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Mina Tander Exklusiv-Interview zu Du Hast Es Versprochen

FILM.TV: In den etwas märchenhaften Elementen und Rückblenden werden Hanna und Clarissa als Kinder von zwei Mädchen gespielt. Hatten sie viel mit denen zu tun ? Haben sie sich über die gemeinsamen Rollen unterhalten?

Mina Tander: Wir haben uns schon beim Casting getroffen und als wir dann mit den Dreharbeiten auf Hiddensee anfingen war auch das gesamte Team dort. Das war ganz toll weil auch die Kinder sich untereinander kennenlernten. So konnten wir auch nochmal gucken: wie bewegen sich die Kinder, was macht sie aus ? Greta Dethlefs, die die junge Hanna spielt hat einen starken Blick und das war gut zu wissen. Ich kann nicht von einem neunjährigen Kind erwarten, dass es sich an mir orientiert. Wir waren auf Hiddensee etwa zwei Wochen zusammen, man konnte zwischendurch nicht weg, wir wohnten alle im selben Hotel. Das war schön,weil man sich dadurch auch besser kennenlernt. Es hatte so was wie eine Ferienlagerstimmung.

FILM.TV: Wie wurden denn die Kinder am Set betreut? Bei einem Gruselfilm muss man sie ja auch vor einigen Eindrücken beschützen.

Mina Tander: Das ist ne gute Frage. Meine Filmtochter Lea (Lina Köhlert) ist ein sehr verspieltes, lustiges Kind und hat die Situation oft schon durch ihre Art entschärft. Aber Alex hat auch das was wir gedreht haben oft etwas anders verkauft...
Es gibt eine Schnittfassung des Films nur für die Kinder, der überhaupt nicht gruselig ist, damit die Kinder sehen können, was sie gedreht haben. Den haben sie bei der Premiere geguckt während die Erwachsenen im Kino den ganzen Film gesehen haben. Natürlich waren sie da enttäuscht und haben gefragt „wann können wir denn den ganzen Film sehen ?“ und wir mussten sagen „in zehn Jahren“. Das ist für ein Kind natürlich total frustrierend.

FILM.TV: Für einen deutschen Film ist „Du hast es versprochen“ in einzelnen Szenen ziemlich hart. Waren sie da überrascht, wie kommen sie selbst mit blutigen Szenen zurecht?

Mina Tander: Ich bin niemand, der sich durch die Gegend fliegende Gehirnmasse anguckt. Aber für diesen Film fand ich die Brutalität nötig, damit man die Härte und Abgründigkeit mancher Personen begreift. Beim Drehen hat es Spaß gemacht, weil man nicht nur emotional über gewisse Grenzen geht sondern auch physisch und das ist eine Herausforderung, die ich als Schauspielerin total toll finde.









FILM.TV: Sie waren aber nicht nur physisch, sondern auch psychisch stark gefordert. Hanna ist eine komplexe Persönlichkeit, über die man unterschiedlicher Meinung sein kann, mit hellen und dunklen Aspekten. Haben sie sich dafür ein psychologisches Profil zurechgelegt?

Mina Tander: Ja das habe ich. Ich habe auch mit einer Psychologin über das massive Verdrängen von Erinnerungen gesprochen. Ich weiss nicht genau ob es eine posttraumatische Belastungsstörung ist, aber es ist ein Schutzmechanismus der Psyche, um ein Trauma abzukoppeln.
Ich finde man sieht bei Greta auch ganz toll, dass Hanna schon vor dem Trauma eine etwas distanzierte Art hat, eine gewisse Persönlichkeit, die durch das Erlebte aber noch verstärkt wird.
Ich versuche anfangs die Figur für mich logisch zu machen aber auch ein tiefes Gefühl für sie zu entwickeln. Dann kommen Dinge hinzu wie Bewegung, Stimme, Reaktionen bis es irgendwann so verschmilzt, dass ich nur noch aus dem Bauch heraus agiere.

