Resident Evil Extinction Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 18

Laufzeit: 94 Minuten

Originaltitel: Resident Evil: Extinction

Schauspieler: Milla Jovovich, Oded Fehr, Ali Larter, Iain Glen, Mike Epps, Ashanti, Christopher Egan

Nostradamus hat es schon vor Jahrhunderten erahnt: Der Untergang der Menschheit ist nur eine Frage der Zeit. In "Resident Evil: Extinction" ist die Welt der Erfüllung dieser Prophezeihung nun einen erheblichen Schritt näher gekommen, fast schon zu nahe. 99% der Weltbevölkerung sind innerhalb kürzester Zeit dem T-Virus zum Opfer gefallen, die Glücklichen darunter endgültig und unwiederbringlich, während der Rest sein Dasein als animalische Zombieausgeburt fristen muss. Die angesichts der massenhaften Infektionen längst geplatzten Vegetationsgürtel der Erde hinterlassen nichts außer unbelebten, lebensfeindlichen Wüsten. Nur Wenige haben die außer Kontrolle geratene Epidemie überlebt und noch weniger davon sehen noch reelle Hoffnung. Die Zukunft sieht stockfinster aus, doch nicht alle ergeben sich ihrem Schicksal: Outlaw Alice fällt auf ihrem einsamen Zug durch die Wüste Nevadas ein Tagebuch in die Hände, das Alaska als potentiel sicheren Zufluchtsort beschreibt. So schließt sie sich mit dem immer kleiner werdenden Konvoi aus Überlebenden, der ihren Weg kreuzt, zusammen. Doch Untote sind nicht das einzige, was den Weg zum neuen Ziel erschwert. Die Umbrella Corporation hat einmal mehr ihre schmutzigen Finger im Spiel und so muss Alice ihre neu gewonnenen Kräfte bis zum letzten ausreizen. Ist der totale Untergang noch aufzuhalten?

Storyline:  55%

Wieder mal erwacht Milla Jovovich alias Alice zu Beginn des Filmes ohne zu wissen, wo sie ist. Nichts neues? Wenn man sich da mal nicht täuscht! Der Anfang hält entgegen allen Erwartungen eine Überraschung bereit, ist man es doch nicht gewohnt, die Hauptdarstellerin gleich zu Beginn des Filmes sterben zu sehen. Nach diesem erfreulich abwechslungsreichen Auftakt sind die Ansprüche an das Kommende natürlich hoch. Nur leider war dieser Anfang schon so ziemlich das intuitivste, was "Resident Evil: Extinction" storytechnisch zu bieten hat. Getreu dem Model der beiden Vorgänger verflacht die Story schon nach sehr kurzer Zeit und schlängelt sich wie eine Schlange in der Wüste Nevadas auf dem Bauch durch den Rest des Filmes. Von neuer Kreativität kann da nicht die Rede sein. Die Ausrichtung des dritten "Resident Evil"-Teiles wendet sich wieder ganz klar vom Handlungsschwerpunkt ab und legt sein Augenmerk auf die Action, die Verzweiflung und die Darstellung des vermeintlichen Weltenendes in all seinen Facetten. Thematisch geht es also abermals ums nackte Überleben, verbunden mit dem scheinbar aussichtslosen Kampf gegen Horden von Zombies, der in mannigfaltigen Kampfszenen dargestellt wird. Ganz im Sinne der Vorgänger eben. Das soll aber nicht heißen, dass die Drehbuchautoren ihren Job vollends verpatzt hätten. Für einen Zombiefilm ist das Drehbuch allemal angemessen, denn es lässt noch besser als bei seinen Vorreitern Raum für das eigentliche Handlungselement: Zombiejagd!

Action/Fesselfaktor:  85%

Und diese Jagd auf bzw. das Gejagtsein von Untoten ist es, was den gewissen Charme aber vor allem den größten Teil dieser Spieleverfilmung ausmacht. Die Zahl der menschlichen Opfer ist kaum noch an beiden Händen abzuzählen. Was die Zombies betrifft empfiehlt es sich, gar nicht erst mitzuzählen, den Überblick verliert man so oder so. Beim Einsetzen des Abspannes kann man schließlich auf Berge toter Körper und Flüsse aus Blut zurückblicken, was die verwehrte Jugendfreigabe mehr als rechtfertigt. Da können selbst die ab und an eingebauten Erholungspausen zwischen den Kämpfen nichts mehr rausreißen: Für Jugendliche unter 18 Jahren, egal ob sie Spielfan sind oder nicht, ist diese Videospielverfilmung nicht geeignet. Im Übrigen ist dieser Film auch nichts für schwache Nerven oder Leute mit Herzflattern. Obgleich die Szenerie meist in der sonnenbestrahlten Wüste angesiedelt ist, gibt es doch bei weitem genug Szenen, in denen sich der schwach besaitete Zuschauer zum Aufschreien gezwungen fühlt. Denn letztlich weiß man nie sicher, wer oder was hinter der nächsten Ecke lauert und nicht selten taucht in Momenten der Sicherheit eine blutdürstende Bestie auf, die sich sogleich auf den nächststehenden Überlebenden stürzt. Für kinoreife Spannung und Action ist also bestens gesorgt.

