Zeiten Ändern Dich Film Trailer

FSK Film: Dieser Film hat die FSK Freigabe 12 Jahre
Länge: 94 Min | Kinostart: 04.02.2010 | DVD/BD: 08.07.2010 (DVD) | ©  Constantin Film | 
 
 
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Die Story zu Zeiten Ändern Dich Film Trailer:
Er füllt die Konzerthallen, sammelt Preise und goldene Schallplatten, sorgt immer wieder für fette Schlagzeilen: Der Rapper Bushido aus Berlin ist ein Superstar und Publikumsliebling. Trotz seines rauen Images. Oder vielleicht gerade deshalb? An seinem 29. Geburtstag ist Bushido nicht nach Feiern zumute. Er sitzt im Tourbus und schaut unentwegt auf eine Postkarte aus Düsseldorf. Seit vielen Jahren ist sie das erste Lebenszeichen seines Vaters. Der schlichte Geburtstagsgruß, der kaum mehr als eine Telefonnummer enthält, ruft traumatische Erinnerungen wach: Der trunksüchtige Vater, ein tunesischer Araber schlägt seine junge deutsche Frau und lässt die Familie im Stich, als sein Sohngerade mal vier Jahre alt ist. Für den kleinen Jungen namens Anis steht fest: Dieses Tier ist nicht mein Vater! In der Schule hat Anis Probleme. Mitschüler hänseln ihn als Kanaken und machen sich lustig über seine eigenwillige Rap-Version des Gedichts Der Erlkönig. Es kommt zu einer Schlägerei, aus der Anis zwar verwundet, aber als Sieger hervorgeht. Ein alter Araber namens Farud lobt den Mut des zwölfjährigen Anis: Er’s guter Junge! Wie der leibliche Vater ist später auch der türkische Stiefvater gewalttätig. Seine Attacken richten sich aber nicht gegen seine Frau oder den gemeinsamen Sohn Sercan, sondern gegen den 15-jährigen Anis. Trost und Geborgenheit findet der Teenager bei seiner Mitschülerin Katrin. Mit ihr hat er den ersten Sex, mit ihr beginnt er zu kiffen. Die Beziehung endet unglücklich, den Drogen bleibt er jedoch treu. Mit einem Startkapital von 450 Mark, bereitgestellt von seiner Mutter, legt Anis den Grundstein für eine Karriere als Drogendealer. Mit 16 Jahren fühlt er sich wie ein König. Er hat Geld, Freunde und genießt Respekt. In einer Disco trifft er Selina. Das Mädchen aus gutem Hause und der Dealer von den Straßen Berlins verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Selinas reiche Eltern sind nicht gerade begeistert von dem muslimischen, arbeitslosen Schulabbrecher. Doch nach dem verkorksten Antrittsbesuch in der Familienvilla steht die rebellische Selina erst recht zu ihrem Freund. Sie besiegelt die Liebe mit spontanem Sex im Wohnzimmer der Eltern. Bald kehren Gewalt und Brutalität in Anis’ Leben zurück. Konkurrierende Drogendealer verprügeln ihn und seinen Freund Zero, kurz darauf werden seine Mutter und sein Stiefbruder Opfer eines brutalen Überfalls in der eigenen Wohnung. Anis muss den lukrativen Drogenhandel aufgeben. Beim Versuch, seine letzten Reserven an Haschisch und Pillen zu verkaufen, schnappt ihn die Polizei. Der Jugendrichter verurteilt den Teenager zu drei Jahren Besserungsanstalt und einer Ausbildung zum Maler und Lackierer. In der Lehre trifft Anis auf Fler und weitere neue Freunde, die ihn in die Berliner Sprayer- und HipHop-Szene einführen. Während Anis’ Mutter im Fernsehen Karel Gott anhimmelt, übt der Sohn im Nebenzimmer erste HipHop-Songs mit seinen Freunden ein. Selina hält diese Freunde für behinderte Freaks. Sie bittet Anis, endlich den Hass aus seinem Herzen zu verbannen und seinen Vater in Düsseldorf zu besuchen. Das Treffen erweist sich als Debakel. Der gebrochene, alte Mann will sich von jeder Schuld für seine früheren Gewalttaten freisprechen. Enttäuscht und wütend verstößt Anis seinen Vater: Für mich bist du gestorben! Um die Vergangenheit abzuschütteln, nimmt Anis eine neue Identität an. Ein japanisches Computerspiel liefert