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Harrison Ford Interview zu Cowboys & Aliens

Harrison Ford in Berlin

Jon Favreau hat gesagt Dreamworks ist das letzte Filmstudio, dass von Filmemachern geleitet wird. Als sie anfingen gab es noch andere Studiochefs. Ist jemand mit ihrer Erfahrung und ihren Ansprüchen nicht schnell genervt von jungen Chefs, die ihren Job nicht beherrschen ?
Ich würde nicht so tun als ob ich genervt bin weil jemand jung oder unerfahren ist. Ich bin klug genug, den Leuten nicht ins Gesicht zu springen und ich urteile über keinen dass er kein Studio leiten könnte.weil er jung ist oder mal Anwalt oder Agent war. Das muss er erstmal beweisen. Und dann ist es mir auch egal. Denn wenn ich wieder einen Film drehe, leitet wahrscheinlich ein anderer das Studio oder ich arbeite woanders. Ich denke nicht über die Branche nach.

Was inspiriert sie heutzutage abgesehen vom Fliegen und Schauspielern ?
Meine Familie, meine Freunde, und Möglichkeiten, das Leben zu genießen. Meist werde ich von ausgefeilten Konstruktionen inspiriert, von Drehbüchern, die gut geschrieben sind, die eine Aussage und ein Ziel haben. Das motiviert mich, bei einem Film zuzusagen.

Schließen sie denn Freundschaften in der Filmindustrie ?
Ich habe viele Freunde in der Branche ich habe mich auch mit Daniel Craig gut verstanden.

Wovon hängt es ab , ob sie mit jemanden gut klar kommen ?
Es ist die Bereitschaft sich zu konzentrieren und einzubringen, und seine Bemühungen in die richtige Richtung zu lenken. Es geht um professionelles Verhalten, ihre Präsenz, ihre Zugänglichkeit, ihre Fähigkeit, ihre Gewitztheit, ihre Intelligenz.

Das ist die berufliche Seite. Und wie ist das wenn sie sich privat treffen, bei einem Drink ?
Meist sind sie dann betrunken. Das kann nicht schaden.

Sie sind ein begeisterter Flieger. Haben sie Daniel Craig auch im Hubschrauber zum Drehort mitgenommen ?
Ja sicher, ich habe alle irgendwann mal mitgenommen. Ich konnte aber immer höchstens sechs Leute an Bord nehmen.

Was fühlen sie, wenn sie fliegen ?
Verantwortung und Freiheit zu gleichen Teilen. Ich liebe die Disziplin die dabei nötig ist, die Betätigung, die Ausbildung. Ich übernehme gerne Verantwortung. Ich fliege die unterschiedlichsten Maschinen in verschiedensten Umgebungen. Und ich nehme auch meine Familie mit. Wenn wir reisen, fliege ich meist selbst.

Hab sie sich beim Dreh gewünscht auch mal so ein Alienfluggerät zu fliegen ?
Nein, wenn man sie genau beobachtet fliegen sie ja auch fast wie moderne Jets.

Sie werden bald 70. Schauen sie als Schauspielern auch zurück und stellen frühere Entscheidungen in Frage ?
Nein, ich schau nur nach von. Ich lebe meist in der Gegenwart.

Sie haben ihren Agenten gewechselt.
Ich hatte 30 Jahre lang gar keinen Agenten. Ich hatte eine Managerin, Pat McQueenie, die starb vor fünf Jahren. Danach habe ich einen Agenten angeheuert.

Sie haben derzeit keinen Film konkret in Planung . Liegt das daran, dass gute Drehbücher seltener werden ?
Es liegt wahrscheinlich daran, dass ich 69 Jahre alt bin. Ich habe ein paar Drehbücher vorliegen, aber für alte Kerle gibts nicht so viele Rollen. Vielleicht gibt es noch einen weiteren Indiana Jones, wenn wir eine Idee finden, bei der wird uns einig sind.

Ist "Cowboys & Aliens" für sie eine Art Lückenfüller bis zum nächsten Indiana-Jones-Streifen ?
Nein ich sehe jede Gelegenheit zu Arbeiten als eine Möglichkeit, meine Rechnungen zu bezahlen und die Truppen zu unterhalten. Es ist mein Job. Ich mache Filme.

Aber sie haben doch viel Spaß die Fedora (den Hut von Indy) zu tragen.
Nein die Fedora macht mir keinen Spaß, ich habe Spaß daran Filme zu drehen.

Cowboys & Aliens Premiere in Berlin


In "Cowboys & Aliens" spielen sie einem Mann mit harter Schale und zumindest am Ende doch nicht ganz so harten Kern. Das ist ja vielen ihrer früheren Rollen nicht ganz unähnlich. Ist das Zufall ?
Ich glaube so eine Figur habe ich noch nie vorher gespielt. Das Interessante an diesem Charakter ist, dass er sich nicht so sehr ändert wie er könnte. Er ist auf einem Pfad der Reue und das einmalige ist, dass wir nie versuchen Sympathie für ihn zu erzeugen. Aber man lernt ihn besser kennen und versteht, dass er emotionale Gründe hat für dass was er für sich selbst tut. Anfangs hat man kein Verständnis für sein Verhalten, keinen emotionalen Bezug, aber das ändert sich wenn man ihn besser kennenlernt.

