Cloverfield Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 12

Laufzeit: 85 Minuten

Originaltitel: Cloverfield

Schauspieler: Mike Vogel, Odette Yustman, Lizzy Caplan, Jessica Lucas, Michael Stahl-David 

Rob Hawkins ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Mit seiner Versetzung nach Japan als stellvertretender Geschäftsführer scheint sich seine harte Arbeit endlich ausgezahlt zu haben: der perfekte Anlass für eine Überraschungsparty im Herzen New Yorks. Doch die Videoaufnahmen der Abschiedsstatements seiner Freunde werden jäh unterbrochen, als Manhattan erbebt. Die Partygesellschaft betritt das Dach, um einen besseren Überblick über die Geschehnisse zu erhalten - da bebt es erneut und in der Ferne ist eine gewaltige Explosion zu sehen. Panisch fliehen die ehemals Feiernden auf die Straßen und verlieren sich aus den Augen. Den abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue vor sich liegen sehend wissen Rob, Jason und der mit einer Videokamera bewaffnete Hud: der Kampf ums Überleben hat begonnen.

Storyline:  75 %

Was zunächst wie ein Katastrophen- oder Terroristenfilm anmutet, stellt sich recht bald als Monsterfilm heraus. Ein modernisierter Godzilla mit gewissen Alien-Elementen, mag Mancher denken. Eine lose Handlung als Rahmen einer Neuauflage der alten japanischen "Kaiju Eiga"-Filme, die nur durch grafisches Aufpolieren glänzen soll und sonst kaum Neuerungen bietet. Aber eine derartige Bewertung wird "Cloverfield" in keinster Weise gerecht.

Es ist zwar nicht zu leugnen, dass Vieles schonmal dagewesen ist: New York als Angriffsziel eines gigantischen Ungetüms, fast vollständige Zerstörung und mitten im Chaos immernoch genug Zeit für eine Liebesgeschichte. Die groben Handlungselemente bieten hier tatsächlich nicht übermäßig viel Neues. Aber dennoch ist "Cloverfield" nicht einfach so als seelenloses Plagiat vergangener Monsterfilme abzutun: Die Umsetzung ist das Besondere und ihr merkt man auch jede Menge Herz an.

Das beginnt schon mit der Erzähltechnik: Statt durch eine externe Kamera das Geschehen aus allen nur denkbaren Blickwinkeln wiederzugeben, beschränkt sich das Erzählte hier lediglich auf die Aufnahmen einer Filmkamera, die von den Hauptcharakteren die ganze Handlung über mitgetragen wird. Dementsprechend sollte man sich schon vorher auf einen relativ offenen Anfang und ein noch offeneres Ende einstellen.

Die komplette Story weiß jedenfalls trotz sicherlich kontroverser Meinungen durchaus zu begeistern und stellt in ihrer Erzählart etwas Außergewöhnliches dar. Hochwertige Dialoge sollte man bei alledem aber nicht erwarten.

Action/Fesselfaktor:  80 %

Die Handlung bettet die Action nahezu optimal ein. Für einen Monsterfilm typisch, gibt es auch in "Cloverfield" jede Menge davon: einstürzende Wolkenkratzer, Häuser und Brücken, eine wütende Bestie mit ebenso wütender Brut, die der Bevölkerung im Kleinen das Fürchten lehrt, während die Mutter in großen Dimensionen die Stadt in Schutt und Asche legt und sogar dem US Militär widersteht. Zerstörungsaction und auch Kampfszenen gegen Monster und Brut gibt es zur Genüge und diese sind auch überaus zufriedenstellend, obwohl nur aus einer eingeschränkten Perspektive erzählt wird.

Vielleicht wird die ungemein große Spannung gerade hierdurch erzeugt. Die Nähe zu den verzweifelten Protagonisten durch die ständig präsente Handkamera verbucht jedenfalls einen Großteil der Spannungspunkte: Man hat das Gefühl, unmittelbar dabei zu sein und fiebert dementsprechend stark mit. Die ewige Stille und die Düsternis des zertrümmerten New Yorks tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei.