ihm seinen markanten Namen: Bushido – Weg des Kriegers. Von einem Tattoo-Künstler lässt er sich das stilisierte B unübersehbar auf seine rechte Halshälfte stechen. Selina, die sich inzwischen zu einer vorbildlichen Studentin mit Einser-Noten gemausert hat, mag Bushidos Tätowierung genauso wenig wie die beschissenen Macho-Spielchen seiner Freunde. Es kommt zu einem lautstarken Streit, bei dem Bushido erstmals seine Freundin schlägt. Selina verlässt ihn und will nichts mehr von ihm wissen. Für Bushido bricht eine Welt zusammen. Der 11. September 2001 verändert alles. Bushido verfolgt im Fernsehen die Anschläge auf das World Trade Center und spürt einen unbändigen Willen zu leben. Durch die Bilder der Katastrophe entlädt sich auch ein bislang unentdecktes Talent. Er schreibt einen ersten Song, packt alle seine Gefühle in den Text und die Musik Der Knoten ist geplatzt. Jetzt geht alles ganz schnell. Bushido unterschreibt einen Vertrag mit dem Berliner Plattenlabel Hardcore und veröffentlicht sein erstes Album. Der Plattenproduzent fördert Bushidos Karriere aber nur halbherzig und prellt ihn um Honorare. Es kommt zum Streit mit dem Chef und zur Trennung von seinem besten Freund Fler. Bushido will den Vertrag mit Hardcore lösen, scheitert aber an einer 400.000-Euro-Forderung des Labels. Auf Anraten des alten Arabers Farud bittet Bushido den Sohn einer einflussreichen Familie um Hilfe: Arafat und sein kolossaler Leibwächter überzeugen die Plattenbosse nach kurzen Verhandlungen, Bushido gehen zu lassen. Mit seinem eigenen Plattenlabel, dem er den Namen ersguterjunge gibt, wird Bushido schnell zum erfolgreichsten Rapper Deutschlands. Sämtliche Medien berichten über den wilden Kerl aus Berlin, dessen Texte die Nation spalten. Während die Kritiker ihn als Verführer der Jugend schelten, nehmen ihn seine Fans in Schutz: Er predigt nicht Gewalt, er spiegelt sie nur. Bushidos Manager fädelt einen Coup ein: Die Deutschland-Tournee soll mit einem Konzert am Brandenburger Tor enden. Sogar Karel Gott hat als Special Guest zugesagt. Voraussetzung für das Großereignis ist allerdings, dass Bushido an seinem Image arbeitet und keine negativen Schlagzeilen mehr durch die Presse gehen. Trotz aller guten Vorsätze kommt es vor einer Disco zur Schlägerei. Bushido muss in Untersuchungshaft, doch mit Charme und Chuzpe kann er die Untersuchungsrichterin auf seine Seite ziehen: Statt im Knast zu verschwinden, gibt er dort ein Benefizkonzert für die Häftlinge. Kurz nach Bushidos 29. Geburtstag ist der wichtigste Tag in der Karriere des Rappers gekommen. Die Aufbauarbeiten für das Konzert am Brandenburger Tor laufen auf Hochtouren. Arafat redet seinem Schützling und Freund ins Gewissen: Frei bist du erst, wenn kein Hass mehr in deiner Seele ist. Dafür muss Bushido sich aber mit seinem todkranken Vater aussprechen und Frieden mit ihm schließen. Arafat und Bushido rasen über die Autobahn nach Düsseldorf. Glücklich empfängt der Vater seinen verloren geglaubten Sohn. Es kommt zur Aussöhnung zwischen den beiden. Der Vater äußert einen letzten Wunsch: Er will Bushidos Mutter noch an diesem Abend in die Augen schauen und sie um Vergebung bitten. Auf dem Rückweg nach Berlin geraten Arafat, Bushido und sein Vater in einen Stau. Das Abschlusskonzert vor dem Brandenburger Tor droht auszufallen. Karel Gott muss die Massen im Alleingang unterhalten, doch nach langer Ungewissheit trifft der Star schließlich in der Hauptstadt ein. Das Konzert ist ein großer Erfolg. Während die Fans begeistert ihren Star feiern, treffen hinter den Kulissen Bushidos Eltern aufeinander. Jetzt muss sich zeigen, ob auch Bushidos Mutter dem Mann vergeben kann, der die Familie vor 25 Jahren verlassen hatte.

