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Für Immer Liebe Interview mit Channing Tatum

FILM.TV: Wenn man wochenlang zusammen mit Rachel McAdams dreht, trifft man sich nur am Set oder befreundet man sich dann auch und trifft sich nach der Arbeit ?

Channing Tatum: Leider treffe ich Rachel zu selten, denn sie lebt in Toronto und kommt nur selten nach L.A., es sei denn sie arbeitet oder trifft einen Regisseur. Wie gesagt, ich himmele sie an, ich liebe sie und wünschte wir könnten mehr miteinander machen. Aber so ist unser Beruf. Wir sind durchreisende Zigeuner. Wir arbeiten auch selten in Los Angeles, denn erstaunlicherweise werden dort gar nicht so viele Filme gedreht. Man arbeitet an irgendeiner Location für drei Monate, zwölf Stunden am Tag, und das fünf oder sechs Tage in der Woche. Dann versucht man sowas wie ein Privatleben am Wochenende zu haben. Nach den drei Monaten hast du eine enge Beziehung mit jemandem, von dem du dann weggezerrt wirst. Du gehst und machst dein Ding, sie geht und macht ihr Ding. Mehr kann man nicht machen

FILM.TV: Es sei den es gibt eine Fortsetzung...

Channing Tatum: Es gibt eine kleine Möglichkeit für eine Fortsetzung. Ich weiß nicht ob sie es machen. Sie müssten sich einen neuen Konflikt ausdenken. Ich weiß nicht was das sein sollte, außer das dann Leo sein Gedächtnis verliert (lacht). Das wäre merkwürdig, wenn es zwei Leuten in einer Beziehung passiert.

FILM.TV: Spielen sie tatsächlich Gitarre wie im Film ?

Channing Tatum: Vor dem Film nicht. Jetzt kann ich es ein bißchen. Es war ein nette Übung. Wenn ich eine Rolle annehme, habe ich dafür oft einen speziellen Song oder eine CD, die ich ständig höre um mich zu erinnere, in welcher Stimmung ich sein möchte. Diesmal war das eine interessante Sache, weil ich immer dasselbe Stück auf der Gitarre spielte, dass übrigens ein Freund von mir geschrieben hat, und das mich in die Stimmung des Films versetzte. Es war eine spaßige Lektion, dass zwischen den Szenen zu üben. Ich stellte fest, dass ich wirklich mochte, wo mich das emotional hinbrachte, der Frust es zu üben und es nicht perfekt zu könne, denn im Film bin ich ja auch sehr frustriert - und die Akkorde des Songs sind sehr effektiv für meine Stimmung im Film.

FILM.TV: Welche Musik hören sie denn um sich bei anderen Filmen in die richtige Stimmung zu bringen ?

Channing Tatum: Alles was zur Rolle passt. Bei „Kids - In Den Straßen Von New York" habe ich eine CD vom Rapper DMX gehört. Weil er brutal klingt und dennoch nach aufrichtiger Freundschaft. Ich hatte einen Bezug zu der CD, denn meine Rolle im Film war wie ein Freund von mir. Der ist völlig verückt und wir lieben diese CD. Ich hörte sie um mich an ihn zu erinnern und in diese Stimmung von Gewalttätigkeit und Irrsinn zu kommen.

FILM.TV: Viele Filmstars machen auch Musik. Haben sie auch den Ehrgeiz ?

Channing Tatum: Ja, irgendwann vielleicht. Aber vielleicht nicht wie J.Lo. Ich habe Respekt vor dem was sie geschafft hat. Sie ist ein Mogul. Ich würde es eher für mich machen und nicht veröffentlichen. Mein Geschäftspartner ist einer der besten Gitarristen die ich je gesehen habe. Wir wollen Musik machen, aber damit eher Geschichten erzählen und spielen. Nichts für ein Musikvideo.









FILM.TV: Sie drehen ja auch Actionfilme wie die Fortsetzung von „G.I. Joe". Was interessiert sie mehr: romantische Rollen wie in "Für Immer Liebe" oder körperlich anstrengende Filme ?

