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Urban Explorer Interview mir Regisseur Andy Fetscher

Marcus Fliegel: Wo kommt das Know-How für die blutigen Horrorszenen im Film her ? In Deutschland wird ja nicht viel in der Richtung gedreht, holt man sich da internationale Experten ran ?

Andy Fetscher: Wir hatten nicht viel Geld, wir haben uns Crew aus ganz Europa zusammengeholt. Aus Polen kamen eine ganze Menge einfallreiche Leute, was die Maske angeht. Der Leiter der Masken-Special-Effects Waldemar Pokromski hat auch die Effekte für "Das Parfüm" (und für "Schindlers Liste" Anm.d.R.) gemacht. Wir hatten da viel Glück und konnten für die pointierten Schockmomente richtig auf die Trommel hauen.

Marcus Fliegel: Ist alles so auf der Leinwand zu sehen wie es gedreht wurde oder gibt es verschiedene Schnittversionen des Films und später unterschiedliche DVD-Editionen ?

Andy Fetscher: Nein da bin ich kein Fan davon. Ich mag es wenn es von einem Film eine Fassung gibt. Klar guck ich mir von Klassikern gerne verschiedene Versionen an. Von dem was ich drehe, will ich aber nur eine Fassung haben. Ich will da auch keine Kompromisse machen. Wir standen dann vor der Frage: was passiert, wenn die FSK uns zensiert oder auf den Index setzt ? Es gab Stimmen, die das gefordert haben aber wir sind nicht geschnitten worden. Der Film hat FSK 18, kommt aber ungeschnitten in die Kinos. Wir wollen dem Zuschauer schonungslos das geben was er will.

Marcus Fliegel: Ich will das Ende nicht verraten, hatte aber den Eindruck, das Tor ein für Sequel wird da weit aufgestoßen. Gibts dafür konkrete Pläne ?

Andy Fetscher: Spaß würde es mir schon machen. Die Arbeit mit den Leuten hat unglaublich Spaß gemacht. Die Story und die Thematik "Urban Exploration" liegen mir sehr am Herzen. Das schreit natürlich danach, dass man einen zweiten Teil macht. Das kommt aber darauf an wie der Film sich im Kino schlägt.

Marcus Fliegel: Ich vermute mal Fördergelder haben sie nicht bekommen...

Andy Fetscher: Absolut keine. Es braucht Leute mit Enthusiasmus und Opferbereitschaft, mit Durchhaltevermögen. Wir haben lange gebraucht, bis wir die Gelder beisammen hatten, es ist alles privat finanziert. Wir haben keine Steuergelder verprasst, worauf ich auch sehr stolz bin. Es gibt genug Leute, die hassen Horrorfilme, die müssen auch keine mitfinanzieren. Es gibt aber auch genug Leute, die hassen langweilige Dramen, wie den tausendsten Film über die Nachkriegszeit, und die sollten die auch nicht mitfinanzieren müssen. Es läuft aber manchmal so in Deutschland. Deutschland ist recht nervig was das betrifft. Wir sind umso dankbarer und glücklicher, dass wir es geschafft haben, ("Urban Explorer") auf einem anderen, ungewöhnlichen Weg zu machen.
Momentan läuft mit "Hell" noch ein anderer deutscher Horrorfilm, der es ein bißchen einfacher hatte, weil Roland Emmerich dahinterstand. Wir kämpfen aber für die gleich Sache: dass man irgendwann bessere, mutigere Horrorfilme aus Deutschland sieht.

Marcus Fliegel: Jahrelang gab es praktisch keine Genre-Filme aus Deutschland, jetzt läuft "Hell", davor gabs "Wir Sind Die Nacht", und den Zombiefilm "Rammbock". Gibt es einen Boom für Genrefilme in Deutschland ?

Andy Fetscher: Ich weiß nicht ob die Zukunft besser aussieht. Es liegt noch ein weiter Weg vor uns. Die genannten Filme sind alle sehr unterschiedlich. Ich kann mir vorstellen , dass es viele Leute gibt, die einen davon gutfinden und den anderen überhaupt ausstehen können. Es muss für jeden was dabei sein. Wir wollten einen Schritt weitergehen in der Richtung. Keine Mischung aus Horror und Drama, sondern pure Unterhaltung mit ner Gruppe Kids die unter Berlin einen Alptraum erleben und ich bete, dass sich in Deutschland nach und nach die Möglichkeit entwickelt, dass mutigere Projekte ihren Weg gehen können.

URBAN EXPLORER Nathalie Kelly


Marcus Fliegel: Viele Zuschauer werden sicher durch Max Riemelt ("Die Welle", "Wir Sind Die Nacht") auf den Film aufmerksam. Er ist einer der Schauspieler in Deutschland, die sich ihre Projekte aussuchen können. Wie haben sie ihn an Bord bekommen, ?

Andy Fetscher: Der Max kann auf jeden Fall aussuchen, er ist ein klasse Schauspieler. Ich glaube, was ihn besonders an der Rolle gereizt hat war die Tatsache, dass er neben den deutschen Stoffen und den größeren Filmen auch mal was ausprobieren kann was auf englisch stattfindet. "Urban Explorer" ist eine deutsch-amerikanische Co-Produktion die über die Ländergrenzen hinaus veröffentlicht wird und ihm bei einem internationalen Publikum Ansehen verschaffen kann. Außerdem passt er natürlich perfekt in die Rolle: er ist blond, er ist blauäugig, er ist der perfekte Deutsche in einem Film, in dem eine Gruppe von Kids von allen Kontinenten für einen Abenteuerurlaub nach Deutschland kommen.

