Gib mich die Kirsche Filmtipp

Reinhard „Stan“ Libuda (geb. 10. Oktober 1943 in Wendlinghausen bei Lemgo, gest. 25. August 1996 in Gelsenkirchen) spielte in der Bundesliga für den FC Schalke 04 und den BV Borussia Dortmund. Er schoss in 264 Bundesligaspielen 28 Tore. Für seinen Spitznamen „Stan“ stand der berühmte englische Rechtsaußen Sir Stanley Matthews Pate, der Erfinder des Matthews-Tricks (links antäuschen, rechts vorbeigehen), den Libuda perfektionierte. Libuda wurde ein Star, der keiner sein wollte und am Ende zum traurigen Helden wurde. In der Öffentlichkeit ließ er sich nach seiner aktiven Zeit kaum noch blicken. Manchmal schlich er, hinter großem Halstuch und Sonnenbrille verborgen, in eine seiner Stammkneipen, wo Fußballwimpel an Eichenholzwänden an bessere Zeiten erinnerten. Er starb kurze Zeit nach einer Kehlkopf-Operation. Man fand ihn zuhause auf seinem Sofa, an der Wand der Sombrero der WM 1970. Er trug noch seine Sportschuhe.


Werner Kohlmeyer (geb. 19. April 1924 in Kaiserslautern, gest. 26. März 1974 in Mainz-Mombach), einer der „Helden von Bern“, war für Regisseur Oliver Gieth eine der tragischsten Figuren des deutschen Fußballs. „Wir zollen mit unsere Widmung nicht nur einem großartigen Sportler, der beim entscheidenden Spiel mehr als einmal den geschlagenen Torwart Toni Turek auf der Linie gerettet hat, sondern auch einem vergessenen Menschen Tribut.“


Werner Kohlmeyer gelang es nach dem Weltmeistersieg 1954 nicht, sein Leben in den Griff zu bekommen. Er wurde Alkoholiker, verarmte und starb drei Wochen vor seinem 50. Geburtstag, alleingelassen von Freunden, Verwandten und Fans, an einem Herzinfarkt.


NOTIZ


Rechtzeitig zur WM 2006 kommt mit „Gib mich die Kirsche! Die 1. Deutsche Fußballrolle“ ein Dokumentarfilm in die Kinos, der auf einzigartige Weise deutsche Fußball-Legenden auf die große Leinwand bringt. Und mit dem Weltmeistersieg im eigenen Land 1974 ein grandioses Finale feiert.


In jahrelanger zäher Recherche fahndeten die Erstlingsregisseure Oliver Gieth und Peter Hüls in deutschen Senderarchiven und entrissen so einmalige Bilddokumente aus der ersten Dekade deutschen Profifußballs (vom Bundesligastart 1963 bis 1974) der Vergessenheit. Nun präsentieren sie, augenzwinkernd und kenntnisreich, ein bewegtes Porträt dieser aufregenden Jahre, als die Liga laufen lernte, inklusive der WMs 1966, 1970 und 1974. Dabei erinnert ihre amüsante Zeitreise durch die Stadien, Kneipen und Städte von Fußballdeutschland in den 60er und 70er Jahren nicht nur an Spielergrößen wie Libuda, Netzer und Breitner, sondern entführt modisch, musikalisch und gesellschaftlich in die goldene Ära des Fußballs vor und nach dem ersten Bestechungsskandal 1970/71. Ob ein Schlager singender Kaiser Franz, Uwe Seeler als Sportartikelverkäufer oder die Hochzeit von Gerd Müller: „Gib mich die Kirsche!“ – angeblich ein Ausspruch des legendären Borussenstürmers Lothar Emmerich – entführt in eine Zeit, in der es noch echte Fußballerfrisuren gab, Monatslöhne für Berufskicker bei maximal 1.200 Mark brutto liegen durften, der Frauenfußball zaghaft seinen Siegeszug begann („Muss das sein?“) und männliches Spielerglück bedeutete „Kondition und Technik auf dem Spielfeld und ein liebes Frauchen zu Hause“.


Oliver Gieth und Peter Hüls zeichnen liebevoll und mit viel Humor die Entwicklung der Bundesliga vom kulturell und lokal verwurzelten Sportereignis zum Event der Unterhaltungsindustrie nach. Dabei gelingt ihnen vor allem eine ebenso nostalgische wie respektvolle Verbeugung vor der Leidenschaft der Fans, die auch im WM-Jahr 2006 dem Mythos deutscher Fußball immer wieder neuen Atem einhauchen.


PRODUKTIONSNOTIZEN


Weiter! Weiter! Immer weiter spielen! oder Fußball war Ehrensache, Identität und Chance


Peter Hüls und Oliver Gieth haben die pure Essenz des

Dazugehörens auf den Fußballplätzen der 60er und 70er Jahre ins Bild gesetzt.

