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Interview zu Men in Black 3 mit Josh Brolin

TS: Hat es ihnen gefallen, in die sechziger einzutauchen ?

JB: Hat es, das hat Spaß gemacht. Ich finde es ist die perfekte Ära für eine Zeitreise, weil es turbulent und bunt war. Die Fünfziger wären viel grauer gewesen. Die Männer trinken Bier und kommen von der Arbeit heim, die Frauen kochen das Essen, machen die Wäsche und so..

In den sechzigern gab es die sexuelleRevolution,die Emanzipation, die Schwulenbewegung, die Bürgerrechtsbewegung, die Musik,. Experimente, Kurt Vonnegut schrieb „Schlachthaus 4“, „Der Pate“ wurde 1969 geschrieben, es gab „Lost in Space“ und dumme TV-Serien. Mir hat´s Spaß gemacht, zurückzukehren und sich das anzusehen.

TS: Sie haben nicht viele Komödien gedreht – was hat ihnen daran Spaß gemacht ?

JB: Man tut was man tut. Ich drehe seit 28 Jahren. Ich habe Komödien auf der Bühne gespielt, einen Filmen namens „Ein Unheil kommt selten allein“ gedreht, der viel Spaß gemacht. Komödien sind schwierig, viel schwieriger als Dramen. Es hängt alles von der Genauigkeit und dem Timing ab.

Wir sagen öffentlich gerne „wir hatten viel Spaß, haben viel gelacht“. Beim Dreh war das auch so, aber in den Pausen haben wir geschrieben und debattiert:  „ Funktioniert das ? Ist das die richtige Struktur ? Ist das ein guter Gag ?“ Der Spruch mit der Jedi-Nummer zum Beispiel war improvisiert und gefiel mir gut. Komödien sind echt schwierig. Bei Dramen lacht man sich meistens halbtot. Wie bei mir und Javier (Bardem) in „No Country For Old Men“. So viel Spaß hatte ich noch bei keinem Film.

TS: Welcher Schauspieler könnte denn einen zwanzig Jahre jüngeren Josh Brolin spielen ?

JB: Ich bin 29 Jahre alt (zumindest im Film), wer wäre wohl der beste 9-jährige um Josh zu spielen. Der Junge aus „The Goonies“ könnte gut sein (das war Brolins erste Kinorolle)…
In meinen nächsten Film, „Labour Day“ von Jason Reitman, gibt’s jemand, der mich 20 Jahre jünger spielt. Als ich den zum ersten Mal sah, dachte ich „der sieht doch nicht aus wie ich !“
Aber das dachte Tommy sicher auch als er mich sah. Das muss merkwürdig für ihn sein. Im Moment kann er überall auf dem Planeten sich selbst sehen – und daneben mich als jüngere Ausgabe, mit künstlicher Nase und Ohrläppchen. Mich würde das nicht froh machen. Aber er hat zu Will und Barry ein paar tolle Sachen gesagt, zum Film und seiner Reaktion auf mich, die mich echt glücklich machen.









TS: Ist Tommy Lee Jones so cool wie im Film ?

JB: Tommy ist einfach trocken. Der trockenste Typ, den ich kenne, sehr witzig. Ich verbringe total gerne Zeit mit ihm, der er ist irrsinnig komisch – aber auf eine monotone Art. Aber ich weiß auch dass er Reportern ein Scheißangst einjagen kann, wenn er nicht antworten will: „Ja –nein - vielleicht“. Aber das finde ich auch witzig.

Ich bin auf dem Land groß geworden und kenne einige Typen wieTommy, mir macht das nicht soviel Angst wie einem Stadtmenschen. Ich wüsste zu gerne, was ihm durch den Kopf geht.

TS: Bei der Pressekonferenz wurden sie gefragt ob sie Will Smith heiraten würden…

JB: Ich wurde da etwas wütend, nicht wegen der Frage, sondern weil die Leute solche Fragen immer so diplomatisch beantworten. Ich sage „vergesst das !“

TS: Gefiel ihnen, was Präsident Obama zur Schwulenhochzeit gesagt hat ?

