Falco Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 12

Laufzeit: 109 Minuten

Originaltitel: Falco - Verdammt, Wir Leben Noch!

Schauspieler:  Manuel Rubey, Nicholas Ofczarek, Christian Tramitz, Patricia Aulitzky, Susi Stach, Arno Frisch, Markus Mössmer, Martin Loos

 
Wer kennt ihn nicht, den berühmtesten österreichischen Musiker der Neuzeit. Johann "Hans" Hölzel, besser bekannt als Falco, schrieb seinerzeit Musikgeschichte. Mit "Rock Me Amadeus" gelang ihm das, was viele deutschsprachige Musiker heute noch vergeblich anstreben: Er belegte ganze 3 Wochen Platz 1 der Billboard Charts in den USA. Und selbst heute, 10 Jahre nach seinem Tod, ist Falco noch jedem ein Begriff. Doch wo viel Licht, da auch viel Schatten. Drogen- und Alkoholexzesse sowie handfeste private Probleme beutelten den Künstler stark zu Lebzeiten. Mit "Falco - Verdammt, Wir Leben Noch!" kommt nun ein Film über das bewegte Leben des exzentrischen Ausnahmekünstlers in die Kinos.

Storyline:    65%

In den 109 Minuten stellt der Film "Falco" in Dramaform alle bedeutenden Ereignisse des Musikers dar. Es handelt sich hierbei also um eine Biografie in Schwerpunkten. Nach einem knapp 15-minütigen Blick auf Falcos Kindheit erfolgt ein Zeitsprung von 10 Jahren: Falcos Anfänge, sein erstes Hit-Album, Schaffenskrisen, Comebacks, Privates Dilemma und schließlich sein Tod.

Die Story ist hierbei sehr linear gestrickt. Außer einigen sich oft wiederholenden Vorausblenden auf Falcos Tod wird konsequent ein kontinuierlicher Handlungsfaden verfolgt. Das ist sicherlich die gängigste und vernünftigste Art, einen biografischen Film aufzuziehen.

Es herrscht grob immer ein bestimmtes Schema vor: Kindheit und Anfänge dienen zur Einleitung. Es folgen verschiedene Konzerte mit je einem seiner großen Hits. Dann kehrt der Film wieder in sein Privatleben zurück, das von Drogen, Alkohol und Eheproblemen gezeichnet ist. Schließlich wird der rote Faden durch ein weiteres Konzert erneut aufgegriffen und so weiter.

Falcos Leben ist insgesamt stimmig dargestellt. Ob er jedoch tatsächlich derartig arrogant und exzentrisch war, sei einmal dahingestellt. Der lineare Handlungsfaden der Geschichte führt bei den meisten Zuschauern allerdings nach einer gewissen Zeit zu Langeweile. Die Wiederholungen speziell im Privatleben des Stars kommen einfach so häufig, dass man irgendwann das Interesse verliert. So zieht sich der Film leider vor allem gegen Ende unnötig in die Länge und büßt für den Normalsterblichen Unterhaltungswert ein. Falco-Fans mögen dies jedoch anders sehen.

Action/Fesselfaktor:     5%

Zur Action kurz und bündig: Es gibt keine! Zumindest nicht im üblichen Sinne. Drogen- und Alkoholorgien bieten eine ganz eigene Art von Action, die hier sicher nicht zu kurz kommt. Auch recht freizügige Sexszenen sorgen für eine kurzweilige Stimmung. Krawumms-Action nach Hollywoodmanier misst man aber gänzlich.

Als besonders spannend kann man "Falco" auch nicht bezeichnen. Als Biografie ist es eine Geschichte aus dem echten Leben, ohne übermäßige dramatische Zuspitzungen. Zudem wirkt sich der doch sehr lineare Aufbau mit den häufigen Wiederholungen negativ auf den Fesselfaktor aus. Der eingefleischte Fan findet sicher alles spannend. Als beiläufiger Zuschauer wird man zwar nicht vor Spannung vom Sessel gerissen, jedoch aber zumindest angenehm unterhalten.

Specialeffects/Technische Umsetzung:     15% 

Spezialeffekte wie aus der Trickkiste Hollywoods gibt es hier ebenfalls nicht. Die Kameraführung ist jedoch gut gelungen, funktioniert aber teilweise auch nach festen Schemata. Das fällt vor allem bei den Konzerten auf.

Positiv zu erwähnen bleiben hier noch die zahlreichen verwendeten Kostüme für den Hauptdarsteller. Die Tatsache, dass es sich zum Teil um Originale handelt, erweckt den österreichischen Megastar visuell fast schon wieder zum leben.

