Dickste Freunde Interview mit Regisseur Ron Howard

TS: Was ist schwieriger zu drehen, eine Komödie oder ein Drama ?

RH: Komödien sind ein kreativer Drahtseilakt und den richtigen Ton zu treffen ist bei Komödien schwieriger, obwohl es generell keine leichten Film gibt. Die Frage des Films, wie ehrlich man sein sollte ist wirklich verzwickt. Das wird hier noch zugespitzt durch die Untreue und durch die Situation von Vince Vaughns Figur. Er ist ein Ex-Spieler, keiner glaubt ihm, er versucht sein Leben zu ordnen und nun gerät er in diese Zwickmühle. Wie er damit umgeht, ist nicht ganz passend, aber daraus entsteht hier der Humor. Aber ich glaube es gibt auch keine perfekte Methode, damit umzugehen und das fand ich interessant an der Idee. Wir waren alle schon in einer sozial unangenehmen Situation, die Komödie entsteht hier aus Schmerz, einem Schmerz, den die Leute nachempfinden können.

TS: Ihre beiden Haupdarsteller Kevin James und Vince Vaughn sind bekannt für ihr Improvisationstalent. Hatten sie manchmal das Gefühle, dass die Dinge am Set außer Kontrolle gerieten. Und wie lang wird das Gagreel später auf der DVD ?

RH: Ich glaube es wird ein sehr gutes Gagreel - obwohl ich mir das Material noch nicht wieder angeguckt habe. Ich habe die Improvation immer ermutigt, denn ich wusste, dass mir die Dinge nicht entgleiten und ich genug Einstellungen drehen kann, damit ich im Schneideraum eine große Auswahl habe. Und die Darsteller mochten das Drehbuch, die Improvisation war für sie eine Methode um die Möglichkeiten weiter auszuloten, ob nun für Humor oder Drama oder um die Rolle besser an den Darsteller anzupassen. Ich hatte viel Glück mit Improvisationen bei meinen früheren Filmen. Aber das hängt auch vom Talent der Schauspieler ab. In diesem Fall war es sehr spannend, zu sehen, wie sie die Ideen weiterentwickeln. Statt einfach nur die Szenen zu drehen wie sie geplant waren, passierte immer noch zusätzlich etwas überraschendes. Es war fast wie beim Sport, als wenn man Profisportlern zusieht.

TS: Wie schwer ist es Schauspieler für Komödien zu casten ?

RH: Weil unser Film Komödie und Drama in einem ist, war es etwas schwieriger. Ich brauchte Multitalente, die diesen Spagat hinkriegen. Eine echte Überraschung war Channing Tatum, der sonst immer junge Helden spielt und er wollte es unbedingt mit dieser Rolle versuchen um zu zeigen, dass er komödiantisches Talent hat. Er hat mir ein Video geschickt auf dem er diese Rolle spielt und das war echt durchgedreht. Also gab ich ihm die Rolle, er kam zu den Proben und war großartig und ich sagt ihm, das wirkt so glaubwürdig. Darauf sagte er "Ich verkörpere einen meiner Freunde, der ist ein bisschen durchgeknallt", und ich meinte "ja, wirklich durchgeknallt, diesen Freund möchte ich nie treffen." (lacht). Es hat wirklich gut funktioniert, er hat viele überrascht, genauso wie Winona, die einer Figur echte Tiefe gegeben hat, die sonst sehr eindimensional sein könnte.
Ich wollte keine Schurken in meinem Film. Es geht nicht um gut und böse, sondern um eine sehr menschliche und sehr erwachsene Situation. Die Leute müssen diese schmerzhaften Phasen irgendwie durchstehen.Die Herausforderung war, dabei den Humor neben dem Schmerz zu sehen.
Wir haben aber festgestellt, je ehrlicher wir mit dem Thema umgehen, desto stärker wurde der Humor.

TS: Haben sie bei diesem Film weniger Streß als etwa bei "Apollo 13" mit dem finanziellen Druck oder bei "Illuminati" mit den Erwartungen der Buchfans?

RH: Es war sehr viel spielerischer. Aber ich fühle trotzdem Druck, wenn ich am Set versuche herauszufinden, was witzig ist, oder die Stimmung im Laufe des Films ändere. Ich musste meine Vorstellungskraft einsetzen, mich mit den Schauspielern auseinandersetzen, und versuchen dem Film einen Look zu geben der nicht standardisiert wirkt. Es war eine reichhaltige kreative Erfahrung, aber auch ein angenehmer Tempowechsel, auch in ernsten Situation den Humor zu suchen, statt noch tiefer in die Emotionen einzutauchen.

