Das Bourne Ultimatum Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 12

Laufzeit: 111 Minuten

Originaltitel: The Bourne Ultimatum

Schauspieler: Matt Damon, Julia Stiles, Joan Allen, Edgar Ramirez, David Strathairn, Scott Glenn, Albert Finney

Nach drei Jahren der Flucht geht für Matt Damon alias Jason Bourne endlich die Jagd und damit die Bourne-Trilogie zu Ende. Denn Geheimagenten leben gefährlich. Und noch gefährlicher Leben solche, die zum Staatsfeind Nr. 1 deklariert wurden und dabei eigentlich kaum über die eigene Vergangenheit bescheid wissen. Da ist es verständlich, dass Bourne nicht nur den festen Entschluss gefasst hat, seine Rolle als CIA-Sündenbock loszuwerden, sondern auch mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen. Doch nicht jede Entscheidung ist so einfach in die Tat umzusetzen. Ein amerikanischer Geheimdienst, der um die Geheimhaltung eines illegalen Projekts besorgt ist, ist zu allem entschlossen. Und so setzt CIA-Frontmann Noah Vosen alles daran, die entgleiste Ein-Mann-Armee Jason Bourne aus dem Verkehr zu ziehen und ist dabei bereit, über Leichen zu gehen. Mit einer Horde von Feinden und Attentätern im Rücken gibt es auch in Großstädten wie London, Paris, Madrid und Turin nur selten einen Moment der Erholung und fast noch weniger Freunde, auf die man sich verlassen kann. Da scheint Bournes frühere Bekanntschaft Nicky Parsons die einzige Person zu sein, der er vertrauen kann. Schließlich muss er seiner so lange gesuchten Vergangenheit aber ganz alleine gegenübertreten und bekommt Dinge enthüllt, die ihn so kurz vor dem Ende noch an sich selbst zweifeln lassen...

Storyline:  85%

Wenn man den Blick über die zahlreichen Trilogieabschlüsse diesen Jahres schweifen lässt, können einem im Vorfeld durchaus Zweifel an der Qualität von "Das Bourne Ultimatum" kommen. Diese bleiben aber nur solange bestehen, wie man den Weg ins Kino scheut. Denn da gibt es schon klare Unterschiede, die das Ende der Bourne- vom Ende der Oceans 13- oder Fluch der Karibik-Trilogie relativ stark abgrenzen. Schon storytechnisch kann man hier sicherlich von keinem Qualitätsabfall sprechen, wie das bei anderen Filmfortsetzungen diesen Sommer der Fall war. Im Vergleich zu "Die Bourne Verschwörung" ist die Güte der Story eher noch eine Klasse noch oben gestiegen, was schon den Hinweis auf einen ausgereiften Film gibt. Das Gesamtziel von Jason Bourne ist die ganzen 2 Stunden über klar, denn es ist im Grunde das gleiche wie in den Vorgängern geblieben: Herausfinden wer er wirklich ist und sich aus seiner leidigen Jäger-Beute-Situation befreien. Wenn man sich an diesem roten Faden festhält, kann man selbst als Zuschauer, dem die ersten beiden Teile entgangen sind, einem verständlichen Weg zum Ziel folgen. Die genauen Details über das vorher Geschehene fehlen zwar großenteils, aber in den Rückblicken und Flashbacks werden die wesentlichen Aspekte der Vorgänger aufgezeigt. So muss man letztlich auf jeden Fall nicht komplett mit einem Fragezeichen das Kino verlassen, denn die Haupthandlung liegt im Bereich des Verständlichen. Die ständigen Verfolgungsjagden - der Film ist eigentlich eine einzige Verfolgungsjagd - können zwar etwas linear wirken, dafür ist aber in der Personenkonstellation ein Ausgleich geschaffen. Die Sicherheit zu sagen, wer Freund oder Feind ist, ist eigentlich nie gegeben. Man kann einen Attentäter von Anfang an als böse abstempeln - in den letzten Minuten kann der Eindruck nochmals geändert werden. Die Vorhersehbarkeit anderer Filme fehlt hier fast völlig. Leute, die man als bis zum Ende Überlebende einstufen würde, sterben noch vor der Mitte des Filmes. In "Das Bourne Ultimatum" ist also Abwechslung und vor allem ein Höllentempo geboten.

