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Kurs: Sprechen wie die Tharks in John Carter

01.03.2012 15:21

Die Schauspieler, die die Tharks im Film "John Carter" darstellten, mussten sich auch die Sprache und den Akzent der Tharks aneignen. Grundlage dafür waren die Romane von Edgar Rice Burroughs, auf deren Basis dann Dr. Paul Frommer, Linguist und emeritierter Professor für Clinical Management Communication an der University of Southern California, die Sprache kreierte. Auch für die Na’vi-Sprache in AVATAR („Avatar – Aufbruch nach Pandora“, 2009) zeichnete Frommer verantwortlich.

Wenn ihr schon Klingonisch und Elbisch könnt, dann traut euch ruhig mal an die Sprache der Tharks ran. Einfach wird's allerdings nicht...

Naja, wir versuchen das mal, okay? ;) 

 

Aussprache Leitfaden

So spricht man die Laute in "Tharkisch" aus:

ch Wie englisch Bach, Chanukah (kratzender Ton)

gh Gibt es so nicht. Kratzender Ton, aber stimmhaft. Ähnlich wie das r in „Parisian“.

th Wie englisch thin, nicht wie in then

tj Wie englisch ch in church und chin

x Immer wie ks, selbst am Wortanfang: xamad (= ksamad), xan (= ksan)

ao Wie englisch ow in cow

ay Wie englisch eye, my, pie, sigh

ey Wie englisch they

Doppelkonsanten werden länger betont: Jeddak, lekkad, ebbok, skarrus

Kurze Vokale: a, e, i, o, u

Lange Vokale: aa, ey, ee, oa, oo

 

Die Entwicklung der Thark-Sprache

Bei der Entwicklung der Thark-Sprache für JOHN CARTER – ZWISCHEN ZWEI WELTEN folgte Dr. Frommer einem Leitgedanken. Gab es keinen guten Grund, der dagegen sprach, wollte er die Thark-Sprache mit Hilfe der Romane von Edgar Rice Burroughs so einheitlich wie möglich gestalten. Zum einen aus Respekt vor den Fans, zum anderen, um eine stimmige und richtige Sprache kreieren zu können.

Dr. Frommer studierte John Flint Roys Sachbuch „A Guide to Barsoom“ und trug jedes Barsoom-Wort, das er dort fand, in eine Datenbank ein. Insgesamt 420 Wörter hatte Burroughs erfunden, die meisten davon waren Namen von Personen und Orten. Aber es gab auch einige Begriffe für Maßeinheiten, Zahlen, Pflanzen und vieles mehr. Dr. Frommer setzte sich ein Ziel – er wollte alle Töne und Tonkombinationen, die Edgar Rice Burroughs für seine Bücher benutzt hatte, aufspüren und auf dieser Basis ein Lautsystem für die Thark-Sprache entwickeln.

Die Entwicklung dieses Lautsystems hatte für Dr. Frommer oberste Priorität. „Ich musste entscheiden, welche Laute und Töne es in dieser Sprache geben sollte und welche nicht, darüber hinaus musste ich mich auch festlegen, welche Lautkombinationen Verwendung finden sollten“, erläutert der Linguist. „Nachdem ich meine Ideen dazu mit Andrew Stanton besprochen hatte, schickte ich ihm und Colin Wilson einige Laut- und Tonproben. Dabei ging es um bestimmte Ideen, wie sich die Sprache anhören würde – natürlich im Einklang mit der von Burroughs erfundenen Schreibweise.“

Weil es im Grunde keine Grammatik und damit auch keine Regeln gab, musste Frommer selbst eine Grammatik entwickeln. Er fällte den Entschluss, dass sie einfach sein sollte – ohne komplexe Verbkonjugationen und ohne Kasusendungen bei Substantiven. Wie im Englischen und Deutschen sollte die Reihenfolge der Worte auch den Bezug der Worte im Satz definieren, außerdem sollten die Worte nicht groß modifiziert werden. Diese Einfachheit der Thark-Sprache geht auf einige Textzeilen im Roman „A Princess of Mars“ („Die Prinzessin vom Mars“) zurück, in denen John Carter als Erzähler Folgendes verrät: „Die Sprache der Marsbewohner (...) ist äußerst einfach, innerhalb einer Woche konnte ich alle meine Bedürfnisse formulieren, verstand dabei alles, was mir gesagt wurde.“

Ein wichtiges grammatikalisches Element, das Dr. Frommer beispielsweise klären musste, war die Wortreihenfolge im Satz. Denn, abgesehen von einem einzigen einfachen Befehl, gab es keine kompletten Thark-Sätze in den Büchern. „Die drei grundsätzlichen Bausteine eines Satzes sind Subjekt, Objekt und Verb“, führt Dr. Frommer aus. „Darüber hinaus gibt es sechs Kombinationsmöglichkeiten für diese Bausteine. Einige davon findet man in menschlichen Sprachen häufig, andere nicht. Ich entschied mich dafür, das Verb an den Satzanfang zu stellen und damit für die Reihenfolge: Verb, Subjekt, Objekt. Grundsätzlich heißt also ein Satz wie „Ich sehe das Haus“ in der Thark-Sprache „Sehe ich das Haus“.

