Operation: Kingdom Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 16

Laufzeit: 110 Minuten

Originaltitel: The Kingdom

Schauspieler: Jamie Foxx, Jennifer Garner, Chris Cooper, Jason Bateman

Der 11. September 2001. Ein schicksalshafter Tag mit weitreichenden und profunden Folgen. Vor allem für die USA und die arabischen Staaten markiert dieses Datum den Beginn gespannter Beziehungen. Terroranschläge und Selbstmordattentate sind seither an der Tagesordnung und fast täglich gehen dahingehende Berichte durch die Medien. Die Mehrzahl der Bevölkerung lebt dennoch ihr gewohntes Alltagsleben. Auch FBI-Agent Ronald Fluery geht normalen Aktivitäten nach und ahnt nicht, was in diesem Moment einige tausend Kilometer entfernt geschieht: Ein Softballspiel in der saudi-arabischen Stadt Riad wird Ziel eines brutalen Terroranschlages. Mehrere hundert ausländische Bewohner, zum Großteil Amerikaner, werden Opfer der Selbstmordattentäter. Als nun auch noch ein guter Freund und Kollege von Fluery bei einem erneuten Anschlag den Tod findet, gibt es für den Ordnungshüter kein Halten mehr: Mit einem 3-köpfigen Spezialistenteam macht er sich auf den Weg, den Verantwortlichen mit professionellen FBI-Methoden zur Strecke zu bringen. Doch mitten im Brandherd hat das Quartett mit mehr als nur dem Misstrauen der örtlichen Polizei zu kämpfen. Bald schon werden die 4 Amerikaner selbst zum Ziel rücksichtsloser Anschläge... 

Storyline:  70%

Der internationale Terrorismus hat nun also auch Einzug in die Kinos gehalten. "Operation: Kingdom" ist sicher nicht der erste Film, der sich mit dieser Thematik auseinandersetzt. Dennoch stellt es ein riskantes Unterfangen für Regisseur Peter Berg dar, den vorurteilsbehafteten Kampf gegen den Terror auf Zelluloid zu bannen. Die Handlung des Filmes gründet sich dabei nicht auf ein explizites Inspirationsereignis. Es wird vielmehr eine fiktive Geschichte zu den bisher erfolgten Geschehnissen erzählt, die wohl repräsentativ für die momentane Situation im nahen Osten stehen soll. Passend hierzu kleidet sich schon das Intro des Filmes: Als eine Art Zeitstrahl wird auf kreative Weise das Verhältnis zwischen USA und Saudi-Arabien im Laufe der Zeit in Szene gesetzt. Eine Einleitung, die auf einen Thriller mit zahlreichen politischen Verwicklungen hoffen lässt. Diese Hoffnung wird aber leider nur zum Teil erfüllt. Nach einem anfänglichen Fundament politischer Differenzen wird ab der Ankunft der Protagonisten in Saudi-Arabien kaum noch auf politische Sachverhalte eingegangen. Die Schicksale der einzelnen Personen treten in den Vordergrund. Das ist natürlich einerseits eine Erleichterung für den Actionfreund, der sich nur ungern durch ermüdendes Bürogerangel langweilen lässt. Andererseits erfüllt "Operation: Kingdom" hierdurch zunehmend weniger die Kriterien eines Politthrillers und nimmt vorrangig Züge eines Actionthrillers an. Dass er dadurch aber als eine Verfehlung einzustufen ist, wäre zu voreilig. Denn letztlich gibt der Film zwar keine allzu politische, doch immerhin eine lehrreiche Moral mit auf den Weg: Alle Menschen sind im Grunde gleich. Beide Seiten, Amerikaner als auch Saudis, nehmen sich vor, den jeweils anderen zu töten. Lediglich die kulturellen Hintergründe sind verschieden, doch glauben beide Seiten im Recht zu sein und Rache zu verdienen. Die Story ist also nicht ganz so politisch, wie es im Vorfeld behauptet wurde. Trotz der auffälligen Actiontendenz beinhaltet "Operation: Kingdom" aber dennoch eine wichtige Botschaft: Auch Saudis sind Menschen.

Action/Fesselfaktor:  80%

Genannte Message wird aber erst am Ende nach einer kleinen Denkpause klar. Den Anfang halten nicht so sehr Morallehren in der Hand. Schockierende Bilder sind es, die den Filmbeginn dominieren und bereits eine Vorprägung des Folgenden verursachen. Der Anschlag der Dschihadkrieger auf das westliche Softballspiel stellt schon einen frühen und brutalen Höhepunkt der Action dar. Hierbei geht es wirklich richtig zur Sache. Der Regisseur nimmt kein Blatt vor den Mund und inszeniert ein erschreckend authentisches Gemetzel, das die Selbstmordattentäter hier veranstalten. Actionfreunde werden sicherlich nicht enttäuscht werden, auch wenn sich hier die Gewalt nicht nur gegen Erwachsene, sondern gegen Opfer jedweden Alters richtet. Nach diesem blutigen Auftakt mit zwei aufeinanderfolgenden Anschlägen, wird dem Zuschauer erst mal eine Ruhepause gegönnt: Der Mittelteil des Filmes spart sehr mit kriegerischen Aktionen. Das heißt aber nicht, dass bis zum Ende gar nichts mehr los ist. Die ständige Präsenz von saudi-arabischen Polizisten hält stets die Möglichkeit offen, Zeuge eines Angriffs auf die amerikanischen Ermittler zu werden. Durch die Differenzen zwischen den beiden Kulturen baut sich eine gewisse Spannung auf, die sich schließlich im letzten Drittel des Filmes entlädt. Bei den folgenden Schießereien nimmt Regisseur Peter Berg wieder kein Blatt vor den Mund und bietet genau wie am Anfang überdeutliche Einblicke in die Brutalität der Terrorkonflikte. Action und Spannung lassen hier also kaum zu wünschen übrig.