(Dietrich Kuhlbrodt, Schnitt)



Sie sichteten über 1000 Filme und Fernsehbeiträge, schrieben an Sender, Vereine und Filmproduktionen, reisten von Archiv zu Archiv, übernachteten in billigen Hotels, stöberten tagelang durch staubige Filmregale und verbrachten Hunderte von Stunden am Schneidetisch. Man sagte ihnen: „Das geht nicht.“ Und: „Versuchen Sie es doch mal in einem Jahr.“ Oder auch: „Es kann sein, dass das Material hier irgendwo ist. Wenn Sie selber suchen wollen ...“ Aber Oliver Gieth und Peter Hüls gaben nicht auf. Gieth: „‘Gib mich die Kirsche!‘ ist ein Projekt aus Leidenschaft, das uns von der ersten Idee bis zum Kinostart zehn Jahre unseres Lebens begleitet hat.“


Aller Anfang ist schwer oder Die Spieleraufstellung


Zuerst gab es nur einen Traum von zwei Freunden und Fußballfans. Nachdem der Film-Editor Oliver Gieth (FC St. Pauli) und Autor Peter „Pit“ Hüls (Borussia Dortmund) den Sportbuchklassiker Als die „Ente“ Amok lief von Ulrich Homann und Ernst Thoman (erschienen im Klartext-Verlag) gelesen hatten, stand für sie fest: Ihr erstes Regieprojekt würde die frühen Liga-Jahre zum Thema haben. Diese Zeit, als der Profifußball in Deutschland laufen lernte, wollten sie bebildern. Warum also keinen Kompilationsfilm über die legendären Jahre machen, die den Mythos des deutschen Profisports begründeten?


Hüls erinnert sich: „Wir stellten uns das ganz einfach vor, denn es musste doch jede Menge Fernsehbilder geben. Schließlich war ich als Steppke immer zu meiner Oma zum Fußballgucken gepilgert, die bereits ein Neckermann-Körting-Gerät besaß. Buntfernsehen, wie man damals sagte!“


Doch so einfach wie die beiden Regisseure sich das vorstellten, war es nicht, ihre Idee umzusetzen. Wer den bestechend munteren Mix aus Kultur- und Sportgeschichte in der „1. Deutsche Fußballrolle“ sieht – bestehend aus echten Fußballerfrisuren, Sepp Maier und TV-Koch Max „Ich habe da mal etwas vorbereitet“ Inzinger beim Grillen des „Hippihoppi-Partyfisches“, die Schnulze „Ich bring dir heut’ ein Ständchen“ von der Nationalelf geträllert, kritische Anmerkungen zum Frauenfußball („Muss das sein?“) – hat keine Ahnung, welche Beharrlichkeit das Hamburger Regieduo an den Tag legen musste, um seinen Traum wahr werden zu lassen.


Zunächst einmal mussten die richtigen Filme überhaupt gefunden werden. Da aus den 1960er und 70er Jahren so gut wie nichts digitalisiert vorliegt, bedeutete das für Gieth und Hüls, sich mittels antiquierter Karteikartensysteme durch Jahrzehnte öffentlich rechtlicher Berichterstattung zu ackern. Mit zweieinhalb Jahren Materialrecherche und rund dreieinhalb Jahren Schnittzeit besitzt „Gib mich die Kirsche!“ eine rekordverdächtig lange Produktionszeit. Was, wie Gieth betont, „mit Sicherheit nicht an der Unfreundlichkeit einzelner Mitarbeiter in den Sendern oder einem generellen Widerwillen unserer Arbeit gegenüber lag.“ Im Gegenteil: „Das Thema hat uns sehr geholfen. Auch in den Archiven und Redaktionen wurden Geschichten nach dem Motto ‚Wo warst du als Deutschland 1974 Weltmeister wurde?’ erzählt. Vielmehr war es so, dass wir vor zehn Jahren entdeckten, dass in den vergangenen vierzig Jahren die Bedeutung von historischem TV-Material im öffentlichen Bewusstsein nicht sehr verankert war. Meistens wurde das gesendete Material mehr oder weniger lieblos irgendwo verstaut und nur selten wieder angesehen.“


Die Tatsache, dass das legendäre WM-Spiel von 1954 in Deutschland nur noch in Ausschnitten und Rekonstruktionen vorliegt, weil es 1959 bereits entsorgt wurde, spricht für sich selbst.


Dass Gebhard Henke vom WDR 1997 für das Projekt begeistert werden konnte, brachte die Wende. Hüls: „Die größte Sendeanstalt der ARD war ein wichtiger Partner für den Zugang zu den Archiven aller Sendeanstalten der ARD und über den Programmaustausch ging alles viel schneller.“


Als nächstes trat das Regie-Duo an die Kölner Produzentin Annette Pisacane von Cameo Film heran, die ebenso schnell ein leidenschaftliches Interesse für das Projekt entwickelte.


Aber schon wartete die nächste Komplikation auf die Filmemacher. Hüls erinnert sich: „Viele Filme waren sehr lädiert. Die Dosen ließen sich kaum öffnen, die Klebestellen rissen sofort.“ Überraschend für beide Regisseure war die Tatsache, dass auch viele Vereine keine funktionierenden Archive aufgebaut hatten. Viel zu oft erschöpften sich die gesammelten Erinnerungen der Clubgeschichten in gerahmten Fotos an den Wänden des Vereinsheims. Gieth: „Auch hier hat sich in der Zeit, in der ‚Gib mich die Kirsche!’ entstand, erfreulich viel geändert. Durch die digitale Entwicklung sind jetzt viele Vereine dabei, Filmarchive anzulegen und ihre Geschichte aufzubereiten. Vereine wie der HSV haben sogar ein eigenes, sehr schönes Museum.“


