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Interview mit Garrett Hedlund zu Country Strong

Sie haben in "Death Sentence" einen beindruckenden Schurken gespielt. Gabs da keine Gefahr, dass sie auf eine Rolle festgelegt werden ?

Nein, den Film hat ja keiner gesehen ( schmunzelt). Außerdem hatte ich gerade vorher eine ganz andere Rolle gespielt. In "Georgia Rule" von Gary Marshall mit Jane Fonda und Lindsay Lohan war ich eine mormonische Jungfrau. Und Gary hatte gesagt "Ich weiß dass du fiese Rollen spielen kannst, aber kannst du auch einen guten Jungen spielen ?" und ich meinte "wir werden sehen". Währenddessen habe ich aber nach einem Drehbuch gesucht, dass ganz anders ist - und zum Glück fand sich das mit "Death Sentence" und mit Kevin Bacon zu arbeiten und von ihm zu lernen war toll. Ich hab ihn gerade getroffen und wir haben uns über die guten alten Zeiten unterhalten, und dass zwar keiner den Film geguckt hat, aber wir unseren Spaß hatten.

Mussten sie für Tron: Legacy vorsprechen ?

Ja, ich und Olivia hatten ein gemeinsame Casting bei Disney. Witzige Geschichte: Ich wollte mir am Morgen noch Frühstück bei McDonalds holen - und das Vorderrad an meinem Auto war platt. Ich dachte nur "Mist, ich muss in zwei Stunden bei Disney sein". Und da hab ich meinen Motorroller rausgeholt und bin die ganzen 15 Meilen gefahren, fuhr mit dem Motorroller bei Disney vor und meine Haare waren ein einziges Chaos.

Haben sie den ersten Tron-Film damals gesehen ?

Ich hab ihn erst spät gesehen, als ich 18 war und fand ihn klasse, eine abgefahrene Idee. Ich war in Malta, drehte gerade "Troja" und guckte den Film auf dem Balkon auf einem Laptop. Da wird einer in einer Computer gesaugt - ich war von Anfang bis Ende gefesselt.

Wie lange haben sie für die Actionszenen in Tron:Legacy trainiert ?

Ich hatte fast vier Monate Zeit, so war es ein ziemlich entspannter Ablauf. Wir haben jeden Morgen
Capoeira, Gewichtheben, Parkour und Mixed Martial Arts geübt und dann kam Motorradtraining dazu. Einer der Trainer war übrigens derselbe mit dem ich schon bei "Troja" zu tun hatte. Ein toller Zufall.

Was hat ihnen beim Training am meisten gefallen ?

Parkour war toll, das hinzukriegen, ich hab ja nur ein paar Dinge gelernt. Ich wollte das immer draußen auf der Straße ausprobieren, hatte aber Angst, dass ich bertreibe und mich vor dem Dreh verletze.

Sie mussten auch Motorradfahren. Wie war das ?

Wir haben mit einer 250er oder 450er Motocrossmaschine angefangen - nur als Vorbereitung, denn die Ducati Sports hat 1000 Kubizentimer Hubraum und schafft 100 Meilen im ersten Gang. Die Produzenten werden bei sowas sehr vorsichtig . Aber ich bin auf einer Farm aufgewachsen und kenne mich aus mit Quads und Motocrossbikes. Es hat Spaß gemacht sich wieder damit zu beschäftigen.

Sie sind jetzt ein Hollywoodstar. Wie ist es wenn sie nach Hause zurückkommen - wird da der rote Teppich ausgerollt ?

Ehrlich gesagt wenn ich zurückkehre, schaffe ich es manchmal nichtmal in die Stadt. Ich bin immer nur kurz da und versuche soviel Zeit wie möglch mit der Familie zu verbringen und komme kaum von der Farm runter. Aber jetzt war ich fast zwei Jahre nicht da und vermisse sie wirklich.

 


Haben sie etwas von Jeff Bridges gelernt ?

Ja aber ich kanns nicht auf eine Sache reduzieren. Er ist einer der tollsten Menschen die ich je getroffen haben. Er ist herumgekommen. Viele seiner Filme haben mich inspiriert. Und er selbst ist von so vielem inspiriert, Psychologie, Spiritualität, Musik, Film, Poesie, er kann zu allem was sagen. Und obwohl er viel erlebt hat, ist er nie gelangweilt von etwas. Sein Drehbuch war trotz seiner Erfahrung voller Anmerkungen, Notizen und Fragen. Es ist toll mit jemandem zu arbeiten, der sich nach so langer Zeit noch solche Mühe gibt.

Haben sie besondere Erinnerungen an den Dreh mit Jeff Bridges ?

