Indiana Jones Und Das Königreich Des Kristallschädels Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 12

Laufzeit: 122 Minuten

Originaltitel: Indiana Jones And The Kingdom Of The Crystall Skull

Schauspieler: Harrison Ford, Shia LaBeouf, Cate Blanchett, Karen Allen, Ray Winstone, John Hurt, Jim Broadbent

Nach 19 langen Jahren ist Dr. Henry Jones Jr., besser bekannt als Indiana Jones, aus der Versenkung zurückgekehrt. Und für den Ruhestand ist er noch lange nicht bereit. Es ist das Jahr 1957. Der Kalte Krieg wütet hinter den Kulissen einer kurzfristig befriedeten Weltbühne. Die Sowjet Union hat sich zu einer neuen Bedrohung im amerikanischen Bewusstsein erhoben. Und das aus gutem Grund: Die sowjetische Agentin Irina Spalko, die in eine abgeriegelte Lagerhalle auf amerikanischem Militärgebiet eindringt, liefert das beste Beispiel. Sie ist auf der Suche nach dem legendären Kristallschädel und gedenkt sich den Abenteuerarchäologen Dr. Jones dabei zunutze zu machen. Doch Dr. Henry Jones Jr. wäre nicht Indiana Jones, wenn er nicht gehörigen Widerstand leisten würde. Mit dem aufrührerischen Teenager Mutt im Gepäck macht er sich auf, das Rennen um den mysteriösen Kristallschädel für sich zu entscheiden.

Storyline:   65 %

Lange haben sich die Macher Zeit gelassen. Drehbuch um Drehbuch wurde in der Luft zerissen, bis die Suche nach dem neuen "Indy" endlich abgeschlossen war. Ein sagenumwobener Kristallschädel soll nun also das Zentrum der Geschichte sein. Nicht die schlechteste Wahl, aber sicher auch nicht die beste.

Der zuvor entdeckte Heilige Gral ist schwer zu toppen. Mit dem Kristallschädel schalten George Lucas und Steven Spielberg verständlicherweise einen Gang zurück. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn dafür die restliche Story umso stimmiger wäre. Aber hier lässt sich leider recht oft das gewisse Etwas vermissen, das die Vorgänger ausgemacht hat. Trotzdem kommt ein ums andere mal das ersehnte Indy-Feeling auf. Nach dem Geschmack des eingefleischten Fans hätten einige weitere Momente allerdings nicht weh getan.

"Indiana Jones Und Das Königreich Des Kristallschädels" präsentiert seine Story etwas komplexer als dies seine Vorgänger taten. Geistig kann man jedoch dennoch gut Schritt halten. Das Problem liegt sicher nicht in der Komplexität der Geschichte, sondern in seiner ganzen Konzeption. Besonders gegen Ende fällt auf, dass Indy selbst immer weniger am Geschehen beteiligt ist und fast nur noch passiv teilhat.

Letztlich beschäftigt sich der Film mit einer lange verlorenen Zivilisation und ihren Geheimnissen. Vielleicht wäre man mit einer varierten Filmumsetzung des Amigagames "Indiana Jones And The Fate Of Atlantis" besser gefahren. Die verlorene Zivilisation und viele andere Ansatzpunkte wären gleich geblieben. Das Mysterienkaliber von Atlantis wäre einer lebhafteren Story aber wahrscheinlich zuträglicher gewesen.

Action/Fesselfaktor:    75 %

Was an Handlung negativ zu Buche schlägt und die Unterhaltung dämpft, wird durch zahlreiche Action zumindest teilweise wieder wett gemacht. "Indiana Jones Und Das Königreich Des Kristallschädels" bietet insgesamt wohl wesentlich mehr Actionszenen als jeder seiner Vorgänger. Faustkämpfe und Schießereien gepaart mit dosiertem Peitscheneinsatz erfreuen das Auge und stützen den Unterhaltungswert auf einem recht konstanten Niveau. Das unverschämte Glück und die trainierten Schutzengel von Dr. Jones sind zusammen mit erstaunlich präzisem Augemaß auch diesmal wieder mit von der Partie. Harrison Ford mit seinen 66 Jahren macht dabei eine überraschend gute Figur. Seine Bemühungen mit den wirklich gelungenen selbstgemachten Stunts sind den Gang zum Kino auf jeden Fall Wert

