Hot Fuzz Filmkritik von Florian Hösch


Am Beispiel von Vorbildcop Nicholas Angel sieht man, dass sich Übereifer nicht zwangsläufig auszahlen muss. Für einen londoner Großstadtpolizisten gibt es sicherlich schöneres, als von seinen neidischen Vorgesetzen in ein Provinznest mit einer Kriminalitätsrate von 0% versetzt zu werden. Seine neuen, überaus unfähigen und nervigen Kollegen machen dem pflichtbewussten Cop dabei seinen neuen Job weder leicht noch angenehm und die Konfrontation mit den sehr eigenen Kleinstadtbewohnern von Sandford stellt Angels Geduld auf eine harte Bewährungsprobe. Im Laufe von "Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis" wird sein Talent als Polizist jedoch noch des öfteren auf die Probe gestellt. Letztlich kommt er nicht nur der Frage, warum die Unfallrate so erschreckend hoch ist, auf die Spur, sondern muss sich auch der sehr eigenwilligen Interpretation des "Wohls aller" der einflussreichen Kleinstadtbürger entgegenstellen.

Aber was dem Wohl aller zu dienen scheint, dient leider nur zu Teilen dem Wohl des Filmes. Als Action-Komödie deklariert strotzt der Film zwar nur so vor Witzen und Actionszenen, diese sind aber leider allzuoft dermaßen übertrieben, dass wohl nur eingefleischte "Shaun of the Dead" Fans an diesem Film wirklich Gefallen finden werden.

Die Witze an sich sind Geschmackssache, man muss eben den entsprechenden Humor besitzen, dann ist man in "Hot Fuzz" gut aufgehoben und kommt aus dem Lachen besonders zu Beginn kaum noch heraus. Denn praktisch jedes Gespräch und sogut wie jede Handlung ist mit Parodien und Gags gespickt, bei 121 Minuten Länge kommt da schon einiges zusammen. Umso schlimmer ist es, wenn der Humor, auf den der Film abzielt, beim Zuschauer nicht vorhanden ist. Dann ist die erste Hälfte des Filmes fast schon einschläfernd langweilig und für nicht viel mehr als ein müdes Lächeln gut. Lediglich bei den zwischendurch immer wieder mit Liebe zum Detail inszenierten Mordfällen und bei der Schießerei in der zweiten Hälfte des Filmes sollte jeder Zuschauer wieder hellwach sein.

Gnadenlose Action ist hier die Devise. Selten sieht man einen Film, bei dem es von einem Moment auf den nächsten so zur Sache geht wie in "Hot Fuzz". Der erste Teil des Filmes gibt zwar nur wenig von seiner Action preis, dafür wird dem Zuschauer aber nach der Rückkehr des vermeintlich toten Nicholas Angel ein Hagelsturm aus Kugeln geboten.

Hierbei wirkt die Action allerdings absurd und teilweise auch lächerlich, in jedem Fall aber deutlich übertrieben, sodass auch hier wieder ein ganz spezieller Typ von Zuschauer angesprochen wird. Dass alle Einwohner von Sandford, ja sogar der Pfarrer stets eine oder mehrere Feuerwaffen griffbereit haben, lässt den bis dahin recht logischen und überzeugenden Film plötzlich in einem völlig anderen Licht erscheinen. Die Massenschießerei mit Sonnenbrille und akrobatischen Meisterleistungen im Stadtzentrum und ganz besonders der Endkampf von Angel gegen Skinner erinnert unweigerlich an Matrix. Das ist für einen Cop-Film à  la Bad Boys dann letztlich doch etwas übertrieben, auch wenn der Protagonist in seiner Rolle als Musterpolizist ein Kraftpaket und damit tatsächlich zu solchen Stunts fähig sein mag. Dennoch gelingt es dem durchtrainierten Polizisten bei keiner einzigen Verfolgungsjagd zu Fuß, den Verfolgten einzuholen und zur Strecke zu bringen. Das ist umso verwunderlicher, da der Flüchtende einmal weite und fürs Rennen gänzlich ungeeignete Sachen trägt, ein anderes mal ein Mann in Kutte davonläuft, Angel aber stets in seiner dynamischen Polzeiuniform und dank seinen körperlichen Fähigkeiten einen Geschwindigkeitsvorteil haben müsste. Dennoch bleibt er immer hinter den benachteiligten Flüchtenden zurück. Fluchtszenen wie diese werden zusätzlich meist durch passende Soundeffekte begleitet, was insgesamt nicht unbedingt die Spannung steigert, sondern eher etwas lächerlich wirkt.

Die Soundkulisse an sich ist im Grunde durchgehend recht passend, kann einem ab einem gewissen Zeitpunkt aber auch auf die Nerven gehen. Die ständigen Perspektivenwechsel, z.B. beim Anlegen von einem Dutzend Waffen, sind eigentlich ohne Ausnahme mit sehr basslastigen Sounds unterlegt. Das parodiert zwar eine Reihe von Actionfilmen, wirkt aber mit der Zeit nervend, wenn bei es bei jeder Kleinigkeit Anwendung findet.

Zusätzlich muss zur Kameraführung noch gesagt werden, dass sie bei einigen Actionsszenen weit von ihrem Optimum entfernt ist. Als Angel beispielsweise auf seinem Zimmer von dem in eine Kutte gehüllten Michael überrascht und angegriffen wird, verliert man bei den extrem schnellen Bildwechseln leicht den Überblick und fragt sich dann letztenendes mit Blick auf das Endergebnis, wie genau der Kampf jetzt verlaufen ist. Stellen wie diese hätte man glücklicher in Szene setzen können, aber es bleibt zum Glück mit Gesamtblick auf den Film eher die Ausnahme.

"Hot Fuzz" kann man eigentlich am besten als eine Mischung aus Bad Boys, Matrix und dem Wixxer beschreiben. Zusätzlich kommen noch Bluteffekte, die man in einem Horrorfilm oder in 300 erwarten würde zum Tragen. Fans von "Shaun of the Dead" werden an diesem Film mit Sicherheit großen Gefallen finden. Kinobesucher, die vor allem der Komödie wegen den Weg in "Hot Fuzz" finden, sollten allerdings nicht enttäuscht sein, wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Der Film ist eben geschmackssache, die einen werden ihn lieben, die anderen werden ihn als zu abgedreht abstempeln.

Auf jeden Fall ist "Hot Fuzz" ein passabler Actionfilm für zwischendurch, dem man, wenn man den Anblick von Blut verträgt und etwas Geld übrig hat, durchaus mal einen Besuch abstatten kann.

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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