Schwerter Des Königs Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 12

Laufzeit: 127 Minuten

Originaltitel: In The Name Of The King: A Dungeon Siege Tale

Schauspieler: Jason Statham, John Rhys-Davies, Ray Liotta, Matthew Lillard, Burt Reynolds, Ron Perlman

Im Königreich Ehb ist der Teufel los. Horden von Krugs, Kriegern mehr Tier als Mensch, überfallen die Dörfer und Ländereien von König Konreid. Der ehemals königstreue Magier Gallian hat sich zum Herrscher über die Monsterhorden erhoben und setzt dem schwankenden Reich nun immer mehr zu. Die Rechnung wurde jedoch ohne den Bauern, der von allen nur "Farmer" genannt wird, gemacht. Sein Sohn von den Krugs erschlagen, seine Frau verschleppt - die Wut kocht heiß in dem beraubten Familienvater. Mit seinem alten Freund Norick und seinem Schwager Bastian macht er sich auf, dem wahnsinnigen Magier Einhalt zu gebieten und seine Frau aus den Fängen der Krugs zu befreien. Bald schon stehen Rachegelüste gegen Verantwortung, Gut gegen Böse - und dem Helden offenbart sich ein ungeahntes Schicksal...

Storyline:  65 %

Feinste Fantasykost á la "Herr Der Ringe" im Dungeon Siege Universum mag man denken. Doch diese Aussage trifft nur in verschiedenen Hinsichten zu.

Das Computerspiel "Dungeon Siege" hielt, wie der Untertitel des Filmes schon sagt, als Inspiration für diesen Fantasystreifen her. Mehr als eine Inspirationshilfe war es dann aber anscheinend auch nicht. Denn das Setting befindet sich nur lose in der Welt von Dungeon Siege verankert, ohne, dass Abenteuer von Spielecharakteren fortgeführt würden. Der Film erzählt also eine völlig neue, vom Spiel unabhängige Geschichte, die offenbar nur durch die Krugs Verbindung zur Spielwelt hat. Das eine Spielverfilmung zu nennen kann dann natürlich zu berechtigten Kontroversen führen, wenn nicht einmal ein Hauptcharakter des Spiels den Sprung auf die Leinwand schafft.

Die Story an sich ist jedenfalls sehr fantasytypisch ausgefallen. Ein abtrünniger Zauberer sammelt Horden von Bestien um sich, zieht gegen ein Königreich und scheint vom Sieg nicht mehr abzuhalten zu sein. Dann taucht jedoch ein scheinbar unbedeutender Held auf, der das Kriegsglück zugunsten der Guten wendet, das Böse letztlich besiegt und endlich über seine wahre Herkunft aufgeklärt wird. Ein altbackenes Rezept für das Fantasygenre, das auch hier wieder Anwendung findet. Das ist natürlich einerseits schade, da sich nicht viel Neues bietet, andererseits hat man so ein klassisches Fantasyspektakel vor sich.

Dabei fällt die Orientierung an dem Messwerk des Fantasyfilmes recht unschwer ins Auge: Die Parallelen zum Herrn Der Ringe kann man kaum übersehen. Schon das Aussehen der Krugs erinnert stark an die altbekannten Orks von Jackson. Selbst Waldelfen, das Pendant zu den tolkienschen Elben, sind vertreten. Spätestens bei der regengepeitschten Schlacht am Ende des Filmes fühlt man sich an Helms Klamms düstere Szenerie erinnert. Es ist natürlich schwer, einen Film zu liefern, der überhaupt keine Elemente aus vorhergehenden Genregrößen beeinhaltet. Auch wenn sich hier überdeutlich Parallelen zum Herrn Der Ringe zeigen, sollte man doch eines nicht vergessen: Was wäre gewesen, wenn "Schwerter Des Königs" vor der Geschichte von Frodo und dem Ring in die Kinos gekommen wäre? Vermutlich wäre es dann zunächst einmal "Schwerter Des Königs" gewesen, der neue Maßstäbe gesetzt hätte. Wer zuerst kommt, mahlt eben zuerst.

Insgesamt ist die Story nichts Ausgefallenes, aber schlecht ist sie sicher auch nicht. Es gibt sowohl voraussehbare, als auch überraschende Wendungen. Auch wenn sich alles über die 127 Minuten etwas in die Länge zieht, hätte die Story deutlich schlechter gewählt werden können.

Action/Fesselfaktor:  60 %

Action und Spannung treten hier zur Abwechslung mal mehr getrennt als verknüpft auf. Es muss nicht alles spannend sein was actionreich ist.

