Die Simpsons Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 6

Laufzeit: 87 Minuten

Originaltitel: The Simpsons Movie                                                                                                                                              

 

18 Staffeln, 400 Folgen, Millionen begeisterter Fans. Da ist es doch höchste Zeit für einen Film zur mit Abstand erfolgreichsten Zeichentrickserie der Welt. Das Warten hat ein Ende! Am 26. Juli - und damit sogar einen Tag früher als in den USA - fand die gelbköpfige Familie Simpson endlich ihren Weg in die deutschen Kinos. Viel wurde im Vorfeld spekuliert, ob die Originalität und Klasse der ca. 22-minütigen Folgen mit Erfolg auf einen fast vier mal so langen Film ausgedehnt werden kann. Dabei wurde die Story zu einem beinahe ebenso gut gehüteten Geheimnis, wie bis vor kurzem der Inhalt von Harry Potter 7. Die Handlung des neuen Simpsons-Movies ist aber im Grunde relativ einfach: Nach einer Vision von Grampa deuten immer mehr Zeichen auf das von ihm prophezeite Unheil hin. Urheber des Verderbens? - Wie könnte es anders sein: Der kahlköpfige, von Überbiss geplagte Homer Simpson, der in seiner gewohnten Schusseligkeit und Sorglosigkeit nicht nur dem ohnehin schon schadstoffbelasteten Lake Springfield den Rest gibt, sondern auch seinen Sohn Bart in die Arme des Vorbildvaters Ned Flanders treibt. In Folge seines unüberlegten Handelns wird das nicht mehr ganz so idyllische Städtchen Springfield als Stadt mit der höchsten Umweltbelastung in das Sichtfeld der amerikanischen Regierung gerückt. Vom Chef der EPA bekommt der überaus kompetente Präsident fünf mögliche Lösungsvorschläge vorgelegt und prompt findet sich die Unglücksfamilie Simpson unter einer weitläufigen, gläsernen Kuppel gefangen - zusammen mit dem nicht unerheblich gereizten Rest der Stadt. Durch Glück gelingt den Simpsons die Flucht ins ferne Alaska. Doch die Probleme in Springfield sind bei weitem noch nicht gelöst und den Einwohnern droht eine noch größere Gefahr. Wer soll sie nur vor dem sicheren Untergang bewahren?

Storyline

Klassisch müsste auch der die Suppe auslöffeln, der sie den anderen eingebrockt hat. Das ist hier letztlich auch der Fall. Homer vollzieht während seiner Odyssee durch die vielen vermeidbaren Unfälle und Unglücke, wie es in der Serie oft vorkommt, einen Sinneswandel und entscheidet sich schließlich doch für den richtigen Weg. Dabei verliert sich der Film aber keineswegs in endlosen Nebenhandlungen. Nein, er hält sich sogar recht nahe an das Konzept der normalen Simpsons-Folgen: Nach einer kurzen Exposition, die im Normalfall noch nicht auf die Verstrickungen im weiteren Verlauf schließen lässt, folgt der eigentliche Kern des Konfliktes. Auch in "Die Simpsons: Der Film" ist es so, dass der heraufbeschworene Zwist um die Stadt Springfield aus den Geschehnissen am Anfang mehr oder weniger unersichtlich ist. Die Lösung des Ganzen erfolgt hier wie in einer typischen Episode beim Happy End und markiert die Rückkehr zum Status Quo, bei dem wieder alles so wie zu Beginn ist. Der Aufbau der Story lässt sich also allemal an den gewohnten Simpsonmaßstäben messen, der Film ist praktisch eine geschickt aufgeblähte Episode. Der Inhalt des Filmes allein ist auch nicht so sehr einfallslos, wie man nach der 18. Staffel hätte vermuten können. Er behandelt immerhin aktuelle Themen wie Umweltschutz und man merkt ihm deutlich die politische Kritik an, wie sie auch in der Serie selten zu vermissen war. Allerdings treten einige kleine Unstimmigkeiten im Vergleich zu vergangenen Folgen auf. So ist der Handlungsstrang, der die Annäherung von Bart und Flanders beinhaltet, für eingefleischte Simpsons-Fans wahrscheinlich etwas schleierhaft, da Bart und Lisa in einer früheren Episode im Hause Flanders alles andere als glücklich waren. Aber von solchen Kleinigkeiten abgesehen ist die Story von "Die Simpsons: Der Film" durchaus auf akzeptablem Simpsons-Niveau und bietet vor allem einen ausgezeichneten Rahmen für die zahllosen Witze und Anspielungen, die kleine Mängel in der Story wieder mehr als wett machen.

