Kein Bund Fürs Leben Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 12

Laufzeit: 90 Minuten

Originaltitel: Kein Bund Fürs Leben

Schauspieler: Franz Dinda, Axel Stein, Florian Lukas, Oona-Devi Liebich, Jan Henrik Stahlberg, Ronald Nitschke

Endlich geschafft! Mit dem Abi in der Tasche hat man den Geschmack von Freiheit schon förmlich auf der Zunge. Party, Bier und Frauen warten nur auf die jungen Männer mit ihrer neu gewonnenen Freiheit! Doch ein einziger Brief kann da schon die Handbremse ziehen. Nach längst überstandener Musterung mit zugehöriger Eignungsfeststellung hat man doch sofort die Verweigerung geschrieben und verschickt...oder? Darauf hat sich Basti Lämmle zumindest verlassen. Umso größer ist die Überraschung, als bei einer der vielen exzessiven Abi-Partys plötzlich die Feldjäger vor der Tür stehen. Und ehe er sichs versieht, steht der überrumpelte Abiturient auf dem Kasernenhof und muss sich Beschimpfungen und Drohungen um die Ohren schmeißen lassen. Bei sowas braucht man wirklich echte Freunde. Da kann Basti von Glück sagen, dass die anfänglichen Differenzen zwischen ihm und seinen Stube 54 - Kameraden mit der Zeit immer mehr in eine handfeste Freundschaft umschlagen. Und so stürzen sich die 6 Anti-Helden in das größte Abenteuer, das Deutschland jungen Männern zu bieten hat: Den Grundwehrdienst der Bundeswehr mit allen seinen Tücken und Fettnäpfchen.

Storyline

Der Filmtitel gibt im Groben schon einen Überblick über die Rahmenhandlung des Filmes. "Kein Bund Fürs Leben", ein parodistischer Film über die Bundeswehr, in dem die Hauptcharaktere eben so schnell wie nur irgend möglich auf die Scheidung dieses Bundes hinarbeiten. Insgesamt also ein einfaches Konzept. Wer gerne hunderte kreative Nebenhandlungsstränge in einem Film verstrickt sehen möchte, hat hier diesbezüglich nicht sehr viel zu erwarten. Das bedeutet aber nicht, dass sich der Zuschauer vor dem Kinobesuch hüten müsste. Die Handlung ist zwar klein, einfach und übersichtlich gehalten, aber viel kreativer und ausgefallener ist das Leben eines Grundwehrdienstableisters wohl auch nicht. Insofern stellt der Film eine recht gute Widerspiegelung von Bundeswehrverhältnissen dar, auch wenn nicht jedes Detail in der Realität zu finden und vieles sicherlich erfunden oder parodistisch überspitzt ist. Es geht eben um das alltägliche Leben beim Bund, in diesem Fall um das Schicksal des bunt zusammengewürfelten Haufens von Stube 54 - der Film soll ja auch mit Recht Komödie genannt werden können. Dabei fällt dem Fan von monumentalen Hollywood-Produktionen sicher auf, dass dieser deutschstämmige Film sich nicht in wenigen Punkten von seinen amerikanischen Verwandten unterscheidet. Zentraler Kern ist zur Abwechslung mal keine fiktiv-fantastische Begebenheit, die außergewöhnlicher kaum sein könnte, wie letzthin in etlichen Produktionen zu sehen war. Denn hier geht es um den komödiantisch ausgerichteten Alltag junger Deutscher, der zumindest theoretisch auch Realität sein könnte. Es tauchen weder unglaubliche Fabelwesen auf, noch werden mystische Objekte gejagt, was dem Film hier insgesamt eine gewisse Bodenständigkeit verleiht. Dabei ist er leider manchmal etwas zu bodenständig, da viele Szenen sehr vorhersehbar sind und man das Gefühl nicht los wird, das alles schonmal gesehen zu haben.

