John Madden Interview zum Film Eine Offene Rechnung


 
 
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John Madden Interview zum Film Eine Offene Rechnung: Mehr zum Film

John Madden Interview zum Film Eine Offene Rechnung: Infos & Links

Im ThrillerEine Offene Rechnung” jagen israelische Agenten einen Alt-Nazi in der DDR. John Madden (“Shakespeare In Love”) hat den packenden Mix aus Action, Drama und Thriller mit einer Topbesetzung gedreht, wie u.a. Hellen Mirren, Tom Wilkinson, Sam Worthington und Jessica Chastain. FILM.TV-Reporter Marcus Fliegel hat den Regisseur in Berlin getroffen.

Wie klein die Welt doch manchmal ist. Am Tag des Interviews war der türkische Präsident Gül im selben Hotel und hundert Sicherheitsbeamte mit Knopf im Ohr und Beule im Jacket sicherten alle Flur. Als wenn man selbst durch einen Thriller läuft. Zur Arbeit des Mossad (israelischer Geheimdienst) hätte Gül sicher auch eine Meinung gehabt. Aber es gab kein Rankommen.

John Madden war dagegen beim Treffen in bester Plauderlaune. Als ich mich vorstellte und von FILM.TV sprach, fing er gleich an zu erzählen, noch bevor die Kamera lief - über die schwierige Kunst, Trailer zu schneiden:

John Madden: (Trailer)…sind eine interessante Erzählform, die einen Regisseur frustiereren können, weil man sich zurückhalten und zugeben muss, dass ein anderer besser weiß, wie man man den Trailer für den eigenen Film macht.

MF: Also waren sie an den Trailern nicht beteiligt….?

John Madden : Nein das wäre gelogen. BeimTrailer zu “Eine Offene Rechnung” und meinem nächsten Film, “Best Exotic Marigold Hotel” war ich involviert. Aber ich würde es nicht allein machen. Ich gab einfach meinen Input bei der Bearbeitung – und das wurde respektiert. Bei anderen Regisseuren ist das vielleicht nicht der Fall.

MF: Ist es etwas besonderes für sie, dass der Film nun dort gezeigt wird, wo die Handlung spielt ? Genau genommen sitzen wir hier gerade im früheren Ostberlin…

John Madden: Es ist was besonderes, und es ist etwas frustrierend, dass ich nicht hier drehen konnte. Ich hatte den Produzenten ziemlich autoritär angekündigt, dass ich darauf bestehe in Berlin zu drehen, egal was es kostet. Aber als ich hier nach Drehorten suchte stellte ich fest, dass das ein unrealistisches Vorhaben war. Wir hatten einfach nicht das Geld, um Ostberlin so zurückzuverwandeln, wie es in den 60ern aussah, einfach wegen des Ausmaßes an Veränderung, den die Stadt durchgemacht hat. Es ist mir sehr wichtig, besonders bei einem Thema wie diesem, dass alles authentisch aussieht. Ich wollte in Israel und in Berlin drehen, und landete schließlich in Israel und Ungarn, dass Berlin ersetzen musste. Ich wollte mich selbst so eng wie möglich der Erfahrung aussetzen und den alten Bauten, die ich in Berlin und Israel finden wollte. Ich will den Film demnächst auch in Israel zeigen, um zu sehen, wie er dort aufgenommen wird.

MF: Dort läuft er also noch nicht im Kino …

John Madden: Nein, er hat Premiere auf dem Haifa-Festival. Aber er basiert bekanntlich auf einem israelischen Film.

MF: Was für eine Reaktion auf den Film erwarten sie speziell vom Deutschen Publikum ?

John Madden: Ich weiß nicht was ich erwarten. Ich hab mich mit vielen Leuten darüber unterhalten. Eine Journalistin hat mir gerade gesagt, sind fand den Film beunruhigend. Viele Menschen in Deutschland haben sich mit einer bestimmten Sichtweise angefreundet und empfinden alles als schwierig und unbequem, das in dieser Wunde stochert. Ich möchte nicht anmaßend sein, aber ich glaube, (…der Nationalsozialismus…) ist ein globales Thema. Man kann sich kaum etwas wichtigeres vorstellen. Das ist nicht begrenzt, auch wenn vieles davon hier im Land stattgefunden hat. Ich kann nur ahnen, was es bedeutet, so eine Geschichte zu haben und sich zu fragen, welche Rolle der eigene Großvater dabei vielleicht hatte. Es ist aber ein Zeichen für mich, dass man das Thema ernst nehmen muss, wenn man es behandelt. Darum bin ich sehr neugierig, wie die Leute darauf reagieren. Aber wenn ich weiter rede finde ich es nicht heraus(lacht). Ich sollte andere fragen.

