Der Letzte Zug Filmtipp

Für die jeweils etwa 100 Menschen, die mit brachialer Gewalt in einen Viehwaggon gepfercht wurden, beginnt ein schreckliches Martyrium. Die unbeschreibliche Enge, die schlechte Luft und die Angst vor der Deportation nehmen den Leuten fast den Atem. Und für alle soll ein Putzeimer mit Wasser rei­chen! Als Toilette dient ein zweiter Eimer. Einer Frau ist der Stress zuviel: sie wird ohnmächtig. Einige schlagen mit den Fäusten an die Holzwände des Waggons. Doch die meisten versuchen Ruhe zu bewahren. Das Schlimmste jetzt wäre Panik oder Massenhysterie. Langsam setzt sich die Dampflok in Bewegung. Der Zug rollt aus dem Bahnhof. Das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Schon bald gibt es Streit um das wenige Wasser. Henry Neumann setzt schließlich durch, dass we­nigstens die stillenden Mütter und Kinder etwas Wasser bekommen. Langsam beginnt man sich über den Ernst der Lage klar zu werden und es dauert nicht lange, da hat Albert Rosen auch schon einen Plan: Am Besten wäre es, die Fenstergitter durchzusägen. Da könnte dann, so schlägt Jakob Noschik vor, ein schlanker Junge hindurchklettern und von außen die schwere Tür des Wagens aufmachen. Bei langsamer Fahrt könnte dann einer nach dem anderen in die Freiheit abspringen. Schnell meldet sich ein etwa 16jähriger Junge und erklärt sich – sehr zum Verdruss seiner Eltern – bereit, die lebens­gefährliche Aufgabe zu übernehmen. Aber jetzt gilt es, zuerst einmal die Eisenstäbe durchzusägen. Kaum hat man jedoch mit der mühsamen Arbeit begonnen, da fährt der Zug in einen Bahnhof ein. Dort angekommen flehen die Waggoninsassen händeringend Zugreisende und Passanten, die am Nebengleis auf ihren Zug warten, um Wasser an. Doch unter den Argusaugen der Nazi-Bewacher traut sich niemand, ihnen zu helfen. Schlimmer noch: Ein Soldat schießt ein paar Mal mit seinem Ma­schinengewehr in die Luft und gegen die Waggonwände. Zur Abschreckung. Doch dabei wird eine Frau im Waggon tödlich getroffen.

Der Zug rollt weiter. Aber schon im nächsten Bahnhof wird er auf einem Nebengleis abgestellt, wegen Truppentransporten, wie es heißt, die in Kriegszeiten absolute Priorität haben. Hitze, Querelen unter den Eingeschlossenen, Zweifel, Hoffnungslosigkeit und abgrundtiefe Angst machen das Warten zur Qual. Da hält plötzlich ein Zug. Soldaten steigen aus: ukrainische SS. „Das sind die Schlimmsten von allen!“, meint Jakob, „Gnade uns Gott.“ Es wird Nacht. Die Menschen im Waggon versuchen etwas Ruhe zu finden.

Zweiter Tag

Der neue Tag beginnt mit dem Morgengebet. Kindergeschrei, stumme Verzweiflung. Die Nazi-Bewa­cher beschließen, den Eingesperrten etwas Wasser zukommen zu lassen. Diesen „Gnadenakt“ soll allerdings die ukrainische SS übernehmen.

Durch das Gitterfenster sehen die Eingesperrten, dass am Bahnsteig Galgen errichtet werden. Etwa für sie? Gott sei Dank nicht! Am Abend müssen sie zuschauen, wie Partisanen herangeführt und einer nach dem anderen erhängt werden. Es ist grauenhaft. Wieder wird es Nacht. Plötzlich trampeln be­trunkene ukrainische SS-Soldaten auf den Waggondächern herum. Einer hangelt sich sogar vom Dach herunter und schießt durchs Fenster wahllos in den Waggon hinein. Schreie, Panik, Entsetzen. SS-Obersturmbannführer Crewes, Befehlshaber des Begleittrupps, setzt diesem Horror ein Ende – nicht etwa aus Menschlichkeit, sondern aus tumber Pflichtbesessenheit. Er schießt den Soldaten ein­fach vom Dach.

Dritter Tag

Die Zugfahrt geht weiter. Henry, Albert und noch ein paar andere wechseln sich damit ab, das Eisen­gitter durchzusägen. Die Menschen im Waggon versuchen, sich gegenseitig Hoffnung zu spenden und zu trösten. Einige hängen Tagträumen nach, wieder andere versuchen, mit einigen praktischen Arbeiten – etwa mit dem Organisieren von Schlafraum, Abort, Wasserausgabestelle – sich Platz zu schaffen. In der Morgendämmerung ist endlich das Gitter durchgesägt! Schnell, bevor es taghell wird, ist der unerschrockene Junge zur Stelle. Todesmutig klettert er aus dem Fenster und hangelt sich am fahrenden Zugwaggon entlang. Doch plötzlich rutscht er ab. Vor den Augen seiner Eltern stürzt er in den Tod.

Da fasst sich Ruth ein Herz. „Ich kann es schaffen!“, sagt sie mit Bestimmtheit. Und schon klettert sie am Zug entlang. Ruth gelingt es tatsächlich unter größten Anstrengungen die Tür aufzumachen. Voller Ungeduld springen zwei junge Männer – in voller Fahrt – hinaus. Da schießt der Wachsoldat. Und die beiden Männer brechen noch auf den Gleisen tot zusammen. Die Zurückgebliebenen versuchen das Gitter wieder so ans Fenster zu hängen, als wäre nichts geschehen. Sie wollen einen besseren Zeit­punkt für die Flucht abwarten.

Vierter Tag

Am Morgen werden alle Insassen von ihren Bewachern aus den Waggons getrieben. Man sucht nach Messern, Werkzeugen und ähnlichem. Soldaten filzen die Waggons, finden aber nichts dergleichen. Der Oberleutnant schreitet die Reihen ab. Er will herauskriegen, wo das Werkzeug versteckt ist und wem es gehört. Er pickt sich zuerst Henry heraus, verhört ihn rüde. Doch der gibt nichts preis, sagt nur: „Wir haben geschlafen.“ Dann versucht es der Nazi mit Henrys Tochter Nina (Lena Beyerling). Mit heuchlerisch-schmeichelnder Stimme will er Nina dazu bringen, ihre Familie, ja alle im Waggon, zu verraten. Aber sie hält dicht. Sagt auch nur, dass sie geschlafen habe. Der Oberleutnant gibt auf - lässt aber um die Fenster eine doppelte Menge Stacheldraht ziehen. Als diese zynische Parade schon fast vorüber ist, bittet ein alter Mann in tiefster Verzweiflung um etwas zu Essen – und wird von Cre­wes eiskalt erschossen. Und der Zug fährt weiter…