Action/Fesselfaktor

Ein weiterer Punkt, der "Kein Bund Fürs Leben" von amerikanischen Blockbustern unterscheidet: Richtige Action ist sogut wie gar nicht vorhanden und die Spannungskurve verläuft äußerst niedrig. Wie eben schon angeklungen ist, bekommt man auf humoristische Art das Leben eines auf den ersten Blick unfähigen Nachwuchssoldaten gezeigt. Und dieses ist im Normalfall nicht gerade von unerwartet halsbrecherischer Action geprägt, da Parcoursläufe oder Schießübungen schon das höchste der Gefühle sind. Dem durchschnittlichen Kinozuschauer, der Filme wie "Stirb Langsam 4.0" gewohnt ist, fehlt also der Actionfaktor fast völlig. Der Schluss bildet da die einzige kleine Ausnahme, denn dort kommt es endlich zum lang ersehnten "Kampf" zwischen den amerikanischen GIs und der Stube 54. Dies ist aber auch nur sehr leichte Kost. Die Spannungskurve hätte dann aber doch etwas mehr Höhen vertragen können, als dies hier der Fall ist. Das Ende sollte rein theoretisch den Höhepunkt des Filmes markieren, allerdings kommt da trotzdem beim besten Willen kaum Spannung auf. Irgendetwas haben die Drehbuchautoren da falsch gemacht. Die Vermutung, dass die vermeintlichen Nieten am Ende den Elitesoldaten der Amerikaner zeigen wo der Hammer hängt, liegt jedenfalls zu nahe, um ein Spannungspotential aufzubauen.

Specialeffects/Technische Umsetzung

Nahe liegt ebenfalls, dass bei all der fehlenden Action nicht unbedingt mit einem Feuerwerk an Spezialeffekten zu rechnen ist. Und tatsächlich: Wer sich auf Explosionen gefasst macht, kann lange warten. Außer explodierenden Toiletten ist diesbezüglich wenig fürs Auge geboten. Aber wer hat schon behauptet, dass eine Komödie zwingend mit hochwertigen Specialeffects verbunden sein muss? So mancher Film hat schon bewiesen, dass es auch ohne nennenswerte Kostenaufwände hierfür funktioniert. Und aus Authentizitätsgründen hätten übertriebene Spezialeffekte ohnehin das Gesamtbild des Filmes mehr gestört, als dass sie ihm genutzt hätten. Zumindest die Bundeswehrausrüstung samt Panzer scheint auf den ersten Blick authentisch und das ist wohl eher das, worauf es bei "Kein Bund Fürs Leben" ankommt.

Besetzung

Damit richtige Bundeswehrstimmung aufkommt, haben sich die Filmemacher Ronald Nitschkes bedient und damit ein glückliches Händchen bewiesen. Denn dieser scheint nicht nur wie geboren für die Rolle des Major Hauptmann, man hat sogar das Gefühl, dass ein waschechter Bundeswehroffizier vor der Kamera stand. Jan Henrik Stahlberg als Oberfeldwebel Keller bringt dem Zuschauer besonders zu Beginn echtes Bundeswehrfeeling näher. Auch wenn er am Ende des Filmes etwas an Autorität verliert, sind er und der Hauptmann ein starkes Duo, das wirklich den Anschein erweckt, dass die beiden erst kürzlich einer Kaserne entlaufen sind. Axel Stein tritt die meiste Zeit über nur sehr wortkarg auf und gibt außer einigen Blök-Lauten nur wenig von sich. Doch trotz den geschätzten 5 Sätzen, die er insgesamt spricht, schafft er es immer wieder nur durch seine bloße Anwesenheit dem Zuschauer ein Grinsen aufs Gesicht zu zaubern. Auch wenn auf Dauer nicht alle seine Aktionen oder "Kommentare" lustig sind, schafft er es doch mit hoher Wahrscheinlichkeit wenigstens einige Male, nicht nur seine Fans zum Lachen zu bringen. Die beiden Hauptdarsteller Franz Dinda und Florian Lukas liefern als Lämmle und Schleifer ebenfalls eine solide Leistung ab; ersterer auch trotz des relativ geringen Alters.