Die Qual der Wahl oder Taktikbesprechung


Nachdem die logistischen und organisatorischen Probleme weitgehend aus dem Weg geräumt werden konnten, ging die Arbeit für Oliver Gieth und Peter Hüls richtig los. Schließlich musste jetzt die Spreu vom Weizen getrennt werden – und schlimmer noch, immer wieder diskutiert, analysiert und entschieden werden, welche Geschichten in die „1. Deutsche Fußballrolle“ aufgenommen werden sollten. Fest stand natürlich, dass die Weltmeisterschaften von 1966, 1970 und 1974 markante Eckpunkte im Film sein würden. Bei allem anderen ließen sich die Regisseure unvoreingenommen auf alles ein, das ihnen bei der Recherche begegnete. Hüls: „Wir haben uns so gut wie alles angesehen, das mit dem Zusatz ‚Fußball’ versehen war. Da waren Spiele dabei, klassische Sportreportagen, aber eben auch Berichte über unterschiedlichste Ereignisse und Interviews, die auch nur irgendwie mit einem Fußballer oder einem Spiel zu tun hatten. Und wenn man dann so etwas findet, wie die Szene, in der Uli Hoeneß auf die Frage, ob ihm Liebe oder Fußball wichtiger ist, eindeutig: ‚Fußball’ antwortet dann fühlt man sich wirklich wie der sprichwörtliche Goldgräber beim Nuggetfund. Weil das einfach so viel aussagt über Mentalität und Lebensführung in diesen Jahren.“


Mädchen, warum grad’ ein Fußballspieler,

der nicht weiß, was Liebe ist?“
(Schlagersängerin Gaby Berger in „Gib mich die Kirsche!“)


Mit der Zeit häuften sich die Goldfunde und die Regisseure konnten aus einer wahren Schatztruhe von einzigartigen Ausschnitten wählen. Aber welchen nehmen und auf welchen verzichten? Gieth: „Auf jeden ausgewählten Ausschnitt kommt ein Vielfaches an Ausschnitten, die wir nicht genommen haben. Auch, wenn uns dabei manchmal das Herz blutete.“


So verzichteten die beiden aufgrund der Materiallage auf die wirklich erzählenswerte Geschichte des Berliner Vereins Tasmania 1900 Berlin. Den Regionalligisten hatte es in der Saison 1965/66 aus politischen Gründen in die Bundesliga verschlagen, nachdem Hertha BSC wegen eines Handgeldskandals aus der höchsten deutschen Spielklasse verbannt worden war. Aus Prestigegründen aber musste zur Zeit des kalten Krieges ein Verein aus West-Berlin in der Bundesliga präsent sein. Die Entscheidung für Tasmania 1900 Berlin kam so überraschend für die Beteiligten, dass man über Radio Luxemburg die Spieler aus dem Urlaub nach Berlin beorderte. Eine einmalige Geschichte, die mit einer ebenfalls einmaligen Bilanz für den Verein abschloss. Hüls: „Die Mannschaft kassierte in dieser Saison 108 Gegentore und gewann insgesamt zwei ihrer Spiele.“


Generell musste die Rechtslage ständig im Auge behalten werden, die mitunter nicht ganz eindeutig war. Allerdings gab es keinen Fall, in dem die beiden Filmemacher auf einen Ausschnitt aus rechtlichen Gründen hätte verzichten müssen. Vielmehr stellte sich Angesicht der Fülle des Materials immer wieder die Frage, ob der ins Auge gefasste Zeitraum – von 1963 (Start der Bundesliga) bis 1974 (WM-Sieg) nicht zu eng war. Gieth: „Wir hätten Material für noch drei Filme gehabt. Und natürlich sind die späteren Jahre nicht weniger interessant.“ Schließlich aber entschied man sich doch, bei der ursprünglichen Idee zu bleiben. Gieth: „In diesem ersten Jahrzehnt des Profifußballs in Deutschland gab es einen großer Wandel im Sport und gravierende Veränderungen bei den Menschen, die damit zu tun hatten.“ Auch für Peter Hüls war die Entwicklung des Fußballs vom lokal und kulturell verwurzelten Sport-Ereignis zum Event der Unterhaltungsindustrie in diesem Jahrzehnt besonders deutlich: „Uwe Seeler schämte sich fast für seinen Mercedes. In dem Ausschnitt, den wir zeigen, betont er, der Wagen sei sein Handwerkszeug. Fußball und Geld – das waren noch zwei verschiedene Paar Schuhe. Fußball war Ehrensache, Identität und Chance. Geld kam in diesem Universum erst viel später vor.“


Ende gut, alles gut oder Anpfiff für die 1. Deutsche Fußballrolle


Die Struktur des Filmes ist eine assoziative Zeitreise durch das Fußball-Deutschland zwischen 1963 und 1974. Gieth und Hüls gingen nicht nur den Pässen und Torschüssen von Seeler, Müller und Breitner nach, sondern fanden viele aussagekräftige Bilder im weiteren Umfeld des Ballsports. „Am Anfang des Filmes sehen wir, wie Fußballer ihren Ford Taunus polieren, wenige Jahre später steigen Bundesligaspieler in Pelzmänteln aus ihren Porsches oder Maseratis“, kommentiert Hüls die Entwicklung seiner Helden von den bescheidenen ersten Lizenzspielern, die sich mit Fußball eine Lohntüte dazu verdienten, zu den medienwirksamen Spitzenverdienern wie Beckenbauer oder Netzer. Fußball wurde Kult und die Spieler wurden Stars.


