Infos zum Film Havanna Blues

Gemeinsam haben sie eine Band, die die Musik des "anderen" Kuba spielt, eine mitreißende Mischung aus Samba, Salsa und Blues, elektrisch verstärkt und begleitet von den harten Beats moderner Drums. In Ermangelung eines Tonstudios funktionieren sie das Wohnzimmer von Ruys Großmutter um. Die Aufnahme der für den Durchbruch unerlässlichen Demo-Kassette wird zum Zeit und Nerven raubenden Abenteuer.
Ebenso langwierig gestaltet sich die Suche nach einem Saal, in dem sie ihr erstes großes Live-Konzert geben können. Die Hallen, in denen einst die großen kubanischen Sänger und Musiker aufgetreten sind, sind in einem bemitleidenswerten Zustand.
Das Los der verhinderten Musik-Stars scheint sich zu wenden, als eines Tages die Talent Scouts einer spanischen Plattenfirma auftauchen und Ruy und Tito ihnen vorgestellt werden...

HAVANNA BLUES zeigt uns ein junges Kuba mit einer quirrligen Musikszene, in der die aktuellen Rhythmen der Welt den Takt angeben. Die Ausgelassenheit bei Rap, Hip Hop, Hard Rock und Heavy Metal macht die zum alltäglichen Überleben notwendige Improvisation nicht vergessen. Sie ist aber eine aufregende Alternative zum hier allzu gern gepflegten Lamento.

Die Dreharbeiten in Kuba

HAVANNA BLUES ist der zweite Spielfilm, den Zambrano über Kuba gedreht hat. Er hat längere Zeit auf der Karibikinsel verbracht und an der "Internationalen Film- und Fernseh-Schule (EICTV)" San Antonio de los Baños eine zweijährige Ausbildung als Regisseur durchlaufen. Die dabei gemachten Erfahrungen verarbeitete er in seinem international mit Preisen überschütteten ersten langen Spielfilm "Solas", 1999. Auch seinen Produzenten Antonio P. Perez hat er in Kuba kennen gelernt.

Für HAVANNA BLUES hielt Zambrano es angesichts des Themas für angebracht, ganz neue Gesichter auf die Leinwand zu bringen. Da in Kuba aber außer beim staatlichen Filminstitut ICAIC keine Schauspielerdateien geführt werden und Schauspieleragenturen erst gar nicht existieren, haben die Produzenten selbst aufwändige Castings organisiert: insgesamt 600 Leute haben während der vier Monaten dauernden Probeaufnahmen ihre Dienste als DarstellerInnen angeboten; die letztendlich Verpflichteten haben in HAVANNA BLUES fast ausnahmslos ihre ersten Filmrollen.

Für alle, die an HAVANNA BLUES mitgearbeitet haben, war dies eine neue Erfahrung. Die Schauspieler wurden zwei Monate lang an den Instrumenten ausgebildet, die Musiker bekamen ebenso lange Schauspielunterricht. Auch Roberto Sanmartà­n (Tito) musste den Umgang mit den Instrumenten erst erlernen. Umgekehrt war Alberto Yoel (Ruy) Musiker, bevor er hier zum Schauspieler wurde.


Die Antwort des offiziellen Kuba auf HAVANNA BLUES

Die Erfahrungen, die die Produktion bei den Dreharbeiten in Kuba mit den offiziellen Stellen gemacht haben, waren durchaus widersprüchlich. Zu den zentralen Themen von HAVANNA BLUES gehören Emigration, Familie, Trennung, die Einsamkeit der verlassenen Frauen, das Fehlen von beruflichen und sozialen Perspektiven von Frauen und Männern. Trotz dieser in Kuba zum Teil äußerst brisanten Probleme litten die Dreharbeiten nicht unter einer staatlichen Zensur.

"Das offizielle Kuba erträgt keine Ironie und keine Kritik. Die Offiziellen denken immer noch, lange Haare und Rockmusik seien Zeichen der Ausgrenzung", sagt der Regisseur, betont aber gleichzeitig, dass er bei den Dreharbeiten totale Freiheit gehabt habe. "Nur in der Drehbuchphase wurde von offizieller Stelle Einfluss genommen. Alles, was irgendwie mit Drogen zu tun hatte, musste raus. Damit verschließt man natürlich die Augen vor der Realität. Ich musste es aber akzeptieren, sonst hätten wir nicht drehen können." Dennoch wurde die Produktion konkret mit dem Thema konfrontiert: "Einer unserer Musiker, Gorki, wurde während des Drehs zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, weil er einem Mädchen Amphetamine gegeben hat. Mit Hilfe der spanischen Botschaft haben wir erreicht, dass wir trotz des Urteils das für den Film wichtige Musikstück mit Gorki aufnehmen konnten. Wir durften ihn dazu im Gefängnis besuchen.
Allerdings ist andererseits immer noch nicht klar, ob der Film je in die kubanischen Kinos kommen wird."


    
                                                                                                                         110 Min

Am Morgen verkaufen sie Zigarren und Strohhüte an Touristen und Hummer auf dem Schwarzmarkt der "Perle der Karibik". Am Nachmittag singen und spielen sie traditionelle kubanische Lieder für die Sonnenanbeter im Sand des Playa del'Este. Abends träumen sie von der großen internationalen Karriere.

Ruy und Tito sind begnadete Musiker. Ruy pflegt seine Dreadlocks und seinen 54er roten Chevvy Convertible, der leider allzu oft ein Opfer der Schlaglöcher in den Straßen Havannas wird. Tito, den die Frauen zärtlich, die Männer mitunter spöttisch "Mulatto" nennen, ist ein Fan von "Iron Maiden" und lässt auch sonst nichts anbrennen.



 


 

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