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Das Mädchen Wadjda Trailer und Filmkritik

Originaltitel: Wadjda  |   Mit: Reem Abdullah, Waad Mohammed

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FSK Film: 0 | Länge: 93 Min | Kinostart: 05.09.2013 | DVD/BD: 20.03.2014 | ©  Koch Media | Drama
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Der vielleicht wichtigste Film des Jahres





Die Meinung zum Film - von

Saudi-Arabien ist ein verschlossenes Land. Der arabische Frühling ist dort ausgefallen, Demonstrationen wurden brutal niedergeschlagen. Die dort vorherrschende Auslegung des Islam gilt als besonders konservativ. Die feudalistische Herrscherfamilie beäugt Einflüsse von außen extrem argwöhnisch. Besonders die Rechte der Frauen sind stark eingeschränkt. Doch auch in dem Wüstenkönigreich ändert sich etwas. Ein gutes Beispiel ist der Spielfilm Das Mädchen Wadjda – der erste überhaupt, der in Saudi-Arabien gedreht wurde.

Es tut sich etwas im Wüstenstaat. Ab 2015 sollen Frauen sogar wählen dürfen. Die großen politischen Umbrüche sind aber nicht das Thema von Regisseurin Haifa al Mansour. Sie erzählt stattdessen von einem kleinen, ganz privaten Aufstand, in dem sich dennoch die Probleme der saudischen Gesellschaft spiegeln.

Die 10-jährige Wadjda (Waad Mohammed) ist auf ihre Art schon eine Rebellin. Unter ihrem vorschriftsmäßig bodenlangen Kleid, der Abaja, trägt sie modische Sportschuhe und gerät nicht nur deswegen immer wieder mit ihrer Rektorin aneinander.

Von ihrem großen Traum erzählt sie da lieber gar nicht erst: ein eigenes Fahrrad, noch besser und schöner als das des Nachbarjungen. Aber Fahrradfahren ist in Saudi-Arabien für Mädchen verboten. Deshalb kann sie nicht mal mit der Hilfe ihrer Mutter (Reem Abdullah) rechnen. Wadjdas Mutter hat ohnehin ganz andere Sorgen – ihr Mann ist auf der Suche nach einer Zweitfrau, die ihm endlich einen männlichen Erben bescheren soll. Eine Zerreissprobe für die Familie.

Wadjda muss das Geld für ihr Fahrrad wohl oder übel selbst auftreiben. Dabei entwickelt sie ausgeprägten Geschäftssinn. Schließlich nimmt sogar an einem Koranwettbewerb teil. Nicht aus religiösen Gründen, sondern wegen der lockenden Siegprämie.

„Glaubst du, du kannst dich aufführen wie ein Junge ?“

Der extrem konservative salafistische Islam bestimmt das Leben in Saudi-Arabien. Auf den Straßen stieß das Film-Team oft auf Mißtrauen. Und Frauen dürfen sich nicht ohne männliche Verwandte in der Öffentlichkeit zeigen. Deswegen musste die Regisseurin ihre Darsteller oft per Funkgerät dirigieren. Und das war nicht das einzige Problem. al Mansour ist zwar in Saudi-Arabien und sogar in einer liberalen Familie großgeworden. Aber das Leben auf der Straße hat sie nie kennengelernt, die Städte, Straßen und Plätze nie auf eigene Faust erkunden, sagt sie:

"Ich kenne keine Drehorte, denn ich nicht Erfahrungen machen wie ein Mann oder eine Junge . Als Frau muss ich mich im Auto oder im Haus aufhalten. Wir haben an einigen problematischen Orten gedreht. Als Mann hätte ich das gewusst und die konservativen Gegenden gemieden."

