Fluch der Karibik 3 - Filmkritik von Florian Hösch


Nur knapp ein Jahr nach dem zweiten Teil von "Fluch der Karibik" segeln unsere Piratenfreunde jetzt auch ein drittes mal über die Weltmeere und manövrieren sich dabei von einem Abenteuer ins nächste. War im ersten und zweiten Teil nur die Karibik Schauplatz der zahlreichen Seegefechte, so tragen die Piraten um den ins Leben zurückgekehrten Jack Sparrow im abschließenden Teil der Trilogie nun auch an entlegenen Orten wie Singapur mit Säbel und Entermesser ihre Duelle aus und kommen dabei - wie der Filmtitel schon sagt - bis ans Ende der Welt.

Das klingt nach einem actiongeladenen Abenteuerfilm mit einer Extraportion Spezialeffekte und genau das ist es, womit "Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt" auf ganzer Linie glänzen kann. Sei es nun der Straßenkampf in Singapur zu Beginn des Films, der buchstäblich ein Feuerwerk der Effekte beschert, sei es das Erscheinen der Flying Dutchman und ihrer fischköpfigen Crew oder der monumentale Endkampf  Black Pearl vs. Flying Dutchman im zorngeschaffenen Strudel der Calypso, in jedem Fall werden uns hier Spezialeffekte der Extraklasse serviert, die denen aus dem zweiten Teil in nichts nachstehen.

Dabei gleitet den Spezialeffektzauberern dann doch ein ums andere mal das Ruder aus den Händen, so erscheint die Darstellung der frisch aus ihrer menschlichen Hülle befreiten Calypso eher klischee- und fast schon stümperhaft, denn besonders die dunkle Stimme jagt den meisten Zuschauern wohl keinen erfürchtigen aber einen peinlich berührten Schauer über den Rücken, den man schon oft in geringeren Filmen erlebt haben dürfte. An dieser Stelle hätte sich das Specialeffectsteam deutlich mehr um Autentität bemühen können, im Gegensatz zu den übrigen Animationen wirkt diese doch eher wie das Werk eines gelangweilten Studenten und nicht wie das einer erfahrenen Filmcrew. Bei der großen Seeschlacht am Ende hagelt es dagegen nicht nur eine Menge Kugeln, sondern auch durchwegs überzeugende Effekte und Animationen, die dem Team wirklich zugute gehalten werden müssen.

Bei all den Spezialeffekten schleicht sich aber auch bei Fluch der Karibik 3 eine Gewohnheit ein, wie sie in Hollywood weit verbreitet zu sein scheint, denn besonders die Schlachtszenen am Ende sind trotz ihrer tadellosen Animation nicht immer ganz glaubwürdig und realistisch dargestellt, erheben sich Mensch und Maschine doch des öfteren über die Gesetze der Physik. So fragt man sich zum Beispiel beim Kampf Jack Sparrow gegen Davy Jones hoch oben auf einer Maststange, wie die beiden zwar routinierten aber doch nicht von der Schwerkraft unabhängigen Kämpfer es angesichts der extremen Schräglage des Schiffes im Strudel schaffen, die Ballance zu halten und dabei noch ein derartig packendes Duell hinzulegen. Besonders für Jack sollte es etwas größere Probleme machen, auf dem stark zur Seite geneigten Schiff das Gleichgewicht zu halten, aber trotz der mit Sicherheit mehrere Tonnen schweren Truhe in seiner linken Hand pariert er jeden von Jones Schwerthieben offenbar ohne größere Probleme. Mit Blick auf die Kanonen der beiden im Strudel gefangenen Schiffe muss man sich aber auch fragen, mit welcher übermenschlichen Präzision die Mannschaft gesegnet sein muss, um mit fast jedem Schuss das gegnerische Schiff zu treffen, wo doch eigentlich bei den Drehbewegungen und der unterschiedlichen Höhe der beiden Schiffe im Strudel anzunehmen ist, dass die Mehrheit der Munition ins Leere geht. Diese und weitere Ungereimtheiten schlagen sich bei genauerem Hinblicken doch negativ nieder, werden aber wohl den meisten Kinobesuchern auf den ersten Blick nicht auffallen, da sie von der durch die Handlung aufgebauten Spannung und dem Effektkino überdeckt werden.