Channing Tatum: Ich liebe Rollen die mich körperlich fordern, aber wirklich große Actionfilme haben auch Emotionen und Drama. Es gibt nicht genügend Actionfilme, die eine gute solide Geschichte haben. Das ist ziemlich traurig. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft ändert. Wenn ich wählen müsste, würde ich mich wohl für Liebesgeschichten oder Dramen entscheiden. Action macht Spaß, kann aber auch hohl sein.

FILM.TV: Wie weit würden sie für eine gute Actionszene gehen ?

Channing Tatum: Bis zum Tod. Ich will nicht sterben bei einer Actionszene, aber bis dahin würde ich alles tun. In „Fighting" wollten wir etwas Echtes, Raues erschaffen. Die Kämpfe sind nicht sauber sondern schlampig, man fällt, steht auf, schlägt daneben, haut sich aus Versehen selbst. Wir versuchten das nicht so stark zu choreographieren. Wir planten zwei Schläge und was dazwischen passierte war frei. Abgesehen davon sich ins Gesicht zu schlagen war alles erlaubt, was wir wollten. Das fühlte sich wie ein echter Kampf an, man war nervös, bevor es hieß: „Action" . Da willst du nicht wie ein Punk aussehen, als ob du verloren hättest. Das war die realste Actionszene in der ich je war. Man hat Angst. Ich fand das ziemlich verrückt, ich dache "was mache ich hier, kämpfe ich wirklich und die filmen das ?"

FILM.TV: Haben sie sich dabei verletzt ?

Channing Tatum: Ja ich hab mir die Nase gebrochen. In einer Szene sollte Yuri Foreman, ein echter Boxer, auf meine Deckung schlagen. Er drängte mich in die Menge hinter mir, jemand stieß mich nach vorne und ich lief in einen seiner Schläge. Das hat meine Nase zerschmettert. Das hat Spaß gemacht. Zum Glück war Yuri´s Cutman da. Er hat meine Nase mit Löffeln zurechtgerückt und die Schwellung rausgedrückt, so daß ich weiter sehen konnte. Es war verrückt.

FILM.TV: Sie haben mit gebrochener Nase weitergedreht ?

Channing Tatum: Ja, es war ein bißchen unheimlich, dass ich danach zwar nicht doppelt gesehen habe, aber Bilder sich überlagerten. Sie befürchteten, dass sich meine Netzhaut gelöst hat. Das kann man nicht reparieren. Ich wurde untersucht, kriegte ein EKG und es stellte sich raus, das ich nur erschöpft war. Meine Augen neigen zum Schielen, aber meine Muskeln richten sie geradeaus. Wir drehten 13 bis 14 Stunden am Tag und manchmal den ganzen Tag nur Kampfszenen. Es war aber gar nicht so sehr die körperliche Anstrengung wie die emotionale, die dich auslaugt. Darum gaben sie mir einen Ruhetag.

FILM.TV: Gedächtnisschwund hatten sie aber nicht , oder ?

Channing Tatum: Nein, sie dachten ich hätte eine Gehirnerschütterung oder eine abeglöste Netzhaut, aber es war nichts davon.

FILM.TV: Wenn sie Amnesie hätten - was würden sie am liebsten vergessen ?

Channing Tatum: Jede schlechte Kritik von Filmen, in denen ich mitspiele. Lest nicht im Forum von imdb.com ! Ich wünschte ich würde das auch nicht. Das ist brutal. Die Leute verstehen nicht, dass wir nur wollen, das den Leuten gefällt was wir machen. Wir sind ja nicht so eingebildet, dass wir sagen „guckt unseren Film an, wir sind so interessant". Wir machen die Filme weil wir sie mögen und manchmal werden wir von den Leuten zerrissen und das nervt, man fühlt sich wie ein schrecklicher Schauspieler und eine schreckliche Person.

FILM.TV: Sie sind nicht zum erstemal in Deutschland....

