Next Filmkritik von Florian Hösch


                                                          

       FSK: 16

       Laufzeit: 96 Minuten

       Originaltitel: Next                                                   

       SchauspielerNicolas Cage, Julianne Moore, Peter Falk, Jessica Biel                                                                    

Manch einer würde wohl fast alles dafür geben, einen Blick in seine Zukunft erhaschen zu können. Bühnenzauberer Cris Johnson fühlt sich mit ebendieser Gabe aber alles andere als gesegnet. Seine unerklärliche Fähigkeit, 2 Minuten weit in seine eigene Zukunft blicken zu können erscheint ihm mehr als ein Fluch denn als ein Segen. Um ein normales Leben bemüht, hält er sich in Las Vegas mit seiner schlecht besuchten Zaubershow und unauffälligen Einsätzen an den Tischen der Casinos über Wasser. Als aber eine von Terroristen entwendete Atombombe das Leben von mehreren Millionen Menschen bedroht, steht ihm das Wasser schon bald zum Hals. Denn das FBI will sich seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten bedienen, um die drohende Katastrophe noch rechtzeitig abzuwenden. Seinen Bemühungen um Anonymität und Normalität treubleibend, geht er dieser unangenehmen Konfrontation jedoch aus dem Weg, denn seine Interessen liegen woanders. Die schöne Liz ist als Gegenstand ungewöhnlich weit vorgreifender Zukunftsvisionen das Einzige, das ihm in seiner momentanen Situation von Bedeutung ist. Aber bald wird er lernen müssen, dass die Wege des Schicksals auch für einen Sonderling wie ihn verschlungen und unergründlich sind und eine relativ unsichere Zukunft vor ihm liegt...

Storyline

Eine Story mit Potential, möchte man meinen. Traurige Tatsache ist aber, dass ein Großteil davon leider ungenutzt verpufft. Lassen die Anfangsminuten im Casino noch Hoffnung auf einen hochkarätigen Film aufkommen, so verspielt die fortschreitende Handlung zunehmend ihre Chancen, bis sie am Ende mit leeren Händen dasteht. Dabei bietet die Story so viel mehr Möglichkeiten, als das, was letztlich durch Herrn Goldman im Drehbuch umgesetzt wurde. Unklarheiten, Ungereimtheiten und offene Fragen machen sich breit, ohne, dass bis zum Ende auch nur eine Antwort oder vernünftige Erklärung gegeben wird. Wer sind diese Terroristen und welche Pläne verfolgen sie mit der Detonation der gestohlenen Atombombe? Was genau hat es mit den mysteriösen Fähigkeiten von Cris Johnson auf sich? Wieso kann er durch Zukunftsvisionen mit Liz Stunden weiter in die Zukunft schauen? Wen genau soll Peter Falk in seiner Rolle darstellen? Und warum haben es sich nur alle so unnachgiebig in den Kopf gesetzt, Nicolas Cage zu töten oder als Verbündeten zu gewinnen? Viele ungeklärte Fragen, die so stehen gelassen werden. Besonders die letzte Frage ist von größerer Bedeutung, da der ganze Film auf der nicht gegebenen Antwort aufbaut. Es ist nicht ganz einsichtig, warum das FBI scheinbar alle Kräfte und Energien darauf verwendet, einen flüchtigen Bühnenmagier zur Mithilfe zu bewegen. Ein Blick in eine 2 Minuten vor einem liegende Zukunft kann zwar hilfreich sein, aber es ist nicht ganz realistisch, dass das ach so fähige FBI offenbar alle anderen Hoffnungen aufgibt und alles an Vertrauen in einen Sonderling wie Johnson setzt. Ebenso fragt man sich, wieso die anonymen Terroristen immer wieder das Risiko einer Konfrontation mit den Behörden eingehen. So wichtig kann Nicolas Cage in seiner Rolle als Cris Johnson doch gar nicht sein. Auch die Liebesgeschichte zwischen Liz und Cris wirkt unglaubwürdig und gestelzt. Innerhalb von geschätzten 2 Tagen eine derart schnelle Liebe zu entwickeln, die letztlich so stark ist, dass ein derartig geschilderter, unerschütterbarer Zusammenhalt entsteht...ist einfach nicht realistisch. Ebensowenig wie die immer gottähnlicher werdenden Fähigkeiten von Johnson. Schon allein von der Idee her ist "Next" nicht ganz so realitätsnah, man hätte aber wenigstens die Handlung glaubwürdiger gestalten können.