Gegen die Action an sich kann man nichts sagen. Schon ziemlich am Anfang geht es in Kämpfen richtig zur Sache und an mehr als einer Stelle kehren solche mehr oder minder großen Schlachten wieder. Besonders der Showdown, bei dem in zwei verschiedenen Handlungssträngen das Schicksal des Königreichs Ehb beschlossen wird, bietet Action pur. Bei allem Gemetzel sieht man jedoch äußerst selten Blut; lediglich bei den besessenen Führer-Krugs spritzt unnatürlich viel dickflüssige Schwärze aus den Wunden.

Die oft beeindruckenden Stunts von Jason Statham sind übrigens, wenn man den Worten Uwe Bolls glauben darf, fast alle ohne Stuntman gedreht. Keine schlechte Leistung und auf jeden Fall ein Push-Up für die Action.

Mit der Spannung sieht es hingegen schon kritischer aus. Eine klare Spannungskurve zu erkennen ist nämlich schwieriger, als man denkt. Als Farmers Sohn von den Krugs gejagt wird und auch beim finalen Showdown steht man dabei immerhin noch ein bisschen unter Strom. Aber fast der gesamte Mittelteil des Filmes entbehrt jegliches Anzeichen von Spannung. Bei den insgesamt 127 Minuten wirkt sich so ein langer Durchhänger nicht unbedingt positiv auf die Unterhaltung des Zuschauers aus. Das letzte Drittel von "Schwerter Des Königs" verzeichnet zum Glück wieder einen kleinen Spannungszuwachs. Das entschädigt aber auch nur bedingt.

Mit Blick auf Action ist hier sicherlich einiges geboten, an der Spannungskurve hätte man jedoch noch etwas feilen können.

Specialeffects/Technische Umsetzung: 65 % 

Bei den Spezialeffekten hat Regisseur Uwe Boll nichts anbrennen lassen. Nicht nur, dass man Blicke auf teilweise wunderschöne Landschaften erhaschen kann, die Effekte haben sich auch gewaschen. Magie und Zauberei werden eindrucksvoll in Szene gesetzt, die Kämpfe mit heißen Feuereffekten gespickt und die mit Computer eingefügten Elemente lassen sich von der natürlichen Landschaft kaum unterscheiden. Die Kostüme sind ebenfalls weitgehend gut gelungen, auch wenn die Krugs mit ihrem Aussehen wirklich stark an Orks erinnern.

Der einzige Kritikpunkt hier liegt in der Kameraführung. Diese ist oft schlichtweg suboptimal und völlig unübersichtlich. Die Kämpfe würden noch so viel mehr hergeben, wenn man doch nur genauer erkennen könnte, was da vor sich geht. Mag sein, dass die Jugendfreigabe unter übersichtlicheren Kampfszenen gelitten hätte. So leidet jedoch vor allem der Spaß am Beobachten der Schlachten und das sollte nicht Zweck der Übung sein. Desweiteren wirken viele Sterbeszenen einfach unglücklich. Selbst den sterbenden König sieht man nicht explizit sterben. Es wird zum erschrockenen Gesicht eines Anwesenden umgeblendet und beim nächsten Schnitt ist sein Herrscher bereits friedlich eingeschlafen.

Die Spezialeffekte lassen weitgehend keine Wünsche offen, die Kameraarbeit ist aber definitiv noch verbesserungsfähig.

Besetzung: 70 %

Der Großteil der gecasteten Schauspieler erbringt wirklich eine sehr zufriedenstellende Leistung. Allen voran sicher Jason Statham, der in seiner Rolle überzeugender wirkt wie es sonst jemand könnte. Nicht nur im Actionbereich weiß er zu glänzen, auch schauspielerisch verleiht er Farmer einen markanten Charakter.

Daneben mimt Burt Reynolds König Konreid wie man sich einen Herrscher vorzustellen hat und John Rhys-Davies (der Gimli aus "Herr Der Ringe") weiß ebenfalls als Magier Merick zu begeistern.

Ray Liotta in der Rolle als böser Magier Gallian transportiert dessen diabolisch-wahnsinnigen Charakter die meiste Zeit äußerst glaubwürdig. Allerdings zeichnen sich einige seiner Momente durch overacting aus, so z.B. die Flugeinlage mit abgespreizten Armen als Einleitung zum Kampf mit Farmer.

Matthew Lillard soll seiner Figur wohl eine gewisse Nervigkeit verleihen. Das schafft er besser als jeder andere, vielleicht schon zu gut. Teilweise agiert er sehr übertrieben und tanzt damit schonmal auf dem ein oder anderen Zuschauernerv herum. Der Königsneffe würde jedenfalls der letzte sein, den man nach dem Film nochmal wiedersehen möchte.

