Lissi Und Der Wilde Kaiser Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 6

Laufzeit: 85 Minuten

Originaltitel: Lissi Und Der Wilde Kaiser

Schauspieler: Michael Bully Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian, Waldemar Kobus

Alarm! Die Kaiserin wurde entführt! Der ganze österreichische Kaiserhof steht am Rande der Verzweiflung und Kaiser Franzl sieht rot: Seine Frau Lissi...von einem Yeti gekidnapped! Und das direkt vor seiner Nase! Der Zeitpunkt könnte nicht ungünstiger sein: Die gesamte österreichische Armee ist außer Landes. Der schmucke Regent scheint ganz auf sich allein gestellt... Die Kutsche und die Pferde sind poliert, die Kaiserinmutter und der Feldmarschall stehen bereit - der Feldzug kann losgehen! Aber der hohe Adel ist nicht der einzige Jäger des teufelsverfolgten Himalayabewohners. So mancher Provinzling will dem freundlosen Pelztierchen ebenfalls an den Kragen. Bedrängnis von allen Seiten! Ein schmaler Grad zwischen Dialekt und Missverständnis. Und die hilflose Kaiserin Lissi mittendrin - der Kaiserschmarn ist serviert!

Storyline:  80%

Zugegeben: Die Story ist nicht sonderlich komplex. Es gibt im Grunde nur 3 Handlungsstränge: Lissi und Franzs Leben auf dem Schloss, der Weg des bedrängten Yeti und die Arbeit der beiden bayerischen Urgestalten. All das läuft jedoch recht schnell zu einem einzigen Handlungsfaden zusammen: Jagt den Yeti! Die Einfachheit der Story trifft sicherlich auf kontroverse Meinungen. Die einen fühlen sich unterfordert, die anderen erfreuen sich am Unterhaltungskino ohne viel denken zu müssen. Man sollte sich jedoch vor Augen halten, dass die wenigsten Komödien mit einer endlos verzweigten Story aufwarten. Und das auch zurecht: Witze sind nur lustig, wenn man sie auch versteht. Sicher werden die wenigsten Komplex-Komödien Erfolge feiern. Zumindest hat sich das bisherige Muster für dieses Genre gut bewährt: Einfache Story, einschlagende Witze und damit verbunden unterhaltene Zuschauer. So ist es auch bei "Lissi Und Der Wilde Kaiser". Man kann vom Handlungskonzept halten, was man will. Eine Erkenntnis bleibt: Es bindet die Unzahl an Gags verdammt gut in den Film ein. Ob das bei einer anderen Konzeption in diesem Maße gelungen wäre, bleibt zu bezweifeln. 

Action/Fesselfaktor:  15%

Aus dem Filmganzen folgt schon, dass man keine ernste Action oder Spannung erwarten kann. So ist es dann eben auch. Bei verschiedenen Jagd-Szenen ist eine gewisse Art von Action zwar nicht zu leugnen. In der Realität wird man aber kaum angespannt sein oder erschrocken zusammenzucken. Der Gesamteindruck des Filmes ist einfach zu unernst. Für Action und Spannung im klassischen Sinne muss man sich also anderen Produktionen und wohl auch anderen Genres zuwenden.

Animationen/Technische Umsetzung:  90%

Zur Bewertung der Animationen muss man sich Folgendes bewusst machen: Das Budget für "Lissi Und Der Wilde Kaiser" war um ein Vielfaches niedriger als das von anderen Animationsfilmen diesen Jahres. Im Vorfeld konnte man also die Erwartungen recht weit nach unten schrauben. Nicht Wenige haben dabei wohl animationstechnisch einen kompletten Reinfall erwartet. Nach einem Besuch des Endproduktes dürften die meisten Zweifler jedoch belehrt worden sein. Qualitativ kann man "Lissi Und Der Wilde Kaiser" sicher nicht mit ausländischen Produktionen wie "Ratatouille" vergleichen. Aber trotz der begrenzten zur Verfügung stehenden Mittel haben die CGI-Animateure großartige Arbeit geleistet. Die Figuren und die Umgebung haben Charme und die Bewegungsabläufe sehen durchaus menschlich aus. Einige Schönheitsfehler sind zwar noch vorhanden und nicht alles ist optimal gestaltet. Aber dennoch hat man hier einen soliden Animationsfilm vor sich, der für eine deutsche Produktion sehr ordentlich geraten ist. Da hat Bully bei minimalem Aufwand wohl das Maximale rausgeholt!

Besetzung:  90%

Von einer Besetzung kann man angesichts der virtuellen Schauspieler kaum sprechen. Dennoch erkennt man sofort die Menschen, die hinter den einzelnen Figuren stecken. Lissi und Franz sieht man zum Beispiel mitunter am deutlichsten die Züge von Michael "Bully" Herbig und Christian Tramitz an. Markanter noch sind jedoch die Stimmen. Diese werden der Mehrzahl der Figuren von den drei Aushängeschildern der "Bullyparade" geliehen: Bully, Tramitz und Rick Kavanian. Typisch für die drei legen sie in gewohnter Manier in fast jeder Rolle mit Witzen und Gebrabbel los. Das Gefühl kommt auf, dass man die leibhaftigen Schauspieler direkt vor sich hat. In jedem Fall verleihen sie ihren Charakteren Herz und Seele, ganz wie früher im "Schuh Des Manitu" - hier eben nur auf indirekte Weise. Trotz neuer Situation eine gewohnt gelungene Leistung der drei Herren!

