Hancock Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 12

Laufzeit: 92 Minuten

Originaltitel: Hancock

Schauspieler:  Will Smith, Charlize Theron, Jason Bateman

Das raue Pflaster LAs: Gezeichnet von schlingernden Reifenspuren, Einschusslöchern und verkeilten Autowracks. Eine wilde Verfolgungsjagd wechselt sich mit der nächsten ab. Die Polizei ist maßlos überfordert. Man bräuchte soetwas wie einen Helden. Doch den findet man nicht auf jeder Straßenbank. Aber halt! Was ist das? Ist es ein Penner? Ist es ein Trunkenbold? Nein! Es ist Hancock! Der einzige, der den hartnäckigen Schurken Einhalt gebieten kann. Da gibt es nur ein Problem: Auch wenn er es selbst nicht gerne zugibt - Hancock ist ein Arschloch. Und trotz außergewöhnlicher Superkräfte richtet er mehr Schaden an, als er verhindert. Als er auf der Beliebtheitsskala der Einwohner den Tiefstand erreicht hat, ist guter Rat teuer. Doch da trifft er just auf den PA-Berater Ray. Und dieser fast schon naive Weltverbesserer hat einen Plan, der nicht nur Hancocks Image, sondern auch seine ganze Zukunft drastisch ändern könnte...

Storyline:  65 %

Hancock - der Superheld der etwas anderen Art. Betrunken, ungehobelt und völlig gleichgültig, wenn es darum geht, was die Leute über ihn denken: Will Smith räumt mit den Superheldenklischees auf. Verantwortung für sein Handeln - Fehlanzeige. Dieser Held muss erst noch lernen, wie man sich in seinem Metier zu verhalten hat.

Der Weg zu seiner Selbsterkenntnis kommt dabei sehr spritzig daher. Denn Hancock leidet an Amnesie und weiß kaum noch etwas über seine jüngste Vergangenheit. So erschließt sich auch die Story wie seine Erinnerung in Etappen: Der einsame Chaot Hancock zu Beginn wird mittig im Film mit Bruchstücken und später mit seiner ganzen Vergangenheit konfrontiert, bevor er dann am Ende seine Zukunft auf Messers Schneide stehen sieht. So wird nach und nach relativ geschickt mehr von der Story offenbart, wobei sich für diesen Helden insgesamt eine sehr interessante Herkunft ergibt.

Die Story an sich ist Superhelden-typisch. Sie greift dabei aber nur auf Klischees zurück. Andere schon dagewesene Elemente, wie die Herkunft von einem fremden Planeten, werden nicht übernommen.
Das einzige Problem ist, dass sich am Ende der ein oder andere Logikfehler einschleicht. Ohne zuviel zu verraten: Wie es sich mit den Superkräften zum Schluss verhält, oder wie die beiden außergewöhnlichen Hauptcharaktere miteinander in Wechselwirkung stehen - die gegebene Erklärung deckt sich nicht immer zu 100 Prozent mit dem Geschehen.

Action/Fesselfaktor:  70 %

Die Logik der Action ist dafür hart und kompromisslos: Will Smith als Superheld gleich maximale Verwüstung gleich maximale Action. Auf unorthodoxe Weise werden von ihm zahlreiche Ganoven auseinander genommen und auch der Kampf der Giganten fehlt nicht. Aber Hancock muss nicht mal nennenswert viele Menschen um sich herum haben, um Action zu verbreiten. Seine Landekunst und sein unzerbrechlicher Dickkopf allein richten schon mehr als genug Schaden an.

Dank Hancocks Unverwundbarkeit ist es zu Beginn des Filmes mit Spannung nicht unbedingt weit her. Zumal er keine bekannte Schwachstelle hat. Erst, als er seiner Vergangenheit auf die Spur kommt, steigt die Spannungskurve. Da er am Ende auch zunehmend in Bedrängnis gerät, erreicht sie dort ihr Maximum. Wenn es erstmal soweit ist, entwickelt "Hancock" einen nicht zu unterschätzenden Fesselfaktor, der die Gesamtbilanz nach oben reißt.

Specialeffects/Technische Umsetzung:  70 %

Ein Superheld allein bedeutet schon viel Effektzauberei. Aber Hancock bedeutet auch noch umso mehr Kollateralschaden, den es per PC zu erschaffen gilt. Dementsprechend wurde hier die große Specialeffects-Kiste Hollywoods ausgepackt. Und das mit ansehnlichem Ergebnis. Es besteht keine Minute ein Zweifel daran, dass Will Smith wirklich übermenschliche Kräfte besitzt und seine angerichtete Verwüstung so echt ist, dass man sie anfassen könnte. Insofern großes Kino!