Trotz Todesangst und wachsender Hoffnungslosigkeit – Henry gibt nicht auf. Schnell wird ein neuer Plan gefasst: Man will den Holzboden hinter der Achse durchbrechen. Unverzüglich machen sich die Männer mit ihren stumpfen Werkzeugen an die Arbeit. Bald hält man wieder an einem Bahnhof. Dort vertreiben sich Wehrmachtssoldaten die Wartezeit, bis ihr Truppentransport weiterfährt. Und wieder flehen die Zuginsassen um Wasser und Brot. Diesmal stößt ihre Bitte nicht auf taube Ohren. Die Sol­daten reichen ihnen Wasser und Brot durch die Gitter. Das will Crewes mit aller Macht verhindern - aber da ist er an die Falschen geraten. Es kommt zu einer harten verbalen Auseinandersetzung zwi­schen den beiden Parteien. Man droht sich gegenseitig zu erschießen. Bevor das Ganze eskaliert, weiß sich Crewes letztlich nicht anders zu helfen, als dass er sofort den Befehl zum Abfahren gibt. Und doch - ein bisschen Brot und Wasser erreicht die Leidenden im Zug…

Obwohl die Menschen zusehends schwächer und mutloser werden, versuchen doch Einzelne - wie zum Beispiel der Spaßmacher Jakob - mit Witzen über Hitler die allgemeine Moral zu heben. Man er­zählt sich gegenseitig Geschichten vom ersten Kennenlernen, von jüdischen Hochzeiten, erinnert sich an grandiose Klavierabende, an sportliche Erfolge im Boxring – wie der Jude Henry einmal einen Arier k.o. schlug - oder auch nur an unbeschwerte Tage am See. Doch es sterben auch Menschen. An Er­schöpfung, an Verzweiflung, an gebrochenem Herzen - oder einfach so.

Und das Loch im Boden wird langsam - sehr langsam - immer größer.

Fünfter Tag

Die Lage im Waggon spitzt sich dramatisch zu. Die Menschen sind am Rande ihrer physischen und psychischen Kräfte. Wieder hält der Zug. Und wieder bittet Henry anwesende Soldaten um Wasser – für seinen kleinen Sohn. Damit er nicht stirbt. Zynisch wird er abgewiesen. Da versucht Jakob, die Soldaten mit Liedern und Schnurren zu unterhalten. Für ein bisschen Essen und Trinken. Aber auch er hat keinen Erfolg. Da kommt Gabriella auf die Idee, ihre teuere Uhr für Wasser anzubieten. Und tatsächlich: das Bahnhofspersonal geht auf den Handel ein und spritzt mit einem Schlauch Wasser in den Waggon! Schnell stecken auch andere ihre Wertsachen – Ketten, Ohrringe, silberne Zigaretten­etuis - durch Holzwandschlitze und bekommen dafür einen Schwall Wasser ab. Die Schwächsten un­ter ihnen lecken das kostbare Nass vom Waggonboden auf. Ein erschütterndes Schauspiel…

Der Zug verlässt den Bahnhof. Dem Vernichtungslager entgegen. Doch der Tod wartet nicht bis Auschwitz. Noch in dieser Nacht holt er Henrys kleinen Sohn - und andere…

Das Loch im Boden ist größer geworden. Aber nicht groß genug für Erwachsene. Da die Zeit drängt, beschließt man, dass Nina sowie andere Kinder und zierliche Frauen durch das Loch in die Freiheit springen sollen, sobald der Zug anhält. Und plötzlich stoppt der Zug tatsächlich vor einem Signal. Zu­erst versucht sich Lea durch das Loch zu zwängen. Doch sie passt nicht hindurch. Sie wird wieder zu­rückgezerrt. Und gerade als Nina und Ruth durchschlüpfen wollen, setzt sich der Zug wieder in Bewe­gung. Zu spät. Kurz darauf fährt er in einen Bahnhof ein. Diesmal gelingt es zuerst Ruth, dann Nina, durch das Loch zu entkommen. Schon sind sie über die Gleise, da bleibt Nina mit ihrem Schuh im Gleis stecken. Ein anderer Zug naht. Fährt auf sie zu. Suchscheinwerfer flackern. Soldaten werden auf die Flüchtigen aufmerksam. Der andere Zug donnert heran, fährt vorbei. Als Lea wieder durch das Loch schaut, sind Nina und Ruth verschwunden. Sie haben es geschafft.

Sechster Tag

In der Nacht hat Dr. Friedlich sich und eine Leidensgenossin durch Selbsttötung erlöst. Am Morgen fährt der Zug schließlich in Auschwitz ein. Schwer gezeichnet von Leid und Entbehrung werden die Überlebenden des Transports ins KZ getrieben. Als Letzter verlässt Jakob den Waggon. Noch an der Rampe stimmt er – die grausame Wirklichkeit schon nicht mehr erkennend - „Freude schöner Götter­funke“ an und wird erschossen.

Nina und Ruth sind weit weg. Im Partisanenlager versuchen sie, neuen Lebensmut zu finden. Sie sind als Einzige den Gaskammern entkommen…

PRESSENOTIZ

Joseph Vilsmaier („Schlafes Bruder“) und Dana Vávróvá („Der Bär ist los“) haben in ihrem Film „Der letzte Zug“ die erschütternde Schicksalsreise von 688 Juden, die im April 1943 aus Berlin nach Auschwitz deportiert wurden, in eindringlichen Bildern und mit großer emotionaler Kraft festgehalten. Bewegende Momente der Hoffnung, der Verzweiflung, aber auch des Widerstandes machen den Film zu einem dramatischen Kinoerlebnis, das unter die Haut geht.

ÜBER DIE SCHAUSPIELER

GEDEON BURKHARD (Henry Neumann)

Gedeon Burkard, geboren am 3. Juli 1969 in München, gehört zu den gefragtesten deutschsprachigen Film- und TV-Schauspielern. Seine bisher größten Erfolge im Kino hatte er mit Sönke Wortmanns Spielfilmdebüt „Kleine Haie“ (1992) und der Komödie „Abgeschminkt“ (1992) von Katja von Garnier.

Im Fernsehen war er unter anderem sehr erfolgreich als Nachfolger von Tobias Moretti in der Serie „Kommissar Rex“, der er von 1997 bis 2001 sein unverwechselbares Profil verlieh. 1999 wurde er als Herrchen von Rex mit der Goldenen Romy als beliebtester Serien-Star ausgezeichnet. Außerdem war er ein gerngesehener Gaststar in TV-Serien wie „Ein Fall für Zwei“, „Polizeiruf 110“, „SOKO Leipzig“ und in Mini-TV-Serien und vielen TV-Filmen wie „Der Todestunnel – Nur die Wahrheit zählt“, „Utta Danella – Eine Liebe in Venedig“ und „Zwei Affären und eine Hochzeit“ zu sehen. Ab 2007 spielt er den Partner von Semir in „Alarm für Cobra 11“.

Als Synchronsprecher lieh er seine Stimme u.a. Keanu Reeves und Joaquin Phoenix.

Gedeon Burkhard ist seit dem 13. Juli 2004 Vater einer Tochter namens Gioia Filomena. Er lebt seit zwei Jahren in Berlin.

LALE YAVAS (Lea Neumann)

Lale Yavas wurde 1978 in Brugg, Schweiz, geboren und ließ sich von 1999 bis 2003 an der Hoch­schule für Musik und Theater in Bern zur Schauspielerin ausbilden. Sie spricht neben Deutsch auch noch fließend Englisch, Französisch und Türkisch.