Schauspieler:
Bushido, Fler, Kay One, Nyze, Dj Stickle, Markus, Dirk, Moritz Bleibtreu, Karoline Schuch, Elyas MBarek, Hannelore Elsner, Katja Flint, Uwe Ochsenknecht, Karel Gott

Hintergrund:
Bernd Eichinger und Christian Becker bringen für Constantin Film ZEITEN ÄNDERN DICH auf die große Kinoleinwand. Regisseur Uli Edel inszenierte in Berlin die moderne Aufsteiger-Story nach einem Drehbuch von Bernd Eichinger, das durch Bushidos Biographie inspiriert wurde. Nach CHRISTIANE F. – WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO (1981), LETZTE AUSFAHRT BROOKLYN (1989) und dem Oscar- und Golden-Globe-nominierten DER BAADER MEINHOF KOMPLEX (2008) ist ZEITEN ÄNDERN DICH die vierte Zusammenarbeit von Bernd Eichinger und Uli Edel, die sich seit ihrer Studentenzeit an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film kennen. Bushido spielt sich in ZEITEN ÄNDERN DICH selbst und hat auch die Musik zum Film geschrieben. Der junge Bushido wird von Elyas M’Barek, bekannt aus TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER, dargestellt. In weiteren Rollen sind namhafte Schauspieler wie Moritz Bleibtreu als Bushidos Freund und Berater Arafat, Hannelore Elsner als Bushidos Mutter, Mina Tander (MARIA, IHM SCHMECKTS NICHT) als die Mutter in jungen Jahren sowie Nachwuchstalent Karoline Schuch (ZWEIOHRKÜKEN, WELTSTADT, KISS AND RUN) als Bushidos Freundin Selina zu sehen. Katja Flint und Uwe Ochsenknecht spielen Selinas Eltern, Karel Gott hat einen Cameo-Auftritt als Bühnenpartner vor dem Brandenburger Tor. Auch enge Weggefährten des Rappers wirken vor der Kamera mit, darunter Fler, Kay One, Nyze, DJ Stickle, Markus und Dirk.


 

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DER ERSTE KONTAKT
Die erste „Begegnung“ von Regisseur Uli Edel und Rapper Bushido fand 2007 an einem ungewöhnlichen Ort statt: in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim. Edel verfilmte an Originalschauplätzen den BAADER MEINHOF KOMPLEX nach einem Drehbuch von Produzent Bernd Eichinger. Der Gefängnistrakt, in dem früher unter anderem die RAF-Terroristen Andreas Baader und Gudrun Ensslin einsaßen, ist heute eine Jugendstrafanstalt. „Fast alle Zellen hatten eine Gemeinsamkeit“, erinnert sich Uli Edel. „Die Wände hingen voller Bushido-Poster.“

Der Regisseur, der mit seiner Familie in Los Angeles lebt, kannte den deutschtunesischen Musiker nicht, der 1978 in Berlin als Anis Mohamed Youssef Ferchichi geboren wurde und mit zehn Goldenen Schallplatten und zwei Platin-Schallplatten der erfolgreichste deutsche Rapper aller Zeiten ist. Wohl aber ist Edel mit dem Metier durchaus vertraut. „Meine Söhne sind 21 und 22 Jahre alt und hören nichts anderes als diese Musik. Das ist fast schon religiös.“

DER BAADER MEINHOF KOMPLEX lief am 25. September 2008 in den deutschen Kinos an. Im selben Monat erschien im riva-Verlag die Biografie „Bushido“, die auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste schoss und sich dort Wochen lang hielt. Produzent Christian Becker (DIE WELLE) erkannte darin einen Filmstoff und ging mit dieser Idee zu Martin Moszkowicz, Vorstand der Constantin Film. Moszkowicz schlug Bushido ein Treffen vor.