Action/Fesselfaktor:  95%

Und was für ein Tempo geboten ist! Wenn mal ein Moment ohne nennenswerte Action vergeht, dann ist es wohl eine der CIA-Büroszenen, die dafür aber wiederum die Spannung voran treibt. Die meiste Zeit über ist Jason Bourne allerdings damit beschäftigt, seine Fitness zu demonstrieren und in Menschenmengen, auf Häuserdächern oder in Bahnstationen vor feindlich gesinnten CIA-Spitzeln zu fliehen. Und nur selten könnte man sagen, dass er zur Ruhe kommt; sehr wenige Verschnaufpausen sind dem gejagten Agenten zwischen seinen Reisen rund um den Globus gegönnt. Dabei lässt sich Matt Damon natürlich von kaum etwas aus der Ruhe bringen: Örtliche Polizeistreifen werden einfach im Gewimmel der Großstädte abgehängt, mordlustige Auftragskiller in gewohnter Kampfroutine spektakulär außer Gefecht gesetzt. Actiongeladener könnte ein Film kaum sein! Durch das irrsinnige Tempo, das die Handlung hier vorlegt, bleiben außerdem nur wenige Momente, in denen die Spannung mal nachlässt. Zudem fehlt wie schon gesagt die Vorhersehbarkeit vieler Szenen, sodass man bis zum Schluss mehr oder minder im Ungewissen darüber gelassen wird, welches Schicksal Jason Bourne erwartet. Insgesamt also fast spannender als ein Griff in die Steckdose! Es ist wirklich selten einen Film mit solch einer grandiosen Mischung aus fließend übergehender Action und Spannung zu sehen. Da hat Paul Greengrass zusammen mit seinen Drehbuchautoren einwandfreie Arbeit geleistet und voll ins Schwarze getroffen. Dieser Punkt hier ließe sich ewig ausbauen, kann aber die wirkliche Leistung des Filmes in seiner Gesamtheit kaum widerspiegeln.

Specialeffects/Technische Umsetzung:  80%

Ähnlich genial sind die Specialeffects. In der ersten halben Stunde des Filmes hält Greengrass damit zwar noch ziemlich hinter dem Berg. Lediglich ein paar Schießerein und Flashbacks tragen zur Actionförderung bei. Aber ca. ab der Mitte bis zum Ende hin wird immer mehr aufgetrumpft und zunehmend mehr fürs Auge geboten. Die ein oder andere Explosion, demolierende Kämpfe in einer Wohnung und eine Massenkaramboulage mit ähnlichen Ausmaßen wie in "Stirb Langsam 4.0" sorgen für überaus befriedigendes Actionfeeling auf der Grundlage von Spezialeffekten. Aber es kann eben auch nicht alles perfekt sein, einen Streitpunkt gibt es meistens. Mit Blick auf so ziemlich alle Flucht- und besonders die Kampfszenen zwischen Bourne und Desh fällt vor allem die sehr eigenwillige Kameraführung ins Auge, wie sie in den Vorgängern auch schon zu beobachten war. Eine Handkamera kann zwar die Hitze des Gefechts sehr passend einfangen, reiht Bilder dafür aber auch sehr unübersichtlich aneinander, sodass sich der Zuschauer mitunter wirklich anstrengen muss, alle Abläufe genau mitzubekommen. Zwischendurch wären andere Kameratechniken der Übersichtlichkeit wegen durchaus willkommen gewesen. Im Sinne der Kontinuität der Bourne-Trilogie ist diese Kameraführung wohl zu verkraften und zu verschmerzen. Dafür können die Filmemacher mit authentischer Computer- und Überwachungstechnologie der CIA glänzen, auch wenn nur die Wenigsten wirklich wissen, welche Möglichkeiten der Central Intelligence Agency zur Verfügung stehen. Deshalb kann über die Echtheit der im Film gezeigten Technik auch nur spekuliert werden, sie scheint jedoch glaubwürdig und relativ realitätsnah. Ziemlich realitätsfern dagegen erscheinen viele Stunts. Dass Bourne ohne Konditionseinbrüche in jeder Großstadt Marathonfluchten hinlegt mag ja noch auf seine ausgezeichnete körperliche Fitness zurückzuführen sein. Wenn Damon aber durch geschlossene Fenster springt, von seinem Widersacher in Glasschränke gestoßen wird und am Ende mit nicht mehr als einer kleinen Verletzung an der Hand dasteht, kann der normale Zuschauer schonmal dem Verdacht erliegen, Nietzsches Übermensch wäre Wirklichkeit geworden. Der größte Kritikpunkt am ganzen Film ist wirklich der oft fehlende Realitätsbezug: Spätestens seit Galileo oder den Mythbusters weiß man, dass bei einem Sturz aus einer gewissen Höhe das Wasser wie Beton wirkt. Dementsprechend unrealistisch ist es, wenn ein Angeschossener vom 10. Stock eines Gebäudes in den nahe gelegenen Fluss springt und überlebt. Da haben die Schöpfer von "Das Bourne Ultimatum" schon kräftig übertrieben, die Spezialeffekte an sich sind dafür aber wirklich in Ordnung.

