Zimmer 1408 Filmkritik von Florian Hösch



FSK: 16

Laufzeit: 94 Minuten

Originaltitel: 1408

Schauspieler: John Cusack, Samuel L. Jackson, Mary McCormack, Jasmine Jessica Anthony, Tony Shalhoub

Seit dem Tod seiner kleinen Tochter Katie hat das Leben Schriftsteller Mike Enslin überwiegend seine wenig erfreulichen Seiten gezeigt. Der ehemals erfolgreiche Buchautor glaubt mittlerweile an fast gar nichts mehr. Selbst das Leben nach dem Tod scheint ihm in seinem Zynismus und Alkoholismus wenig aussichtsreich und so beschreitet er einen rein materiellen Weg im Diesseits. Als ein Mann des Profits, den wenig erschrecken oder gruseln kann, stattet er nun regelmäßig zwecks Buchrecherchen vermeintlichen Spukhäusern oder -friedhöfen Besuche ab, um dort zu nächtigen. Obwohl von paranormalen Aktivitäten nie auch nur eine Spur zu finden war, verkaufen sich seine unter Talent geschriebenen Buchreihen dennoch recht erfolgreich. Die Hoffnung an übernatürliche Begegnungen schon fast aufgegeben, erhält Enslin eines Tages eine Postkarte vom Dolphin Hotel: "Betreten Sie nicht Zimmer 1408." Einen glorreicheren Abschluss für sein Buch kann sich der Autor kaum vorstellen und so reist er nach New York mit dem Ziel, aus besagtem Zimmer am nächsten Morgen wieder unbeschadet auszuchecken. Den Warnungen des Hotelmanagers Gerald Olin zum Trotz, besteht Enslin darauf, in diesem "verdammt miesen Zimmer", in dem schon 56 Personen den Tod fanden, eine Nacht zu verbringen. Mehr als eine Stunde habe noch keiner der Gäste überlebt, Enslin sieht dem Aufenthalt jedoch eher gelassen entgegen. Doch ahnt er nicht, was ihn wirklich erwartet, denn seine beharrliche Ablehnung alles Übernatürlichen wird schon bald ins Wanken geraten. Knarrend fällt hinter ihm die Tür ins Schloss...

Storyline:  80%

Als Kinobesucher sollte einem noch vor dem Zufallen der Kinotür klar sein, dass der Film "Zimmer 1408" keineswegs eine Eigenkreation der Drehbuchautoren ist, sondern auf der Kurzgeschichte "1408" von Stephen King basiert. Stephen King ist den Meisten ein Begriff und die Fans wissen wohl aus Erfahrung, dass eine King-Adaption nicht immer befriedigend endet. Um bereits im Vorfeld qualitative Befürchtungen aus dem Weg zu räumen: Trotz gewisser Abwandlungen zur Vorlage ist den Machern eine der besseren Umsetzungen einer King-Geschichte in einen Kinofilm gelungen. Natürlich werden Leser der in der Sammlung "Im Kabinett des Todes" enthaltenen Shortstory immer einen Grund zur Beschwerde finden, denn allein das Ende ist ein völlig anderes. Dennoch ist es Mikael Hafström gelungen, auf der Grundlage von "1408" eine extrem spannende Story zu entwickeln und zu inszenieren, sodass es selbst King persönlich "eine Freude ist, die Adoption seiner Kurzgeschichte 1408 von Dimension Pictures empfehlen zu können". Die Story an sich ist auf den ersten Blick recht einfach: Ein resignierter Buchautor mit lange zerbrochenem Familienglück betritt ein Zimmer, in dem er auf erschreckende Weise mit seiner Vergangenheit und seinen Ängsten konfrontiert wird. Dementsprechend ist die Szenerie sehr klein gehalten: Neben dem miesen Zimmer gibt es kaum andere Schauplätze und die eigentliche Handlung geschieht im Grunde vor allem im Kopf von Enslin. Die ständigen Rückblicke auf seine früheren Familienverhältnisse sind ein deutliches Zeichen dafür, dass das Zimmer die persönlichen menschlichen Abgründe gegen den Gast zu wenden weiß. Allerdings bleibt hier dennoch ein gewisser Raum für Interpretationen, denn im ganzen Film bekommt man eigentlich keine Zusicherung für die eigenen Vermutungen, wie in vielen von Kings Werken. Nachdem man bei der zweiten Strandszene schon ein sehr billiges Ende befürchtet, wird das Ruder Gott sei Dank nochmal herumgerissen und man kann letztlich das Kino dennoch mit Blick auf Story und Ende zufrieden verlassen.

