Harry Potter Und Der Orden Des Phönix Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 12

Laufzeit: 138 Minuten

Originaltitel: Harry Potter And The Order Of The Poenix

Schauspieler: Daniel Radcliffe, Emma Watson, Rupert Grint, Michael Gambon, Gary Oldman, Imelda Staunton

 

 

Bestreitet der angehende Zauberer am 21. Juli diesen Jahres im siebten Band schon sein voraussichtlich letztes Abenteuer, so können wir ihn auf der Kinoleinwand seit gestern in seinem fünften bewundern. Ungeachtet der Ereignisse in seinem vierten Schuljahr ist Harry wieder einmal gezwungen, die Sommerferien bei seiner verklemmten Verwandtschaft im Ligusterweg zu verbringen. Aber diesmal geht nicht alles so einschläfernd ereignislos zu wie üblich: Ein unerwarteter Dementorenangriff auf Harry und dessen untersetzten Cousin Dudley bringt den jungen Zauberer nicht nur bei Tante und Onkel in Teufels Küche. Zu allem Unglück droht ihm wegen der Anwendung eines Zaubers in Gegenwart eines Muggels der Rausschmiss aus Hogwarts und ein Gerichtsverfahren im Zaubereiministerium. Doch wie er bald feststellen muss, sind das noch seine geringsten Probleme. Denn im Laufe der Zeit sieht sich der pubertäre Zauberschüler nicht nur immer mehr Zweiflern an seinen Erlebnissen um die Rückkehr des Dunklen Lords gegenüber, auch das Schulleben wird durch die zunehmende Kontrolle der Großinquisitorin Dolores Umbridge zu einer Tortur. So muss sich Harry von Visionen geplagt und ohne die Hilfe des verdrängten Schulleiters Albus Dumbledore, dafür aber mit tatkräftiger Unterstützung des von ihm gegründeten Clubs "Dumbledores Armee" zum drohenden Kampf gegen Lord Voldemort wappnen.

Storyline

Dass dieser Kampf der Höhepunkt des Filmes sein wird, spürt man schon nach etwa 20 Minuten des Zuschauens. Es wirkt wieder einmal so, als ob der ganze Film unablässig auf diese eine Stelle hinzuhetzen versucht. Dabei verlassen sich Produzent und Regisseur für den Erfolg des Filmes wohl auf die Actionszenen gegen Ende, die dem Zuschauer einen Spezialeffekt nach dem anderen servieren. Aber schon an der Länge des fünften Teiles sind storytechnische Missstände erkennbar: 138 Minuten Filmumsetzung eines 1000 seitigen Buches sind im Gegensatz zu 153 Minuten Umsetzung des nicht einmal 400 Seiten dicken ersten Teiles nicht nachvollziehbar und einfach zu wenig. Bei der Verfilmung eines über 600 Seiten dickeren Buches ist vieles zu erwarten, dass aber ein 15 Minuten kürzerer Film und damit der bisher kürzeste der Reihe herauskommt war wohl nicht anzunehmen. Dementsprechend ist die Detailverliebtheit von "Harry Potter Und Der Orden Des Phoenix", die im Vorfeld so gelobt wurde, anders ausgefallen, als man gedacht hätte. Es mag zwar sein, dass das Budget für die im Buch beschriebene Darstellung von Hogwarts und des Zaubereiministeriums sinnvoll verwendet wurde, aber der treue Harry Potter Leser wird dennoch Vieles vermissen. Von Anfang an konzentriert sich die Handlung des Filmes auf das Wesentliche und gibt dabei positiverweise den Haupthandlungsstrang des Buches ohne drastische Änderungen wieder. So manche Nebenhandlung fällt allerdings einfach unter den Tisch, was schade ist, denn besonders die netten kleinen Details machen den Charme der Bücher wohl zu einem großen Teil aus. Die Wiedergabe der pubertären Probleme von Harry erfolgt durch dessen Launen und aggressive Bemerkungen insgesamt aber recht gut und überzeugend. Lediglich die Liebesbeziehung zu seiner Mitschülerin und Flamme Cho Chang hält nicht ganz das, was sie verspricht. Nach dem etwas nebensächlich erscheinenden Kuss erfolgt kaum noch ein Kontakt oder Dialog der beiden und plötzlich ist der Film zu Ende und man bleibt im Dunkeln darüber, was nun aus den zweien geworden ist.

