Rush Hour 3 Filmkritik von Florian Hösch


 

FSK: 12

Laufzeit: 91 Minuten

Originaltitel: Rush Hour 3

Schauspieler: Jackie Chan, Chris Tucker, Yvan Attal, Max von Sydow, Noémie Lenoir, Roman Polanski

Paris, die Stadt der Liebe. Romantische Cafés, gemütliche Stadtrundfahrten und erhebende Blicke vom Eiffelturm sind nur einige wenige Markenzeichen dieser besonderen Stadt. Es gibt wohl wenig, was den Charme von Paris zunichte machen könnte...aber für das Cop-Duo Carter und Lee ist wohl nichts unmöglich. Die beiden verschlägt es in "Rush Hour 3" nämlich in die französische Hauptstadt, um dem Geheimbund der Triaden den garaus zu machen. Der Tochter des angeschossenen Konsul Han durch ein Versprechen verpflichtet, jagen die zwei Chaos-Cops dem geheimnisvollen Attentäter Kenji hinterher, der nun nicht mehr nur ein Vergangenheitsgespinst für Inspektor Lee ist, sondern auch zum bestimmenden Faktor für dessen Zukunft wird. Und wenn das nicht schon genug wäre, lauern ununterbrochen Horden von Triaden im Schatten, darauf aus, die mysteriöse Liste Shy Shen weiterhin mit allen Mitteln geheim zu halten. Insgesamt hat das ungleiche Team also alle Hände voll zu tun und keine Zeit für schwache Momente!

Storyline

Dafür scheint Drehbuchautor Jeff Nathanson beim Kreativsein einige Schwächeanfälle erlitten zu haben. Die Handlung bietet im Vergleich zu "Rush Hour " oder "Rush Hour 2" im Wesentlichen kaum Neues und orientiert sich nur am altbewährten Konzept der Vorgänger. Die gesamte Story wirkt insgesamt etwas dünn und lose. Nach einem zufälligen Zusammentreffen von Carter und Lee geht es zwecks Triaden auch schon per Flugzeug nach Paris. Und ab da verliert die Story immer mehr an Festigkeit. Denn die beiden Cops irren buchstäblich in der Innenstadt umher ohne ein festes Ziel oder einen genauen Plan. Und das, wo doch angeblich die Zeit so knapp ist. Mehr zufällig als geplant fliegt den beiden durch vermehrte Anschläge eine Spur zu. Doch fragt man sich, was die beiden ohne fremde "Hilfe" unternommen hätten. Und dass die Triaden zwischenzeitlich von der Polizei dank Lees und Carters Hilfe zerschlagen worden sind, wirkt angesichts dessen, dass es eine beachtliche Geheimorganisation sein soll, doch weit hergeholt. Die Autoren wollten wohl mit aller Gewalt eine abgerundete Geschichte. Storytechnisch also nicht ganz so überzeugend. Denn Haudrauf-Comedy ist das Motto und dafür stellt die Handlung die Staffelei auch optimal auf; der charmante Tucker-Witz und die akrobatischen Martial-Arts-Leistungen Chans lassen sich so wunderbar aufspannen. Da macht es auch nichts, dass die Charaktere manchmal recht vorhersehbar agieren und die Wendungen der Handlung weniger überraschend sind als vielleicht geplant war. So war die Verkleidung Carters am Ende mehr als offensichtlich und auch die Entführung und Rettung von Soo Yung war leicht zu erahnen.

Action/Fesselfaktor

Besagte Rettungsaktion am Ende ist ein Paradebeispiel dafür, für was der Film gemacht wurde: Actionunterhaltung! Wer akrobatische Schwertgefechte im Asiatenstil oder schwindelerregende Balanceakte hunderte Meter über der Stadt sucht, findet sein Verlangen hoch oben auf dem Eiffelturm mit Sicherheit erfüllt. Denn kaum ist Kampfsportlegende Jackie Chan in Frankreichs romantischer Hauptstadt, kann er voll die Liebe zu seinen Fäusten entfalten. Dank der ständigen Versuchen der Triaden, Lee und seinen frauenvernarrten Kollegen Carter zu beseitigen, ist immer ein Anlass für Schlägereien feinster Art gepaart mit der ein oder anderen Schießerei gegeben. Mitreißende Action, die sogar französische Taxifahrer anstecken und über sich hinauswachsen lassen kann! Allerdings merkt man besonders dem mittlerweile 53-jährigen Jackie Chan das Alter an, denn die Stunts sind zwar immer noch klasse, wirken im Vergleich zu Teil 1 und 2 aber routinierter und weniger beherzt. Das mag vermutlich an den vermehrt auftretenden Doubles liegen und lässt sich dem Hauptdarsteller wohl kaum zum Vorwurf machen. Die Spannung in "Rush Hour 3" lässt sich leicht mit der Story und dem Gesamtkonzept in Verbindung bringen: Eine großenteils vorhersehbare Geschichte, bei der man erfahrungsgemäß nur wenig um das Leben der Hauptdarsteller fürchten muss, bietet eben keinen optimalen Nährboden für schweißtreibende Spannung. Lediglich die Actionszenen und das Finale auf dem Eiffelturm lassen einen Spannungshauch herwehen, viel mehr ist aber leider nicht drin.