Funfaktor:  95%

Die große Stärke von "Lissi Und Der Wilde Kaiser". Wer hier nicht lacht ist selber schuld. Wer die Bullyparade kennt, wird sicherlich den einen oder anderen bekannten Moment erleben. Der Humor insgesamt ist jedenfalls nicht viel anders. Genug Anlässe zur Erheiterung sind definitiv gegeben. Praktisch jede Szene am Kaiserhof - und später auch auf anderem Terrain - enthält einen oder mehrere Gags, Anspielungen oder Filmparodien. Die missverständlichen Wortspiele tauchen schon früh auf und werden auch im weiteren Lauf des Filmes als Running Gags erhalten. Herpes, Tripper und Polypen erhalten eine völlig neue Bedeutung und bescheren dem Zuschauer schonmal einen ungewollten Lacher. Running Gags kommen überhaupt sehr viele vor: Herumblödelnder Feldmarschall, vom Hammer erschlagener Einweiser und mundgeruchgeplagter Yeti sind nur einige wenige Beispiele. Auch an Anspielungen auf andere Filme mangelt es in "Lissi Und Der Wilde Kaiser" nicht. "Titanic", "Fluch Der Karibik" und "King Kong" sind hierbei wohl die auffälligsten Opfer, die durch den Kakao gezogen werden. Doch auch aus sich selbst heraus bietet der Film einige neue Lachgaranten: Die beiden Bayern Ignatz und Schwaiger sorgen mit ihrer urigen Art und ihrem Gebrabbel sicher für ein amüsiertes Publikum. Der Zusammenprall verschiedenster Dialekte allein verbucht schon ein humoristisches Plus zugunsten Bullys. Freunde der Bullyparade werden diesen Film ähnlich wie den "Schuh Des Manitu" wohl lieben. Aber auch andere Zuschauer werden hier mit Sicherheit auf ihre Kosten kommen.

Taschentuchquote:  -

Angesichts der eben genannten Punkte ist schon klar, was man von diesem Kriteriumspunkt zu halten hat. Wieder mal gilt: Der Film ist zu lustig, um überhaupt ans Weinen denken zu lassen. Und selbst vermeintlich aussichtslose Situationen gewinnen angesichts der Komik nicht unbedingt an Trauerpotential. Lachtränen sind hier das einzige, was einen Griff zum Taschentuch rechtfertigt. 

Soundkulisse:  85%

Erstaunlich gut schneidet die Musik in "Lissi Und Der Wilde Kaiser" ab. Ständig ist im Hintergrund der passende Sound parat. Der wirkt dabei aber nicht mal zu aufdringlich, sondern hat genau das richtige Mittelmaß. Besonders bei den diversen parodistischen Anspielungen auf Blockbuster kommt das jeweils passende Thema zum Tragen. Aber nicht 1:1 übernommen, sondern nachgespielt und leicht abgeändert, sodass man es noch erkennen kann. Zudem sind etliche deutsche Künstler musikalisch involviert, die man, wenn man es nicht wüsste, gar nicht erkennen würde. Max Mutzke und die Killerpilze haben sich hier unter anderem auf eine gute Weise verewigt. Insgesamt also eine ziemlich gelungene Musikuntermalung.

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An welchem Filmvorbild sich "Lissi Und Der Wilde Kaiser" orientiert, ist klar. Um den kompletten Inhalt des Gag-Paketes herausholen zu können, kann die Auseinandersetzung mit den original Sissifilmen der 50er Jahre also nicht schaden. Viele Witze werden sicher erst durch die Kenntnis des parodierten Urfilmes verständlich. Gleichwohl sollte man als Zuschauer zumindest ein paar mal die "Bullyparade" gesehen haben. Sie bildet nicht nur die Humorgrundlage, der ganze Film ist im Grunde eine Auskoppelung daraus. Wem bisher "Der Schuh Des Manitu" und "Traumschiff Surprise Periode 1" entgangen sein sollte, seien diese beiden Filme wärmstens ans Herz gelegt. Nicht nur der Regisseur ist derselbe, auch der Humor ist auf einem ähnlichen Level wie bei "Lissi Und Der Wilde Kaiser". Lediglich die Schauspieler sind echte Menschen statt animierte Figuren. Allgemein gilt: Wer diese Sissi-Verulkung mag, wird auch an anderen Bully-Filmen seinen Spaß haben.

Fazit

Ein Animationsfilm mit geringem Budget - was soll daraus schon werden? Eine verdammt gute Komödie in "Schuh Des Manitu"-Manier, wie Bully eindrucksvoll beweist. Zwar kann man nicht leugnen, dass andere Animationsstudios qualitativ höherwertige Arbeit leisten. Diese haben meist aber auch einfach mehr finanzielle Mittel, die entsprechend umgesetzt werden können. Aus den wenigen Ressourcen haben die Bildschirmzauberer in "Lissi Und Der Wilde Kaiser" jedoch das Maximale herausgeholt. Bully, Tramitz und Kavanian glänzen wie eh und je, auch wenn sie diesmal nicht direkt selbst schauspielern. Lacher sind hier eigentlich vorprogrammiert, es ist auf jeden Fall extrem schwer, um sie herum zu kommen. In beinahe jedem Satz kommt ein Gag zum tragen und dieser ist noch dazu meist wirklich witzig. Wer Bullys Filme bisher mochte, wird diesen hier sicherlich auch lieben!

Vielleicht nicht der beste Animationsfilm des Jahres, aber doch eine überaus unterhaltsame und gelungene Animationskomödie! Zu 95% den Gang ins Kino wert!

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers

 



 


 
 

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