Schon während ihrer Ausbildung spielte sie Theater und im Jahre 2002 in dem TV-Film „Alles wird gut“ ihre erste Hauptrolle. Danach folgten Filme wie „Lücken im Gesetz“, der Zweiteiler „Zeit der Wün­sche“ und Rollen im „Tatort“ und „Großstadtrevier“ sowie dem Urs Egger-Film „Der Keiler“.

2005 drehte sie unter der Regie von Andi Bausch den Kinofilm „Deepfrozen“.

Ebenfalls im Jahr 2005 erhielt sie den Adolf-Grimme-Preis und den Publikumspreis der Marler Gruppe für die weibliche Hauptrolle in „Zeit der Wünsche“. Bereits 2003 wurde sie mit dem SAT1 Ta­lents Award (Actors Class) ausgezeichnet.


JURAJ KUKURA (Dr. Friedlich)

Juraj Kukura wurde 1947 in der Tschechoslowakei geboren und stand schon im Alter von 20 Jahren zum ersten Mal vor einer Filmkamera. Er spielte in vielen europäischen Kino- und TV-Filmen mit und ist aus der deutschen Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken.

In den letzten Jahren war er ein gern gesehener Gast in so populären TV-Serien wie „SOKO“, „Wolffs Revier“, „Siska“, „Küstenwache“, „Der Alte“, „Klinik unter Palmen“, „HeliCops“, „Tatort“, „Peter Strohm“ und viele anderen.

Zu seinen Kinofilmen zählen u.a. „Das Sams“ (2001) von Ben Verbong, „Workaholic“ (1996) von Sha­ron von Wietersheim und „Otto – Der Liebesfilm“ (1992) von Bernd Eilert und Otto Waalkes.

SIBEL KEKILLI (Ruth Zilbermann)

Die deutsche Schauspielerin Sibel Kekilli wurde am 16.Juni 1980 als Tochter türkischer Eltern in Heil­bronn geboren. Nach der Schule (Abschluss: Mittlere Reife) lernte sie den Beruf der Verwaltungsfach­angestellten und arbeitete später in Heilbronn im Rathaus. Nebenbei verdiente sie sich Geld als Ver­käuferin, Türsteherin, Erotik-Darstellerin, Reinigungskraft, Nachtclub-Geschäftsführerin, Kellnerin, Promoterin und Fotomodell. Nach zwei Jahren kündigte Sibel ihren Job im Rathaus und zog nach Es­sen.

In einem Einkaufszentrum in Köln wurde sie zufällig von einem Agenten angesprochen und zu einem Casting für den Film „Gegen die Wand“ von Fatih Akin eingeladen, bei dem sie sich gegenüber 350 Mitbewerberinnen durchsetzte. So begann im Jahre 2004 ihre Schauspielkarriere.

Für ihre leidenschaftliche Darstellung der Sibel Güner in „Gegen die Wand“ hat sie diverse Ehrungen erhalten.

Im Jahr 2005 erschien das Hörbuch „Sibel Kekilli liest ‚Sinn und Sinnlichkeit’ von Jane Austen“ (4 CD’s). Außerdem war sie in „Kebab Connection“ (2005) unter der Regie von Anno Saul und „Winterreise“ (2006) von Sebastian Steinbichler zu sehen. Vor kurzem spielte sie in dem neuen Hal Hartley-Film „Fay Grim“ an der Seite von Parker Posey mit und drehte den türkischen Film „Eve Dönüs“ („Heimkehr“) unter der Regie von Ömer Ugur.

Sibel unterstützt die gemeinnützige Organisation „Terre des Femmes“. Im April 2006 protestierte sie mit PETA gegen die Hundemassaker in der Türkei. Sibel Kekilli lebt mit Freund Michael und Rottweiler Shiro in Hamburg.

ROMAN ROTH (Albert Rosen)

Roman Roth wurde 1980 geboren und ging in den USA auf die Highschool. Von 2000 bis 2001 war er an der Theaterakademie in Köln und nahm 2002 Schauspielunterreicht bei Teresa Harder. Er be­suchte dann 2004 den HAW Acting Workshop Los Angeles und ist seit Mai 2006 an der Schauspiel­schule in Bochum eingeschrieben.

Seine ersten Erfahrungen als Schauspieler machte er 1997 bei Schulinszenierungen an der East Co­weta High School in den USA und 1998 am Schultheater in Düsseldorf mit dem Stück „Der Besuch der alten Dame“. Von 2000 bis 2001 war er an der Theaterakademie in Köln in dem Stück „Von der verzweifelten Liebe“ zu sehen.

Im Fernsehen war er u.a. in Film-Projekten wie „Wilde Jungs“, „Crazy Race II“ und „Die Wache“ zu sehen und von 2002 bis 2003 bei dem TV-Serien-Hit „Gute Zeiten - Schlechte Zeiten“ mit von der Partie.

2005 drehte er den norwegischen Kinofilm „Lange Flate Ballaer“ unter der Regie von Björn Nagell und „13 Stufen“ von Daniel Böhme.



BRIGITTE GROTHUM (Gabrielle Hellmann)

Brigitte Grothum ist schon viele Jahre ein fester Bestandteil der deutschen Film- und Fernseh­geschichte. Sie wurde am 26. Februar 1933 in Dessau geboren und wuchs während der Kriegsjahre in Berlin auf. Anfangs spielte sie hauptsächlich Theater auf diversen Bühnen der damals noch geteil­ten Stadt. Und auch später kehrte sie trotz der vielen Engagements in der Rundfunk- und Filmindust­rie immer wieder gerne ans Theater zurück. 1956 gab sie ihr Kinofilmdebüt und eroberte als „Das Mädchen Marion“ das Publikum. In den 60er Jahren erlangte sie, vor allem auch durch Edgar Wal­lace-Filme wie „Die seltsame Gräfin“ und „Das Gasthaus an der Themse“, eine enorme Popularität. Im Fernsehen war sie in über 100 Produktionen zu sehen, darunter auch bei der sehr beliebten Vor­abend-TV-Serie „Drei Damen vom Grill“, an der Seite von Brigitte Mira, Günter Pfitzmann und Harald Juhnke.

Außerdem arbeitet sie auch als Synchronsprecherin, war u.a. die deutsche Stimme der Emma Peel aus der Serie „Mit Schirm, Charme & Melone“ und synchronisierte Filme mit Lee Remick, Diane Keaton und Barbara Eden.

Als Regisseurin inszenierte Brigitte Grothum 1987 das Mysterienspiel „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal im Berliner Dom, wo es seitdem jedes Jahr aufgeführt wird.

Brigitte Grothum war zweimal verheiratet und hat zwei Kinder, Thomas und Deborah. Ihre Tochter Deborah ist ebenfalls Schauspielerin. Brigitte Grothum lebt in Berlin.

HANS JÜRGEN SILBERMANN (Jakob Noschik)

Hans Jürgen Silbermann, Jahrgang 1947, studierte nach dem Abitur an der Theaterhochschule in Leipzig und machte dort einen Diplom-Abschluss als Schauspieler.

Seine Karriere als vielseitiger Schauspieler, Komiker und Entertainer begann Anfang der 70er Jahre am Leipziger Schauspielhaus, wo er in Stücken wie „Der aufhaltsame Aufstieg des Artuo Ui“ und in diversen Shakespeare-Adaptionen auftrat. In der Theatersaison 2003/2004 kehrte er nach längerer Pause wieder auf die Bühne zurück und feierte in der Komödie am Bayerischen Hof mit dem Stück „Arsen und Spitzenhäubchen“ große Erfolge.