Insgesamt können also weder Actionfreund noch Adrenalinjunkie große Beschwerden laut werden lassen; der Film weiß in dieser Hinsicht zielsicher zu unterhalten. 

Specialeffects/Technische Umsetzung:  85 % 

Ähnlich verhält es sich mit den Spezialeffekten und Computeranimationen, denn beide kommen qualitativ sehr hochwertig daher. Nicht nur das Monster - wenn man es denn mal zu Gesicht bekommt - sieht täuschend echt aus und befreit sich scheinbar von den Fesseln seiner Erschaffung am Computer. Auch die angerichtete Zerstörung, sowie jegliche Umgebung und Kulisse sehen authentisch und keineswegs gestellt aus. Alles wirkt so, als ob es real geschehen würde. Lediglich die Kamera scheint unnatürlich stabil zu sein, da weder Absturz noch Steinschlag Totalschaden an ihr zu verursachen vermögen. 

Die große Besonderheit des Filmes liegt offenkundig in der Kameraführung. Dass die schwankende Handkamera, die im übrigen sehr an "Blair Witch Project" erinnert, in Amerika einige Anfälle und auch Übelkeit hervorgerufen hat, spricht nicht gerade für diese Art der Technik. Auch wenn sie mitunter wirklich zu Schwindel führt, ist es auf jeden Fall mal etwas anderes und es passt vor allem zur vermittelten Stimmung. Konventionelle Kameraführung wäre zwar wesentlich übersichtlicher, aber nicht so zweckmäßig gewesen. Durch die Handkamera wird mit den Beobachtungen hinter dem Berg gehalten. So sieht man zumeist nur Teile des Monsters zwischen Gebäuden, was das Blickfeld deutlich eingrenzt und bis zum Ende viele Fragen offen lässt.

Die Kameraführung kann man so und so bewerten, sie kann aber wirklich zu gefallen wissen. Die Specialeffects dagegen sind eindeutig von großem Kaliber.

Besetzung:  60 %

Unbekannte Gesichter zeichnen die Schauspielerriege von "Cloverfield" durch die Bank aus. Einen Weltstar wird man vergeblich suchen und das ist wohl auch gut so. Denn wer hätte schon einen Johnny Depp, George Clooney oder Will Smith ernstnehmen können? Letzteren noch am ehesten, aber selbst da hätte die schauspielerische Vorgeschichte schon den objektiven Blick auf die Charaktere getrübt.

Nein, auch unbekanntere Darsteller können ihre Sache gut machen und das tun sie hier. Sie überhäufen sich zwar nicht mit schauspielerischen Glanzleistungen, tragen dafür aber den Film und seine Stimmung maßgeblich auf ihren Schultern.

Alles in allem eine recht ordentliche und stimmige Leistung.

Funfaktor:  10 %

Wer sich bei "Cloverfield" auf eine Komödie freut, ist schief gewickelt. Wie man sich unschwer vorstellen kann, sind die humoristischen Einlagen bei der Zerstörung einer Stadt durch ein scheinbar unbesiegbares Riesenmonster relativ rar gesät. Nur der Beginn des Filmes bringt eine etwas lockerere Atmosphäre mit sich, bei der jedoch auch keine großen Witze oder Gags herausstechen. Als es dann zur Panik in New York kommt, ist auch schon das Ende dieser etwas kurzweiligeren Phase erreicht. Ein einziger makaberer Witz, der im Folgenden heraussticht, ist das wiederholte Nachsinnen des Kameramanns Hud über "angebrannte Obdachlose in der U-Bahn", während er und seine geschundenen Freunde durch einen finsteren U-Bahntunnel stolpern.

