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Die Misswahl: Filmkritik

 
 

Im Jahr 2020 ist die feministische Bewegung kaum mehr wegzudenken. Deren Anfang in Großbritannien widmet sich der Film „Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution“ mit Keira Knightley und Jessie Buckley.

Dass der von Eric Morley organisierte Schönheitswettbewerb rund um Badeanzüge einmal solche Wellen schlagen sollte, hätte er sich wohl selbst kaum erträumen können. Doch der plötzliche Erfolgsboom, führte dazu, dass der einst nur für Bademode ausgerufene Wettbewerb zum wohl größten Schönheitswettbewerb der Welt werden sollte - dem Miss-World-Wettbewerb. Fortan war die Bademode zweitrangig und es galt nichts geringeres, als die schönste Frau der Welt zu küren.

Philippa Lowthorpes Film spielt hierbei im Jahr 1970. Das Jahr wählte man keinesfalls zufällig, denn wie der Film ausführlich beleuchtet, gibt es zwei Highlights in jenem Jahr. Abseits der groß angelegten Demonstration rund um eine feministische Gruppierung, treten auch zum ersten Mal zwei dunkelhäutige Frauen beim Wettbewerb an, wobei eine den Preis sogar nach Hause holen sollte.

Allein (die Welt) erziehend

Im Fokus der Erzählung steht die von Keira Knightley gespielte Protagonistin Sally Alexander. Sie selbst hat durch Einschränkungen während ihres Studiums und als alleinerziehende Mutter schwer mit den Folgen des Patriarchats zu kämpfen. Bei einem Vortrag kommt sie erst zögerlich in Verbindung mit dem Women’s Liberation Movement, mit dem sie künftig Plakate druckt und Demonstrationen plant. Doch der anbahnende Quotenhit, die Misswahl, setzt der Gruppierung ein neues Ziel. Gemeinsam versuchen sie, in friedlicher Absicht, den Abend im Hinblick auf die Rechte der Frauen zu sabotieren.

Mit „Die Misswahl“ gelingt es Regisseurin Philippa Lowthorpe, die Aufbruchsstimmung und die Ursprünge der noch immer andauernden Feminismus-Debatte aufzugreifen. Dabei versteift man sich nicht zu sehr auf dem Hauptaspekt der Geschichte, sondern gibt, gerade der Protagonistin, genug Zeit eine eigene Geschichte zu entwickeln. Keira Knightleys Figur der Sally Alexander, welche real existiert, wirkt daher zutiefst authentisch. Ihre Motive wirken real und nahbar und ihre Reaktionen, wie auch die der Gruppierung rational.

An Klasse kann der Film zudem durch die gleichzeitig geführte Debatte um Rassismus gewinnen. Das bremst man gleichzeitig jedoch durch zu wenige Hintergründe aus. Zwar liefert man genug Hintergrundinfos, um mit der Protagonistin mitfühlen zu können, doch bleiben die Teilnehmer des Wettbewerbes nur sehr blass gezeichnet. Das Leiden einer der dunkelhäutigen Teilnehmerinnen wird so nur in einer Schlüsselszene deutlich. Als diese erklärt, dass sie ohne die Teilnahme ihre Familie nicht wiedersehen könne, verdeutlicht man zwar die Tiefe, doch gibt dem zu wenig Raum.

Fazit:

Philippa Lowthorpe gibt uns mit „Die Misswahl“ einen guten Einblick darin, wie die Aufbruchsstimmung in den 1970er Jahren war. Durch die starke Besetzung von Keira Knightley und Jessie Buckley wird die Geschichte gut getragen und bietet viel Stoff zum Nachdenken, ohne jedoch zur sehr zu belasten. Schwächen hat der Film hauptsächlich durch die zum Teil fehlenden Einblicke in die Hintergründe mancher Charaktere. Wer allerdings beispielsweise „Das Portrait einer jungen Frau in Flammen“ oder „Suffragette“ mochte, wird auch mit diesem historischen Drama gut unterhalten.

"Die Misswahl" läuft ab dem 01. Oktober 2020 im Kino.

Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution

Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution

KINODramaKinostart: 01.10.2020  Trailer

London, 1970: Sally Alexander (Keira Knightley) hat es satt, als Frau ständig benachteiligt zu werden. Insbesondere der alljährliche „Miss World“-Wettbewerb steht für sie sinnbildlich für ein veraltetes Frauenbild. Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution.


 
 

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FILM.TV-Check: 80%


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HOT:

+starker Cast

+wahre Begebenheiten

NOT:

-zu wenige Hintergründe

-weicht etwas von der Geschichte ab


 

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Autor: Nils Zehnder | Gesprächswert: 80%