Besetzung:  90%

Genauso in Ordnung sind eigentlich ohne Ausnahme die Schauspieler in "Das Bourne Ultimatum". Es gibt keine Stelle, an der man sagen könnte, dass ein Darsteller gepatzt hätte. Matt Damon liefert wie schon in den Vorgängern eine überaus überzeugende Leistung ab. Auch wenn er in seiner Rolle als Jason Bourne bzw. David Webb oft nicht der gesprächigste ist, bringt er die Zwickmühle, in der sich sein Charakter befindet, ohne Probleme rüber. Wieder mal zeigt er, dass ihm auch ernste Rollen ohne Bedenken anvertraut werden können und, dass er in ihnen ebenso gut aufgeht wie in eher unseriösen Rollen - man denke an "Oceans 13". David Strathairns Verkörperung des CIA-Chefs Noah Vosen nimmt man ihm ohne größere Probleme ab, ebenso überzeugen Edgar Ramirez und Joey Ansah als ruchlose Attentäter. Zusammen mit den beiden weiblichen Hauptdarstellern Julia Stiles und Joan Allen hat man eine wirklich fähige Schauspielercrew vor sich, über die man sich nicht beschweren kann.

Funfaktor:  -

Logischerweise ist dieser Punkt recht schnell abzuhandeln. Mit "Das Bourne Ultimatum" hat man einen Film vor sich, der auf Action und Spannung ausgelegt ist. Bei einem so wahnsinnigen Actiontempo wie man es hier sieht, wäre Komik wahrscheinlich sehr fehl am Platz und würde nur unnötig die spannungsgeladene Atmosphäre stören. Lediglich die Szenen, in denen Jason Bourne in Tanger von einem Fenster ins nächste springt und an überraschten Bewohnern vorbeihechtet, können zum Schmunzeln anregen. Ansonsten ist keine gezielte humoristische Unterhaltung geboten. Aber Action an sich kann ja auch Fun machen.

Taschentuchquote:  -

Genau wie eben schon ist auch hier vereinfachend zu sagen, dass die andauernde Action schlicht und ergreifend schwer dazu geeignet ist, zu Tränen rührende Emotionen zu transportieren. Durch die emotionale Nähe zu Jason Bourne, die man im Laufe der Filme eventuell aufgebaut hat, ist es aber doch nicht auszuschließen, dass man den ein oder anderen gerührten Augenblick durchlebt. Die Rückblicke zu seiner entrissenen Liebe, seine verzweifelte Suche nach seinem richtigen Namen und seiner Vergangenheit und vielleicht vor allem das befreiende Ende wären Beispiele hierfür. Wer sich in Jasons Lage hineinversetzt kann sich wahrscheinlich wirklich ein ums andere mal emotional berührt fühlen. Für hartgesottene "Beobachter" bleiben die mitgebrachten Taschentücher aber nur unnötiger Ballast.