„Das war kein großes Geschäftsessen, sondern ein unbürokratisches Treffen bei Starbucks“, sagt Bushido. „Ich trank Kakao, Martin trank einen Capuccino, und auf die Schnelle haben wir das Projekt eingetütet. Der Vertrag folgte nach weniger als einer Woche.“ In dieser frühen Phase war auch Produzent Bernd Eichinger bereits über die Bushido-Pläne der Constantin informiert. Er selbst arbeitete gerade an einem Drehbuch, das auf der Novelle „Schweigeminute“ von Siegfried Lenz basierte.

Sex, Drugs & Rock’n’Roll
Kurz nach Weihnachten 2008 rief Martin Moszkowicz Bushido in dessen Urlaub auf Barbados an. Er lud ihn nach München zum Deutschen Filmball ein. Hier teilte sich Bushido am 17. Januar 2009 einen Tisch mit Bernd Eichinger, der sich für all die Kontroversen interessierte, die Bushidos Lieder über Sex, Drogen und Gewalt in der Öffentlichkeit hervorrufen. „Die Elterngeneration hält Bushido für ihre Kinder als eine Bedrohung“, sagt der Produzent. „Das erinnert mich an die 60iger, als wir mit unserer Musik und Lebensart das Establishment verschreckten.“

Bernd Eichinger flog nach Los Angeles und stellte das Drehbuch für „Stella“ fertig, den Uli Edel inszenieren sollte. Das Projekt geriet ins Stocken, nicht zuletzt weil die ursprünglich geplante Hauptdarstellerin schwanger wurde. Jetzt besann sich Bernd Eichinger wieder auf das Bushido-Projekt. „Er rief Uli Edel an, den er seit der gemeinsamen Studentenzeit an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film kennt und mit dem er schon CHRISTIANE F. – WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO (1981), LAST EXIT BROOKLYN (1989) und den BAADER MEINHOF KOMPLEX (2008) auf die Leinwand brachte.

Uli Edel und Eichinger leben in Los Angeles praktisch Haus an Haus. So war es einfach sich über das neue Projekt zu verständigen. Schmunzelnd fügt Edel hinzu, dass auch familieninterne Gründe den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben haben könnten: „Zum ersten Mal interessieren sich meine Söhne für einen Stoff, an dem ich als Regisseur arbeite.“

Bernd Eichinger rief wieder bei der Constantin in München an und sagte: „Wenn Ihr wollt, kümmere ich mich um das Projekt. Uli Edel könnte Regie machen und ich könnte sofort das Drehbuch schreiben und wir würden ab Juli drehen.“ Martin Moszkowicz präsentierte die Idee Bushido, der keine Sekunde lang zögerte. „Das ist so, als ob Eminem bei mir anruft und fragt, ob ich Bock auf einen gemeinsamen Song habe. Klar! Da gibt es nichts zu überlegen.“

Bernd Eichinger und Uli Edel flogen gemeinsam aus Los Angeles nach München und trafen Bushido an einem Sonntagmorgen im Hotel. „Ich war die Nacht davor im P1, habe voll durchgerockt und nur zwei Stunden geschlafen“, gesteht Bushido. Für das Treffen war er aber fit genug. „Schon am nächsten Tag rief mich Bernd an und sagte, er habe alles geklärt, der Drehtermin und die ganze Mannschaft stünden bereits fest, er schreibe jetzt das Drehbuch und wir sähen uns in zwei Monaten. Das war der Startschuss.“

Das Leben als Reise
Bernd Eichinger hörte fortan unentwegt Bushidos Musik, sah sich auf DVDs und im Internet Konzerte, Preisverleihungen, Interviews und sonstige Auftritte an und studierte das Bestsellerbuch. Von der ersten Minute an wusste Eichinger, dass er keinen rein biografischen Film über Bushido schreiben und produzieren wollte. Vielmehr sollte dessen Leben als Inspiration für ein modernes Märchen dienen: „Der Film ist aufgebaut als Reise. Wir folgen Bushido auf einer Konzerttournee. Angestoßen durch bestimmte Ereignisse kommen Erinnerungen an die Kindheit, die Jugend und die jüngere Vergangenheit, wie assoziative Fetzen, in ihm hoch. So wird diese Reise auch eine Reise durch die Zeit.“

Inspiriert von Bushidos wahrem Leben erzählt ZEITEN ÄNDERN DICH, wie aus dem jungen Schulabbrecher und Drogendealer Anis Mohamed Youssef Ferchichi der Rapstar Bushido und schließlich ein Phänomen der deutschen Musik- und Medienszene wird. Zugleich ist es die Geschichte eines heranwachsenden Mannes, der sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere den Dämonen seiner Vergangenheit stellen muss.