TS: Ist ein Film für sie jemals abgeschlossen ?

RH: Irgendwann sind sie abgeschlossen. Aber auch dann bin ich nicht mit allen meinen Entscheidungen einverstanden und meine oft, dass ich mit einem Monat mehr Zeit noch etwas verbessern könnte. Aber ich mache viele Testvorführungen. Ich habe seit 20 Jahren das Recht des "Final Cut" (das Recht, über die endgültige Schnittfassung zu entscheiden, Anm.d.Red.). Trotzdem zeige die Filme gerne einem Publikum um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie er verstanden wird, was funktioniert und was nicht. .... Wenn der Film dann rauskommt , bin ich also selten überrascht über die Reaktionen oder schockiert, ich weiss dann schon, wie ein Film funktioniert. Und ich habe mich bereits mit den Dingen abgefunden, die ich anders hätte machen können.

TS: Muss man an einem bestimmten Punkt der Karriere sein, um eine Komödie zu drehen, die so wie "Dickste Freunde" von der üblichen Formel abweicht.

RH: In diesem Fall hat der Film schon eine ungewöhnliche Stimmung, trotzdem steht ein Studio dahinter. Das ist sehr selten. Darum hoffe ich sehr, dass die ihr Geld zurückbekommen, und das Gefühl kriegen, dass es eine gute Investition war, denn sie sind ein Risiko eingegangen und mir vertraut. Ich habe eine lange Beziehung zu Universal. Einige Filme haben besser funktioniert als andere, aber insgesamt hatten wir ganz ordentlichen Erfolg.

TS: Was steht als nächstes an ?

RH: Ich weiß es nicht genau, aber ich weiss die Leute sind neugierig auf "The Dark Tower", eine Reihe von sieben Romanen und vier Graphic-Novels von Stephen King. Akiva Goldsman, der Autor von "A Beautiful Mind" und "Cinderella Man" und "Da Vinci-Code") entwickelt das gerade, damit ich Regie führen kann. Ich habe mich mit Stephen King getroffen, einige visuelle Details sind schon fertig, aber wir haben noch kein grünes Licht, es ist ein sehr ambitioniertes Projekt, aber sehr faszinierend, Ich habe großen Spaß daran, dass Universum zu erforschen , dass Stephen King geschaffen hat. Es ist psychologisch, es enthält Fantasy, Magie, Horror und Science-Fiction und vermischt das auf sehr interessante Art, und es gibt ein paar einzigartige Charaktere, gleichzeitig herausragend und nachvollziehbar. Es wäre mal wieder etwas ganz anderes für mich, ich hoffe es kommt dazu, auch wenn es viel Zeit kosten würde.


TS: Nach Filmen wie "Illuminati" oder "Frost/Nixon" ist "Dickste Freunde" eine überraschende Abwechslung...

RH: Ich weiß. Ich mag alle möglichen Arten von Komödien. Ich war lange Zeit Fernsehdarsteller und sehr festgelegt auf bestimmte Rollen und als mein Traum wahr wurde und ich Filmemacher wurde, gab ich mir selbst den Rat keine Angst zu haben, und mit verschiedenen Genres und Stimmungen zu experimentieren und darum suche ich Filme, die für mich interessant und neu sind.

TS: Welche ihrer Filme sind ihre eigenen Lieblinge ?

RH: "Eine Wahnsinnsfamilie" war sehr wichtig, weil er an einem speziellen Punkt in meinem Leben kamm, er war irendwie autobiographisch. "Apollo 13" war eine echte Lebenserfahrung, weil ich Astronauten treffen durfte und viel über die damalige Zeit erfuhr. Ich bin sehr stolz auf "A Beautiful Mind" und "Frost/Nixon" und was ich dort gelernt habe. Aber ich habe es auch sehr genossen "The Missing" zu machen, ein Western der nicht viel eingespielt hat. Einer der Gründe warum ich so unterschiedliche Filme mache ist, jeder davon fühlt sich frisch und aufregend an und ein bisschen beängstigend. Ich hab auch an allen Filmen etwas auszusetzen, etwas das ich gerne anders machen würde, aber eigentlich mag ich sie alle, oder zumindest irgendetwas an jedem einzelnen.