Zu seinen vielen Fernsehauftritten zählen u.a. Filme wie „SOKO 5113 – Rendezvous im Panic Room“, „Pfarrer Braun – Drei Särge und ein Baby“, „Froschkönig“, die vierteilige Serie „Liebesau“ und der TV-Film „Der Verdacht“. Außerdem konnte man sein komisches Talent in einer Reihe von hochkarätigen Kabarett- und Comedy-Sendungen bewundern. Er trat u.a. in „Otti’s Schlachthof“, „Rogler's Freiheit“, in „Schimpf vor zwölf“, bei „Herbert und Schnipsi“, im „Kanal Fatal“ (von 1992 an) und 1989-98 im „Scheibenwischer“ auf. Nicht zu vergessen sein vielbelachter Gastauftritt in Michael „Bully“ Herbigs Kinohit „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ (2003).

ÜBER DIE FILMEMACHER

JOSEPH VILSMAIER (Regie)

Joseph Vilsmaier wurde 1939 in München geboren und verbrachte seine Kindheit in Pfarrkirchen (Niederbayern) und München. Er studierte neun Jahre lang am Münchner Konservatorium Musik mit dem Schwerpunkt Klavier und spielte anschließend in einer Jazzband. Zwischen 1953 und 1960 war er bei Arnold & Richter (ARRI) als Techniker beschäftigt. 1961 gelang ihm bei der Bavaria Film Pro­duktion in Geiselgasteig als Kameraassistent der Einstieg in die Filmbranche. Ab 1972 machte er sich als Kameramann einen Namen und war dann ab 1978 freischaffend tätig.

Hinter der Kamera wirkte er bei zahlreichen TV-Produktionen mit, unter anderem beim „Tatort“ und dem Fernsehfilm „Ein Stück Himmel“ (1980), in dem die tschechische Schauspielerin Dana Vávrová, die er 1986 heiratete, die Hauptrolle spielte.

1988 gründete er die Produktionsfirma Perathon Film und erzielte mit seinem Regiedebüt „Herbst­milch“ auf Anhieb den internationalen Durchbruch. Dana Vávrová spielte die Rolle der niederbayeri­schen Bäuerin Anna Wimschneider, deren Lebenserinnerungen bereits ein Literatur-Bestseller waren. Für diesen Film erhielt er zahllose Preise, darunter drei Bayerische Filmpreise und den Deutschen Filmpreis in Silber und Gold (für Dana Vávrová). Fast 2,3 Millionen Zuschauer sorgten zusätzlich für einen Kassenschlager. Weitere große Erfolge bei Publikum und Kritik folgten mit den Regiearbeiten „Rama dama“ (Bayerischer Filmpreis), „Stalingrad“ (u.a. zwei Bayerische Filmpreise), „Charlie & Louise - Das doppelte Lottchen“ (u.a. Bayerischer Filmpreis), „Schlafes Bruder“ (Bayerischer Film­preis, Deutscher Filmpreis, Golden-Globe-Nominierung) und „Comedian Harmonists“ (Deutscher Filmpreis, Filmband in Gold als Bester Film, Bayerischer Filmpreis), sein bis dato größter Erfolg mit 2,9 Millionen Zuschauern und der kassenträchtigste des deutschen Filmjahres 1998.

Regisseur Joseph Vilsmaier ist fünffacher Gewinner des Bayerischen Filmpreises, Gewinner des Deutschen Filmpreises und des Goldenen Gildepreises. 1999 wurde er mit dem Großen Verdienst­kreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 2003 erhielt er für seine Verdienste als Filmschaffender vom bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber den Bayeri­schen Verdienstorden.

Filmografie (Auswahl)

1988 Herbstmilch

1990 Rama dama

1992 Stalingrad

1993 Charlie & Louise - Das doppelte Lottchen

1994 Schlafes Bruder

1996 Und keiner weint mir nach

1997 Comedian Harmonists

2000 Marlene

2002 Leo und Claire

2004 Bergkristall

2006 DER LETZTE ZUG

DANA VÁVROVÁ (Regie)

Bereits im Alter von sechs Jahren stand die gebürtige Pragerin erstmals vor der Kamera und wurde seither überaus erfolgreich als Schauspielerin in nationalen und internationalen Produktionen enga­giert. Seit einigen Jahren ist sie auch als Regisseurin tätig.

Ihre Ausbildung absolvierte Dana Vávrová von 1981 bis 1985 am Prager Konservatorium. In Deutschland wurde sie bereits mehrfach für ihre Arbeit ausgezeichnet. So erhielt sie 1983 die Gol­dene Kamera und den Adolf-Grimme-Preis in Gold für den TV-Mehrteiler „Ein Stück Himmel“ und 1989 den Deutschen Filmpreis für ihre Rolle in Joseph Vilsmaiers „Herbstmilch“ (1988) sowie den Bayerischen Filmpreis. Neben ihren Rollen in großen Kinofilmen, wie zum Beispiel in Milos Formans „Amadeus“ (1984), wirkte die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes auch in TV-Movies und –Serien mit, wie z.B. in Peter Lehners „Die Beichte“ und Vivian Naefes „Raus ins Leben“, und hatte Gast­auftritte in diversen „Tatort“-Folgen.
Filmographie (Auswahl)
als Schauspielerin und Regisseurin


1976 Es leben die Geister - Regie: Oldrich Lipksy

1977 Die Hauptrolle für Rosmarine - Regie: Vera Plivova-Simkova

1978 Brontosaurus - Regie: Vera Plivova-Simkova

1984 Amadeus - Regie: Milos Forman

1987 Pan Tau - Regie: Jundrich Polak

1988 Herbstmilch - Regie: Joseph Vilsmaier

1990 Rama dama - Regie: Joseph Vilsmaier

1992 Stalingrad – Regie: Joseph Vilsmaier

Rosen-Emil – Regie: Radu Gabrea

Der Nachbar – Regie: Götz Spielmann

1993 Pizza Arrabiata (TV) – Regie: Jochen Richter
1994 Schlafes Bruder - Regie: Joseph Vilsmaier
1995 Wia die Zeit vergeht (Dokumentarfilm) - Regie: Dana Vávrová
1996 Hunger – Sehnsucht nach Liebe – Regie: Dana Vávrová
1997 Comedian Harmonists - Regie: Joseph Vilsmaier

1999 Der Bär ist los - Regie: Dana Vávrová

2002 August der Glückliche (TV) - Regie: Joseph Vilsmaier

2003 Der Vater meines Sohnes (TV) - Regie: Dagmar Damek

2004 Bergkristall - Regie: Joseph Vilsmaier

Grenzverkehr – Regie: Stefan Betz

2006 DER LETZTE ZUG

ARTUR BRAUNER (Produzent)

Artur Brauner wurde 1918 als Sohn eines Holzgroßhändlers in Łódź, Polen, geboren. Dort verbrachte er seine Kindheit und Jugend und machte auch sein Abitur. Anschließend studierte er am Polytechni­kum bis zum deutschen Überfall auf Polen, der den Zweiten Weltkrieg auslöste. Mit seinen Eltern und vier Geschwistern flüchtete er in die Sowjetunion, wo er unerkannt überleben konnte. Er hat 49 jüdi­sche Verwandte durch die Nazis verloren.

