Wintersonnenwende Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 12

Laufzeit: 94 Minuten

Originaltitel: The Dark Is Rising

Schauspieler: Alexander Ludwig, Christopher Eccleston, Frances Conroy, Ian McShane

14 ist ein schwieriges Alter. Der jugendliche Körper unterzieht sich einer Art Metamorphose, die scheinbar nur Probleme mit sich bringt. Kein Wunder, dass Will Stanton als Sproß einer englischen Großfamilie plötzlich Vieles so seltsam vorkommt. Seine ersten amourösen Gefühle verblassen jedoch geradezu gegen die veränderte Wahrnehmung seiner Umgebung, die ihn zunehmend ins Grübeln bringt. Als er kurz vor Weihnachten nach Kaufen eines Geschenkes von nicht-menschlichen Polizeibeamten auf übernatürliche Weise attackiert wird, bemerkt er recht schnell , dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Auf einer Weihnachtsfeier im abgelegenen Herrenhaus enthüllt ihm der Geheimbund der Uralten schließlich sein Schicksal: Als siebter Sohn eines siebten Sohnes ist es seine Aufgabe, die 6 verschollenen Zeichen des Lichtes zu finden und sich im finalen Kampf der Personifikation der Dunkelheit, dem Reiter, entgegenzustellen. Mit ungeahnten Kräften ausgestattet, beginnt der junge Sucher nun seine gefahrvolle Reise durch die Zeit. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten...

Storyline:  35%

Um es vorneweg zu sagen: "Wintersonnenwende", die Verfilmung des Buches "The Dark Is Rising" von Susan Cooper, hat hauptsächlich Charakterzüge eines Fantasy-Kinderfilmes. Die folgende Filmkritik bewertet jedoch eher aus Erwachsenensicht. Der Film wird insgesamt also weniger an Kinderfilmmaßstäben gemessen, sondern auf die Tauglichkeit für erwachsenes Publikum überprüft.

Als Film für eine jüngere Zielgruppe konzipiert, bringt "Wintersonnenwende" natürlich keine besonders komplizierte oder verzweigte Handlung mit. Die Story ist mehr als simpel: Ein pubertärer Außenseiter entdeckt sein außergewöhnliches Schicksal und wird im Folgenden zum entscheidenden Element im magischen Kampf des Lichtes gegen die Dunkelheit. Wie schon in unzähligen anderen Filmen baut man hier auf dem Motiv Gut gegen Böse ein Handlungsgerüst auf, dessen Ausgang bereits zu Beginn mehr als deutlich vorauszusehen ist. Das einzig Besondere in diesem Fall ist, dass sich der Regisseur zumeist sehr offensichtlich vieler Elemente aus bekannten Fantasyproduktionen bedient hat. Als Kenner der "Harry Potter"- und "Herr der Ringe"-Reihe weckt das Haus der Stantons auf magische Art und Weise Erinnerungen. Ebenso bekannt erscheint unter anderem die Schlussszene, die mit festgefahrenem Blick auf die Haustür ausblendet - fast schon überdeutlich parallel zur finalen Einstellung von "Herr der Ringe". Als Fantasyfilm hat sich "Wintersonnenwende" also nicht nur einer sehr dahinplätschernden Story bedient, sondern oft aufs auffälligste Plagiatelemente anderer Genregrößen übernommen. Zudem trifft auf die Dialoge so manches zu, Abwechslungsreichtum bleibt jedoch zu großen Teilen aus. Nach der ersten Dreiviertelstunde fangen die Sprechparts an langweilig zu werden. "Du bist Will Stanton, du bist der Sucher!", "Ich bin der Reiter, meine Macht wächst stetig" - die ständigen Wiederholungen einschlägiger Aussagen wirken wohl selbst auf Kinder mit der Zeit nervend. Im Allgemeinen ist es unmöglich den Überblick zu verlieren: nach jedem gefundenen Zeichen des Lichts wird eine Zwischenbilanz gezogen, wieviele Zeichen schon gefunden sind und wieviel Zeit noch bleibt. Diese Monotonie der Handlung tritt noch in weiteren Fällen auf, mag Kindern zwar den perfekten Überblick verschaffen, nervt aber wohl den Großteil der Zuschauer.

