Hardcover Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 12

Laufzeit: 93 Minuten

Originaltitel: Hardcover

Schauspieler: Lucas Gregorowicz, Wotan Wilke Möhring, Justus von Dohnanyi, Anna Dereszowska, Charly Hübner, Thea Schnering, Filip Peters, Lisa Maria Potthoff, Sybille Schedwill, Jan Sosniok, Martin Semmelrogge

Goethe und Faust, Tolkien und Herr der Ringe, Rowling und Harry Potter - große Namen großer Persönlichkeiten und Werke. Umso ärgerlicher für den erfolglosen Schriftsteller Christoph, dass man mit seinem Namen nur billige Krimis und Kurzgeschichten verbindet. Es muss sich endlich etwas tun! Als Christoph eines Tages mit dem Kleinkriminellen Dominik aneinander gerät, bietet sich die einmalige Chance: Raus aus der Askese des Kleinautoren und rein ins wilde Leben eines Erfolgsautoren! Wenn das alles doch nur so einfach wäre....

Storyline:  75 %

"Sinnkrise eines Schriftstellers" beschreibt die Filmhandlung eigentlich ganz treffend. Ähnlich wie in Goethes "Faust", sucht sich in "Hardcover" die in ihrem Leben verzweifelte Hauptperson einen Mentor. Anstelle eine Annäherung mit dem Teufel anzugehen wendet sich der Autor Christoph jedoch an den weit weniger diabolischen Freizeitgangster Dominik. Der zeigt ihm im Zuge einer klassischen Buddy-Komödie nicht nur das wahre Leben. Die beiden werden im Filmverlauf auch zu dicken Freunden. Eine Freundschaft, die die Handlung maßgeblich vorantreibt.

"Hardcover" wartet mit einer soliden Story auf, die kaum an Interesse verliert. Prinzipiell geht für die Protagonisten fast alles schief, was schiefgehen kann. Das bringt die nötige Abwechslung und sorgt nicht zuletzt für einen weitgehend unvorhersehbaren Handlungsverlauf.

Langweilig wird es eigentlich nie. In den Dialogen von Christoph und Dominik stoßen verklemmter Intellekt und offenherzige Alltagssprache zusammen. Eine Mischung, die durch Missverständnisse und allgemeinen Sprachschwung eine äußerst kurzweilige Stimmung erzeugt.

Action/Fesselfaktor:   20 %

Es fällt recht schnell auf, dass der Film vor allem von saftigen Dialogen mit ordentlich Witz lebt. Actionkino kann man hier kaum erwarten. Was nicht heißt, dass man nicht auch ein paar fliegende Fäuste zu sehen bekommt. Actionfreunde müssen sich aber mit einigen wenigen Boxkämpfen und ein bisschen Hinterhofdresche zufrieden geben.

Ähnlich verhält es sich mit der Spannung. Die Unvorhersehbarkeit der Handlung ist das einzige, was im weitesten Sinne fesselnd wirkt. Die heitere Stimmung des Films, der sich selbst auf Korn nimmt, stellt den größten Widerstand dar.
Außer einer Handlungsverdichtung gegen Ende, ist auch für Thrilling-Süchtige wenig zu wollen. 

Specialeffects/Technische Umsetzung:   10 % 

Effektkargheit kennzeichnet "Hardcover". Außer einem verschrotteten Kleinwagen am Ende hält sich der Materialaufwand sehr in Grenzen. Die Kameraführung ist konventionell gehalten und zeigt wenig Außergewöhnliches. "Hardcover" ist aber ein sehr gutes Beispiel dafür, dass ein Film auch einwandfrei ohne Effekte auskommen und dennoch ausgezeichnet unterhalten kann. Sehr stimmig inszeniert!

Besetzung:   75 %

Über den Cast kann man wirklich nicht meckern. Internationale Größen vermisst man in diesem Film zurecht. Die Darsteller passen sich in ihre Rollen aber dennoch hervorragend ein. Insbesondere die beiden Hauptdarsteller Lucas Gregorowicz und Wotan Wilke Möhring zeigen in ihren Rollen als Christoph und Dominik eine Glanzleistung. Sie verkörpern die vorgesehenen Gegensätze fast schon idealtypisch und gestalten die wachsende Freundschaft zwischen ihren Figuren dennoch glaubwürdig.