Soundkulisse:  70%

Die alten Fragen: Wie muss ein Soundtrack beschaffen sein, damit man ihn als gut oder herausragend bezeichnen kann? Und: Gibt es seit "Fluch der Karibik" überhaupt noch Soundtracks, die sich zu Recht als außergewöhnlich bezeichnen lassen? Nun, außergewöhnlich ist die Soundkulisse hier sicher nicht, schlecht oder mittelmäßig aber auch auf keinen Fall. Hier haben wir ein Beispiel für eine der besseren Kompositionen. Von "Fluch der Karibik" - Niveau zwar noch weit entfernt, untermalt die Musik hier gekonnt die Verfolgungsjagden und steuert sicherlich einen nicht unerheblichen Teil zur Spannung bei. Fast ständig präsent - und dabei nicht nur im Hintergrund - wäre der Sound kaum wegzudenken. Und sollte man den Versuch wagen, sich den Film völlig ohne Sound und nur mit Flucht- und Kampfszenen vorzustellen, dann würde sicher sehr schnell auffallen, dass irgendwas gewaltig fehlt. Also: Ein Lob an John Powell!

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Wie schon vorhin hervorgegangen ist, wäre es wie bei jeder Trilogie äußerst sinnvoll, vor dem Kinogang einen Gang in die Videothek anzutreten und sich die Vorgänger "Die Bourne Identität" und "Die Bourne Verschwörung" auszuleihen. Die Kenntnis der Vorgeschichte sollte den Spaß am ohnehin schon ausgezeichneten Film noch weiter erhöhen, was sicher nicht verkehrt sein kann. Gewisse Ähnlichkeit haben die Bourne-Filme auch zur James Bond-Reihe, allerdings auch Unterschiede: Beide, James Bond und Jason Bourne, sind zwar Agenten, nur ist Bond stets aktiv im Dienst und darauf bedacht, die Probleme mit seinem eleganten Stil zu lösen. Letzterer hingegen ist sein eigener Boss und praktiziert ein nicht ganz so feinfühliges Geschäftskonzept. "Stirb Langsam 4.0" könnte dank gewisser Parallelen auch als Vergleich herangezogen werden, allerdings fällt da das Agentenkonzept flach, da Bruce Willis einen Polizisten und beileibe keinen Geheimagenten mimt. Die reine Thematik der Flashbacks erinnert eventuell noch an "Butterfly Effect", der Rest des Filmes dreht sich aber um etwas komplett anderes. Für Flashback-Fans wär dieser Thriller aber eine mögliche Alternative.

Fazit

Der Kinosommer neigt sich dem Ende zu. Doch nachdem das Trilogiefieber fast schon abgeklungen ist, wird mit "Das Bourne Ultimatum" unerwartet nochmal der stärkste Hitzeschub nachgeliefert. Scheinbar kommt das Beste wirklich zum Schluss. Der Film hat so ziemlich alles, was ein hervorragender Action-Thriller haben muss: Unglaublich packende Action gepaart mit ständig anhaltender Spannung mit der richtigen akkustischen Untermalung, fähige Schauspieler, überzeugende Spezialeffekte und authentisch wirkende technische Kniffe. Zudem bietet "Das Bourne Ultimatum" eine Story, die fast noch besser als die ihrer Vorgänger ist. Trotzdem ist nicht alles perfekt. Denn die ein oder andere Szene ist übertrieben unrealistisch dargestellt und über die Kameraführung lässt sich streiten. Ansonsten ist Paul Greengrass hier ein Film gelungen, bei dem man zwar nicht besonders Lachen oder Weinen, dafür aber umso besser mitfiebern kann! Ich kann euch den Film zu 90% empfehlen.

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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