Gieth und Hüls dokumentieren die Legenden und Skandale, die die geteilte Nation damals bewegten und noch heute für jedes Partygespräch gut sind: „Prägend für die Dekade war vor allem eine sympathische Unbekümmertheit und mitreißende Lebenslust. Unser Material erzählt besondere Momente im großen Lauf der Geschichte.“


Dass bei den bisherigen Vorführungen mitunter sogar die Szenen, die sich nicht direkt mit dem runden Leder befassen, am besten ankamen, ist ein eindeutiges Signal für die Kraft der Dokumentation, die soziologisch aufschlussreich und temporeich nostalgisch in eine Ära entführt, die von den Fans noch heute als „die goldene Zeit des deutschen Fußballs“ gefeiert wird.


Der Kinostart oder Nach dem Spiel ist vor dem Spiel


Acht Jahre hatten die beiden an ‚Gib mich die Kirsche!’- Die 1. Deutsche Fußballrolle’ gearbeitet, um jetzt den gerechten Lohn einzufahren. Geschichten und Anekdoten aus den Anfängen der Bundesliga bis zu WM-Gewinn 1974 verbinden sich in diesem 85-Minüter zu einer urkomischen Zeitreise, bei der ein junger Beckenbauer („Den Trainerberuf schließe ich für mich aus.“) ebenso wenig fehlt wie die grundlegende Bestimmung der Geschlechterrollen („Die einzige Chance für Jungen , aus dem Ruhrpott herauszukommen, ist der Fußball. Die einzige Chance für Mädchen ist, einen Berufsspieler zu heiraten.“) Nach dem großen Erfolg hoffen Gieth und Hüls nun, dass ihre Fußballrolle einen regulären Kinostart bekommt. Verdient hätten sie’s.“

(Holger True, Hamburger Abendblatt)


Dass gut Ding Weile haben will, hatten Gieth und Hüls bereits bei der jahrelangen Arbeit an „Gib mich die Kirsche!“ erfahren. So waren sie also bestens im Training, als von der fulminanten und ausverkauften Präsentation des Films beim Filmfest Hamburg 2004 bis zum Kinostart noch einmal anderthalb Jahre verstrichen. „Das Wunderbare ist ja, dass das Material nicht altert, sondern höchstens an historischem Kultpotential zunimmt,“ freut sich Oliver Gieth, dessen Hartnäckigkeit primär zuzuschreiben ist, dass der Film nun quasi als cineastische Abrundung des deutschen WM-Programms auf der Leinwand zu sehen ist. Ein großer Erfolg für dieses als Low-Budget-Film gestartete Projekt, der für die leidenschaftlichen Filmemacher mehr wiegt als ein WM-Sieg und einmal mehr zeigt, was Kreative von Fußballern lernen können. Wie formulierte Bayerns Torhüter Oliver Kahn einmal so prägnant: „Weiter! Weiter! Immer weiter spielen!“ Ein Rat, den Gieth und Hüls befolgten.


KIRSCHE DELUXE:

Prominente Kirschenliebhaber über die 1. Deutsche Fußballrolle



Peter Lohmeyer – Schauspieler (u.a. „Das Wunder von Bern“)

Ich habe eine große Vorliebe für Dokumentarfilme über Fußball, denn Fußball ist im Fiction-Kino immer sehr schwer darzustellen. Die Kunst ist, den richtigen Moment zu erwischen. Das gilt auch für Interviews mit Spielern. Bei den legendären TV-Kurzinterviews mit Spielern nach einem Spiel kann man fast immer 90% wegschmeißen. Nur in 10% öffnet sich der Spieler wirklich, erfährt der Zuschauer etwas.


In „Gib mich die Kirsche!“ ist es Oliver Gieth und Peter Hüls gelungen, immer wieder den richtigen Moment zu erwischen. Das Besondere bei ihrem Film: Er erzählt Geschichte. Und er fängt immer wieder Momente aus einem Teil des Landes ein, in dem Fußball immer mehr war als Freizeitgestaltung. Sondern Lebenseinstellung und eine eigene Philosophie.


„Gib mich die Kirsche!“ porträtiert auch den Verlust der Unschuld der Bundesliga. Nach dem Skandal 1970/71 war nichts mehr so wie es sein sollte. Indem der Film genauso viel über Fußball wie über deutsches Lebensgefühl in den Jahren zwischen dem Gründungsjahr der Bundesliga 1963 und dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1974 erzählt, verwenden die beiden Filmemacher quasi die Taktik des legendären Stan Libuda: „Links antäuschen, rechts vorbeigehen“, denn „Gib mich die Kirsche!“ ist weit mehr als eine Sport-Dokumentation.




Benjamin Adrion –Mittelfeldspieler beim FC St. Pauli


Nostalgische Fußballgefühle werden geweckt. Ein fußballhistorischer Rückblick, aufklärend durch den Überblick deutscher Fußballnachkriegsgeschichte, der amüsant wie informativ zugleich ist. Der Film gewährt einen tiefen Einblick in die Welt der Fußballer der letzten vierzig Jahre und zeigt die ersten Schritte des Frauenfußballs bis hin zu kuriosen fußballerischen Highlights. Herrlich!


