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Total Recall Interview mit Colin Farrell

FILM.TV: Haben sie in der Zeit schon Drehbücher gelesen und passierte das erste danach ? 
Colin Farrell: Ich glaube ich hatte damals schon für ein Projekt unterschrieben, aus dem dann nichts wurde. Ich hatte aber die Gelegenheit verpasst etwas anderes zu machen, was für mich eine tolle Gelegenheit war. Es war erzwungene Arbeitslosigkeit für die ich im Nachhinein dankbar bin.

FILM.TV: Haben sie sich früher auch so wenig Sorgen gemacht, ob sie neue Angebote kriegen ? 
Colin Farrell: Das ist alles so schnell passiert. Ich hatte fast nie Zeit mir Sorgen zu machen. Als ich in Dublin anfing, und zum Vorsprechen ging, passierte es oft, dass ich keinen Rückruf oder eine Absage kriegte. Aber dann kam eine Phase, ich denke nach „Tigerland“, wo es verrückt wurde. Die Jobs hörten nicht auf. 

FILM.TV: Was war denn der ödeste Job, den sie je machen mussten ? 
Colin Farrell: Ich habe wie Douglas Quaid in „Total Recall“ auch in einer Fabrik gearbeitet,in einer Bank, im Bekleidungsgeschäft, im Restaurant, aber der ödeste Job… Ich habe mal ein Lagerhaus gestrichen, vier Monate imSommer, ein riesiger Bau wie ein Flugzeughangar es waren vier riesige, unbesiegbare Wände. Und ich habe das alleine gemacht. Verdammte Scheiße war das langweilig ! Aber jetzt weiß ich es umso mehr zu schätzen, das ich etwas machen kann, das ich liebe, das mich fordert. 

FILM.TV: Was haben sie anfangs gedacht als man ihnen „Total Recall“ angeboten hat ? 
Colin Farrell: Ich war skeptisch. Wenn ich an mich denke, was ich möglichst selten tue, dann ist mein erster Gedanke nicht „Arnie“. Und ich liebe den ersten Film. Aber ich habe dann das Drehbuch gelesen und das fühlte sich unterschiedlich genug vom Original an, so dass es kein komplettes Spiegelbild, keine Wiederholung war. 
Im Mittelpunkt steht ein Typ mit einer massiven Existenzkrise, er versucht herauszufinden wer er ist und erfährt, das alles was verlässlich, real und gut an seinem Leben war eine Täuschung sein könnte. Da wusste ich, dass ich Spaß mit der Figur haben könnte. Obwohl es zuallererst ein Actionfilm war fand ich dass er genug emotionales und psychologisches Drama enthielt um mich für die fünf Monate der Dreharbeiten zu beschäftigen. 

FILM.TV: War es diese Existenzkrise, die sie angelockt hat ? 
Colin Farrell: Nein, was mich wirklich angezogen hat war die Idee eines großen Films mit viel Action. Das hatte ich seit Jahren nicht gemacht. Aber ohne die existenzielle Krise des Helden hätte ich es trotzdem nicht machen können. In den vergangenen sechs oder sieben Jahren hat man mir viele große Filme für viel Geld angeboten, aber die fand ich alle flach. Aber bei diesem hatte ich das Gefühl es gibt einen Charakter mit dem ich was anfangen kann. Ich könnte ihn als Durchschnittsmensch spielen, der sich nicht als Held fühlt sondern vor allem versucht zu überleben. 

FILM.TV: Wie haben ihnen denn die Szenen in der Schwerelosigkeit gefallen. 
Das haben wir mit Drähten gemacht. Man wird aufgehängt und muss seinen Körperschwerpunkt finden. Es ist ziemlich peinlich, wenn man nach seiner Waffe greift und dann um Hilfe rufen muss: „Cut ! ich hänge kopfüber ! Hilfe“. Das ist oft passiert. Für die Drahtseiltechnik habe ich viel trainiert. Ich war schon einen Monat vor Drehstart in Toronto und probte mit den Stuntleuten. 