Das vom Film generierte Maß an Spannung ist irgendwo im Mittelfeld anzusiedeln. Die übliche Spannungskurve wird eingehalten und dementsprechend ist das Finale der Punkt höchster Elektrisierung. Etwaige Mängel an der Quantität des Fesselfaktors vom neusten "Indy" sind wie fast alle Kritikpunkte eng mit der Story verknüpft. Langweilig ist der neue Indiana Jones aber mit absoluter Sicherheit nicht!

Specialeffects/Technische Umsetzung:    70 % 

Gemäß Spielberg soll "Indiana Jones Und Das Königreich Des Kristallschädels" filmtechnisch den Stil der Vorgänger beibehalten. Das mag für die souveräne Kameraführung und in abgespecktem Maße auch für die besser als erwartete Bildqualität gelten.

Die Spezialeffekte sprechen hingegen eine andere Sprache. Denn diese gibt es entgegen der Aussage Spielbergs zuhauf. Von CGI wird reichlich Gebrauch gemacht, oftmals sogar mehr als gut ist. Das soll aber nur ein eingeschränkter Kritikpunkt sein: Die Effekte sind weitgehend gut bis sehr gut gelungen und lassen Pappattrappen natürlich bei weitem hinter sich verblassen. Qualitativ ergeben sich also weniger Probleme, dafür aber quantitativ. Besonders gegen Ende hin hagelt es die Spezialeffekte nur so. Doch schon die Atomexplosion zu Beginn unter zweifelhafter Beteiligung eines Kühlschrankes lässt stark an Realitätsnähe mangeln.

Insgesamt sind sowohl Spezialeffekte als auch die allgemeine technische Umsetzung gut und zufriedenstellend. Der Hang zur Übertreibung bleibt jedoch.

Besetzung:    75 %

Besonders Harrison Ford in seiner bewährten Titelrolle als Indiana Jones sticht sehr positiv hervor. Das Alter mag ihm einige Falten beschert haben, seinem Talent und seinem Charakter als Indiana Jones ist jedoch kein Abbruch getan. Hat er, wie behauptet, die Mehrzahl seiner Stunts selbst durchgeführt, kann ihn kaum einer für seine schauspielerische Leistung rügen. Indiana Jones ist jedenfalls ähnlich vital wie vor knapp 20 Jahren.

Shia LeBeouf liefert als Mutt Williams ebenfalls eine überraschend gelungene Leistung ab. Trotz der über 40 Jahre Altersunterschied zu seinem Leinwandmentor Harrison Ford harmonieren die beiden ungewöhnlich gut.

Nicht ganz so positiv ist über Cate Blanchett zu urteilen. Sie wirkt in ihrer Rolle als sowjetische Agentin Irina Spalko insgesamt recht blass. Das ist weniger auf ihr schauspielerisches Können als auf die im Drehbuch offensichtlich so bleich konzipierte Figur zurückzuführen. Als Filmbösewicht im Kalten Krieg wirkt sie allerdings nicht annähernd kalt genug. Ray Winstone schauspielert ebenfalls souverän, kommt als George McHale aber auch eher gesichtslos rüber. Ähnliches gilt für John Hurt, der seine Figur mit einer fast schon glänzenden Leistung auf die Leinwand bringt.

Funfaktor:    60 %

Die Komik lebt zu einem großen Teil von der Chemie zwischen Mutt und Indy. Wenn dann noch Mutts Mutter und Indys Ex-Freundin Marion Ravenwood dazu kommt, erfährt das ganze noch einen Auftrieb. Doch auch zahlreiche lockere Indy-Sprüche sorgen für eine mehr oder minder heitere Stimmung. In den Teilen 1 bis 3 sind diese Sprüche jedoch - vermutlich altersbedingt - noch einen Hauch fetziger und haben mehr Charme.

