Chuck Und Larry Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 12

Laufzeit: 110 Minuten

Originaltitel: I Now Pronounce You Chuck And Larry

Schauspieler: Adam Sandler, Kevin James, Jessica Biel, Richard Chamberlain, Dan Aykroyd, Steve Buscemi, Ving Rhames

Dass Feuerwehrmänner einen zweifelhaften Ruf genießen ist nichts Neues. Larry Valentine und sein bester Freund Chuck Levine sind jedenfalls trotz aller Zweifel stolz, dem New York Firedepartment anzugehören. "Lebend reingehn und lebend wieder rauskommen" ist ihr Motto, das sie Tag für Tag zu befolgen versuchen. Zumindest bis zu diesem schicksalshaften Tag, als beide bei einem Einsatz beinahe ums Leben kommen. Dem Tod gerade nochmal von der Schippe gesprungen zieht Witwer und allein erziehender Vater Larry alle Register: Im Sinne seiner Kinder will er diese im Falle seines Ablebens als Begünstigte seiner Lebensversicherung sehen. Da eröffnet sich ihm nur ein unerwartetes Problem: Nach Versäumen der einjährigen Überschreibungsfrist der Versicherung nach dem Tod seiner Frau muss er nun zumindest eine eheähnliche Gemeinschaft vorweisen, um seine Kinder finanziell abzusichern. Und genau in dem Moment fällt ihm der Gefallen ein, den sein Freund Chuck ihm für die Rettung seines Lebens versprochen hat. Weil ein Feuerwehrmann nunmal zu seinem Wort steht, gehen die beiden besten Freunde einen folgenschweren Bund ein, der ihnen den misstrauischen Beamtenschnüffler Fitzer auf den Hals jagt. Probleme und Anpassungsschwierigkeiten an den neuen, ungewohnten Lebensstil liegen auf der Hand und so wird nicht nur die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe gestellt: Das Firedepartment und letztlich ganz New York sehen sich mit dem neusten homosexuellen Paar konfrontiert und nicht jedem sagt die offenbar über alle Maßen gewachsene Freundschaft der beiden Feuerwehrmänner zu...

Storyline:  70%

Komödien zeichnen sich selten durch eine komplexe Handlung aus, der Zuschauer soll ja auch belustigt und nicht verwirrt das Kino verlassen. So auch hier. Der zu verfolgende Strang ist einfach und nur schwer zu verlieren: Die beiden Freunde Larry und Chuck heiraten, um letztlich Versicherungsbetrug zu begehen und müssen im Folgenden den Schein der Homosexualität wahren, was natürlich eine Menge Probleme mit sich bringt. Dann tritt zu allem Unglück auch noch die verführerische Anwältin Alex McDonough in das Leben der Beiden und die Scharade ist zum Scheitern verurteilt. Also ein Handlungsplot, der einer Komödie angemessen ist. Regisseur Dennis Dugan hat dabei allerdings den Versuch unternommen, Motive wie Freundschaft, Ehrlichkeit oder Toleranz - um nur einige Beispiele zu nennen - in das Gesamtgeschehen miteinzuflechten. Für eine Komödie etwas ungewöhnlich, denn meist steckt entweder überhaupt keine oder nur eine einzige Moralvorstellung in solchen Unterhaltungsfilmen. Dass ihm der Versuch gründlich misslungen ist, kann man so nicht sagen. Es ist vielmehr schade, dass von diesem ganzen Fass voll Tugenden, das er dem Kinobesucher hier öffnet, dem Zuschauer letztlich nur wenig zu Kopf steigt. Kein optimales Rezept, denn nur Toleranz und die Freundschaft von Chuck und Larry bleiben im Gedächtnis. Die restlichen Aspekte dagegen wurden nur verdünnt und zu kurz behandelt, sodass sie auch gleich hätten weggelassen werden können. Dennoch ist dieser Versuch dem Regisseur hoch anzurechnen, denn "Chuck Und Larry" stellt nicht nur eine einfache Komödie dar, sondern beinhaltet gleichzeitig auch eine  Anklage an die moderne (amerikanische) Gesellschaft. Zwar scheint der ganze Film seinen Humor auf den ersten Blick nur auf Kosten der Schwulen aufzubauen und deren Lebensstil sogar lächerlich machen zu wollen. Doch die Toleranz, die Homosexuellen entgegengebracht werden soll, sticht spätestens am Ende des Filmes als DAS Hauptmotiv heraus, sodass "Chuck Und Larry" in gewisser Weise einen belehrenden, pädagogischen Charakter hat.