Action/Fesselfaktor:  40%

Eine Folge dieses roten Fadens aus Routine und Einfallslosigkeit ist natürlich ein Fehlen von wirklich spannenden Momenten. Die Vorhersehbarkeit ist einfach zu groß. Alle Rätsel und vermeintlichen Verwirrungen kennt man bereits aus anderen Filmen und die Lösung liegt jedes Mal ohne viel Nachdenken auf der Hand. Auch hier wird wieder nach Schema F vorgegangen: Will reist durch die Zeit, es kommt zu einer kurzen Actionsequenz, er gewinnt den Kampf und kehrt wieder in seine Zeit zurück, in der dann für gewöhnlich eine übertrieben lange Ruhepause folgt. Die Spannungskurve hat dabei keinen erkennbaren Verlauf. Man erwartet jedoch, dass am Ende der große Showdown stattfindet. Zumindest diese Hoffnung wird nicht gänzlich enttäuscht, ist dort doch die bisher höchste Actionkonzentration im ganzen Film festzustellen. Dennoch wirkt der Film in dieser Beziehung unausgereift: Innerhalb von geschätzten 45 Minuten alle Zeichen zu finden und im 20-minütigen Finale gegen einen dunklen Reiter anzutreten, der auf dem Höhepunkt seiner Macht erstaunlich sparsam mit seinen fürchterlichen Kräften haushaltet, zeugt nicht von der besten Actionumsetzung. Es hätte mehr aus "Wintersonnenwende" gemacht werden können, mehr Spannung und Action wären herauszuholen gewesen, hätten die Drehbuchautoren nur an einem etwas längeren und besser konzipierten Drehbuch gefeilt.

Die eben genannten Punkte gelten natürlich in wesentlich geringerem Maße für Kinder, denn deren Filmerfahrung ist im Normalfall deutlich eingeschränkter. So können wenigstens jüngere Zuschauer einen Grund zum Mitfiebern finden und das Ende mit einer gewissen Spannung erwarten.

Specialeffects/Technische Umsetzung:  55%

Auch wenn das Budget nicht gerade üppig war, haben die Macher von "Wintersonnenwende" dennoch versucht, den ein oder anderen Spezialeffekt einzubauen. Bei vielen Effekten kann man dabei durchaus zufrieden sein, die seelenartig fliegende Dunkelheit macht zum Beispiel einen ganz netten Eindruck. Das Thema ist allerdings etwas zwiespältig, denn neben manchem soliden Specialeffect hinterlässt ein weniger gelungener einen störenden Fleck. Den erst spät auftauchenden Eiszapfen sieht man das CGI förmlich an. Doch schon die beiden mysteriösen Polizisten zu Beginn erwecken mit ihrer plumpen Verwandlung einen Eindruck, der eher mitleiderregenden denn angsteinflößend ist. Man merkt das kleine Budget jedenfalls zumindest der Hälfte aller Effekte an. Die Kameraführung ist dagegen durchwegs gut gelungen, auch wenn Szenenbeginne mit kopfstehender Kamera aus gutem Grund ungewohnt wirken. Die Übersicht ist sogut wie immer gewährleistet, trotz umstrittener Spezialeffekte also immerhin ein Lob an die Koordinatoren der Kamerafahrten!

Besetzung:  40%

Das Gesicht, das man wohl am häufigsten im ganzen Film sieht, ist das von Newcomer Alexander Ludwig. Trotz seines unerfahrenen Alters macht er doch keine allzu schlechte Figur als Will Stanton, befindet sich sein Schauspieltalent doch noch im Aufbau. Mit einfallsreicheren Dialogen hätte er jedoch bei weitem mehr glänzen können und das gilt nicht nur für ihn. Christopher Eccleston ist wahrlich kein Debutant mehr auf dem Gebiet der Schauspielerei. In "Wintersonnenwende" verkörpert er nun die Rolle des Reiters, kann in ihr aber nur zu Teilen aufgehen. Das liegt wohl nicht so sehr an seinen Bemühungen, den Bösen zu mimen, wie an der mangelnden Charakterdarstellung des Drehbuches. Die Information, dass der Reiter das absolute Böse ist, soll den Zuschauern wohl für ein Urteil über dessen Charakter genügen. Tatsächlich erscheint der ach so dunkle Herr des Schattens gar nicht so diabolisch, man läuft manchmal durchaus Gefahr, ihn als ganz nett einzustufen. Ähnliche Mängel an der Charakterbeschreibung sind auch bei so ziemlich allen anderen, zumeist eher unbekannten Schauspielern festzustellen. Wenn sie nicht gerade übertrieben agieren, schweigen sie vor sich hin oder wiederholen zum x-ten mal eine Zeile, die im Drehbuch 10 Seiten weiter vorne schon aufgetaucht ist.

Funfaktor:  30%

Besonders in Sachen Humor muss man zwischen Kinder- und Erwachsenenhumor differenzieren. Ältere Zuschauer werden vordergründig eher weniger über die verstreuten Witze lachen. Neben den zwei bärtigen Käuzen, die immerhin einen oder zwei Lacher provozieren, bleibt neben dem Running Gag "Das ist eben ein schwieriges Alter" eigentlich kaum ein wirklich lustiger Moment. Lediglich das Zurschaustellen von Wills Kräften an einem Messer zwischen zwei Salzstreuern erzeugt beim geneigten Kinobesucher ein obszönes Schmunzeln. Da bleiben eigentlich nur noch die vielen Parallelen zu anderen Fantasystreifen und die Vorhersehbarkeit vieler Dinge, über die man sich als Erwachsener erheitern kann.

