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Die Affäre Film Trailer

FSK Film: Dieser Film hat die FSK Freigabe 12 Jahre
Länge: 85 Min | Kinostart: 28.01.2010 | DVD/BD: 30.04.2010 (DVD) | ©  24 Bilder | 
 
 
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Die Affäre Film Trailer: Infos & Links

Die Story zu Die Affäre Film Trailer:
Suzanne ist eine Frau um die 40. Mit ihrem Mann und ihren beiden schon fast erwachsenen Kindern führt sie ein beschauliches Leben in Südfrankreich. Das ändert sich schlagartig als sie zufällig auf den Gelegenheitsarbeiter Ivan trifft. Sie verliebt sich leidenschaftlich, möchte sich sogar scheiden lassen. Ihr Mann setzt jedoch alles daran sie wieder für sich zu gewinnen, schreckt selbst vor Drohungen nicht zurück. Doch Suzanne kämpft bis zum äußersten um ihre Liebe...

Schauspieler:
Kristin Scott Thomas, Sergi Lopez, Ivan Attal

Hintergrund:
Der neue Film der in Frankreich bekannten und erfolgreichen Filmmacherin Catherine Corsini, ist die ergreifende Geschichte einer Frau und Mutter um die Vierzig, die ihre bürgerliche Existenz, ihre Ehe und ihr Familienleben aufs Spiel setzt, um eine Leidenschaft zu leben. Die klassische Amour Fou, eine spannende Geschichte mit unsicherem Ende. Eine Frau reißt sich los aus einer normalen Ehe und ihrem Milieu und ist bereit jeden Preis für ihre vermeintliche Freiheit zu bezahlen.

Technikinfos:
Bildformat: 1,85:1; Ton: Dolby SR


 

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Interview mit Regisseurin Catherine Corsini

Die Affäre (Partir) erzählt im Grunde eine klassische Geschichte – da sind die Frau, der Mann, der Liebhaber. Was das Drehbuch letztlich so besonders macht, ist das radikale Verhalten der Frau. Sie bricht von heute auf morgen alle Brücken ab, um sich ganz ihrer Leidenschaft hinzugeben. War es das, was Ihnen Lust machte, diese Geschichte zu erzählen?
Ich denke schon. Übrigens sagte ich gleich am Anfang zu meiner Produzentin Fabienne Vonier, dass jeder Regisseur im Laufe seiner Karriere die Lust verspürt und das Bedürfnis empfindet, sich der Herausforderung einer echten Liebesgeschichte zu stellen. Ich wollte eine klassische, sehr einfache Geschichte erzählen, in der ich den Werdegang einer Frau beobachten konnte, die an jene Heldinnen erinnert, die mich zum Träumen brachten – von Anna Karenina bis Madame Bovary. Innerhalb dieses klassischen Rahmens wollte ich das Porträt einer Frau zeichnen, die ein Abenteuer wagt, die keine Kompromisse mehr eingehen will – vielleicht, weil sie an einem Punkt ihres Lebens angekommen ist, an dem sie begriffen hat, dass sie nunmehr jede Gelegenheit beim Schopf packen muss. Selbst ihre Kinder können sie nicht mehr aufhalten. Ich habe versucht zu zeigen, was Begierde ist, wie sie plötzlich in ein normales, gesittetes Leben einbricht, mit dieser Wucht, die jeden umhaut. Mir schwebte eine gradlinige, schlichte Inszenierung vor, die den Stellenwert der Sinnlichkeit und der Natur betonen sollte... Damit will ich sagen, dass die Liebe den Film jeglicher Psychologie beraubt und ihm einen urwüchsigen Impuls gibt. Den von Körpern, die sich vereinigen oder fliehen wollen – und ihm damit Triebkraft verleihen.

