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Marc Chu Interview Animation Supervisor für ILM bei The Avengers

FILM.TV: Mussten sie dem Regisseur Joss Whedon je sagen „das ist unmöglich“ ?

Marc Chu: Es ist nicht unsere Art zu sagen „das können wir nicht“, denn wir wollen seine Vision zum Leben erwecken. Wir haben sehr eng zusammengearbeitet. Mindestens dreimal pro Woche haben wir uns abgesprochen. Wir sind am Computer die Einstellungen durchgegangen, an denen wir gerade arbeiteten und haben überlegt was funktioniert und was nicht und wie wir es ändern damit es zu seiner Vision passt. Er kam auch ein paarmal zu ILM. Schon bevor die Dreharbeiten losgingen kamen er und Mark Ruffalo (Der Hulk-Darsteller) um gemeinsammit uns zu überlegen, wie Hulk werden soll. Wir drehten mit virtuellen Kameras, Mark zog einen Motion-Capture-Anzug an und konnte so in die Haut von Hulk schlüpfen. Mit den Bildern und der Erfahrung sind sie dann los um den Film zu drehen. Anschließend kamen sie mit dem Rohmaterial wieder zu uns und sprachen mit den Künstlern darüber, wie sie die Figur sehen wollten. Mark zog auch wieder den Anzug an und wir nahmen sein Gesicht auf und seine Bewegungen für die Szenen von denen wir wussten, dass sie im Film vorkommen. Diese Daten haben wir dann verarbeitet und für den Hulk verwendet. Mark hat schon auf der Comic-Con gesagt von allen Hulk-Darstellern ist er der erste, der tatsächlich Bruce Banner und den Hulk spielt.

FILM.TV: War das das Schwierigste am Film – den Hulk richtig hinzukriegen ?

Marc Chu: Für unsere Firma war das das Hauptziel. Es gab viele Herausfordungen wie zum Beispiel New York nachzubauen. Das war wirklich schwer. Wir wussten wenn wir es richtig machen, dass es nahtlos klappen würde und die Leute denken, dass es eine Helikopter-Aufnahme ist oder ein Hintergrund-Foto. Aber wir wussten, dass die Zuschauer zuallererst auf den Hulk achten.

FILM.TV: Angeblich sind 30 Minuten Film nicht in der Kinofassung enthalten. Gewöhnlich werden bei solchen Szenen die Effekte dann nicht mehr fertiggestellt um Kosten zu sparen. Sind die „Deleted Szenes“ der Avengers trotzdem tricktechnisch fertig, damit man eventuell einen Extended Cut daraus machen kann ?

Marc Chu: Wenn wir den Film bekommen, ist die Schnittfassung für gewöhnlich schon sehr genau festgelegt. Bei diesem Film kann ich mich nicht an viele Szenen erinnern, die wir bearbeitet haben und die trotzdem nicht im Film vorkommen. Wir haben viel an der finalen Schlacht und am ersten Erscheinen von Hulk auf dem Helicarrier gearbeitet. Diese Szenen waren in der Previsualisierung schon sehr genau festgelegt. Als wird das Material bekamen, wussten wir sehr genau was wir zu tun haben. Wir haben kaum vergeblich gearbeitet. Es hieß nur „Hier ist alles was ihr machen müsst. Jetzt macht es“. Das war schon genug Druck und wir haben es gerade eben so geschafft.

FILM.TV: Sie haben auch mit den Schauspielern gearbeitet für die Motion-Capture-Aufnahmen und die digitalen Doubles. Dabei mussten sie dann sogar persönlich Hand an Loki legen. Wie kam es dazu ?

Marc Chu: Wir haben viel Aufwand betrieben, damit der Übergang zwischen Schauspieler und digitalem Double nahtlos wirkt. Darum haben wir für jeden Schauspieler eine „Mo-Vis-Session“ angesetzt. Das ist wie ein Halbkreis aus Kameras. Der Schauspieler sitzt davor und wir absolvieren mit ihnen eine Reihe von Gesichtsausdrücken und Dialogen um die gesamte Bandbreite von Emotionen in seinem Gesicht zu sehen. Das gibt uns einen 3D-Eindruck von seinem Gesicht. Danach gehen wir einzelne Szenen durch. Wir wussten bereits, dass es eine Szene gibt, in der Hulk Loki herumschleudert. Um den Gesichtsausdruck zu bekommen den wir brauchten, stand ich hinter Tom Hiddleston, packte ihn bei den Schultern und schüttelte ihn so heftig wie möglich. Sein Kopf schnellte vor und zurück und wir bekamen ein paar tolle Grimassen, die wir seinem digitalen Double verpassten. Wir haben das also nicht nur am Computer entworfen,dass ist tatsächlich sein Gesicht, das wir sehen.

FILM.TV: Sie haben als Animator für viele Filme gearbeitet,von „Stars Wars“ bis „Fluch der Karibik“. Kann man in „The Avengers“ irgendwo ihren Stil erkennen oder gibt es sowas bei einem Film an dem Hunderte mitarbeiten nicht mehr ?

