Bank Job Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 12

Laufzeit: 110 Minuten

Originaltitel: The Bank Job

Schauspieler:  Jason Statham, Saffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner

Autoverkäufer Terry (Jason Statham) hat immer die Finger von den großen Sachen gelassen. Bis die bildschöne Martine (Saffron Burrows), eine Freundin aus Jugendtagen, unvermittelt bei ihm auftaucht und ein verlockendes Angebot unterbreitet: Den todsicheren Bruch in der Lloyds Bank in der Londoner Baker Street. In ihren Schließfächern sollen sich Geld und Juwelen im Wert von mehreren Millionen befinden. Terry beißt an. Er weiß ja nicht, dass er nicht nur auf Moneten, sondern auch auf eine Reihe schmutziger Geheimnisse stoßen wird. Die Londoner Unterwelt, einige Gentlemen der feinen Gesellschaft und sogar das Königshaus haben großes Interesse daran, dass sie nicht an die Öffentlichkeit geraten. Damit ist die Jagd auf Terry und seine Jungs eröffnet...

Storyline:  75%

"Bank Job" handelt prinzipiell von einem Team aus Gelegenheitsganoven, das sich an den großen Coup heran wagt. Es wird hierbei auf eine wahre Begebenheit zurückgegriffen: auf einen Überfall auf eine Londoner Bank im September 1971. Die genauen Details sind teilweise heute noch nicht bekannt. Regisseur Roger Donaldson hat also kreative Ergänzungs- und Aufklärungsarbeit leisten müssen.

Herausgekommen ist ein ansehnlicher Thriller mit einer recht soliden Story. Dabei zieht das Tempo erst relativ spät stark an: Die knappe erste Hälfte des Filmes besteht aus weitgehend gemächlicher Einbruchsarbeit bis sich in der zweiten die Handlungen überstürzen. Von einem lustigen Gangsterstreifen mit Gemeinschaft und Freundschaft geschieht der Umschwung zu einem ungeahnt spannenden, dafür aber auch umso ernsteren Thriller.

Genau diese Story wurde wohl noch nicht verfilmt. Dennoch hat man das Gefühl, schon unzählige Filme dieser Art gesehen zu haben. Die Geschichte wird jedoch stimmig und atmosphärisch gestaltet, sodass höchstens die etwas zu lange Einschwungphase störend wirkt.

Action/Fesselfaktor:  75%

Auch die Sache mit der Action ist hier zumindest dreigeteilt: Etliche Erotikszenen mit ungestümen nackten Körpern bilden in gewisser Weise die Einleitung. Die folgende Einbruchsaction setzt das angefangene dann auf einem immer noch recht geringen Actionlevel fort. Erst im letzten Drittel geht es richtig zur Sache. Und das schon fast unerwartet mit Blick auf die biederen ersten zwei Drittel. Kurze Einblicke in Folterszenen, angemessen viele Tote und letzten Endes auch Fausteinsatz für Jason Statham bilden einen sehr zufriedenstellenden Abschluss.

Analog verhält sich die Spannung. Zunächst erst sehr gering nimmt sie etwa ab der Hälfte zu: Planlücken machen sich breit und die halbe englische Nation scheint den Kleinganoven gegenüber Arges im Sinn zu haben. Zum Ende hin nehmen die Verwicklungen immer stärker zu - ungemein spannend!

Specialeffects/Technische Umsetzung:  70%

Und obendrein bedarf es hier keiner übertriebenen Effekte, um die nötige Spannung zu erzeugen. Die ca. 20 Mio. Dollar Produktionskosten wurden anders und auch sinnvoller angelegt. Die zugrundeliegende Begebenheit wurde minimalistisch eingehalten und nicht durch unpassende Spezialeffekte aufgepusht.

Die Einbruchsausrüstung des Teams scheint nicht übertrieben und ist augenscheinlich der Zeit angemessen. Von Presslufthammer bis Sauerstofflanze ist alles nötige dabei. Auch wenn man es nicht sicher wissen kann, so kann man doch zumindest vermuten, dass die tatsächlichen Bankräuber 1971 ähnlich ausgestattet waren.

