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Anonymus Interview mit Joely Richardson

Was war das für ein Erlebnis dieselbe Rolle wie ihre Mutter zu spielen?

Das war zauberhaft.  Es war privat toll, weil wir zusammen waren, und auf der kreativen Ebene… Ich habe früher schon zusammen mit ihr im Garten gearbeitet oder etwas angeguckt oder gekocht. Als ich in den USA die Serie Nip/Tuck gedreht habe, hat sie in der zweiten Staffel meine Mutter gespielt. Das hat nicht soviel Spaß gemacht, denn unsere Beziehung war in der Serie ziemlich fies, anders als im wahren Leben.  

Sie haben die Rolle der Elisabeth aber nicht zuammen entwickelt, sondern jeder für sich ?

Stimmt. Aber zunächst mal musste Elizabeth ja nicht erfunden werden, sie ist eine historische Figur und dann hat John Orloff seine Version von ihr entwickelt . Unser Job als Schauspielerinnen ist dann, der Vision des Autors und des Regisseurs zu folgen. Und die junge und die alte Elizabeth sind auch völlig verschiedene Personen – so wie wir alle. Als junger Erwachsener liegt alles vor einem. In diesem Film ist die ältere Elisabeth tragischerweise eine gebrochene Person. Eine Figur zu spielen ist nicht wie ein Kochrezept – man nehme ein paar Karotten und ein paar Kartoffeln. Schauspielern ist eine so spezielle Sache, jeder hat seine eigene Methode. Letztlich findet alles zwischen „Action“ und „Cut“ statt und da ist man auf sich gestellt.  Wenn wir uns abgesprochen hätten die gleichen Gesten zu benutzen – das hätte falsch gewirkt. Der Kern von Elizabeth liegt nicht darin wie sie die Hände bewegt. Außerdem sah ich zur Vorbereitung ein Interview mit meiner Mutter als sie 30 war. Damals war sie eine völlig andere Person im Vergleich zu den letzten 15 Jahren, selbst ihre Stimme war anders. Das war mein bester Grund dafür, dass wir uns nicht kopieren sollten.

Sie haben schon „The Patriot" mit Roland Emmerich gedreht. Hat er sich seit damals geändert ?

Er hat sich sehr verändert . Ich hab ihm selbst gesagt, dass ich es kaum glauben konnte als ich ihn traf. Diesmal wirkte er zehn Jahre jünger als beim Ersten Mal. Sein Wesen hat sich verändert, sein Leben ist neu geordnet. Damals hatte er einen Produzenten, der mit den Schauspielern sprach, sie waren ein Team, und Roland kümmerte sich mehr um die technische Seite . Diesmal war´s andersrum. Er liebte es, mit den Schauspielern zu reden, am Set zu sein. Er war völlig enthusiastisch und offen, weil er das Projekt so liebe, vielleicht weil es sich so von seinem üblichen Genre unterscheidet.

Auch wenn sie ihn vorher kannten, was haben sie anfangs gedacht, als sie hörten dass ausgerechnt Emmerich einen Shakespeare-Film machen will ?

Ich dachte „wie fantastisch". Ich will mich nicht als Experte aufspielen, aber er ist meisterhaft in dem was er macht. Wenn man einen englischen Regisseur hätte, der ein Meister in Sachen Shakespeare ist heißt das nicht, dass er eine epische Geschichte mit der Kamera erzählen kann. Roland mit seinen technischen Fähigkeiten hat den Film für 25 Millionen Dollar gemacht und er sieht aus als hätte er mindestens 120 Millionen gekostet. Wir sollten uns darüber freuen. Die Szenen im Globe Theater sind die besten die ich zu dem Thema je gesehen habe. Und ich müsste das nicht sagen, denn ich spiele in den Szene nicht mal mit. Die Worte und Shakespeare selbst wurden dort für mich lebendig, und das Zusammenspiel von Publikum und Darstellern, das ist Theater wie es in einer idealen Welt wäre.

Vanessa Redgrave, Roland Emmerich, Joely Richardson


Glauben sie, dass Shakespeare die Stücke tatsächlich nicht selbst geschrieben hat ?

Ich bin mit Shakespeare groß geworden, ich ging zur Schauspielschule, war sogar bei der Royal Shakespeare Company und hab trotzdem lange nichts von der Theorie gehört. Vor acht Jahren erzählte mir ein Schauspieler, er hätte ein tolles Buch gelesen, das behauptet Shakespeare hätte die Stücke nicht selbst geschrieben und ich dachte nur „was kommt als Nächstes ?" Ich hab das einfach nicht geglaubt. Dann kam dieses Projekt und Roland und John erzählten mir die verschiedenen Theorien, die es gibt und dann hab ich selbst angefangen zu recherchieren, das Pro und Contra und was die großen Köpfe in der Vergangenheit dazu gesagt haben. Meine Schlußfolgerung ist, dass da zumindest ein Fragezeichen hinter der Autorenschaft von Shakespeare steht.