Specialeffects/Technische Umsetzung:  75%

Die übliche Symmetrie zwischen Action und Specialeffects kommt auch in diesem Film wieder zum Ausdruck. Die Explosionen der selbstgebauten Sprengsätze der Attentäter sind von einer visuell guten Qualität. Ähnliches gilt für die Schießereien, denen man so ziemlich ohne Vorbehalt Authentizität zuschreiben möchte. Es kommt ein insgesamt erschreckend glaubwürdiges Terrorkriegsfeeling zustande, das durch die sehr echt wirkenden Kulissen und die Ausstattung noch verstärkt wird. Die Karamboulage auf der Autobahn fällt qualitativ sicherlich nicht aus dem Muster, an ihr wird aber eine andere Schwäche von "Operation: Kingdom" besonders deutlich: Es wird oftmals eine Handkamera verwendet, die für gewöhnlich nur äußerst störend wirkt. Dabei muss man aber sagen, dass die Verwendung hier zumeist zahmer und bedächtiger erfolgt als in so manchem anderen Film. Dennoch kann man bei der ein oder anderen Szene nur rätseln, was genau passiert. Das sich überschlagende Auto erscheint z.B. nur als ein Klumpen sich drehenden Blechs. Das unterstreicht zwar eine gehetzte Stimmung, raubt aber leider zu oft die Übersicht über das Geschehen. Ansonsten kann man die visuelle Umsetzung als sehr gelungen bezeichnen.

Besetzung:  70%

Als Aushängeschild eines Filmes lastet wohl auf jedem Schauspieler ein beachtlicher Druck. Jamie Foxx und Jennifer Garner sind diesem in ihren Rollen als Ronald Fluery und Janet Mayes aber durchaus gewachsen. Zu überzeugen wissen sie allemal, was eigentlich auch für den ganzen Rest der Darsteller gilt. Besonders hervor sticht jedoch der eher unbekannte Ashraf Barhom, der Colonel Al-Ghazi Gesicht und Stimme gibt. Als positives Aushängeschild Saudi-Arabiens avanciert er recht schnell zum Sympathieträger des Filmes. Seine Rolle hat eine nicht zu unterschätzende Bedeutung: Er repräsentiert ganz Saudi-Arabien und vielleicht auch übergreifend die arabischen Staaten. In seiner Person wird deutlich, dass es auch dort normale, gute Menschen gibt und nicht jeder ein potentieller Selbstmordattentäter ist. Diese Darstellung gelingt ihm jedenfalls hervorragend. Obgleich die Schauspieler an sich alle einen guten Job machen, hätte die Charaktereinführung länger und tiefgreifender ausfallen können. Das Privatleben der einzelnen FBI-Mitglieder wird kaum beleuchtet. Im Mittelteil werden sie zwar etwas näher vorgestellt, aber dennoch hätte hierauf mehr Wert gelegt werden können. Das einzige mehr oder minder erhebliche Minus dieses Gesichtspunktes.

Funfaktor:  50%

Vor dem Hintergrund eines Filmes, der sich mit dem internationalen Terrorismus beschäftigt, erwartet man eigentlich keinen Humor. Umso erstaunlicher ist es, dass man hier mit nicht wenigen Witzen rechnen muss. Hierbei handelt es sich aber hauptsächlich um klischeehafte oder einfach typische Ami-Äußerungen. Chris Cooper kann diesbezüglich selten den Mund halten, aber auch Jason Bateman trägt seinen Teil bei. Die Frage ist natürlich, inwieweit derartige Gaghascherei in das Gesamtkonzept von "Operation: Kingdom" passt. Ein sehr ernstes Thema wird durch komische Bemerkungen nicht unbedingt seriöser, soviel ist klar. Aber auf der anderen Seite muss man auch sehen, dass die Witze wohl zum Teil der Überbrückung des eher actionfreien Mittelteils dienen. Manche davon tragen auch einfach zur Auflockerung der Stimmung oder zur Verstärkung der Identifikation mit den Protagonisten bei. Einige Witze sind dagegen glatter Unsinn und können keinem wirklichen Zweck zugeschrieben werden. Ob die Humorelemente mehr störend oder dienlich sind ist schwer zu sagen. Das liegt wohl in der subjektiven Wahrnehmung des einzelnen.