Übrigens wird hier das Eigentor meines Vaters (damals geschossen beim VFB Stuttgart) auch gezeigt- wir haben es überall gesucht und nie gefunden. Die Macher des Filmes haben neben Fußball-Know-How einen genialen Bogen zur Humorseite des Fußballs gespannt: Volltreffer!






Felix Luz – Stürmer beim FC St. Pauli


Fußballverstand, Rückblicke, amüsante Geschichten – ein „Muss“ für jeden Fußballfreund!




Axel Formeseyn – Redakteur der Fußballzeitschrift „11 Freunde“


„Gib mich die Kirsche!“ ist wie ein geselliger Abend unter echten Fußballfreunden. Jeder erzählt seine liebste Anekdote und der Rest lacht sich unter anderem schlapp über den grobschlächtigen HSV-Rowdy, der mit Zahnlücke und unschuldigem Blick fragt, was denn an hundert Verletzten beim Fußball so schlimm sei, über die Intimitäten aus dem Leben eines Gerd Müllers und die Verdienstmöglichkeiten von DDR-Fußballern.


„Gib mich die Kirsche!“ ist einmal mehr der Beweis, dass der Fußball noch die besten Geschichten erzählt. Was man hier an Kuriositäten aus den letzten Jahrzehnten deutscher Fußballgeschichte zu sehen bekommt, könnte man sich gar nicht selber ausdenken. Würde einem doch eh keiner glauben…



INTERVIEW


mit den Regisseuren Oliver Gieth & Peter Hüls



Fußball geht vor alles!


Erinnern Sie sich noch an das erste Fußballspiel, dass Sie im Stadion oder im Fernsehen gesehen haben?


Gieth: Das war ein Spiel vom HSV gegen Kaiserslautern. Im Hamburger Volksparkstadion. Ich war 14 Jahre alt. Das Spiel endete 1:0 durch Elfmeter. Obwohl es ein beeindruckendes Erlebnis war, bedauere ich heute, dass mein erstes Stadionspiel keines von St. Pauli war, dem Verein, zu dem ich mich heute am stärksten hingezogen fühle.


Hüls: Ich bin im Dortmunder Kreuzviertel quasi in Rufweite des Stadions „Rote Erde“ aufgewachsen. Wenn der Wind günstig stand, hörte man immer, wenn Tore fielen. Da bin ich dann auch als kleiner Junge, ich war gerade in die Schule gekommen, zum ersten Mal hin – an Opas Hand. Damals kamen Kinder übrigens umsonst rein. Das war unvergesslich: Ein langer dunkler Gang und dann das Grün, Licht, Farben, eine überwältigende Geräuschkulisse – Fußball! Das ist bis heute so geblieben. In Dortmund ist man ja kein Fan, sondern „Borusse“. Etwas anderes kommt da gar nicht in Frage.


Wie kommt man auf die Idee, die „1. deutsche Fußballrolle“ zu machen?


Gieth: Alles begann damit, dass Peter Mitte der neunziger Jahre das wunderbare Buch „Als die Ente Amok lief“ (1989, Klartext Verlag) von Ulrich Homann und Ernst Thoman geschenkt bekam, in dem es um die ersten zehn Jahre der deutschen Bundesliga geht. Das hat uns beide begeistert.


Hüls: Gleichzeitig hatte ich, der gebürtige Dortmunder, der seit über zehn Jahren in Hamburg wohnte, ein immer stärkeres Heimweh und mir angewöhnt, alle zwei Wochen zu den Spielen von Borussia Dortmund „nach Hause“ zu fahren. Ich tauchte wieder ein in die Welt von Fußballkneipen und Fangesprächen, von Mythen und Anekdoten, in denen diese erste Zeit des Profifußballs in Deutschlands fest verankert ist.


Gieth: Seine Begeisterung war ansteckend. Wir entdeckten eine Welt ohne Generationsschranken. Einen vergeigten Elfmeter kann man mit 18 genauso gut bewerten wie mit 80, vor allem, wenn das Spiel schon zehn Jahre her ist. An die ersten Jahre der Bundesliga haben viele Menschen in Deutschland äußerst lebendige Erinnerungen, übrigens Männer wie Frauen. Einfach, weil herausragende Fußballerlebnisse mit ihrem eigenen Leben stark verknüpft waren. Mit dem ersten Auto, dem Fernseher in der Kneipe, auch mit der Erleichterung, nach dem Krieg und den schweren Nachkriegsjahren endlich wieder sorglos eine „Nebensächlichkeit“ wie Fußball ernst nehmen zu dürfen.




Was ist die Kernidee von „Gib mich die Kirsche!“


Hüls: Uns war schnell klar: Die Geschichte der Bundesliga ist eine Geschichte der jungen Bundesrepublik. Wir dokumentieren die Veränderung vom lokal verwurzelten Ereignis zum Event in der Unterhaltungsindustrie, die Entwicklung vom einfachen Kicker aus der Arbeiterklasse zum Medienstar.