Action/Fesselfaktor:  15%

Actioncharakter hat die Komödie wie die meisten anderen ihres Genres allerdings nicht. Nach dem Feuerwehreinsatz am Anfang des Filmes bleiben weitere wirklich actionreiche Momente aus. Lediglich den ein oder andere Schlag Chucks bzw. Larrys ins Gesicht eines "Schwulenhassers" könnte man als Action interpretieren. Aber "Chuck Und Larry" lebt eben nicht von Schlägereien, genausowenig von Spannung. Diese ist angesichts der Tatsache, dass Komödien seit jeher sowohl auf Leinwand als auch auf Papier ein gutes Ende nehmen, auch in diesem Fall sehr gering ausgefallen. Der Film basiert eben auf dem Humor-Element, wie es für zwei Comedian-Hauptdarsteller wie Kevin James und Adam Sandler auch üblich ist. "Hau Drauf"-Comedy bekommt man in Filmen wie "Rush Hour 3" serviert; hier werden allerdings überwiegend Wortgefechte ausgetragen.

Specialeffects/Technische Umsetzung:  30%

Action und Specialeffects hängen nicht selten sehr eng zusammen. Logischerweise kann der "Stirb Langsam 4.0"-Fan hier lange suchen, sich auf den Kopf stellen und sonstwas unternehmen: Es gibt einfach keine Spezialeffekte! Und es ist doch auch so: Übertriebene Effekthascherei hätte hier rein gar nichts zu suchen gehabt und noch weniger zum Filmganzen beigetragen. Die Feuerhölle zu Beginn war das einzige, wofür die Effektleute engagiert worden sind und diesen Job haben sie zufriedenstellend und authentisch erfüllt. Ansonsten gäbe es höchstens die unzähligen heißen, leichtbekleideten Frauen - Jessica Biel alias Alex McDonough allen voran - , an denen sich die zwei Hauptdarsteller die Finger hätten verbrennen können. Das zu schaffen wäre angesichts der echt wirkenden Feuerwehrausrüstung und den naturgetreuen -Fahrzeugen allerdings eine Kunst gewesen. Das mit den Verkleidungen für den Ball zusammengenommen lässt den Maskenbildnern und dem Kostümpersonal in diesem Film also eine weitaus wichtigere Rolle zukommen, als der Spezialeffektcrew.