Taschentuchquote:  70%

Die Emotionalität hingegen ist keinem Zweifel unterworfen. Wenn beim Verlassen des Kinos eine solch bedrückte und nachdenkliche Stimmung vorherrscht, muss der Regisseur etwas richtig gemacht haben. Das Thema allein sorgt schon für ein gewisses Maß an Nachdenklichkeit. Peter Berg hat aber noch zusätzliche Mittel eingesetzt: Die schockierenden Bilder von inhumanen Anschlägen auf Menschen jeden Alters und jeder Abstammung. Den Kindern kommt hierbei eine besonders bedeutende Rolle zu. Nicht nur, dass man der Realität nur ungern ins Auge sieht und den Tod von unschuldigen Kindern beobachten muss. Die Waisen wecken in ihrer hilflosen Verlorenheit und Trauer wohl beim Kaltherzigsten Mitgefühl und Anteilnahme. Und wenn ein kleiner Junge mit traurigen Augen in seiner kindlichen Naivität dem Freund seines Vaters das Geheimnis anvertraut, dass dieser gestorben sei, dann kommen schon einige Emotionen hoch. Berg spielt hier also geschickt mit den Gefühlen der Zuschauer und vermag, nicht zuletzt durch den Tod von Sympathieträgern, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Soundkulisse:  40%

Hat man das Intro gesehen, so hat man schon einen sehr genauen Eindruck von den musikalischen Elementen in "Operation: Kingdom". Dasselbe Thema wird wieder und wieder verarbeitet, basiert aber stets auf technoartigen Drum-Sounds. Bis auf den Einsatz eines Klavieres am Ende, um die bedrückende und traurige Stimmung zu untermalen, kommt da nicht viel Abwechslung rein. Hier ist der Sound also nichts wirklich Herausragendes. Er vermag zwar manchen spannenden Moment noch etwas hektischer zu machen, aber sticht rundum betrachtet nicht sehr hervor.

Ähnliche Filme

Einen Alternativfilm zu finden, ist aufgrund der bisher so nicht dagegewesenen Umsetzung recht schwierig. Freunde von Actionfilmen finden vielleicht an "Black Hawk Down" Gefallen. Die Rettung von Kameraden in einem nahöstlichen Land deckt sich war nicht annähernd mit dem Konzept von "Operation: Kingdom", aber der Actionfaktor dürfte in etwa der gleiche sein. Ein noch recht junger Thriller mit dem Thema Terror und Anschläge wäre "Catch A Fire". Dieser Film spielt zwar nicht im nahen Osten und hat auch nicht direkt mit den Beziehungen zu den USA zu tun. Er stellt aber eindrucksvoll den Kampf zwischen Terrorist und Terrorbekämpfer dar, der auch in einer gewissen Gleichheit der Menschen fußt. Eine Dokumentation, die etwas die Vorgeschichte zum gegenwärtigen internationalen Terrorismus behandelt, ist "Fahrenheit 9/11" von Michale Moore. Hier werden Fakten zum 11. September 2001 dargelegt, die den Interessierten sicher weiterbilden werden. Diese drei Filme haben in ihrer Gesamtheit eine nicht zu leugnende Distanz zu "Operation: Kingdom". Teilaspekte behandeln sie jedoch auch.

Fazit

Das Thema internationaler Terrorismus ist aktueller denn je. Hier setzt "Operation: Kingdom" an. Mit schockierenden Bildern und blutigen und gnadenlosen Actionszenen wird ein recht authentischer Eindruck vom täglichen Geschehen im nahen Osten vermittelt. In punkto Spezialeffekte und Action gibt es wenig zu meckern. Nur die Kameraführung ist das ein oder andere mal etwas suboptimal, wie so oft bei Handkameras. Politisch hält sich der Film jedoch etwas mehr zurück als man es zunächst angenommen hätte. Den Einzelschicksalen und der Action wird mehr Achtung gezollt als politischen Gefügen. Das ist natürlich für jeden Politthriller ein gewisser Minuspunkt. Der Einbau von humoristischen Elementen ist in der Gesamtthematik von "Operation: Kingdom" wenn nicht fragwürdig, dann doch zumindest zwiespältig. Die Schauspieler bringen jedoch auf jeden Fall eine durchwegs großartige Leistung, auch wenn der Charaktereinführung etwas mehr Achtung hätte geschenkt werden können. Dennoch vermag der Film vor allem eines: Zu berühren und aufzurütteln. Eine bedrückte Stimmung und eine Phase der Nachdenklichkeit ist nach Verlassen des Kinos jedenfalls vorprogrammiert. Und so ziemlich jedem, der nicht nur der Action frönt, sollte die Botschaft des Filmes klar werden: Ein Konflikt, in dem sich beide Seiten mit solchem Misstrauen gegenüber stehen, dass sie sich gegenseitig ausnahmslos töten wollen, kann nicht so leicht beigelegt werden. Letztlich sind jedoch alle Menschen irgendwie im Innersten gleich.

Ein Film, den man sicherlich mit einer 75% Empfehlung loben kann.

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers






 


 
 

Surftipps: User, die hier waren, besuchten übrigens auch diese Seiten:

 
 

Meinungen zu "Operation: Kingdom Filmkritik von Florian Hösch"