Fanden sie die Theorie anfangs beleidigend ?


Überhaupt nicht. Es gibt einen Schauspieler im Film, Mark Rylance („Die Schwester Der Königin"), den ich bewundere, ein echter Meister, der gerade am Broadway den Tony-Award bekommen hat und zehn Jahre das Globe-Theater in London leitete. Er hat selbst nachgeforscht über die Oxford-Theorie, die Francis-Bacon-Theorie, die Marlowe-Theorie, die Kooperations-Theorie, denn er kannte die vorher auch nicht. Und je mehr er erfuhr desto mehr lernte er darüber wie man Shakespeare spielen sollte. Letzendlich feiert der Film die Stücke von Shakespeare. Der Film ist selbst wie eines seiner Dramen, wo alles auf den Kopf gestellt wird. Es gibt keinen Grund wütend zu sein. Warum sollte es uns wichtig sein, dass Shakespeare selbst der Autor war? Für uns macht es das interessanter. Ich mag Debatten. Je mehr ich über etwas erfahre, desto mehr interessiert es mich.

Wie kamen sie damit klar, dass Shakespeare nicht nur als Betrüger gezeigt wird sondern auch als Trottel, als mäßiger Schauspieler, der überhaupt nicht schreiben konnte?

Das ist nur ein kleiner Aspekt des Films und den nehme ich mit Humor. Anfangs hab ich auch gedacht „müsst ihr es so weit treiben ?" . Aber ich halte das für sehr shakespeare-mäßig. Er hat auch alle zu Narren gemacht. So sind die Menschen - man ist manchmal lächerlich, ob nun Held oder Schurke.
Wir wissen, dass Shakespeare Mitglied einer Schauspieltruppe war. Er hatte ein sehr stilles Begräbnis - der berühmte Mann aus Stratford - das war nichts besonderes. (Sein Konkurrent, der Autor) Ben Jonson dagegen hatte eine riesige Beerdigung in der Kathedrale von Westminster, einem nationalen Monument. Das sind interessante Fakten, denn das macht einfach keinen Sinn.

Elizabeth wird auch „Die jungfräuliche Königin“ genannt.  Im Film wird dagegen angedeutet, dass sie sogar eine Affäre mit dem eigenen Sohn gehabt haben könnte. Ist das frei erfunden ?

Ich weiß es nicht, Das müsste unser Autor beantworten.  Ich weiß allerdings dass ihre Affären dokumentiert sind. Wenn adlige Frauen damals schwanger wurden, gingen sie ein paar Monate auf Land. Das ist historisch verbrieft.Ich war nicht in ihrem Schlafzimmer, darum weiß ich es nicht genau, aber ich bin mir sicher, dass sie keine jungfräuliche Königin war und das hoffe ich auch um ihretwillen (lacht). Ihr Leben als Königin war einsam genug, sie braucht ein paar liebevolle Arme, in die sie ab und zu sinken konnte. Ich habe gerade erst Catherine Parr in „Die Tudors“ gespielt – die letzte Frau von Heinrich dem Achten. Der hatte die Mutter von Elizabeth umbringen lassen. Ein schreckliches Vermächtnis für Elisabeth. Catherine Parr´s Geliebter war Thomas Seymour und nach dem Tod von Heinrich nahm sie die Affäre wieder auf, aber dann verschwand Seymour mit der jungen Elizabeth. Das war die erste von Elisabeths nachgewiesenen „Bekanntschaften“. Aber wenn man nicht im Schlafzimmer war, wird man nie wissen wie weit das ging. Robert Dudley war später einer ihrer Liebhaber. Den Beinamen jungfräuliche Königin als Propaganda zu bezeichnen wäre vielleicht zu hart. Aber man hatte eine unverheiratete Königin - angeblich ohne Kinder – an der Spitze des Staates. Also förderte man den madonnenhaften Eindruck. Für mich war es aber reizvoll, sie feurig und leidenschaftlich zu spielen.     

Haben sie viel geprobt ?

Nein. Es waren so viele Schauspieler beteiligt, mit unterschiedlichen Terminplänen, vielleicht hätte Roland das gerne gehabt, aber wir hatten keine Zeit dafür. Jamie (Campbell-Bower), der den jungen Oxford spielt, habe ich gleich getroffen nachdem ich in Berlin gelandet war. Ich ging kurz in die Garderobe und zur Maske und dann kam Roland und sagte „Joely, du hierhin,  Jamie, du hierhin. Los geht’s. lasst uns die Liebesszene proben“. Also zumindst die haben wir geprobt. Vorher gabs ein kurzes Hallo, und dann hieß es „rennt in den Raum und reißt euch auf dem Thron die Kleider vom Leib“. Das war ein tolles Kennenlernen (lacht). Und das haben wir nur geprobt, weil sie sehen wollten, ob die Kamerabewegungen klappen, wenn wir durch den Raum wirbeln.

Jamie Campbell-Bower und Joely Richardson



 


 
 

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