„Ich bin mit Bushido das Drehbuch Seite für Seite durchgegangen“, sagt Bernd Eichinger. „Ich wollte nicht, dass erst später beim Drehen Diskussionen aufkommen.“ Bushido empfand die Treffen in München als sehr konstruktiv: „Wir haben uns gegenseitig die Texte vorgelesen und ich habe darauf geachtet, dass alle Dialoge, die mit HipHop zu tun haben, den gewissen Kick an Authentizität haben.“

Bernd Eichinger und Bushido waren sich schnell einig, dass ein Hauptaugenmerk auf der schwierigen Beziehung zum tunesischen Vater, der guten Beziehung zu seiner deutschen Mutter und der turbulenten Beziehung zu seinen Freunden und zu seiner großen Liebe liegen sollte.

Bushidos Welt
Nachdem das Drehbuch im Mai 2009 in der finalen Fassung vorlag, begab sich Regisseur Uli Edel mit Bushido auf eine ungewöhnliche Städtetour. „Um mich in die Multikultiszene Berlins einzuarbeiten, hat Bushido mich in seinem Wagen an die Orte gefahren, an denen er aufgewachsen ist, in denen er zu Hause ist und über die man vieles aus seiner Musik erfährt.“ Die Motivsuche führte unter anderem durch Neukölln und Schöneberg. „Ich sah auch Locations, an denen ich gern gedreht hätte, aber Bushido machte schnell deutlich, dass er sich da unmöglich blicken lassen kann“, sagt Uli Edel. „Dort regieren türkische Gruppen und Familien, die mit der arabischen Gruppe, zu der auch Bushido und seine Freunde gehören, verfeindet sind. Das ist keine Show, das ist der alltägliche Krieg, der sich in dieser Szene abspielt.“ „Dass ich mich selbst spielen sollte, habe ich nicht selbst verlangt, diesen Wunsch hat Martin Moszkowicz schon bei unserem allerersten Treffen geäußert.“

Lampenfieber hatte Bushido keins: „Mir war sofort klar, dass ich das mache und schaffe. Ich habe das Glück, dass ich oft auf der Bühne stehe, extrovertiert bin und mich keine Kamera und kein Mikrofon stört.“ Der Schauspielneuling absolvierte mehrere Proben mit professionellen Kollegen wie Moritz Bleibtreu, Hannelore Elsner, Uwe Ochsenknecht und Katja Flint, erhielt kurz vor dem Drehstart am 21. Juli 2009 aber auch allgemeine Tipps von Bernd Eichinger. „Bei einem Abendessen riet Bernd mir, pünktlich am Set zu sein, immer meinen Text zu lernen, früh schlafen zu gehen und mich abends nicht wegzuballern.“

Regisseur Uli Edel, der in seiner Karriere schon die Popstars David Bowie und Madonna als Schauspieler in Szene setzte, blickt voller Lob auf Bushidos Arbeit zurück: „Er ist ein Vollblut-Performer mit großen Ehrgeiz und sehr viel Disziplin. Er hat all unsere Erwartungen übertroffen.“ Dass Bushido textsicher war, überrascht Uli Edel kaum: „Rapper müssen für ein zweistündiges Konzert wahnsinnig viel auswendig lernen. Da dürfte ein Dialog im Drehbuch kein Problem sein.“

Rapper Kay One, der sich im Film ebenso selbst spielt wie Bushidos andere Weggefährten Fler, Nyze und DJ Stickle, muss dem Regisseur widersprechen: „Wenn Ich Texte für ein Konzert auswendig lerne, habe ich immer Rhythmus und Reime im Kopf. Der Film ist eine andere Welt. Die Texte unterscheiden sich und dann kommt noch die Mimik dazu.“

Von Anis zu Bushido
Nicht nur die schauspielernden Musiker standen vor einer Herausforderung, sondern auch die Maskenbildner: Sie mussten den 1978 geborenen Bushido für einige Rückblenden wieder in einen 20 Jahre jungen Mann verwandeln. Als größtes Problem erwiesen sich Bushidos markante Tätowierungen am Hals und an beiden Armen. Trotz dicker Schminkschichten schimmerte das satte Schwarz bei einigen Nahaufnahmen durch, weshalb die Szenen digital nachbearbeitet werden mussten.