Auch für ihre deutschen Koproduzenten war Saudi-Arabien Neuland.Roland Paul und Gerhard Meixner hatten zuvor aber schon Filme wie „Waltz With Bashir“ oder „Paradise Now“ über den Nahostkonflikt betreut. Aber dieser Dreh war auch für sie etwas besonderes. Zunächst mal war die Finanzierung schwierig. Einige Geldgeber aus derRegion sind beteiligt, viele haben aber auch abgesagt.Außerdem unterstützte der NDR das Vorhaben. Anfangs waren die Dreharbeiten in einem anderen Land geplant weilalle davon ausgingen dass es in Saudi-Arabien keine Erlaubnis geben würde. Wie die genau zustande kam,weiss man bis heute nicht. Das Team musste zum großen Teil aus Deutschland eingeflogen werden,weil es in Saudi-Arabien keine Filmindustrie gibt, dort werden nur billige Soaps gedreht. So bekam „Das Mädchen Wadjda einen amtlichen Kinolook. Allerdings kommt der Film für westliche Sehgewohnheiten recht zahm daher. Konflikte werden nicht auf die Spitze getrieben und muss man sehr vorsichtig sein, was man zeigt.Schon beim Dreh gab es Ärger in konservativen Gegenden wo das Filmteam verjagt wurde.In anderen Stadtteilen wurden sie dagegen neugieirig und mit offenen Armen aufgenommen.

Haifa Al Mansours erster Spielfilm ist keine laute Anklage,sie spricht einige Probleme  dezent aber autentisch an,ohne die eigene Kultur komplett blosszustellen. Sie hofft nicht auf einen radikalen Umbruch in ihrem Land, sondern auf einen allmählichen Wandel, der aus ihrer Sicht bereits in Gang ist.

"Die soziale Lage der Frauen hat sich verändert. Saudi-Arabien wird offener und Frauen haben mehr Möglichkeiten. Es braucht jetzt einen Impuls, dervon den Frauen selbst kommt.sie müssen mutiger werden, mehr fordern und sich beweisen statt sich zu sorgen, was andere über sie sagen."                                                                    

Saudi-Arabien braucht mehr Frauen wie Haifa al Mansour und mehr Mädchen wie Wadjda. Westlichen Zuschauern öffnet der Film die Tür in ein sonst verschlossenes Land. Schön wäre es, wenn die Menschen dort den Film auch sehen könnten. Aber Kinos gibt es in Saudi-Arabien bislang noch nicht. Vielleicht hilft es auch, wenn „Das Mädchen Wadjda“ den Auslandsoscar gewinnt. Ausgeschlossen ist das nicht Das wäre zwar mehr ein politisches Signal und eine Annerkennung der Pionierleistung als eine Aussage über die filmische Qualität und extremistische Araber dürften schäumen.Aber es wäre auch eine Anerkennung der moderaten und fortschlichen Kräfte.

Marcus Fliegel© Marcus Fliegel
 
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Infos & Links

Infos zu "Das Mädchen Wadjda"

Die Story zu Das Mädchen Wadjda:Wadjda (Waad Mohammed) ist ein aufgeschlossenes und mutiges 10jähriges Mädchen. Zusammen mit ihrer Mutter (Reem Abdullah) und ihrem Vater (Sultan Al Assaf) lebt sie in einem Vorort von Riad und hat einen großen Traum. Der tägliche Schulweg führt sie an einem Spielzeuggeschäft vorbei, indem ein grünes Fahrrad angeboten wird. Wadjda möchte unbedingt dieses Rad besitzen, um sich gegen ihren Nachbarsjungen Abdullah (Abdullrahman Al Gohani) durchsetzen zu können. Doch ihr fehlt das Geld und außerdem ist es ihr in der Heimat untersagt, als Mädchen mit einem Fahrrad herumzufahren. Doch Wadjda hat einen Plan und versucht mutig ihren aufregenden Traum gegen alle Widerstände in die Tat umzusetzen.

Schauspieler:Reem Abdullah, Waad Mohammed, Abdullrahman Al Gohani, Sultan Al Assaf, Ahd

Regie:Haifaa Al-Mansour

Produktion:Razor Film Produktion GmbH

Drehbuch:Haifaa Al-Mansour

Produktionsland & Jahr:Saudi Arabien / Deutschland 2012

Offizielle Websites:
- Film Website




Eure Meinung zu "Das Mädchen Wadjda"


Weitere Kommentare zu "Das Mädchen Wadjda":

Carolina Ja geil wir schauen es mit der Klasse an

jana echt gut gucken mit schule den film freue mich:)

Cineast Berlin Wahnsinn - bisher das Beste, was ich dieses Jahr gesehen habe!