MF: Was mich besonders gepackt hat bei dem Film, war die dichte Atmosphäre, besonders im mittleren Teil (der in der DDR spielt. Anm.d.Red.) Wie haben sie das recherchiert ? Haben sie sich alte Filme aus der DDR angesehen ?

John Madden: Es gab eine Reihe von Filmen, deren Namen mir jetzt nicht einfällt. Ich habe versucht einen physischen Eindruck zu bekommen, wie sich das Land damals anfühlte. Es gibt da sehr interessantes Dokumentarmaterial. Es ist erstaunlich: obwohl ich selbst nur kurz nach dem Krieg geboren wurden hat die Generation meiner Kinder so wenig Ahnung , wie das geteilte Berlin war, das waren so einmalige Umstände. Verblüffend, wie viele noch nicht mal die Lage der Stadt kennen. Sie wissen nicht, dass Westberlin eine isolierte Enklave war. Ich habe soviel recherchiert wie ich konnte und war sehr froh als ich diese Enklave in Budapest fand, denn der Ortseindruck ist wirklich wichtig für den Film, das Gefühl von Panik, von Anspannung die alles umgibt, dass ist die sprache des Films. Das erforderte eine reale Umgebung und ich hatte das Glück sie zu finden. (Der Drehort in Budapest…) entspricht sehr genau meinen Recherchen bis hin zu den Einschußlöchern. Ich hatte den Eindruck, Ostberlin in der Mitte der 60er fühlte sich an wie Ostberlin in der Mitte der 40er, denn es wurde kein Geld in die Infrastruktur gesteckt, außer in die breiten Straßen für die Militärparaden.

MF: Sie würden ihren Film wahrscheinlich nicht als Remake bezeichnen, aber er basiert auf einem früheren Film.

John Madden: Remake ist so ein vorbelastetes Wort. Ich hab davor aber weniger Angst als andere, denn mein Wurzeln liegen im Theater und Remakes sind das Lebenselixier des Theaters, da geht es immer um die Neu-Interpretation eines Stoffs. Der Unterschied ist wohl, dass man keine perfekte Aufnahme einer Produktion hat, sondern sie ständig neu aufführt. In diesem Fall ist es ein Remake eines Film, der eine weitere Verbreitung verdient hätte, er wurde für wenig Geld auf hebräisch gedreht und hatte selbst in Israel keinen großen Start und war auch umstritten. Für mich war es sehr außergewöhnliches, bemerkenswertes Material, das es verdient hat auf einer größeren Bühne sein Wirkung zu entfalten.  Mein Film ist auch nicht sehr teuer, aber der menschliche Kern – was moralisch und menschlich vor sich geht  - gibt dem Film Allgemeingültigkeit die das Stigma aufhebt, dass es um den Holocaust geht.

MF: Was hat sie ursprünglich an dem Projekt gereizt – der israelische Film oder bereits ein überarbeitetes Drehbuch für ein Remake ?

John Madden: Es gab noch kein fertiges neues Drehbuch. Meine erste Begegnung mit dem Stoff war ein Entwurf. Mattew Vaugn (Regisseur von ”X-Men: Erste Entscheidung”) und Matt Goldstein hatten das Material überarbeitet. Das war schon ganz interessant , aber das war eher ein Film wie Matthew ihn drehen würde. Darum nahm ich mir den Stoff vor, was Matthew auch erwartet hatte, und bearbeitete ihn so wie ich ihn mir vorstellte.  Es schien eine ungewöhliche Kreatur zu sein, die gleichzeitig ein Thriller und ein dramatischer, komplexer Film sein könnte, ohne dass diese  Elemente gegeneinander arbeiten und in verschiedene Teile getrennt sind, wo der Thriller kurz endet und das Drama einsetzt.  Die Geschichte hatte einen sehr starken Vorwärtsdrang, obwohl es eine ungewöhnliche Erzählform mit zwei Zeitebenen ist.

 


 

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