Der Knackpunkt hier ist lediglich die Kameraführung, die nicht immer optimal ist. Das deutet sich schon an, wenn sich die Kamera gefühlte 10 mal um den Kopf von Charlize Theron dreht. Die Drehmarotte verliert sich dann aber im Kampf der Giganten und wird durch oftmals schlichte Unübersichtlichkeit abgelöst. So wird das Licht, das die wirklich schönen Spezialeffekte werfen, unnötig getrübt.

Besetzung:  75 %

Besser besetzt hätte die Rolle des Hancock nicht werden können. Wenn man vom Saufen mal absieht könnte Supermann Will Smith auch sich selbst spielen. Immer einen lockeren Spruch auf den Lippen gibt er den bösen Buben eine auf die Glocke und wirkt trotz seiner Eigenarten überaus sympathisch. Wahrscheinlich wird "Hancock" schon allein wegen Smith ein Kassenschlager.

Charlize Theron als Mary und Jason Bateman als Ray Embrey machen aber ebenfalls einen guten Job. Im Vergleich zu Will Smith sind sie jedoch eher eine Beilage als ein Hauptgericht, auf das man sich freut.
Mehr wiederkehrende Hauptfiguren als diese drei gibt es eigentlich auch nicht.

Funfaktor:  75 %

Neben Action und Spezialeffekten die ganz große Stärke von "Hancock": der Funfaktor. Ein betrunkener Superheld an sich ist schon witzig. Wird dieser allerdings noch von einem knallhart coolen Will Smith gespielt, ist das Gagspektakel unumgänglich. Hier strotzt es nur so von Situationskomik und jugendgefährdendem Fäkalhumor. Obwohl im Finale der Humor notwendigerweise etwas gekürzt wurde: klasse Filmunterhaltung mit garantierten Lachtränen!

Taschentuchquote:  25 %

Lachtränen sind über weite Strecken der einzige Grund, das Taschentuch zu zücken. Hancocks selbstverschuldete Unbeliebtheit dürfte wohl nur bei den Sensibelsten starke Emotionsausbrüche hervorrufen. Erst das Finale liefert Grund zu Gefühlsausbrüchen. Nicht unbedingt hieb- und stichfest logisch, aber dafür umso dramatischer.

Soundkulisse:  60 %

Wie so oft befindet sich auch hier das Soundniveau im guten Durchschnitt. Die dramatischen Szenen werden durch entsprechende Musik dramatischer, die lustigen noch witziger. Das Wechselspiel von Bild und Ton funktioniert also tadellos. An die Musikstücke wird man sich nach Verlassen des Kinos aber nicht unbedingt lange erinnern.

Ähnliche Filme

Da sich "Hancock" dem Genre der Superheldenkomödie zuordnen lässt, muss man sich für ähnliche Filme anderen Superhelden zuwenden. Die offenkundigste Gemeinsamkeit Hancocks besteht wohl zu Superman. "Superman Returns" ist ein Beispiel aus der nahen Vergangenheit, aber es gibt auch unzählige weitere Verfilmungen und Fernsehserien. Die "Spiderman"-Filme weisen ebenfalls gewisse Ähnlichkeiten auf. Gleiches gilt für den erst jüngst erschienenen "Iron Man".

Wer dem Will Smith Charme verfallen ist, kann sich sicher auch für die beiden "Men In Black"-Teile begeistern. In "I Am Legend" spielt Smith eine weitere Hauptrolle, die aber dramatischer und weniger lustig angelegt ist. 

Fazit

Superman und Spiderman sind Vergangenheit. Hancock heißt der neue Superheldentypus: betrunken, chaotisch und trotzdem sympathisch. Will Smith als unkonventioneller Retter der Welt - allein das ist schon den Gang zum Kino wert. Action pur trifft hier auf Spezialeffekte, die sich gewaschen haben. Wo zu Beginn die Spannung etwas auf sich warten lässt, geschieht der Ausgleich durch urkomische Situationskomik und den typisch coolen Will Smith Humor. Dabei konzentriert sich alles so auf den Hauptdarsteller, dass die anderen Schauspieler regelrecht verblassen und ungewollt in den Hintergrund rücken. Das wohl größte, aber doch zumindest nervigste Manko ist ein ums andere mal die unvorteilhafte Kameraführung. So mancher Spezialeffekt wird hierdurch in Mitleidenschaft gezogen.

Alles in Allem ein überaus unterhaltsamer Film, bei dem höchstens noch manche Ungereimtheit in der Story negativ zu Buche schlägt. Trotzdem ist "Hancock" zu mindestens 75% den Kinobesuch wert.

 

Florian Hösch

 

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Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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