Taschentuchquote:  60 %

Einiges mehr ist in Richtung Trauer geboten. Durch die erwähnte recht spezielle Kameraführung ist man stets relativ nahe bei den Protagonisten und demzufolge auch persönlich eingebunden - die entscheidende Grundlage, um effektiv mitfiebern zu können. So lässt sich trotz insgesamt eher schwacher Charaktereinführung ein vergleichsweise hohes Maß an Emotionalität erreichen. Da auch viele Leute in der näheren Umgebung besonders gegen Ende hin sterben, ist ein weiterer Ansatz zur emotionalen Angekratztheit gegeben.

Das offene, eher bedrückende Ende entfaltet zusammen mit dem bisher Genannten also ein nicht zu unterschätzendes Potential, das sich beim geneigten Individuum schonmal in Tränen entladen kann. 

Soundkulisse:  70 %

Eine auffällige Besonderheit, die man wiedermal verschieden bewerten kann: die Abwesenheit von Hintergrundmusik. Lediglich die gezeigte Party zu Beginn ist mit entsprechender Partymusik aus einer Anlage unterlegt. Ansonsten herrscht den ganzen Film über musikalisch Stille und nur Schreie und das allgemeine Chaos der Zerstörung sind zu hören.

Das fast komplette Fehlen von Musik sollte eigentlich reichlich schlecht bewertet werden, zumal selbst der Abspann totenstill herabzulaufen beginnt. Aber einmal mehr passt sich dieses Eigenheit von "Cloverfield" perfekt in die intendierte Gesamtstimmung des Filmes ein. Filmmusik wäre auch völlig unpassend gewesen - woher sollte sie auch kommen, wenn das ganze Geschehen durch eine einzige Kamera erzählt wird?

Wer lange genug sitzen bleibt, wird schließlich doch noch belohnt: Im weiteren Verlauf des Abspanns ist immerhin eine nette Klaviermelodie zu hören, die für die notwendige Stille entschädigt.

Ähnliche Filme

Das Setting in New York City, das von einem riesenhaften Monster attackiert wird, erinnert natürlich stark an die Godzilla-Filme aus Japan und vielleicht speziell an den amerikanischen "Godzilla" Roland Emmerichs. Storymäßig sehr ähnlich, würde sich dieser technisch halbwegs auf dem modernen Stand der Dinge befindliche Streifen durchaus empfehlen. Der Hergang ist zwar nicht ganz so verwüstend, aber dennoch ähnlich.

Wer auf die schwindelerregende Kameraführung steht, kann sicher auch einen Blick auf "Blair Witch Project" von 1999 riskieren. Hier geht es allerdings nicht um apokalyptische Monster, sondern um forschungsfreudige Studenten, die mit Handkamera bewaffnet das ihnen widerfahrende Unheil aufzeichnen.

Wem die Monsterbrut, die das Muttertier von sich gibt, gefällt, hat außerdem wahrscheinlich seinen Spaß an allen "Alien"-Filmen, sowie an den "Alien vs. Predator"-Teilen.

Fazit

Ein Monsterfilm der etwas anderen Art. Trotz deutlichen Parallelen zu diversen Godzilla-Filmen, führt "Cloverfield" jedoch einige komplett neue Gesichtspunkte ein. Dazu zählt besonders das Einsetzen einer Handkamera als Mittel der Erzählung, was bisweilen schon dem ein oder anderen Übelkeit bescheren kann. Action, Spezialeffekte und Spannung sind hier keine Mangelware, speziell zum Mitfiebern sind alle Grundlagen gegeben. Der Sound zeichnet sich zwar durch äußerste musikalische Kargheit aus, erzeugt zusammen mit der Kameraführung aber eine ungemein stimmige Atmosphäre, bei der man sich leicht in den Film eingebunden fühlt. Die unbekannten Schauspieler dürfen nach Drehbuch nur wenige Lacher erzeugen, tragen aber zur recht hohen Emotionalität des Filmes ihren Teil bei.

"Cloverfield" ist ein Film, über den man sehr geteilter Meinung sein kann. Da sich aber nahezu alle Elemente harmonisch zusammenfügen, ist eine Bewertung mit 80% meiner Meinung nach gerechtfertigt.

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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