Elizabeth - Das Goldene Königreich Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 12

Laufzeit: 114 Minuten

Originaltitel: Elizabeth: The Golden Age

Schauspieler: Cate Blanchett, Clive Owen, Geoffrey Rush, Tom Hollander, Samantha Morton, Rhys Ifans

England im 16. Jahrhundert: Während die jungfräuliche Königin Elizabeth I. vom englischen Thron aus eine streng anglikanische Politik verfolgt, braut sich nicht unerhebliches Unheil zusammen: Die gefangene Maria Stuart spinnt mit ihren Thronfolgeansprüchen zunehmend ein Netz aus Intrigen um die Krone Englands. Innere und äußere Feinde Elizabeths kooperieren und das mit deutlich steigender Aggression. Spanien steht schon halb auf Kriegsfuß und die politischen Beziehungen spannen sich. Bei all den intriganten Gefahren täte es der Königin gut, einen kühlen Kopf zu bewahren. Doch gerade da taucht der englische Freibeuter Walter Raleigh in der englischen Hauptstadt auf und bringt die Gefühlswelt der jungfräulichen Königin ins Schwanken. An Elizabeths neuem Günstling stört jedoch vor allem eines: Die meisten spanischen Handelsschiffe, die seinen Weg von der neuen Welt heimwärts kreuzten, liefen nie in ihren Heimathäfen ein...

Storyline: 70 %

Beschriebener Inhalt lässt es schon vermuten: Bei "Elizabeth - Das Goldene Königreich" handelt es sich um ein historisches Drama. Daher ist vor allem die Frage von Interesse, wie genau die geschichtliche Grundlage im dramatischen Rahmen umgesetzt wurde.

Von den Verwicklungen her dürfte der historische Bezug wohl weitgehend gewahrt sein: Es fallen weder grobe Schnitzer im historischen Handlungsverlauf noch Ungereimtheiten in den umgesetzten Intrigen auf. Man kann dem Film also weitgehende Geschichtskonformität einräumen, auch wenn sicherlich besonders um Walter Raleigh einiges dazugedichtet wurde. Ob seine Beteiligung an der abschließenden Seeschlacht historisch zutrifft oder ob sein Wirken am Königshof der wirklichen Geschichte entspricht ist wohl stark anzuzweifeln. Der Stoff findet insgesamt jedoch eine geschickte dramatische Umsetzung.

Dabei ist aber nicht alles Gold, was glänzt. Der größte Kritikpunkt ist sicherlich die einseitige Darstellung der konkurrierenden Seiten. England wird durchgehend eine Art Heldencharakter zugeschrieben, während Spanien und Maria Stuart als aufmüpfige Bösewichte rüberkommen. Diese bereitwillige Einteilung in "gut" und "böse" stellt die Glorie Englands zwar unmissverständlich da, verleiht dem Film aber ein stark übersteigertes Pathos.

Die Frage, wie nun die unterlegene englische Flotte das Schlachtenglück zu ihren Gunsten wenden konnte, bleibt bis zum Schluss offen. Wer sich mit der historischen Schlacht nicht auskennt, wird aus dem Film selbst wohl nie eine befriedigende Antwort finden. Der plötzlich aufziehende Sturm und die überraschend fliehende spanische Armada ergeben an sich jedoch keinen wirklichen Sinn.

Action/Fesselfaktor: 40 %

Die eben genannte Schlacht am Ende des Filmes ist auch der einzige Anflug von Action. Neben einigen Mord-, Folter- bzw. Hinrichtungsszenen wird für ein Drama typisch vor allem auf Dialoge Wert gelegt. Die wenigen Actionszenen wurden dafür aber insgesamt recht schön umgesetzt.

Mit der Spannung verhält es sich nicht ganz so beschränkt. Bis auf den Schluss kommt zwar kaum Action-Spannung auf, dafür knistert es aber in den Dialogen. Gesetzt den Fall man kennt als Zuschauer nicht den historischen Verlauf, so kann man sogar einem relativ ungewissen Ende entgegenfiebern.

Trotz weitgehend fehlender Action ist also dennoch ein gewisses Maß an Spannung vorgegeben. Diese zieht einen nicht unbedingt gnadenlos in ihren Bann, ist aber immerhin für einige wenige elektrisierende Momente gut.

Specialeffects/Technische Umsetzung: 55 % 

Gemäß dem Mangel an Action ist nur mit wenigen Spezialeffekten zu rechnen. Hierzu lässt sich einzig die Armada der Briten und Spanier zählen, die besonders im brennenden Zustand einiges hergibt.

Bedeutsamer ist hier der Blick auf die Kostüme. Die sind nämlich nicht nur schön anzusehen, sondern vor allen Dingen zum großen Teil dem Zeitpunkt der Geschichte angemessen. Ob Königinnenkleid oder Herzogskluft - es bildet sich eine lebhafte Atmosphäre heraus, die das 16. Jahrhundert wenigstens für knapp zwei Stunden wieder zum Leben erweckt.

Die Kameraführung unterstützt hierbei das höfische Geschehen durch Nahaufnahmen von Gesichtern und allgemeiner Übersichtlichkeit. Bis auf wenige zweifelhafte Einstellungswinkel ein sehr befriedigendes Ergebnis.

Besetzung: 85 %

Der große Glanzpunkt von "Elizabeth - Das Goldene Königreich": Die überaus hohe schauspielerische Leistung.