Dialekttrainerin Roisin Carty unterstützte das Produktionsteam und half mit, den Schauspielern die Sprache beizubringen. Als zusätzliche Hilfe schrieb Dr. Frommer die Dialoge sowohl in der englischen als auch in der konstruierten Sprache auf, stellte einen phonetischen Leitfaden zur Verfügung, nahm Laute auf und speicherte diese in Dateien ab, die sich die Schauspieler dann als Aussprachehinweise anhören konnten.

 

Beispielsätze

Unterstrichene Silben sind betont.

 

Deutsch: Du wirst heute nicht Jeddak werden, Tal Hajus. Versuch es morgen.

Thark:     Tet pa Jeddak kwa pej, Tal Hajus. Daziv kirep.

              Nicht werden Jeddak heute, Tal Hajus.  Versuche morgen.

 

Deutsch: Seht die Beute, die Euer Jeddak gefunden hat.

Thark:    Klool ey vaasor wi jakra nun Jeddak ba

              Seht Beute die gefunden hat Jeddak Euer

 

Deutsch: Nein! Es ist ein seltenes und wertvolles Tier! Sein Name ist... ein Virginia!

Thark:    Tet! Nu gahor taong adwam. Eltis nu ... Virginia!

             Nein es Tier selten wertvoll. Name sein Virginia    

 

 

Was die Sprache ausmacht

Roisin Carty, die für die HERR DER RINGE-Trilogie die Elbensprache mitentwickelte, erklärt die Unterschiede zu ihrer Arbeit an JOHN CARTER – ZWISCHEN ZWEI WELTEN: „Tolkien stützte sich für die Entwicklung des Elbischen auf das Walisische, deshalb wirkt die Sprache sehr lyrisch, geht leicht von der Zunge. Die Sprache der Tharks aber ist ziemlich abgehackt und derb, die Konsonanten werden extrem betont.“

Die Dialekttrainerin erinnert sich, wie die Schauspieler die Thark-Sprache erlernten: „Im Thark-Trainingscamp vor Beginn der Dreharbeiten arbeiteten sie sehr intensiv als Gruppe und übten ihre Dialoge ein. Sie ahmten einander nach, beeinflussten sich gegenseitig und tauschten ihre Ideen aus.“

Carty arbeitete mit jedem Darsteller auch einzeln. „Willem Dafoe muss als Tars Tarkas am meisten Thark sprechen, er hat alles sehr gut gelernt“, erzählt sie. „Wir gingen die jeweiligen Szenen durch, ich sprach eine Dialogzeile, er dann die andere, und wir begannen, in dieser Sprache richtig miteinander zu kommunizieren. Es war verblüffend. Auch Samantha Morton und Polly Walker haben die Sprache mit Leben gefüllt. Das zu können, zeichnet einen guten Schauspieler aus!“

Dr. Frommer glaubt fest daran, dass neu erfundene und konstruierte Sprachen weiterhin ihren Platz im Film haben werden, denn für den Zuschauer entsteht dadurch eine, zusätzliche Ebene, die ihn in die Handlung hineinzieht. „Alles wirkt dadurch noch realistischer“, erläutert Dr. Frommer. „Was nicht bedeutet, dass der Zuschauer nun jeden Satz oder jedes Wort versteht, aber er spürt, dass es einheitlich wirkt – ein Gefühl, dass sich meiner Ansicht nach fast unterbewusst vermittelt. Wäre alles nur ein einziges Kauderwelsch, würde das der Zuschauer als nicht so authentisch empfinden, wie das bei einer wirklich einheitlichen, durchdacht konstruierten Sprache der Fall ist.

Tatsache ist, dass es seit Einführung des Klingonischen in ,Star Trek‘ irgendwie erwartet wird, dass eine Sprache, die in irgendeiner Form im Science-Fiction-Universum auftaucht, auch tatsächlich eine richtige Sprache ist. Im Kino folgten dem Klingonischen die von Tolkien kreierten Sprachen aus der HERR DER RINGE-Saga, und das sind sehr gut durchdachte Sprachen. Schließlich gab es die Sprache der Na’vi in AVATAR – AUFBRUCH NACH PANDORA, und zuletzt Dothraki, eine Sprache, die in ,Game of Thrones‘ [Fantasyserie nach den Romanen von George R. R. Martin] zu hören ist. Ich glaube, dass im Großen und Ganzen in Zukunft jede Sprache, die eine größere Rolle im Science-Fiction-Genre spielt, gut durchkonstruiert sein wird.“



 


 
 

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