Action/Fesselfaktor

Die Story bietet aber nicht nur eine gute Grundlage für den Humor des Filmes, sie bettet auch die ein oder andere Actionsequenz mit ein. Und dabei ist der Film auch keine Enttäuschung, bei weitem nicht. Denn in den 87 Minuten geht es oft deutlich heißer zu, als in sogut wie jeder bisher gezeigten Folge der Simpsons. Immer mal wieder wird eine wagemutige Aktion Homers eingestreut. Springfield allein ist den ganzen Film über ohnehin ein lodernder Krisenherd, dessen Konflikte schon ein ums andere mal Action - wenn man das bei einem Zeichentrickfilm so nennen darf - mit sich bringen. Aber Actionheld des Filmes ist sicherlich Homer, der mit seiner ungeschickten und unvorsichtigen Art nicht nur waghalsige Motorradkunststücke vollführt, sondern auch bei seinen alltäglichen Aktivitäten ungewollte Showeinlagen miteinbaut. Alles in allem fliegen hier mehr Fetzen als in der Serie und man kann trotz des zu erwartenden Happy Ends gespannt mitfiebern.

Zeichnungen/Technische Umsetzung

Von der 1. bis zur 18. Staffel hat sich der Zeichenstil und das Aussehen der Charaktere bekanntlich ziemlich drastisch geändert. Aber wenn man glaubt, dass die neueste Staffel den zeichnerischen Höhepunkt darstellt, ist man mächtig auf dem Holzweg. Denn nachdem man den Film gesehen hat, wirkt selbst das scheinbar erquickende Gelb der neuesten Staffel fahl und fast schon antik. Das erhöhte Budget macht sich überdeutlich bemerkbar. Noch nie kamen Homer, Marge und alle anderen Springfieldianer so plastisch und lebendig rüber wie in "Die Simpsons: Der Film". Selbst das Gelb von Homers Glatze erscheint noch gelber als sonst und speziell der Fackelschein des aufgebrachten Springfielder Pöbels wirkt überaus naturnah. Das hat nun natürlich wie fast alles zwei Seiten. Einerseits ist es für Einsteiger in das Simpsonsuniversum schöner anzuschaun, wenn Homer in einer feiner animierten Umgebung auf seinem Feuerstuhl seine Runden dreht. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass sich viele Veteranen um den alten Zeichenstil betrogen fühlen könnten und im Extremfall Augenkrebs befürchten. Besonders wenn man die Staffeln 1 bis 10 vor Augen hat, muss man sich an den neuen Style der Darstellung erstmal gewöhnen. Aber mit ein bisschen gutem Willen sollte auch dies gut möglich sein. Die Simpsons definieren sich eben nicht über die Art ihrer Zeichnung, sondern über den Inhalt und die verarbeiteten Themen der Folgen. Dabei ist es egal, ob die Figuren nun sehr einfach oder sehr aufwendig gezeichnet sind. Auch wenn die Animationen schöner wirken, ist die Handlung doch der entscheidende Faktor für die Qualität einer Simpsonsfolge oder eines -filmes.