Funfaktor: 25 %

Neben Farmer gibt es im Film wohl nur noch einen weiteren wirklichen Sympathieträger: sein kautziger, aber immer noch schlagkräftiger Freund Norick. Dieser ist es, der den einzigen Anteil von richtigem Humor beisteuert und das auch nur am Anfang. Man denke hierbei besonders an die Seilrutsch-Szene. Ein paar lässige Sprüche tragen im übrigen auch etwas zur Erheiterung bei, ob von Norick oder Farmer.

Ganz allgemein hat der Film vordergründig wohl keine humoristische Absicht und spätestens ab der Hälfte des Filmes ist diese vollständig getilgt.

Taschentuchquote: 45 %

Auch wenn manche Todesszene wie schon erwähnt eine recht eigensinnige Darstellung erfährt, nutzt der Film doch manches mal sein Emotionenpotential. Hier sticht besonders der tragische Tod von Farmers Sohn hervor. Dadurch, dass zu Beginn eine emotionale Einführung der Beziehung zwischen Vater und Sohn gegeben wurde, fiebert man bei der Flucht von Farmers Sohn durchaus mit. Dessen Tod kann dann sogar wirklich einen Effekt auf die Tränendrüsen haben.

Es gibt noch ein paar weitere Stellen wo man sich berüht fühlt, aber die eben beschriebenen Szenen schöpfen das emotionale Potential deutlich am effektivsten aus.

Soundkulisse: 50 %

Zum Sound ist nicht viel zu sagen. Die Musik hält sich die meiste Zeit dezent im Hintergrund und sticht nur an wenigen Stellen nennenswert hervor. Ein ums andere Mal unterstützt sie auch die Handlung recht passend und erzeugt kleine Gefühlswallungen. Monumentale Akkustik mit einer Wirkung wie beim Herrn Der Ringe darf man trotz aller Gemeinsamkeiten aber nicht erwarten.

Ähnliche Filme

Vom Fantasystandpunkt aus ist ein Verweis auf die "Herr Der Ringe"- Trilogie wohl Pflicht. Hier findet man das Musterbeispiel für ein gelungenes Fantasyabenteuer, das in ziemlich allen Bereichen glänzen kann. Sollte man als Genre-Fan auf jeden Fall gesehen haben.

Interesse am Genre der Spielverfilmungen führt wohl zwangsläufig zu anderen Filmen Uwe Bolls. "BloodRayne" und "Postal" wären hier unter anderem als Beispiele zu nennen, wobei viele Boll-Filme einen eher kontroversen Ruf genießen. Ein Gang in die Videothek schadet dem Interessierten hierbei sicher nicht.

An anderen Spielverfilmungen wäre z.B. die "Resident Evil"-Reihe zu nennen, die jedoch von der Story her rein gar nichts mit Fantasy und noch weniger mit "Schwerter Des Königs" gemein hat.

Der am 13.12.2007 startende Film "Hitman - Jeder Stirbt Alleine", ist ein aktuelleres Beispiel für die Verfilmung eines Computerspiels. Auch wenn man hier noch keine Empfehlungen aussprechen kann, wird sich für den Zocker ein Gang ins Kino sicher lohnen.

Fazit

Nach etlichen Buchverfilmungen und Spieleadaptionen nun eine weitere Computerspielverfilmung: Im neuesten Boll-Werk "Schwerter Des Königs - Dungeon Siege" kämpft sich Jason Statham alias Farmer in ganz fantasytypischer Manier durch ein Bollwerk aus Feinden. Dabei orientiert sich der Film nur sehr lose an der Vorlage und führt im Grunde in die vorhandene Welt eine völlig eigene Geschichte ein. Diese ist storytechnisch zwar nichts Ausgefallenes und weist auch mehr als einmal Parallelen zum Herrn Der Ringe auf anstatt wesentlich neue Ideen umzusetzen. Über die grundsätzliche Action, die makellosen Spezialeffekte und den Großteil der zum Teil starbesetzten Rollen kann man sich aber wirklich nicht beschweren. Teilweise ist sogar Anlass zum Trauern gegeben, speziell am Anfang dank der guten Charaktereinführung. Die Emotionalität leidet dagegen an anderen Stellen schon wieder durch die banal missglückte Schnitttechnik. Die Kameraführung ist im allgemeinen eher unglücklich. Besonders die Schlachten stellen nur ein unübersichtliches Gewusel dar, in dem man die genauen Aktionen oftmals nur erahnen kann. Trotz befriedigender Actionsequenzen kommt die Spannung ein ums andere mal aus unerfindlichen Gründen nicht richtig in Gang. Im Mittelteil findet sich diesbezüglich der größte Durchhänger, der die 127 Filmminuten doch erheblich an Unterhaltungswert kostet.

Trotz einiger Mängel und Unvollkommenheiten sollte der Film letztlich doch dazu imstande sein, den Fantasyfan zufriedenzustellen. Eine 60%-Empfehlung scheint angemessen.

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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