Stirb Langsam 4.0 Filmkritik von Florian Hösch


 

Stirb Langsam 4.0

FSK: 16

Laufzeit: 129 Minuten

Originaltitel: Live Free or Die Hard

Schauspieler: Bruce Willis, Timothy Olyphant, Justin Long, Cliff Curtis, Mary Elizabeth Winstead

                                                                                                                                       

Lange hat es gedauert und viele haben sich mit "Stirb Langsam - Jetzt erst recht" als letztem Teil der grandiosen Actionreihe schon abgefunden. Doch nach knapp 12 Jahren Ruhepause und einem Actiongenre, das nur auf Sparflamme vor sich hin loderte, meldet sich Bruce Willis alias John McClane mit einem Flammeninferno der Action zurück. Und wieder einmal wird der mittlerweile etwas in die Jahre gekommene Cop zum Helden wider Willen. Eigentlich als Routineauftrag gehandelt, entwickelt sich der Besuch bei Hacker Matt Farell zu einer mehr als prekären Angelegenheit. Und ehe er "Yipee-yi-yea" sagen kann, findet sich McClane in einem Kugelhagel und einer Verschwörung von unvorstellbaren Ausmaßen wieder: Eine Gruppe von Terroristen um das Computergenie Thomas Gabriel plant, alle Computernetzwerke des Landes zu sabotieren und so die komplette Infrastruktur der USA lahmzulegen. So kurz vor der Apokalypse kann nur ein echter Held aus alten Tagen das Ruder noch herumreißen. Doch dieser hat nicht nur mit den Tücken der modernen Technik zu kämpfen, sondern auch um das Wohl seiner entführten Tochter, die den Terroristen nun als Druckmittel dient...

Storyline

Druck lastet wohl auf jeder Filmcrew, die eine 12 Jahre alte Filmreihe zu einer neuen Fortsetzung bringen will. Einerseits will man die Geschichte möglichst nahtlos fortführen und die Atmosphäre beibehalten, andererseits soll der Film so modern wie möglich wirken. Vor allem an letzterem Punkt haben sich die Filmemacher bei "Stirb Langsam 4.0" orientiert. Einige Fans der ersten beiden Teile mögen enttäuscht sein und die beengende Atmosphäre eines Wolkenkratzers oder eines Flughafens vermissen. Tatsache ist aber, dass sich der 4. Teil der "Stirb Langsam" Reihe notwendigerweise nicht mehr veralteten Konzepten widmen will, sondern ein gewisses Maß an Aktualität an den Tag legt. Und das tut er, mit fast schon lehrhaftem Charakter. Denn der terroristische Angriff auf das gesamte computergesteuerte System am Unabhängigkeitstag macht dem Zuschauer unweigerlich klar, wie abhängig der moderne Mensch eigentlich von Technik ist. Umso passender tritt dabei der altgediente Charakter John McClane auf, der sich nun mal gar nicht mit all dem technischen Firlefanz der modernen Welt anfreunden kann.

Action/Fesselfaktor

Wie mahnend und lehrreich die Story auf den ersten Blick auch sein mag, "Stirb Langsam 4.0" ist und bleibt ein Actionfilm der Superlative und als solcher entscheidet nicht vordergründig die Handlung über die Qualität des Filmes. Action ist das Stichwort, das hier wohl den Löwenanteil des Filmbudgets verschluckt hat. Im Gegensatz zum ersten und zweiten Teil hat sich die Vorlaufzeit für Explosionen und Schießereien in diesem vierten Teil stark verkürzt. Keine Eingewöhnungsphase mehr am Flughafen oder im Hochhaus - hier geht es gleich richtig zur Sache. Kaum betritt Bruce Willis die Wohnung des Hackers Matt, fliegen den beiden die Kugeln nur so um die Ohren. Man sieht schon: Verschnaufpausen sind im Verlauf des Filmes wirklich eine Rarität. Es geht Schlag auf Schlag, unermüdlich sind die beiden ungleichen Protagonisten unterwegs und versuchen die Terroristen ohne Rücksicht auf Verluste in ihrem Vorhaben aufzuhalten. Bruce Willis ließ es sich dabei nicht nehmen, all seine spektakulären Stunts selbst zu erledigen und kann immer noch besser überzeugen als so mancher Jung-Star. Es gibt wohl kaum einen Film, der unter so hohem Materialaufwand derartig viele hochwertige und noch dazu spannende Actionszenen am Stück bietet wie "Stirb Langsam 4.0".

Specialeffects/Technische Umsetzung

Ein maßgeblicher Teil der Actionszenen wäre ohne fähige Effektzauberer wohl gar nicht möglich gewesen, zumindest nicht in diesem Maße. Massenkarambolagen, explodierende Hubschrauber und Flugzeuge, Stürze in Aufzüge und Gasexplosionen sind nur einige Beispiele für die bombastische Arbeit, die hier geleistet wurde. In Sachen Action und Spezialeffekte hält der Film, was er verspricht und übertrumpft seine Vorgänger sicherlich bei weitem. Aber noch mehr als diese neigt "Stirb Langsam 4.0" des öfteren zur Übertreibung. Als McClane auf dem Flügel eines routierenden Flugzeugs durch bloßes Festhalten schwerverletzt das Gleichgewicht hält und dann auch noch im richtigen Moment abspringt, um der tödlichen Explosion durch einen Sturz in die Tiefe zu entgehen, fragt man sich schon, wieviele Schutzengel ein einzelner Mensch haben kann. Insgesamt scheinen die Akteure ohnehin ungeheuer robust zu sein, ein Sturz aus einem fahrenden Auto, aus dem Fenster oder von einer Brücke kann viele langfristig nicht daran hindern, wieder aufzustehn und weiterzukämpfen. Verwunderlich ist auch der Gastauftritt von Spiderman, oder zumindest eines entfernten Verwandten von ihm. Die spinnengleiche Eleganz, mit der sich einer der Terroristen umherschwingt ist zwar interessant anzusehn, passt aber letztlich nicht in das Gesamtbild des Filmes.