Action/Fesselfaktor

Bereits der in den Anfangsszenen erfolgende Dementorenangriff leitet den Film actionreich ein. Das war es dann aber auch schon fürs erste mit der Action. Denn über weite Teile des Filmes passiert - überspitzt ausgedrückt - gar nichts. Die Handlung plätschert eben so vor sich hin und nur wenige Szenen, darunter vor allem die Schreckensvisionen, die Harry ein ums andere mal heimsuchen, bringen etwas Action mit sich. Das kann man dem Film aber nicht unbedingt zum Vorwurf machen, denn er hält sich eben an die Buchvorlage und diese ist über weite Teile auch nicht sehr actionlastig. Ein gewisses Maß an Spannung kann man nicht leugnen, da man mit der Zeit auch ohne genaue Kenntnis des Buches feststellt, dass am Ende etwas Großes auf einen warten muss. Und dieses große Ereignis, der Kampf gegen Voldemort und seine Todesser in der Mysteriumsabteilung, ist auch der Teil des Filmes, bei dem es wirklich ordentlich rund geht. Offenbar als Ausgleich für die über eine Stunde andauernde Langatmigkeit gedacht, fliegen in diesen bedeutendsten Szenen des Filmes nur so die Lichtblitze, Zauber und Flüche durch die düstere Atmosphäre. Nach gefühlten 10 Minuten ist der Spuk dann aber auch schon vorbei und man hat das Gefühl, dass im Film vieles im Verhältnis viel zu kurz behandelt wird. Auch wenn es beileibe wesentlich mehr knallharte Action geben könnte, ist die FSK-Heraufsetzung von 6 auf 12 Jahre durchaus gerechtfertigt. So sind doch die Angriffsszenen auf den Sympathieträger Mr. Weasley für Kinder unter einem gewissen Alter zu schockierend, um sie verantworten zu können.

Specialeffects/Technische Umsetzung

Was dem Film - oft einfach durch die Buchvorlage bedingt - an Action und auch Spannung fehlt, wird durch die Spezialeffekte wieder zum Teil kompensiert. Man merkt deutlich, in welchen Bereich das sehr hohe Filmbudget geflossen ist. Dafür kann sich "Harry Potter Und Der Orden Des Phoenix" außerordentlich tüchtiger Specialeffectzauberer rühmen, die wissen, wie sie den Zauberstab zu schwingen haben. Dabei ist den ganzen Film über nie ein Mangel an Qualität zu erkennen, von den Dementoren, über den sanften Riesenbruder Hagrids bis hin zu den Vorkommnissen im Zaubereiministerium hat man sich mit Blick auf die Spezialeffekte nie zu beschweren. Einziger Kritikpunkt hierbei wäre höchstens, dass es die Spezialeffektkünstler beim finalen Kampf der Todesser gegen den Orden des Phönix vielleicht etwas zu gut mit dem Zuschauer gemeint haben könnten. An dieser Stelle weiß man oft schon gar nicht mehr, wie einem geschieht, fliegen doch nicht nur 3 verschiedene Flüche, sondern gleichzeitig auch 4 Todesser durchs Bild. Schließlich bekommt man im schlimmsten Fall nur noch die Lichteffekte und nicht mehr die eigentlichen Aktivitäten der Schauspieler mit.

Besetzung

Was die Schauspieler so treiben sollte man auf alle Fälle mitbekommen, denn der Großteil macht seine Sache nicht schlecht. Daniel Radcliffe, ohne dessen Gesicht Harry Potter schon gar nicht mehr denkbar wäre, verkörpert auch diesmal wieder relativ souverän den Protagonisten. Ähnliches gilt für Emma Watson und Rupert Grint, die für ihr jugendliches Alter beide ebenfalls eine solide schauspielerische Leistung erbringen. Auch wenn der ein oder andere über die Kompetenzen der jugendlichen Hauptakteure streiten mag, stehen die Fähigkeiten der erfahreneren, älteren Schauspieler auch in diesem Film wieder außer Frage. Vor allem der Neuzugang Imelda Staunton alias Dolores Umbridge verdient Erwähnung. Die Rolle der katzenliebenden, stets kitschig gekleideten und auch deutlich sadistischen Großinquisitorin scheint ihr auf den Leib geschneidert und sie geht überzeugend in ihrer Rolle auf. Natürlich tragen auch Größen wie Gary Oldman und Alan Rickman wieder nahezu perfekt zur charakterlichen Umsetzung der im Buch beschriebenen Figuren bei, allerdings ist letzterer unter anderen beinahe schon zur Randfigur verkommen. Ob Prof. Lupin, Hagrid oder Prof. MacGonagall, viele Figuren haben im fünften Teil an Bedeutung verloren, was mit dem Buch nicht immer so sehr vereinbar ist. Dies ist wohl wiedermal auf die unverständlich kurze Länge des Filmes zurückzuführen. Der Grund, warum die 1000 Seiten und viele Nebenhandlungen und Charaktere so stark gekürzt wurden wird wohl nie ganz ersichtlich sein.