Specialeffects/Technische Umsetzung:  85%

Desweiteren serviert uns Regisseur Russell Mulcahy hier auf visueller Ebene schmackhafte Kost, die die rüden und makabren Essgewohnheiten der Zombiehorden bei weitem überbefriedigen würde. Durch die Luft splitternde Holzdiehlen, realistische Splatter-Effekte und ein dank Milla Jovovich brennender Himmel zeugen nicht nur von beeindruckenden Spezialeffekten, sondern auch von höchstem technischen Stand. An der überzeugenden Qualität dieser Specialeffects gibt es wenig auszusetzen, nur die scheinbar plötzlich aufgetauchten Superkräfte der Protagonistin hinterlassen einen leicht herben Nachgeschmack. Schön anzusehen sind sie zwar, dennoch ist ihre Bedeutung im Filmganzen äußerst zweifelhaft. Fakt ist, dass Alice den Konvoi durch ihre gewachsenen PSI-Kräfte retten kann und damit ihren Aufenthaltsort preis gibt. Allerdings sollte man doch davon ausgehen können, dass ihnen auch im weiteren Verlauf des Filmes eine nicht unerhebliche Bedeutung zukommt. Das ist aber scheinbar nicht der Fall, zumindest fällt die finale Entscheidung auf konventionelle Art und ohne maßgebliche Unterstützung von übernatürlichen Fähigkeiten. Ob dies nun als eine der wenigen Kreativitätsausbrüche des Regisseurs zu verbuchen ist oder als Indiz dafür herangezogen werden kann, dass er mit diesem Handlungselement nicht mehr anzufangen wusste, bleibe an dieser Stelle mal dahingestellt. Erfreuliche Tatsache ist jedoch, dass Russell Mulcahy neben den zum Gruseln authentischen Zombieoutfits und den sonstigen technischen Spielereien auch ein Händchen für die Kameraführung bewiesen hat. Denn das Ablassen von der Handkamera, die in solchen Filmen nicht nur Hektik vermittelt, sondern dem Zuschauer für gewöhnlich nach nicht allzu langer Zeit auch gehörig auf die Nerven geht, stellt einen großen Bonuspunkt von "Resident Evil: Extinction" dar. Die so gewährleistete Übersichtlichkeit tut dem visuellen Erscheinen sichtlich keinen Abbruch, sondern öffnet eher dem Wirken von Action und Spezialeffekten ein Portal.

Besetzung:  30%

Immer wenn sich eine Tür öffnet, schließt sich auch gleichzeitig ein Fenster. Die verdrehte Variante dieses alten Spruches trifft an dieser Stelle recht passend die Situation der Schauspieler. Ist der Film in Hinblick auf Action und Spezialeffekte über jegliche Kritik erhaben, so weist er doch in der Darstellung der Charaktere erhebliche Mängel auf. Milla Jovovich bleibt hier mal außen vor, denn ihre Verkörperung der Alice ist ähnlich wie in den Vorgängern recht überzeugend und gehört auch schon zum Grundgerüst von "Resident Evil". Die übrigen Charaktere hingegen glänzen lediglich durch ihre schlechte Beleuchtung und den schlicht und ergreifend fehlenden Tiefgang ihrer Rollen. Weder Sängerin Ashanti noch sonst einem Angehörigen des Überlebenden-Konvois fühlt man sich durch eine entsprechende Einführung der Charaktere verbunden. Dementsprechend unbeeindruckt ist der durchschnittliche Zuschauer, wenn er diese nur grob vorgestellten Personen durch Zombie- oder Vogelattacken sterben sieht. Man kann den meisten Schauspielern sicher nicht vorwerfen, sich nicht angestrengt zu haben. Oded Fehr und Iain Glen machen allein betrachtet sicher keine schlechte Figur. Das Drehbuch wirkt aber leider zu kontraproduktiv, sodass man schließlich nur einfache Menschen abtreten sieht, wo eine tiefere Beziehung hätte aufgebaut werden können.

Funfaktor:  5%

Angesichts des Genres ist dieser Punkt relativ kurz abzuhandeln: Nein, es gibt nichts zu Lachen. Die Thematik des Weltuntergangs ist sicher nicht der beste Anlass, eine Komödie aufzuziehen und wäre mehr geschmacklos denn lustig. Worüber man hier höchstens vereinzelt stolpern wird, sind einige Beispiele für schwarzen Humor, jedoch auch nicht wirklich für mehr als ein verunsichertes Grinsen gut. "Boah, der hat gespritzt!" ist vermutlich der witzigste Satz, den man hier finden wird. "Resident Evil: Extinction" ist ein ernster Film!