Gieth: „Gib mich die Kirsche!“ ist keine Sportdokumentation mit Spielanalysen oder eine bebilderte Bundesliga-Datenbank, sondern ein leidenschaftliches, unterhaltsames und mitunter nostalgisches Dokument. Eine Zeitreise in die Welt von Rolleiflex, Sechsämtertropfen und Zeiss Ikon. Damit unterscheiden wir uns auch von üblichen Sportdokumentationen: Wir haben Bilder gefunden, die die große Leinwand nicht nur aushalten, sondern vielmehr sogar fordern: Eben Kinobilder. Deswegen möchte ich mich an dieser Stelle auch einmal bei den vielen ungenannten Kameramännern bedanken, die das damals gedreht haben.


Hüls: Ein Unterschied macht bei uns auch die Auswahl der Musik aus, die für die Wirkung von „Gib mich die Kirsche!“ wesentlich ist. Beispielsweise die dreiminütige Zeitlupen-Sequenz von eleganten Beckenbauer-Spielstudien unterlegt mit Thin Lizzys „Still in Love with You“. Und natürlich die wunderbaren Schlager unserer Bundesliga-Helden...


Gib mich die Kirsche!“ umfasst die Jahre 1963 bis 1974, also vom Gründungsjahr der Bundesliga bis zum WM-Sieg 1974. Warum genau diese Jahre und nicht mehr?


Gieth: Es ist das erste Jahrzehnt des Profilfußballs in Deutschland. Nach dem Wunder von Bern kam die Bundesliga. Und in dieser Zeitspanne hat es einen großer Wandel im Sport und der Menschen, die damit zu tun hatten, gegeben, den wir mit „Gib mich die Kirsche!“ dokumentieren.


Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit zwischen Ihnen?


Gieth: Wir haben alles gemeinsam gesichtet und recherchiert. Weil ich auch als Film-Editor arbeite, habe ich anfangs viel selbst geschnitten. Eine Aufgabe, die später Fritz Busse für uns übernahm.


Hüls: Wir ergänzen uns großartig. Keiner von uns hätte diesen Film allein machen können. Immer, wenn einer von uns schlapp machte, hat ihn der andere motiviert. Allerdings wäre der Film niemals ins Kino gekommen, wenn Oliver in den vergangenen zwei Jahren nicht so hartnäckig geblieben wäre.


Wie lange haben Sie insgesamt an dem Film gearbeitet?


Gieth: „Gib mich die Kirsche!“ ist ein Projekt aus Leidenschaft, das uns von der ersten Idee bis zum Kinostart zehn Jahre unseres Lebens begleitet hat.


Hüls: Das ganze startete ja als Low-Budget-Produktion und wir mussten den Film oft hinten anstellen, wenn wir mit einer anderen Produktion Geld verdienen konnten. Insgesamt haben wir zweieinhalb Jahre Material recherchiert und rund dreieinhalb Jahre im Schnitt verbracht.


War es schwer, an das Material heranzukommen?


Gieth: Wir fühlten uns oft ein wenig wie Goldgräber. Vor vierzig Jahren gab es bei den Sendern noch wenig Bewusstsein für die Bedeutung von historischem TV-Material und so mussten wir uns manchmal buchstäblich durch verstaubte Kellerarchive arbeiten. Beispielsweise gibt es das legendäre WM-Spiel 1954 nur noch in Ausschnitten in Deutschland. Der einzige lange Mitschnitt wurde bereits 1959 vernichtet, weil sich kein Mensch vorstellen konnte, was man fünf Jahre nach dem Titelgewinn mit dem Spiel noch wollte.


Hüls: Aber wir hoben auch wahre Schätze wie die heute vergessene Serie „Fußballtrainer Wulff“ vom Saarländischen Rundfunk – die wir letztlich im Film jedoch nicht verwendeten.


Gieth: Gleichzeitig haben wir einige Dokumente gerettet, die sonst für immer verschwunden wären. Wir waren auch ein ganzes Jahr lang auf der Suche nach Sendematerial der Weltmeisterschaft 1974. Es tauchte schließlich auf 2-Zoll-Bändern in einem ausgelagerten Studio auf. Die Sportarchiv-Leiterin des WDR rief dort an und erhielt die Antwort. „Meinen Sie die 128 Kassetten hier? Die gehen morgen zum Löschen.“ Hätte sie einen Tag später angerufen, wäre es zu spät gewesen!


Hüls: Glück im Unglück hatten wir einmal, weil wir einiges Material während der Recherche auf Video 8 vom Schneidetisch abgefilmt hatten. Als wir nach dem Schnitt des Material wieder an diese Archiv herantraten und die Original-Ausschnitte bestellten, die wir gerne haben wollten, wurde uns mitgeteilt, dass viele Filme in der Zwischenzeit durch einen Wasserschaden zerstört waren und damit einfach nicht mehr für uns erreichbar. In dem Moment wussten wir, dass wir mit unserem Videomaterial einen richtigen Schatz hatten!


Sie haben über 1000 Filme gesichtet. Wie hat sich die Auswahl gestaltet?