Wir haben viel gelacht. Auch wenn es manchmal nur ein Furzgag war - wir haben stundenlang gelacht. Und wenn uns einer am nächsten Tag dran erinnert hat, haben wir nochmal ne Stunde gelacht.
Ich habe "Country Strong" gleich im Anschluß an "Tron Legacy" gedreht. Aber das wusste ich damals noch nicht. Aber wenn wir damals beim Mittagessen im Wohnwagen gesessen haben, hat er oft Songs aus "Crazy Heart" improvisiert (Garrett imitiert Jeff Bridges):"I don´t know, baby where we stand". Er zeigte mir Aufnahmen von den Dreharbeiten und was hinter den Kulissen passiert. Er nahm mich immer unter seine Fittiche, das war das Allerbeste. Aber auch ihn im Film zu sehen, mit solche Freude und Zufriedenheit dass zu lieben was er tut. Das zeigte mir, wo ich hin musste und wo ich sein könnte, wenn ich nur wollte.

Waren sie nervös, mit ihm zu arbeiten ?

Nein, nicht nervös. Es ist so ein Gewinn, mit großartigen Schauspielern zu arbeiten. Da gibt es keine Nervosität, nur Ansporn.

Haben sie Idole ?

Nein, keine besonderen. Ich hatte das seltene Privileg von vielen Schauspielern zu lernen. Bei "Troja" konnte ich Peter O´Toole zusehen. Irgendwann ging ich hinter ihm eine Treppe rauf, während er eine Zigarette rauchte und jemand musste ihn stützen. Ich sagte "Peter, vielleicht solltest du das Rauchen aufgeben" und er meinte nur (Garrett imitiert O´Toole): "vielleicht sollte ich das Treppensteigen aufgeben". Mit solchen Charakteren zusammenzusein ist eine Ehre, es wäre dumm sich nicht hinzusetzen und ihnen zuzusehen. Wie sie sind, wie sie Leute behandeln, und wie bodenständig und normal sie geblieben sind.
Als wir Troja gedreht haben hing ich mit Brian Cox und Nigel Terry und John Shrapnel herum, und sie gaben mir seinen Film "The Ruling Class" (von 1972) und meinten " du hast Peter jetzt erlebt, aber schau ihn dir hier an, wie er durch die Gegend tollte, Mädchen jagt". Es ist ein fst dreistündiger Film, anfangs denkt er, er sei Jesus, am Ende glaubt er, er ist Jack The Ripper. Ihn darin zu sehen war unglaublich. Dann lud er uns alle zum Champagner ein und als ich ihm sagte, dass ich "The Ruling Class" gesehen habe, legte er mit den Arm um die Schulter und meinte "soll ich dir sagen wie wir den Film gemacht haben ?" Er und der Regisseur haben das Drehbuch in vier Wochen geschrieben und dann holte er alle zusammen mit denen er gerne trank oder Streit hatte und sie drehten den Film. Das war alles sehr inspirierend, die Idee selbst etwas zu erschaffen und so lange in der Branche zu arbeiten dass man genügend Freunde für so ein Projekt hat.

Sie haben Kind schon Schauspielunterricht genommen. Warum waren sie sich damals schon sicher , dass sie das machen wollen ?

Wir haben alle unsere Träume. Ich bin auf einer Farm aufgewachsen bis ich 14 bin. Und da stellt sich die Frage wie man sich austobt. Man sieht immer Geschichten von einem der Profi-Footballspieler oder Baseballspieler werden will und das Schauspiel war eben mein Ventil. Ich war auch immer an Sport interssiert. Und wenn mich ein Baseballteam entdeckt und gefördert hätte, dann wäre ich wohl da gelandet.
Ich erinnere mich an ein Theaterstück für eine wohltätige Lebensmittelsammlung, ich habe da einen Rowdy gespielt und am nächsten Sonntag sagte eine Frau in der Kirche, dass ihr das gefallen hat, Da war ich echt verblüfft und meinte nur "echt ?"

Als wir dann nach Arizona gezogen sind, hab ich Stunden genommen bei einer Schauspiellehrerin , Monologe gelernt.Aber man nichts damit anfangen und in der nächsten Woche gabs einfach einen neuen Text. Irgendwann konnte ich mir das nicht mehr leisten, aber es gab eine Webseite, die hatte alle möglichen Drehbücher online. Ich las ne Menge davon und sah mir Filme an, oder ein Theaterstück und schaute dann in die Drehbücher oder umgekehrt - ich las die Drehbücher von Filmen, die Leute mir empfohlen hatten und schaute dann, wie das im Film umgesetzt wurde . Und dann hab ich Drehbücher zu Filmen einstudiert, die ich noch nicht kannt, so als wenn ich dafür vorsprechen wollte. Dann hab ich mir den Film angesehen und verglichen, was der Schauspieler mit der Rolle gemacht hat.
Dabei stellt man fest, dass es keine Regeln gibt. Man studiert Schauspiel und es gibt viele Formate und Einschränkungen aber ich hab immer versucht mit von Vorschriften zu befreien.
Es ist witzig, denn als ich nach L.A. kam, sagte mir jemand "mach dies und das beim Casting". Ich hab die Rolle aber immer nur dann bekommen, wenn ich das genaue Gegenteil davon gemacht habe.

 



 


 
 

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