JB: ich weiß gar nicht warum wir darüber überhaupt reden. Was soll das ? Wo ist das Problem ? Ich versteh´s nicht. Ich komme aus einer sehr ursprünglichen, republikanischen Gegend in Kalifornien und es ist immer dasselbe, wie damals bei Rosie Parks (US-Bürgerrechtlerin, die in den 60ern gegen Rassentrennung in Bussen kämpfte (Anm.d.Red.)). Einer muss sich entschließen aufzustehen, und sich im Bus nach vorne zu setzen. In Deutschland hatte man 31 Jahre die Mauer. Wer hat das entschieden ? Wer hat gesagt, das wäre richtig ? „Oh, das ist clever, das machen wir. Wir sorgen dafür dass diese Leute hier bleiben und wir sie unterdrücken, und die anderen auf diesem kleinen Fleck mitten in Ostdeutschland bleiben.“ Für mich ist das Irrsinn.

Wer interessiert für schwule Hochzeiten ? Wer will wissen, ob zwei Typen oder zwei Frauen zusammen sind, solange sie glücklich sind ? Ich sehe das Problem nicht. Was ist daran so bedrohlich ? Das ist nur meine Meinung. Aber rch rede gerne drüber (grinst).

Agent K und Agent J in Men in Black 3

Autor: Marcus Fliegel


TS: Wie war es für sie, einen der coolsten Typen des Universums zu verkörpern ?

JB: das größte Kompliment, das ich bekommen habe war, dass jemand glaubte, Tommy hätte meine Stimme synchronisiert. Erst war ich beleidigt: „L… mich, Mann,“ und dann dachte ich „Moment mal, das ist ein gutes Kompliment.“  Das Wichtige für mich nicht so auffällig zu sein, dass man darauf achtet wie ich die Stimme imitiere und sieht, wie ich Tommy spiele. Obwohl es eine Komödie ist, bei der einiges übertrieben wird, wollte ich, dass man nach ein paar Minuten die Story genießt. Denn ich finde der Film hat wirklich eine interessante Handlung. Die Men in Black sind diesmal etwas emotionaler und reifer aber mit all den Gags und Gimmicks die Spaß machen. Ich wollte dem nicht im Weg stehen. Es gab eine große Gelegenheit, zu versagen, und eine sehr kleine Erfolgschance.

TS: Stimmt es dass sie nach dem ersten Drehtag hinschmeißen wollten ?

JB: Das stimmt. Aber ich glaube es war der dritte Tag. Ich hab das Studio angerufen. Angst ! manchmal packt sie dich. Ich sagte ihnen“ich kann das nicht machen, ich schaff das nicht, ich dachte ich könnte, ihr könnt euer Geld zurückhalben, tut mir Leide eure Zeit verschwendet zu haben.“ Dabei hatte ich mich lange vorbereitet, recherchiert, gelernt und geübt. Aber das gehört dazu, manchmal wird man nervös.

TS: Wie hat ihnen denn ihre Darstellung gefallen, als sie den fertigen Film zum ersten Mal gesehen haben ?

JB: Ich habe ihn mir nicht angeguckt, als sie mich darum gebeten haben. Ich wollte nichts halbfertiges sehen. Es geht mir nicht wie anderen Schauspielern, die sich selbst nicht sehen wollen. Mir ist es wichtig zu sehen, ob meine Ideen so rüberkommen, wie mir das gedacht habe. Ich lerne als Schauspieler, was funktioniert und was nicht. Ich kann mich gut erinnern wie ich mich in bestimmten Momenten gefühlt habe umd sehe dann ob etwas geklappt hat oder nicht.

Als ich den Film schließlich sah, war ich sehr zufrieden. Nicht nur mit mir , sondern mit dem ganzen Film. Ich habe schon in Filmen mitgespielt, wo lLeute gesagt haben “du warst toll, aber der Film nicht so sehr…“. Das hasse ich! Ich bin lieber ordentlich in einem großartigen Film als toll in einem Scheißfilm. Ich sah den Film und dachte: „toll, so ein Spaß“, Trotz des Chaos beim Dreh, das es immer gibt. Und dann kam noch Barry (der Regisseur) und sagte:“ du warst klasse“ und dann fiung er an zu heulen, weil er immer heult.



 


 
 

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