Kinder werden den Messergag dagegen noch nicht verstehen, zumindest bleibt das zu hoffen. Dafür werden sie - vielleicht mehr als die Erwachsenen - anderen Anlass zum Lachen finden, der auch als solcher geplant ist. Insgesamt weist der Film allerdings erheblich weniger Schmunzelmomente auf, als man es von ihm im Vorfeld hätte erwarten können.

Taschentuchquote:  20%

Die Tatsache, dass letztlich ein Happy End mit recht wenigen Todesfällen bevorsteht erübrigt die Frage nach der Emotionalität des Filmes schon zu einem Teil. Todesopfer werden vermutlich kaum betrauert werden, zumal deren Charaktere mangelhafte Einführungen erlebt haben. Trotzdem kann das Familiendilemma der Stantons in einem gewissen Maße für Betrübnis sorgen. Die verzweifelten Schuldgefühle des Vaters, der verlorene Sohn, der schwankende Bruder und das Gefangensein im Sturm der Dunkelheit spielen der Familie übel mit und damit dem geneigten Zuschauer, der dem Weinen nicht abgeneigt ist, in die Hände.

Kinder sind hierbei aufgrund stärkerer emotionaler Veranlagung logischerweise wieder empfänglicher als Erwachsene. Die Chance, dass ein Kind ein ums andere mal Betroffenheit spürt, ist recht hoch.

Soundkulisse:  65%

Bei Fantasyfilmmusik denkt man wahrscheinlich vorrangig an den "Herr Der Ringe"-Soundtrack von Howard Shore. Bei all den Parallelen ist es hier auch nicht verwunderlich, dass die Hintergrundmusik nicht nur im ersten Moment an besagte Vorlage erinnert. Der Sound mutet wie so vieles wie eine Mischung aus "Der Herr Der Ringe" und "Harry Potter" an, ist hierbei aber überraschenderweise sogar recht gut gelungen. Zugegeben, an die originalen Soundtracks der zwei Genregrößen kommt der Sound von "Wintersonnenwende" bei weitem nicht heran. Dennoch kommt dank der musikalischen Unterstützung trotz verpatzten Drehbuchs nicht selten Fantasyfeeling auf. Einer der Pluspunkte des Filmes!

Ähnliche Filme

Ähnliche Filme sind hier wohl ausschließlich im Bereich des Fantasy-Genre zu suchen. "Harry Potter" und "Der Herr Der Ringe" sind hierbei schon aufgrund der vielen übernommenen Ideen das Schauen wert, zumal sie nebenbei wohl zwei der großartigsten Fantasyreihen überhaupt darstellen. Wie "Wintersonnenwende" ebenfalls von kindlichen Protagonisten inspiriert: "Die Chroniken Von Narnia: Der König Von Narnia", eine Buchverfilmung, die in einer mythologischen Parallelwelt spielt, die den jungen Helden auch eine Menge Gefahr entgegenwirft. "Eragon - Das Vermächtnis Der Drachenreiter" ist in die gleiche Riege zu stecken: Fantasy und Buchadaption pur, mit immerhin noch jugendlichem Protagonisten und für Fans von "Wintersonnenwende" sicherlich erwähnenswert.

Fazit

Es mag durchaus sein, dass "Wintersonnenwende" kindliche Fantasyfans begeistern mag und das zurecht. Aus der Sicht eines Erwachsenen hat dieser Film jedoch wesentlich weniger Reiz. Die Handlung ist nicht nur extrem simpel, sondern vor allem auch überaus unspektakulär. Die ständigen Wiederholungen und die Vorhersehbarkeit sogut wie aller Ereignisse schießen den Ball ins Aus. Action tritt nur sehr schüchtern und abgeharkt in den Vordergrund und das auch nur gezwungenermaßen am Ende, ohne dabei jedoch wirklich Spannung zu evozieren. Lediglich die Musik sticht in angemessenem Fantasyton positiv hervor und auch der ein oder andere Spezialeffekt weiß aufzumuntern, wobei viele Effekte auch einfach unecht wirken und die Computeranimation regelrecht ins Auge sticht. Bei diesem Drehbuch können sich die Schauspieler und auch ein Christopher Eccleston noch so sehr bemühen: Sie bleiben unter ihren Möglichkeiten und leihen nur Charakterhülsen ihren Körper. Zumindest weiß der Film in mancher Hinsicht zu amüsieren, denn die häufigen und schlecht getarnten Parallelen zu anderen Fantasyfilmen können schon ungewollt zum Lachen auffordern. Eine 40% Empfehlung dieses Filmes für Erwachsene; Kinder finden an diesem Film dagegen sicher zu 70% Gefallen.

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers






 


 
 

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