Specialeffects/Technische Umsetzung

Filme wie "Stirb Langsam 4.0", die sich auch dem Actiongenre zuordnen lassen, kamen ja kaum ohne Explosionen und andere bombastische Spezialeffekte aus. "Rush Hour 3" gibt sich mit der einzelnen Explosion eines Autos zufrieden, während in anderen Actionfilmen schon fast an die hundert Autos demoliert werden. Lediglich ein Taxi erfährt noch Einbußen, denn durch das spontane Zutun der zwei Kultur-Crash-Cops werden unter anderem die Hintertüren stark in Mitleidenschaft gezogen. In diese Richtung geht auch der Rest des Filmes von den Spezialeffekten aus betrachtet. Er kommt mit wenig Effektzauberei aus und stützt sich vorrangig auf die Stunts der beiden Hauptdarsteller, vor allem Chans. Und man sieht: Es funktioniert! Minimaler Materialaufwand hat nicht gleich minimalen Medienerfolg zur Folge. Auch die akrobatisch kunstvolle Zerstörung im Kleinen, ohne nennenswerte Pyroeffekte weiß zu entzücken. Es kommt eben auf die Inszenierung an. Auch ohne große Feuerstürme kann eine explosionsartige Wirkung auf den Zuschauer erzielt werden, wie man an "Rush Hour 3" sieht.

Besetzung

Die beiden Protagonisten haben dabei wohl die bei "Rush Hour" gewohnte Wirkung auf den Kinozuschauer. Wie eh und je erfolgt die Rollenverteilung dahingehend, dass Carter und Lee in Arbeitsteilung ihre Umgebung unsicher machen. Während Inspector Lee eher schüchtern und zurückhaltend ist, nimmt Carter jede Gelegenheit wahr, um einen oder mehrere Witze zu reißen oder das andere Geschlecht zu erforschen. Wenn es dann aber hart auf hart kommt, ist Lee wieder der Spielemacher und sein Kollege hält sich - der Kampfkunst nicht ganz so mächtig wie sein Partner - etwas mehr im Hintergrund. Alles in allem wissen Jackie Chan und Chris Tucker auch im 3. Teil zu überzeugen und werden ihren Rollen durchaus gerecht. Die Tatsache, dass sich Chan öfter hat doubeln lassen, fällt dem Fan zwar ins Auge, ist mit Blick auf dessen fortschreitendes Alter aber verzeihlich. Neben dem eingespielten Duo fällt desweiteren der Taxifahrer George(Yvan Attal) positiv auf, der im Laufe des Films mit häufigeren Auftritten immer mehr zum Sympathieträger wird. Ohne den typischen Franzosen, der gerne amerikanischer Geheimagent wäre, hätte dem Film wohl einiges gefehlt! Der "Bond-Girl"-Abklatsch Geneviève gespielt von Noémie Lenoir ist zwar wirklich schön anzusehen und - zumindest mit Haaren - ein wahrer Augenöffner. Schauspielerisch zeigt sie aber nicht sehr viel und wird den meisten wohl nur ihres Körpers wegen im Gedächtnis bleiben.