Action/Fesselfaktor

Ein Film mit Nicolas Cage ohne Action? Auch in "Next" wird man sicher nicht von den Actionsequenzen enttäuscht sein, auch wenn sie sich über weite Teile im Hintergrund halten. Ein Überfall und eine Verfolgungsjagd zu Beginn geben den nicht ganz so sanften Auftakt. Danach folgt aber außer ein paar vereinzelten Morden lange Zeit nicht viel. Erst in der zweiten Hälfte des Filmes wird der Auftakt fortgeführt und - manchmal übertrieben aber dennoch - gesteigert. Am Ende kommt dann buchstäblich der große Knall. Freunde von Schießereien werden besonders bei den letzten Szenen sicherlich zufrieden sein, aber auch die ein oder andere Schlägerei steht auf dem Plan. Trotz der Mängel in der Story hat der Film aber durchaus einen spannenden Charakter und ist in dieser Hinsicht gar nicht mal schlecht geraten. Auch wenn die Zukunft permanent vorausgesehen wird, weiß man doch im Grunde nie, was als nächstes passiert. Bis zum überraschenden Ende hin liegt die Zukunft doch sehr im Dunkeln und ein Spannungsabfall ist eigentlich nicht zu verzeichen. Am Schluss kann sich der Zuschauer jedoch zuweilen schon an der Nase herumgeführt fühlen, da das ganze vorherige Mitfiebern angesichts des offenen Endes umsonst gewesen zu sein scheint. Auf verschiedene Zuschauer hat das Ende vermutliche verschiedene Wirkungen und da es darüber wohl sehr viele verschiedene Meinungen gibt, sei es mal dahingestellt, ob das Ende brilliant oder einfallslos ist.

Specialeffects/Technische Umsetzung

Brilliant wäre zwar übertrieben, aber einfallslos ist die Umsetzung des Drehbuchs sicher nicht. Lee Tamahori hätte wesentlich schlechtere Darstellungsweisen für die Zukunftsvisionen wählen können, die von ihm gewählten sind wirklich recht ordentlich. Sieht man zu Beginn nur einen äußerst geschickt und getimed agierenden Nicolas Cage, glaubt man ihn ein anderes mal schon verloren, woraufhin er wieder gesund und munter um die Ecke geschlendert kommt. Kurzum: Die Darstellungen werden nie langweilig, es herrscht immer eine gewisse Abwechslung, sodass man sich nie ganz sicher sein kann, ob die Geschehnisse jetzt Gegenwart oder Zukunft sind. Bei einer solchen Szene, in der sich Nicolas Cage in ungefähr 20 verschiedene Cris Johnson aufteilt und so alle möglichen Wege in seiner Zukunftsvision ausprobiert, kommt auch schon ein ganz passabler Spezialeffekt zum tragen. Diese sind im Großen und Ganzen auch nicht schlecht gelungen, man kann mit ihnen zufrieden sein und wird wenigstens nicht so davon erschlagen, wie in manch anderem Film. Lediglich der Lawine aus Wasserturm, Dampflok und Baumstämmen sieht man ein wenig die Unechtheit an, ansonsten haben sich die Animateure aber ihren Lohn redlich verdient.

Besetzung

Ob die Schauspieler ihren Lohn verdient haben ist dagegen manchmal fraglich. Insgesamt wirken die Charaktere eher blass, was wohl vor allem am Drehbuch, aber auch an der zum Teil etwas matten Umsetzung der Akteure liegt. Es fehlt wieder einmal die Identifikationsmöglichkeit mit den Personen, die im Allgemeinen sehr wenig von sich preis geben und nur oberflächlich dargestellt sind. Nicolas Cage kann in seiner Rolle zwar halbwegs überzeugen, in ihn erhält man die meisten Einblicke, aber diese sind dennoch nicht so tiefgreifend, als dass der Zuschauer den Charakter richtig erfassen könnte. Bei Jessica Biel alias Liz geht die Charaktertiefe noch weiter zurück, bis sie schließlich bei den Terroristen und Thomas Kretschmann ihren Tiefpunkt hat. Man erfährt weder, wer sie sind, noch woher sie kommen oder was genau sie wollen. Sie bilden einfach den bösen Gegenpart zum FBI, wirken dabei aber extrem farblos und dienen scheinbar nur als 0815-Platzhalter. In jedem Fall eine unbefriedigende Leistung, die den Schauspielern nicht gerade einen Karriereschub geben dürfte. Zuletzt fragt man sich noch, welche Rolle "Columbo"-Star Peter Falk im Filmganzen zu spielen hat. Dieser tritt nämlich nur geschätzte fünf Minuten auf und versinkt in einem Meer aus Überflüssigkeit. Es fehlt natürlich wieder jegliche Information darüber, wer genau dieser Irv sein soll, sodass wieder mal ein Schauspieler unter seinen Fähigkeiten agieren muss.