Weder Schminke noch Tricktechnik reichten aus, um Bushido auf jene jungen Jahre zu trimmen, in denen er noch der Berliner Junge namens Anis war. Der kleine Berliner Ilyes Moutaoukkil, Sohn einer Marokkanerin und eines Rumänen, spielte den vierjährigen Anis, der beobachten muss, wie sein Filmvater auf seine Frau einprügelt. Ilyes’ älterer Bruder Emilio übernahm den Part des zwölfjährigen Anis, der in der Schule den „Erlkönig“ als Rap vorträgt und sich mit anderen Jungs prügelt.

Für die Teenagerzeit, in der Anis den ersten Joint raucht, den ersten Sex hat, die Schule abbricht und seine große Liebe Selina trifft, wurde Elyas M’Barek (DIE WELLE, TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER) als 17-jähriger Bushido engagiert: „Ich habe einfach versucht, jung zu spielen und gewisse Reifegrade auszublenden“, sagt Elyas M’Barek. „Ich trug die richtigen Klamotten, und die Maskenbildner haben morgens mit dem Airbrush meine Falten überdeckt.“

Regisseur Uli Edel wertet Elyas M’Barek als großen Glücksfall für den Film: „Er ist nicht nur ein guter Schauspieler, sondern sieht Bushido auch ähnlich und hat denselben Migrationshintergrund. Sein Vater ist zufälligerweise auch Tunesier und seine Mutter ist Österreicherin.“ Um authentisch zu klingen, setzte sich Elyas M’Barek vor jeder Szene mit Bushido zusammen, der ohnehin stets am Set war, und ließ sich vom älteren Original alle Textzeilen vorsprechen.

Täuschend echte Eltern
Für die Rolle seiner Mutter wünschte sich Bushido die Schauspielerin Hannelore Elsner, die er am 24. April 2009 nach der Verleihung des Deutschen Filmpreises kennengelernt hatte. „Sie kommt meiner eigenen Mutter vom Charakter und vom Aussehen her sehr nah“, empfindet Bushido. Hannelore Elsner sagte schon beim ersten Treffen spontan zu und wähnte sich in der Rolle einer arabischen Prinzessin aus Tausendundeiner Nacht. Erst später wurde ihr bewusst, dass Bushidos Mutter eine Fränkin aus Würzburg ist.

Auch sonst wusste Hannelore Elsner zunächst nicht viel über Bushido: „Ich kannte seine Musik nicht, ich kannte seine Texte nicht, aber ich wusste natürlich, dass er den Ruf hat, ein ganz böser Bube zu sein. Als ich ihn dann kennenlernte, entpuppte er sich als ein wunderbarer, liebenswürdiger, höflicher junger Mann.“

Bushido gibt das Kompliment zurück: „Hannelore hat meine Mutter perfekt verkörpert. Wenn sie weinte und ich sie tröstend in den Arm nahm, konnte ich kaum noch zwischen Rolle und Realität unterscheiden. Ich musste mir immer wieder sagen: Hannelore ist nicht meine Mutter, sie spielt sie nur unglaublich gut.“ Auch der gebürtige Chilene Adolfo Assor, der die Rolle von Bushidos tunesischem Vater übernahm, wusste den Rapper zu überzeugen. „Er sieht aus wie ein Zwilling meines Vaters“, sagt Bushido. „Auch ihn musste ich in den Arm nehmen und dachte die ganze Zeit nur: Oh, Therapie! Das war wirklich heftig.“

Als selbsternannter „HipHop-Fan der allerersten Stunde“ kannte Moritz Bleibtreu Bushido natürlich aus den Medien und durch ein kurzes persönliches Treffen bei der Echo-Verleihung 2008. In seinem Filmpart setzt sich Moritz Bleibtreu, er spielt „Arafat“ den Freund und Berater Bushidos, für die Karriere des deutschen Rappers ein. „Arafat ist ein besonderer Mann, der über seine Intelligenz und Eloquenz funktioniert. Er scheut aber auch nicht davor zurück, im richtigen Moment zuzuschlagen“, definiert Moritz Bleibtreu seine charismatische Rolle.