Action/Fesselfaktor:  85%

Was so ziemlich jedes Stephen King Buch an sich hat ist wohl die ungeheure Spannung, die im Laufe der Geschichte aufgebaut wird. Synchron dazu folgt Regisseur Hafström auch in der Filmumsetzung der typischen King'schen Spannungskurve. Und das mit bahnbrechendem Erfolg: An Nervenkitzel und Gruselfaktor ist dieser Film fast unübertrefflich, zumindest verglichen mit ähnlichen Horror-Produktionen der letzten Jahre. Nicht sinnlos blutiges Gemetzel steht im Vordergrund, sondern die viel zu leicht angreifbare Psyche des Menschen. Geschickt macht sich dies der Film zunutze: Ständig wiederkehrende Wahnvorstellungen und Halluzinationen, von denen man nicht sicher weiß, ob sie Enslins Verstand oder dem Repertoire an Boshaftigkeit des Zimmers entspringen, veranlassen den Protagonisten immer wieder zu "Actionszenen" in Form von Ausrastern und Fluchtversuchen. So wird die Spannung auf einem ansehnlichen Niveau gehalten, zumindest im größten Teil des Filmes. Denn im letzten Drittel, als das Zimmer einer Eiswüste gleicht, drücken die übermäßigen Effekte die unheimliche Stimmung des Hotelzimmers wieder deutlich in die Tiefe. Zuviel des guten ist auch nichts, denn die rebellierende Zimmereinrichtung zu Beginn hatte einen wesentlich gruseligeren Effekt auf den Zuschauer. Alles in allem aber doch eine sehr beachtliche Portion Spannung, die einen geschickten Aufbau erfährt und einige Leckerbissen bereithält: Das von Ignoranz geprägte Gespräch zwischen Enslin und Olin im Büro und der unmittelbar danach folgende Einzug in das böse Zimmer gehören wohl zu den spannungssteigerndsten Momenten im ganzen Film.

Specialeffects/Technische Umsetzung:  70%

Ein einziges Zimmer voller Spezialeffekte - kann das gut gehen? Teils ja, teils nein. Eines muss man an "Zimmer 1408" loben: Die Specialeffects sind von ihrer Qualität her von keinem Mangel befallen. Geistererscheinungen, sich bewegende Bilder, Flammenwände - man glaubt keinen Moment, dass das Geschehen nicht echt oder mit Computer gemacht ist. Effektvoll werden die psychischen Verirrungen in Szene gesetzt, was der Spannung einen Großteil der Zeit Auftrieb gibt. Aber gegen Ende steigern sich die Effekte derart, dass sie sehr gegenteiliges bewirken und der Spannung letztlich Abbruch tun. Auch wenn riesige Wasserfluten oder Vereisung eine Steigerung darstellen sollen, ist der gewisse "Charme" eines "normalen" Hotelzimmers doch verloren und man kann sich sogar zeitweise im Wissen entspannen, dass nicht Schlimmeres mehr kommt. Die Kameraführung hingegen arbeitet zu keiner Zeit kontraproduktiv zur Spannung. Die Nahaufnahmen von John Cusacks gepeinigtem Gesicht haben fürs Filmganze durchaus ihren positiven Gruseleffekt.

Besetzung:  90%

Ob John Cusack wohl mal wegen Paranoia in Behandlung war? So scheint es zumindest, denn der Mike Enslin Darsteller lässt keinen Zweifel aufkommen, dass er für die Rolle die bestmögliche Wahl war. Kaum ein anderer könnte die aufkeimende Paranoia so überzeugend spielen, kaum einer die Saat des Wahnsinns so flächendeckend aussähen wie John Cusack. Auf jeden Fall hat er es verdient, dafür die gebührende Anerkennung zu ernten, denn er ist eines, wenn nicht sogar DAS tragende Bauelement des Filmes. Allein an seiner mustergültigen Darstellung hängt es, dass der Film so mitnimmt und der Charakter des Mike Enslin in der ganzen Länge seines Auftritts nicht verblasst oder langweilig wird. Auch ein Samuel L. Jackson weiß trotz seines nur relativ kurzen Erscheinens das Publikum für sich zu gewinnen und ist als zweitwichtigste Person maßgeblich am Spannungsaufbau beteiligt. Frau und Kind des gebeutelten Schriftstellers sind Mary McCormack und Jasmin Jessica Anthony, die Enslins verlorene Familie überaus authentisch darstellen, letztere wird von Stephen King selbst für ihre schauspielerische Leistung gelobt. Insgesamt ist die Schauspielcrew schon einige Karat wert.