Enthüllen sie bei so einer Rolle mehr von sich selbst oder verstecken sie mehr von sich selbst ?
Es ist der Job eines Schauspielers, sich zur Schau zu stellen. Aber vielleicht tue ich ja so als ob ich was verstecke, oder ich tue so als ob ich was enthülle. Die Frage ist: was hilft der Geschichte ? Ich legs nicht drauf an, das jemand mich kennenlernt. Ich möchte hier angemessene Antworten geben. Aber wir sind nicht hier, um uns kennenzulernen.

Sie haben ja ein bißchen Erfahrung beim Kampf gegen Aliens. Wird das mit der Zeit einfacher oder schwieriger ?
Die sind alle gleich, es gibt da Gute und Böse. Es ist ein Frage der Vorstellungskraft. Ob es nun Außerirdische oder IRA-Killer oder was auch immer sie sind.
Ich denke der interessante Aspekt des Films ist, dass die Menschen im Wilden Westen um 1875 nicht wissen was "Aliens" sind. Niemand hat damals Science-Fiction geschrieben oder gelesen. Keiner weiß etwas von interplanetarischen Reisen. Was sie erleben ist für sie nicht von Science Fiction geprägt. Es ist einfach ein bizarrer, unerklärlicher Zwischenfall. Die einzige Erklärung, die sie haben ist, dass es sich um Dämonen handeln muss.

Was das für sie einer der Gründe, beim Film mitzumachen ?
Nein das habe ich währenddessen festgestellt. Ich dachte es wäre eine Gelegenheit einen unterhaltsamen Film zu machen. Mein Grund war, dass der Regisseur trotz des Titels einen ernsthaften Western machen wollte und dass er sich der Herausforderung bewusst war, dass er den richtigen Ton treffen muss. Das kann einem leicht entgleiten, wenn man unsichere Hände hat. Die Stimmung kann man aber im Drehbuch nicht erfassen. Man muss wissen, was der Regisseur vorhat.

Jon Favreau hat gesagt, dass Kino wird von Marken angetrieben, und weniger von Stars. Sehen sie das auch so ?
Darüber denke ich nicht nach. Ich arbeite hier bloss. Ich könnte mir jetzt was ausdenken. Aber das würde länger dauern.

Sie haben schon Filme gedreht bevor die Computereffekte so wichtig wurden. Hat sich das Schauspielern für sie verändert ?
Überhaupt nicht. Da gibts keinen Unterschied. Man dreht eine Szene, sitzt in einem Wagen, mit einem hübschen Mädchen an der Seite, in der Rückscheibe sieht man eine schöne Landschaft, aber wenn man nach vorne guckt sieht man ein paar Trottel auf dem Kamerawagen sitzen. Dein Job ist es dir vorzustellen sie wären nicht da - und dir stattdessen etwas anderes vorzustellen, das da ist. Es ist immer der gleiche Job. Es gibt immer eine Kamera, es gibt immer Scheinwerfer, es gibt immer eine Markierung auf dem Boden. Und es gibt immer bestimmte Aufgaben, die man erfüllen muss. Es ist immer eine Sache der Vorstellungskraft.

Es scheint dass ihnen die physische Herausforderung schon Spaß macht, wenn sie sich so ein Drehbuch aussuchen. Möchten sie nicht manchmal einen Film drehen, bei dem sie vom Sofa aus spielen können ?
Das hab ich doch schon gemacht. Zuletzt zum Beispiel mit "Morning Glory", das war quasi vom Sofa aus gespielt. Ein körperlich anstrengender Film macht nicht unbedingt mehr Spaß als ein dialoglastiger Film. Einer der größten Spaßfaktoren an meinem Job ist die Zusammenarbeit mit viele Leuten, die sich treffen um eine Idee umzusetzen. Und je besser jeder in seinem Job ist, je konzentrierter jeder ist, ein bestimmte Ziel zu erreichen desto mehr Spaß macht es.
Darum wollte ich Schauspieler werden, ich wollte keinen "echten" Job. Als ich die Schule verließ, fingen alle an im Büro zu arbeiten, 25 Jahre denselben Job, am selben Platz, mit denselben Leuten und was dann ? Nach Florida ziehen und Golf spielen ? Das wollte ich nicht.

Aber sie haben am Anfang ihrer Karriere eine Weile mit dem Schauspielern aufgehört um mit ihren Händen zu arbeiten.
Das hab ich nur gemacht, damit ich was zum Essen kaufen konnte. Ich war davor fünf Jahre lang Schauspieler und nicht zufrieden mit den Rollen die ich angeboten kriegte - und die ich annahm weil ich nur so Essen auf den Tisch kriegte. Ich hatte ein Haus gekauft und baute es selbst um, weil ich wenig Geld hatte. Dabei hab soviel Geld für Werkzeug ausgegeben, dass ich kein Geld für Baumaterial übrig hat. Ich hatte also Werkzeug und ein Freund empfahl mich jemandem für den er arbeitete. Das war Sergio Mendez, der sich ein Aufnahmestudio bauen wollte und vergessen hatte zu fragen, ob ich das schonmal gemacht habe. Und so war ich auf einmal Tischler. Und ich hab dann auch den Büroeingang von Francis Ford Coppola in den Zoetrope-Studios gebaut.



 


 
 

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