Marcus Fliegel: Es ist sicher kein Zufall, dass die Hauptdarsteller aus aller Welt kommen. Sehen die Hauptchancen des Film im Ausland ?

Andy Fetscher: Auf englisch wurde gedreht, weil es eine Gruppe von internationalen Kids ist, die sich treffen - und das war für mich einer der reizvollsten Punkte. Ein Mädchen kommt aus Frankreich, eins aus Venezuela, eins aus Asien und ein Typ aus Chicago. Ich glaub, wir haben den Film für alle Länder gemacht. Ich habe ihn auch ganz stark für den deutschen Markt gemacht, ich will das gar nicht kleinreden. Weil es mir am Herz liegt in Deutschland für Furore zu sorgen mit einem Film, kein durch Drama verwässerter Horrorfilm sein will, sondern durch und durch Genrefilm. Das war zumindest das Ziel, das wir vor Augen hatten. Ich wünsch mir sehr, dass wir das auch erreicht haben.

Marcus Fliegel: Sie haben mit "Bukarest Fleisch" schon einen Spielfilm gedreht, aber Deutschland ist nicht gerade bekannt für Horrorfilme. Einige der Darsteller haben Hollywoodfilmen und Hitserien mitgespielt War es schwer, die nach Deutschland zu holen ?.

Andy Fetscher: Ne überhaupt nicht. Jemanden aus Hollywood nach Berlin zu locken fällt momentan überhaupt nicht schwer. Berlin ist eine wahnsinnig angesagte Stadt, wegen der Clubs, des Nightlifes und der Kultur. Es ist das neue New York. Das fanden alle vom ersten Augenblick an reizvoll und wollten unbedingt mitspielen. Die größere Herausforderung war es sie in Berlin in den Untergrund zu bekommen, wo es so dreckig, düster und ekelhaft ist. Bei Nathalie Kelly ("Fast & Furious - Tokyo Drift") war es nicht einfach sie zu überzeugen. Letzten Endes war das Drehabenteuer aber für alle so aufregend, das es keiner bereut hat.

Marcus Fliegel: Klaus Stiglmeier ("Bang Boom Bang") spielt eine wichtige Rolle im Film. Der gehört zu einer ganz anderen Schauspielergeneration. Und für einen deutschen Schauspieler ist die Brutalität doch ungewohnt. War es schwierig ihn von dem Film zu überzeugen ? Ist er da zurückgeschreckt ?

Andy Fetscher: Er ist überhaupt nicht zurückgeschreckt. Ganz im Gegenteil. Große Teile von dem was auf der Leinwand passiert ist in Zusammenarbeit mit ihm entstanden. Ganz elementare Dinge seiner Filmfigur stammen aus seinem realen Leben. Er ist ein sehr komplexer, irrer Typ, ein unglaublich freundlicher Mensch, ein wahnsinnig talentierter Schauspieler aber auch eine furchteinflößende Gestalt, der teilweise die Dinge um die es da geht in den 80ern selbst erlebt hat - die Ausbildung zum Soldaten, der in Afghanistan gegen die Mujaheddin gekämpft hat. Das hat die Arbeit mit ihm am Set enorm aufgeladen, das hat für ne große Spannung gesorgt.

Marcus Fliegel: Er hat tatsächlich eine enorme Präsenz auf der Leinwand...

Andy Fetscher: Die jungen Schauspieler, besonders aus Amerika, hatten bis zum letzten Tag `ne Scheißangst vor ihm. Nathalie Kelly weigert sich seitdem, jemals wieder zurück nach Deutschland zu kommen...

Marcus Fliegel: Wo wurde denn gedreht ? Ist das alles wirklich in den Katatkomben unter Berlin entstanden oder wurde da getrickst und größtenteils in einem Studio in Babelsberg gedreht ?

Andy Fetscher: Auf gar keinen Fall ! Zu 80 Prozent spielt es vor Ort. Die Location sind Orte, an die sonst keine Kamera hindarf. Das hat uns auch Schwierigkeiten gebracht, weil wir Bestechungsgelder zahlen oder illegal irgendwo einsteigen mussten mit dem Wissen, dass jeden Augenblick jemand auftauchen kann um uns zu verfolgen. Aber es war für mich ein großer persönlicher Anspruch: der Film heißt "Urban Explorer" und das ist ein Sport, bei dem es darum geht Orte zu betreten, die sonst niemand sieht. Also muss ich als Regisseur meinem Publikum Orte bieten, die sonst keiner sieht.

Marcus Fliegel: Haben sie Berater aus der Szene gehabt ?

Andy Fetscher: Ja, es gibt zwei Vereine, einer aus dem Osten, einer aus dem Westen, die zumindest noch in Konkurrenz zueinander stehen, die haben uns beide sehr gut beraten. Aber da sie die Orte, die sie besuchen, auch in ihren Touristenführungen anbieten, kam das für uns nur zum Tteil in Frage. Wir haben uns letzen Endes alleine auf die Suche nach Orten gemacht, die wirklich niemand kennt, wirklich unheimlichen Orten unter Berlin.

Andy Fetscher Regisseur URBAN EXPLORER



 


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