Dreharbeiten in Berlin
Gedreht wurde vom 21. Juli bis 8. September 2009 ausschließlich in Berlin. Für Produzent Bernd Eichinger erwies sich die Hauptstadt einmal mehr als Ort der nahezu unbegrenzten Möglichkeiten. „In Berlin zu drehen, ist viel besser als in vielen anderen Städten. Hier tut man alles dafür, dass wir Drehgenehmigungen bekommen.“ So fand Szenenbildner Bernd Lepel, der schon die Sets für Bernd Eichingers Großprojekte DER BAADER MEINHOF KOMPLEX und DER UNTERGANG ausstattete, auch für ZEITEN ÄNDERN DICH bildstarke Locations. Vom stillgelegten Frauengefängnis in der Kantstraße, wo Bushido sein Benefizkonzert für Häftlinge gibt, über eine Villa in Steglitz, wo Bushido seinen Antrittsbesuch bei Selinas Eltern absolvieren muss, bis zu den Kreuzberger und Neuköllner Wohnungen, die mit deutscher Einbauküche und tunesischem Wandschmuck für das Multikultileben in jenen Stadtvierteln stehen.

Die Produktion bekam sogar eine Drehgenehmigung am Brandenburger Tor und durfte den Tiergartentunnel für eine Nacht sperren. Hier richtete Szenenbildner Bernd Lepel einen Verkehrstau ein, dem Arafat, Bushido und sein Vater im Film nur durch eine rasante 180-Grad-Drehung mit ihrem Sportwagen entkommen können. Bushido stellte seinen privaten Mercedes CL AMG 63 zur Verfügung. „Du kommst dir in diesem Geschoss vor wie in einem Raumschiff“, schmunzelt Moritz Bleibtreu.

Bushido hatte für diese „Powerslide“ kein Stuntdouble. Er saß auf dem Beifahrersitz und machte sich mehr Sorgen um seine Gesundheit als um seinen 180.000 Euro teuren Wagen: „Das ist ein reiner Sachgegenstand. Wenn was passiert, guckt man, ob man das reparieren kann oder kauft sich was Neues. Außerdem war ich über die Constantin Film versichert. Das Schlimmste, was mir hätte passieren können, wäre gewesen, einen neuen CL AMG 63 zu bekommen.“

Mehr Sorge um ihr Eigentum hatten die Berliner Vertriebsbetriebe (BVG). Sie wollten dem Filmteam nicht erlauben, dass ihre U-Bahnen mit Graffiti besprüht oder auch nur beklebt werden. Die bunten Werke spielen aber eine entscheidende Rolle im Film, wenn Bushido in der Besserungsanstalt auf Fler und andere neue Freunde aus der Berliner Sprayerszene trifft. Uli Edel zog in Betracht, die betreffenden Bilder in Polens Hauptstadt Warschau zu drehen, deren U-Bahnen den Berliner Waggons ähneln. Doch Co-Produzentin Christine Rothe konnte die Umzugspläne verhindern: „Wir haben der BVG freundlich erklärt, dass wir beim Film arbeiten und hinterher auf jeden Fall eine besprühte Berliner U-Bahn im Film haben werden. Notfalls mit Computertricks.“

Das sah auch die BVG ein und war zu einem Kompromiss bereit: Die Gruppe von Sprayern, angeführt vom echten Fler, durfte auf dem Betriebsgelände der BVG eine ausrangierte Bahn besprühen. Dagegen sind die bunten Motive auf der U-Bahn, die man im Film in den Bahnhof Deutsche Oper einfahren sieht, nachträglich digital entstanden. Die Dreharbeiten an Berliner Originalschauplätzen hatten einen gefährlichen Nachteil: Nicht nur friedliche Fans versuchten einen Blick auf Bushido, Fler und die anderen Rapper zu erhaschen, sondern auch deren Gegner. Uli Edel erinnert sich: „In einem Fall wurde mit dem Maschinengewehr auf Fler geschossen. Zum Glück nur mit Platzpatronen.