Die Starbesetzung hat sich ihre sicher nicht unerheblichen Gagen verdient. Speziell Cate Blanchett und Geoffrey Rush erweisen sich ihrem Ruf als hervorragende Charakterdarsteller wieder einmal würdig.

Blanchett verkörpert die englische Königin Elizabeth I. zugleich königlich und menschlich, wobei im Verlauf des Films vor allem die menschliche Seite mit ihren Schwächen überhand gewinnt. Ihre Rolle füllt sie schauspielerisch auf jeden Fall gut aus und verleiht ihr auch eine entsprechende Tiefe.

Für Geoffrey Rush gilt Ähnliches. Als etablierter Charakterdarsteller schafft er es ebenfalls seiner Rolle Sir Francis Walsingham den nötigen Tiefgang zu verleihen und auf der ganzen Linie zu überzeugen.

Clive Owen ist nun zwar nicht im selben Maße durch seine schauspielerische Leistung bekannt wie die beiden vorherigen, lässt als Walter Raleigh aber trotzdem keinen Zweifel an seinen Fähigkeiten aufkommen.

Bis auf ganz wenige Ausnahmen also Schauspielerei vom Feinsten!

Funfaktor: 10 %

Zum Lachen ist im Handlungsverlauf eher weniger geboten. Neben einigen minder lustigen königlichen Witzen wäre nur der Auftritt des österreichischen Herzogs zu nennen, der durch seine langatmig-unfähige Ausdrucksweise besticht. Dabei ist aber zu bedenken, dass in der Originalfassung ein Österreicher den verzweifelten Versuch unternimmt, die englische Sprache richtig zu verwenden. Im Original sollte man also eher mit einer Art mühsamem "Schwarzenegger-Englisch" rechnen. In der deutschen Übersetzung entfaltet der langsam sprechende Österreicher eine gänzlich andere Wirkung, ist aber dennoch mitunter die witzigste Person im Film.

Taschentuchquote: 65 %

Zu Taschentüchern muss man als Zuschauer in "Elizabeth - Das Goldene Königreich" eher weniger greifen. Aber dennoch liegt eine erhebliche Emotionalität verborgen, obwohl die charaktertiefen Protagonisten selbst wenig körperliches Leid erdulden müssen.

Mitfühlende Emotionen kommen besonders im dramatischen Zusammenhang mit Elizabeth auf. Ihre unerfüllte Liebe und Zwangslage rufen im Zuschauer genauso Gefühle hervor wie der Sympathieträger Walter Raleigh als tragischer Held. Die Verwandtschaftbeziehungen von Verrätern und Königstreuen fügen noch eine weitere Gefühlskomponente hinzu, sodass insgesamt eine wirklich hohe Emotionalität trotz Mangel an prominenten Todesfällen zu verzeichnen ist.

Soundkulisse: 75 %

Eine Stärke von "Elizabeth - Das Goldene Königreich" liegt zweifelsohne auch im Soundtrack. Dieser unterstreicht die Glorie Englands derart, dass man sich fast schon selbst als Brite fühlt. Auch wenn im Sound einiges vom übersteigerten Pathos begraben liegt, beeindruckt doch die Musik mit ihrer epochalen Kraft.

Ein Soundtrack, der mit Sicherheit in einer der oberen Ligen spielt und die Atmosphäre des Films unglaublich anzuheizen vermag.

Ähnliche Filme

Quasi als Vorgänger zu "Elizabeth - Das Goldene Königreich" zu sehen ist der Film "Elizabeth" von 1998. Er erzählt praktisch die Vorgeschichte zu diesem Film und ist in der Zeit vor der Krönung Elizabeths zur Königin angesiedelt. Da die Rolle der angehenden Monarchin wieder mit Cate Blanchett besetzt ist, dürften Fans auch daran ihren Gefallen finden.

Etwas gewaltbereiter und nicht mehr so ganz dramatisch ist der Historienfilm "Johanna Von Orleans" aus dem Jahr 1999. Auch hier dreht sich alles um eine weibliche Protagonistin, nur diesmal jenseits des Kanals in Frankreich. Wer an Cate Blanchett in Rüstung auf ihrem weißen Pferd Gefallen gefunden hat, wird auch Milla Jovovich in voller Montur nicht abgeneigt sein.

Fazit

"Elizabeth - Das Goldene Königreich" hat eigentlich alles, was ein Historiendrama braucht: Eine weitgehende Deckung mit historischen Begebenheiten, ein gesundes Maß dramatischer Spannung, zeitgenössische Kostüme und vor allem eine fähige Schauspielerriege, die das Publikum emotional einbindet. Da macht es auch kaum etwas aus, wenn nur ein dürftiges Maß an Action, Witz und Spezialeffekten vorhanden ist. Doch jeder Film hat seine gewissen Schwächen: Mit Blick auf die Story ergibt sich ein überdeutlicher Schwarz-Weiß-Effekt. England wird über alle Stränge heroisiert und fast schon vergöttert, während Spanien und die Bewegung um Maria Stuart als "böse" abgestempelt werden. Diese unantastbare Glorie Englands wirkt etwas einseitig und zweifelsohne übersteigert.

Letztlich werden jedoch die meisten Makel durch die herausragende Filmmusik und die schauspielerische Leistung wett gemacht. Eine Wertung zu 75% ist mehr als angemessen.

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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