Nach vorübergehenden Plänen in die USA auszuwandern, gründete er am 16. September 1946 in Berlin die Central Cinema Company (CCC-Film). 1949 baute er auf einem ehemaligen Fabrikgelände in Spandau seine eigenen Filmstudios auf, in denen seit den ersten Dreharbeiten - im Februar 1950 für „Maharadscha wider Willen“ unter der Regie von Ákos Ráthonyi - über 500 Filme entstanden, über die Hälfte davon in eigener Produktion. Brauners Filmstudios wurden dadurch zu einer der erfolg­reichsten Filmproduktionsstätten in Europa.

Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte Artur Brauner die deutsche Nazi-Vergangenheit aufzuarbeiten, u.a. mit dem Film „Morituri“ (1948) von Eugen York, bei dem er auch am Drehbuch mitwirkte.

In den darauffolgenden Jahren setzte Brauner auf publikumswirksame Unterhaltungsfilme und hatte vor allem mit einigen sehr interessanten Filmserien in den 60er und 70er Jahren - von den Mabuse-Filmen (u.a. „Das Testament des Dr. Mabuse“, „Scotland Yard jagt Dr. Mabuse“) über die Edgar-Wal­lace-Krimis (u.a. „Der Würger von Schloss Blackmoor“, „Der Henker von London“) bis hin zu einer Reihe von Karl-May-Verfilmungen (u.a. „Old Shatterhand“, „Durchs wilde Kurdistan“) - großen Erfolg.

Außerdem produzierte er Filme wie „Fanny Hill – Memoiren eines Freudenmädchens“ unter der Regie des Busenfetischisten Russ Meyer, die beiden „Nibelungen“-Filme (1966/67) unter der Regie von Ha­rald Reinl und „Kampf um Rom, Teil 1+2“ (1968), wobei – im ersten Teil - Orson Welles mitspielte und Robert Sidomak Regie führte. Nachdem Brauner in den 70er Jahren unter dem Abgesang auf „Opas Kino“ und dem Aufkommen des Neuen Deutschen Films zu leiden hatte, fasste er in den 80er Jahren wieder Fuß, vor allem mit Filmen, die sich mit dem NS-Regime auseinandersetzen. In den Mittelpunkt seines Schaffens rückte Brauner immer wieder Menschen, die als Juden den Verfolgungen der Nazi­herrschaft ausgesetzt waren. Zu den Glanzstücken aus jener Zeit zählen u.a. die Rolf Hochhut-Ro­manverfilmung „Eine Liebe in Deutschland“ (1983) von Andrzej Wajda mit Hanna Schygulla und Armin Mueller-Stahl, „Hanussen“ (1987) mit Klaus Maria Brandauer unter der Regie von István Szabó, „Hit­lerjunge Salomon“ (1990) unter der Regie von Agnieszka Holland und der Film „Babij Jar – Das ver­gessene Verbrechen“ von Jeff Kanew aus dem Jahre 2002. Dieser Tradition ist auch sein neuester Film DER LETZTE ZUG (2006) von Joseph Vilsmaier und Dana Vávrová verpflichtet.

Artur Brauner bekam in seinem langen Produzentenleben viele Auszeichnungen, darunter das Bambi, diverse Goldene Leinwände und Filmbänder, 1972 sogar einen Oscar für den besten Ausländischen Film, „Der Garten der Finzi Contini“ unter der Regie des großen Vittorio de Sica, 1985 eine Oscar-Nominierung für „Bittere Ernte“ von Agnieszka Holland, 1990 den Deutschen Filmpreis: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film, 1992 den Golden Globe für „Hitlerjunge Salomon“ von Agnieszka Holland, 1993 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse und außer­dem die Goldene Kamera.

1976 erschienen seine Memoiren mit dem Titel „Mich gibt’s nur einmal“. Artur Brauner lebt mit seiner Familie in Berlin.

INTERVIEW MIT JOSEPH VILSMAIER UND DANA VÁVROVÁ

Wie sind Sie auf den Stoff aufmerksam geworden?

Joseph Vilsmaier: Der Produzent Artur Brauner hat mir den Stoff angeboten. Er wollte unbedingt, dass ich DER LETZTE ZUG verfilme und hat mir deshalb das Drehbuch zukommen lassen. Und ich muss sagen, dass ich das Buch großartig fand. Er hatte den Stoff übrigens schon vier Regisseuren vor mir angeboten. Ich habe ihm nur gesagt, dass das ein schwerer Film ist und ich ihn deshalb gern mit Dana zusammen machen würde. Das war für ihn kein Problem, also haben wir uns schließlich ge­einigt. Das erste Mal hatte ich mit Artur Brauner übrigens vor ungefähr sechs Jahren Kontakt, als er mir die Verfilmung des „Golem“ angetragen hat. Aber daraus ist dann leider nichts geworden.

Dana Vávrová: Das waren wirklich sehr schwierige Dreharbeiten, denn der Film spielt ja hauptsäch­lich in einem einzigen Raum – dem Viehwaggon. Und wir haben 26 Sprechrollen und noch einen Haufen Komparsen, die alle mitspielen mussten, sowie Kinder, mit denen es immer etwas schwierig ist zu drehen. Es ist ein sehr komplexer Ensemble-Film geworden.

Hat es diesen letzten Transport von Berlin nach Auschwitz tatsächlich so gegeben?

Dana Vávrová: Historisch ist belegt, dass es einen Transport am 19. April 1943 mit 688 Juden gab, leider nicht den letzten...

Joseph Vilsmaier: Aber es hat natürlich noch viele andere gegeben. Mal waren es bis zu 1.700 Men­schen, dann „nur“ 80 Menschen, die von Berlin nach Auschwitz deportiert wurden. Der tatsächlich letzte Zug nach Auschwitz fuhr am 12. Oktober 1944 mit 37 Juden. (Anm.: Am 27.03.1945 verließ der letzte Deportationszug Berlin. 42 Personen wurden nach Theresienstadt gebracht).

Dana Vávrová: …aber darauf kommt es hier nicht wirklich an. Man kann unseren Film auch als „Die letzte Reise“ interpretieren.

Wie sind Sie bei der Auswahl der Schauspieler vorgegangen?

Joseph Vilsmaier: Als wir die Regie übernommen haben, standen schon ein paar Schauspieler fest - darunter Gedeon Burkhard, Sibel Kekilli, Lena Beyerling und Brigitte Grothum. Aber bei der Besetzung von einigen anderen hatte wir schon ein Wörtchen mitzureden. Wir haben uns mit dem Casting wirklich sehr viel Mühe gegeben, denn bei so einem Film muss alles zusammenpassen. Also haben wir auch ein paar Schauspieler abgelehnt, nicht weil sie nicht gut waren, sondern weil sie sich – vom Typ her - nicht optimal ins Ensemble eingefügt haben. Mit der Besetzung, mit der wir dann ge­dreht haben, waren wir mehr als nur zufrieden: Sie war wirklich großartig.

Wie lange haben Sie denn gedreht?

Dana Vávrová: Wir hatten ursprünglich 50 Drehtage geplant und daraus sind dann 52 geworden. Der erste Drehtag war der 4. Mai 2005.