Die Besetzung im Allgemeinen überzeugt überhaupt ungewöhnlich stark. Es gibt wenig nennenswerte Schwächen, die man den Schauspielern ankreiden könnte.
Da hat die Casting-Crew auf ganzer Linie tolle Arbeit geleistet!

Funfaktor:   80 %

Wenn man schon nicht mit dem Motto "Fit For Fun" ins Kino geht, verlässt man es mit diesem spätestens. Der Film stellt ohne groß zu übertreiben eine der besten deutschen Komödien der letzten Jahre dar.

Einschlägige Sätze durchziehen den Film als wiederkehrende Running Gags und bringen Unterhaltung für alle Bildungsstufen mit. Zwischen einfachen, prägnanten Aussagen und erstaunlich kreativen Bemerkungen ist sogut wie alles dabei.
Dabei werden auch etliche Klischees aufgegriffen und fast schon parodistisch behandelt. Der unsichere, verklemmte Schriftsteller ist hier ebenso vertreten wie der Autowerkstattbesitzer, der als ruchloser Gangsterboss zwielichtige Geschäfte abwickelt.
Von allem ist etwas dabei. Auch recht ansprechenden Fäkalhumor kann man herausriechen. Zum Lachen ist definitiv mehr als genug Anlass gegeben. Man muss sich nur mitreißen lassen!
 

Taschentuchquote:   5 %

Für die 93 Minuten ist vor allem Heiterkeit gemeldet. Als Zuschauer bleibt man von Schauern weitgehend verschont.
Wer Niagara-Fälle erleben will, ist mit diesem Film sehr schlecht beraten. Die Tränendrüsen können sich in "Hardcover" eine gemütliche Auszeit gönnen. 

Soundkulisse:   65 %

Musikalisch wartet der Film mit einem sehr passenden Sound auf. Jeder der beiden Protagonisten hat praktisch sein eigenes "Theme": der schüchterne Christoph ruhige Töne mit eher älterem Kaliber, Draufgänger Dominik Rap und Hip-Hop in Gangstermanier. Ob sie dem Zuschauer gefällt oder nicht, die Soundkulisse ist recht geschickt gewählt. Die Themes der beiden Hauptfiguren entwickeln sich mit der Zeit aufeinander zu und ergeben zum Schluss ein Kompromisstheme. Die Musik verdeutlicht somit also auch in gewissem Maße die Entwicklung der beiden Charaktere.

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Nicht nur den Regisseur Christian Zübert, sondern auch die Darsteller Lucas Gregorowicz und Wotan Wilke Möhring hat "Hardcover" mit "Lammbock" aus dem Jahre 2001 gemein. Hier wird direkt auf Drogengebrauch und nicht nur auf Drogenhandel wie in "Hardcover" eingegangen. Dahingehend Interessierte und Freunde des deutschen Komödiengenres sei "Lammbock" wärmstens ans Herz gelegt.

Da "Hardcover" indirekt eine Parodie auf "Pulp Fiction" sein soll, empfiehlt sich ebenfalls ein Blick auf diesen Klassiker mit John Travolta, Bruce Willis, Uma Thurman und Samuel L. Jackson. Mit 1994 zwar schon ein älteres Baujahr, weiß "Pulp Fiction" aber immer noch zu unterhalten.

Fazit

Mit "Hardcover" liefert Christian Zübert einen Film, der an den Erfolg von "Lammbock" anknüpfen kann. Action, Spezialeffekte und emotionale Abgründe wird man weitgehend vermissen. Die Stärke des Filmes liegt aber eindeutig auf seinem Humor. Die immer wieder eingestreuten Gags sorgen dafür, dass die abwechslungsreiche und nicht immer vorhersehbare Story keinen Durchhänger hat. Running Gags und parodierte Klischees finden sich zur Genüge. Allerdings ist auch Fäkalhumor mit von der Partie, aber in einer sehr erträglichen und erheiternden Form. Die Wahl der Hauptdarsteller hätte im übrigen nicht besser ausfallen können. Wotan Wilke Möhring und Lucas Gregorowicz spielen ihre Rollen derart souverän, dass man ihre Alltagstätigkeiten mit denen des Films gleichsetzbar glaubt.

Ein nicht unbedingt spannender, aber doch witziger Film, der mindestens eine 75% Empfehlung wert ist.

Florian Hösch

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Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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