FILM.TV: Ist es etwas anderes, eine Kampfszene mit einer Frau zu haben ? 
Colin Farrell: Es macht weniger Spaß mit einer Frau, man ist nervöser, weil man sie treffen könnte. Wir tun zwar nur so als ob, aber Unfälle können immer passieren. Und das wäre mir dann bei einem Mann lieber als bei einer Frau. 

FILM.TV: War „TotalRecall“ ihr angestrengendster Film ? 
Colin Farrell: „Alexander“ war der anstrengendste,aber „Total Recall“ kommt an zweiter Stelle 

FILM.TV: Wenn ich mir bei „Rekall“ die Erinnerungen eines Filmstars besorge, würden sie ihre eigenen empfehlen ? 
Colin Farrell: Sie könnten es schlechter treffen. Ich hatte ein paar gute Jahre. Und ein paar Sachen habe ich auch vergessen. Die Männerträume, das Chaos, das ist vorbei. Ich freue mich jetzt über andere Sachen. 

FILM.TV: Fühlt sich ihr eigenes Leben machmal wie ein Traum an ? 
Colin Farrell: Im Film heißt es : „Realität ist nichts anderes als eine chemische Reaktion im Gehirn auf unsere Wahrnehmung.“ Realität, Realität, Realität… dazu gehört die eigene Meinung, es ist eine individuelle Methode seine Erfahrungen zu verarbeiten. Dass ich gestern in Dublin abgeflogen bin, heute in Berlin gelandet bin, von einer großen scharzen Limousine abgeholt und in ein großes Luxushotel chauffiert wurde, ist nicht weniger real, nur weil es nicht mit Schmerz und Schwierigkeiten verbunden ist. Dass wir hier sitzen ist nicht weniger real als dass mein Sohn krank ist. Es macht nur mehr Spaß.


FILM.TV: Lesen sie gerne ?
Colin Farrell: Ich liebe es zu lesen.

FILM.TV: Was haben sie zuletzt gelesen ?
Colin Farrell: “The Accidental Masterpiece”. Es ist von einem Kunstkritiker,der die Verbindung zwischen großen Kunstwerken und Zufällen untersucht. Er fragt sich was ist Kunst und wie wichtig ist sie für uns Menschen ? Er bezieht sich nicht nur auf elitäre Kunst sondern auf vielfältige Formen von Kunst im Leben, und auf das Leben selbst als Kunst.

FILM.TV: Sie haben in den vergangenen vier Jahren fast 12 Filme gedreht. Wie finden sie da Zeit zum Lesen ?
Colin Farrell: Ich habe immer mal wieder ein paar Monate Zeit zwischen Jobs. Vor zweieinhalb Jahren war das so. Da hatte ich acht Monate frei, acht Monate mit den Kindern. Es war magisch, wer kann das sonst schon ? Meist habe ich zwei bis drei Monate Zeit zwischen zwei Filmen.

FILM.TV: Sind sie ein Familienmensch ?
Colin Farrell: Ja, total. Ich mache mir Sorgen, dass ich zuviel unterwegs bin, aber das muss ich nunmal. Aber wenn ich dann zuhause bin, arbeite nicht von 8 bis 19 Uhr, ich bin wirklich daheim mit den Kindern und das gleicht meine Abwesenheit aus.

FILM.TV: Werden sie dann nervös, wenn sie solange zuhause rumsitzen ?
Colin Farrell: Am Ende der Phase bin ich wirklich aufgeregt und will wieder arbeiten,weil ich es liebe. Ich habe mich selbst gewundert, wie gut es mir nach acht Monaten Nichtstun ging. Wobei „Nichtstun“ nicht stimmt. Zuhause mit den Kindern ist man schon sehr aktiv, ich habe Gitarre gespielt, gelesen, bin ins Kino gegangen, habe Freunde getroffen. Das war nett.





 
 

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