Der Film beginnt mit dem Ende der Geschichte. Es war Ihnen also wichtig, sofort zu zeigen, dass man Zeuge einer Tragödie wird...
Wahre Leidenschaft hat immer etwas Tragisches. Weil sie ein Stück weit egoistisch ist, grausam und blind. Und weil sie die Welt nicht wahrhaben will... was mitunter böse Folgen hat. Beim Schreiben habe ich schnell gemerkt, dass der Film mit diesem Schuss beginnen musste, der das kommende Drama erahnen lässt. Ich wollte Spannung aufbauen, der Betrachter sollte sofort spüren, dass die Helden ihre Leidenschaft wirklich ausleben – inklusive all der heftigen, schönen, unvermeidlichen, tragischen Folgen. Man weiß also von Anfang an, dass es zur Tragödie kommt, aber man weiß nicht genau, ob es sich um einen Mord oder einen Selbstmord handelt. Diese Frage bleibt offen. Der Zuschauer weiß nur, dass er Zeuge dieser Tragödie wird. Und das Wissen um diese angekündigte Tragödie lastet wie ein dunkler Schatten auf den Szenen voller Liebe und Leidenschaft. Das verleiht ihnen noch mehr Gewicht, mehr Intensität. Irgendwo lauert ständig Gefahr... Man ahnt, dass die Figuren ihrem Schicksal nicht entgehen können. Gerade deshalb ist es so faszinierend zu beobachten, wie sie damit umgehen, wie sie sich darin verlieren, wie sie es beschleunigen. Insofern könnte man sagen, dass der Film sich mit seinen Helden solidarisch erklärt, die offenen Auges auf ihr Ende zugehen, komme was da wolle. Beinahe so, als würde er ihr Tun billigen und sie dorthin begleiten, wo ihr Weg sie zwangsläufig hinführen wird. Mit dem Ende zu beginnen, es gleich am Anfang zu „verraten“, ist für einen Filmemacher sehr stimulierend. Man ist nämlich gezwungen, sich völlig auf die Inszenierung, die Handlung und die Figuren zu konzentrieren. Denn auf das Ende ist der Zuschauer ja nicht mehr gespannt.

Es gibt noch ein wichtiges Element, und das ist der soziale Kontext. Die Heldin – Ehefrau eines Arztes, die wieder als Krankengymnastin arbeiten möchte – verlässt Mann und Kinder, Wohlstand und Haus, für einen spanischen Bauarbeiter...
Diese sozialpolitische Dimension war mir sehr wichtig. Damit wollte ich zeigen, welchen Stellenwert die Frau in dieser Paarbeziehung hat. Der Film vertritt durchaus einen feministischen Standpunkt. Suzanne sitzt in der Falle, finanziell ist sie total abhängig von ihrem Mann, der – nachdem sie ihn verlassen hat – mit allen Mitteln versucht, sie zurückzugewinnen. Dazu gehört, dass er ihr alle finanziellen Mittel kappt. Dies ist die Geschichte einer Frau, die sich von ihrem Milieu losreißt, die sich emanzipiert, ungeachtet dessen, welchen Preis sie dafür zahlen muss. Ihr Haus, das wir absichtlich so kalt und streng zeigen, ist wie ein goldener Käfig. Es ist, als wäre sie all die Jahre depressiv gewesen und hätte wie unter einem Deckel gelebt. Plötzlich sorgen Liebe, Lust und Leidenschaft dafür, dass sie alles stehen und liegen lässt, dass sie sich mit Haut und Haaren in diese Beziehung stürzt, obwohl sie genau weiß, dass sie nie mehr zurückkehren kann. Die Ehe mit ihrem Mann hat etwas Muffiges. Doch bei ihrem Geliebten lernt sie wieder, sie selbst zu sein. Auf einmal steht sie einem Mann gegenüber, der für sie da ist, der sie ansieht, der ihr zuhört, der sie begehrt. Es gelingt ihr sogar, ihrem alten Leben gegenüber Gleichgültigkeit zu empfinden, obwohl sie natürlich ein sehr komfortables Leben führte. Bei ihrem Liebhaber ist zwar alles viel einfacher, dafür umso elementarer: die Begierde, die Lust, das Glücksversprechen... Auch deshalb fand ich es wichtig, die Natur zu zeigen, Lebensfreude. Wie in jener Szene, die in Spanien am Meer spielt, mit der Tochter ihres Liebhabers. Oder in der Ruine, die ihnen als Versteck dient. Es wäre falsch zu sagen, dass Suzanne der Hölle entkommen ist. Trotzdem entdeckt sie danach so grundlegende Dinge, dass sie nie wieder nach Hause zurückkehren kann. Als ihr Mann ihr verbieten will, ihn zu verlassen, zeigt sie schlagartig ihr wahres Ich. So wie andere plötzlich Aktivisten oder Widerstandskämpfer werden – häufig zu unserem größten Erstaunen, weil nichts in ihrem Wesen darauf hindeutete –, weil sie Zeuge oder Opfer einer unerträglichen Ungerechtigkeit wurden. Ich glaube, Suzanne ist selbst vom Ausmaß ihrer Begierde überrascht, von ihrer Entschlossenheit und ihrer Widerstandskraft.

Was fiel Ihnen beim Schreiben am schwersten?
Zu erreichen, dass alles in- und zueinander passte: Begierde, Leidenschaft, Spannung und sozialer Kontext. Einerseits radikal zu sein, aber nicht lächerlich zu wirken, die Geschichte mit Feingefühl voranzutreiben und zu zeigen, wie diese Frau ihren angesehen Mann für einen spanischen Arbeiter verlässt. Dafür zu sorgen, dass Gefühle und Emotionen stimmig bleiben...