Lügen, Intrigen, Verrat. Diese Schlagwörter beschreiben die Handlung im Wesentlichen, jedoch nicht ganz so treffend wie Chaos. Denn wie ein Chaos kann es einem schon vorkommen im Mittelteil der Filmes, spätestens nach dem Dialog zwischen Captain Jack und Lord Cutler Beckett, dem Befehlshaber der East India Trading Company, verliert man den roten Faden. Von da an ist es nicht mehr ganz klar und durchschaubar, wer jetzt auf wessen Seite steht und wer wen wann wo und wie verraten hat. Letztlich verliert wohl jeder beim ersten Schauen des Filmes zwischenzeitlich mehr oder weniger komplett den Überblick, wobei diejenigen, die versäumt haben den ersten und besonders den zweiten Teil zu schauen, nicht nur am Ende der Welt, sondern auch am Ende mit ihrem Latein sein dürften. Die Länge des Filmes wirkt hierbei sehr strapazierend und unterstützt lange Zeit nicht gerade das Verständnis des Zuschauers, wird doch erst im Schlachtgetümmel am Ende klar, welche Seite der Einzelne nun gewählt und welche Ziele er bis dahin verfolgt hat. Die Rolle des Will Turner gewinnt dabei erst am Ende maßgeblich an Bedeutung, wohingegen seine Rolle im Großteil des Filmes eher nebensächlich wirkt und man ihn schon fast als Randperson abstempelt, bis ihm für das große Finale, auf das die ganze Handlung des Filmes hetzend hinzuarbeiten scheint, endlich eine tragende Rolle zuteil wird.

Da besagtes Finale vor allem auf jede Menge Action ausgerichtet ist, liegt der Verdacht nahe, dass dabei Humor und Witz auf der Strecke bleiben. Zum Teil ein Trugschluss, wie sich dem Kinobesucher bald eröffnet, denn die zugegeben zunehmend düster wirkende Stimmung des Filmes wird positiverweise immer noch mit einem Haufen an Witzen und Ironie aufgelockert. "Captain" Barbossa zeigt diesmal auch eine im Vergleich zum ersten Teil ungekannt witzige Seite von sich und findet dabei natürlich professionelle Unterstützung von Jack, der wie eh und je den Großteil des Humors beisteuert. Derjenige, der einfach nicht genug von Johnny Depp bekommen kann, sollte in diesem letzten Teil der Trilogie auch voll auf seine Kosten kommen, speziell im Reich von Davy Jones gibt es mehr als genug von ihm zu sehen, vielleicht schon zu viel. Diese Szene fällt in der Tat aus dem Raster von dem, was in Fluch der Karibik an ominösen und skurilen Szenen bisher zu sehen war und ist mit ihrer eigenen Darstellung des Totenreiches vermutlich eine Frage des Geschmacks - die einen werden sie lieben, die anderen werden vergeblich nach dem Sinn dahinter suchen. Für einige Lacher kann Jacks seltsamer Aufenthalt im Reich des Todes schon sorgen, aber vor allem wird einem der paranoide und schizophrene Wahnsinn von Sparrow bewusst, der einen wünschen lässt, niemals von einem Kraken verschluckt zu werden.

Jacks Wahnsinn verliert sich im Laufe des Filmes jedoch zum großen Teil wieder, bleibt eben wie üblich auf ein gesundes Normalmaß reduziert vorhanden und erstaunlicherweise sogar relativ konstant, als Jack auf seinen Vater, gespielt von Keith Richards, trifft. Dieses Zusammentreffen wurde im Vorhinein des Filmes stets in den Himmel gelobt und man erwartet packende verbale Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn. In diesem Fall wird man leider enttäuscht, von den 169 Minuten ist der rockige Vater Sparrow wenn es hochkommt vielleicht gerade mal 5 Minuten zu sehen, und er sorgt bei weitem nicht für soviele Lacher, wie es im Vorfeld propagiert wurde. Positiv fallen dem Kenner dagegen am Ende des Filmes die vielen Anspielungen auf den ersten und wohl auch humorvollsten Abschnitt der Trilogie auf, die die Rückkehr der Gesamtsituation für die meisten Charaktere zum Status Quo des ersten Teiles darstellen - der schlafende Gibbs am Boden und Jack wieder mal ohne Schiff auf der Jagd nach der Black Pearl.

Insgesamt weist Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt deutlich einige Mängel auf und präsentiert eine Story, die zu sehr auf ein großes Finale der Trilogie ausgerichtet ist und dabei Verständnisprobleme hinnimmt. Aber immerhin haben wir hier einen Film, der den Zuschauer zum Nachdenken und aufmerksamen Mitdenken zwingt und somit ist er wahrscheinlich pädagogisch wertvoller als ein Film, dessen Handlungsstränge so linear sind, dass man sie schon fast vorher sehen kann. Die Spezialeffekte und die Spannung des Filmes sind kaum zu übertreffen, allein deshalb empfiehlt sich ein Kinobesuch schon.

Ein Muss für Fluch der Karibik Fans, die die Rätsel und offenen Fragen des zweiten Teiles geklärt haben wollen und insgesamt - mit Abstrichen - ein würdiger Abschluss der Trilogie! 

 

Florian Hösch

 

 Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

Surftipps: User, die hier waren, besuchten übrigens auch diese Seiten:

 
 

Meinungen zu "Fluch der Karibik 3 - Filmkritik von Florian Hösch"