Gieth: Oberstes Kriterium bei der Auswahl der Ausschnitte war für uns Authentizität und Emotionalität. Im Film gibt es keine Taktikbesprechungen und Torbilanzen. „Gib mich die Kirsche!“ erzählt die Geschichte der Bundesliga-Anfänge als die Geschichte der Menschen, die mit, für und durch diesen Sport lebten: Fans jeden Alters und jedes Geschlechts, Kinder, die nach der Schule den Ranzen in die Ecke schmeißen und im Hinterhof bolzen gehen, Spielerfrauen, Kartenabreißer und Mannschaften.


Hüls: „Gib mich die Kirsche!“ ist eine sinnliche Dokumentation. Wir betrachten ja nicht nur die Bundesliga, sondern auch ihr Umfeld. Wir zeigen, wie die Spieler und ihre Zuschauer damals lebten. Den Übergang vom Ford Taunus zum Ferrari bei den Spielern, den Übergang von der Zopffrisur zum Beehive bei den Mädchen, Moden wie Rock’n’Roll und Hausbars.


Sie verzichten auf einen Off-Kommentar und lassen die Ausschnitte für sich sprechen. Eine Hommage an die Legionen deutscher Sportreporter und Kulturberichterstatter?


Gieth: Keine Hommage, eher...

Hüls: Ein Dokument.


Gieth: Wir nehmen den Zuschauer direkt mit, konfrontieren ihn unmittelbar mit dem historischen Material.


Hüls: Und wir trauen ihm durchaus zu, sich seine eigene Meinung zu bilden. Bei jedem Zuschauer tut sich doch eine ganz eigene Erinnerungs- und Assoziationstür auf.


Was sind die gravierendsten Veränderungen in der Sportberichterstattung zwischen heute und damals?


Hüls: Es hat sich vor allem in den letzten Jahren zunehmend eine große Geschwätzigkeit breit gemacht, so dass oft Spiele vom Kommentator geradezu tot geredet werden. Das war früher wohltuend anders. Ich erinnere nur an den verbalen Minimalismus eines Ernst Huberty, bei dessen lakonischem Kommentarstil der Zuschauer von heute wahrscheinlich fürchten würde, dass er zwischen zwei Spielzügen eingenickt sein könnte.


Gieth: Heute wird auch bereits am ersten Wochenende der Saison irgendein Spiel gerne zum Spiel des Jahres hochgehypt. Fußball wird so sehr zum Medienereignis gemacht, dass es fast schon inflationär wirkt.


Was hat sich an der Bundesliga im Gegensatz zu damals verbessert oder verschlechtert?


Gieth: Eigentlich hat sich alles verbessert. Die Spiele sind schneller, die Spieler athletischer, die Stadien größer und bequemer geworden.


Was ist das Faszinierende an der Bundesliga?


Hüls: Der lokale Bezug und die direkte Verbindung zum eigenen Leben. Normalerweise ist in einem durchschnittlichen deutschen Freundeskreis doch die ganze Bundesliga vertreten: Du bist für BVB, dein Nachbar steht auf den HSV, dein Kollege schwört auch Gladbach. Das gibt Stoff für Gespräche, Frotzeleien und Gelächter...


Gieth: Das Regelmäßige und Ritualisierte vermittelt ein beruhigendes Gefühl: Die Bundesliga gibt es jedes Jahr. Sie gibt einem ein Stück Heimat.


Welche Bedeutung hat Fußball für Ihr Leben?


Hüls: Ein Fan sagt in „Gib mich die Kirsche!“ so schön: Fußball geht vor alles. Ein bisschen gilt das auch für mich. Fußball ist von meinem Leben nicht abtrennbar.


Gieth: Für mich ist inzwischen die menschliche Komponente beim Fußball das Entscheidende. Die Leidenschaft der Zuschauer, die Gespräche, das Schwärmen und Erinnern.






Ist „Gib mich die Kirsche!“ auch interessant für Zuschauer, die kein oder wenig Interesse an Fußball haben?


Gieth: Auf jeden Fall. In den bisherigen Vorführungen haben sich immer wieder Menschen begeistert gezeigt, die vorher keinen Zugang zu Fußball hatten. Frauen beispielsweise, die plötzlich verstanden, was ihre Männer so fasziniert, dass sie jeden Samstag vor dem Fernseher hocken. Es geht nicht darum, ein 3:0 zu verstehen, sondern um einen amüsanten und aufschlussreichen Bilderbogen mit dem Grundthema Fußball.


Hüls: Wer den Film sieht, versteht auf einen Schlag, was deutscher Fußball ist. Ohne Regelwerk oder Trainerhandbuch, sondern durch 85 höchst vergnügliche Minuten.


Gieth: Es überraschte uns auch immer wieder, wie junge Leute, die Beckenbauer vielleicht gerade noch kannten, aber jemanden wie Lothar Emmerich nicht, mitgingen und vom Lebensgefühl dieser Zeit gefangen und berührt wurden. „Bilder aus der goldenen Zeit des Fußballs“, sagt jemand nach einer Vorführung.


Gib mich die Kirsche!“ startet am 1. Juni, acht Tage vor Anpfiff der WM 2006. Wer wird Weltmeister?


Hüls: Um es mit dem legendären deutschen Verteidiger Werner Kohlmeyer zu sagen: „Der das Endspiel gewinnt!“



STAB


Oliver Gieth (Buch & Regie)


Schluss ist, wenn der Schiri pfeift!