Taschentuchquote:  15%

Mit Einschränkungen kann man das eben gesagte auch hierauf übertragen. In Zombiefilmen ist es eher selten, dass emotionale Betroffenheit im Vordergrund steht bzw. effektiv umgesetzt wird. Es geht darum, an den Nerven zu zerren und den Zuschauer mit seinen Urängsten zu konfrontieren. In diesem Fall hätte allerdings durchaus mehr mit dem Gefühlsball der Zuschauer gespielt werden können, das Potential war gegeben. Dummerweise ist dieser Ball vorzeitig an der recht eckigen Darstellung der Charaktere geplatzt, sodass nur wenige halbwegs vorzeigbare Beispiele bleiben. Ashanti-Fans werden wahrscheinlich in den letzten Sekunden ihres Idols den Tränen nahe gewesen sein. Und auch Leute, die "Resident Evil: Apocalypse" gesehen haben, werden eine etwas tiefere Beziehung zu Oded Fehr als Carlos gehabt haben. Davon abgesehen ist aber auch aus diesem Punkt relativ wenig herauszuholen.

Soundkulisse:  55%

Als hätte man in so mancher Haus-Durchsuchungs-Szene nicht schon genug um einen vermeintlichen Zombieangriff zu bangen, trägt die Musik auch noch ihren Teil zum Zitter-Feeling bei. Härtere Sounds, die schon fast als Techno anmuten, überbrücken augenscheinliche Ruhephasen der Fahrt durch die Wüste, während das gekonnte Aussparen von Musikeinsätzen bei bestimmten Szenen die düstere Erwartung des Unheils noch hervorhebt. Über Musikgeschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, aber trotz aller Differenzen ist es doch nicht zu leugnen, dass der Soundtrack die Spannung gebührend hinterlegt und unterstützt. Andererseits fällt jedoch manchmal die etwas unsaubere Synchronisation ins Auge und Ohr. In weiten Teilen des Filmes wird ohnehin nicht übermäßig viel gesprochen und wenn, dann nur recht banale Dialoge auf niedrigem Niveau. Aber wenn dann mal die Stimme zum Einsatz kommt, passen die Mundbewegungen nicht immer zwangsläufig einwandfrei dazu. Dies ist aber der Übersetzung zuzurechnen und so könnten dem Originalfilm lediglich die etwas unreifen Dialoge zum Vorwurf gemacht werden.

Ähnliche Filme

Was hier wohl an erster Stelle zu nennen ist, sind natürlich die beiden Vorgängerfilme zu "Resident Evil Extinction": "Resident Evil" und "Resident Evil: Apocalypse". Zum Verständnis des Filmes und zur besseren Kenntnis der Hauptfiguren empfiehlt es sich auf jeden Fall, die beiden mal genauer in Augenschein zu nehmen. Ansonsten wäre noch "Planet Terror" zu empfehlen, ein erst jüngst erschienener Zombiefilm, in dem u.a. Bruce Willis eine Rolle inne hat. Allgemein lohnt es sich für Fans von "Resident Evil Extinction", den Weg in die Horror- und dabei speziell in die Zombiefilmabteilung der örtlichen Videothek zu gehen. Um eine ungefähre Vorstellung von gelungenen Inszenierungen zu geben, sei hier an dieser Stelle z.B. auf "Shaun Of The Dead" oder auf "30 Days Later" bzw. "30 Weeks Later" verwiesen. Wer weitere Werke von Regisseur Russell Mulcahy in Augenschein nehmen möchte, kann auch mit gutem Gewissen einen Blick auf die beiden "Highlander"-Teile werfen. Alt, aber gut. Alle anderen, die noch mehr von "Resident Evil" sehen wollen, können am Heimcomputer sicherlich auch ein bisschen entsprechende Stimmung aufkommen lassen - denn es gibt ja immer noch die Computerspiele.

Fazit

Das Trilogien-Jahr 2007 neigt sich dem Ende zu und die Welle von dritten Teilen scheint nicht abzuebben. Mit "Resident Evil: Extinction" kommt ein weiterer dritter Teil in die Kinos und noch dazu die Fortführung einer bisher nicht unerfolgreichen Videospielverfilmung. Von einem Qualitätsabfall gegenüber den Vorgängern kann man hier aber - ungewohnt bei einem Teil 3 -nicht sprechen. Ganz im Gegenteil: Die Actionatmosphäre ist spannungsgeladener denn je, mehr Zombies treiben über den ganzen Globus verteilt ihr Unwesen und die Spezialeffekte sind aktueller und beeindruckender als je zuvor. Die Charakterdarstellung hingegen bildet das große Minus, da man bis auf Milla Jovovich keine Person wirklich vermissen würde, selbst wenn diese einem Zombie zum Opfer fällt. Die Story ist darüber hinaus äußerst handlungsarm und dünn, was für einen Zombiefilm im Grunde nichts Ungewöhnliches ist. Dennoch wäre ein komplexerer Plot wünschenswert gewesen, aber was nicht ist, kann in einem vierten Teil ja vielleicht noch werden. Trotz einiger Unvollkommenheiten ist dieser Film dem Nervenstarken sicher zu 75% zu empfehlen.

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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