Besetzung:  80%

Wer Kevin James und die Sendung, mit der er berühmt geworden ist, kennt, wird bald feststellen, dass er nicht das einzige Requisit aus "King Of Queens" ist. Zwei weitere Darsteller wurden in eine Nebenrolle importiert: Zum einen Kevins Halbbruder Gary Valentine, der in "Chuck Und Larry" zur Abwechslung mal einen Feuerwehrmann statt des Lieferwagenfahrers "Danny Heffernan" spielt. Dieser Charakter wird hier bis zum Ende beibehalten, auch wenn er äußerst selten etwas sagt. Zum anderen die Schauspielerin Rachel Dratch, die in "King Of Queens" ebenfalls mehrere Auftritte als "Denise" hat. Ihre Rolle beschränkt sich in diesem Film allerdings nur auf eine kurze Szene, in der sie hinter einen Schreibtisch geklemmt Larry die Hiobsbotschaft von der abgelaufenen Überschreibungsfrist verkündet. Kevin James, der dritte im Bunde und vermutlich auch der Grund, warum die beiden eben genannten besetzt wurden, hat hier mehr noch als in "Hitch - Der Date Doktor" die Rolle des "Doug Heffernan" auf diesen Film übertragen. Zwar tritt er unter anderem Namen auf, aber sein komödiantisches Verhalten unterscheidet sich nicht wesentlich von "Dougs", er kann sein Ding also voll ausleben. Allerdings mit Einschränkungen. Denn sein Charakter ist nicht ganz so verantwortungslos und kindisch angelegt wie in "King Of Queens". Hier übernimmt er die Rolle eines sorgenden Vaters, der seit dem Tod seiner Frau allein mit seinen nicht ganz so normalen Kinder zurechtkommen muss. Er hält sich also mehr zurück und zeigt eher die hilflose Seite, verfällt manchmal sogar in Tränenausbrüche wegen seiner verstorbenen Frau. Die Rolle des trauernden Ehemannes kauft man ihm dabei nicht ohne Vorbehalt ab, zumindest wenn man von seiner Rolle als Doug zu sehr geprägt ist. Die restliche Zeit sorgt er aber schon für eine Menge Lacher, wobei etwas mehr noch auf das Konto von Adam Sandler gehen. Dieser folgt seiner Comedy-Berufung und reißt einen Witz nach dem anderen, selbst wenn er gerade mal wieder dabei ist, eine neue Bettgesellschaft aufzureißen. Auch er geht in seiner Rolle als Chuck Levine auf wie ein Hefeteig im Ofen. Die beiden männlichen Hauptdarsteller leisten insgesamt sehr gute Arbeit und tragen wohl maßgeblich zum Charme des Filmes bei, aber auch die weibliche Seite weiß zu überzeugen. Jessica Biel, zuletzt in Next mit einer Hauptrolle bedacht, geizt ganz und gar nicht mit ihren Reizen und bringt darüber hinaus noch eine großartige schauspielerische Leistung. Schauspielerisch gilt Ähnliches für Steve Buscemi, der als Clinton Fitzer den beiden heterosexuellen Schwulen das Leben schwer macht. Schon allein sein Gesicht prägt die Rolle in einer gelungenen Weise, sodass er den "Bösewicht" mehr als zufriedenstellend mimt. Film-Urgestein Dan Aykroyd versucht zwar oft vergeblich witzig zu sein, verkörpert den Feuerwehrhauptmann dafür aber umso authoritärer und glaubwürdiger.

Funfaktor:  80%

Bei besagter Hauptdarstellerbesetzung kann man schon erahnen, was die Stärke von "Chuck Und Larry" sein wird. Und tatsächlich stellt der Dualismus James - Sandler den zentralen Rotationspunkt der Komödie dar. Mindestens 80% der Lacher dürften aus Wortgefechten der beiden stammen. Wie schon gesagt ist es dabei vor allem Sandler, der voll aufblühen kann, wohingegen James hauptsächlich einstecken muss und nur wenig austeilen kann. Die ständigen Witze über Larrys Übergewicht geben schon einen Hinweis darauf, um welchen Humor es sich großenteils handelt: Fäkalhumor. Witze über Sex, Gummipuppen und "Schwuchteln" machen die überwiegende Mehrheit von Chucks Kommentaren aus. Dabei zündet nicht jeder Gag, aber bei dieser Konzentration von Blödeleien, wo selten eine einzige Minute ohne respektloses Gerede vergeht, kann man einfach nicht anders als irgendwann zu lachen. Auffällig werden unzählige schwule Klischees verarbeitet, von der weibischen Seite des Mannes bis hin zur berüchtigten Duschszene, in der die Seife runterfällt. Dazu kommen noch zahlreiche Running-Gags wie z.B. die Gummipuppe, der zusammenbrechende Stuhl, Chucks Nörgelei daran, dass ihn alle für die Frau in der Beziehung halten und und und...Es wird vielfältig Grund zum Lachen geboten, wer die Chance nicht wahrnimmt ist selbst schuld. Natürlich hat man mit hohen Humoransprüchen in "Chuck Und Larry" ein gewisses Problem, denn das Niveau ist doch recht niedrig. Aber im Laufe des Filmes sollte selbst dem Anspruchvollsten ab und zu mal ein Lachen abverlangt werden, es ist nur eine Frage der Zeit.

Taschentuchquote:  40%

Eine Komödie, die zum Weinen bringt? Theoretisch wäre das hier möglich. Aber nur unter der Voraussetzung, dass man Kevin James vorher noch nie in seiner Rolle als Doug Heffernan gesehen hat. Zu gegensätzlich und unvereinbar wirken die beiden Charaktere: Der trauernde Ehemann, der nach Jahren noch beim Anfassen des Kleides seiner Frau in Tränen ausbricht und der blödelhafte Lieferwagenfahrer, der in seinem Leben höchstens mal Lachtränen vergossen hat. Insofern fällt das emotionale Mitgefühl in den meisten Fällen wohl eher klein aus, zu sehr steckt James noch in der Rolle des Doug. Dennoch ist es nicht ganz ausgeschlossen, dass man als Nicht-"King Of Queens"-Kenner den Griff zum Taschentuch tun muss. Nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich, denn das Erzeugen von Lachern ist die größere Stärke des Filmes.