Besetzung

Auch wenn Bruce Willis nicht ganz so grazil unterwegs ist wie so manch anderer, leistet er schauspielerisch dafür umso mehr. Wieder einmal schafft er es, in der Rolle des Cops John McClane voll zu überzeugen und es scheint so, als ob er in den vergangenen 12 Jahren nichts verlernt und noch nicht sein ganzes Pulver verschossen hätte. Gelassen wie immer schmettert er sein "Yipee-yi-yea, Schweinebacke" und seine Stunttauglichkeit scheint trotz des fortgeschrittenen Alters noch einwandfrei zu sein. Während er in seiner Veteranenrolle routinierter denn je wirkt, macht auch sein Gefährte Matt Farell gespielt von Justin Long eine recht gute Figur neben ihm. In seiner weinerlichen und etwas tollpatschigen Art avanciert er schnell zum Sympathieträger des Publikums. Timothy Olyphant als Thomas Gabriel hingegen wird seiner Rolle als Bösewicht nicht vollkommen gerecht. Auch wenn er sich sichtlich um Authentität bemüht, gelingt ihm die Darstellung des skrupellosen Schurken nur bedingt. Er wirkt teilweise zu neutral und zu ausdruckslos, zumindest im Kontrast zu seinen Zunftgenossen aus den vorherigen Teilen.

Funfaktor

"Stirb Langsam" war ja nun nie als Komödie angelegt. Dennoch finden sich zahlreiche Stellen, bei denen man sich ein Schmunzeln oder Lachen nicht verkneifen kann. Dieses kommt zum einen wohl vor allem von der unglaublichen Gelassenheit, die Bruce Willis an den Tag legt. Immer einen coolen Spruch parat, hagelt es nur so sarkastische bzw. zynische Bemerkungen, fast mehr noch als in den vorherigen Filmen. Der Humor orientiert sich dabei wohl eher am dritten Teil der Serie, denn auch hier tritt wieder ein Protagonistengespann auf, das mit seiner Verschiedenheit die Stimmung auflockert. Diesmal rührt die Unterschiedlichkeit nur nicht daher, dass der Zuschauer es mit verschiedenen Hautfarben zu tun hat. "Stirb Langsam 4.0" stellt unter anderem das Zusammentreffen von völlig verschiedenen Generationen dar: Der alte, technisch zurückgebliebene Cop Seite an Seite mit dem jungen Computerfreak. Da bildet sich schonmal ein großes Missverständnispotential, das sich in dem ein oder anderen Lacher entladen kann.

Taschentuchquote

Dagegen gibt es eigentlich wenige bis gar keine Szenen, die traurig oder von Emotionalität geprägt wären. Lediglich am Ende, als McClane angeschossen am Boden liegt und alles so aussieht, als ob dies ein letzter Einsatz gewesen wäre, kommt ein ums andere mal eine bedrückte Stimmung zustande. Aber es ist im Grunde ja klar, dass der Hauptdarsteller überleben muss, insofern strapaziert auch diese Szene nicht unbedingt die Tränendrüsen. "Stirb Langsam" als "Mutter aller Actionfilme" hat eben einfach ganz andere Qualitäten, mit denen es besser zu überzeugen weiß.

Soundkulisse

Spannung wäre da zum Beispiel einer der großen Pluspunkte des Filmes. Diese wird, wie könnte es anders sein, natürlich passend von der Filmmusik unterstrichen und gefördert. Der Film erhält zwar wahrscheinlich keinen Oscar für die beste Filmmusik, dennoch gleicht sie sich der Stimmung des Filmes recht gut an. Weiterhin ist positiv zu vermerken, dass, im Gegensatz zum dritten Teil, endlich wieder die gewohnte Bruce Willis Synchronstimme den Weg in die Kinos gefunden hat. In Teil 3 zerstörte die Synchronstimme von John Travolta über weite Teile das Charisma von Willis und wirkte einfach nur störend.

Ähnliche Filme

Es gibt eigentlich wenig, was mit der "Stirb Langsam" Reihe vergleichbar ist. Am ehesten wären da "Terminator" oder "James Bond" zu nennen, aber diese sind dem "Stirb Langsam" Konzept auch nicht besonders nahe. Es ist aber auf jeden Fall zu empfehlen, sich vor dem Kinobesuch die "Stirb Langsam" Teile 1 - 3 anzuschauen. Ohne Vorkenntnisse ist es eher schwierig, eine emotionale Beziehung zu John McClane aufzubauen, die aber nötig ist, damit der Film seinen vollen Reiz entfalten kann.

Fazit

 "Stirb Langsam 4.0" ist wohl der Höhepunkt des Actionkinos der letzten Jahre. Auch wenn er hier und da mal ziemlich übertrieben ist, sprühen vor Spezialeffekten und knallharter Action à  la Bruce Willis nur so die Funken. Das Quäntchen zynischen Humors und die erträgliche Brutalität der Szenen machen den Film nicht nur für Fans der Reihe sehenswert. Also: Nicht zur falschen Zeit am falschen Ort sein! Besser zur richtigen Zeit am richtigen Ort - im Kino!

 

 Florian Hösch

                                                                               

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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