Funfaktor

Die extreme Verkürzung der Story schlägt sich auf die zahlreichen Witze nieder, die das Buch unter anderem so reizvoll gemacht haben. In der Tat ist es so, dass die Harry Potter Reihe ab dem 4. Band anfing düsterer und ernster zu werden. Eine solche Wirkung zu erzielen haben sich die Filmemacher wohl auch bei der filmischen Umsetzung des fünften Bandes zur Aufgabe gemacht. In jedem Fall sind witzige Bemerkungen oder Begebenheiten sehr rar gesät, außer zwei, drei wirklich lustigen Stellen wird man kaum zum Schmunzeln kommen. Allein die ständig dumpfe Düsternis von Hogwarts, des verbotenen Waldes und des Zaubereiministeriums saugen einem Dementoren gleich die lustige Stimmung auf.

Taschentuchquote

Wenn schon der Witz fehlt, dann muss der ganze Film doch umso emotionaler sein! In gewisser Weise ein Trugschluss, wie man nachher feststellen wird. Auch wenn man es bei all der unerfreulichen Stimmung des Filmes erwartet, wird man doch kaum eine Stelle finden, die das Potential hätte, den Zuschauer zu mitfühlenden Tränen zu bewegen. Aus irgendeinem Grund gelingt es diesem Abschnitt der Harry Potter Reihe nicht, dem Zuschauer volle Identifikation mit den Personen des Filmes zu ermöglichen. Harrys Leiden durch die Visionen oder sein Kuss mit Cho betrachtet man eher als unbeteiligter Zuschauer, ohne sich direkt involviert zu fühlen. Selbst als Sirius vom tödlichen Avada Kedavra Fluch getroffen wird - was eigentlich mit Abstand die traurigste Stelle des ganzen Buches darstellt - fühlt man sich als Zuschauer nur in gewissem Maße berührt. Das mag wohl noch mehrere Ursachen haben, vermutlich auch wieder das hetzende Tempo, das der Film bei all der Düsternis an den Tag legt.

Soundkulisse

Womöglich ist die fehlende Emotionalität von Sirius tragischem Schicksal auch auf die musikalische Untermalung zurückzuführen. Denn diese vermittelt im entscheidenden Moment simpel und einfach nichts. So sinkt Sirius in das Portal hinter sich und verschwindet in einem Akt von nur knapp 10 Sekunden. Und das alles ohne jegliche Musik, deren Aufgabe es ja eigentlich ist, zur Situation passende Gefühle hervorzurufen. Für diese Stelle werden die Filmemacher sicher keinen Orden verliehen bekommen. Allerdings passt der Soundtrack beim Rest des Filmes recht gut zur schicksalsträchtigen Stimmung und erfüllt somit wohl seinen Zweck.

Ähnliche Filme

Wer vor hat, in "Harry Potter Und Der Orden Des Phoenix" zu gehen, sollte unbedingt sicherstellen, dass er alle Bücher gelesen oder zumindest die Vorgängerfilme gesehen hat. Denn die Vorgeschichte zum fünften Teil wird nur bruchstückhaft wiederholt und nicht alles ist verständlich, wenn man nicht weiß, was die vorherigen Teile genau zum Inhalt hatten. Vergleichbare Filme, die sich mit Zauberei und Hexerei beschäftigen, gibt es eigentlich kaum. Vom Fantasystandpunkt aus gesehen, müsste der ein oder andere Harry Potter Fan auch Gefallen an "Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia" finden, was auch noch kindergeeignet sein sollte. Ansonsten steht das Harry Potter Genre so ziemlich alleine da.

Fazit

"Harry Potter Und Der Orden Des Phoenix" ist sicherlich nicht der beste Film der Reihe. Ein Buch von 1000 Seiten derartig zu reduzieren, dass selbst "Harry Potter Und Der Stein Der Weisen" länger ist, kann nicht gut gehen. Zu sprunghaft und hetzend erscheint die Handlung und so manche Nebenhandlung aus dem Buch wird ausgespart. Die teilweise fehlende Identifikationsmöglichkeit mit den Personen sorgt zusammen mit den selten auftretenden Witzen für eine noch düsterere Stimmung, als sie so schon von den Produzenten beabsichtigt ist. Dafür bringt der fünfte Teil einen Magiesturm von Specialeffects mit sich, der seine Vorgänger nochmal um Längen schlägt. Allerdings stellt sich die Frage, ob das Budget nicht besser auch anderweitig effektiver hätte verwendet werden sollen, denn Spezialeffekte allein machen noch keinen sehr guten Film. Für Harry Potter Fans ist der Film sicherlich empfehlenswert, denn er bildet letztlich doch die unerlässliche Brücke zwischen dem vierten und dem sechsten Teil. Schließlich bleibt ja immer noch die Hoffnung, dass sich Harry Potter mit dem sechsten Teil wie ein Phönix aus der Asche erhebt und wieder mehr auf Handlung setzt.

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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