Für den Kenner offenbaren sich darüber hinaus zahlreiche Anspielungen auf die früheren "Indiana Jones"-Teile. Ob nun auf die Bundeslade oder Indys Angst vor Schlangen: Die Anspielungen wissen vor allem dem Fan zu gefallen. Aber auch hier zeigt sich wieder ein wenig zuviel des Guten. Spielberg und Lucas waren offensichtlich etwas zu sehr bemüht, Anspielungen auf die Vorgänger einzubauen. Nichtsdestotrotz ein passabler Funfaktor mit durchaus hohem Unterhaltungswert.
 

Taschentuchquote:    15 %

Tränen vergießen kann der geneigte Zuschauer eigentlich nur über die Wahl des Drehbuchs. Ansonsten gibt es wenig Anlass, das Taschentuch zu zücken. Höchstens 'Macs' Abgang trägt ein gewisses Potential in sich. Die Konzeption der Figur erlaubt aber nur eingeschränkte Sympathie und daher eine eher geringe Wahrscheinlichkeit, in Tränen auszubrechen.

Soundkulisse:    80 %

Der Sound lässt wenig Grund zum Bemängeln. Es finden sich zwar keine auffälligen Neukompositionen und die Innovation ist dahingehend also recht gering. Dafür werden aber die Themes der Vorgänger aufgegriffen und neu eingebaut. Gemeinsam mit dem markanten Indiana Jones Main Theme ist ihnen ein Großteil der Atmosphäre geschuldet. Das eigentliche Indy-Feeling wird auch in "Indiana Jones Und Das Königreich Des Kristallschädels" vor allem durch die Soundkulisse vermittelt.

Ähnliche Filme

Bevor man sich in diesen 4. Teil hineinwagt, sollte man sich unbedingt die vorhergehenden drei Teile zu Gemüte geführt haben. Ein Großteil der Anspielungen hängt hiervon ab, ganz zu schweigen von der Atmosphäre, die erst durch die Kenntnis der anderen Abenteuer des Dr. Jones richtig aufkommen kann. Die Filme sind schlicht und ergreifend Kult!

In gewissem Maße vergleichbar sind auch die beiden "Tomb Raider" Filme mit Angelina Jolie. Trotz eines Mangels an Lederjacke, Peitsche und Hut ist dieser Protagonist nicht unbedingt weniger gefährlich.

Jetzt, da die "Indiana Jones" Reihe zumindest teilweise ihr Rad in Übernatürliche geschlagen hat, lässt sich auch ein ernsthafter Vergleich mit der "Mumie" ziehen. Teil 1 und 2 sind seit 2001 bereits vollendet. Ein dritter Teil der Abenteuerreihe kommt im Sommer 2008 in die Kinos und vermag vielleicht auch Fans von Indy für sich zu gewinnen.

Fazit

Der unverwüstliche Archäologieprofessor schwingt zum vierten mal die Peitsche. Persönlich hat er dabei weder an Schlagkräftigkeit noch an Wortgewandheit verloren. Harrison Ford verkörpert Dr. Henry Jones Jr. trotz fortgeschrittenem Alter immer noch so authentisch wie am ersten Tag. "Indiana Jones Und Das Königreich Des Kristallschädels" wartet dabei mit mehr Action auf als jeder andere Teil der Reihe zuvor. Auch die Spezialeffekte können sich sehen lassen, auch wenn von ihnen etwas mehr ins fertige Filmprodukt geraten ist, als gewünscht oder gehofft war. Der typische Charme und Witz bleibt weitgehend erhalten. Der eigentliche Kritikpunkt am Film befindet sich jedoch im Drehbuch. Die erzählte Geschichte kann kaum mit den Vorgängern mithalten und ist eher suboptimal. Mit einer anderen Story stünde der Film wesentlich besser da.
Auch wenn dies wahrscheinlich der schwächste Teil der "Indiana Jones"-Reihe ist, kann man besonders als Fan mit einem guten Gewissen den Gang ins Kino antreten. Es kommt durchaus Indy-Feeling auf und auch als Nicht-Fan kann man sich auf knapp 2 Stunden gute Unterhaltung freuen. Der Film ist sicherlich zu 70% zu empfehlen.

Florian Hösch

 

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Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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