Figuren

Nicht nur das Aussehen der Hauptcharaktere hat sich gegenüber der Serie verändert, sondern auch die Charakterzüge von einigen Mitgliedern der Chaosfamilie. Homer ist zwar zweifelsohne plump und gedankenlos wie eh und je, allerdings erscheint er nicht mehr als der hirnlose Vollidiot, wie er das in den jüngsten Staffeln zu tun pflegte. Trotz seinen überstürzten und unbedachten Handlungen, die letztlich nicht nur seine Familie ins Verderben stürzen, tritt er wieder als missverstandener Familienvater auf. Trotz seines Egoismus will er nur das beste für seine Familie, wie seine Rettungsmission am Ende des Filmes ja unschwer beweist. Ihn auf den rechten Weg zurückzuführen ist wie gewohnt zum Hauptteil wieder mal die Aufgabe von Marge. Sie fungiert wie üblich als eine Stimme des Gewissens für Homer und ist von keiner großen Änderung der Rollenvorgabe betroffen. Bart dagegen, der sich von seinem Vater zunehmend entfremdet, legt in "Die Simpsons: Der Film" einige neue Charaktereigenschaften an den Tag. Von seinem Rowdy-Dasein ist nicht mehr viel zu erkennen. Wenn man die Serie nicht kennt, wird man ihn vielleicht gar nicht als den Unruhestifter, der er ist, wahrnehmen. Im Film ist er vielmehr die ganze Zeit über auf der Suche nach Vaterliebe, die ihm Ned Flanders mehr entgegenbringt als sein eigener Vater. Hier tritt also ein etwas "verweichlichter" Bart auf, der so nur selten bis gar nicht in den bisher 400 Folgen der Simpsons zu sehen war. Seine Schwester Lisa dagegen bleibt ihrem Konzept treu und zeigt das gewohnte Maß an sozialem Engagement. Sie ist dabei teilweise etwas nervig und ihre Verliebtheit in den irischen Jungen sieht mehr nach Kitsch als nach Liebe aus, aber solche Seiten ist man ja schon von ihr gewohnt. Das jüngste Kind schließlich, Maggie, tritt ein bisschen mehr in den Vordergrund und ist nicht mehr ganz so passiv wie in den meisten Episoden. Vielleicht wird sie ja doch langsam erwachsen?

Funfaktor

Ob erwachsen oder nicht, man wird sich oftmals kaum auf seinem Sitz halten können. Denn wenn "Die Simpsons: Der Film" eine Stärke hat, dann ist es die unglaubliche Konzentration an Witz und Humor, die dem Film innewohnt. Im Gegensatz zu so mancher Komödie wird hier kein plötzlicher Einbruch an Humor verzeichnet. Der Anfang ist schon lachergeladen und so bleibt es beinahe ausnahmslos die ganzen 87 Minuten lang. Brüller folgt auf Brüller, Lacher auf Lacher, bis man Teile des nachfolgenden Dialoges vor Lachen kaum noch mitbekommt. Man denke nur an die einmalige nackt-Skateboard-fahr-Szene von Bart, an die Audienz bei Mr. Burns oder an die Hunde-peitsch-Szene im eisigen Alaska - einfach große Klasse. Einen Film mit einem solch konstanten Niveau an Witzen, bei dem die Stimmung im Kino kaum abfällt ist einerseits selten und andererseits bemerkenswert. Aber nicht nur selbstgeschaffene Gags prägen das Gesicht des Filmes, auch die Anspielungen sind wie in der Serie ja auch eine wichtige Teilkomponente des Humors. Der Länge des Filmes entsprechend kommen natürlich mehr als in jeder bisherigen Folge vor. Die politikparodierende Darstellung des sehr minderbemittelten Präsidenten Schwarzenegger, Anspielungen auf Spiderman, Harry Potter, Cinderella und Bambi und Szenen, die verdächtig an Herr der Ringe, American Pie oder den Hauptmann von Köpenick erinnern sind typischer Simpsonhumor und einfach zum Heulen komisch. Mit Worten ist das Ausmaß der Spritzigkeit dieses Filmes schwer zu beschreiben, wenn man mal wieder herzhaft lachen will gibt es keinen Film, in dem man besser aufgehoben wäre.