Joseph Vilsmaier : Die Dreharbeiten waren aus verschiedenen Gründen die Hölle. Zum einen waren wir natürlich durch die Natur der Sache ungeheuer beengt beim Drehen. In diesem Viehwaggon wa­ren ja ständig wahnsinnig viele Leute, die alle ihren Platz einhalten, ihre Texte präzise wiedergeben und dazu schauspielern mussten – und das alles bei oft 40 Grad Celsius und mehr. Die Waggon-Se­quenzen wurden alle im Studio gedreht. Dann gab es noch Außenaufnahmen in Prag und natürlich die Zugfahrt und die Bahnhof-Szenen, die etwa 50 Kilometer außerhalb von Prag gedreht wurden. Das war logistisch gar nicht so einfach. Denn die Motive mussten ja nicht nur der damaligen Zeit entspre­chen, sie mussten auch für uns – und unseren Aufnahme-Tross - erreichbar sein. Der Zug und die Waggons sind übrigens original aus jener Zeit.

Dana Vávrová: Und dann passierte gleich am ersten Drehtag der schreckliche Unfall mit Joseph. Er filmte gerade - von einem vier Meter hohen Kran aus - die Einfahrt des Zuges in einen der Bahnhöfe. Es war die erste Einstellung des Films überhaupt. Und da kippte plötzlich der Kran um! Und Joseph landete – fast wie in Zeitlupe – ein paar Zentimeter vor dem einfahrenden Zug auf den Gleisen. Ich dachte: Das war’s!

Joseph Vilsmaier: Ich habe mir bei dieser Aktion etliche Verletzungen zugezogen und bin sofort vom Drehort ins Kreiskrankenhaus, dann in die Uni-Klinik nach Prag und schließlich mit dem ADAC ins Harlachin­ger Krankenhaus gebracht worden.

Dana Vávrová: Der Film wurde natürlich sofort gestoppt. Ich wollte, ehrlich gesagt, alles zusammen­packen und – ab nach München (lacht). Aber da hat sich Herr Vilsmaier entschlossen, dass wir den Film jetzt erst recht machen. So etwas Ähnliches hatte ich ja schon einmal erlebt, als er bei den Dreh­arbeiten zu „Stalingrad“ seinen schweren Unfall hatte. Und auch da wollte er den Film unbedingt zu Ende drehen.

Joseph Vilsmaier: Auf jeden Fall haben wir nach zehn Tagen Pause die Dreharbeiten wieder aufge­nommen.

Können Sie die Art und Weise beschreiben, wie Sie gedreht haben?

Dana Vávrová: Wir haben uns täglich sehr gut und genau vorbereiten müssen, damit auch jeder wusste, was er wann wie machen oder sagen musste. Und da wir im Waggon nur mit Handkamera gedreht haben, war es nicht nur sehr schwierig die richtige Choreographie zu finden, es war auch nicht gerade einfach, das Licht richtig zu setzen - von anderen technischen Problemen ganz zu schweigen. Ganz besonders sensibel mussten wir natürlich auch mit der emotionalen Anspannung, die sehr bald alle Protagonisten erfasste, umge­hen. Das war ein hartes Stück Arbeit. Aber ich muss noch einmal betonen, dass alle Schauspieler - und alle Komparsen - einfach fantastisch waren.

Welche Reaktion erwarten Sie sich in Deutschland auf diesen Film?

Joseph Vilsmaier: Ich würde mich natürlich freuen, wenn sich gerade so einen Film sehr viele Men­schen im Kino anschauen würden. Obwohl ich da schon auch meine Befürchtungen habe. Denn viele Leute wollen im Kino eben nicht mit einer weit zurückliegenden und dazu noch sehr schrecklichen Vergangenheit konfrontiert werden, sondern lieber eine lustige Komödie sehen. Ich würde mir freilich wünschen, dass dieser Film vor allem auch Jugendlichen zugänglich gemacht wird, sozusagen als erzieherische oder zumindest informelle Maßnahme. Ich finde es nämlich ungeheuer wichtig, dass diese Dinge nicht in Vergessenheit geraten. Vor allem bei uns in Deutschland.

Dana Vávrová: Was uns wichtig war, ist, dass wir bei unserem Film auf alle spekulativen Effekte ver­zichteten und einfach ganz klar und ungeschminkt die Wahrheit gezeigt haben.

Sie haben beide schon sehr viele Filme gemacht, auch gemeinsam. Haben Sie einen Lieblingsfilm?

Joseph Vilsmaier: Meine Filme sind wie meine Kinder, an jedem hängt verständlicherweise mein Herz. Zu meinen Lieblingsfilmen, wenn Sie so wollen, gehören auf jeden Fall „Herbstmilch“ und „Rama dama“, dann aber auch „Stalingrad“, „Schlafes Bruder“ und „Comedian Harmonists“…

Dana Vávrová: Für mich ist es wirklich schwierig, darauf zu antworten. Denn ich betrachte meistens nicht den Film als solchen, sondern ich erinnere mich eher an die Zeit, die ich damit verbracht habe. Und deshalb ist für mich immer der letzte Film der Schönste. Also in diesem Fall DER LETZTE ZUG. Ohnehin habe ich immerhin zwei Jahre meines Lebens verbracht. Von Josephs Filmen mag ich wahr­scheinlich „Schlafes Bruder“ am liebsten. Aber auch „Comedian Harmonists“ finde ich toll…

Haben Sie schon neue Projekte in der Pipeline?

Joseph Vilsmaier: Ich werde für das Fernsehen die Geschichte einer der größten Katastrophen der Seefahrt verfilmen, nämlich den Untergang des Passagierdampfers „Wilhelm Gustloff“. Dann plane ich eine Neuverfilmung von „Der Stern von Afrika“. Außerdem ist noch ein Projekt mit Reinhold Messner angedacht, mit dem Titel „Nanga Parbat“.

INTERVIEW MIT DEM PRODUZENTEN ARTUR BRAUNER

Wie sind Sie auf den Stoff aufmerksam geworden?

Leider durch persönliche Erfahrung. Denn ich sollte ebenfalls in einem solchen Todeszug sitzen. Weil es nicht dazu kam, bin ich in der Lage Ihre Fragen zu beantworten…

Hat es diesen letzten Transport von Berlin nach Auschwitz tatsächlich so gegeben?

Ja, effektiv hat es den im Film gezeigten Transport von Berlin nach Auschwitz mit den 688 jüdischen, dem Tod geweihten Menschen gegeben.

Wie sehr beruft sich der Film auf historische Fakten?

Die Einzelschicksale sind teilweise erfunden, teilweise gab es sie tatsächlich – abhängig von den je­weiligen Schicksalsverläufen.

Haben Sie am Drehbuch mitgewirkt?

Ja, ich habe am Drehbuch mitgewirkt. Es haben sich bei den Aufnahmen Situationen ergeben, die eine exakte Orientierung, wie im Drehbuch enthalten, irrelevant machten. Es sind, wie üblich beim Film, die entsprechenden notwendigen Veränderungen vorgenommen worden, die aber an der Dra­maturgie nichts veränderten.

Wie sind Sie bei der Auswahl der Schauspieler vorgegangen?