Soundkulisse:  50%

Genauso wie Regisseur Dennis Dugan eine Fülle von Tugenden und Moralvorstellungen in "Chuck Und Larry" zu vermitteln versucht, baut er unterschiedlichste Musikstile in den Film ein. Glaubt man nach der Anfangssequenz eine von Hip-Hop geprägte Produktion vor sich zu haben, schwenkt der Sound in der Mitte des Filmes plötzlich auf 60er Jahre um und kommt über Discomusik schließlich zu einem rockigen Finale. Über weite Teile des Filmes erklingt zwar überhaupt keine Musik, da der Film wohl keinen eigens komponierten Soundtrack hat, sondern sich auf schon erschienene Musiktitel stützt. Dafür passt sich die Verschiedenheit der Stile aber umso besser in den Filmzusammenhang ein. Die Qualität der Soundkulisse mag man sehen wie man will, ganz unpassend ist sie aber sicher nicht.

Ähnliche Filme

Was man hier wohl an erster Stelle nennen muss ist leider kein Film, sondern eine Serie. "King Of Queens" mit mindestens 3 bekannten Gesichtern aus "Chuck Und Larry" ist dafür prädestiniert. Wer Hauptakteur Kevin James noch nicht gekannt hat, sollte ihn in der mittlerweile 9-staffeligen Comedy-Serie etwas besser kennen lernen. Und das lohnt sich wirklich! Auch wenn der Humor etwas anders gestrickt ist, da bisher kein Adam Sandler einen Auftritt hatte, sind die Konstellationen und die Situationskomik in "King Of Queens" einsame Spitze. Um auf einen Film mit James verweisen zu können, muss gar nicht weit zurück gegangen werden. Erst 2005 erschien "Hitch - Der Date Doktor", in dem Kevin James an der Seite von Will Smith als "Albert" seine erste große Hauptrolle in einem Film spielte. Die beiden Filme unterscheiden sich jedoch etwas in der Seriösität ihres Humores, bei "Hitch" wird weniger Fäkalsprache verwendet. Fans von Adam Sandler haben etwas mehr Auswahl, da dieser auf eine etwas längere Filmographie zurückblicken kann. Beispiele wären z.B. "Die Wutprobe" mit Jack Nicholson, "50 Erste Dates", in dem Kevin James einen Gastauftritt hat und "Klick".

Fazit

Ob homo- oder heterosexuell, Feuerwehrmann oder Pyromane: Wer einen lustigen Film sucht, kann sich bei "Chuck Und Larry" sicher sein, dass er nicht ohne mindestens einmal gelacht zu haben das Kino verlässt. Auch wenn man zunächst den Verdacht hegt, dass jeglicher Humor nur auf Kosten der Homosexuellen geht, wird sich bei genauerem Hinschauen der Blickwinkel ändern. Regisseur Dennis Dugan versucht hier nicht nur eine Komödie zu inszenieren, er versucht gleichzeitig auch die gesellschaftlichen Zustände bezüglich der oft fehlenden Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben anzukreiden. Es gelingt ihm zwar nicht vollständig, all seine eingebauten Moralvorstellung reibungslos zu transportieren und das Mitfühlen mit Larry Valentine fällt schwer. Aber die beiden Hauptdarsteller Kevin James und Adam Sandler wissen über alle Maßen zu überzeugen. Selbst denjenigen, denen der oft angewandte Fäkalhumor nicht zusagt, werden doch in anderer Situationskomik Grund zum Lachen finden. Insgesamt ein Film, der ohne viel Action und Spezialeffekte auskommt, was aber nichts daran ändert, dass er zu mindestens 75% empfehlenswert ist.

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers





 


 
 

Surftipps: User, die hier waren, besuchten übrigens auch diese Seiten:

 
 

Meinungen zu "Chuck Und Larry Filmkritik von Florian Hösch"