Besetzung:  65%

Die Besetzung trägt eigentlich nur ein wirklich bekanntes Gesicht zur Schau: Jason Statham und vielleicht noch Saffron Burrows als Hauptdarsteller. Statham alias Terry Leather liefert wie gewohnt eine hervorragende Leistung ab und gibt seiner Figur Charakter. Martine Love wird von Saffron Burrows ebenfalls sehr souverän dargestellt.

Der Rest der Schauspielriege ist weniger namhaft, agiert aber dennoch insgesamt glaubwürdig. Unterweltbossen und MI5-Geheimdienstlern nimmt man ihre verschlagene bzw. arrogante Art sofort ab.
Mancher Charakter hat hierbei jedoch einen kleinen Hang zur Klischeehaftigkeit. Das ändert aber nichts daran, dass man im späteren Verlauf Mitgefühl mit so manchem Gangster entwickelt.

Ein durchaus fähiger Cast!

Funfaktor:  35%

Die Zweiteilung des Filmes bezüglich einiger Gesichtspunkte ist ja schon angeklungen. So verhält es sich auch mit dem Humor. Bis etwa zur Filmhälfte wird "Bank Job" durch gelegentliche lässige Sprüche aufgelockert. Hammergags sind allerdings nicht dabei, nur durchschnittliche Situationskomik. Im weiteren Verlauf schwingt das lockere Gemüt aber rapide in tödlichen Ernst um: Außer vielleicht ganz am Schluss findet sich kein einziger Witz mehr.

Taschentuchquote:  25%

Ähnlich die Taschentuchquote. Bis kurz vor Ende braucht man überschwappende Emotionen nicht zu fürchten. Erst als manche Charaktere doch recht abrupt den Tod finden, kann der Griff zum Taschentuch mit gutem Gewissen getan werden.
Im Großen und Ganzen ist "Bank Job" aber nicht unbedingt der traurigste Film.

Soundkulisse:  50%

Es ist auch nicht der Film, der den Preis für den besten Soundtrack gewinnt. Wenig prägnant hält sich die Musik weitgehend im Hintergrund und sticht selten hervor. Der Sound ist durchaus genremäßig und weiß an vielen Stellen die Spannung entsprechend zu fördern. Weitere kompositorische Leistungen sind nicht unbedingt festzustellen.

Ähnliche Filme

Ein bekannterer Ganovenfilm findet sich sicherlich in einem Teil der Oceans-Reihe. Ob Eleven, Twelve oder Thirteen: Die Einbrüche sind hier noch bei weitem aufwendiger und spektakulärer als bei "The Bank Job". Wer auf George Clooney, Brad Pitt oder Matt Damon steht, sollte diese Bildungslücke schließen.

Vom Namen und Inhalt her verwandt: "The Italian Job". Ohne auf einer wahren Begebenheit zu beruhen dreht sich hier auch alles um einen Coup. Da hier neben Mark Wahlberg und Charlize Theron ebenfalls Jason Statham mit von der Partie ist: durchaus einen Blick wert.

Statham-Fans sollten desweiteren einen Blick auf die "Transporter"-Filme oder "Crank" riskieren: Filme, in denen Statham seine Actionveranlagung voll ausleben kann.

Fazit

"Bank Job": Eine Verfilmung einer wahren Begebenheit, die ohne viel Spezialeffekte auskommt. Viel näher wird man ein verkommenes englisches Königshaus und von Glück und Pech gleichermaßen verfolgte Kleinganoven auf dem Weg zum großen Coup kaum zu sehen bekommen. Der Film unterteilt sich hierbei in mehrere Phasen: Zu Beginn wird ausführlichst der Einbruch mit einer gehörigen Portion Sex und Situationskomik geschildert. Erst viel später nimmt der Film eine überraschend ernste Dimension an und bringt Action, Spannung und einen gehetzten Jason Statham gleichermaßen. Obwohl der Film gegen Ende ungemein spannend wird, ein großes Manko: Der Film hat einfach eine zu lange Vorlaufszeit, bis er wirklich interessant wird.

Alles in Allem ein weitgehend gelungener und spannender Film mit einer interessanten Story, der trotz anfänglichem Durchhänger eine 70% Wertung verdient.

 

Florian Hösch

 

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Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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