FILM.TV: Der Film endet mit einer Überraschung, die man bis kurz vor Schluß nicht erwartet. Es hätte auch ganz anders ausgehen können. Gab es dafür verschiedene Drehbuchfassungen, vielleicht sogar ein paar alternative Enden?

Mina Tander: Es war schon immer klar, dass der Film so endet, aber es gibt noch mehr Material, das danach kam. Ich hoffe, dass das auf die DVD kommt, denn es wäre bestimmt für die Zuschauer total spannend, außerdem ist es eine meiner Lieblingsszenen.

FILM.TV: Es gibt auch einen englichen Titel für den Film: „Forgotten“. Er soll also auch international laufen. Außerdem war  „Du hast es versprochen“ auf dem Filmfestival in Venedig zu sehen. Wie kam es dazu und wie waren die Reaktionen?

Mina Tander: Der Film ist soweit ich weiß schon in einige Länder verkauft worden. Nach Venedig kam er ganz normal durch eine Bewerbung. Dann wurde er angenommen und wir waren komplett aus dem Häuschen. Ich war auch in Venedig und es war grandios. Ich hatte noch nie so ein Festival erlebt. Der Film hatte eine der Mitternachtspremieren bei denen meist Genrefilme vorgestellt werden. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass viele Leute im Kino sitzen würden aber es war fast voll und wir haben tolle Reaktionen bekommen. Das war ein Geschenk.


FILM.TV: Was hat sie bei “Du hast es versprochen” überzeugt, dass sie gesagt haben “den Film will ich machen?”

Mina Tander: Es gab ein Casting aber ich hatte im Vorfeld schon das Drehbuch gelesen und war sofort entflammt, weil das Drehbuch sehr außergewöhnlich war, was das Genre und die Komplexität angeht, weil es mit verschiedenen Ebenen spielt. Das fand ich toll. Dazu kam die Möglichkeit, eine Figur zu spielen, die nicht nur gut ist sondern die ihre Abgründe hat, die sie aber selbst erst im Laufe der Geschichte sieht oder wiederfindet.

FILM.TV: Für die Regisseurin Alex Schmidt ist „Du hast es versprochen“ der erste Spielfilm. Waren sie da als erfahrene Schauspielerin anfangs skeptisch?

Mina Tander: In diesem Fall nicht. Wir haben sehr eng zusammengearbeitet noch bevor gedreht wurde. Nach der Lektüre des Drehbuchs waren für mich noch ein paar Fragen offen und da hat sie noch vor dem Casting sofort angeboten, dass ich sie anrufen kann, was sehr ungewöhnlich ist. Da habe ich schon gemerkt, wie stark íhr Bild und ihr Ziel in Bezug auf den Film ist. Das hat mich wirklich beeindruckt.
Erstmal geht’s natürlich darum, ob man mit dem Regisseur geschmacklich auf einer Wellenlänge liegt aber ich habe auch früh gemerkt, dass Alex einen sehr genauen Blick hat, was mein Spiel angeht, auf den ich mich verlassen kann. Und es ist natürlich auffallend, dass sie eine junge Frau ist, was es nicht so häufig gibt.“ 

FILM.TV: „Du hast es versprochen“ ist ein Mix aus Mystery-, Grusel- und Psychothriller. In Deutschland gibt’s in dem Genre nicht soviel Erfahrung wie in den USA. Hatten sie da Bedenken, ob das funktioniert?

Mina Tander: Ich habe immer ein relativ klares Bauchgefühl bei den Projekten, bei denen ich zusage.Bei Alex hatte ich ein sehr starkes Gefühl, dass es aufgehen wird. Sie hat etwas sehr Ungewöhnliches, eine sehr frische Sichtweise und verbindet die märchenhaften Elemente des Films mit einer psychologisch sehr komplexen Komponente und einer Lust etwas zu machen, dass viele Leute mögen sollen.





 
 

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