Marc Chu: Als Animation Supervisor fungiere ich als Vermittler zwischen unseren Künstlern und Joss (Whedon), damit er kriegt was er will. Ich denke mir, ich bringe ein gewisse Kontinuität ein, und wenn nötig war ich der Regisseur auf unserer Motion-Capture-Bühne. Aber vor allem bringe ich Kontinuität und Erfahrung mit ein, denn ich habe an „Iron Man“ und „Iron Man 2“ gearbeitet. Die Geschichte der Avengers beginnt in „Iron Man“. Da habe ich viel hineingesteckt. Man spricht mit dem Schauspieler, gibt ihm Feedback und formt die Einstellung, bis sie so ist wie sie gebraucht wird. Es ist eine Ehre daran mitzuarbeiten und ich glaube es ist etwas von mir in jeder Einstellung,

FILM.TV: Gibt es neben den Personen auch eine technische Kontinuität, benutzen sie noch Daten und Entwürfe vom ersten Iron Man Film ?

Marc Chu: Das wird jedesmal komplett neu entworfen. Aber wir sind in der glücklichen Lage, dass viele der entscheidenen Künstler von Iron Man auch bei „“The Avengers“ gearbeitet haben. Bruce Holcomb, etwa hat den Iron Man-Anzug entworfen und kommt immer mit neuen Gadgets an. Er kennt den Charakter und weiß was Marvel will. Die Leute von Marvel kommen sehr oft zu uns und wollen etwas. Z.B. soll Iron Man eine Waffe benutzen. Sie haben vielleicht eine grobe Vorstellung aber keine Details ausgearbeitet. Da verlassen sie sich auf uns und sagen nur „lasst es cool aussehen“.










Es ist eine imposante Liste von Filmen, an denen Marc Chu mitgearbeitet hat: "Star Wars – Die Rache Der Jedi", "Fluch Der Karibik 2 & 3","Iron Man 1 & 2", und noch einige andere. Marc Chu war Animation Supervisor bei "Marvels The Avengers" und damit für einen Großteil der Tricks und Action zuständig, die man im dem Megablockbuster zu sehen kriegt. Marcus Fliegel hat sich mit ihm exklusiv über seine Arbeit unterhalten:

FILM.TV: Erklären sie doch bitte erstmal kurz, was genau ihr Job als Animation Supervisor ist. Wenn man den Abspann des Films sieht, sind ja hunderte Leute mit den Effekten beschäftigt und etliche verschiedene Firmen von ILM und WETA über Scanline und Digital Domain bis Pixomondo.

Marc Chu: Als Animation Supervisor bei ILM arbeite ich am engsten mit den Leuten die wir hier in San Francico haben. Wir haben zwei Niederlassungen, eine in San Francisco, eine in Singapur. Wir hatten hier in etwa 50 Animateure beschäftigt, d.h. die haben den Hulk animiert, Iron Man und alle digitalen Doubles die gebraucht wurden, wie die Computerversionen von Captain America, Black Widow, Thor und Loki. Alle Szenen, die etwas Übermenschliches verlangten, wir können Menschen von Häusern springen lassen, Dazu kamen alle Aliens und alles in dem unsere Helden herumfliegen, auch den Leviathan, die riesige Alien-Kreatur und die Streitwagen.

Mit den anderen Firmen haben wir viele Elemente geteilt. An Scanline VFX haben wir den Helicarrier abgetreten. Wir haben ihn hier modelliert und dann weitergegeben. Unser Team hat dann geholfen ihre Einstellungen zu drehen und fungierte als Verbindungsglied zu Marvel. Mit WETA haben wir uns auch viel Arbeit geteilt, wie Iron Man, Captain America und Thor aber die haben sich selbst mit Marvel abgestimmt. Heutzutage, da die Firmen überall in der Welt sitzen, in Neuseeland, in Deutschland, muss viel kommuniziert werden.

FILM.TV: Es kommt also wie im Film aufs Teamplay an. Hatten sie denn ähnliche Schwierigkeiten dabei wie die Avengers ?

Marc Chu: Wir hatten ein paar Herausforderungen, genau wie die Superhelden. Die Drehpläne sind heutzutage extrem knapp. Man dreht so spät wie möglich und so viel wie möglich und dann gibt es einen irren Wettlauf, um die digitalen Effekte rechtzeitig fertigzustellen bevor der Film rauskommt. Es ist eine Teamleistung, Sachen an WETA abzugeben und sicherzustellen dass sie es rechtzeitig zurückschicken. Bei all dem müssen wir sicherstellen dass der Film Kontinuität hat. Das ist reichlich Druck und wir haben hier auch viele Helden, die lange arbeiten bis zum frühen Morgen um die Arbeit zu schaffen.

FILM.TV: Gibt es Szenen,die komplett digital sind wie in einem Animationsfilm ?

Marc Chu: Ja, zum Beispiel nachdem Captain America sagt „Hulk, Smash!“ und Hulk in die Luft springt. Die nächsten zwei oder drei Einstellungen sind komplett im Computer entstanden. Das ist eine der Situationen, wo wir etwas animieren, dass kein Stuntman hinbekommt. In der finalen Schlacht gibt es etliche Einstellungen die ähnlich sind, wo man in den Himmel guckt und die Aliens durch das Portal strömen. Wir haben am Ende 551 Einstellungen im Film animiert, das entspricht etwa 32 Minuten. Wenn ein Animator dass alleine gemacht hätte, was wir allein bei ILM getan haben, würde er zehn Jahre brauchen.



 


 
 

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