Ich hielt die Schauspieler Gedeon Burkhard, Sibel Kekilli und Brigitte Grothum ganz eindeutig prä­destiniert für die vorgezeichneten Rollen - und ich habe hundert Prozent Recht gehabt, sie sind alle großartig in ihrer darstellerischen Leistung.

Sie haben auch tschechische Schauspieler besetzt – warum?

Wir haben tschechische Darsteller in den Film involviert, da es sich um eine deutsch-tschechische Co-Produktion handelt, obwohl der tschechische Partner einen Minoritätsanteil am Film aufweist.

Wo wurde gedreht?

Gedreht wurde in Prag und Umgebung. Außenaufnahmen sind in einem Vorort Prags realisiert worden.

Wie lange haben die Dreharbeiten gedauert und wie hoch war das Budget?

Die Dreharbeiten dauerten über zwei Monate. Das Budget betrug um die 3,5 Millionen Euro.

Wie sind die Dreharbeiten verlaufen?

Ich war bei den Dreharbeiten einmal kurz anwesend. Sie gestalteten sich schwierig, da es sich um ei­nen historischen Film handelt. Als besonders anstrengend erwiesen sich die Aufnahmen im Zug. Die Menschen waren ja in Viehwaggons eingesperrt und auf dieser Grundlage sollten die gesamten dra­matischen Handlungen ablaufen. Mit Anekdoten, wie man sie bei anderen Filmen etwa zu erzählen weiß, kann ich bei „Der letzte Zug“ nicht dienen. Dazu ist das Thema viel zu ernst. Aber ich erinnere mich an einige fast dramatische Vorfälle, da bei einigen Darstellern sogar die Assoziation aufkam, dass es sich hier nicht um einen Film, sondern um die Wirklichkeit handelt.

Halten Sie Filme, die - wie DER LETZTE ZUG – die Vernichtung des Judentums während der Nazi-Herrschaft zum Thema haben, gerade auch in der heutigen Zeit für sehr wichtig?

Ich halte Protektion von Filmen, die die Vernichtung der Juden während der Nazi-Tyrannei beinhalten, wie es beim „Letzten Zug“ der Fall ist, gerade in unserer Zeit für besonders wichtig. Denn Menschen vergessen sehr schnell, insbesondere wenn es sich um Vorgänge handelt, die sie nicht direkt tangie­ren. Ich erlaube mir hier meine Meinung zu äußern, dass dieses Thema noch in 100 und mehr Jahren greifen wird.

Welche Reaktion erwarten Sie sich in Deutschland auf diesen Film?

Es ist schwer im Voraus zu sagen, welche Reaktion hier in Deutschland auf diesen Film erfolgen wird. Aber eines ist sicher: Der Film ist sehr gut inszeniert, er bewegt den Zuschauer bis in die Tiefen seiner Seele, die Schauspieler brillieren, und die Kamera und Musik tun das Übrige. Es sind alle Elemente für einen erfolgreichen Film vorhanden, es sei denn, das Thema wird vom deutschen Publikum wie­derum nicht ausreichend honoriert. Aber wir wollen hoffen, dass es in diesem Fall anders sein wird. Und wir haben es erlebt, dass Filme dieser Art auch sehr angenommen werden, wie zum Beispiel bei „Hitlerjunge Salomon“ und „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“. Und ganz besonders bei „Schind­lers Liste“.

Sie haben schon einige Filme mit ähnlicher Thematik realisiert. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Die künstlerischen, die politischen und die menschlichen Erfahrungen bei ähnlich gelagerten Filmen waren äußerst positiv, die finanziellen dagegen enttäuschend.

Glauben Sie, dass DER LETZTE ZUG das Bewusstsein für diese Thematik bei der Jugend schärfen kann? Kann „Kinounterhaltung“ überhaupt Botschaften vermitteln?

Ich hoffe, dass der Film nicht nur bei der Jugend entsprechenden Anklang finden wird. Ich bin fest da­von überzeugt, dass besonders die mittlere und ältere Generation sich für diesen Film interessieren dürfte. Ich bin überzeugt, dass jeder Zuschauer, der diesen Film sehen wird, ihn niemals vergisst.

Was halten Sie von Filmen wie „Sophie Scholl“ und „Der Untergang“?

Den Film „Sophie Scholl“ halte ich für gelungen und wichtig. Dagegen den Film „Der Untergang“ für ambivalent.

Wie beurteilen Sie denn den Status Quo in Deutschland? Können sich unsere jüdischen Mit­bürger in Deutschland im Jahre 2006 sicher fühlen? Sicherer als noch vor zehn, zwanzig Jah­ren? Oder hat sich der Zustand wieder verschlechtert?

Ich bin nicht der Meinung, dass sich die jüdischen Mitbürger im Jahre 2006 unsicherer fühlen oder fühlen sollten, als vor zehn, zwanzig Jahren. Denn vor zehn, zwanzig Jahren stand es mit der Sicher­heitskomponente in Deutschland nicht zum Besten. Und damit meine ich nicht etwa den physiologi­schen Hooliganismus der Neonazis, sondern eher das Verhältnis zu den jüdischen Mitbürgern, das sich mit viel mehr Gefühl und Verbundenheit hätte darstellen können - was leider nicht geschah…

Schauen Sie optimistisch in die Zukunft?

Ja, denn ich bin jemand, der das halbleere Glas immer als halbvoll bewertet. Und zwar im Sinne einer Zukunft, die durch Hoffnung gesegnet werden soll.

Sie haben so viele Filme gemacht - haben Sie einen Lieblingsfilm?

Natürlich hat man Lieblingsfilme. Bei mir wären es viele. Diejenigen, die mir am meisten am Herzen liegen, sind „Hitlerjunge Salomon“, „Babij Jar“, „Von Hölle zu Hölle“, DER LETZTE ZUG, „Der 20. Juli“ sowie „Der brave Soldat Schwejk“ und „Old Shatterhand“.

Warum haben Sie für dieses Projekt Joseph Vilsmaier als Regisseur ausgewählt?

Joseph Vilsmaier hat u.a. „Comedian Harmonists“ und „Schlafes Bruder“ inszeniert. Zwei – vom Genre her – total verschiedene Filme. Aber beide Filme sind von sehr guter Qualität. Deshalb habe ich ihn für unseren Film engagiert.

Welche Projekte werden Sie als Nächstes machen?

Ich habe meiner Tochter Alice einen großen Teil der geplanten Projekte übertragen. Sie muss die richtige Auswahl treffen. Auf jeden Fall sind zwei Projekte mit bedeutenden Regisseuren fest einge­plant.