Oliver Gieth, Jahrgang 1965, arbeitete als Photo-Assistent, kochte Kaffee bei diversen Produktionen, wurde Produktionsfahrer beim Spielfilm, Praktikant im Schneideraum, Schnitt-Assistent bei Filmen von Wim Wenders und Rebecca Horn und...


... inszenierte 1994 nach seinem eigenen Drehbuch den Kurzfilm „zu spät?!“. In diesem Jahr machte er sich erfolgreich als freier Film-Editor selbständig. Seit dieser Zeit hat sich vor allem mit dem Regisseur Lars Becker eine intensive Zusammenarbeit entwickelt. Dazu gehören u.a. der Kinofilm “Bunte Hunde”, der erfolgreiche ZDF-Fernsehfilm “Das Gelbe vom Ei“ sowie der preisgekrönte TV-Thriller “Rette deine Haut!” und die Reihe “Nachtschicht”. Weitere Filme, bei denen Gieth für den Schnitt verantwortlich zeichnete, sind die Dokumentation „Mein Vietnam – Land und Kein Krieg“ von Minh-Khai Phan-Thi und die Langzeitdokumentation „Manya! Männer und Musik“ von Silke Schütze und Armin Plöger. Dass die Arbeit an „Gib mich die Kirsche! Die 1. Deutsche Fußballrolle“ sein Leben beinahe zehn Jahre begleitete, nimmt der gebürtige Hamburger mit Humor. „Filmemachen, ist nichts für Kurzstreckenläufer. Mein Motto lautet: Abpfiff ist, wenn der Schiri pfeift.“


Oliver Gieth ist Mitglied der deutschen Filmakademie.


„Gib mich die Kirsche! Die 1. Deutsche Fußballrolle“ ist sein Kinodebüt.




Peter Hüls (Drehbuch & Regie)


Viel schlafen, wenig trainieren.


Peter Hüls, Jahrgang 1962, arbeitete nach einem ersten Praktikum bei der Adolf Winkelmann-Produktion bei diversen Produktionen als Aufnahmeleiter, bevor er 1990 als Regie-Assistent bei Horst Königsteins „2000 Hamburg 2000“ engagiert wurde. Seitdem arbeitet er als freier dramaturgischer Berater und Autor (u.a.. „Lohne – St. Pauli“ von Petra Uptmoor). Der gebürtige Dortmunder hat die jahrelange Entstehungsgeschichte der „1. Deutschen Fußballrolle“ mit lakonischer Gemütsruhe begleitet: „Ich halte mich da an den Wahlspruch des Borussen-Spielers Siggi Held: Viel schlafen, wenig trainieren.“


    
                                                                                                                           85 Min

Seit es Fußball gibt, ranken sich um Spieler, Spiele und Techniken Mythen, Legenden und Anekdoten, die an Kneipentresen und Stammtischen weitergesponnen werden. Fußballgarn, möchte man fast sagen. Ob der titelgebende Ausspruch von Borussenstürmer Lothar Emmerich „Gib mich die Kirsche!“ nun anlässlich eines bestimmten Spiels fiel oder lediglich die Lieblingsformulierung von „Emma“ war, um den Mitspieler zum Abspiel aufzufordern, bleibt nebulös im kollektiven Gedächtnis der nationalen Fußballgemeinschaft verborgen. Die Filmemacher haben sich entschlossen, einer Version zu glauben, die ihnen „auf Schalke“ erzählt wurde. So soll Emmerich 1966 seinen Siegestreffer gegen den Erzrivalen Schalke 04 im Radio wie folgt kommentiert haben:


Radio-Reporter: „Wie kam es zu diesem entscheidenden Tor, Herr Emmerich?“

Lothar Emmerich: „Der Wosab lief auf links und dann hab ich ihm zugerufen: Gib mich die Kirsche! Und dann hab’ ich ihn reingemacht.“


Lothar Emmerich (geb. 29. November 1941in Dortmund-Dorstfeld, gest. 13. August 2003 in Hemer) spielte von 1960 – 1969 bei Borussia Dortmund (11 Tore in der Oberliga-West, 115 Tore bei 183 Einsätzen in der Bundesliga). Mit 31 Toren war er 1966 der Torschützenkönig der Bundesliga. Eine Ehre, die er sich 1967 (28 Tore) mit Gerd Müller (ebenfalls 28 Tore) teilen musste. 1966 wurde er mit der deutschen Fußballnationalmannschaft Vize-Weltmeister (gegen England 2:4). Leidenschaft, Spielfreude, Teamgeist und gute Laune machten ihn zu einer der populärsten Fußballer der 1960er Jahre. Das berühmte „Gib mich die Kirsche!“ besitzt heute Kultstatus.

DIE WIDMUNGEN


„Gib mich die Kirsche! Die 1. Deutsche Fußballrolle“ ist zwei Fußballer-Legenden gewidmet: Reinhard „Stan“ Libuda und Werner „Kohli“ Kohlmeyer.

Ob es nun der amerikanische Prediger Billy Graham oder der deutsche Evangelist Werner Heukelbach war, der mit dem Slogan warb „An Gott kommt keiner vorbei“ – darüber streiten sich die Experten. Überliefert, doch nie belegt, ist jedenfalls, dass ein Schalker-Fan das Werbeplakat mit dem Zusatz „...außer Libuda!“ versehen haben soll.



 


 

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