Das Drehbuch haben Sie nicht allein geschrieben...
Stimmt. Am Anfang arbeitete ich einen Monat mit Gaëlle Macé zusammen; anschließend lange Zeit allein, und dann traf ich mich mit Antoine Jaccoud, der mit Ursula Meier das Buch zu „Home“ geschrieben hatte und sich bestens darauf versteht, Geschichten zu strukturieren, und ganz zuletzt mit Emmanuelle Bernheim. Emmanuelle verfügt über eine große Sensibilität und hat das Drehbuch mit vielen subtilen Details und wahrhaftigen Emotionen bereichert.

Wussten Sie schon beim Schreiben, dass Kristin Scott Thomas Suzanne spielen würde?
Ja. Ich hatte Fabienne gesagt, dass ich endlich mal für einen ganz bestimmten Schauspieler schreiben wollte. Bei dieser Rolle dachte ich sofort an Kristin. Ich schrieb zunächst acht, zehn Seiten und bat sie um ein Treffen. Dabei sagte sie mir, dass die Figur und das Thema sie interessierten. Also machte ich mich mit Kristin im Kopf an die Arbeit. Vor 20 Jahren wollte ich sie schon einmal für einen Fernsehfilm engagieren, aber zu meinem großen Bedauern wurde nichts daraus.

Warum wollten Sie unbedingt mit ihr arbeiten?
Weil sie mich fasziniert. Sie hat etwas Mysteriöses, besitzt eine eiskalte Schönheit, wirkt beinahe hart. Aber es schimmert auch eine gewisse Melancholie durch, und die macht sie verletztlich. Sie war die Idealbesetzung für diese Frau aus der Oberklasse, deren kühle Fassade Risse und eine gewisse Verzweiflung offenbart... Mit ihr zusammen wollte ich das zeigen. Ich wusste ja, dass sie fähig ist, Emotionen und Verwirrung aufs Unglaublichste herauszuspielen. Man muss nur mal auf diese allmählichen, kaum wahrnehmbaren Veränderungen in ihrem Gesicht achten. Zunächst wirkt sie sehr passiv, fast schon resigniert. Bis letztendlich, wenn sie ihren Mann erschießt, diese sagenhafte Entschlossenheit in ihren Zügen liegt. Was Sergi Lopez betrifft, so fiel er mir fast zwangsläufig für die Rolle des Liebhabers ein. Ich hatte bereits mit ihm gearbeitet, und diese Erfahrung wollte ich schon lange wiederholen. Er ist ein angenehmer, pflegeleichter Schauspieler, der gut zuhören kann. Ich mag seine beruhigende Ausstrahlung, seine Erotik, seine Körperlichkeit. Seine Rolle setzt sich aus unzähligen feinen Details zusammen. Er spielt einen Mann, der sich nie beschwert, obwohl er weiß, dass er sich auf der falschen, der Verliererseite befindet. Über die Besetzung des Ehemanns habe ich lange nachgedacht, bevor mir Yvan Attal in den Sinn kam. Natürlich kannte ich seine Arbeit, aber erst, als ich ihn in „Le Serpent“ sah, wurde er für mich ein potentieller Kandidat. Plötzlich fiel mir wieder ein, dass ich ihn und Kristin bereits vor mehr als 20 Jahren als Paar besetzen wollte. Es ist angenehm, mit ihm zu arbeiten. Er ist hellwach, und es ist ihm gelungen, diesen Provinzbürger in all seiner Komplexität darzustellen, mit seinem dicken Auto, seinem schönen Haus, seiner attraktiven Frau, seinen wohlgeratenen Kindern, der aber plötzlich sein wahres Gesicht zeigt: Diese Frau gehört ihm – und deshalb ist es undenkbar, dass sie ihn verlässt. Er hat eine archaische Seite. Er will seiner Frau verbieten, sich zu entlieben. Das macht ihn zugleich monströs und verletzlich. Wie bei einem narzistischen Kind, das nicht verlieren kann, wird die Sache für ihn zu einer Frage der Ehre. Dass seine Frau ihn ausgerechnet wegen eines solchen Typs verlässt – ein Arbeiter, der im Gefängnis saß – ist für ihn, diesen kleinen Großbürger, fast demütigender als alles andere. Und so verwandelt er sich von einem zivilisierten Bourgeois in einen furchtbaren Manipulator, einen Peiniger. Mit einemmal wird ihm seine Macht bewusst, die zwar all die Jahre schlummerte, aber seiner Klasse eigen ist, und er zögert nicht, sie zu benutzen.