STATEMENT VON CHARLOTTE KNOBLOCH

Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, zum Film DER LETZTE ZUG von Joseph Vilsmaier und Dana Vávrová:

„Joseph Vilsmaier und Dana Vávrová berichten in DER LETZTE ZUG von der Vernichtung des euro­päischen Judentums während der nationalsozialistischen Herrschaft, indem sie dieses unbeschreibli­che und unvergleichliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit am Beispiel von Einzelschicksalen Berliner Juden erzählen. Auch wenn ein Film immer nur eine Annäherung an dieses Thema sein kann, ist DER LETZTE ZUG als fiktionale Arbeit ein wichtiges Dokument, da es den Kinobesucher emotional anspricht. Dieser Film zeigt, wohin blinder Hass und eine menschenverachtende Ideologie führen, und ist damit zugleich eine Mahnung für ein Miteinander in gegenseitigem Respekt und Achtung vor dem Gegenüber. Aus diesem Grund hoffe ich sehr, dass DER LETZTE ZUG von vielen Bürgern gesehen werden wird.“

STATEMENT VON GUDRUN PAUSEWANG

Gudrun Pausewang, Autorin von „Die Wolke“, „Die letzten Kinder von Schewenborn“ und „Reise im August“ zum Film „DER LETZTE ZUG“:

„Denken wir Heutigen an jene Güterzüge, sehen wir sie meist nur von außen vorüberrollen und hüten uns auszumalen, was in den Waggons ablief. Durch diesen Film wird man in die Handlung – das heißt in einen der Waggons – hineingerissen und gezwungen, sich mit Menschen zu identifizieren, die sechs Tage lang ihrem Tod entgegenreisen und jede Chance zu nutzen versuchen, um ihm zu entge­hen. Ein großartiger Film, der auch die abgebrühtesten Kinogänger beutelt und in seiner Tragik war­nend in der Erinnerung des Beschauers haften bleibt: Nie mehr darf ein überdimensionales Unrecht hier oder anderswo geschehen.“

Statement von Hartmut Mehdorn:

Hartmut Mehdorn, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, zum Film „DER LETZTE ZUG“.

„Als mich Artur Brauner ansprach, ob die Deutsche Bahn AG Produktion und Vertrieb des Films unterstützen will, habe ich ja gesagt. Denn es ist wichtig, dass wir heute wissen, welch unglaubliches Leid die menschenverachtende Politik der Nationalsozialisten bedeutet hat. Dass die damalige Staatsbahn, die Deutsche Reichsbahn, an diesen Verbrechen beteiligt war, steht außer Frage. Der Film beginnt mit einem Kameraschwenk auf das Mahnmal am Bahnhof Grunewald, das die Deutsche Bahn AG errichtet hat, um an diese Verbrechen zu erinnern und der Opfer zu gedenken. Auf andere Weise als ein Mahnmal oder auch unsere Ausstellungsarbeit im DB Museum in Nürnberg kann der Film die Besucher emotional berühren. Ich wünsche dem eindringlichen Film viele Besucher.“

Literaturliste zur Geschichte der Deportationen

Czech, Danuta: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945, Reinbek bei Hamburg 1989

Dettmer, Klaus: Die Deportationen aus Berlin, in: Scheffler, Wolfgang/Schulle, Diana (Bearb.): Buch der Erinnerung. Die ins Baltikum deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden, München 2003, S. 191f.

Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden, hrsg. von Eberhard Jäckel, Peter Longerich, Julius H. Schoeps (Hauptherausgeber Israel Gutman), Berlin 1993

Gall, Lothar/Pohl, Manfred: Die Eisenbahn in Deutschland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1999

Gilbert, Martin: Endlösung. Die Vertreibung und Vernichtung der Juden. Ein Atlas,

Reinbek bei Hamburg 1995

Gottwaldt, Alfred/Schulle, Diana: Die ‚Judendeportationen’ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005

Hilberg, Raul: Die Vernichtung der europäischen Juden. 9., erneut durchgesehene Auflage, 3 Bände, Frankfurt am Main 1999

Hilberg, Raul: Sonderzüge nach Auschwitz, Mainz 1981

Im Dienst von Demokratie und Diktatur. Die Reichsbahn 1920-1945. Katalog zur Dauerausstellung im DB Museum, Regensburg 2002

Lichtenstein, Heiner: Mit der Reichsbahn in den Tod. Massentransporte in den Holocaust 1941 bis 1945, Köln 1985

Materialien zum Denkmal für die Ermordeten Juden Europas, hrsg. von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Berlin 2005.

Meyer, Beate/Simon, Hermann (Hrsg.) Juden in Berlin 1938 - 1945. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, Berlin 2000

Mierzejewski, Alfred C.: The Most Valuable Asset of the Reich. A History of the German National Railway, Volume II 1933-1945, University of North Carolina Press 2000

Voigt, Martina: Die Deportation der Berliner Juden 1941 bis 1945, in: Die Grunewald-Rampe, Die Deportation der Berliner Juden, hrsg. von der Gedenkstätte Haus der Wanseekonferenz und der Landesbildstelle Berlin, Berlin 1993


    
                                                                                                                         123 Min

Kriegsjahr 1943. Die Nazis wollen Berlin endgültig „judenrein“ machen. Über 70.000 Juden wurden schon aus der Hauptstadt deportiert. Im April rollt von Gleis 17 im Bahnhof Grunewald ein Zug mit 688 Juden – zusammengepfercht in Viehwaggons – Richtung Auschwitz. Ob jung oder alt, Akademiker, Künstler oder Boxer, das spielt hier keine Rolle mehr. Die Reise in den Tod dauert sechs Tage. Ein Kampf gegen unerträgliche Hitze, Durst und Hunger beginnt. In ihrer großen Verzweiflung versuchen einige aus der rollenden Gefängnishölle auszubrechen, darunter auch das Ehepaar Henry und Lea Neumann (Gedeon Burkhard und Lale Yavas) sowie die junge Ruth Zilberman (Sibel Kekilli). Doch die Zeit drängt - und Auschwitz rückt immer näher…



INHALT


Kriegsjahr 1943. Die Nazis wollen ein „judenreines“ Berlin. Fast 70.000 Juden wurden im Laufe der letzten Monate bereits aus der Hauptstadt des Deutschen Reichs deportiert. Im April sollen nun auch noch die letzten Juden nach Auschwitz gebracht werden. Bei den wenigen Juden, die sich noch in Berlin aufhalten, herrscht große Angst. Jeden Tag, jede Nacht kann die Gestapo kommen, in ihre Wohnungen einbrechen, ihnen brutale Gewalt antun, sie auf die Straße zerren und in LKWs abtrans­portieren.


Und plötzlich wird der Schrecken für 688 Juden zur Gewissheit. Ob jung oder alt, Männer, Frauen, Kinder, Familien, Ehepaare, Schwangere, Fremde oder Freunde, Akademiker, Künstler oder Arbeiter, wohlhabend oder arm, das spielt jetzt keine Rolle mehr. Sie alle werden zum Bahnhof Grunewald – Gleis 17 - gebracht und dort in Viehwaggons zusammengepfercht. Ein Zugtransport mit nur einem einzigen Ziel: Auschwitz.


Die Reise in den sicheren Tod dauert sechs Tage. Ein Kampf gegen unerträgliche Hitze, Durst und Hunger beginnt. In ihrer großen Verzweiflung versuchen einige aus der rollenden Gefängnishölle aus­zubrechen, darunter das Ehepaar Henry und Lea Neumann (Gedeon Burkhard und Lale Yavas) mit ihren beiden Kindern, ein älteres Liebespaar, der Kabarettist Jakob Noschik (Hans Jürgen Silber­mann) und die Pianistin Gabriella Hellmann (Brigitte Grothum), der Arzt Dr. Friedlich (Juraj Kukura), ein unerschrockener, junger Mann namens Albert Rosen (Roman Roth) und die junge Ruth Zilberman (Sibel Kekilli).


Erster Tag



 


 

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