Funfaktor

Wenn "Rush Hour 3" in einer Hinsicht voll punkten kann, dann ist das nicht nur mit dem hohen Actiongehalt, sondern vor allem auch mit der schier unerschöpflichen Fülle an Witzen. Chris Tucker alias James Carter ist da wieder mal voll in seinem Element und plappert ohne Unterbrechung drauf los. Dabei rücken nicht mehr nur "Schwarz-Weiß"-Beziehungen ins Sichtfeld des Cops, auch und vor allem amerikanisch-französische Beziehungen und Missverständnisse sind es, die ihn zu allerhand unüberlegten Taten und Sprüchen veranlassen. Tucker ist hier wieder mal der Hauptgarant für die Mehrzahl der Lacher, auch wenn nicht jeder Witz ankommt. Jackie Chan beschränkt sich wie gewöhnlich auf eine eher passive Rolle und nimmt eine ernstere Position im ganzen Film ein, wenn er denn mal keine Verstopfungen hat. Es ist aber für Ersatz gesorgt. Denn George, der neu dazu gekommene Taxifahrer, sorgt mit seiner zunehmend blutrünstigen Art auch für ein paar zusätzliche Lacher, sodass insgesamt ein wirklich witziger Film herausgekommen ist. Es gibt einfach eine Unzahl an Szenen, die dem Zuschauer einfach ein Lachen abringen müssen - man denke an die dolmetschende Nonne - , sie hier alle zu beschreiben bringt aber nichts. Dafür muss man "Rush Hour 3" schon gesehen haben.

Taschentuchquote

Wiedermal ist zu sagen, dass für Leute, die gern bei einem Film weinen, ein solcher wie "Rush Hour 3" höchstens Lachtränen bietet. Denn die Emotionen bewegen sich nur im Lachmuskelbereich, es kommen nun ja auch keine wirklich traurigen Szenen vor. Der angeschossene Konsul Han, seine am Eiffelturm gefesselte Tochter oder der in die Tiefe stürzende Kenji lassen noch am ehesten zum Taschentuch greifen. Aber zu Tränen zu rühren ist eben nicht die Stärke und schon gar nicht die Absicht dieses Filmes, als Unterhaltungsfilm erfüllt er auf jeden Fall seinen Zweck.

Soundkulisse

Auch die Filmmusik ist ihrem Zweck dienlich, doch ist sie nichts Besonderes. Manchmal erhebt sie sich dann doch aus dem Hintergrund und unterstützt die momentanen Geschehnisse entsprechend. Aber so gut, dass sie einen kalten Schauer über den Rücken jagt, ist sie dann auch wieder nicht. Ganz nett sind die Gesangseinlagen von Chris Tucker, der mit einem unnatürlich hohen Organ gesegnet ist. Ob sie mehr nervig oder lustig sind muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Auch Jackie Chan fällt einmal mit in ein Liedchen ein und zeigt damit, dass er in seinem Nebenberuf als Sänger wahrlich gut aufgehoben ist, auch wenn man hierzulande eher selten etwas von ihm zu Ohren bekommt.

Ähnliche Filme

Da das Gesamtkonzept beim 3. Teil nun ja auch sehr treu beibehalten wurde, sollten "Rush Hour" und "Rush Hour 2" die geneigten Neueinsteiger auf jeden Fall zu begeistern wissen. Um Wissen über die Vorgeschichte anzuhäufen ist dies auf jeden Fall empfehlenswert. Wer sich besonders für die Thematik zweier ungleicher Partner interessiert, wird vielleicht am erst jüngst erschienenen "Miami Vice" seinen Gefallen finden. Wer etwas weiter zurückgehen will, kann auch mal die "Lethal Weapon"-Reihe aus der Schublade kramen, ähnliche Cop-Filme, denen wohl allerdings das Comedyelement zum Großteil fehlen dürfte. Kampfsportbegeisterte, die sich noch weiter in der Zeit zurück wagen, könnten auch nach alten Bruce Lee Filmen Ausschau halten. Dort werden vor allem actionreiche Martial-Arts-Stunts und -Kämpfe vorherrschen, die Thematik der 2 ungleichen Cops ist aber nicht mehr auffindbar.

Fazit

Wer sich für die ersten beiden Teile von "Rush Hour" begeistern konnte, wird auch an "Rush Hour 3" seinen Gefallen finden - es sei denn er erwartet innovative Änderungen. Das Konzept der Vorgänger wurde fast 1:1 übernommen, lediglich die schwächelnde Story ist eine andere. Davon abgesehen hält "Rush Hour 3" aber das, was es verspricht: Action und Stunts der Extraklasse dank Routinier Jackie Chan und Witze am laufenden Band von Chris Tucker sorgen dafür, dass dieser Film die Genrebezeichnung Actionkomödie wirklich verdient. Trotz einfacher und etwas dünner Story durchaus sehr sehenswert!

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

Surftipps: User, die hier waren, besuchten übrigens auch diese Seiten:

 
 

Meinungen zu "Rush Hour 3 Filmkritik von Florian Hösch"