Funfaktor:  10%

Wenn "Zimmer 1408" mal Zeit hat, lustig zu sein, dann ist das mit Sicherheit nur am Anfang. Denn schon als der Hauptdarsteller den ersten Fuß in Zimmer 1408 setzt, hört jeglicher Spaß auf und die Stimmung wird ernst. Von da an bis zum Ende kann man die Lachmuskeln schonen und sich der Anspannung hingeben. Nur ganz am Anfang, von dem Zeitpunkt an als Mike das erste "Spukhotel" betritt bis zu dem, da er das Büro von Olin verlässt, könnte man zynisch angehauchen Humor antreffen. Ansonsten fehlt jeglicher Witz. Wer lachen will, sollte sich einem anderen Genre zuwenden.

Taschentuchquote:  55%

Dieser Film kitzelt vor allem die Nerven, nicht selten aber auch die Gefühle. Anfangs nur den verbitterten Schriftsteller vor Augen, fühlt man sich durch seine Visionen immer mehr in dessen seelische Lage ein. Die verstreut auftretenden Rückblicke sind der Hauptgrund dafür, dass man der Trinksucht und der "Gespensterjagd" Enslins endlich Verständnis entgegenbringen kann. Und wenn dann nach langer Verzweiflung und anwachsendem Wahnsinn plötzlich die von ihm so vermisste Tochter vor ihm steht und anschließend erneut in seinen Armen stirbt, ist der Moment des größten Emotionspotentials erreicht und so mancher kann schonmal in Tränen ausbrechen. Seit Langem mal wieder ein Film, bei dem man sich von den Schicksalsschlägen, die den Hauptcharakter im Film ereilen, selbst betroffen fühlt!

Soundkulisse:  65%

"Angemessen Psycho" und "Spannungsstützend" wären Ausdrücke für den Sound, der insgesamt geboten wird. Der Soundtrack ist so, wie man es von einem Horrorfilm erwartet: In hektischen Szenen treibend schnell und in scheinbar aktionslosen Momenten im falsche-Ruhe-vorgaukelnden Rhythmus, der die Spannung aufstaut. Das eigentliche Gruseln beginnt mit einem Lied des Radioweckers, das ständig wiederkehrt. So wird passend "We've only just begun" gesungen und damit gleichzeitig ein Ausblick auf das Kommende gegeben. In jedem Fall leistet Komponist Gabriel Yared sehr gute Unterstützungsarbeit in Sachen Grusel und Spannung für "Zimmer 1408", auch wenn der Soundtrack alleine und vom Film abgekoppelt wahrscheinlich keinen derartigen Effekt mehr hat.

Ähnliche Filme

Alternativtitel zu "Zimmer 1408" sind sehr leicht in anderen Stephen King Verfilmungen zu finden. Trotz Mikael Hafströms bemerkenswerter Leistung sind Stanley Kubricks "Shining" oder "The Green Mile" von Frank Darabont noch einen Tick besser und sehr sehenswert. Die Auswahl ist recht groß, denn neben Filmen wie "Dreamcatcher", "Misery" oder "Die Verurteilten" gibt es noch ca. 40 andere King Adaptionen, als Fan kann man also aus einer Fülle von Filmen wählen, wobei nicht immer alle den Erstgenannten qualitativ angemessen sein müssen. Fans von John Cusack könnten auch einen Blick auf "Stand by me", einer weiteren King-Verfilmung, werfen.

Fazit

Stephen King Fans aufgepasst: Mit "Zimmer 1408" hat man die Chance auf eine der guten King-Verfilmungen. John Cusacks Verkörperung des Mike Enslin ist nicht nur ungemein überzeugend, sie passt sich auch harmonisch in das seelisch-gespenstische Chaos der Handlung ein. Spannung und Nervenkitzel sind hier sicher keine Mangelware und werden noch zusätzlich durch die beeindruckenden Spezialeffekte hoch gehalten. Dennoch können letztere mitunter auch den gegenteiligen Effekt haben, da gegen Ende die spannungsgeladene Atmosphäre unnötig durch eine gewisse Übertreibung verdünnt wird. Immerhin kann man sich als Zuschauer soweit in den Hauptcharakter hineinfühlen, dass man von dessen Schicksal ebenfalls emotional betroffen wird, zu lachen gibt es allerdings nur wenig. Wer einen spannenden Horrorthriller ohne viel Blutvergießen sucht, ist mit diesem Film gut beraten! Für eingefleischte King-Fans vielleicht ein kleiner Wermutstropfen: Der Film hält sich nicht in allen Einzelheiten an die Kurzgeschichte, die ihm zugrunde liegt. Dennoch hat man hier eine würdige Stephen King Adaption, die man sicher mit gutem Gewissen zu 80% empfehlen kann!

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers




 


 
 

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