in der Mitte zwischen DDR und Bundesrepublik, was meine berufliche Biografie angeht“, sagt er. Die sechs Filme, die sich Hübchen ausgesucht hat, markieren wichtige Meilensteine in dieser Biografie. Der Oscar-prämierte DEFA-Film JACOB DER LÜGNER ist dabei, in dem der Schauspieler seinen ersten großen Leinwandauftritt hatte. Doch die Leinwand war trotz etlicher Kinofilme, in denen Hübchen mitgewirkt hat, nie der zentrale Ort seines Spiels. „Ich war nie wirklich Kinofilmschauspieler. Ich habe immer Theater gemacht – und auch Fernsehen.“ In der DDR war er bestens bekannt durch u.a. mehrere Rollen in der Krimiserie „Polizeiruf 110“. In Saarbrücken zeigt er den TV-Zweiteiler DER BASTARD von 1983, der damals beim Publikum extrem gut ankam, nach seiner Ausstrahlung aber schnell in den Kellern des DDR-Fernsehens verschwand. Die Darstellung der DDR-Nachkriegszeit darin war den Programmverantwortlichen offenbar zu authentisch. Nach der Wende fasste Hübchen in der gesamtdeutschen Fernsehlandschaft problemlos Fuß und wurde rasch zu einem der populärsten Darsteller. Er erhielt die bedeutendsten Preise, u.a. den Adolf-Grimme-Preis. Auch sein bis dato größter Erfolg war ursprünglich eine Fernsehproduktion, die eher zufällig ihren Weg ins Kino fand: ALLES AUF ZUCKER (2004). Dani Levys Komödie mit Hübchen in seiner Paraderolle des schlitzohrigen Zockers „Jaecki“ darf natürlich in der Reihe nicht fehlen. Sie hat Henry Hübchen nicht nur den Deutschen Filmpreis eingebracht, sondern ihn endgültig in die erste Riege der deutschen Schauspieler befördert.
 
Dies sind die Filme, die Henry Hübchen in Saarbrücken vorstellt.
 
JAKOB DER LÜGNER
Regie: Frank Beyer
DDR 1974 | 35mm | Farbe | 100 Min.
 
WHISKY MIT WODKA
Regie: Andreas Dresen
Deutschland 2009 | 35mm | Farbe | 104 Min.
 
HOFFNUNG FÜR KUMMEROW
Regie: Jan Ruzicka
Deutschland 2008 | DigiBeta | Farbe | 90 Min.
 
DÄMONEN
Regie: Frank Castorf
Deutschland 2000 | DVD | Farbe | 178 Min.
 
DER BASTARD
Regie: Klaus Gendries
DDR 1983 | DigiBeta | Farbe | 203 Min.
 
ALLES AUF ZUCKER
Regie: Dani Levy
Deutschland 2004 | 35mm | Farbe | 90 Min.
 
Außerdem ist Hübchen im Spielfilm-Wettbewerb zu sehen mit:
 
POLNISCHE OSTERN
Regie: Jakob Ziemnicki
Deutschland/Polen 2010 | 35mm | Farbe | 94 Min. | Uraufführung

Henry Hübchen wird im Januar beim 32. Filmfestivals Max Ophüls Preis in Saarbrücken zu Gast sein.



 


 
 

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