Suzanne und Ivan sind Ausländer. War Ihnen das bei diesem Liebespaar wichtig – vielleicht, weil es ihrer Begegnung, ihrer gemeinsamen Geschichte eine zusätzliche Bedeutung verleiht?
Ja. Es ist doch kein Wunder, dass sie einander begegnen. Die Provinzstadt, in der sie leben, ist nicht ihre Heimat, sie haben dort keine Wurzeln. Warum Begierde entsteht, ist immer geheimnisvoll. Aber die Tatsache, dass sie sich begegnen und sich dann förmlich aneinander festklammern, hat zwangsläufig mit ihrer Herkunft zu tun, damit, dass sie Ausländer sind.

Die Geschichte wird aus dem Blickwinkel der Heldin gezeigt. Wir weichen nie von ihrer Seite. Wie so oft in Ihren Filmen, ist es auch hier eine entschlossene, radikale Frauenfigur, die die Geschichte vorantreibt...
Ich weiß. Ich nehme mir ständig vor, einen Mann zur treibenden Kraft zu machen, aber dann wird es doch wieder die Heldin. Was vermutlich daran liegt, dass es Heldinnen sind, die mich dazu gebracht haben, Filme zu drehen, all diese leicht lädierten, gebrochenen Heldinnen, die ein folgenreiches Rendezvous mit ihrem Schicksal haben... An Suzanne mag ich ganz besonders ihren Mut. Sie kann nicht heucheln, ist unfähig zu lügen. Sie gesteht ihrem Mann sehr schnell: „Ich habe mich verliebt“. Dann versucht sie sich einzureden, dass sie dieser Liebe abschwören kann, aber es gelingt ihr nicht. Also geht sie und lässt alles hinter sich. Nicht einmal die Tatsache, dass sie ihren Lebensunterhalt als Kassiererin bestreiten muss, empfindet sie als demütigend. Sie ist zu allem bereit. Weil sie weiß, dass ihr Platz von nun an an der Seite ihres Geliebten ist, ungeachtet der Konsequenzen. Suzanne hat eine kompromisslose, zielgerichtete Seite. In dieser Hinsicht ähneln sich vermutlich all meine weiblichen Figuren. Sie sind kompromisslos, direkt, und sie folgen ihren Gefühlen, wo immer das auch hinführt. Im übrigen resultiert daraus manchmal eine Komödie wie in meinem Film „Die neue Eva“, oder – wie hier – ein Drama.

Die Handlung spielt im Sommer in Südfrankreich, und das Licht ist sehr schön. Es unterstreicht die Sinnlichkeit der Leidenschaft und der Glücksmomente. Andererseits führt es einem die Tragödie noch stärker vor Augen...
Wegen des Lichts und der Wärme habe ich mich für Nîmes entschieden. Wir drehten dort im Sommer 2008, mitten im August. An manchen Tagen herrschte eine Hitze, die unerträglich war. Einer der Darsteller meinte sogar, dass es mir nur deshalb gelungen sei, ihnen bestimmte Dinge zu entlocken, weil sie wegen der großen Hitze nicht mehr wussten, wo ihnen der Kopf stand! Ich war allerdings überglücklich, weil ich genau nach diesem Klima gesucht hatte, das die brennende Leidenschaft der Protagonisten zusätzlich anfacht. Der Schauplatz musste sich auch für diesen Kurztrip eignen – der Geliebte reist ja einmal zu seiner Tochter nach Spanien –, musste also in Grenznähe liegen. Außerdem gibt es in Nîmes, wie in vielen anderen Städten, diese bürgerlichen Viertel, die – fast schon abgeschottet – etwas außerhalb liegen, während es auf der anderen Seite der Stadt die Arbeitervororte gibt. Zwei Welten, die sich nicht mischen...

Sie arbeiten zum vierten Mal mit der Kamerafrau Agnès Godard zusammen. In welcher Hinsicht ergänzen Sie sich?
Ich weiß, dass sie Schauspielerinnen ganz wunderbar filmt, und dass sie auch bei Liebesszenen ein sehr feines Händchen hat. In meinem Film sollten die Liebesszenen roh und zugleich schön aussehen. Darauf kam es mir an, und außerdem wusste ich von ihr, dass sie ein Licht auf Zelluloid bannen würde, das die Sinnlichkeit des Films steigern und die Unruhe schüren würde. Diese Liebesgeschichte musste sublimiert werden, sie musste Anmut und Schönheit besitzen. Gleiches galt für die Landschaften. Agnès ist Kamerafrau aus Leidenschaft. Weil wir uns gut kennen, verbindet uns eine große Nähe, und das, obwohl wir sehr unterschiedlich und manchmal sogar verschiedener Meinung sind. Wir können über dieselben Dinge lachen, und oft haben wir gleichzeitig Lust auf dieselbe Einstellung. Am Set verstehen wir uns ohne viele Worte. Wir reden über alles, bevor es losgeht, dann denken wir viel über die Kulissen nach, die Bildausschnitte, die Kameraführung...