Die Musikvideos zu Falcos größten Hits wurden scheinbar alle neu gedreht. Ein weiterer Pluspunkt für die Macher, auch wenn der Originalgesang nicht immer hunderprozentig zu den Mundbewegungen des Schauspielers passt.

Besetzung:     70%

Trotz besagten Synchronisationsschwächen leistet Hauptdarsteller Manuel Rubey eine Glanzvorstellung. Er passt einfach haargenau auf die Rolle und sieht dem Verstorbenen erstaunlich ähnlich. Sogar seine Stimme hört sich zum Verwechseln ähnlich an. Einfach eine klasse Besetzung der Hauptrolle, die man in keinster Weise schelten kann. Verdammt, der King lebt noch!

Patricia Aulitzky macht ebenfalls eine gute Figur als zeitweise Ehefrau Jacky. Der unabweisbaren Naivität ihrer Rolle verleiht sie eine äußerst glaubwürdige Note. Christian Tramitz schließlich schauspielert genauso souverän und beherzt wie immer.
Ob die realen Personen im wirklichen Leben tatsächlich die dargestellten dominanten Charakterzüge aufwiesen ist fraglich. Das soll die gelungene schauspielerische Leistung jedoch nicht trüben.

Funfaktor:     10%

Lacher ertönen nur in begrenztem Umfang im Kino. Der Film ist nicht unbedingt als Komödie ausgelegt, was mit dem tragischen Ende ja kaum vereinbar gewesen wäre. Man könnte sich einzig über den ein oder anderen Spruch Falcos amüsieren. Dessen Arroganz gepaart mit österreichischem Akzent sorgen immerhin für einige heitere Momente.

Taschentuchquote:     25%

Im eigentlichen Verlauf des Filmes bleiben die Augen weitgehend trocken. Rubeys Darstellung eines arroganten Falco nach Drehbuch gelingt einfach zu gut. Mitgefühl für den exzentrischen Star in seiner selbstverschuldeten Drogenqual aufzubauen fällt daher entsprechend schwer. Lediglich das zwar schon mehrmals angedeutete, aber dennoch sehr spontane Ende hat Taschentuchpotential. Hier wird auch der Bezug zu den realen Personen hergestellt, was wohl maßgeblich dazu beiträgt.

Soundkulisse:     85%

Vor allem bei der Soundkulisse kann man nicht meckern. Die großen Hits von Falco sind atmosphärisch eingebunden: "Der Kommissar", "Rock Me Amadeus", "Jeanny", "Out Of The Dark"...Ob als Konzert, Musikvideo, Schallplatte oder Radiotape, wirklich fast jeder der Songs ist dabei. Für Fans also ein echtes Muss! Einziges kleines Manko: Die Songs werden bis auf wenige Ausnahmen immer nur relativ kurz angespielt.

Ähnliche Filme

Sucht man vergleichbare Filme, muss man sich unter die Biografieverfilmungen wagen. Ein Beispiel wäre hierbei der Film "Ray" aus dem Jahr 2004. Mit Jamie Foxx als Hauptdarsteller wird hier das Leben von Soul-Legende Ray Charles filmisch verarbeitet.
"Walk The Line" ist ein weiteres sehr gutes Beispiel. In diesem Film aus dem Jahr 2005 verkörpert Joaquin Phoenix den 2003 verstorbenen Johnny Cash. Als oscarprämierte Biografie ist "Walk The Line" den Gang zur Videothek in jedem Fall wert.

Fazit

Aus dem Dunkeln kehrt er nun 2008 ins Licht zurück: Falco ist wieder da! 109 Minuten, nur der verstorbenen österreichischen Musikerlegende gewidmet. Seine größten Hits und gewaltigsten Konzerte lässt man hier nochmal revue passieren, aber nicht ungeachtet seiner Schattenseiten: Alkohol, Sex und Drogen sind fester Bestandteil des Handlungsverlaufs. Besonders der Hauptdarsteller macht hierbei einen ausgesprochen guten Job: Wenn man es nicht besser wüsste, hätte man zweifelsohne das Gefühl, den echten Falco auf der Leinwand rocken zu sehen.
Das Problem des Filmes ist nur, dass er etwa nach der Hälfte langweilig zu werden beginnt. Die Story ist so linear, so wiederholend, dass sich das Ende ungemein lange hinzuziehen scheint. Auch für eine Biografie nicht ganz optimal gelöst.

Bei dem Film "Falco" handelt es sich also um eine durchaus gelungene Biografie. Vor allem Fans werden ihren Spaß im Kino haben. Für alle weniger Interessierten ergeht allerdings nur eine Empfehlung zu 65%.

Florian Hösch

 

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Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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