Funfaktor

Wenn Action und Spezialeffekte in diesem Film eher negativ geklungen haben mögen, dann soll jetzt der Funfaktor zum Ausgleich auf jeden Fall positiv hervorgehoben werden. Denn Humor und Parodie ist der absolute Schwerpunkt des Filmes. Wer bei der Bundeswehr war und es gehasst hat; wer kurz vor der Musterung oder der Einberufung steht; selbst wer nur als Außenstehender zuschaut: Jeder sollte sich irgendwie unterhalten fühlen. Ob derjenige nun belustigt an die eigene Zeit in der Kaserne zurückdenkt, ob er das Bevorstehende ins Lächerliche gezogen und heruntergespielt sieht, oder, ob er einfach einen nicht ganz so ernstgemeinten Einblick in die immer lascher werdende Bundeswehr erhält: Spaßpotential ist immer vorhanden. Da macht es auch nichts, wenn nicht jeder Gag zündet oder manches einfach sehr leicht vorauszuahnen ist. Dass der einzige Panzerschuss ganz zufällig die "befreundeten" Amerikaner trifft, oder, dass die im Wald getarnten GIs unfreiwillig besprenkelt werden - das hätte man sich schon denken können. Aber trotzdem kann man sich als Zuschauer darüber amüsieren - das Gesamtkonzept der Bund-Parodie zählt eben und bringt von sich allein schon genug Humor mit. Glücklicherweise ist dieser zur  Abwechslung mal nicht so peinlich, wie man es sonst von manchem deutschen Film kennt. Der Gesamteindruck im Hinblick auf die Lach-Ausbeute ist also durchaus positiv.

Taschentuchquote

Ein weiterer Bereich, bei dem man zugunsten des Funfaktors Abstriche machen muss. Zum Weinen wird man definitiv nicht gebracht und es gibt auch keine Szene, die einen Griff zu den Taschentüchern rechtfertigt. Die Sache ist eben die, dass man mit großer Sicherheit vermutet, dass alles gut ausgeht und die Jungs am Ende das Kind schon schaukeln werden. Da nimmt einen auch kein Fast-Rausschmiss mehr mit, das Ende ist zu offensichtlich. Außerdem soll der Film mehr unterhalten denn emotional berühren. Also ganz verständlich, dass die Drehbuchautoren nicht mehr Emotionen als die Abneigung zur Bundeswehr, aber auch das steigende Gemeinschaftsgefühl und eine kleine Liebesgeschichte eingebaut haben. Letzteres kommt allerdings ziemlich kurz und erscheint fast schon als Randhandlung...insgesamt also kein Film zum Tränen vergießen.

Soundkulisse

Zum Thema Soundtrack wäre wie so oft zu sagen, dass er nicht besonders auffällig ist und im Geschehen des Filmes untergeht. Von der Qualität her ist er - wie so viele andere - nicht mit epochalen Soundtracks wie "Fluch Der Karibik" oder "Herr Der Ringe" vergleichbar. Die im Abspann befindliche Gesangs-Sequenz zu "Tränen lügen nicht" ist mit Blick auf Nefzat und seinen Kommentar hierzu zwar im Grunde lustig. Neutral beobachtet erscheint sie beim besten Willen aber eher kitschig als lustig. Doch das ist eben wie so oft Geschmackssache, worüber sich ja bekanntlich streiten lässt.

Ähnliche Filme

Schon allein wenn man einen Blick auf den Regisseur Granz Henman und seine Filmographie wirft, kann man auf vergleichbare Filme stoßen. "Harte Jungs" und "Knallharte Jungs" sind Filme, die zwar rein gar nichts mit der Bundeswehr zu tun haben, aber vom Humor her grob in diesselbe Sparte eingeordnet werden können. Falls der vom Thema Bund unabhängige Humor in "Kein Bund Fürs Leben" also Gefallen bewirkt haben sollte, kann man sich eventuell auch für diese Vorgängerwerke des Regisseurs begeistern. Nicht mehr ganz so lustig, aber zumindest in der ersten Hälfte von der Thematik vergleichbar, wäre "Full Metal Jacket" eine weitere Alternative, besonders für diejenigen, die Armee-begeistert sind. Bevor der Film im zweiten Teil schließlich zum Kampfeinsatz wechselt, können sich die Zuschauer im ersten an den beleidigenden, aber doch lustigen Beschimpfungen des Marineausbilders erfreuen. Da der Film aber schnell ernst wird und auch einige "dunkle Seiten" aufweist, ist dieser hier mit etwas Vorsicht zu genießen.

Fazit

Trotz fast gänzlich fehlender Action, Spannung, Spezialeffekte und Emotionalität, kann "Kein Bund Fürs Leben" doch immerhin mit dem Spaßelement überzeugen. Die Bundeswehrszenerie allein bietet schon eine Menge Lachpotential, das durch die Mithilfe von Schauspielern wie Axel Stein noch erhöht wird. Dank den beiden überzeugenden Ausbildern wird hier parodiertes Bundeswehrfeeling pur geboten, das in gewissem Maße vielleicht sogar authentisch ist. Insgesamt also ein Film mit Humor, für den man sich als Deutscher nicht schämen muss!

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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