Worauf kam es Ihnen bei der Inszenierung ganz besonders an?
Auf Kameramätzchen zu verzichten und vieles in Totalen zu zeigen. Das sollte ein Gefühl von Freiheit erzeugen und die Chance eröffnen, in Ruhe hinzusehen, zu beobachten; so wollte ich den Szenen Zeit geben, sich zu entwickeln, zu atmen. Bei den meisten Sequenzen habe ich kaum geschnitten. Ich wollte, dass die Liebenden das Bild für sich haben und sich darin entfalten können. In den Szenen mit Suzanne und ihrem Mann ist Druck zu spüren, deshalb werden hier die einzelnen Einstellungen immer kürzer. Bei Kristin und Sergi ließ ich die Kamera einfach laufen. Aber ich war extrem aufmerksam, ich wollte ihnen dabei ja etwas ‘stehlen‘. Das war nicht immer leicht, denn gerade Kristin ist es nicht gewohnt, auf diese Weise zu arbeiten. Sie will immer genau wissen, was sie tun muss. Mir dagegen macht es bei manchen Szenen Spaß, dafür zu sorgen, dass die Schauspieler den Boden unter den Füßen verlieren und aus dem Gleichgewicht geraten.

Was erwarten Sie von Ihren Darstellern?
Die Bereitschaft, sich fordern zu lassen. Sie sollen sich nicht auf ihrem Können ausruhen. Ich will, dass sie auf der Hut sind. Ich versuche stets, hinter ihr Geheimnis zu kommen, ihre Brüche aufzudecken. Ich will sie auf eine Reise mitnehmen, ihre Methode zerstören, falls sie eine haben, möchte sie in Gefahr bringen. Man hofft ja immer, dass sie einem etwas schenken werden, was sie noch keinem anderen Regisseur geschenkt haben. Dass zwischen ihnen und der Figur, die sie spielen, etwas geschieht, dass dabei etwas Wahrhaftiges entsteht. Rivette sagte mal, dass ein Film immer auch eine Reportage über eine Persönlichkeit ist. Er hat recht. Häufig fällt einem das aber erst beim Schnitt auf. Als ich PARTIR geschnitten habe, stellte ich zum Beispiel fest, dass man bei manchen Aufnahmen Kristins Herz pochen hörte.

Sie benutzen Musik, die Georges Delerue und Antoine Duhamel ursprünglich für Filme von François Truffaut komponierten. Eine augenzwinkernde Hommage?
Mehr als das. Ich liebe diese Musik über alles! Bevor es CDs gab, habe ich sie im Kino mit meinem Kassettenrecorder aufgenommen. Mein Cutter Simon Jacquet unterlegte die Musik von Delerue zunächst probeweise bei einer, dann zwei, schließlich drei Szenen. Und es war pure Magie! Sie funktionierte so phantastisch, dass ich nicht mehr darauf verzichten wollte. Außerdem gab sie dem Film eine zusätzliche romantische Dimension. Wir beschlossen also, die Musik drin zu lassen, und ich war sehr bewegt, als wir die Rechte daran bekamen.

Das Ende ist ein richtiges Kinoende...
Das Ende gibt dem Ganzen einen Sinn. Und es gehört dem Regisseur. Ich mag Filme, in denen am Ende die Liebe triumphiert – allen Prüfungen zum Trotz, auch wenn die Helden kurz darauf sterben sollten. Man weiß zwar, es ist alles umsonst... und dennoch! Das macht alles nur noch ergreifender. Natürlich ist dieses Schema sehr konventionell. Aber der Vorteil bei Geschichten dieser Art besteht darin, dass es sich um Filme handelt, die man immer wieder drehen und neu erfinden und bis in alle Ewigkeit anders aufbereiten kann. Gerade deshalb stellen sie die Regie auch vor besondere Herausforderungen. Wir träumen alle davon, leidenschaftliche Geschichten zu erleben. Und was wir uns im wahren Leben häufig versagen, können wir im Kino nacherleben. Sehnen wir uns nicht alle nach solchen schwindelerregenden Momenten...