Channing Tatum: Nein, das ist mein dritter Besuch. Aber ich habe nie viel Zeit und nicht viel vom Land und den Städten gesehen. Das würde ich gerne, denn ich mag Geschichte und hier gibt es so viel historische Substanz. In L.A. gibt es nichts, es sieht schrecklich aus, nur Filmstudios und Stripläden. Aber die Gebäude hier gehören zum Schönsten was ich je gesehen habe. Ich hoffe ich kann wiederkommen und mehr Zeit hier verbringen.

FILM.TV: Sie müssen einfach einen Film hier drehen.

Channing Tatum: Das würde ich liebend gerne, das wäre toll. Eines Tages vielleicht.

Rachel McAdams und Channing Tatum


FILM.TV: Wie fanden sie es, mit Rachel zu drehen, sie zu küssen, ihren Freund zu spielen ?

Channing Tatum: Ich bin ein Fan, ich himmele sie an. Ich habe mich wie alle in sie verliebt, als ich sie in „Ein Einziger Tag" gesehen habe. Sie leidet unter dem Fluch, dass sie keine schlechten Sätze sagen kann, dafür ist sie eine zu gute Schauspielerin. Sie hat etwas Magisches, durch das man sie einfach liebt. Ich weiß nicht wie ich es erklären soll, sie hat eine gute Seele, und das zeigt sich in ihren Rollen.

FILM.TV: Steht man da beim Dreh als Kollege nicht unter hohem Druck ?

Channing Tatum: Total unter Druck, man sagt sich immer, „ich muss gut küssen.

FILM.TV: Und wie macht man das ?

Channing Tatum: Ich weiß nicht, man macht es einfach, man versucht es einfach sanft.

FILM.TV: Im Film sagen sie ja selbst übers Küssen: „ich kann das besser".

Channing Tatum: Im wahren Leben ist man bestimmt nervös und prallt mit den Zähnen aufeinander - aber das haben wir nicht gemacht.

FILM.TV: Um mal das Thema des Films aufzugreifen - haben wir eine Wahl im Leben, ist es Schicksal was uns passiert ?

Channing Tatum: Ich würde sagen es ist eine Kombination aus beidem. Ich glaube nicht dass Dinge vorherbestimmt sind. Aber bestimmte Momente sind es schon, einige wichtige Dinge sollen einfach passieren. Aber du und deine Entscheidungen bringen diese Ereignisse in Gang. Vielleicht beantwortet dass die Frage, aber es ist ein anstrengende, andere Art zu denken. Ich denke einiges ist vorherbestimmt - aber du bestimmst es durch deine Entscheidungen.

FILM.TV: Wie zum Beispiel ihre Entscheidung Schauspieler zu werden ?

Channing Tatum: Das hatte ich überhaupt nicht vor. Schauspiel war etwas, das Leute auf einer Bühne in meiner Highschool gemacht haben - und wo ich nie hingegangen bin. Filme habe ich aber mein Leben lang geguckt. Ich wusste nur nicht wie sehr ich das liebe. Aber irgendwann damals war ich krank zu Hause und zappte mit meinem Vater durchs Fernsehprogamm. Auf einmal sagte er „Schalte schnell zurück" und da lief „Der Unbeugsame" mit Paul Newman. Ich war voll genervt: „Ich will den Film nicht sehen, Dad, der ist nicht mal in Farbe, bitte zwing mich nicht!" Er meinte aber: „Du musst das sehen, wenn du wissen willst was cool ist". Ich hab´s dann geguckt und habe mich in den Film verliebt und wurde ein großer Paul-Newman-Fan. „Haie der Großstadt" ist mein Lieblingsfilm unter den alten Filmen. Bei allem in meinem Leben bin ich irgendwie reingestolpert, ich hatte keinen Plan. Ich ging nach Miami, weil ich aus Tampa weg wollte und auf der Straße entdeckte mich jemand als Model. Das machte ich dreieinhalb Jahre, dann stolperte ich in ein Werbecasting für Pepsi und kriegte den Job. Das war mit Regisseur Tarsem Singh („Krieg der Götter"). Dabei verliebte ich mich in die Idee Schauspieler zu werden, ich machte einen Workshop mit und heulte schon nach zehn Minuten: „Das ist toll, das will jetzt ich immer machen !" Und das mache ich nun.



 


 
 

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