TS: Was ist denn für sie beängstigend an den Filmen ?

RH: Man dreht den Film ja nicht für sich, man macht ihn für die Öffentlichkeit, es ist kein privates Medium wie bei Gemälden. Da reicht es, wenn ein Bild einem Menschen gefällt, damit er es kauft.
Film ist ein populäres Medium und extrem schwer berechenbar. Das hab ich in meinem Leben gelernt. Man gibt sein Bestes, trotzdem kann man nie sicher sein, wie etwas aufgenommen wird.
Als Filmemacher ist man nicht nur für sich selbst verantwortlich sondern auch für die anderen Künstler, die mitmachen, die Firma die alles finanziert und für das Publikum das man fragt: "Das hier möcht ich euch anbieten , was haltet ihr davon ?" Das ist mir alles bewusst. Aber wenn man auf alle Rücksicht nehmen will, kann man keinen Erfolg haben. Das sind zwar Faktoren aber man muß dem eigenen Geschmack und Instinkt vertrauen.

TS: Gehen sie manchmal ganz normal ins Kino ?

RH: Ständig. Ich hab keinen Vorführraum zu Hause aber meine Frau und ich lieben Filme. Wir gehen jede Woche aus und dann immer ins Kino.

TS: Wieviel Erfolgsdruck spüren sie ?

RH: Man versucht immer die Möglichkeiten eines Films auszuschöpfen. Ich bin nicht nur Regisseur sondern auch Produzent und meinem Geschäftspartner Brian Grazer verpflichtet. In meinem Film gehts auch um den Druck den zwei Freunden empfinden, die zusammen ein Geschäft betreiben.
Ich bin selbstbewußt genug und finanziell so gut abgesichert, daß ich nicht angsterfüllt mitten in der Nacht aufwache. Obwohl ich während der Dreharbeiten kaum durchschlafe, als das liegt am Adrenalin und die Aufregung zu bewältigenden Problemen.

TS: In den USA gab´s viel Aufregung um einen Satz im Trailer "Elektroautos sind schwul". Dann wurde der Satz aus dem Trailer geschnitten, aber im Film ist er weiter dabei. Wie kam es zu der Entscheidung ?

RH: Ich hab den Satz im Film gelassen, weil es für die gesamte Geschichte wichtig war, zu zeigen, dass die Figur von Vince Vaughn Dinge sagt, die empörend und unpassend sind. Im Zusammenhang der Szene, wenn man die Reaktionen der anderen sieht wird klar, dass der Film der Aussage nicht zustimmt. Aber es definiert den Charakter als jemanden, der unter Druck alle möglichen skandalösen Dinge tut und das hielt ich für wichtig für den Film.

TS: Warum wurde es dann aus dem Trailer genommen, gab es zuviel Druck von den Schwulengruppen ?

RH: Das war nicht meine Entscheidung, Das Marketing ist eine Studiosache, aber ich stimme ihnen zu. Es ist ein Unterschied, ob man einen Trailer sieht, oder ob das Publikum Geld bezahlt um einen Film zu sehen und der Idee des Regisseurs folgt. Da übernehme ich die Verantwortung für viele Jokes, die einige Leute anstößig finden. Wenn man eine moderne, bissige, dunkle Komödie dreht, kann nicht jeder Zuschauer mit allem zufrieden was, jede Figur macht. Ich finde auch nicht, dass alles, was die Filmfiguren tun, mich repräsentiert. Es ist nur der Rahmen, in dem wir unsere Komödie entwerfen und ein paar Knöpfchen drücken.

Ein Marketingmittel wie der Trailer ist nichts, was jemand sich bewußt aussucht. Es taucht einfach ungefragt als Werbung, als Plakat oder im Fernsehen auf. Als das Studio mit den Vorwürfen konfrontiert wurde (dass der Spruch schwulenfeindlich sei, Anm. d.Red.), waren sich alle einig, dass das ein ernstes Thema ist. Und aus dem Zusammenhag gerissen kann der Satz wirklich missverstanden werden. Ich denke dass das Studio daraufhin angemessen gehandelt hat.

TS: Finden sie Elektroautos sind schwul ?

RH: (lacht) Ich hab selbst zwei Elektroautos, was macht das aus mir ? Nein ich denke Elektroautos sind die Zukunft.



 


 
 

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