Taschentuchquote

Bei einem Film, der sich so sehr auf seinen Humor stützt, kommt natürlich mit hoher Wahrscheinlichkeit die Emotionalität zu kurz. Aber ob sie wirklich zu kurz kommt, sei mal dahingestellt. Denn bei so einem Unterhaltungswert durch ständig zuschnappende Gagfallen wird man Tränen wohl kaum vermissen - die Taschentücher werden ohnehin eher zum Trocknen der Lachtränen gebraucht. Außerdem kann der geneigte Zuschauer immerhin emotional ein wenig von Lisas Liebschaft oder Homer und Marges drohender Trennung profitieren. Aber wie gesagt kann man hier besser Lachen als Weinen.

Soundkulisse

Hans Zimmer. Woher kennt man diesen Namen? Ja, richtig! Er war derjenige, der sich für die Soundtracks von "Fluch der Karibik" 2 und 3 verantwortlich zeichnet. Aber mit dieser Erkenntnis muss man nicht gleich befürchten, dass ein epischer Trompetendonner mitten im Dialog zwischen Homer und Bart losbricht. Es sind zwar leichte Ähnlichkeiten zum "Fluch der Karibik"-Soundtrack zu hören, diese sind aber nicht derart auffällig, dass der ganze Film an Identität verliert. Der Sound drängt sich dafür nicht stark genug in den Vordergrund, obwohl er durchaus annehmbar ist. Der Auftritt von Greenday, die die Simpsonsmelodie mal auf eine andere Weise einspielen ist gleich zu Beginn eine nette Abwechslung zur gewöhnlichen Startmelodie jeder Simpsonsfolge. Dankenswerterweise hat Groening diesmal zugunsten des Greenday-Auftrittes auf die üblichen Gesangseinlagen der Springfieldianer verzichtet, die mitunter doch sehr stören können. Soundtechnisch ist "Die Simpsons: Der Film" überwiegend wirklich sehr zufriedenstellend, selbst an die anfangs störende Engelke-Stimme von Marge kann man sich im Laufe des Filmes gewöhnen.

Ähnliche Filme

Da die Filmindustrie in letzter Zeit bekanntlich auf einer Welle von Animationsfilmen mitschwimmt und kaum noch Zeichentrickfilme im Kino zu sehen sind, ist es schwierig, aktuelle Vergleichsmöglichkeiten zum ersten Simpsons-Film zu finden. Aber selbst wenn man ältere Filme hernimmt, wie z.B. einen der zahlreichen Disney-Filme der Vergangenheit, wird man keinen finden, der vom Konzept mit dem Simpsons-Film zusammenzubringen wäre. Im Free-TV wäre höchstens neben der Originalserie "Die Simpsons" auf "Southpark" zu verweisen. Diese Serie hat eine ähnliche Aufmachung; eher schlicht gezeichnet und gesellschaftskritisch eingestellt.

Fazit

Viele Zweifler beäugten kritisch die Adaption einer so erfolgreichen Zeichentrickserie wie "Die Simpsons" in einen Film. Das Ergebnis, das Matt Groening und sein Team vorzuweisen haben, widersteht aber jeder Kritik und wird so manchen Zweifler zum Film-Fan machen. Auch wenn die neuen, detaillierteren Zeichnungen von "Die Simpsons: Der Film" auf den ersten Blick für einen altgedienten Simpsons-Fan ungewohnt erscheinen mögen, gewöhnt man sich doch relativ schnell daran. Die etwas simple Story bietet allerdings wesentlich mehr Action und vor allem bedeutend mehr Gags als die Serie. Vor allem diese Unzahl an Gags und Witzen machen den Film zu einem Kinoerlebnis der Extraklasse, den man sich als Simpsons-Neuling und als Simpsons-Veteran noch weniger entgehen lassen sollte. Macht absolut gelbsüchtig!

 

Florian Hösch

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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