Funfaktor

Nicolas Cage ist ja eigentlich eher für die Darstellung seiner ernsteren oder gelasseneren Rollen bekannt. Aber so ganz ernst und unlustig ist der Film dann doch nicht aufgezogen. Auch wenn "Next" keine wirklichen Brüller zu bieten hat, sind schon einige Passagen dabei, die für ein Lachen gut sind. Man denke dabei an die wirklich gelassene und coole Flucht aus dem Casino gleich am Anfang, bei der alles dermaßen gut getimed ist und das Sicherheitspersonal so an der Nase herumgeführt wird, dass man gar nicht anders kann als zu lachen. Die Flirtversuche im Restaurant sind dagegen nicht mehr ganz so lässig, aber trotzdem lustig. Dank seiner Gabe exerziert Cris alle klischeehaften und alltäglichen Anmachsprüche durch, bis er schließlich nach langem Probieren Erfolg hat. Da fühlt man sich auf eine ironische und lustige Weise schon an die eigenen vielleicht ebenso kläglichen Versuche in diese Richtung erinnert und kann sich darüber freuen, dass sich selbst die großen Stars aus Hollywood nicht unbedingt besser anstellen.

Taschentuchquote

Wenn man sich auch an eben genannter Stelle etwas miteinbezogen fühlen kann, fehlt wie gesagt handlungsbedingt zum Großteil weiteres an Identifikationsmöglichkeit. Die Ausgangslage an sich wäre ja prädestiniert für ein emotionales Mitfiebern am Ende, als die große Liebe zur Geisel wird und es um Leben und Tod geht. Aber durch die flachen, matten Charaktere, die oberflächliche Behandlung ihres Gefühlslebens und die unglaubwürdig schnell kommende Liebe, ist die gefühlsmäßige Betroffenheit nur in geringem Maße vorhanden. Das ist wiedereinmal schade und leider noch mehr verschenktes Potential.

Soundkulisse

Auf der Suche nach großen Mankos oder Glanzleistungen wird man sicherlich mit Blick auf die Filmmusik nicht viel finden. Sie ist weder herausragend noch grottenschlecht. Eigentlich fällt sie kaum auf und hält sich eher im Hintergrund, sodass man nicht viel von ihr mitbekommt. In seiner Mittelmäßigkeit ist der Sound nicht wirklich zu beurteilen, aber ganz zufriedenstellend ist er wohl  nicht.

Ähnliche Filme

"Next", der auf der Kurzgeschichte "The Golden Man" von Philip K. Dick basiert, ist sicher nicht der einzige Film, der sich mit dem Phänomen Zeit beschäftigt. Wer Gefallen an diesem Film oder der Thematik allgemein findet oder gefunden hat, sollte vielleicht  auch einen Blick auf "Paycheck - Die Abrechnung" mit Ben Affleck oder "Minority Report" mit Tom Cruise werfen. Die beiden Filme behandeln zwar nicht die angeborene Gabe, in die Zukunft schauen zu können, haben aber auch mit Blicken in die Zukunft und den daraus resultierenden Folgen zu tun. "Butterfly Effect" handelt zwar nicht von zukünftigem, wohl aber von der Vergangenheit und weist auch gewisse Ähnlichkeiten auf. Statt unter Visionen der Zukunft, leidet der Protagonist unter Flashbacks in die Vergangenheit, die er neu durchleben kann.

Fazit

"Next" besitzt vor allem eins: Ein hohes Maß an verschwendetem Potential. Hätten Lee Tamahori und Gary Goldman wie die Hauptfigur des Films ein bisschen vorausschauender gedacht, dann hätte die Grundidee zu soviel mehr ausgebaut werden können. So wie der Film aber letztlich geworden ist, liegt er weit von seinem Optimum entfernt. Er ist zwar einigermaßen spannend und actionreich und auch die technische Umsetzung ist durchaus gut gelungen. Aber darüber hinaus bietet er leider nur eine lückenhafte Story mit vielen Ungereimtheiten und offenen Fragen und eine fehlende Tiefe der Charaktere. Trotz allem ist er aber unterhaltend und nicht zwangsläufig eine Fehlinvestition, landet schließlich aber nur abgeschlagen im Mittelfeld.

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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